Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Gottesmutter von Bogoljubowo’


Vom 14. Mai bis zum 5. Juni ist im Berliner Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur die Ausstellung „Ikone des 12. Jahrhunderts: Die Gottesmutter von Bogoljubowo. 100 Jahre Restaurierung“ zu sehen, exklusiv organisert vom Landesmuseum Wladimir im Rahmen des internationalen Kulturprojekts „Russische Jahreszeiten“ mit seinen mehr als 400 Veranstaltungen in 80 deutschen Städten, leider ohne Einbeziehung der etwa einhundert Partnerkommunen. Aber sei’s drum. Es geht um die Sache. Und die ist zumindest Wladimir so wichtig, daß Swetlana Melnikowa, die Generaldirektorin des Landesmuseums, persönlich zur Eröffnung an die Spree kommt und einen Vortrag zur Geschichte der Gottesmutter von Bogoljubowo hält.

Da der Blog bereits im Januar 2016 ausführlich zu der Ikone berichtet, genüge hier der Link zu dem damaligen Beitrag https://is.gd/PV8rJR, der allen, die sich für die russische Sakralkunst und Kulturgeschichte interessieren, hoffentlich den Impuls gibt, diese einzigartige Ausstellung zu besuchen. Mehr zu dem Projekt unter: http://russianseasons.org/de

Read Full Post »


Wer den Vortrag von Wolfram Howein über die Städte am Baikal im Rahmen der Russisch-Deutschen Wochen dieser Tage im Club International gehört hat, wird sich an seinen Hinweis erinnern, es gebe in der Ikonographie viele unterschiedliche Darstellungen der Gottesmutter. Ganz zuvorderst zu nennen ist da natürlich neben der Wladimirer Gottesmutter die Gottesmutter von Bogoljubowo, der, wie Zebra-TV berichtet, derzeit im Moskauer Zentrum für wissenschaftliche Restaurierung von Kunstgegenständen eine eigene Ausstellung gewidmet ist. Seit fast hundert Jahren nämlich ist das Marienbildnis Gegenstand von Bemühungen, das nationale Kulturerbstück aus dem 12. Jahrhundert vor dem Verfall zu bewahren, besonders seit Juni 2009, als man die Ikone aus dem Fürstinnenkloster barg, um die dort entstandenen Schäden zu beheben. In Wladimir, an Ort und Stelle, mit Hilfe von Fachleuten aus Moskau, weil man nicht einmal den Transport in die Hauptstadt riskieren wollte. Die Arbeiten sind nun zwar weitgehend abgeschlossen, aber die Restauratoren beschlossen, das Bildnis weitere zwei Jahre vor den Blicken der Öffentlichkeit zu schützen. Dafür gibt es gute Gründe:

Gottesmutter von Bogoljubowo

Gottesmutter von Bogoljubowo

Die Gottesmutter von Bogoljubowo entstand zwischen 1158 und 1160 als Auftragsarbeit von Fürst Andrej Bogoljubskij, der den Thron der alten Rus von Kiew nach Wladimir verlegt hatte. Der Überlieferung nach erschien dem Herrscher kurz vor der künftigen Haupstadt die Jungfrau und hieß ihn, die aus dem Wyschgoroder Kloster in Kiew mitgebrachte byzantinische Ikone in Wladimir zu belassen. Am Ort der Marienerscheinung baute Andrej seine Residenz und gründete das berühmte Kloster Bogoljubowo, in dem über viele Jahrhunderte hinweg auch „seine“ Gottesmutter verehrt wurde.

Gottesmutter von Bogoljubowo

Gottesmutter von Bogoljubowo

Bereits 1918, als die Revolution bereits im vollen Gange war und besonders gegen die Kirche wütete, begutachtete eine Kommission zur Erhaltung und Restaurierung von Malerei die Gottesmutter von Bogoljubowo und befand, die Ikone sei in einem ausgesprochen beklagenswerten Zustand: überzogen mit einem getrockneten Ölfilm auf morschem Holz, die Weißgrundierung zur Hälfte abgeblättert, eine Vielzahl von späteren Farbschichten… Doch erst 1946 brachte man das Heiligenbild ins Wladimirer Landeskundemuseum, wo dann von 1958 bis 1978 die ausgesprochen schwierige Restaurierung erfolgte. Hier, im Museum, war die Ikone dann auch ausgestellt, bis sie dann auf Bitten von Erzbischof Jewlogij 1993 an das damals gerade wiedereröffnete Fürstinnenkloster übergeben wurde, geschützt durch eine Vitrine, die für die notwendige Temperatur und Luftfeuchtigkeit sorgen sollte, – und stets unter Beobachtung durch die Fachleute aus dem Museum.

Frauenkloster Bogoljubowo

Frauenkloster Bogoljubowo

Schon 1998 gab es dann aber technische Probleme, man kaufte in Deutschland eine neue klimatisierte Vitrine, doch der Verfall der Ikone schien unaufhaltbar. Inzwischen nämlich hatten sich die Bedingungen im Gotteshaus grundlegend geändert: Man hatte einen Granitboden verlegt, die Trocknung eingestellt, taufte nebenan Kinder. In der Folge hatte sich Schimmel auf der Ikone gebildet, die Farbschicht litt, es kam zu einer regelrechten Häutung…

Fürstinnenkloster Wladimir

Fürstinnenkloster Wladimir

Dies hatte die Fachleute aus Moskau auf den Plan gerufen, die unter Leitung von Alexander Gormatjuk das Bild in horizontaler Lage vor Ort untersuchten und nun ihre Restaurationsarbeit für abgeschlossen erklären. Allerdings, um ganz sicher zu gehen, wolle man den Zustand der Ikone in der Werkstatt noch weitere zwei Jahre unter Ausschluß der Öffentlichkeit beobachten und in der Zeit Erfahrungen sammeln, welche klimatischen und sonstigen Voraussetzungen gegeben sein müssen, um das Heiligtum für die Zukunft zu bewahren. Vernüftig und verständlich angesichts der Verletzlichkeit des wundertätigen Marienbildnisses. Ob die Ikone nach den veranschlagten zwei Jahren tatsächlich wieder ins Kloster zurückkehren und dort den Gläubigen Kraft wird spenden können, entscheiden nun ganz irdische Parameter, die es der Gottesmutter von Bogoljubowo aber vor allem erst einmal gestatten, selbst wieder zu Kräften zu kommen.

Mehr zum Thema unter: http://is.gd/rR7fYG

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: