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Posts Tagged ‘Günther Allinger’


Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

jetzt hat es etwas gedauert, bis ich zum Schreiben des letzten Teils gekommen bin. Ich war in der Zwischenzeit in Rom, der ewigen Stadt, und das wäre einen eigenen Reisebericht wert. Natürlich nicht in diesem Blog. Aber vielleicht doch eine kleine Anmerkung, etwas Besonders, das die Menschen in Rom auszeichnet. Also in den Bussen war es genauso voll wie in den Trollis in Wladimir. Man hätte auch hier einen „Schubser“ wie in Japan brauchen können. Frei nach der Devise „einer geht noch rein“ standen wir wie die Soldaten im Bus. Umfallen war nicht mehr möglich. Dafür habe ich mir ganz umsonst den römischen Grippevirus eingefangen. Der war wohl im Fahrpreis inbegriffen. Also was wollte ich erzählen? Wir, insgesamt elf Personen, waren im Generalat, dem Hautquartier des Ordens der Barmherzigen Brüder. Wir hatten vier Menschen mit einer Behinderung dabei. Anlaß und Hintergründe der Reise erzähle ich jetzt nicht. Natürlich wollten wir alles besichtigen. Eine Papstaudienz, ein Spaziergang durch den Vatikan, das Kolosseum, der Trevi-Brunnen, der Dom und das Vatikanmuseum, die Katakomben usw. gehörten zu unsrer Besichtigungstour. Und fast überall waren endlose Menschenschlangen, und es wurde Eintritt verlangt. So und jetzt kommt das Besondere der Römer. Als Ordner oder Wachpersonen sahen, daß wir Menschen mit Behinderung bei uns haben, hieß es immer „no line“, wir mußten uns also nicht anstellen und durften immer nach vorne durchgehen. Damit aber noch nicht genug. Nein, es kommt noch besser. Was glaube Sie ist das? Wir brauchten keinen Eintritt bezahlen und sparten so über 300 Euro. Als wir diese Erfahrung erstmals im Vatikanischen Museum machten, sagte eine der mitreisenden behinderten Frauen ganz unbedarft: „Na, wir sind halt VIPs“.

Sie können sich vorstellen, wie wir uns alle amüsiert haben und uns diese Aussage stets begleitet hat. Wir werden auch künftig nicht mehr von einem Wohnheim für Behinderte sprechen, sondern von Wohnmöglichkeiten für VIPs. Die Werkstatt für behinderte Menschen wird ebenfalls umgetauft und heißt jetzt Werkstatt für VIPs.

Jetzt geht es aber rasant weiter mit meinem Bericht über Pljos und Kostroma und..? Besonders elegant war es an der Promenade der Wolga. Einen schönen Sonnenuntergang konnte ich verfolgen.

Eindrucksvoll waren auch die brennenden Bäume. Da gab es eine Straße, die von der Promenade hoch nach oben führte. Dort habe ich auch das Bild mit dem Sonnenuntergang gemacht. Wenn man oben auf dieser Anhöhe ist, geht es in eine Allee. Es waren lauter schöne und große Platanen, die die Allee säumten, leicht abschüssig nach unten zu einer Aussichtsplattform. Als ich meinen Blick nach hinten richtete, mochte ich meinen Augen nicht trauen. Ist da ein Feuer, ein Brand ausgebrochen? Nein, kein Feuer, sondern ein Schauspiel der Natur. Just in diesem Moment war die Lichteinstrahlung von der tiefstehenden Sonne so intensiv, daß man „brennende“ Bäume sah. Sehen Sie selbst.

Und noch etwas muß erwähnt werden. Im Vordergrund des Bildes sehen Sie eine Bank. Und diese Bank, bzw. die Sitzbänke in der Stadt, zeichnet etwas Besonderes aus. Es handelt sich nämlich nicht nur um Bänke, sondern sie zeigen mir einfach, wie liebevoll die Menschen hier mit ihrer Stadt umgehen. Es ist die Liebe zum Detail, zur Schönheit und Einzigartigkeit. Im nächsten Bild werden Sie sehen, was ich meine. Diese kleine Zierde an den Bänken sorgt sofort für eine Identifikation mit der Stadt und lässt uns die Stimmung der Menschen hier erahnen.

Sie sehen, die Bank wurde mit einem Ausschnitt aus dem Stadtwappen gestaltet.

Fürst Jurij Dolgorukij war es, der im Jahr 1152 im Siedlungsgebiet finno-ugrischer Stämme Kostroma gründen ließ. Diese Völkerschaften besiedelten vermutlich schon viel früher diese Region. Unter Zar Michail Romanow entwickelte sich die Stadt rasant und wurde 1778 zur Gouvernementshauptstadt erhoben. Also so wie Ansbach für den Bezirk Mittelfranken oder Landshut für den Bezirk Niederbayern.

Die Galeere im Wappen deutet übrigens auf den Besuch der Kaiserin Katharina die Große hin. Im Jahr 1767 war die Zarin dort quasi auf der Durchreise bei ihrer Wolgafahrt.

Nicht unerwähnt bleiben darf das Ipatios-Kloster. Warum? Natürlich gibt es überall diese wunderschönen Kirchen und Klöster in Rußland. Aber das Ipatios-Kloster ist eines der bedeutendsten seiner Art und gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten am Goldenen Ring. Es ist ein russisch-orthodoxes Männerkloster und wird erstmals urkundlich 1432 erwähnt. Hier lebte übrigens dann auch der oben bereits erwähnte Michail Romanow in der Verbannung, bevor er zum Zaren gewählt wurde.

Sicher gibt es noch viele andere besondere Gebäude in Kostroma, wie z.B. die Christi-Geburts-Kirche oder die Christi- Verklärungs-Kirche. Diese erkunden Sie, liebe Leserinnen und Leser, bei Ihrer nächsten Reise nach Rußland  aber besser selbst. Sonst werde ich ja gar nicht mehr mit meinem Bericht fertig.

Nach drei Tagen Kostroma (eigentlich zu kurz für diese großartige Stadt) geht es mit dem Auto zurück nach Wladimir. Die Rückfahrt stellen Sie sich jetzt einfach in der umgekehrten Reihenfolge wie die beschriebene Anfahrt vor.

In Wladimir selbst war dann mieses Regenwetter angesagt. Dennoch sollte ein ausführlicher Spaziergang möglich sein. Die Stadt verändert sich ja auch ständig, und da entdeckte ich diesen neugestalteten Platz zwischen der alten Apotheke und der katholischen Kirche. Ganz wundervoll, mit vielen Details und in Bronze gegossenen Statuen, werden hier kleine Geschichten erzählt, findet man Hinweise auf historische Gegebenheiten. Schon von weitem sah ich den Apotheker und assoziierte mit der Statue sofort eine in Wladimir bekannte Persönlichkeit die sich über viele Jahre hinweg in der Stadt engagierte. Wissen Sie wen ich meine? Schauen Sie sich doch einfach mal das Bild an. Ich könnte da eigentlich gleich ein Preisausschreiben damit verbinden. Gerade aber habe ich halt keinen passenden Preis für den Sieger zu Hand. Dennoch können Sie hier natürlich einen Tip abgeben. Würde mich freuen, im Blog Ihre Ideen zu lesen. Jetzt aber Vorhang auf. Sogar die Darstellung als Apotheker paßt irgendwie zu ihm. Na, schon Ideen und Gedanken?

Etwas weiter habe ich mich dann mit dem Feuerwehrmann angefreundet.

So, liebe Blogredaktion, liebe Leserschaft, jetzt höre ich aber endgültig mit der Schreiberei auf, bevor ich Sie alle noch langweile. Dennoch muß ich kurz auf das regnerische Wetter eingehen. Die letzten zwei Tage in Wladimir hat es Tag und Nacht geregnet. Aber wie! Richtig heftig! Wie wenn der Himmel einen Wassereimer nach den anderen ausschüttet. Hier sagen wir manchmal, unser heiliger Petrus sei wohl undicht geworden. Ich hatte wirklich schon Bedenken, daß es die Bahnschienen ausschwemmt und ich nicht mehr nach Hause komme. Ob es jetzt eine Befürchtung war oder vielleicht eine Hoffnung, weiß ich gerade nicht. Auf jeden Fall war ich auf meinen Ausflügen in Wladimir ständig durchnäßt. Ganze Bäche und Flüsse bildeten sich auf den Straßen, und es war trotzdem irgendwie schön.

Jetzt aber wirklich zum Schluß. Die Region um Wladimir ist ja auch eine der Kornkammern von Rußland. Und das will ich in einem abschließenden Bild zeigen. Unendliches Kornfeld in der unendlichen Weite Rußlands. Das Bild entstand in der Nähe der Stadt, Sie wissen schon, dort wo es nichts gibt außer die Unendlichkeit. Bevor ich ins Schwärmen komme, hier das Bild.

So, jetzt könnte ich noch über Landbau, Nachhaltigkeit oder alternative Landwirtschaft erzählen. Aber vielleicht deutet das Unkraut im Kornfeld einfach nur darauf hin, daß zum falschen Zeitpunkt gegen Unkraut gespritzt wurde. Ich weiß es einfach nicht.

Bis bald mal wieder, sehr geehrte Leserinnen und Leser des Blogs. Hoffe, Sie hatten etwas Freude an meiner Erzählung zur Reise. Und wer doch am Preisausschreiben teilnehmen will, der möge sich melden. Ein kleiner Preis wird mir schon noch einfallen.

Herzlicher Gruß!

Günther Allinger

Wer sich noch einmal mit dem augenzwinkernden Autor auf die vergnügliche Reise von der Kljasma über die Wolga bis zum Tiber machen möchte, klicke hier https://is.gd/xYhzPh und da https://is.gd/S8Gtdm und freue sich des Lebens.

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Nach zwei Tagen Aufenthalt und Besichtigungstour in Pljos geht es spontan weiter. Ich bin ganz froh, dem Fisch, der hier überall aufgebahrt liegt, zu entkommen.

Halt, da hätte ich vor lauter Fisch  bald eine wichtige Persönlichkeit von Pljos vergessen. Es handelt sich um Isaak Lewitan, ein Wandermaler, dessen ehemaliges Wohnhaus heute als Museum mit seinen Bildern dient.

Auf Wiedersehen, Pljos

Es geht weiter. Nach Kostroma. Wie erwähnt, eine spontane Entscheidung, da wir ohnehin in der Nähe sind und Kostroma sehenswert sein soll. Ich verlasse mich einfach darauf.

Himmelfahrtskirche in Krasnoje na Wolge

Auf dem Weg kommen wir zunächst nach Krasnoje na Wolge (Schöne an der Wolga). Dieser kleine Ort, man glaubt es kaum, ist seit Jahrhunderten ein bedeutendes Zentrum des Juwelierhandwerkes. Überall entlang der Straße gibt es Schmuckgeschäfte. Da könnte man selbst als Mann schwach werden, wenn man diese Vielfalt an Gold- und Silbergeschmeide sieht. Und noch etwas Interessantes gibt es dort zu bewundern. Was denken Sie, wird das wohl sein? Natürlich eine wunderschöne Kirche. Der Beschreibung zufolge der älteste Steinbau des Ortes, 1592 errichtet. Von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft. Na, das hat sie auch verdient. Sehen sie selbst.

Himmelfahrtskirche in Krasnoje na Wolge

Jetzt geht’s aber weiter, runter zur Wolga. Hier gibt es eine Fähre und gleich ein weiteres Erlebnis. Auch wenn da am Steg was von einer maximalen Belastung von acht Tonnen steht, wartet hier ein großer LKW auf die Überfahrt, und der hat sicher mehr als acht Tonnen. Ich schätze ihn auf mindestens zwölf Tonnen. Egal, die Statiker bauen ja immer eine Sicherheit mit ein.

Fähre mit Tiefgang

Leider kann man die Dimensionen der Wolga auf dem Bild nur erahnen. Sie ist einfach nur schön, breit und lang. Der Tanker macht sich so breit, daß er auf unserer Donau Fahrverbot hat.

Vorsicht, Tanker kreuzt!

Jetzt aber flott weiter nach Kostroma. Die Zeit verrinnt wie im Flug, und wir brauchen auch noch eine Übernachtungsmöglichkeit. Bei Einbruch der Abenddämmerung erreichen mein Wladimirer Freund und ich die Stadt und folgen einfach der Beschilderung eines Hotels. Das war einfach. Aber! Haben die noch Zimmer frei? Wir fragen, und siehe da, alles kein Problem. Das Hotel steht gerade leer, und man freut sich über uns. Übrigens ein sehr schönes und modernes Haus, sehr zentral gelegen. Soll ich Ihnen den Namen verraten? Wenn Sie mal in Kostroma sind, ist das wirklich ein guter Tip, den Sie im Reiseführer nicht finden. Der Name lautet „Troja“. Und soll ich Ihnen noch was verraten? Die Zimmer sind sehr günstig, und es gibt Frühstück. Ich gerate gerade ins Schwärmen, wenn ich an das Frühstück in diesem Hotel denke. Das war kein Frühstück, sondern ein warmes und kaltes Büffet. Einfach super.

Übrigens ist Kostroma die nördlichste Stadt des Goldenen Rings und liegt, ich denke, rund 500 km von Moskau entfernt. Kostroma ist auch ein eigenes Gouvernement, und in der Stadt leben so etwa 280.000 Menschen.

Handelsreihen

Am nächsten Tag geht es sofort in die Stadt. Wir fahren mit dem Taxi oder was immer das war. Ein alter Lada, klapprig wie ein alter Gaul mit Motorproblemen. Egal, es ging irgendwie bis zum Zentrum für 100 Rubel. Da kannst dann auch nix sagen.

Hier im Zentrum stehen dann auch bedeutende Bauten. Die Hauptwache an der Susaninskaja Ploschtschad, dem Herzen der Stadt, zählt zu den schönsten Beispielen des russischen Klassizismus. Sie (auf Russisch, die „Gauptwachta“) wurde um 1894 erbaut. Woher ich das weiß, fragen Sie? Na ich hab das nachgelesen, sonst könnte ich diese bedeutende Information nicht weitergeben.

Hauptwache von Kostroma, heute Literaturmuseum

Gleich gegenüber stehen die berühmten Handelsreihen Kostromas. Sie sind wohl die größten und schönsten ihrer Art im ganzen Land. Hier wurde und wir alles feilgeboten, was der Mensch so braucht: Mehl, Kleidung, Rauchwaren, Obst und Gemüse und was sonst? Natürlich Fisch. Schon wieder. Was soll ich bloß tun.

Erster Schultag am Milchberg von Kostroma auf direktem Weg zur Wolga

Diese Handelsreihen ziehen sich bis zur Wolga hinunter und liegen auf dem sogenannten Milchberg. Und wer kommt uns denn da entgegen, als wir Richtung Promenade gehen? Na klar, es ist Schulanfang, der wie ein Feiertag begangen wird. Alle sind hübsch herausgeputzt und freuen sich.

Danke für’s Stillsitzen

Liebe ungeduldige Leser des Blogs, eigentlich wollte ich mit dem Reisebericht abschließen. Aber es gibt doch noch ein oder zwei Bilder, vielleicht auch mehr, die gezeigt werden wollen. Und da gibt es auch noch ein oder zwei Gedanken und Geschichten, die ebenfalls an’s Licht wollen. Also gibt es irgendwann noch einen dritten, aber wirklich letzten Teil,

kündigt zur Freude der Redaktion Günther Allinger an.

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„Freue Dich, oh Christenheit!“ möchte man heute singen, denn Günther Allinger hat es wieder getan. Der Gesamtleiter der Barmherzigen Brüder Gremsdorf machte sich Ende August – nach seiner russischen Winterreise Anfang des Jahres – erneut auf, die russischen Weiten von Wladimir aus zu erkunden und nimmt uns staunend in seinem Bericht mit.

Wieder einmal war ich in dem wunderschönen Land namens Rußland. Meine Reise führte mich u.a. nach Pljos. Wenn Sie diese kleine Stadt kennen, brauchen Sie nicht weiterlesen, denn das wäre zu schade für Ihre Zeit. Pljos ist zeitlos, und ich kann Ihnen nichts Neues berichten.

Wer dieses „kleine, russische Paradies“, so bezeichnet man sich dort selbst, noch nicht kennt, der möge weiterlesen. Und ich war auch noch wo anders! Denn nur Pljos im Urlaub wäre dann auch etwas langweilig. (Wer lacht da jetzt?)

Pljos

Also, liebe Leserinnen und Leser, freuen Sie sich auf meine Erzählungen und Berichte.

Diesmal bin ich nicht in Domodjedewo gelandet, sondern auf dem Flughafen Scheremetjewo. Da war ich schon viele Jahre nicht mehr. Doch die Reisebedingungen waren diesmal hier die günstigsten. Ich bin mit der Fluggesellschaft Aeroflot geflogen.

Frei nach WIKIPEDIA ist

Der Flughafen Moskau-Scheremetjewo (IATA: SVO, ICAO: UUEE, russisch Шереметьево) mit 33,6 Millionen Passagieren (Stand: 2016) der größte Flughafen im Großraum Moskau sowie im ganzen Land. Er ist benannt nach der nahegelegenen Ortschaft Scheremetjewo, deren Name mit der Adligendynastie Scheremetjew verbunden ist.

Flughafen Scheremetjewo

Ja, das Teil ist wirklich riesig. Ich bin ja von Frankfurt diesmal los, und da ist es auch riesig. Da brauchen Sie tatsächlich einen Bus- oder Zugtransfer, um in ein anderes Terminal zu gelangen. Und die Wege sind lang. Gott sei Dank, hatte ich immer ausreichend Zeit eingeplant.

In Schermetjewo angekommen, lag eine Fußstrecke von gut 15 Minuten vor mir, um den Aeroexpress zu erreichen. Den gibt es hier auch, ich meine wie in Domodjedewo, nur auf der anderen Seite der Stadt. Der Preis bis zur Metro in die Stadt und die Fahrzeit sind beinahe identisch. Da fühlt man sich gleich wie zu Hause.

Scheremetjewo

Wie auch immer, ich will mich mit diesem Detail diesmal nicht zu lange aufhalten. Am weißrussischen Bahnhof steige ich um in die Metro zum Kursker Bahnhof und dann ab in den „Strisch“ nach Wladimir, praktisch in mein Basislager.

Blöd waren diesmal die Wetterbedingungen. Ich bin am 27. August hier los bei 30 Grad. In der Frühe, als ich zum Zug ging, gegen 5.00 Uhr, war es schon sehr warm, und ich schwitzte, obwohl ich meinen Koffer extra leicht gepackt hatte. Egal, abends um 21.00 Uhr in Wladimir, der Partnerstadt von Erlangen, angekommen, waren es gerade mal 12 Grad. Nun was soll ich Ihnen sagen. Ich habe erst einmal gefroren wie ein Hund, trotz ausreichender Kleidung. Es gibt ja Dank der Technik Wettervorhersagen für die ganze Welt, und ich war vorbereitet.

Übrigens! Ich will jetzt keine Werbung machen, aber im Flieger der Aeroflot verteilten die Stewardessen Menükarten. Zunächst war ich etwas verunsichert, ob man hier, wie ich es bei anderen Flügen erlebt hatte, etwas zu verkaufen hat und ein Geschäft machen will. Nein, nein!! Es gab eine Auswahl von zwei Gerichten, und die Verpflegung war wirklich gut.

Am nächsten Tag ging es nach Pljos. Mit dem Auto. Wie gesagt, falls Sie schon dort waren, sparen Sie sich die Zeit zum Lesen. Dieses „kleine russische Paradies“ verändert sich eher sehr unscheinbar.

Pljos

Pljos

Ich bemühe wieder WIKIPEDA: Danke für Ihr Verständnis! Wenn die Fakten im Onlineportal richtig sind – und ich habe alles verifiziert -, kann man diese auch verwenden.

Die Stadt liegt etwa 70 km nordöstlich der Oblasthauptstadt Iwanowo, am rechten Ufer der Wolga, die hier den Pljos-Rostower Endmoränenzug durchschneidet und das sogenannte Pljoser Tor bildet. Der Ort gehört als eines der kleinsten Städtchen im Lande zum Landkreis Priwolschsk. Eine Siedlung wurde hier erstmals in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts urkundlich erwähnt. Dieser wurde 1237 von den Truppen Batu Khans zerstört. Als eigentliches Gründungsjahr gilt 1410, als hier eine Festung zum Schutz von Kostroma und Moskau entstand.

Pljos Neu 2

Christi-Auferstehungs-Kirche

Die kleine Stadt ist einfach und überschaubar. Reizvoll zeigt sich der Marktplatz mit den unterschiedlichen Geschäften. Und da war noch was. Ja, es fällt mir wieder ein. Der Fisch, nein die Fische. An jeder Ecke Fische. Geräuchert oder frisch oder getrocknet. Ich mag Fisch, aber irgendwann ist es auch genug damit. Was habe ich gelernt? „Seljodotschka i wodotschka“. Dann war die Fischphobie perfekt. Ich meine, so schnell esse ich keine Fisch mehr. Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Fisch in Pljos

Auf der Fahrt nach Pljos muß man ja, wie bereits angedeutet, durch die Region Iwanowo. Und soll ich Ihnen etwas sagen? Der bayerische Blitzermarathon der Polizei, über den man sogar hierzulande informiert wird, ist ein Nichts gegenüber den dortigen Verhältnissen. Blitzer, wohin man auch schaut. Mobile Blitzer an jeder Straßenecke, Blitzer auf Autos, Blitzer hinter Bäumen und stationäre Blitzer. Da gibt es in der Tat mehr Blitzer als Kreuze auf dem Friedhof. Also fahren Sie dort stets angepaßt. Das war nur eine Information für Ihre Reise.

Die Straßen waren zudem auch sehr gut. Es wird berichtet, der ehemalige Präsident, Dmitrij Medwedew, habe dort seine Datscha. Bei der Rundfahrt auf der Wolga kommt man an seinem Feriendomizil vorbei. Ich habe die Datscha gesehen. Aus Sicherheitsgründen gibt es aber kein Bild von mir. Quatsch, ich habe Bilder, aber bin mir nicht sicher, ob ich das richtige Objekt geknipst habe.

Zurück zu Iwanowo. Zunächst vielleicht nur eine Großstadt mit rund einer halben Million Einwohner. Einzigartig ist aber dort die blühende Textilindustrie. Die „Stadt der Bräute“, so wird Iwanowo auch bezeichnet, hat wohl zu Sowjetzeiten alle Frauen des Landes gekleidet. Heute wird dort weiter produziert und viel Leinen hergestellt. (Habe mir ein weißes Leinensakko gekauft. Sieht sehr schick aus.)

Pljos Neu 3

Museale Auferstehungskirche auf dem Lewitan-Hügel über Pljos

Nach zwei Tagen Pljos und zwei Tagen Fisch in allen Varianten und zwei Tagen Besichtigung aller Sehenswürdigkeiten ist hier erstmal Schluß. Stop, noch nicht ganz. In Pljos gibt es auch eine Brauerei mit eigenem Bier. Ich hab´s probiert, und es mundet. Hier sollte man unbedingt Station machen. Es wird erzählt, der Brauer habe sein Handwerk in Österreich erlernt. Vielleicht wäre eine Ausbildung in Frankens Bierhochburgen etwas besser gewesen. Sie merken schon, da spricht ein Franke, wenn auch nur zugezogen.

Fortsetzung ist versprochen!

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Liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe mein Bericht hat Sie bisher etwas angesprochen und Ihr Interesse geweckt. Haben Sie Lust bekommen auf Wladimir und Rußland, auf dieses weite Land, dieses einmalige Land, dieses unendlich große und spannende Land? Haben Sie Lust bekommen auf die russische Kultur, die russischen Menschen und die russische Lebensart, die einen die sprichwörtliche russische Seele erahnen läßt? Na dann ist ja alles gut, und ich mache weiter.

Günther Allinger

Günther Allinger

Die nächsten Tage wiederholen sich, und ich würde Sie langweilen mit dem täglichen Einerlei. Aber zwei oder drei Ereignisse sollen und wollen doch noch genannt werden. Ohne sie gäbe es kein abgerundetes Bild meiner Reise. Kurz vor der großen Kälte, es schneite wieder – was sonst? –, kam gleichzeitig ein heftiger Wind auf, beinahe ein kleiner Schneesturm. Das war natürlich klasse, und ein Spaziergang mußte her. Es ging bis ans Ende des Dorfes auf freie Flur. Der Schnee kam waagrecht, und jede Flocke, die mein Gesicht traf, pikste wie eine kleine Nadel. So erhielt ich eine Gesichtsmassage der besonderen Art.

Schauen Sie selbst.

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Günther Allinger

Man erkennt ganz gut, wie es da abgeht. Das Bild hier ist nicht etwa freigestellt. Nein, nein, der weiße Hintergrund ist so. Nach dem Dorf begann das Niemandsland, quasi das Land der Schneekönigin. Nur gut, daß ich keinen Eissplitter im Auge hatte. Soweit das Auge reicht, alles eine weiße Schneelandschaft. Wie in der Wüste, nur kälter und bei gerade rund minus 25 Grad auch lebensgefährlich. Hier auf eigene Faust einfach weiter zu gehen, wäre der sichere Tod.

Zurück in der Datscha, wohlmassiert und erfrischt, aber auch zeitlos, denke ich über Weihnachten nach.

Es könnte gerade der 7. Januar sein, das russisch-orthodoxe Weihnachtsfest. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde es erst 1991 wieder eingeführt. Soweit mir bekannt, spielt es aber bis heute keine große Rolle mehr. Viel wichtiger ist den Russen der 31.Dezember. Da nämlich kommt Väterchen Frost, Djed Moros, und bringt den Kinder viele Geschenke. Alles ist geschmückt und beleuchtet, und die Menschen feiern die nächsten fünf Tage Neujahr.

Schneeflöckchen und Väterchen Frost

Schneeflöckchen und Väterchen Frost

Dieser Djed Moros wird übrigens von seiner Enkelin Snjegurotschka begleitet. Ansonsten haben beide nichts mit der berühmten Schneekönigin zu tun.

Die nächsten beiden Tage werden zunehmend kälter. Die minus 34 Grad sind erreicht, und das fühlt sich einfach nur außergewöhnlich an. Die Sonne scheint, der Schnee ist leicht wie eine Feder, wahrscheinlich gerade von Frau Holle zur Erde geschüttelt. Die Haustüre ist festgefroren, und darunter Schnee, vom Wind in das Treppenhaus geweht. So, und jetzt sehe ich etwas wunderbar Schönes. Der Sonnenaufgang bei -34 Grad.

Mein Wunsch geht gerade in Erfüllung.

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Sehen und verstehen Sie, was ich meine?

Später, als mein Gastvater mit Nachschub kommt, gehen wir natürlich raus. In der Ferne sieht und hört man einen Dorfbewohner, der sein Auto starten will. Nichts geht. Ansonsten Ruhe.

Ja, es ist so kalt, daß einem, wie der Franke sagen würde, die Eisglöckchen in der Nase klingeln. Genau so ist es.

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Und denken Sie nicht einmal daran, hier im Freien pinkeln zu wollen, ob es gerade drückt oder nicht, spielt keine Rolle.

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Zum Ende meines Berichtes ein Bild der alten Dorfkirche. Ihre frühere Schönheit kann man nur noch erahnen. Sie verfällt mehr und mehr, ist schon einsturzgefährdet und wird einst zu Staub verfallen. Aus der Erde erbaut, wird sie der Erde zurückgegeben. Solange steht sie hier als Mahnmal für eine Zeit, in der  man Gott vergessen, ihn geleugnet und seine Anhänger verfolgt hat. Möge das, egal wo auf dieser Welt, nicht mehr geschehen.

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Ihr

Günther Allinger

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Und so geht es weiter auf der winterlichen Datscha bei Wladimir:

Nach einer Tasse Tee bzw. Kaffee gingen wir noch kurz einmal hinaus. Es war noch hell aber stark bewölkt. Ein kleiner Spaziergang durch das Dorf. Hier mußte ich schließlich den Brunnen kennen, damit meine Wasserversorgung gesichert ist.

Es schneit wieder und ich übe mich Brunnen, schließlich ist Wasser lebensnotwendig. Alles funktioniert und geht ganz einfach.

Aber Quatsch, meine Datscha hat natürlich fließend Wasser. Was haben Sie denn gedacht!

Günther Allinger

Günther Allinger

Dennoch ist es so, daß der Dorfbrunnen in Betrieb ist. Nicht jede Datscha hat eine eigene Wasserversorgung, sprich einen eigenen Brunnen. Dann muß man hierher:

Dorfbrunnen

Was machen Ostfriesen wenn sie einen Eimer heißes Wasser übrig haben? Einfrieren, denn heißes Wasser kann man immer gebrauchen.

So einfach geht das hier leider nicht.

Ein schöner kleiner Spaziergang, und es dämmert langsam. Es geht zurück in die Datscha. Mein Freund fährt wieder in die Stadt. Morgen muß er arbeiten und wird mich danach wieder besuchen.

Meine Datscha-Ausrüstung ist bereit. Warme Filzschuhe und dicke, selbstgestrickte Wollsocken sind ein absolutes Muß. Natürlich auch die lange Unterhose. (Wer lacht da gerade?)

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Nach dem Imbiß gehe ich in den alten, modernisierten Stall: das neue Wohn- und Schlafzimmer hier. Dieser Raum wird mein Zuhause für die nächsten Tage sein. Der Eingang ist vom „Fletz“ her möglich, der unbeheizt ist. Zur Erklärung: „Die Mutter lag in der Fletz, im Vorhaus aufgebahrt“, schreibt Anna Wimschneider („Herbstmilch“).

Die Türe zu diesem wunderschönen Raum war so dick und so schwer, daß ich sie nur unter Einsatz meiner ganzen körperlichen Kräfte öffnen und schließen konnte. Na klar, sie war perfekt isoliert gegen die Kälte vom Fletz her.

Warum erzähle ich das so ausführlich? Ganz einfach: Der Weg zur Toilette führt über den Fletz und das Treppenhaus (ebenfalls nicht beheizt) in den alten Gebäudeteil. Und bei Dunkelheit war das auch keine Freude. Nicht, daß ich ein ungutes Gefühl gehabt hätte. Nein, nein!

Günther Allinger

Günther Allinger

Ich schürte den Ofen an, so wie ich es nun jeden Tag tun werde. Der alte Stall wird behaglich warm, und ich genieße die Atmosphäre.

Hier ist auch mein Nachtlager gerichtet. Eine alte Couch, ein Leinentuch, ein frisches Bett und Kopfkissen. Was braucht man mehr?

Vielleicht noch einen Gesprächspartner, damit es nicht zu langweilig wird? Nun, den hatte ich, und er stand unbewegt neben dem Ofen. Er hörte mir zu, widersprach nicht, blieb geduldig und absolut verschwiegen. Alles was ein Mann braucht: einen besten Freund.

Bester Freund am Ofen

Bester Freund am Ofen

Und so sitze ich da. Das Feuer erlischt langsam. Es ist warm genug. Die dicken Socken ziehe ich aus und lege die Füße auf den Tisch.

Und jetzt spüre ich das Besondere hier. Das, was mich jeden Tag begleiten wird. Nein, nicht die Wärme hier oder die Kälte im Fletz. Nicht der Schnee vor der Haustüre. Auch nicht die Einsamkeit.

Die Stille ist das Beste von dem, was ich gehört habe...

Stille ist das Beste von dem, was ich gehört habe…

Es ist die Stille. Einfach still ist es hier. Ich meine damit nicht ruhig, sondern richtig still. Kein Radio, kein Fernseher, kein Smartphone, keine Autos oder Flugzeuge – und auch kein Heulen der Wölfe. Es ist, als wäre man auf dem Mond. So stelle ich es mir dort vor. Es ist übrigens nicht ganz einfach, diese Stille zu ertragen. Wir sind ständig Reize für unseren Gehörgang gewohnt, die es hier nicht gibt. Gut, gelegentlich habe ich mit dem Ritter neben dem Ofen ein Wort gewechselt, aber das war es dann schon auch. Diese Stille ist ein Segen für die Ohren. Sie kommen zur Ruhe, der Kopf entspannt, er braucht keine Geräusche verarbeiten oder einordnen. Ja, es ist eine Totenstille, wie ich sie nur ganz selten verspürt habe.

Die Ruhe begleitet mich ins Bett. Ich liege noch etwas wach, höre nichts, sehe nichts und so gleite ich in einen tiefen Schlaf.

Günther Allinger

Der geschätzte Autor macht sich hoffentlich nach Genuß der Ruhe und Stille noch daran, für den Blog ein Nachwort zu schreiben!

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Schon sind bei der Blog-Redaktion die ersten ungeduldigen Anfragen eingegangen, wann denn die Fortsetzung des Reiseberichts von Günther Allinger folge. Wohlan denn, lieber Leser, frisch ans Werk, hier also Teil 3 eines Winterurlaubs in Wladimir:

… Mensch, habe ich gut, tief und fest geschlafen. Es waren zehn Stunden, obwohl ich in einem fremden Bett lag. Wie tot war ich wohl, und, sorry, ich habe keine Erinnerung an diese erste Nacht in Wladimir. Es lag wohl an dem liebevoll bezogenen Bett. Es roch so frisch wie der Frühling und war einfach kuschelig warm. Fast so wie zu Hause.

Günther Olomow

Günther Oblomow

Kaum war ich wach und aufgestanden, wehte ein frischer Kaffeeduft um meine Nase. Mein lieber Freund war da und hatte ein Frühstück bereitet. Seine Frau war schon zur Arbeit. Er hatte noch drei oder vier Tage Urlaub und kümmerte sich um mich. Neu war für mich der Kaffeevollautomat. Diese Dinger vertreiben jetzt auch hier die traditionelle Art, den Kaffee zu kochen. Eigentlich etwas schade. Aber es geht halt schneller.

Von den Türken haben sie's gelernt: russischer Haferlkaffee

Von den Türken haben sie’s gelernt: russischer Haferlkaffee

Vorher gab es den „Haferlkaffee“. So kenne ich den halt. Also Wasser wird in einem eher schmalen Gefäß erhitzt. Man gibt je nach Wassermenge ein oder zwei Teelöffel Kaffee, vielleicht auch mehr, je nach dem, was man verträgt, dazu und kocht das Ganze ganz kurz auf. Eine Minute ruhen, bis sich das Pulver abgesetzt hat – und dann genießen. Von meiner Oma kenne ich das noch, und heute schätze ich diese Art der Zubereitung mehr denn je. Aber der Fortschritt macht vor nichts und niemandem halt.

Nach dem Kaffee und der Morgentoilette begriff ich langsam, wo ich bin und Urlaub mache. Der Nebel vor den Augen lichtet sich langsam, und ich erkenne mein Glück. Ich darf einfach hier sein. Ja, einfach ohne Verpflichtung, ohne Erwartungen, ohne Ansprüche. Einfach nur „sein“. Das kennen wir heute nicht mehr, und doch ist es so existenziell.

Ich schaue aus dem Fenster. Die Wohnung ist im 9. Stock, und ich habe einen guten Überblick. Ich bin in der Nähe der Mir-Straße.

Winterblick auf Wladimir

Winterblick auf Wladimir

Wladimir ist übrigens eine der bedeutendsten Städte im Land und hat wegen ihrer weißen Steinbauten auch einen Platz auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Ich gratuliere. Das ist auch mehr als verdient.

Apolinarij Wasnzeow: Fürst Wladimir nach der Jagd

Apolinarij Wasnzeow: Fürst Wladimir nach der Jagd

Der Name geht zurück auf den Kiewer Fürsten, Wladimir Monomach, der die Stadt im Jahre 1108 befestigen ließ. Zu einem unabhängigen Fürstentum wurde Wladimir erst unter Andrej Bogoljubskij. Ein Wladimir vorgelagertes Dorf mit einem wiederbelebten Frauenkloster ist nach ihm benannt: sehr sehenswert und ganz oben auf die Liste der Sehenswürdigkeiten.

Bogoljubowo

Bogoljubowo

Da ich kein Historiker bin ende ich jetzt mit weiteren geschichtlichen Details. Das kann nur in die Hose gehen.

So, und jetzt zur Registrierung. Eigentlich möchte ich über dieses Drama nicht berichten, aber für alle, die es mir nachtun wollen, fühle ich mich verpflichtet, darüber zu schreiben. Also, man muß sich grundsätzlich am Ort seines Aufenthaltes registrieren lassen. Wie hier in Deutschland auch, gibt es für derlei Dinge ein Formular. Nur auf Russisch, leider. Und leider zweiseitig. Man braucht ein Semester Studium, ich meine, die Gastfamilie, weil ja alles auf Russisch ist. Und die Registrierung hat auf einem Postamt zu erfolgen. Es gibt zwar ausreichend viele davon, aber das heißt nicht, daß dort alle eine Ahnung haben oder gar die erforderlichen Kenntnisse und technische Ausstattung für diese Aktion. Also ich kürze jetzt ab.

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Überlassen Sie das Ihrer Gastfamilie oder dem Hotel oder was weiß ich wem.  Nicht vergessen dabei: 1. Visum, 2. Migrationskarte, 3. Kopie aller Seiten des Passes und 4. das Formular.

Alles konnte binnen dreier Tage von meinem Freund reguliert werden. Mehr sage ich dazu nicht mehr. Doch, eines noch. Ein herzliches Vergelt´s Gott für diese Anstrengungen und Bemühungen, mein lieber Freund.

Zwischen den Postterminen kaufen wir ein. Ganz traditionell bei Globus. Hi, hi.  Also einem dieser riesigen Geschäfte. Da gibt es halt alles. Anpassung ist gefragt. Wir besorgen Kaffee, Tee, Brot, Obst, Wasser (und Wässerlein) , Wurst, Fleisch etc. Eben alles, was ich für so ein Abenteuer brauche.

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Ohne erfolgreiche Registrierung – man hatte kein Kopierpapier in der Post – geht es zur Datscha. Ich bin aufgeregt. Vielleicht auch eine wenig unsicher.

Sehen Sie die Straße???

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Die Straßen sind weiß, nein braun-weiß, verschneit. Hier wird geräumt und gesandet. Kein Salz. Es ist außerhalb der Stadt sehr glatt und eisig. Die Hauptstaßen sind befahrbahr. Zur Datscha biegen wir rechts ab. Alles weiß und darunter eisig. Gut, wenn man ein geeignetes Fahrzeug hat. Wir sind angekommen. Ein Traum geht in Erfüllung, und es schneit leicht, und es ist windig. Vielleicht minus 12 oder 15 Grad.

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Ich werde eingewiesen in die Geheimnisse der Datscha.

Liebe Leser, ich bin eine Sommerdatscha. Die ländliche Bevölkerung gibt es beinahe nicht mehr. Habe nur wenige Nachbarn, die hier im Winter leben können. Mein Besitzer baut mich gerade um, damit ich wintertauglich werde. Hier im Dorf gibt es vielleicht ca. 30 Häuser wie mich. Mit mir sind drei oder vier noch bewohnt, vielleicht fünf, soweit ich das überblicke. Ganz schön einsam kann es da werden, besonders im Winter.

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Wir räumen die Einkäufe ein. Es hat ca. – 15 Grad, und es schneit leicht. Hier gibt es einen Kühlschrank, ein Bad, eine Küche zum Kochen. Alles perfekt. Wölfe wurden noch nicht gesichtet.

Günther Allinger

Fortsetzung folgt – keine Sorge, schon bald – in Ihrem Blog.

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Der Kursker Bahnhof wurde übrigens 1886 erbaut. Ich finde, dafür schaut er noch verdammt gut aus. Während ich hier warte, fällt mir zu meiner überteuerten Fahrkarte ein Witz ein:

Zwiegespräch in der Bahnhofshalle: Sagen Sie mir doch bitte, wo gibt’s hier die Fahrkarten? – Lieber Freund, das heißt hier nicht „Fahrkarten“, sondern „Billetts“! – Schon gut, schon gut. Wo kann ich denn nun die Billetts kaufen? – Drüben am Fahrkartenschalter!

Kursker Bahnhof

Kursker Bahnhof

Ja, hier heißt die Fahrkarte tatsächlich Billett. Und ohne bilety geht im russischen öffentlichen Personenverkehr nichts, aber auch gar nichts. Eigentlich ein gutes System hier, wie ich meine.

Schalterhalle

Schalterhalle

Langsam erhebe ich mich aus meiner Warteposition, ziehe mich wieder an – es schneit noch immer – nehme meinen Koffer und mache mich auf den Weg zum Bahnsteig. Der Zug fährt gerade ein. Er kommt wohl von Sankt Petersburg und fährt Richtung Nischnij Nowogorod. Ich schaue, in welches Gefährt ich hier einsteigen soll? Ist der Zug einer der legendären Elektrischki aus den 30er Jahren mit Holzbänken? Nein , sieht nicht so aus.

russische Bahnfahrkarte

russische Bahnfahrkarte

Vielleicht der Sapsan? Sie wissen schon, der nachgebaute ICE bzw. der französische TGV. Hochgeschwindigkeitszüge nennt man diese zigarrenförmigen Hightech-Maschinen. Nein es ist auch kein Sapsan, die es in der Tat hier gibt, störungsfrei funktionieren und hohe Geschwindigkeiten erreichen.

Elektritschka - Vorortzug oder S-Bahn

Elektritschka – Vorortzug oder S-Bahn

Der ICE bei der deutschen Bahn hat ja mehrere Feinde, als da sind:

Frühling (zu kalt); Sommer (zu heiß); Herbst (zu rutschig); Winter (zu glatt, Schnee & Eis); das Bedienungspersonal (wird nicht gut genug geschult); die Fahrgäste (wollen befördert werden); die Herstellerfirmen (sparen an falscher Stelle).

Alles zur Hand

Alles zur Hand

Hierzulande gibt es das überhaupt nicht. Die Feinde werden hier alle zu Freunden, und alles funktioniert, egal unter welchen Umständen und Bedingungen. Kälte oder Hitze, Schnee der Eis – alles geht. Und ein superfreundliches Personal. Respekt.

Willkommen im

Willkommen im „Strisch“ nach Wladimir

Genug abgeschweift. Also ich gehe zu meinem Wagon Nr. 14. Die freundliche Zugbegleiterin wartet an der Türe, kontrolliert mein Billett und meinen Reisepaß. Dann darf ich eintreten und mir meinen reservierten Platz suchen. Übrigens befinde ich mich in einem Express-Zug. So ein Ding zwischen Sapsan und Elektritschka. Alles ist geräumig, und die Sitze sind weich und gemütlich. Ganz schnell sieht man den Siemens-Schriftzug und weiß somit, wer den Zug gebaut hat. Genauso wie auch den Sapsan. Es pfeift und wir fahren los. Die Fahrt soll ca. 1 Stunde und 50 Minuten dauern. Langsam geht es durch Moskau. Durch die Fenster sieht man die beleuchteten Häuser und Fabriken. Es ist ein wahres Lichtermeer und zeigt ein wenig die Größe dieser Stadt.

Unterwegs

Unterwegs

Wir nehmen Fahrt auf, und ich sitze müde da. Im Wagon wird es langsam ruhig und ruhiger, und meine Ohren hören mehr und deutlicher dieses Rattern des Zuges. Diese Tak-tak-tak und Rum-rum-rum, wenn die Räder über die Stöße der Bahngleise rauschen. Ich erinnere mich an früher, meine seltenen Zugfahrten zu einem kürzlich verstorbenen Freund oder einer Jugendliebe. Da war es wieder, dieses Rattern, dieses Ratata, Ratata… Heute hören wir dieses Geräusch meist nicht mehr. Die Gleise werden an den Stellen, wo sie sich aneinanderstoßen, geschweißt und verbunden. Diese Stolperstellen sind damit eliminiert. Ein Grund dafür, weshalb heute Spitzengeschwindigkeiten erreicht werden können.

Wladimir in winterlicher Festbeleuchtung

Wladimir in winterlicher Festbeleuchtung

Kurz nach 22.00 Uhr – pünktlich!!! – erreiche ich Wladimir. Ich freue mich. Schnell nach draußen, über den Übergang, leider ohne Aufzug oder Rolltreppe, in die Bahnhofshalle. Verdammt, war mir warm geworden, als ich den schweren Koffer hinauf zum Übergang geschleppt habe. Gefühlt waren das tausend Treppen. Ich transpiriere und erlöse mich von überflüssiger Kleidung. Dabei ist es kalt, und es schneit noch immer.

Empfangshalle Bahnhof Wladimir

Empfangshalle Bahnhof Wladimir

In der Empfangshalle wartet mein Freund. Wir kennen uns seit ca. 15 Jahren. Schon einmal, noch in seiner früheren Wohnung, durfte ich sein Gast sein. Wir fahren in seine neue Wohnung. Gerade angekommen, werde ich von seiner lieben Frau begrüßt. Sie packt mich, ein Kuß links und rechts auf die Wange, die Schuhe aus, den Koffer ins Eck – und ran an den Tisch.

Gastmahl

Gastmahl

Saditjes paschalusta. Ein reichlich gedeckter Tisch erwartet mich. Die russische Gastfreundschaft ist übrigens unbeschreiblich. Darüber sollte vielleicht der „Knigge“ mal informieren, damit man dieses Verhalten versteht. Sie, liebe Leser, merken schon, hier tut sich ein neues Thema auf.

Seien Sie unser Gast!

Seien Sie unser Gast!

Wir sprechen über früher, unsere gemeinsamen Erlebnisse und über all das, was sich verändert hat. Erst im vergangenen Jahr waren wir auf der Krim. Ja, Sie lesen richtig. Auf der Krim. Ich war wohl der einzige Ausländer dort. Und es war herrlich. Ich neige wieder zum Abschweifen und mache hier einen Stop.

allinger-14

Geschafft, müde, überanstrengt von dem langen Tag und dem schweren Koffer freue ich mich auf ein Bett. Gute Nacht!

Und der Blog freut sich auf die baldige Fortsetzung dieser Winterreise von Günther Allinger.

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