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Posts Tagged ‘Gubernia33’


Um es vorwegzunehmen: Im Titel fehlt das Fragezeigen nicht von ungefähr. Die beiden Journalistinnen, Julia Kusnezowa und Karina Romanowa, sehen sich in ihrer Arbeit in keiner Weise eingeschränkt oder bevormundet und widersprechen damit gestern bei der abendlichen Podiumsveranstaltung im Club International all den Vorurteilen und Stereotypen, die man hierzulande so von der russischen Presse haben mag. „Kommen Sie zu uns nach Wladimir, und überzeugen Sie sich selbst davon, wie es bei uns zugeht“, lädt denn auch am Ende der zweistündigen Diskussion Julia Kusnzeowa das Publikum ein.

Georg Escher, Julia Kusnezowa, Peter Steger und Karina Romanowa

Aber beginnen wir beim Anfang, an dem das Forum „Prisma“ mit dem Thema „Medienfreiheit“ im November vergangenen Jahres stand, begleitet von Wolfgang Mayer, bei den Nürnberger Nachrichten vor seinem Ruhestand zuständig für den Bereich Wirtschaft. Auf seine Initiative hin sollte eine dreiköpfige Journalistengruppe (Nikolaj Liwschiz erkrankte leider am Tag vor der Abreise an Grippe und konnte die Einladung nicht annehmen) nach Erlangen kommen, um einen Fachaustausch aufzunehmen – und natürlich über die eigenen Arbeitsbedingungen und Auffassungen zum Beruf zu berichten. Und das gelang – der Reaktion des Publikums gemäß – vortrefflich.

Peter Gertenbach

Nach der kurzen Begrüßung durch Peter Gertenbach, an der Volkshochschule zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, übernahm Georg Escher von den Nürnberger Nachrichten und dort für die internationale Berichterstattung verantwortlich, die Moderation, wobei ihm seine Vertrautheit mit der russischen Politik und Medienlandschaft natürlich zum Vorteil gereichte, ohne seine Kenntnisse zu sehr in den Vordergrund zu spielen; vielmehr überließ der von manchen als „Putin-Versteher“ diskreditierte Gesprächsleiter viel Raum für Fragen aus dem vollbesetzten Saal, in dem ein dritter Gast aus der Partnerstadt saß, Wjatscheslaw Kartuchin, Leiter der Akademie für Wirtschaft und Verwaltung und Koordinator des Diskussionsforums „Prisma“ auf Wladimirer Seite.

Wjatscheslaw Kartuchin

„Wir sollten mehr nach dem suchen, was uns verbindet, als nach dem, was uns trennt“, lautete der Konsens im Vorgespräch. Doch im Laufe des Abends schälten sich dann doch gerade auch die Unterschiede zwischen dem Selbstverständnis von Presse hier wie dort heraus. Vereinfacht gesagt und an vielen Beispielen von beiden Journalistinnen belegt: Die russischen Medien, zumindest auf lokaler Ebene, begreifen sich als Vermittler von Nachrichten, die von möglichst vielen Seiten – seien es Fachleute, Politiker oder Menschen von der Straße bei Umfragen – ausgeleuchtet, aber nicht vom Reporter kommentiert und aus eigener Sicht beurteilt werden sollten. „Wenn ein Kommentar zur Nachricht benötigt wird“, so Julia Kusnezowa vom privaten Sender TV6, wo sie nicht nur moderiert, sondern auch als Chefredakteurin die Verantwortung für den Inhalt trägt, „haben wir schlecht berichtet.“ Eine Auffassung die Karina Romanowa von der Anstalt Gubernia33, ebenfalls Moderatorin, aber auch zuständig für die Pflege der immer wichtiger werdenden Homepage, nicht weniger apodiktisch bestätigt: „Das Publikum soll sich seine eigene Meinung bilden. Die Nachricht sollte für sich sprechen.“ Ein ganz anderer Ansatz als bei uns, wie Bürgermeisterin Elisabeth Preuß in einer Wortmeldung meint, denn ein Kommentar – etwa zum Auszug der AfD aus dem Bayerischen Landtag während der Rede von Charlotte Knobloch zum Holocaust-Gedenktag – könne möglicherweise zum Nachdenken anregen und das Bewußtsein für eine Problematik schärfen. „Nicht unsere Aufgabe“, betonen die beiden Russinnen, „denn Stellungnahmen anderer Politiker und weiterer Zeugen des Vorfalls, die wir in den Bericht einbauen würden, hätten genug Substanz, damit sich der Zuschauer eine eigene Meinung bilden kann.“ Vielleicht haben dabei die Gäste ja den vielzitierten „mündigen Medienkonsumenten“ im Sinn. Vielleicht trauen sie ihrem Publikum mehr zu, als die Medien das hierzulande tun. Und schließlich noch die Sentenz, die – nicht unerwartet – beim Kommentator Georg Escher Protest hervorruft: „Die eigene Meinung von Journalisten hat in den Nachrichten nichts zu suchen; dafür gibt es die Talkshows!“

Georg Escher

Und was ist mit der journalistischen Freiheit? Kein Problem für Karina Romanowa, auch wenn ihr Sender vom Gouvernement getragen und finanziert wird: „Die Politik mischt sich nicht in unsere redaktionelle Arbeit ein, solange wir gesetzeskonform handeln. Aufpassen müssen wir eher, im Wahlkampf wirklich alle Parteien paritätisch zu Wort kommen zu lassen, wenn wir nicht eine Anzeige von politischen Gegnern oder eine Rüge seitens der Medienaufsicht riskieren wollen.“ Und auch Julia Kusnezowa bestätigt: „Der Geschäftsmann mit Sitz in Moskau, dem die Holding gehört, von der wir in Wladimir ein kleinerer Teil sind, gibt uns umfassende reaktionelle Freiheit. Und überhaupt ist es so, je weiter von Moskau weg, desto weniger Begrenzungen.“ Möglicherweise hängt das auch mit einer weiteren Besonderheit zusammen: Die lokalen Medien verstehen sich als Vertreter ihres Publikums, nehmen deren Sorgen und Nöte auf, wissen, wo der Schuh drückt und transportieren die Probleme vor Ort gegebenfalls bis in die Pressekonferenz mit Präsident Wladimir Putin. Wie etwa im Fall einer Werkstatt für Blinde im Besitz eines Privatmanns, der Insolvenz anmeldete und damit die Belegschaft hätte auf die Straße setzen müssen. Auf Intervention der Presse setzte sich der Kreml dann aber erfolgreich für den Erhalt der Werkstatt in Wladimir ein. „Das macht uns froh und schenkt uns ein Erfolgserlebnis, denn so kommen wir unserem sozialen Auftrag nach, wenn wir die Behörden und Politiker vor Ort dazu bewegen können, das zu tun, was sie bisher zu tun versäumten“, schließt Karina Romanowa den Themenblock.

Julia Kusnezowa und Peter Steger

Gefahr für Leib und Leben? Eher nicht in Wladimir, aber ganz ungefährlich muß es deshalb auch nicht immer zugehen. Karina Romanowa erinnert einen Fall  bandenmäßigen Betrugs mit der Vermietung von Wohnungen an Illegale. Da kam es tatsächlich zu Morddrohungen gegenüber der investigativ arbeitenden Kollegin, die aber am Thema – freilich mit weiterer Unterstützung aus dem Team und unter Einschaltung der Polizei – dranblieb und ihre Recherche erfolgreich zu Ende führte. Die Bande wurde übrigens zerschlagen. Und zu Beginn ihrer TV-Karriere erlebte Julia Kusnezowa, die auch Vorträge zum Thema Journalistik anbietet und ihren Beruf mehr für eine Lebensform und weniger für eine Arbeit hält, etwas nicht minder Beängstigendes, als ihr ein junger Mann nachstellte und drohte, sie entführen zu wollen. Er litt wohl an einer gewissen Störung und ging auch schon bald der Polizei ins Netz.

Karina Romanowa

Eines ist klar: Der West-Ost-Dialog in Sachen Medien steht noch ganz am Anfang. Man weiß viel zu wenig voneinander. Aber immerhin werden die beiden Journalistinnen zu Hause von dieser so offenen und freundlichen Begegnung berichten und wohl auch eine Reportage zeigen, von der hier noch die Rede sein wird: Darüber, wie in Erlangen das Thema Müll und Recycling angepackt wird. Denn kaum eine Problematik ist derzeit dringlicher in Wladimir als die von wilden Deponien und unerwünschtem Abfall – vor allem aus der Region Moskau. Genug Stoff noch für die Zusammenarbeit der Partnerstädte.

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Am Montag, den 18. März, veranstaltet der Club International der Volkshochschule Erlangen, Friedrichstraße 17,  um 19.30 Uhr eine Podiumsdiskussion mit Gästen aus Wladimir zum Thema „Russische Medien – Wie frei ist die Presse in Wladimir?“, moderiert von Georg Escher, Nürnberger Nachrichten. Das Trio aus der Partnerstadt hält sich vom 17. bis 22. März in Franken auf, um die hiesige Medienlandschaft kennenzulernen und die Diskussion fortzusetzen, die den im November in Wladimir aufgenommenen Dialog zu Fragen der Rolle von Presse für das Bild voneinander fortsetzt. Siehe hierzu: https://is.gd/MsOoV5

Julia Kusnezowa

Julia Kusnezowa arbeitet als Chefredakteurin und Moderatorin beim privaten Sender 6TV und schreibt auf dessen Homepage über sich selbst:

Im zweiten Studienjahr stieß ich einmal bei der Suche nach Arbeit im Telephonbuch auf die Nummer des hiesigen staatlichen Regionalsenders, wählte und stellte die Frage, ob man jemanden brauche. Auf die Erwiderung, man suche kluge und schöne Leute antwortete ich: „Dann meinen Sie mich.“ So begann meine journalistische Laufbahn mit unendlich vielen Drehs zu unterschiedlichen Themen von Sport bis Landeskunde, mit schlaflosen Nächten am Schreibtisch und im Schneideraum, mit der Moderation der Morgen- und Abendnachrichten beim Sender „Rossia“ und jetzt bei Kanal 6. Natürlich dachte auch ich schon einmal daran, mir etwas anderes zu suchen. Aber wenn ich mir dann vorstelle, jeden Morgen um 9 Uhr aufstehen und vielleicht sogar bereits um 8 Uhr mit all den Staus zur Arbeit fahren zu müssen, um dann bis zum Abend in einem staubigen und stickigen Büro zu sitzen… Uff! Da ist mir dann schon klar: Meine Arbeit ist die allerbeste! Stören tut nur eines: Wir als Moderatoren haben kein Recht auf eigene Stimmung. Wir können ja dem Zuschauer nicht erklären, daß wir uns mit der Mutter gestritten oder einen uns nahestehenden Menschen verloren haben…

Karina Romanowa

Die studierte Psychologin Karina Romanowa arbeitet bei Gubernia 33, einem vor fünf Jahren vom Gouvernement ins Leben gerufenen und finanzierten staatlichen Sender und ist dort u.a. für den Internetauftritt zuständig. Nicht verwunderlich deshalb, daß die Journalistin in einer kaum zu überschauenden Menge von News-Gruppen aktiv ist und sowohl bei Facebook als auch dessen russischem Klon, VKontakte, veröffentlicht.

Nikolaj Liwschiz

Nikolaj Liwschiz schließlich, der sich auf seinem Facebook-Auftritt als jemanden charakterisiert, er sei „fast so wie alle“, arbeitet als Chefredakteur von Prisyw, einer Zeitung, die Ende Juli 2017 zum hundertjährigen Jubiläum ihres Bestehens ihre Druckfassung einstellte und seither nur noch als Internetzeitung mit Stream-Diensten und TV-Angeboten erscheint. Hinzu kommt eine wöchentliche Videokolumne des Journalisten mit entspannt-nachdenklichen Kommentaren zum Zeitgeschehen in Wladimir und der Welt.

Das Arbeitsprogramm für die Troika mit Besuchen in verschiedenen Redaktionen stellte der Nürnberger Journalist Wolfgang Mayer, der im November die Prisma-Gruppe nach Wladimir begleitete, mit seinem Kollegen Klaus Schrage von den Nürnberger Nachrichten zusammen.

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Immer mehr russische Printmedien stellen – wie wohl fast überall auf der Welt – zunehmend auf Internetausgaben um. Diese Entwicklung trifft nun auch das Wladimirer Amtsblatt, die Wladimirskije Wedomosti“, das seit 1997 von der Staatskanzlei und der Duma der Region Wladimir herausgegeben und finanziert wird. Schon im Dezember hatte Gouverneur Wladimir Sipjagin angekündigt, die amtlichen Mitteilungen, neuen Gesetze und normativen Akte nur noch digital zu veröffentlichen. Nun setzt der Landesvater dies auch um und will damit kräftig sparen: von den bisher p.a. verausgabten 20 Mio. Rubel immerhin dreieinhalb Mio. Rubel. Allerdings offenbar nicht im Konsens mit dem Chefredakteur, der nach sieben Jahren als Chef des Amtsblattes seinen Rücktritt einreichte. Vielleicht ja auch, weil er weitere „Optimierungen und Anpassungen“ fürchtet oder politisch mit dem Gouverneur hadert. Der freilich fordert von den Medien grundsätzlich, wie schon im Wahlkampf, das gesamte Meinungsspektrum widerzuspiegeln, keinen Bereich auszusparen und sich gern auch kritisch mit ihm selbst und seinem Wirken auseinanderzusetzen.

Wladimirer Amtsblatt

Neben dem Amtsblatt leistet sich das „Weiße Haus“, Amtssitz des Gouverneurs und des Regionalparlaments, der Duma, seit März 2015 auch den Fernsehsender Gubernia 33. Auch dieses Medium wird sich auf eine Verschlankung einstellen müssen, denn der Hausherr weist darauf hin, mit dem dafür bereitgestellten Steuergeld könnte man jährlich einen neuen Kindergarten bauen. Wladimir Sipjagin selbst will nun regelmäßig einmal im Quartal bei einer Pressekonferenz den Medien Rede und Antwort stehen – und natürlich jederzeit auf Anfrage zu aktuellen Entwicklungen. Und selbstverständlich gibt es einen Internetauftritt unter https://gubernator33.ru, wo man sich stets auf den aktuellen Stand bringen kann. Mit Facebook und seinem russischen Ableger, dem Portal VKontakte, fremdelt der Gouverneur allerdings noch; in den sozialen Medien ist er persönlich nur sporadisch unterwegs. Schadet ja auch nicht, wenn man besonnen und mit Bedacht zu Werke geht.

Mehr zur Medienlandschaft in Wladimir findet sich hier: https://is.gd/vNv8BW

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Wer sagt’s denn, es geht doch! Stadt und Land Wladimir beteiligten sich gestern an der Aktion „Mit dem Fahrrad zur Arbeit“. Hinsichtlich Psychologie und Infrastruktur noch immer für viele in der Partnerstadt eine Herausforderung, aber möglich, wie jetzt die Redaktion des staatlichen Radio- und TV-Senders Gubernia 33 exemplarisch beweist.

Zur Arbeit kann man auf unterschiedliche Weise kommen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto. Es geht auch zu Fuß, wenn das Büro nicht weit ist und man gern morgendliche Spaziergänge unternimmt. Aber es gibt eine bessere Art, das Fahrrad! Tritt in die Pedale: keine Staus, gut für die Gesundheit und die Hauptsache – man spart Geld.

Karina Romanowa

Viele aus der Redaktion, so weiter im Text, brauche man davon gar nicht mehr überzeugen, etwa Karina Romanowa, die alle Wege zur Arbeit oder zum Training vorzugsweise im Sattel zurücklegt.

Zum ersten Mal saß ich wahrscheinlich mit drei Jahren auf einem Fahrrad. Aber erst mit ungefähr acht Jahren erwachte meine Liebe zu ihm, als ich bemerkte, daß meine schon lang genug waren, um die Pedale des riesigen „Storchs“ meines Großvaters zu erreichen. Ich strampelte los und stürzte natürlich, schlug mir die Knie blutig, aber die Liebe zum Fahrrad blieb von da an. Meine Lieblingsstrecke führt von der Arbeit nach Hause durch das Zentrum. Gern radle ich auch in der Gegend vom „Weißen Haus“, weil das eine recht anspruchsvolle Trasse ist, wo man gut trainieren kann. Ein großes Problem ist freilich das Fehlen von Radwegen. Dem Gesetz nach darf ich weder hier noch dort fahren…

Stas Tregubow

Weniger Probleme damit hat Kameramann Stas Tregubow, der von sich sagt, er fahre überall, wo asphaltiert sei. Dafür habe es bei ihm etwas gedauert mit der Liebe zum Zweirad.

Ich weiß noch, wie andere Kinder in meinem Alter schon auf so großen Rädern saßen, ohne mit den Füßen bis zum Asphalt zu kommen. Für mich undenkbar. Ich kann nicht aufs Fahrrad, wenn ich mit den Füßen nicht bis zum Asphalt komme. Es braucht die Verbindung zur Erde, möglichst die Haftung mit dem Wladimirer Boden. Die Region Wladimir ist der Ort, wo ich leben und radeln will. Radwege sind Unfug. Jedenfalls so, wie sie bei uns angelegt sind. Wenn man schon Radwege macht, dann bitte auf der Fahrbahn als eigener Streifen, damit alle Radler sich an die Regeln halten. So wie jetzt ist alles viel einfacher: Du schnappst dir dein Rad und fährst los, wohin zu willst.

Alexander Krawtschenko

Alexander Krawtschenko, Cutter bei dem Sender, ist schon lange ein Radfan. Für ihn geht es dabei aber mehr um Sport als um Vergnügen. Er fährt auch schon einmal 190 km am Stück, wenn ihm danach ist. An Werktagen freilich auch nur zur Arbeit und wieder heim oder zum Training.

Zunächst ist es einfach gut für die Gesundheit. Denn so trainierst du, dein Herz wird trainiert. Und dann ist da die Sache mit den Staus, die man gewöhnlich in der Stoßzeit nach der Arbeit hat und die man mit dem Rad einfach hinter sich lassen kann. In der Hitze ist das doch unerträglich. Und dann schaue ich mir vom Sattel aus auch immer die Leute an, die in den Bussen gequetscht stehen. Da fühle ich mich auch gleich leichter und besser. Denn es ist doch besser, in die Pedale zu treten, als sich so zu fühlen. Und schneller ist es auch noch. Und gesünder.

Und dann kommt Boris Putschkow, Autor dieses von der Blog-Redaktion übernommenen Berichts, noch fast ins Schwärmen:

Ungeachtet des faktischen Fehlens von Fahrradwegen wächst in Wladimir die Zahl der Freunde des Zweiradverkehrs mit jedem Tag. Dabei schrecken weder der schlechte Straßenbelag noch die hohen Bordsteinkanten unterwegs. Dies alles macht im Übermaß dieses Gefühl einer praktisch grenzenlosen Freiheit wett.

P.S.: Passend zum Thema ein Streitgespräch im Himmel, aufgezeichnet vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel: https://is.gd/NRsWnS

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Das „Handelsblatt“ titelte zum gestrigen Welt-Aids-Tag, die HIV-Erkrankung sei in Rußland noch immer ein Tabuthema. Auch andere deutsche Nachrichtenmagazine und Zeitungen stoßen in dieses Horn. Verfolgt man freilich die Medien in Wladimir, gewinnt man einen ganz anderen Eindruck. Da nämlich berichtet etwa der staatliche Sender „Gubernia 33“ von einer Pressekonferenz und widmet der modernen Pestilenz und ihrer lokalen wie überregionalen Wirkung folgenden Beitrag. 

Der 1. Dezember wird weltweit als Tag des Kampfes gegen Aids begangen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums werden in Rußland stündlich zehn neue Fälle einer Infizierung mit dem Immundefizitvirus registriert. In der Region Wladimir leben allein nach offiziellen Angaben 4.000 Menschen mit dieser Diagnose. Diese Menschen arbeiten, nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel, leben möglicherweise Tür an Tür mit anderen. Wie würde da ein gesunder Mensch reagieren, wenn er neben jemandem studierte oder arbeitete, der das HIV-Virus in sich trägt? Diese Frage stellten wir einigen Wladimirern.

Ich würde wahrscheinlich gar nicht groß reagieren, denn, wie alle wissen, wird HIV nicht über die Atemluft als Tröpfcheninfektion übertragen. Das sind ganz gewöhnliche Menschen wie du und ich. – Sollte man sich öfter testen lassen? – Ja, das denke ich schon.

Kristina Knjasjewa

Ich brächte Verständnis für ihn auf. Und natürlich würde ich möglicherweise jede Art von Hilfe leisten, materielle wie spirituelle.

Daniil Dorogow

Ich verhielte mich ihm gegenüber nicht anders als zu anderen Leuten. Sie unterscheiden sich ja eigentlich durch nichts von normalen, gesunden Menschen.

Neman Galandarow

Allein in diesem Jahr registrierte man in unserer Region 556 neue Fälle einer HIV-Infizierung. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von 14%. Im „Regionalen Zentrum für den Kampf gegen Aids“ kommt man zu dem Ergebnis, daß diese Diagnose zumeist Menschen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren trifft.

Um die Zahl von neuen Ansteckungen zu verringern, sollte natürlich jeder von seiner HIV-Infizierung wissen, um dann auch sein Verhalten zu ändern. Genau damit aber haben wir ein großes Problem. Die Erkrankung hat ja eine sehr lange symptomfreie Inkubationszeit. Wer also gar nichts von seinem Zustand weiß, wird zur Quelle von Ansteckungen für seine nähere Umgebung.

Tatjana Samkowaja, Leiterin des „Regionalen Zentrums für den Kampf gegen Aids“

Die Fachleute weisen auf einen wachsenden Anteil von Frauen bei den Aids-Infizierten hin. Dabei können HIV-Trägerinnen durchaus ein völlig gesundes Kind zur Welt bringen. Die Chancen erhöhen sich, wenn sich die werdende Mutter genau an die ärztlichen Empfehlungen hält. Dennoch werden in unserer Region jährlich bis zu 100 mit HIV infizierte Kinder geboren.

Von allen in unserem Perinatalen Zentrum geborenen Kindern tragen ungefähr 20% das HIV-Virus in sich, weil die meisten Mütter hier zu Risikogruppen gehören. Wir nehmen hier aus der ganzen Region die Frauen aus Risikogruppen auf, wenn eine perinatale Pathologie vorliegt. Das können Frühgeburten sein, Kinder und Frauen mit bestimmten Pathologien. Deshalb die hohe Zahl von HIV-Infektionen bei uns. Weder eine negative Einstellung noch Vernachlässigung gegenüber diesen Frauen kann und darf seitens des medizinischen Personals oder sonst jemandem vorkommen.

Nadeschda Tumanowa, ärztliche Direktorin des Regionalen Perinatalen Zentrums

Der Befund einer HIV-Infizierung stellt das Leben eines Menschen auf den Kopf. Im „Regionalen Zentrum für den Kampf gegen Aids“ heißt es, eine Diagnose könne sich nicht bestätigen. Jeder Patient erhalte neben der medizinischen Hilfe auch psychologische Betreuung.

Neben der ärztlichen Behandlung ist auch die psychologische Begleitung für das Weiterleben notwendig. So ein Mensch befindet sich in einem depressiven Zustand, er weiß nicht, was tun, wie weiterleben. Und in diesem Moment, wo der Mensch dies akzeptiert, spreche ich immer von dem wunderbaren Satz, der da lautet: „Wenn neben dir ein Mensch ist, der dich zu 100% so akzeptiert, wie du bist, hat die Therapie schon ein wenig begonnen.

Alla Nikolajewa, Psychologin

Nach Aussage von Fachleuten hat sich die Hälfte der Bevölkerung des Landes noch nie auf HIV testen lassen. Es wird ärztlicherseits dringend geraten, genau dies zu tun. Möglich ist das in jeder Poliklinik.

Tabus werden wohl anders definiert. Darüber sollte man beim „Handelsblatt“ (siehe: https://is.gd/XUabxw) und in anderen Redaktionsstuben einmal nachdenken und erst den Bericht aus Wladimir (hier im Original: https://is.gd/TuL2Bf) zur Kenntnis nehmen, bevor man zur Feder greift.

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Die Wladimirer Medienlandschaft verändert sich immer rascher. Mitte Dezember erschien die Zeitung „Molwa“ kurz vor ihrem 25jährigen Jubiläum zum letzten Mal. Jetzt, Ende März, druckte auch das Wochenblatt „Business-Navigator“ seine Abschiedsauflage; sogar die Internetausgabe wurde eingestellt. Zu stark waren die Verkaufszahlen zurückgegangen: von 7.300 Exemplaren beim Start im Sommer 2010 auf zuletzt nur noch 5.000. Ebenfalls Mitte März verabschiedete sich der 1998 gegründete Kabel-TV-Sender „De Facto“ – von seinen Zuschauern, der zwei Mal wöchentlich auf Sendung ging. Die Gründe mögen ganz unterschiedlicher Natur sein – mal geht den Betreibern das Geld aus, mal wird eine Lizenz nicht verlängert -, aber bedauerlich bleibt es in jedem Fall, wenn wieder ein Stück Medienvielfalt verloren geht. Allerdings ist Wladimir und die Region weit davon entfernt, sich einem Monopol ausgesetzt zu sehen. Ganz im Gegenteil! Nach Angaben des Journalistenverbands nämlich gibt es im ganzen Gouvernement mit seinen gut 1.400.000 Einwohnern auf einer Fläche so groß wie ganz Franken und der halben Oberpfalz sage und schreibe 326 unterschiedliche Info-Medien und Periodika, davon 160 in gedruckter Form (einschließlich unterschiedlicher Nachschlagewerke und Almanache), 152 als Radio- oder TV-Sender sowie 14 Internetportale.

Die letzte Nummer

Ins Aus navigiert: letzte Nummer des Business-Navigators

Und nun ist am 31. März auch „Gubernia33“ an den Start gegangen. Ein Projekt des „Weißen Hauses“, wie die „Staatskanzlei“ der Region Wladimir im Volksmund genannt wird. Ein Sender, der, wie Gouverneurin Swetlana Orlowa bei der Eröffnung verspricht, der Pluralität der Gesellschaft entsprechend unterschiedliche Gesichtspunkte darstellen, dabei aber auch der Objektivität zu ihrem Recht verhelfen soll. Wie das gelingt, wird man jetzt 14 Stunden pro Woche sehen – mit der Option, eines Tages auch ein Vollprogramm ausstrahlen zu können. Welche Gefahren freilich auch in Medien lauern, die ausschließlich von staatlichen Strukturen finanziert werden, stellt der russische Journalist Wassilij Gatow kritisch-analytisch in der Moscow Times fest: http://is.gd/agFNnp

Auf jeden Fall darf man gespannt sein, wie sich nun der Platzhirsch im Äther, der Staatliche Lokalsender GTRK, gegenüber dem neuen Rivalen behaupten kann. Der Zuschauer hat die Wahl.

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