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Posts Tagged ‘Hans-Joachim Preuß’


Das in Zusammenarbeit mit Wladimir entstandene Projekt „Kriegskinder“ setzen wir heute mit einer Folge von Hans-Joachim Preuß fort, den wir als Jungen aus Ostpreußen auf der Flucht von Schlesien bis nach Jena begleiten.

Wolfgang Morell und Tatjana Jazkowa (sitzend), Hans-Joachim Preuß, Nikolaj Schtschelkongow, Elisabeth Preuß und Jekaterina Zwetkowa, November 2019, Erlangen

Als ich sieben Jahre alt war….

 „Es ist Krieg!“ hörten wir unsere Mutter am 1. September 1939 sagen. Meine beiden Brüder und ich sahen sie verwundert an. Wir Kinder, ich war der älteste von uns dreien, spürten ihr Erschrecken und ihre Angst. „Wird Vater im Krieg sterben?“ Mutter sagte: „Nein, er ist Polizist und kein Soldat. Er muß nicht an der Front kämpfen.“ Mein Vater war schon vor einigen Monaten mit seiner Kompanie in das an Deutschland angeschlossene Österreich nach Wien versetzt worden. Damit war er weit weg von der Front, und wir brauchten uns keine Sorgen um ihn zu machen.

Mit dem Krieg änderte sich bald einiges in unserem Leben. Zum Einkaufen brauchte man jetzt nicht nur Geld, sondern auch noch Lebensmittelkarten, die monatlich beim Wirtschaftsamt abgeholt werden mußten. Lebensmittelkarten waren große Bögen mit Marken, auf denen stand, was man dafür kaufen durfte. Wenn ich Milch holen ging, schnitt die Verkäuferin im Milchladen zuerst die Marken ab, ehe sie die Milch mit dem Meßbecher aus einer großen Kanne schöpfte und mir in das Kännchen schüttete. Wenn alle Marken abgeschnitten waren, konnte man nichts mehr einkaufen. Das galt für alle Waren, für Brot, Mehl, Zucker und alle Lebensmittel, ja sogar für Kleidung und Schuhe.

In unserer Zeitung, in der ich schon manchmal zu lesen versuchte, sah ich jetzt Todesanzeigen mit Eisernen Kreuzen. Das waren Anzeigen für gefallene Soldaten, die, wie es oft hieß, „den Heldentod für Deutschland“ gestorben waren. Das machte viele Leute traurig und war nicht schön zu lesen.

Um feindlichen Flugzeugen in der Nacht keine Ziele zu bieten, mußten wir abends unsere Fenster verdunkeln. Mit Rollos aus schwarzem Papier oder mit dichten Stoffen wurden sie bedeckt, damit kein Licht nach außen drang. Ich durfte sie nachts nur aufmachen, wenn im Zimmer kein Licht brannte. Die Luftschutzwarte, das waren Männer oder Frauen, die für den Luftschutz in einem Hause verantwortlich waren, kontrollierten genau, ob man von draußen einen Lichtschein sah, und klingelten sofort, wenn dies der Fall war. Sie prüften auch, ob in jeder Wohnung ein „Luftschutzkoffer“ bereitstand, in dem sich alle wichtigen Papiere und etwas Kleidung befand. Ihn mußte man bei Fliegeralarm mit in den Luftschutzkeller nehmen. Meinen kleinen weißen Teddybären trug ich ohnehin immer bei mir.

Als ich neun Jahre alt war….

Der Krieg brachte für uns Kinder zunächst keine große Not in unser Leben. Wir waren in Breslau, der Hauptstadt Schlesiens, weit weg von den Bombenangriffen auf die Städte in Norddeutschland und im Ruhrgebiet. Meine Mutter tröstete uns: „Schlesien ist der Luftschutzkeller des Deutschen Reiches.“ Es gab auch nur wenige Luftalarme mit dem bedrohlichen Heulen der Sirenen und dem bangen Sitzen im kalten Luftschutzkeller. Wir lebten in einer Dienstwohnung in der Polizeikaserne und fühlten uns da besonders geschützt und sicher. Schade war vor allem, daß mein Vater immer weg und nur kurz mal zu Hause war, wenn er Urlaub hatte.

Im Juni 1941 kam meine Mutter eines Morgens wieder mit verstörter Stimme: „Es gibt jetzt auch Krieg mit Rußland, mit der Sowjetunion.“ Sie fragte sich, ob das gut gehen könne, aber sie war sicher: „Der Führer wird schon wissen, was er tut“. Sie meinte damit Hitler, den obersten Führer des Deutschen Reiches. Sie hatte großes Vertrauen in ihn. Mit wem sollte sie über ihre Ängste reden? Mein Vater war weit weg, so schüttete sie ihr Herz uns Kindern aus. Oder sprach mit ihrer Schwester, unserer Tante, die uns oft besuchte. Mit fremden Leuten reden, war gefährlich, wenn man nämlich etwas Falsches sagte, wurde man ins Gefängnis gesteckt. Vater war in der Zwischenzeit in das Protektorat Böhmen und Mähren versetzt worden, so hieß das Gebiet der Tschechoslowakischen Republik nach der Besetzung durch die Deutschen. Wir waren froh, daß er nicht an der Front war.

Damals standen in Breslau noch viele Litfaßsäulen. Dort tauchten Plakate auf, die Angst vor den Russen machen sollten. Ich sah Bilder von Soldaten der Roten Armee mit brutalen Gesichtern und mit auf den Betrachter gerichtetem Gewehr. Besonders erinnere ich mich an das Bild einer alten Frau, die ein Kopftuch trug, ebenso wie meine, sehr liebe Großmutter. Darunter stand etwa, genau erinnere ich mich nicht mehr: „Sie sieht aus wie eine liebe Großmutter, ist aber ein hinterhältiges Flintenweib.“ So bezeichnete die Propaganda der Nazis russische Frauen, die mit der Waffe als Partisaninnen gegen die deutschen Truppen kämpften. Da bekam ich wirklich Angst. In den Nachrichten wurde gesagt, Hitler habe uns vor den sowjetischen Untermenschen geschützt, weil er sie angriff, bevor sie Deutschland überfallen konnten. Die Deutschen siegten auch in diesem Kampf. Ganze russische Divisionen wurden eingekesselt, Zehntausende Soldaten wurden gefangengenommen. Im Kino sah ich in einer Wochenschau ein Gefangenenlager. Es war, so weit man sehen konnte, vollgestopft mit Menschen in graugrünen Uniformen.

In der Zeitung, in unseren Schulbüchern und auf Plakaten in der Stadt wurde gegen Juden gehetzt. „Der Jude ist unser Unglück!“, hieß es immer. In der Stadt sah ich manchmal Menschen mit den gelben Sternen an der Kleidung und wußte, das sind Juden. Meine Großmutter betrieb in ihrem Dorf Ober-Pomsdorf, 50 km von Breslau entfernt, einen kleinen Laden, zu dem auch jahrelang ein Jude mit einem Bauchladen gekommen war. Er verkaufte Kurzwaren, also Garne, Zwirne, Nadeln und Knöpfe. Eines Tages blieb er aus; und ich erinnere mich, wie sich Großmutter darüber wunderte, denn sie sagte: „Das war so ein guter Mensch, der niemandem etwas zuleide getan hat. Wo mag er hingekommen sein?“

Überall waren auch merkwürdige Plakate zu sehen. Eines zeigte den Kohlenklau, einen schwarzen Mann mit einem Sack. Das sollte uns zum Sparen mit Kohle, Gas und Elektrizität auffordern. Auf anderen Plakaten waren zwei Männer, die sich unterhielten. Dabei stand: „Vorsicht bei Gesprächen. Feind hört mit!“. Darüber war ich sehr erstaunt, denn wie konnte der Feind hier Gespräche mithören, so weit weg von der Front.

Es waren zwiespältige Eindrücke für mich mit meinen neun Jahren. Ich verstand nicht alles. Das Radio war voll von den Siegesmeldungen, vom Reden über Schicksalskampf und Heldenmut. Doch mein Leben lief einigermaßen normal mit Schule, Hausaufgaben und Spielen im Kasernenhof, und wir hatten genug zu essen.

Als ich elf Jahre alt war…

Das Jahr 1943 brachte einige für mich schwer begreifliche Ereignisse.

Es begann mit der Schlacht um Stalingrad, in der die 6. Armee der Wehrmacht von der Sowjetarmee eingekesselt und vernichtet wurde. In den Nachrichten und Wochenschauen, die vor jedem Film im Kino gezeigt wurden, sah ich Bilder von kämpfenden Soldaten in Schnee und Kälte, dort war von Tapferkeit und fanatischem Widerstand die Rede. Mir war aber klar: Hier hatte unsere Wehrmacht eine Kesselschlacht verloren – wie am Beginn des Krieges oft die russische Seite. Es war für mich nicht zu fassen: Unsere siegreichen Soldaten waren geschlagen worden. Bisher hatten sie immer gesiegt, so hatte ich es zumindest verstanden.

Im Sommer wurde mein Vater an die Ostfront versetzt. Wir waren sehr bestürzt, als wir erfuhren, daß er aus der sicheren Tschechei weg mußte. Er bekam zuvor noch ein paar Tage Urlaub und war bei uns. Eines Tages ging er mit mir allein in die Stadt. An einer Stelle, wo uns niemand hören konnte, sprach er leise und ernst zu mir: „Ich sage dir jetzt etwas, über das du mit niemandem sprechen darfst. Die Deutschen tun in diesem Krieg schlimme Dinge, die uns die Welt nie verzeihen wird. Auch in der Tschechei. Und was immer auch passiert, geht da nie hin.“ Ich weiß nicht mehr, wie ich reagiert habe. Ich war schockiert, denn mir war klar, was das bedeutete. Mein Vater glaubte nicht an einen Sieg Deutschlands. Für mich brach eine Welt zusammen, es schwamm alles davon. Mir dämmerte etwas Schockierendes, mein Vater war an den „schlimmen Dingen“ irgendwie beteiligt oder wußte davon. In den Nachrichten war oft die Rede von Strafaktionen der Deutschen in den besetzten Ländern. So auch in der Tschechei, als der dortige oberste deutsche Reichsprotektor Heydrich von tschechischen Widerstandskämpfern erschossen wurde.

Vielleicht half mir ein weiteres Ereignis, dieses mir Unbegreifliche zu verdrängen, denn ich kam gar nicht dazu, lange darüber zu grübeln. Wir wurden überraschend aufgefordert, die Polizeikaserne zu verlassen, weil sie als militärisches Gelände für Zivilisten zu gefährlich geworden sei. Wir zogen in das Dorf Ober-Pomsdorf, in dem meine Großmutter lebte. Dort war auch eine Tante mit ihren drei Kindern, meinen Cousins und einer Cousine. Es war der Ort, in dem wir jeden Sommer die Ferien verbrachten. Für uns Kinder war dieser Umzug eher eine Freude als ein Schrecken. Wir mieteten uns in einer kleinen Wohnung im Austraghäuschen auf einem Bauernhof ein. Ich wurde in die Oberschule in Patschkau geschickt, das lag sechs Kilometer östlich von unserem Dorf, und die Fahrt dorthin mit der Eisenbahn oder mit dem Fahrrad empfand ich eher als Abenteuer denn als Last.

Als ich dreizehn Jahre alt war …

Im Januar 1945 begann die Schule nach den Weihnachtsferien wie üblich. Die sowjetische Front lag schon weit in Polen, hier in Schlesien schien noch alles ruhig. Das änderte sich schnell, denn Mitte des Monats begann die große Offensive der Roten Armee, die rasch zum Zusammenbruch der deutschen Verteidigungslinien führte und einen Flüchtlingsstrom nach Westen auslöste. Die Züge, mit denen ich in die Schule fahren mußte, waren voller Menschen. Einmal bekam ich im Abteil für die kurze Heimfahrt keinen Platz. Ich mußte außen am Wagen auf einer Treppenstufe stehen und mich am Griff festhalten. Das war bei den Eisenbahnwagen damals möglich.

Bald wurde die Schule geschlossen. Wir hörten Tag und Nacht das dumpfe Grollen der Kanonen, das immer lauter wurde und näher rückte. Durch unser Dorf zogen jeden Tag Flüchtlinge, die aus Orten kamen, die gar nicht so weit weg von uns waren. Da ahnten wir, daß auch wir bald würden weggehen müssen. Die große Straße, die außerhalb des Ortes lag, war überfüllt von Militärfahrzeugen, von Flüchtlingstrecks, dazwischen Bäuerinnen, die Pferde und Kühe, vor sich hertrieben – es war ein unbeschreibliches Chaos. Frauen, die sich das Leben nehmen wollten, Kinder, die heulend ihre Mutter suchten, Kühe, die mit vollem Euter vor Schmerz schrien, weil sie nicht gemolken wurden, der durchdringende Todesschrei eines Pferdes, alles Eindrücke, die in mir aufsteigen, wenn ich mich an diese Tage im Januar 1945 erinnere.

Ende Januar kamen Lautsprecherwagen in unser Dorf, die uns aufforderten, in den Häusern zu bleiben und keineswegs an den Fenstern zu stehen, denn es werde ein Zug „Schwerverbrecher“ durch unser Dorf ziehen. Kurz danach sahen wir grau gekleidete Gestalten in gestreiften Kleidern vorbeilaufen. Das Getrappel der Holzschuhe und die Rufe „Hunger, Hunger“ kann ich nicht vergessen. Einmal waren wir Kinder auf den Bergen, als wir sahen, wie eine solche Kolonne aus dem Dorf kam. Wir schlichen näher an die Straße heran, versteckten uns im Gebüsch und beobachteten, was da geschah. Einer der grauen Männer fiel um. Ein Wachmann in grüner Uniform erschoß ihn mit der Pistole und ließ ihn im Straßengraben liegen. Im Dorf wurde bald erzählt, es habe sich bei den Trupps um Gefangene aus den Konzentrationslagern gehandelt. Mir kamen wieder die Worte meines Vaters von den „schlimmen Dingen, die die Deutschen in diesem Krieg tun“ in den Sinn.

Im Radio wurden noch immer Durchhalteparolen verkündet, die Deutschen hätten Wunderwaffen entwickelt, die bald zum Einsatz kämen und die Feinde aus dem Land treiben würden. Es gab Bilder von erschossenen oder erhängten Deutschen mit Schildern um den Hals: „Ich bin ein Feigling, weil ich nicht an den Sieg geglaubt habe“.

Anfang Februar war es dann so weit: Wir wurden aufgefordert, unser Dorf zu verlassen. Wir luden Koffer und Säcke mit Kleidern, Bettzeug und Essen auf einen großen Leiterwagen, den uns unsere Nachbarn gegeben hatten. Er wurde an deren eigenen Wagen gehängt. Zwei Kühe zogen das ganze Gespann.

Eine unserer Nachbarinnen wurde zur Treckführerin bestimmt. Sie bekam vom Bürgermeister den Ort genannt, in dem wir uns abends melden sollten. So zogen wir los. Auf den Wagen saßen die kleinen Kinder mit den alten Frauen und Männern, alle anderen liefen. Bald befanden wir uns in einem langen Zug von Flüchtlingen. Nach einigen Tagen überschritten wir die Grenze zur Tschechoslowakei. Dort ging es immer weiter nach Westen – weg von der sowjetischen Front, deren Donnern immer leiser wurde. Oft blieben wir einige Zeit an einem Ort, wir schliefen in Turnhallen oder Tanzsälen auf Stroh oder Heu. Essen wurde in großen Kesseln oder Gulaschkanonen für alle gekocht. Es gab fast immer Graupensuppe, mal mit, mal ohne Fleisch. Ich hatte den Eindruck, daß das Ganze einigermaßen organisiert vor sich ging: Wir erhielten immer Unterkunft und Essen und jeden Morgen das Ziel des Tages genannt, wo man uns abends schon erwartete, auch wenn es manchmal lange dauerte, bis wir unseren Schlafplatz oder das Essen bekamen. Das Warten war nach dem langen Laufen auf der Straße oft sehr lästig, denn wir waren meist sehr müde.

Wir verlebten schlimme Tage und Nächte. Oft entstand Streit um die besten Liegeplätze, es gab für die vielen Menschen zu wenig Toiletten, Kranke mußten versorgt und über Nacht Gestorbene beerdigt werden. Kühe und Pferde brachen zusammen, viele Leute verzweifelten und wollten sich aufhängen. Und dann ständig die Angst vor dem Unbekannten und die Ungewißheit, wie es weitergehen sollte. Ich hatte immer die Mahnung meines Vaters im Kopf, wir sollten nicht in die Tschechei gehen, und jetzt waren wir mitten drin!

Ende April hatte es uns in die Gegend von Beraun verschlagen, etwa 50 km von Pilsen entfernt. Da wurden wir von den deutschen Behörden aufgefordert, die Tschechei innerhalb von drei Tagen zu verlassen. Aber wohin? Die Bauern wollten zurück in die Heimat zu Haus und Hof. Für mich kam jetzt der Augenblick, an dem ich die Mahnung unseres Vaters beherzigen mußte. Ich bedrängte meine Mutter, nicht den Weg zurück nach Osten zu nehmen, sondern weiter nach Westen zu fliehen, weg von der sowjetischen Front, und erinnerte sie an die Mahnung unseres Vaters. Schließlich entschied sie sich unter Tränen, zu versuchen, mit uns allein weiterzuziehen. Die anderen wollten uns nicht folgen. Es gab einen herzzerreißenden Abschied. Wir hielten einen deutschen Militärlaster an, der meine Mutter, uns drei Kinder und meine Großmutter nach Bischofteinitz im Sudetenland mitnahm. Der Ort wurde am 5. Mai 1945 von amerikanischen Truppen besetzt, für uns war der Krieg zu Ende und damit die Angst vor Tieffliegern. Die anderen aus unserem Dorf, die nicht mit uns gekommen waren, gerieten in den Prager Aufstand, sie wurden unter schrecklichen Bedingungen in Lager gesteckt. Sie haben viel gelitten, so viel, daß sie darüber nicht sprechen konnten. Sie brachen in Tränen aus, wenn wir sie später fragten.

Mein Vater war Ende 1944 in Estland verwundet worden. Aus einem Lazarett in Ostpreußen erhielten wir den letzten Brief von ihm – danach blieb er verschollen. Er hat uns durch seine Mahnung viel Leid erspart. Dafür bin ich ihm dankbar. Ich frage mich, wie er seinen Dienst weiter leisten konnte mit dem Wissen von den „schlimmen Dingen, die die Deutschen in diesem Krieg getan haben“ und an denen er in einer mir unbekannten Weise direkt oder indirekt beteiligt war. (Von meiner Tante, seiner Schwester, erfuhr ich lange nach dem Krieg, er habe sich freiwillig zum Einsatz in der UdSSR gemeldet, weil er nicht länger gegen Frauen und Kinder kämpfen wolle.)

Von Bischofteinitz aus zogen wir auf abenteuerliche Weise mit vielen Unterbrechungen weiter nach Jena in Thüringen; dort wohnte eine Verwandte von uns. Jena, im „grünen Herzen Deutschlands“ gelegen, hatte unsere Familie zu Beginn des Krieges vorausschauend als Treffpunkt vereinbart, falls das nötig werden sollte. Hier endete unsere Flucht.

Ich war noch immer dreizehn Jahre alt – oder war ich einige Jahre älter geworden?

Hans-Joachim Preuß

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Wie notwendig der Austausch gerade auch der jungen Generation zwischen Erlangen und Wladimir ist, zeigen oft Kleinigkeiten. So war Maxim Lortschenko vom Dokumentationsteam, das den Veteranen Nikolaj Schtschelkonogow auf seiner Reise begleitet, der Meinung Fritz sei nichts mehr als die im Zweiten Weltkrieg übliche abwertende Bezeichnung für die Deutschen. Und nun stellt sich heraus: Es handelt sich um einen männlichen Vornamen, wenn auch heute nicht mehr so gebräuchlich wie noch vor ein oder zwei Generationen, hinter denen konkrete Menschen stecken wie Fritz Rösch und eben Fritz Wittmann, dessen Grab die Gäste aus der Partnerstadt am Freitag besuchten.

Für Nikolaj Schtschelkonogow hatte dieser Vorname seit 1991, als Fritz Wittmann zum ersten Mal nach Wladimir kam, ein Gesicht, eine Stimme, eine Geschichte, die ihn bis heute mit Deutschland tief verbindet. Und da, wo es so persönlich wird, haben Feindbilder keinen Platz mehr, da tauscht man nur noch Familienphotos und gemeinsame Erfahrungen aus.

Hans Gruß, Harald Sander, Bridget Gruß, Johanna Sander, Paul Sander, Nikolaj Schtschelkonogow, Tatjana Jazkowa und Elisabeth Wittmann am Grab von Fritz Wittmann

Dabei hätte alles ganz anders ausgehen können: Der „Fritz“ und der „Iwan“ – so ja die deutsche Kollektivbezeichnung für die sowjetischen Feinde – lagen einander in den letzten Kriegstagen bei Küstrin in den Schützengräben gegenüber und fielen einander später in die Arme. Ihnen gelang es, in sich den Krieg zu besiegen, sie wurden beide zu Botschaftern des Friedens, zu den großen Männern der Aussöhnung und Verständigung zwischen den Partnerstädten und weit darüber hinaus.

Lange verharrte Nikolaj Schtschelkonogow in Stille vor dem Grab des Kameraden, das zu besuchen sein Herzenswunsch war. Doch dann brachen sie aus ihm heraus, all die Erinnerungen an die Begegnungen und Gespräche, voll freundschaftlicher Hochachtung für den Verstorbenen und sein Vermächtnis, all die guten Wünsche für dessen Familie und Freunde. All das, was zum Abschied gesagt sein wollte.

Elisabeth Wittmann und Nikolaj Schtschelkonogow

Und dann wieder diese Zugewandtheit zu den Menschen, zum Leben. Man kann es nicht anders nennen als die helle Freude, die einen im Gespräch mit diesem Mann überkommt.

Nikolaj Schtschelkongow, Tatjana Jazkowa und Hans Gruß

Voller Wißbegier: Was dachte und machte der Freund noch vor seinem Tod? Welche Gedichte schrieb er noch? Welche Graphiken zeichnete er, als es mit den Buchstaben nicht mehr so klappen wollte?

Nikolaj Schtschelkonogow

Auch voller Anerkennung dafür, wie die Familie das Andenken an Fritz Wittmann bewahrt, indem etwa sein Arbeitszimmer fast unberührt blieb und wirkt, als könnte er jeden Moment wieder eintreten.

Nikolaj Schtschelkonogow und Elisabeth Wittmann

Auch voller Überraschung, den originalen Friedenskreis wiederzusehen, der als Banner, überreicht am 9. Mai 2015 von Oberbürgermeister Florian Janik, im Versammlungsraum des Veteranenverbands Wladimir hängt.

Nikolaj Schtschelkonogow und Elisabeth Wittmann

Und dann beim Abendessen wieder, wie am Vorabend im Club International, diese Fülle an Detailwissen mit immer wieder neuen Facetten des Kriegsgeschehens: Hunde, die, mit Sprengstoff am Körper, unter deutsche Panzer geschickt wurden, die bei der Zündung, wenn nicht völlig zerstört wurden, so doch schweren Schaden nahmen, etwa an den Ketten oder am Turm; Vorteile der deutschen Ausrüstung beispielsweise im Tornister mit seinen Fächern und der Abdeckung aus Pferdeleder und den Aluminiumflaschen, während man im eigenen Sack nur Glasbehälter hatte, die brechen konnten; der robuste sowjetische Karbiner, der leichter und weniger anfällig war als das deutsche Pendant.

Wolfgang Morell und Tatjana Jazkowa (sitzend), Hans-Joachim Preuß, Nikolaj Schtschelkongow, Elisabeth Preuß und Jekaterina Zwetkowa

Oder das deutsche Geschirr aus Metall versus das eigene Besteck aus Holz oder die Uhr, die jeder Wehrmachtssoldat trug und dann gern als Beutestück genommen wurde, von Toten wie von Gefangenen; oder die Eiserne Ration, die für die Sowjetsoldaten hauptsächlich aus Graupen und Trockenfisch bestand, während die Deutschen sogar Schokolade mitführten, etwas, das Nikolaj Schtschelkonogow erst beim Auffinden eines Wehrmachtstrosses entdeckte.

Wolfgang Morell und Nikolaj Schtschelkonogow

Und dann die „pornographischen Bilder“, die sich bei den Deutschen fanden. Oder die Vorliebe der Wehrmacht, mit Leuchtschußpistolen die Nacht zum Tag zu machen.

Andrej Maximow, Jekaterina Zwetkowa und Amil Scharifow mit Elisabeth Preuß im Interview

Man fragt sich schon jetzt, wie das Team von Jekaterina Zwetkowa all den Stoff in eine einzige Dokumentation packen will, zumal ja erst die Hälfte der Reise abgeschlossen ist.

Johanna Sander, Adventskonzert Herz Jesu

Und zumal nicht einmal der emsigste Berichterstatter des Blogs alles wiederzugeben vermag. Aber wie soll man auch die Gefühle des Gastes beschreiben, wenn er nach dem Konzert in Wladimir im September nun noch einmal Johanna Sander, die Tochter von Fritz Wittmann, bei einem Auftritt erlebt…

Rosie Zahn und Jekaterina Zwetkowa

Oder wenn es dann zu einer Begegnung von Rosemarie Zahn und Jekaterina Zwetkowa kommt, die eine langjährige Freundschaft mit Kira Limonowa, der Architektin des Erlangen-Hauses und Witwe von Pjotr Dik, verbindet. All diese Querverbindungen verdienten es, gesondert zu erzählen.

Johanna Sander und Nikolaj Schtschelkonogow

Aber wir wollen es dabei belassen und mit dem Bild der Sängerin und des Veteranen enden, einem Bild der Harmonie und des Einvernehmens von zwei Menschen, von dem man sich gern hineinnehmen lassen will, bevor es heute für Nikolaj Schtschelkonogow und seinen Troß weitergeht nach Jena, Leipzig und Berlin.

Nikolaj Schtschelkonogow, Jekaterina Zwetkowa, Tatjana Jazkowa und Andrej Maximow im Nürnberger Bratwursthäusla

P.S.: Gerade rechtzeitig vor der Veröffentlichung dieses Beitrags schickt Othmar Wiesenegger noch eine kleine Rückschau, auf das, was gestern abend noch so alles abging – mit Bildern und vor allem einem Video, das man gesehen haben sollte, um Nikolaj Schtschelkonogow zu kennen:

Ohne Worte…

Lieber Peter, gestern hast Du noch etwas versäumt!

Wir sind nach dem Konzert direkt zur Waldweihnacht am Schloßplatz gegangen und hatten noch eine schöne Zeit bis 21.00 Uhr.

Nikolaj und Tatjana waren bester Stimmung und tanzten, und Nikolaj wollte noch sein Erlangen-Lied auf der Bühne vortragen!

Ich hatte mit der Band gesprochen – leider nicht zu bestimmt -, und so konnte er es nicht vortragen, es wäre echt toll gewesen!

Außerdem haben die beiden mit dem Finalisten von “Deutschland sucht den Superstar” mit Dieter Bohlen und Freundin, getanzt und posiert: ING_6159. Ich schmeiß mich weg, die ganze Zeit waren sie bester Laune!!! Sag niemanden, daß er 94 Jahre alt ist! Ich will mit 94 auch so sein!!!

https://www.rtl.de/videos/fortunato-lacovara-rockt-sich-zum-goldenen-buzzer-5a154717a2ea5024f25304d8.html

Auf jeden Fall haben “unsere Russen” einen schönen Abend verlebt und werden den 1. Dezember hier in guter Erinnerung behalten.

Link mit Bildern und Video

https://www.dropbox.com/sh/6oh6v5m8g2u991j/AAAkBrtSOgnfiw1gLXhl1ImCa?dl=0

Viele Grüße und Dir eine schöne Zeit noch mit den fünfen aus Wladimir. Dein Othmar

 

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Ein zweitägiger Ausflug führte uns in die Region Wladimir, nach Gorochowez, das wir 2017 schon einmal besucht hatten. Marina, Roses Kollegin und Autorin des Theaterstückes „Kommt wieder – aber ohne Waffen“, hatte uns wieder dahin eingeladen.

Die kleine Reise begann mit einem Irrtum, denn Marina hatte unser Zusammentreffen am Bahnhof in Nischnij Nowgorod eine Stunde zu früh angesetzt. Das war aber kein Grund zum Ärgern, eher im Gegenteil. So konnten wir noch einen Spaziergang in den Park „1. Mai“ machen. Es regnete zwar, aber es war nicht mehr kalt. Der Park war für den „Tag Rußlands“ geschmückt (12. Juni). Aus dem Irrtum wurde in typisch russischer Art ein Vergnügen gemacht.

Der Park „1. Mai“ in Nischnij Nowgorod

Als wir nach etwa anderthalb Stunden Fahrt in Gorochowez aus der Elektrischka stiegen, wurden wir sofort umschwärmt und zwar von „Moschki“, kleinen Fliegen, die unter die Brillenbügel, in die Ärmel und die Anorakkapuze kriechen, um an die Haut zu gelangen und dort ihr schmerzhaftes Treiben beginnen zu können. Das schwüle, feuchte Wetter machte die Plagegeister besonders aktiv. Kurze Pausen brachten uns nur die gelegentlichen Regenschauer. Die Moschki kommen nicht in Wohnräume, anders als die Stechmücken, die dort auch umherschwirrten, aber vergleichsweise harmlos blieben.

Moschki, Mitches, Kriebelmücken, Gnitzen, egal welche Sprache – sie sind immer lästig

Gorochowez, der 80 km westlich von Nischnij Nowgorod gelegene 13.000-Einwohner-Ort an der Kljasma, feiert vom 20. bis 22. Juli sein 850jähriges Gründungsjubiläum. In dieser Kleinstadt gibt es drei aktive Klöster, zehn Kirchen und – wie uns die Führerin stolz erzählte – sieben steinerne Kaufmannspaläste aus dem 17. Jhd. In ganz Rußland sind nur noch zwanzig erhalten, in Nischnij Nowgorod stehen gerade einmal drei davon. Gorochowez hofft, ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen zu werden.

Kaufmannshaus im Jugendstil aus Holz

Der Ort war zuerst militärischer Stützpunkt an der Kljasma, seine Blütezeit begann im 17. Jhd., als altgläubige Kaufleute durch Handel und die Erzeugung von Obst- und Beerenweinen zu Reichtum kamen, mit dem sie, ihrer Konfession gemäß zum Mäzenatentum verpflichtet, Kirchen und Klöster bauten. Nach einem Stillstand im 18. Jhd. brachte dann der Schiffsbau im 19. Jhd. einen erneuten Aufschwung, jetzt wurden vor allem Schulen, Kranken- und Waisenhäuser errichtet.

Ein steinernes Kaufmannshaus aus dem 17. Jahrhundert

Zur Feier des 850jährigen Bestehens erwartet der Ort Präsident Wladimir Putin und den Patriarchen Alexej. Die Vorbereitungen für das Fest sind im vollen Gange. Einige Kirchen sind eingerüstet, andere bieten mit rohem Ziegelmauerwerk einen ungewöhnlichen Anblick, weil der Putz entfernt und noch nicht wieder aufgebracht wurde. Bei unserem ersten Besuch hatten wir sie noch im strahlenden Weiß erlebt. Bis zu den Festlichkeiten in fünf Wochen scheint nur wenig Zeit, um alles wieder in den schmucken ursprünglichen Zustand zu bringen, aber da wir erlebt haben, wie schnell man in Nischnij Nowgorod ganze Straßenzüge für die WM restaurierte, haben wir keinen Zweifel, daß alles rechtzeitig fertig wird.

Maria-Reinigungs-Kirche ohne Putz

Marina kam angesichts der Moschki und des Staubes ein Spruch Alexander Puschkins in den Sinn (obgleich es bei ihm kein Baustaub, sondern Straßenstaub war):

Das Dreifaltigkeits-Nikolaj-Kloster, auf einem 80 m hohen Hügel über der Stadt gelegen, prangte noch in strahlendem Weiß

Ах, лето красное, любил бы я тебя,

Когда б не пыль, да комары, да мухи.

 

Ach, schöner Sommer, wie sehr liebt‘ ich dich,

Gäb’s nicht den Staub, die Mücken und die Fliegen.

Das Abschleifen des Putzes ist eine staubige Angelegenheit

Aus dem 19. Jhd. sind ansehnliche Backsteinhäuser erhalten und, besonders interessant, einige Holzhäuser im Jugendstil. Im letzten Jahr wurde im Morosow-Haus ein Museum eingerichtet, in dem Möbel und Gebrauchsgegenstände der Werftbesitzer aus dem 19. Jhd. zu sehen sind.

Backsteinhaus aus dem 19. Jahrhundert

Wir wohnten in dem modernen Hotel „Купeческая Изба“ (Kaufmannshütte), das Ferienwohnungen in Blockhäusern, eine Banja (Sauna) und ein Schwimmbecken anbietet und das wir sehr empfehlen können.

Kaufmannshütte

Die Anlage kann man nicht verfehlen; sie liegt an der Leninstraße.

Bahnübergang

Auch der Abschied von Gorochowez hatte eine ungewöhnliche Note – zumindest für uns Deutsche. Am Bahnhof angekommen, gingen alle Mitfahrenden vom Bus aus einfach über drei Gleise zu dem wartenden Zug, wir natürlich auch.

Hans-Joachim Preuß

 

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Wer bei den „Russisch-Deutschen Wochen“ in Erlangen, die im Februar 2018 im Rahmen der Feierlichkeiten zum 35jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft mit Wladimir begangen wurden, in einem Quiz über russische Geschichte und über eben diese Partnerschaft den Titel „Russionär 2018“ und damit eine Reise nach Wladimir gewonnen hat, der ist natürlich vom Glück überwältigt; auch wenn er schon oft in Wladimir war, nein, gerade weil er schon oft dort war und weiß, was ihn erwartet: Das gastfreundliche Erlangen-Haus mit dem immer besonderen Frühstück, die alte Stadt mit ihren Kirchen und die Ausflüge in die geschichtsträchtige Umgebung.

Russionär Hans-Joachim Preuß und Rose Ebding

Wir, meine Frau Rose Ebding und ich, waren Ende Mai dort und haben die zwei Tage genossen.

Der Weg ist das Ziel.

Ein guter Hinweis kam von Irina Chasowa, der Leiterin des Erlangen-Hauses. Sie hatte uns geraten, erst am späten Nachmittag nach Bogoljubowo zu fahren, wenn die Busse die Touristen wieder eingesammelt haben.  Dann hätten wir den Weg zu der kleinen Kirche „Mariä-Schutz-und-Fürbitte an der Nerl“ fast für uns. So war es dann auch.

Zumindest ein wichtiger Teil davon.

Mit dem öffentlichen Bus fährt man vom Erlangen-Haus in einer guten halben Stunde zur Endhaltestelle beim Kloster Bogoljubowow (22 Rubel, derzeitiger Kurs: 1 € = 72 Rubel). Eine kleine Strecke zu Fuß an der stark befahrenen Straße „M7 Wolga“ (Moskau – Nischnij Nowgorod – Ufa) entlang bis zu einem „dramatischen“ Bahnübergang, viele Treppenstufen hoch und wieder runter, durch eine Reihe von Pappeln – und schon sieht man in der Ferne das 1165 erbaute Juwel der altrussischen Baukunst: die kleine weiße Kirche leuchtend vor dem Hintergrund dunkelgrüner Bäume. Es beginnt ein schmaler Weg durch die Wiesen, der einen in zwanzig Minuten zum Ziel bringt. Ein Weg, der den Namen Pilgerpfad verdient hätte. Das flache Land, die grüne Wiese, sie strahlen eine Ruhe aus, die einen einfängt und besinnlich macht. Hier kommt die Seele zur Ruhe. Und was uns an diesem Tag besonders auffiel: Die klare Luft und das heitere Licht der Abendsonne! Ein tiefgehendes Erlebnis. Wir bedauern, dies weder mit unseren Worten – dazu wären ein Goethe oder ein Puschkin nötig – noch mit unseren Bildern wiedergebenzukönnen.

Mariä Schutz und Fürbitte an der Nerl

Der Innenraum der Kirche ist klein, er wird durch den Ikonostas geteilt, eine größere Reisegruppe führt schon zu Gedränge. Faszinierend der Blick hoch in die Kuppel, von vier Säulen getragen. Die Wände sind weiß belassen, die ursprüngliche Ausmalung wurde im 19. Jh. entfernt. Die Kirche gehört seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Das schmale, hohe Gotteshaus steht auf einem kleinen Hügel in der Nähe der Mündung der Nerl in die Kljasma, die Wiesen um sie herum sind Überschwemmungsland. Wir gingen abends an der Nerl entlang zum Zusammenfluß, ein schmaler Fußpfad durch Gras und dank der frühen Jahreszeit und dem kühlen Wind (fast) ohne Mücken.

Der Rest der letzten Überschwemmung

Natürlich waren wir auch in Wladimir wieder von den vielen Kirchen, dem Goldenen Tor und besonders von der neuen Fußgängerzone beeindruckt. An diesem Tag war alles in klares Licht getaucht – unvergeßliche Bilder. Sehr empfehlenswert das Restaurant „Wosnesenskaja Sloboda“, das eine weite Aussicht über die Kljasma-Ebene bietet und dessen köstliche Hechtklöße im Krautmantel man unbedingt probieren sollte.

Den zweiten Tag verbrachten wir in Susdal (per Taxi, eine Fahrt 600 Rubel). Es herrschte das für Unternehmungen wie diese besonders geeignete Wetter: Sonne, kühler Wind, glasklare Luft, was uns und unsere Freundin Anke zu Begeisterungsrufen animierte. Anke arbeitet in Perm als Deutschlehrerin und findet die Stadt im Ural mit der vielen Industrie nicht besonders reizvoll.

Im Erlöser-Euthymios-Kloster hörten und sahen wir das Mittags-Glockenspiel. Der Glöckner leistet dabei Schwerarbeit, er muß jede Glocke einzeln anschlagen. Dazu bewegt er die Glockenklöppel über Seile mit Händen und Füßen.

Klosterbirke

Eine ungewöhnlich große Birke wächst zwischen Mauern im Erlöser-Euthymios-Kloster.

Mahnmal für die Opfer der Repression

Die Eisenkunst erinnerte uns an die Geschichte. Von 1764 bis in die 1950er Jahre befand sich hier ein Gefängnis für politische und religiöse Abweichler, in der Stalin-Zeit wurde das Kloster Teil des Gulag-Systems.

St. Elias

Maria-Geburts-Kathedrale im Kreml, von St. Elias aus gesehen

Wir saßen lange auf dem Hügel bei der St. Elias Kirche, vor uns die Kamenka, die sich mäandernd durch die Landschaft schlängelt, dahinter der Kreml mit den blauen Türmen der Mariä-Geburts-Kathedrale. Kirchen, Klöster, Kreml: Zeugen der vergangenen Macht des Fürstentums Wladimir – Susdal. Zeugen, die uns heute bezaubern.

Gartenarbeit im Gewandniederlegungskloster

Hans-Joachim Preuß

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Drei Jahre – vom Sommer 2014 bis zum Sommer 2017 – verbrachten Rose Ebding und Hans-Joachim Preuß zwischen Regnitz und Wolga, um genau zu sein, liegt auch noch der Neckar dazwischen, denn die mittlerweile pensionierte Pädagogin kommt aus Stuttgart, während „der Mann der Lehrerin“, als der er im Visum ausgewiesen war, in Erlangen lebt, wenn er nicht gerade irgendwo zwischen Königsberg und Kamtschatka unterwegs ist. Drei Jahre in eineinhalb Stunden zu packen? Durchaus eine Herausforderung. Aber möglich, wenn man – wie gestern abend im Großen Saal der Volkshochschule im Rahmen der „Russisch-Deutschen Wochen“ – so strukturiert und kurzweilig wie das Ehepaar zu berichten weiß – vom Alltag im Gymnasium Nr. 1 in Nischnij Nowgorod, einer von etwa 100 Schulen in der Russischen Föderation, wo das Deutsche Sprachdiplom erworben werden kann, auf das die Slawistin vorbereitete; vom Einkaufen unter den gar nicht so erschwerten Bedingungen von Sanktionen und Gegensanktionen; von den Spaziergängen entlang der Oka bis zu deren Mündung in die Wolga, unterlegt mit Sehnsuchtsbildern aus allen Jahreszeiten; vom Flanieren über die Pokrowka, die Fußgängerzone ihrer russischen Heimatstadt; von den vielen offenen und lebensfrohen Begegnungen, wo der Daumen immer hoch ging, sobald man sich als Deutscher zu erkennen gab.

Vortrag „Zwischen Regnitz und Wolga“

Überhaupt die menschliche Note: Hans-Joachim Preuß weiß von einer Kioskbesitzerin zu berichten, die ihn schon beim zweiten Einkauf als alten Bekannten begrüßte und ihm nur ihre besten Birnen – nicht aus der Auslage! – verkaufte oder vom Straßenmusiker, der schlechter Deutsch sprach als der Erlanger Russisch, bei jedem Treffen auf der Pokrowka aber stets „Dein ist mein ganzes Herz“ anstimmte. Wann es genau war, wissen die beiden wohl auch nicht zu sagen, aber die beiden haben unverkennbar ihr Herz an Nischnij Nowgorod, die russischen Menschen, die russische Musik und Lebensart verloren und kündigen denn auch nach dem Vortrag an: „Wir kommen wieder!“

Hans-Joachim Preuß und Rose Ebding

Schon für Mai, verrät Rose Ebding, plane man die nächste Reise, zunächst nach Wladimir, hat ihr Mann doch beim „Russischen Abend“ am vergangenen Freitag den Titel „Russionär“, den Hauptpreis beim Quiz, verliehen bekommen und darf sich auf einen Freiflug mit drei Gratisübernachtungen im Erlangen-Haus freuen. Ob dann im Visum der Lehrerin steht „Frau des Russionärs“ wissen wir freilich ebensowenig wie, wohin die Reise der beiden sonst noch führen wird. Jedenfalls dürfen wir dann auf eine Fortsetzung des Blogs https://stuttgartnishnij.wordpress.com hoffen, in dem zu blättern immer wieder helle Freude bereitet. Und dann gibt es bestimmt auch einmal einen Vortrag der beiden über ihre Reisen durch jenes weite Land, das sie nicht mehr loslassen will.

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Gezählt hat sie niemand, die Gäste des gestrigen „Russischen Abends“ zum Auftakt der „Russisch-Deutschen Wochen“ im Großen Saal der Volkshochschule Erlangen. Aber es dauerte fast eine Viertelstunde, bis die letzten Stühle hereingetragen waren, bis alle einen Sitzplatz gefunden hatten.

Spiramor

Dann erst stimmte „Spiramor“ auf das 35jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir ein. Ganz so, wie man das erwarten darf: mit gepflegter Sangeskunst und deutsch-russischen Melodien.

Großer Saal der Volkshochschule

Die Begrüßung – mit einem Willkommen auf Russisch – schließlich durch den Direktor des Hauses, Markus Bassenhorst, zeigte wieder einmal, welch überragende Rolle die Volkshochschule für die Städtepartnerschaft spielt. Von den ersten Bürgerreisen Anfang der 80er Jahre und dem Arbeitskreis Wladimir unter Klaus Wrobel über die ersten „Russisch-Deutschen Wochen“ unter Christine Flemming bis hin zum breiten Festprogramm unter Markus Bassenhorst, von den Sprachkursen und der didaktischen Unterstützung für das Erlangen-Haus und der Rolle von Reinhard Beer, dem stellvertretenden Leiter ganz zu schweigen.

Markus Bassenhorst

Die gleiche Kontinuität in der Kommunalpolitik sorgt für den Rahmen dieser Bürgerpartnerschaft, wie das Grußwort Florian Janik zeigte. Bruchlos und unangestrengt gelang Erlangens Oberbürgermeister der Bogen vom ältesten Besucher im Saal, dem 95jährigen Weltkriegsveteran Wolfgang Morell, der 1942 – nicht ganz freiwillig – als erster Erlanger nach Wladimir kam und dort von einer schweren Erkrankung genesen konnte, über den 75. Jahrestag der Kapitulation der Wehrmacht in der Schlacht um Stalingrad bis hin zu dem Geschenk der Versöhnung und des Vertrauens nach all dem Leid und Tod zwischen Deutschen und Russen. Freilich ein Geschenk, das gerade angesichts der politischen Spannungen alles andere als selbstverständlich ist, für das man immer wieder dankbar sein sollte.

Wolfgang Morell

Besonders natürlich jenen, die damals, in Zeiten des Kalten Krieges, Mut und Weitblick genug besaßen, um über alle Gräben und Grenzen hinweg das Werk der Verständigung zu beginnen: Dietmar Hahlweg, damals Oberbürgermeister von Erlangen, und Jurij Fjodorow, damals Stellvertreter des Vorsitzenden des Städtischen Exekutivkomitees der Volksdeputierten und, wie er sich selbst gerne nennt, der erste Kundschafter Wladimirs in Erlangen, dessen positiver Bericht in der Stadt am Goldenen Ring die gute Sache der Partnerschaft in Gang brachte.

Dietmar Hahlweg und Jurij Fjodorow

Von Beginn an dabei aber auch die hohe Diplomatie, gestern vertreten durch Vizekonsul Andrej Matwijenko, eigens aus München angereist, um Erlangen auch weiterhin der Unterstützung durch seine Gesandtschaft zu versichern. Damals, im Jahr 1982, kam von der Sowjetischen Botschaft in Bonn das Angebot einer Zusammenarbeit mit Wladimir auf den 1981 von Dietmar Hahlweg in Moskau geäußerten Wunsch nach einer Partnerstadt.

Florian Janik und Andrej Matwijenko im Fokus von Nadja Steger

Überhaupt, wie das alles war… Dazu etwas von Zeitzeugen zu erfahren, bot das Podium Gelegenheit. Der Blick zurück, wo auf beiden Seiten Vorbehalte zu überwinden waren, wo es aber auch unerwartet rasch gelang, mit vertrauensbildenden Maßnahmen bei Ausflügen und Treffen jenseits des Protokolls eine Atmosphäre von gegenseitigem Verstehen zu schaffen, die bis heute anhält und auf die auch Florian Janik in der Nachfolge von Dietmar Hahlweg und Siegfried Balleis, der gestern Erlangen im närrischen Veitshöchheim vertrat, aufbaut, wenn er jetzt erfreut feststellen kann: „Die Partnerschaft nimmt angesichts der gegenwärtigen politischen Krise keinen Schaden. Es ist allein der Rubelkurs, der den Austausch ein wenig erschwert.“

Peter Steger, Florian Janik, Anna Schellenberger, Jurij Fjodorow und Dietmar Hahlweg

Dennoch, einzig verlassen auf die Selbstheilungskräfte der Partnerschaft will sich Erlangens Oberbürgermeister auch nicht und berichtete deshalb auch erfreut über die bereits zweite und erfolgreich Sitzung des Gesprächsforums „Prisma“, wo im kleineren deutsch-russischen Kreis durchaus „brisante und kontroverse Themen offen und freundschaftlich diskutiert werden“. Ganz in der Tradition der Gründerväter, die denn auch verdiente Dankesurkunden austauschen: für Dietmar Hahlweg und Klaus Wrobel überreicht von Jurij Fjodorow – und für Wiktor Malygin und Jurij Fjodorow ausgehändigt und unterzeichnet von Florian Janik.

Klaus Wrobel, Wiktor Malygin, Florian Janik, Jurij Fjodorow und Dietmar Hahlweg

Mit auf dem Podium stand Anna Schellenberger, ein Kind der Partnerschaft, deren Vater, aus Celle stammend, in Erlangen Slawistik studierte – als es das Fach an der FAU noch gab – und dann durch den Austausch sein Glück und seine Familie in Wladimir fand. Nun erlebte sie – mit viel Beifall bedacht – ihre Feuertaufe auf der Bühne als Übersetzerin für Jurij Fjodorow, lobte die Bedeutung des Erlangen-Hauses für die Partnerschaft und dankte für diese „großartigen Beziehungen“, bevor sie hinter den Kulissen verschwand, um sich für ihren nächsten Auftritt vorzubereiten.

Anna Schellenberger

Anna Schellenberger gehört nämlich – ebenso wie ihre Mutter, die daheim in Raduga bei Wladimir geblieben ist – zum vor zwei Jahrzehnten gegründeten Klöppelkreis um Jelena Gorbunowa und besucht als Kunsthandwerkerin zum zweiten Mal Erlangen, zeigte sich aber zum ersten Mal hier auch auf dem Laufsteg.

Susanne Lender-Cassens

Zusammen mit zwei Models, die gestern ebenfalls eine Premiere erlebten. Erlangens Bürgermeisterinnen, Susanne Lender-Cassens und Elisabeth Preuß, hatten sich von Nadja Steger nicht lange bitten lassen, als es darum geht, wer mitmacht bei der Präsentation der kostbaren Einzelstücke.

Elisabeth Preuß

Im Detail zu sehen waren die kleinen Kunstwerke im Historischen Saal, und heute noch den ganzen Tag über bietet Jelena Gorbunowa einen Mitmachkurs an.

Susanne Lender-Cassens, Alexandra Jegorowa, Jutta Brandis und Jelena Gorbunowa

Jutta Brandis, an der Volkshochschule für das Kultur zuständig, kennt übrigens Jelena Gorbunowa seit fast 20 Jahren und hat die Kunsthandwerkerin nach Abendberg vermittelt und damit den Anstoß für eine erstaunliche Entwicklung gegeben, über die der Blog auch immer wieder berichtet: die Aufnahme von Jelena Gorbunowa in den Deutschen und Französischen Klöppelverband, ungezählte Seminar und Ausstellungen – und immer wieder Abstecher nach Erlangen, dorthin, wo alles begann.

Alexandra Jegorowa

Gestern begann nun auch alles für Alexandra Jegorowa, das Nesthäkchen des Abends, die selbst Hand anlegt an die feinen Fäden und sich schon als Model vor das Publikum wagt. Wer weiß, wo sie ihre Kunst später noch überall zeigen wird…

Dietmar Hahlweg und Wiktor Malygin

Vergessen sollte man nicht das Russisch-Fränkische Buffet, vorbereitet von den Wladimirer Expatriots Nadja Steger, Natalia Grebnev, Jekaterina Korschofski und Matwej Grigorjew, einem Studenten aus Wladimir. Gelegenheit zum Kennenlernen und Wiedersehen, auch für Dietmar Hahlweg, Ehrendoktor der Universität Wladimir, und Wiktor Malygin, damals Vizerektor, heute Professor em. und Rektor i.R.

Markus Bassenhorst und Irina Chasowa

Oder auch für Irina Chasowa, Direktorin des Erlangen-Hauses, und Markus Bassenhorst, den Gastgeber des Abends, der weit nach 23.00 Uhr, als sich nach mehr als vier Stunden die letzten Grüppchen auflösten, rundum zufrieden zurückblickte und sich natürlich auf all die Veranstaltungen freute, die noch den ganzen Monat über anstehen.

Othmar Wiesenegger und Jelena Gorbunowa

Zeit ebenso für Othmar Wiesenegger, dem zusammen mit Nadja Steger die Photos dieses Beitrags zu verdanken sind, sich ein wenig zurückzuziehen und mit Jelena Gorbunowa zu sprechen, die einfach nur glücklich war angesichts des Zuspruchs aus dem Publikum.

Reinhard Beer, Susanne Lender-Cassens und Andrej Matwijenko

Dazwischen dann auch noch das Quiz „Wer wird Russionär?“, erdacht von Reinhard Beer, der gestern, bei der mittlerweile zwölften Austragung der „Russisch-Deutschen Wochen“, endlich auch die verdiente Auszeichnung als „Ehren-Russionär“ erhielt, unterzeichnet von Florian Janik und überreicht von Susanne Lender-Cassens zusammen mit Andrej Matwijenko, dem stellvertretenden Generalkonsul.

Alexandra Jegorowa, Jelena Gorbunowa, Elisabeth Preuß, Susanne Lender-Cassens und Anna Schellenberger

Und ein Geschenk an die Stadt Erlangen vom Klöppelkreis: das Golden Tor, gewirkt aus feinsten Fäden.

Susanne Lender-Cassens und Irina Tartakowskaja

Das Quiz hatte es übrigens in sich. Einige knifflige Hürden ließen selbst treue Blogleser auf dem Weg zum Siegerpodest straucheln, etwa die Frage danach, in welchem Jahr diese Plattform nun schon über die Partnerschaft berichte. Da ärgert sich mancher wohl noch lange der auf die mögliche Antwort „im verflixten siebten Jahr“ hereinfiel und damit falsch ankreuzte. Es sind nämlich bereits zehn Jahre… Alles richtig anzugeben, schaffte denn freilich auch niemand. Aber Hans-Joachim Preuß kam mit 16 von 20 möglichen Punkten diesem Ziel am nächsten – und kann sich jetzt auf eine Gratisreise nach Wladimir mit drei Übernachtungen im Erlangen-Haus freuen.

Hans-Joachim Preuß und Susanne Lender-Cassens

Freuen können sich durchaus auch alle, die gestern still im Hintergrund mitwirkten: Wolfram Howein, der den Abend bebilderte, Othmar Wiesenegger, der für neue Photos sorgte, die Runde um Natalia Kaiser, die für die rasche Auswertung der Antwortbögen zum Quiz sorgte, das Küchenteam, die Hausmeister, die bis zum späten Ende ausharrten. Dank an Köstlich & Co., das Geschäft für Feinschmecker, das zum wiederholten Male Preise stiftete. Vor allem aber ein спасибо an die Gäste aus Wladimir – ein gutes Dutzend – und Erlangen – um die einhundert -, die für eine großartige Stimmung sorgten.

 

 

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Über den ganzen Tag hinweg, bis in den späten Abend hinein, sind gestern wohlbehalten all die Gäste aus Wladimir eingetroffen, die bei der Eröffnung der „Russisch-Deutschen Wochen“ an der Volkshochschule teilnehmen. Auf den „Russischen Abend“ am morgigen Freitag um 19.00 Uhr im Großen Saal wies der Blog ja bereits ebenso hin wie auf den „Russischen Brunch“ an diesem Samstag von 11.00 Uhr bis 14.00 Uhr im Club International. Nun ist es aber an der Zeit auch auf weitere unmittelbar anstehende Veranstaltungen hinzuweisen und – bei freiem Eintritt – dazu herzlich einzuladen.

Anna Schellenberger, Maria Baranowa und Jelena Gorbunowa mit Arbeiten in Schwarz

Anfang der 90er Jahre gründete Jelena Gorbunowa in Wladimir einen der landesweit ersten Vereine für Spitzenklöppeln. Ihr Können zeigte die Kunsthandwerkerin vor 18 Jahren erstmals an der Volkshochschule Erlangen. Seither bereist sie ganz Deutschland und Europa, erhielt als erste und bisher einzige Russin die Mitgliedschaft im Deutschen Klöppelverband und hat sich europaweit als Dozentin Ansehen erworben. Im Rahmen der Russisch-Deutschen Wochen und des fünfunddreißigjährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir lernen Sie spezielle Techniken des Spitzen-Klöppels für Fortgeschrittene an, wo sie ihre Technik vorstellt.
Die Kursleiterin ist Mitglied beim Deutschen Klöppelverband e.V. und hält ihren Kurs am kommenden Samstag von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr im Historischen Saal der Volkshochschule, Friedrichstraße 19. Parallel zum Workshop zeigt die Dozentin im Musikzimmer eine kleine Werkschau mit eigenen Klöppelarbeiten, die bereits beim „Russischen Abend“ mit einer kleinen Modeschau eröffnet wird.

Wjatscheslaw Kuprijanow: Der wilde Westen

Am Montag den 5. Februar steht dann ab 19.00 Uhr im Club International russische Literatur in deutscher Übersetzung auf dem Programm. Der Partnerschaftsbeauftragte der Stadt Erlangen, Peter Steger, überträgt immer wieder zeitgenössische russische Lyrik und Prosa ins Deutsche. Dieser Abend der Poesie ist – zweisprachig – dem Moskauer Autor Wjatscheslaw Kuprijanow gewidment, zu hören sind aber auch Werke anderer moderner Dichter u.a. natürlich auch aus Wladimir.

Kommunalka

Die Städtepartnerschaft erhält seit bald zehn Jahren immer wieder wichtige Impulse vom Freundeskreis Wladimir, der sich besonders um die Kontakte zum Erlangen-Haus kümmert. Im Frühsommer 2017 hat sich nun auch eine Gruppe unter der Bezeichnung „Kommunalka“ – in Anknüpfung an die Gemeinschaftswohnungen gleichen Namens in der Sowjetzeit – gegründet, angeregt von einer studentischen Studienreise nach Sankt Petersburg und Wladimir. Am Dienstag, den 6. Februar, bieten die beiden Initiativen im Club International ab 19.00 Uhr Einblicke in ihr Innenleben und ihre Aktivitäten, von denen sie in Zukunft sicher auch das eine oder andere Projekt gemeinsam – und vielleicht auch mit Ihrer Beteiligung – in Angriff nehmen.

Rose Ebding und Hans-Joachim Preuß auf Kamtschatka

Das Ehepaar Rose Ebding und Joachim Preuß beendete im August 2017 einen dreijährigen Aufenthalt in Nischnij Nowgorod. Rose Ebding unterrichtete in der Metropole an der Wolga Deutsch als Fremdsprache und bereiste, immer begleitet von ihrem pensionierten Mann, das ganze Land von Sankt Petersburg bis Kamtschatka. Die beiden führten in der Zeit ihren eigenen Blog und berichten nun am Mittwoch, den 7. Februar ab 19.30 Uhr im Großen Saal der Volkshochschule aus der Fülle ihrer Eindrücke von gastfreundlichen Menschen sowie unerwarteten Begegnungen und zeigen Bilder, die Lust auf mehr machen.

„Hundeherz“ nach einer Erzählung von Michail Bulgakow

Dann folgt eine Pause wegen der Faschingsferien, bevor es am 19. Februar mit dem sowjetischen Film „Hundeherz“ weitergeht. Aber davon später oder schon jetzt in der Vorausschau unter: https://is.gd/6HyHJX

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