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Posts Tagged ‘Harald Luft’


An der Sprachreise vom 3. bis 12. August, von der hier später noch die Rede sein wird, nahm auch Harald Luft, Musiklehrer am Marie-Therese-Gymnasium, teil. Einen ganzen Nachmittag verbrachte er an der Kinderkunstschule Nr. 3 mit deren Leiter, Alexander Sneschin, und der stellvertretenden Direktorin für die Verwaltung, Tatjana Matwejewa.

Harald Luft und Alexander Sneschin

Alexander Sneschin, der dem Kollegen aus Erlangen die Klassenräume und die beiden Konzertsäle zeigte, berichtet von einem anregenden Gespräch, an das er gern zurückdenke.

Tatjana Matwejewa und Harald Luft

Da ist es besonders schade, daß der Austausch des MTG mit Wladimir schon vor fünf Jahren eingestellt wurde. Aber, wer weiß, vielleicht gibt die Musik ja neue Impulse für ein Miteinander. Frei nach William Shakespeare könnte man sagen: „Wenn die Musik der Städtepartnerschaft Nahrung ist, spielt weiter!“

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Daria Baranowa

Gabriele Bergmann, Musiklehrerin am Christian-Ernst-Gymnasium war am vergangenen Mittwoch so begeistert von dem Auftritt der vierzehnjährigen Daria Baranowa, daß sie die russische Instrumentalistin mit ihrer Domra um eine Zugabe für den gestrigen Montag bat. Auch wenn der Abreisetag im Programm eigens freigehalten wurde, brauchte es kein langes Überlegen, die Zusage kam umgehend, und so füllte sich gestern am späten Vormittag der Musiksaal des CEG wieder mit gut 60 Schülern aus drei Klassen. Und wieder dieses gespannte Hören, dieses bewegte Hineinfühlen in die fremden Klänge der russischen Folklore. Kein störender Mucks zu vernehmen, kein Stühlerücken, nur gesammelte Aufmerksamkeit – und so viel Licht auf den Gesichtern.

"Autogrammstunde" nach dem Konzert, Photo Udo Winkler

Aber es kamen auch wieder ganz ähnliche Fragen am Ende des jubelnd gefeierten Auftritts. Wie Dascha es denn schaffe, nach zwei bis drei Stunden täglichen Übens auf der Domra auch noch ein ähnliches Pensum an der E-Gitarre zu leisten, ganz zu schweigen von den Hausaufgaben. Ob sie denn auch noch Zeit für Freunde habe? Dascha kennt das Erstaunen über ihre Leistungen bereits, bleibt aber scheu zurückhaltend und versichert sich vor jeder Antwort mit einem Blick bei ihrer Pianistin, Lana Grjasnowa, oder der Direktorin ihrer Schule, Jelena Soskowa. Nur als sie gefragt wird, wie sie das alles unter einen Hut bringe, lächelt sie spontan und meint: „Das schaffe ich halt so.“ Wie, bleibt wirklich ihr Geheimnis. Das hat sie auch am Marie-Therese-Gymnasium nicht gelüftet, wo sie auf Einladung von Harald Luft ein weiteres Konzert gegeben hatte, ebenfalls vor vollem Saal.

Lana Grjasnowa, Jelena Soskowa, Bärbel Hanslik

Zu den Zwischentönen des Besuchs von Daria Baranowa gehören aber auch Treffen und Gespräche der Erwachsenen. Da kamen zum Beispiel Jelena Soskowa und Lana Grjasnowa mit Bärbel Hanslik, der Leiterin der Erlanger Sing- und Musikschule, zusammen, deren Konzept sich ganz wesentlich von dem der russischen Kunstschulen unterscheidet, wo nicht nur praktischer Unterricht an Instrumenten gegeben wird, sondern wo man auch theoretische Fächer und sogar Stimmbildung belegen muß, um ein Zertifikat zu erhalten, das später die Tür zur professionellen Ausbildung öffnet. Die Zeit reicht gar nicht, um alle Fragen zu besprechen. Da kann nur ein baldiger Besuch in Wladimir helfen. Die Einladung ist jedenfalls ausgesprochen. Und nebenbei bemerkt: Auf dem Hintergrund des Photos sind bleibende Spuren aus Wladimir zu sehen. Die Wände der Sing- und Musikschule hat vor sechs Jahren Serafima Tschernoglasowa gestaltet.

Pawel Bondarjew und Dmitrij Baranow

Aber auch die Herren aus der Gruppe blieben nicht untätig im Hintergrund. Dmitrij Baranow, Daschas Vater, ist pensionierter Polizist und will zusammen mit Pawel Bondarjew dabei helfen, Kontakte zwischen den Gefängnissen der Partnerstädte herzustellen. Das Thema Strafvollzug ist in Rußland derzeit in aller Munde, denn man will die Haftbedingungen schrittweise an europäische Standards heranführen. Für das Wladimirer Zentralgefängnis eine besondere Herausforderung angesichts seiner bis in die Zeit von Katharina der Großen zurückreichende Geschichte als Verwahrungsort für Regimegegner, angebliche und echte Kriegsverbrecher, für Dissidenten und Spione. Vereinbart wurde nun ein Besuch von Wladimirer Fachleuten für die zweite Oktoberwoche. „Die werden Augen machen“, meint Dmitrij Baranow nach der eingehenden Besichtigung der Sozialtherapeutischen Anstalt in Erlangen mit ihren vierzig Insassen, „denn das hier ist im Vergleich zu unseren Gefängnissen ein Pionierlager.“

Empfang bei Bürgermeisterin Elisabeth Preuß

Dmitrij Baranow war im November 2009 schon einmal mit Pawel Bondarjew in Erlangen und traf hier seine Polizeikollegen, mit deren Hilfe er in Wladimir eine Ortsgruppe der International Police Association (IPA) gegründet hatte. Ehrensache, daß man sich am Sonntag und gestern mit Udo Winkler, dem Vorsitzenden der IPA Erlangen, traf und gleich für Ende Juni die nächste Begegnung zum 30jährigen Gründungsjubiläum des internationalen Polizistenverbands verabredete. Über das Treffen berichtet Udo Winkler mit eigenen Worten:

Dmitrij Baranow, Udo Winkler, Pawel Bondarjew

Es war ein spontaner, aber sehr netter Kontakt mit der ganzen Gruppe. Wir haben uns am Sonntagnachmittag um 16.00 Uhr im Gästehaus Frankenhof getroffen und sind dann ins IPA-Vereinsheim, zum IPA-Turm nach Herzogenaurach, gefahren. Dort wurden die Gäste von mir bewirtet. Nach der Besichtigung des Turmes und der Polizeidienststelle in Herzogenaurach sind wir dann etwa gegen 19.00 Uhr nach Erlangen gefahren und haben beim Angerwirt in der Guhmannstraße noch ein warmes Abendessen zu uns genommen. Kurz nach 22.00 Uhr wurden die Gäste dann von mir ins Gästehaus gebracht, damit Daria für das Konzert ausgeschlafen ist. Begeistert war ich insbesondere natürlich über die komplette Polizeiuniform, die in Zukunft einen Ehrenplatz in unserem IPA-Turm erhalten wird. Daß sowohl Natalia Grebnev als auch Irina Tartakowskaja spontan zugesagt hatten, mich zu begleiten und zu unterstützen, hat mich schwer begeistert.

Ohne Worte

Auch das Konzert im Christian-Ernst-Gymnasium hat mir persönlich sehr gut gefallen. Der Rhythmus „zum Mittanzen“ ebenso wie die langsameren Passagen haben mir teilweise Gänsehaut verpaßt. Also eine wirklich gelungene spontane Konzerteinlage, die auch den Schülern des Gymnasiums gut gefallen hat. Könnte mir so etwas durchaus auch in der Schule meiner Tochter vorstellen (Werner-von-Siemens-Realschule).

Der Link zum ersten Besuchstag der Gruppe unter: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2011/03/24/ein-stern-geht-auf-in-erlangen. Der Link zum ersten Besuch von Dmitrij Baranow unter: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2009/11/21/wenn-polizisten-freunde-werden

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Gruppenbild

Schon wieder geht ein Besuch in Erlangen zu Ende. Eine gute Woche hatte eine Schülergruppe aus Wladimir am Marie-Therese-Gymnasium verbracht und damit eine Tradition fortgesetzt, die für die Städtepartnerschaft von unschätzbarem Wert ist, werden hier doch Kontakte zwischen Jugendlichen geknüpft, die oft mit den Jahren immer enger werden, zumindest aber den Schülern Weltläufigkeit vermitteln und sie interkulturelle Kompetenz einüben lassen. Ein großes Werk der Völkerverständigung, das die beiden Partnerschulen und die gastgebenden Eltern da Jahr für Jahr neu und mit wechselnden Akteuren schaffen.

Irina Nasarkina, Helga Häußinger, Ludmila Barynina

Aber natürlich ist dergleichen nicht ohne Konstanten möglich, auch und gerade bei den Akteuren. Schüleraustausch – nachgerade mit Rußland – ist keine Pflichtveranstaltung. Kein Lehrplan, keine Dienstvereinbarung und erst recht keine Weisung aus dem Partnerschaftsbüro kann Pädagogen auferlegen, sich dem Aufwand zu unterziehen, der mit derartigen Programmen zusammenhängt, – von der Antragsstellung für Zuschüsse über die Gespräche mit den Eltern bis hin zu Details der Reiseplanung. Eine freiwillige Leistung, ein ehrenamtlicher Einsatz ist das in großen Teilen – und das in Zeiten von immer stärker verdichteten Lehrplänen, die kaum noch Raum für außerschulische Veranstaltungen lassen. Was da geleistet wird, werden die jungen Leute wohl erst richtig zu schätzen wissen, wenn sie in Studium und Beruf auf Erfahrungen zurückgreifen können, die sie jetzt gemacht haben. So lange wollen wir aber nicht warten und sagen an der Stelle Helga Häußinger, heuer unterstützt von Harald Luft und Ludmila Barynina sowie ihrer Kollegin Irina Nasarkina danke und спасибо!

Igor und Mara

Mara Bodden ist zwar erst vierzehn Jahre alt, geht aber schon als rechte Weltenbummlerin durch und kennt von Reisen mit ihren Eltern Paris, Rom und London, La Palma und Casablanca. Nun führte sie der Schüleraustausch in dem Jahr erstmals in eine russische Stadt, nach Wladimir. „Das ist was ganz anderes“, sprudelt sie munter drauflos, „die Wohnungen sind viel kleiner, die Leute haben allgemein nicht so viel wie wir, aber die Russen leisten sich auch gerne Luxus. Zum Beispiel haben fast alle neueste Handys.“ Die nutzen die Wladimirer Schüler zu Maras Verwunderung sogar während des Unterrichts, den sie für Gespräche gern auch mal für einige Zeit verlassen. Und das mit dem Schwänzen sehe man in der Partnerschule Nr. 10 auch nicht immer so eng. „Mehr Freiheiten haben die und ganz nette Lehrer, alle so aufgeschlossen, gastfreundlich. Wir wurden gleich in die Arme geschlossen. Und ein schönes Land ist das.“ Kultur und Architektur haben es der quirligen Schülerin besonders angetan, und mächtig beeindruckt war sie von Moskau, der vierten Metropole, die sie in ihrem noch so jungen Leben nach Paris, London und Rom schon kennengelernt hat. Nur zu den Toiletten in der Schule will sie lieber vielsagend schweigen. Doch da springen die Jungs aus der russischen Gruppe, die dem Gespräch folgen, ein und nicken bestätigend: „Genau, das ist ein schlimmes Problem überall bei uns.“

Harald Luft

„Genau“ ist eines der Lieblingswörter von Mara, und die Gäste machen sich einen harmlosen Jux daraus, die Genaus zu zählen und sich selbst auf der Zunge zergehen zu lassen. Doch Mara lacht das mit ihrem liebenswert-heiteren Gemüt alles weg – und die anderen mit ihr. Übrigens auch die wohlmeinende Kritik: Es gab zu wenig Zeit, die man in der Gruppe gemeinsam verbringen konnte. Der Ausflug nach Bad Windsheim war dafür zu wenig. Alle anderen Treffen fanden individuell organisiert statt – mit Ausnahme des gestrigen Abschiedsabends. „Das hat mir in Wladimir besser gefallen, genau! Da haben wir mehr gemeinsam unternommen.“ Was Mara wohl nur ahnt: Das strenge Reglement des Stundenplans in Bayern wird wohl nicht viel mehr an Unterrichtsbefreiung zulassen, wo doch gerade solche Begegnungen ermöglichen, fürs Leben zu lernen. Oder ist es immer noch so wie zu Zeiten von Seneca, der schon beklagte „Non vitae, sed scholae discimus“? Aber auch das hat sein Gutes, und so konnte Maras Gastschülerin, bei der sie schon in Wladimir wohnte, etwas besser Deutsch lernen. Vier Mails pro Woche sind vor dem Besuch zwischen Erlangen und Wladimir hin- und hergegangen, alle auf Englisch. Und dabei soll es nicht bleiben: „Ich will unbedingt mal wieder nach Wladimir, und meine Freundin kommt bestimmt noch einmal nach Erlangen.“   

Gruppenbild

Der fünfzehnjährige Igor Arefjew kann dazu nur sagen: „Genau!“ Obwohl sein Deutsch schon ganz passabel ist, wenn er sich auch schämt, in all den Jahren, wo er die Fremdsprache gelernt hat, nicht mehr Fortschritte gemacht zu haben. Immerhin besucht er jetzt Kurse im Erlangen-Haus, hat also Blut geleckt, will mehr aus seinem Deutsch machen. Auch Igor ist schon in der Welt herumgekommen, war im Baltikum und in Skandinavien. Und nun zum ersten Mal Deutschland. „Ich bin der fünfte in meiner Gastfamilie“, berichtet Igor eher etwas bedächtig. Aber als fünftes Rad am Wagen fühlt er sich da gewiß nicht. „Man kümmert sich großartig um mich. Ich fühle mich wie ein leibliches Kind der Familie. Das Essen schmeckt mir, die Lebensweise gefällt mir gut, und die deutsche Mentalität verstehe ich.“ Ungewohnt ist für den Gast nur, wie lange sich die Deutschen im Vergleich zu den Russen Zeit damit lassen, Kinder zu bekommen. „Unsere Eltern sind alle viel jünger als die Eltern unserer Erlanger Freunde.“ Aber was spielt das schon für eine Rolle, wenn man, wie Igor, mit der Gastfamilie zu einem Spiel des 1. FCN ins Stadion fahren kann und mit dem deutschen Freund die Freude an der Musik teilt! Da verwundert es nicht, auch von Igor zu hören, er wolle unbedingt wiederkommen und den Kontakt halten.

Ereignisreiche Tage gehen zu Ende. Man hat viel voneinander und miteinander gelernt, etwa bei den Miniprojekten, wo jeweils Vierergruppen aus zwei Erlanger und zwei Wladimirer Schülern in Kurzreferaten Themen aus dem jeweils anderen Schulalltag vorstellten. Wer weiß, ob die jungen Leute nicht eines Tages bei gemeinsamen Projekten in Kultur oder Wissenschaft kooperieren… Ein guter Anfang ist in jedem Fall gemacht. Anlaß genug, zum guten Schluß auch den Gasteltern für Geduld und Toleranz zu danken. Der Einsatz hat sich – wieder einmal – für alle gelohnt. Hoch und lang lebe der Schüleraustausch und jeder einzelne, der ihn möglich macht!

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