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Posts Tagged ‘Hans Ziegler’


Auch nach dem erst vor einem Jahr vollzogenen Wechsel des Betreibers – von den Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen an die Malteser – bleibt das Waldkrankenhaus in Erlangen auf seinem internationalen Kurs und weiter offen für den Austausch mit Wladimir. Sogar mehr denn je.

Roman Lorz und Guram Tschjotschjew

Guram Tschjotschjew kam als junger Orthopäde mit der ersten Medizinerdelegation aus der Partnerstadt erstmals 1991 hierher und fand so Anschluß an Forschung und Lehre im Westen. Vor allem aber fand er Freunde und Kollegen, die ihn förderten und ihn auf den Wegen in die weltweit agierenden Gremien und Verbände begleiteten. Der Nordossete, in den 80er Jahren aus dem Kaukasus nach Wladimir gekommen, hatte sich in der neuen Heimat schon einen Namen bei der Behandlung von kleinwüchsigen Kindern gemacht. Nun fand er aber auch in Erlangen Anerkennung und rasch Aufnahme in den Deutschen und Amerikanischen Orthopädenverband, hielt weltweit Vorträge zu seinem Fachgebiet, habilitierte sich und gilt heute als Koryphäe nicht nur in seinem Land.

Raimund Forst und Guram Tschjotschjew, die beiden Professoren der Orthopädie

Bestimmt sieben bis acht Hospitationen folgten am Waldkrankenhaus, doch der letzte Besuch liegt nun doch schon zwölf Jahre zurück. Zeit, die Fäden wieder aufzunehmen. Und in Raimund Forst, Direktor des Universitätsklinikums im Waldkrankenhaus, findet der Gast denn am Freitag auch das Gegenüber, auf das er gehofft hatte. Schon nach wenigen Minuten ist man sich einig, der Austausch soll fortgesetzt werden, und es gibt auch gleich ein Thema, das den Gast brennend interessiert und wo der deutsche Kollege Pionierarbeit leistet: Duchenne, eine seltene, tödlich für die Kinder verlaufende Muskeldystrophie. Dank der Therapie von Raimund Forst werden nicht nur die Beschwerden gelindert, sondern auch die Lebenserwartung steigt signifikant an. Bisher kann man den Kindern in Rußland nicht helfen; das könnte sich jetzt bald ändern.

Chefarzt Horst Beyer und Guram Tschjotschjew

Und dann ein Rückblick auf die Geschichte des Waldkrankenhauses mit dem Chefarzt der Medizinischen Klinik I, Horst Beyer, der auch seinerseits Bereitschaft zeigt, den Austausch mit Wladimir fortzusetzen. Beste Voraussetzungen also für ein ganz neues Projekt, das Ingrid Dresel-Fischer, Leiterin der Berufsfachschule für Krankenpflege, und Roman Lorz, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung am Waldkrankenhaus, vorschlagen: einen Austausch im Bereich der Pflegekräfte. Guram Tschjotschjew, hocherfreut über das Angebot, will sich in Wladimir umgehend in der Sache kundig machen und schlägt seinerseits vor, das Projekt mit älteren und erfahreneren Schwestern zu beginnen, um dann zu sehen, wie sich die Sache entwickelt. Eines ist klar: Da wächst schon bald ein neues Pflänzchen im fruchtbaren Garten der Partnerschaft.

Roman Lorz, Ingrid Dresel-Fischer und Guram Tschjotschjew

Den viertägigen Arbeitsbesuch beendete die fünfköpfige Delegation von Oberbürgermeisterin Olga Dejewa im Kreis von alten Freunden. Vor genau 20 Jahren war Jürgen Ganzmann, damals Leiter der Werkstatt bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf, heute Geschäftsführer der WAB Kosbach, zum ersten Mal in Wladimir und kam mit der Idee zurück, im Bereich der Psychiatrie das Projekt „Lichtblick“ zu gründen, das in einen breiten Austausch mit ungezählten Praktika mündete und schließlich sogar den „Blauen Himmel“ mit seinem erlebnispädagogischem Ansatz hervorbrachte. In das Netzwerk mit Wladimir sind nun auch Städte wie Pskow, Nischnij Nowgorod und Irkutsk eingebunden, wobei Wladimir natürlich auch in Zukunft den Schwerpunkt bilden soll. Immer dem Motto entsprechend: Nicht alles bei uns ist gut, und nicht alles bei euch ist schlecht. Also im Geist des gegenseitigen Lernens.

Nadja Steger, Guram Tschjotschjew, Irina Tartakowskaja, Alina Kartuchina, Melitta Schön, Hans Ziegler, Olga Dejewa, Wladimir Rybkin, Jürgen Üblacker, Arina Alstrud, Jürgen Ganzmann und Alexander Krutow

„So oft ich jetzt schon in Erlangen war und Gäste aus der Partnerstadt in Wladimir empfangen konnte“, meinte am späten Freitagnachmittag kurz vor der Heimreise Olga Dejewa, „einen derart intensiven Einblick in die Dinge, einen derart innigen Kontakt zu den Menschen habe ich bisher noch nie erlebt. Wir gehören wirklich zusammen und können nichts Besseres tun, als noch viel öfter zusammenzukommen.“ Aber auch in Erlangen darf man ein erfreuliches Fazit ziehen. Das Konzept von „Prisma“ bewährt sich und verspricht für die Zukunft noch viele solcher Begegnungen, die zusammenbringen, was zusammenwill.

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Montag, 7. August, Flug LH 2162 aus München ist fast pünktlich. Peter Steger und ich holen unsere Gäste aus Wladimir am Albrecht Dürer Airport in Nürnberg ab. Der Vorstand des Roten Kreuzes in Wladimir kommt mit seiner Vorsitzenden, Olga Antropowa. und ihrem Stellvertreter, Wladimir Prosor. auf Einladung des Erlanger Fördervereins zur Unterstützung des Roten Kreuzes in Wladimir zu einem intensiven Informationsbesuch nach Erlangen. Gemeinsam suchen wir nach neuen Ideen und Wegen, um die unzureichende häusliche Versorgung schwerkranker Menschen in Wladimir zu verbessern.

Hans Ziegler, Melitta Schön, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Nadja Steger

Am Dienstagmorgen geht es schon um 7.30 Uhr los. Als Dolmetscherin begleitet uns Anastasia Blasch, eine Wladimirerin, die seit zwei Jahren in Erlangen lebt. Wir fahren zum Roncallistift, wo die Gäste nach kurzer Einführung durch Adelheid Seifert (Leitung Pflege und soziale Dienste) direkt beim Pflegerundgang im Bereich des betreuten Wohnens dabei sein können. In den Diskussionen werden alle Aspekte in Zusammenhang mit der Pflegeversicherung in Deutschland behandelt, eine gute Grundlage für die weiteren Gespräche in den folgenden Tagen. Bemerkenswert schon hier, die herzliche Aufnahme und die umfassende Information durch die Mitarbeiter des Stifts, ein Eindruck, der sich in allen Folgeveranstaltungen wiederholt hat!

Anastasia Blasch, Adelheid Seifert, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

Am späteren Vormittag besuchen wir SAPVPalliativa (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung), eine gemeinnützige GmbH, gegründet vom Hospizverein Erlangen e. V. und dem Hausärzteverein Erlangen und Umgebung e. V.. Die Ärztin Anette Christian informierte uns gemeinsam mit einem Team ausführlich über das Leistungsangebot. In der angeregten Diskussion bleibt keine der vielen Fragen unbeantwortet. Begleitet wird die Diskussion von Jürgen Binder, einem Freund der Partnerschaft und Gründer des Hausärztevereins Erlangen und Umgebung.

SAPVPalliativa-Team mit Anette Christian (Mitte), Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Anstasia Blasch und Jürgen Binder (ganz rechts)

 

 

Nachmittags steht ein Besuch des Rot-Kreuz Altenheims in Etzelskirchen an. Sein Leiter, Jan Pyschny, gleichzeitig auch stellvertretender Geschäftsführer des BRK Erlangen-Höchstadt und Leiter der ambulanten Pflegedienste, erwartet uns. Auf der Terrasse am großen Garten seiner Einrichtung diskutieren wir Themen der stationären und ambulanten Pflege. Mit der „Dementen WG“ kommt eine für die Russen neue Idee aufs Tapet. Besonders beeindruckend ist für unsere Freude der Streichelzoo im Eingangsbereich des Hauses.

Anastasia Blasch, Wladimir Prosor, Jan Pyschny und Olga Antropowa

Über die Pflege und Betreuung demenzkranker Menschen erfahren wir am Mittwochvormittag. Unser Ziel ist der Förderverein zur Unterstützung der Tagespflege am Martin-Luther-Platz e.V. Die Leiterin, Kristin Kalden, erwarten uns, und wir erleben, wie Menschen, die wegen ihrer eingeschränkten Fähigkeiten Hilfe benötigen, liebevolle und kompetente Zuwendung erfahren. Die Besucher kommen an vorher vereinbarten Tagen, meistens für den ganzen Tag. Ein Bus des BRK sorgt für den Transport. Die Kosten können z. T. mit der Pflegeversicherung abgerechnet werden, der Verein braucht aber die Unterstützung seiner Mitglieder und anderer Spender. Wir erfreuen uns an der abwechslungsreichen und häuslichen Atmosphäre der behindertengerecht ausgestatteten großen Wohnung und bekommen umfassende Antworten auf unsere Fragen.

Danach gehen wir zum Verein Dreycedern e.V. am Altstädter Kirchenplatz. Brigitta Hildner, im Verein verantwortlich für den Betreuungsbereich, hat ihre Mittagspause für uns geopfert und informiert umfassend über das Konzept der fachlich geschulten „Betreuungspaten“, ehrenamtlich tätige Menschen, die die Familien mit dementen Angehörigen durch Aufklärung und Beratung sowie durch stundenweise Unterstützung und Aktivierung zuhause entlasten. Umfangreiche Schulungsangebote und Gesprächskreise im Haus des Vereins runden das Angebot ab.

Brigitta Hildner, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Anastasia Blasch

Der Nachmittag gehört dem Roten Kreuz in der Henri-Dunant-Straße in Erlangen. Mit dem Vorstand und Mitgliedern des Vorstandes des Fördervereins diskutieren wir die bisherigen Aktivitäten in Wladimir und die Ziele für die noch zu vereinbarende Weiterarbeit. In der Diskussion sind wir uns einig: Nachhaltigkeit und Eigenständigkeit der zukünftigen Aktivitäten sind die wichtigsten Voraussetzungen für die weitere Unterstützung durch den Förderverein.

Wolfram Howein, Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Brüne Soltau, Melitta Schön, Jürgen Üblacker und Barbara Wittig

Ein Ergebnis der bisherigen Aktivitäten in Wladimir sind Pflegekurse für Angehörige schwerkranker Menschen. Olga Antropowa berichtet über daraus entstandene neue Kontakte:

Wir arbeiten jetzt erfolgreich mit dem Institut für Justiz zusammen, wo Fachkräfte für den Strafvollzug und die Rechtsprechung ausgebildet werden. Unsere Pflegekurse finden dort großen Anklang und helfen sicher, die Versorgung von Patienten in Gefängnissen oder in U-Haft zu verbessern. Von diesem guten Beispiel ausgehend, planen wir jetzt auch eine Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und weiteren staatlichen und ehrenamtlichen Einrichtungen, die bisher alle nur eine Grundausbildung in Erster Hilfe erhalten. Ich denke, auch die Politik versteht zunehmend, wie wichtig unser Beitrag zum Gesundheitswesen ist.

Olga Antropowa, Melitta Schön und Wladimir Prosor

Abschließend gibt es einen Rundgang durch die Einrichtungen des Zentrums, dessen Umfang und technischer Stand tief beeindrucken.

Wladimir Prosor und Olga Antropowa auf dem Weg nach Jena

Das Regio-Ticket Franken-Thüringen bringt uns drei am Donnerstag ab 9 Uhr für nur 32 € nach Jena (hin und zurück), wo uns mittags am Bahnhof bereits Iwan Nisowzew, ein in Jena lebender Ingenieur aus Wladimir, und Robert Hebestreit, Pflegedirektion des Universitätsklinikums Jena, erwarten. Iwan wird die Rolle des Übersetzers übernehmen. Bei Pelmeni in einem russischen Bistro im Stadtzentrum kommt Peter Schreiber, der Vorsitzende des DRK-Kreisverband Jena-Eisenberg-Stadtroda e.V., hinzu. Mit ihm besuchen wir die Rettungsleitstelle Jena und die DRK-Rettungszentrale, wo unsere Gäste die neuesten technischen Einrichtungen der Notarztfahrzeuge bestaunen. Anschließend erfahren wir an der Schule Duolinga, wie das Rote Kreuz in Jena sogar eine zweisprachige Grundschule und insgesamt fünf Kindertagesstätten betreiben kann. Auf dem Parkplatz des DRK-Zentrums fallen die in Reih und Glied aufgestellten Kleinwagen des Pflegedienstes auf, in Wladimir müssen die Pflegekräfte bisher mit dem öffentlichen Personennahverkehr klarkommen! Peter Schreiber erläutert uns abschließend noch die Organisationsstrukturen seiner Einheit.

Peter Schreiber, Norbert Hebestreit, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

In der abschließenden Diskussion mit Norbert Hebestreit und Iwan Nisowzew können noch Details der geplanten Folgebesuche und Kontakte mit dem Universitätsklinikum Jena geklärt werden, außerdem wird über mögliche Schulungen und Praktika russischer Pflegekräfte in deutschen Einrichtungen diskutiert. Dazu wären aber – wie bei der Zusammenarbeit mit der Wladimirer Psychiatrie – vorher Deutschkurse zu absolvieren. Voller Ideen und Eindrücke kommen wir gegen 21 Uhr wieder in Erlangen an.

Georg Meyer, Wolfgang Köstner, Melitta Schön, Olga Antropowa, Wladimir Prosor und Waldemar Wagner

Mit dem Freitagvormittag endet das Informationsprogramm. Wir fahren zum Hospizverein Eckental und Umgebung e.V., wo uns der Vereinsvorstand mit Georg Meyer, Melitta Schön und Wolfgang Köstner sowie die Koordinatorin Frieda Meier erwarten. Waldemar Wagner, wieder ein Wladimirer der in Franken seine neue Heimat gefunden hat, unterstützt uns als Dolmetscher. Es geht hier um die Begleitung sterbenskranker Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt, nach Möglichkeit in häuslicher Umgebung. Ca. 40 ehrenamtliche, durch den Verein ausgebildete Hospizbegleiter haben in den letzten Jahren etwa 60 Patienten begleitet. Wir können uns ausführlich über die Arbeit des Vereins, der über eigene Räume verfügt, informieren. Ein Sonderthema ist die in der Russischen Föderation so nicht bekannte Patientenverfügung.

Zurück in Erlangen, erwartet uns ein Gespräch mit der Bürgermeisterin Susanne Lender- Cassens, die als gelernte Krankenschwester die Gelegenheit nutzen will, den Austausch bei ihrem Besuch im September fortzusetzen.

Wladimir Prosor, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Susanne Lender-Cassens

Nachmittags ist Sightseeing angesagt. Wieder unterstützt durch Anastasia Blasch, fahren wir nach Bamberg und erkunden die Altstadt, natürlich darf eine Rauchbierprobe im Schlenkerla nicht fehlen. Die Smartphones leisten als Fotoapparate Schwerstarbeit, und im Rosengarten der Residenz stoßen die Akkus an ihre Grenzen, es reicht aber noch für eine abschließende Fotoserie bei den Fachwerkfassaden am Forchheimer Rathaus im strömenden Regen!

Der Samstag stand dann für unsere Freunde aus Wladimir zur freien Verfügung. Sie berichteten am Sonntag über den schönen Tag in Nürnberg, als Peter Steger und ich Sie morgens um 6 Uhr zum Flughafen bringen. Eine Woche mit intensiven und neuen Eindrücken geht zu Ende, von der Wladimir Prosor meint, sie sei ihm vorgekommen wie ein ganzer Monat.

Es bleibt mir ein herzliches Dankeschön an alle, die an den Treffen teilgenommen und mitgeholfen haben. Ein besonderer Dank gilt Anastasia, Iwan und Waldemar, die als Dolmetscher ihre Freizeit für diesen Besuch geopfert haben. Bleibt zu hoffen, aus dem Besuch entstehen im Laufe der Jahre noch neue Ideen für die Aktivitäten des Roten Kreuzes in Wladimir.

Wolfram Howein

Was Wolfram Howein sich selbst nicht aussprechen kann, sei hier nachgeholt: Danke und спасибо für die Vorbereitung des Programms und die Begleitung durch die intensiven Tage. Die glücklichen Gäste werden es ihm nicht vergessen!

 

 

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Empfang mit Bürgermeister Gerd Lohwasser

Heute geht der Besuch der drei Fachleute für Brandbekämpfung, Lebensrettung und Katastrophenschutz, Pjotr Ponassenko, Pawel Litow und Gennadij Brajt zu Ende, ein Besuch, der hinsichtlich der Programmdichte und Themenvielfalt aber auch der Exkursionen – Stichwort Jena – einen besonderen Stellenwert hatte. Das zeigt sich auch darin, daß die Delegation von Bürgermeister Gerd Lohwasser, zuständig für Brand- und Katastrophenschutz, im Rathaus empfangen wurde, der übrigens den Austausch zwischen den Feuerwehrleuten persönlich bei seinem Besuch in Wladimir Ende vergangenen Jahres angeregt und die Einladung gemeinsam mit Jürgen Üblacker, Direktor des BRK Erlangen-Höchstadt, ausgesprochen hatte. Er kann mit dem, was aus seinem Impuls geworden ist, vollauf zufrieden sein, denn sowohl fachlich als auch menschlich sind nun viele neue Wachen der Partnerschaft entstanden, die das Feuer der Freundschaft hüten werden.

Maximilian Wolt, 3. v.l., zeigt die Fertigung bei Lukas

Einer dieser Hüter der Freundschaft ist zweifelsohne Felix Wasel, der für seinen großartigen ehrenamtlichen Einsatz im Vorjahr von den Gästen mit einer Dankurkunde belohnt wurde. Hochverdient, denn er nahm sich auch die ganze Woche Urlaub, um die Delegation – u.a. auch als Fahrer – zu begleiten, sei es nach Jena oder Bubenreuth, nach Nürnberg zur integrierten Rettungsleitstelle und zum Technischen Hilfswerk, das schon 1991 in Wladimir war, um die beiden Heizkessel in die Partnerstadt zu bringen, die noch heute treu ihren Dienst tun. Oder zur Fa. Lukas in Eltersdorf. Hier zeigte Maximilian Wolt, Vertriebsleiter für Osteuropa, die Stärken des deutschen Mittelstands. Seit 1945 stellt man am Standort Erlangen hochspezialisiert all die komplexen Gerätschaften her, deren Namen kein Laie kennt, die aber für Feuerwehr und THW unverzichtbar sind und im Einsatz bei Bränden und Unfällen durch ihre Präzision und Zuverlässigkeit schon ungezählte Leben gerettet haben. Auch gestern in Fulda war Felix Wasel dabei, wohin Thomas Heideloff und Anton Schuster vom BRK eingeladen hatten. Die dortige RETTmobil, so Pawel Litow, später im Gespräch mit seinem Kollegen, Friedhelm Weidinger, „zeigte nicht nur Technik, von der man träumt, sondern auch Technik, die man sich im Traum nicht vorstellen kann.“

Gut lachen vor dem Einsatz

Noch einmal so richtig in ihrem Element aber war Pawel Litow am Mittwoch, als es abends in Großgeschaidt und Kleingeschaidt nach dem Besuch der Oberlandwache des BRK auf Einladung von Melitta Schön, der ehemaligen Bürgermeisterin von Heroldsberg und zweiten Vorsitzenden des BRK Erlangen-Höchstadt, zu einem Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren ging. Einsatzleiter Reinhard Stammberger nahm sich gemeinsam mit Hermann Friedrich, Vorstand der FFW Kleingeschaidt viel Zeit zur Erläuterung der Technik, vor allem aber auch der Struktur seiner Wehr. Für die Gäste immer wieder kaum zu glauben, daß all die vielen Aufgaben ehrenamtlich geleistet werden, daß in kleinen Dörfern wie diesen Ortsteilen von Heroldsberg die Feuerwehr nicht nur Helferin in der Not ist, sondern auch für Kultur und Tradition steht und vor allem auch in der Jugendarbeit wichtige Dienste leistet.

Reinhard Stammberger, Pawel Litow

Ob eigens für die Gäste arrangiert, wissen wir nicht, jedenfalls gab es am Ortsrand von Kleingeschaidt auch noch eine Übung. Zwei Verletzte sollten aus einer brennenden Scheune gerettet werden, außerdem war ein Brandherd in der Nähe des Gebäudes zu löschen. Ein Großeinsatz, den Pawel Litow aufmerksam verfolgte. In der anschließenden Manöverkritik mit Einsatzleiter Reinhard Stammberger dann viele Fragen nach Wasserdruck, Schlauchlängen, Strategie der Brandbekämpfung. Einiges hätte der Profi aus Rußland anders gemacht, aber unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten hielt die Arbeit der ehrenamtlichen Kollegen dem strengen Urteil des Gastes dann doch stand.

Pawel Litow

Nun muß er all die vielen Ergebnisse seiner einwöchigen Erkundungstour durch Deutschland zu Hause der Politik vorlegen. Und die muß bald zu einem Urteil und einem Entschluß kommen. Einfach eins zu eins, das zeigte sich schon sehr bald, wird man das System der Freiwilligen Feuerwehren aus Deutschland nicht übernehmen können, aber etwas in die Richtung wird schon bald geschehen müssen. Vielleicht, wie Pawel Litow meint, zunächst mit einigen materiellen Anreizen, etwa mit einer gewissen Vergütung für geleistete Einsätze, wie das übrigens, wie Friedhelm Weidinger anmerkt, auch im Bundesland NRW üblich ist. So ein Anreiz könnte im übrigen auch ein Fahrzeug sein, wie es Horst Distler, Fahrdienstführer der Bereitschaft Motorradstreife des BRK, stolz präsentiert. Damit macht es einfach mehr Freude, anderen zu helfen.

Wasser marsch

Geschehen jedenfalls muß etwas in Rußland. Vor allem aber in den Köpfen der Menschen. Noch immer nämlich entstehen die allermeisten Feuer durch Leichtsinn, um nicht zu sagen durch Fahrlässigkeit und Unvernunft. Allein in den Tagen ihres Besuchs in Deutschland rückten in der Region Wladimir mehr als 200 Mal Feuerwehrleute aus, um Brände von Gartenabfällen zu löschen, die drohten auf Wiesen und Wälder überzugreifen. Allein im April des Vorjahres, wo es nicht besser aussah, wurden so Sachwerte von insgesamt neun Millionen Rubel gerettet. Aber fast alle Appelle, sich an das Verbot von offenem Feuer zu halten, gehen ins Leere. Nicht einmal immer höhere Strafen schrecken ab: bis zu 3.000 Rbl. für den Privatmann, bis 100.000 Rbl. für juristische Personen.

Pawel Litow, Hermann Friedrich, Horst Distler

Und dann brennt auch schon wieder der Torf… Zwei Brände wurden am 12. Mai im Kreis Gus-Chrustalnyj entdeckt, kurz darauf vier weitere Herde in den Kreisen Sobinka und Seliwanowo. Alle noch eingrenzbar, alle noch auf einer Fläche von nicht mehr als einem Hektar, aber schon gibt es Stimmen, die befürchten, es könne wieder zu ähnlichen Großbränden wie im Vorjahr kommen. Doch man ist auf der Hut und hat dazugelernt. Seit Tagen schon sind Hubschrauber und Flugzeuge im Einsatz, und ungefähr 150 Kontrollgänge am Boden fanden bereits statt. Und es gibt mehr Geld für Technik: Fast 70 Mio. Rbl. stellt Moskau der Region Wladimir zur Verfügung, und das Gouvernement legt weitere fünf Millionen drauf, um die Ausstattung der Einsatzkräfte zu verbessern.

FFW Kleingeschaidt

Zu spät kommen diese Maßnahmen für die acht Menschen, die allein in der vergangenen Woche bei 30 Wohungs- und Hausbränden in der Region ihr Leben verloren haben. Das schlimmste Feuer tobte in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai in einer Gartensiedlung bei Wladimir. Ein zweistöckiges Haus brannte vollständig nieder; die Flammen löschten eine ganze Familie aus, auch das Leben eines vierjähriges Mädchens. Daß das Feuer vom Haus der Moskauer Sommergäste nicht auf andere Datschen übergriff, ist wohl nur dem starken Regen zu verdanken, der in dieser Nacht fiel. Niemand weiß, ob eine Freiwillige Feuerwehr, am Stadtrand einsatzbereit, schneller hätte eingreifen und das Schlimmste verhüten können, aber darüber nachzudenken lohnt. Mehr noch, es ist einen Versuch wert. Die Freunde von den Feuerwehren aus Erlangen, Jena, Heroldsberg, Bubenreuth und Möhrendorf, unterstützt vom BRK Erlangen-Höchstadt und dem THW stehen jedenfalls allzeit bereit.

Pawel Litow, Friedhelm Weidinger

Die Gäste werden sich heute verabschieden. Voller Dankbarkeit für die Gastfreundschaft. Danken wollen sie besonders zwei Frauen, die stets im Hintergrund blieben und ohne die doch die Verständigung nicht geklappt hätte: Olga Chomutow und Nadja Steger, beide vom Roten Kreuz für die Betreuung frei- und abgestellt. Bei all den ungewohnten Fachbegriffen war die Aufgabe gewiß nicht immer leicht, aber dennoch haben sich Russen und Deutsche gut verstanden. Спасибо also an die beiden, über die auch dieses Gespräch zwischen Pawel Litow und seinem Erlanger Kollegen, Stadtbrandrat und Chef der Berufsfeuerwehr, Friedhelm Weidinger, am gestrigen Abschiedsabend beim BRK lief. Gut gemacht!

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Begrüßung auf Russisch: Gerd Lohwasser, Jewgenij Jaskin

Man würde Bürgermeister Gerd Lohwasser sicher Unrecht tun, wollte man behaupten, er habe erst auf dieser, seiner vierten, Wladimir-Reise sein Herz für die Partnerstadt entdeckt. Dafür hat er sich seit 1972, dem Beginn seiner kommunalpolitischen Arbeit in Erlangen, viel zu offen für einen intensiven Austausch mit den einstigen Kriegsgegnern eingesetzt, zunächst im Westen mit Rennes, später im Osten mit Wladimir. Bis heute hält er diese beiden Städte für die Achse, gedreht vom Gedanken der Aussöhnung und Völkerverständigung. Aber dieses Mal schloß der 1941 in Karlsbad geborene Delegationsleiter eine Freundschaft, die das Zeug hat, zu einer großen zu werden, zu einer ganz großen.

Wiedererkannt? Hans Ziegler, Melitta Schön, Brüne Soltau, Jewgenij Jaskin, Helmut Schmitt

Vermittelt hat die – wie so vieles in der Zusammenarbeit mit der Partnerstadt – wieder einmal das BRK Erlangen-Höchstadt, genauer der Förderverein zur Unterstützung des Roten Kreuzes in Wladimir – und das, strenggenommen, aus schierer Not. Noch immer nämlich ist das Rote Kreuz dort nicht als Organisation registriert, ein bürokratischer Akt, der sich nun schon über zwei Jahre hinzieht und wohl noch einige Wochen dauern kann. Ohne Stempel, Briefkopf, Konto und alle sonstigen Insignien der Handlungsvollmacht freilich kann das Rote Kreuz in Wladimir weder Spenden annehmen, noch deren Erhalt so bestätigen, daß die Transaktion vor einem Finanzamt hier wie dort Bestand hätte. Geschweige denn davon, Zuwendungen verteilen zu dürfen. Buchstäblich am Vorabend der Abreise haben deshalb Brüne Soltau, stets orientierungssicherer Fahrensmann in den Gewässern der Partnerschaft, und Peter Steger in seiner Eigenschaft als stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins beschlossen, die teilweise bereits im Mai übergebenen Spenden in Höhe von fast 5.000 Euro an das Rot-Kreuz-Krankenhaus, die größte Unfallklinik der Region, zu überreichen, wo sie zu Diagnostik und Behandlung von Kriegsveteranen eingesetzt wird.

Gerd Lohwasser mit Durchblick.

Daß diese Entscheidung auch Jewgenij Jaskin, den Chefarzt und Leiter des städtischen Krankenhauses, so freundschaftlich mit Gerd Lohwasser verbinden würde, war freilich nicht abzusehen. Die beiden waren sich von der ersten Begegnung beim gemeinsamen Abendessen an so sympathisch, daß man bei dessen bis spät in die Nacht dauernder Fortsetzung in der Küche des Erlangen-Hauses nicht nur bald zum Du überging, sondern auch gleich für den nächsten Morgen eine Besichtigung in der Klinik vereinbarte. Und so begann der Montag mit dem Besuch eines Krankenhauses, das zwar mit nur der Hälfte der Planstellen seinen Betrieb gewährleisten muß und sowohl baulich als auch medizintechnisch noch einiges aufzuholen hat, wo aber professionelle ärztliche Kunst am Werk ist und vor allem mit hohem berufsethischem Engagement gearbeitet wird. Die Gäste bekamen nicht nur die neuesten Anschaffungen – aus Kostengründen leider aus Übersee und nicht von Erlangens größtem Arbeitgeber stammend – zu sehen, sondern durften den Ärzten sogar bei einer Operation über die Schulter schauen und Einblick in den Organisationsablauf des Krankenhauses nehmen. Noch wichtiger aber das Fazit auch von Melitta Schön, der stellvertretenden Vorsitzenden des BRK Erlangen-Höchstadt: „Hier können wir sicher sein, die Spenden gut angelegt zu haben.“ Und Gerd Lohwasser resümiert: „Der Mediziner-Austausch ist für die Partnerschaft von außerordentlicher Bedeutung. Wir müssen da im nächsten Jahr unbedingt weitere Akzente setzen.“ Sprach’s und lud seinen neuen Freund mit dessen Kollegen zu einem erneuten Besuch nach Erlangen ein.

Gerd Lohwasser

Doch damit war es am Montagvormittag noch längst nicht getan. Feuerwehr und Katastrophenschutz standen noch auf dem Programm, ein Gebiet, das Felix Wasel bereits im Herbst gut vorbereitet hat. Und nun hoher Besuch auf der Wache. Gerd Lohwasser, im Erlanger Rathaus auch für die Feuerwehr und den Katastrophenschutz zuständig, und Hans Ziegler, Gemeinderat und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Heroldsberg, waren da so recht in ihrem Element und ließen sich Ausrüstung und Gerät zeigen.

Auf der Wache

Rasch wurde man sich einig, den Kontakt fortzusetzen, und schon heute wird Erlangens Bürgermeister mit Friedhelm Weidinger über einen Austausch sprechen und einen Besuch der russischen Kollegen anregen. „Ein ganz wichtiger Bereich der Zusammenarbeit gerade nach den schlimmen Bränden in den Wäldern rund um Wladimir“, gibt Gerd Lohwasser zu bedenken und fährt fort: „Auch auf diesem Gebiet können wir sicher viel voneinander lernen.“ Und damit sind wir beim Thema Lernen und Schüleraustausch, das uns morgen beschäftigen soll. Denn da ist ja auch noch ein Blog-Tag.

Mehr zum Thema Feuerwehr unter: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2010/10/17/die-retter-von-wladimir-und-ihr-deutscher-freund

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