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Posts Tagged ‘Gerhard Nöhring’


Es muß schon ein besonderer Tag sein, wenn der Bayerische Staatsminister des Inneren und für Integration statt zur Eröffnung der Richard-Wagner-Festspiele nach Bayreuth zu reisen im heimatlichen Erlangen bleibt. Es muß schon einen besonderen Anlaß geben, wenn, angeführt von Oberbürgermeister Florian Janik, fast ein Dutzend Mitglieder des Stadtrates, Schulreferentin Anke Steinert-Neuwirth und die Landtagsabgeordnete Alexandra Hiersemann sich im großen Hof des Gymnasiums Fridericianum die Ehre geben.

Florian Janik und Gerhard Nöhring

Geladen hatte gestern Gerhard Nöhring, Direktor des Fridericianum, tatsächlich zu einer besonderen Gelegenheit: 50 Jahre Bezug des Gebäudes in der Sebaldusstraße – und viele Anekdoten der Festredner, etwa die von jener Schülerin, deretwegen der Ohm-Gymnasiast Florian Janik die Freiheiten der Oberstufe nutzte, um durchaus öfter als unbedingt notwendig das Fridericianum zu besuchen.

Florian Janik und Joachim Herrmann

Oder natürlich Joachim Herrmann, den besonders viel mit diesem Ort verbindet. Selbst hier Schüler, besuchten auch seine drei Kinder dieses Gymnasium. Hier war er Schüler- und Schulsprecher, gründete die heute noch quicklebendige „illustre Schülerzeitung Humblatt“ und erinnerte sich beim gestrigen Festakt an den Umzug von der Oberen Karlsstraße in die Sebaldusstraße, die Schüler als Römer gekleidet und in einer Demonstration formiert, die sich von den 1968 gerade auch in Erlangen häufig zu erlebenden politischen Manifestationen durch ihren „humanistischen Geist“ unterschied.

Und natürlich durch eine Tradition, die 273 Jahre zurückreicht, zwei Jahre nach Gründung der Friedrich-Alexander-Universität, um für den akademischen Nachwuchs zu sorgen, eine Geschichte, in der das Fridericianum über mehr als zwei Jahrhunderte das einzige Gymnasium in Erlangen war.

Joachim Herrmann

Aber da gab es gestern auch noch ein zweites Jubiläum zu feiern: 20 Jahre Austausch mit der Schule Nr. 17 in Wladimir. Immer alternierend, einmal – so wie heuer wieder im Herbst – kommt die russische Gruppe nach Erlangen, dann wieder reisen die Erlanger nach Wladimir.

Wladimir-Schaufenster im Fridericianum

Florian Janik lobte denn auch dieses so wichtige internationale Engagement neben den vielen anderen gesellschaftspolitisch relevanten Initiativen des Gymnasiums insbesondere im Rahmen von „Schule ohne Rassismus“.

Gerhard Nöhring

Schuldirektor Gerhard Nöhring darf stolz sein und könnte sagen: „Generatio praeterit et generatio advenit, spiritus scholae vero in aeternum stat.“ – „Die Generationen kommen und gehen, aber der Geist der Schule besteht in Ewigkeit.“ Durchaus gut in so turbulenten Zeiten.

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Zusammengenommen fast vierzig Schüler waren dieser Tage aus Wladimir in Erlangen zu Gast. Auch für eine aus Tradition offene Stadt durchaus ein organisatorischer Belastungstest, der nur dank den großartigen Familien zu bestehen war, die den vielen jungen Besuchern aus der Partnerstadt Türen und Herzen weit öffneten. Nur möglich aber auch mit der Hilfe von Gästen, die sich nicht nur an Land und Leuten sowie Sprache interessiert zeigten, sondern sich überdies als ausgesprochen pflegeleicht erwiesen. Kurzum – nur gemeinsam konnte dieses Werk der Begegnung gelingen.

Olga Mironosizkaja und Ludmila Mironowa

Olga Mironosizkaja und Ludmila Mironowa

Besonders aber ist der Austausch den Lehrerinnen aus Wladimir zu danken, denen man zu Lebzeiten schon ein Denkmal setzen könnte für ihre charmante Courage, junge Botschafter der Verständigung auszubilden und auf ihrer Reise zu begleiten – mit all der Verantwortung, die das in Zeiten mit sich bringt, wo das Stellwerk der Politik zwischen Ost und West die Hebel in immer rascherer Taktfolge von Kooperation und Kommunikation auf Konfrontation und Konflikt umlegt.

Ludmila Mironowa

Ludmila Mironowa

Desto erstaunlicher zu erleben, wie unverkrampft und offen die Kinder und Jugendlichen mit ihren Altersgenossen und Gastgebern umgehen, wie groß das gegenseitige Interesse ist. Durch alle drei Gruppen hindurch, die einander in Erlangen übrigens kaum begegneten, sondern ihr jeweils eigenes Programm hatten, abgesehen vom gemeinsamen Empfang für die Austauschschüler vom Fridericianum und aus der Schule Nr. 17 zusammen mit den dreizehn Deutschkurs-Teilnehmern von Ludmila Mironowa.

Dieter Seifert und Gerhard Mehring mit ihren Wladimirer Kolleginnen

Dieter Seifert und Gerhard Nöhring mit ihren Wladimirer Kolleginnen, Alina Sorokina und Olga Gurowa

Unverkrampft und offen geht es denn auch am Fridericianum zu, wo man den Austausch mit Wladimir seit 1999 pflegt und sich die Übergabe des Stabs der Partnerschaft auch in der Leitung – von Gerhard Hammer auf seinen Nachfolger, Gerhard Nöhring – so harmonisch vollzog. Man spürte diesen Geist der gegenseitigen Wertschätzung gestern beim Abschiedstreffen, wo die Schüler aus beiden Städten im Ländervergleich zu den Themen Wirtschaft und Tourismus in kleinen Arbeitsgruppen referierten und damit zeigten, was den Austausch prägt: möglichst viel gemeinsam unternehmen, vor allem auch an Aufgaben und Projekten orientiert. Das schweißt zusammen und hält für länger – mindestens bis zum nächsten Termin im Herbst nächsten Jahres, wenn das Fridericianum wieder eine Gruppe nach Wladimir entsendet.

Der Austausch am Fridericianum

Der Austausch am Fridericianum

Abschied nehmen hieß es gestern auch für die neunköpfige Schülergruppe unter Leitung von Marina Trubizyna, Abschied vor allem von den Gastgebern, die in den wenigen Tagen für die jungen Besucher zu Eltern und Großeltern geworden sind. Alle waren sie zum ersten Mal in Erlangen, und alle – so der Tenor in der Schlußrunde – zeigten sich begeistert vom Programm, besonders aber von den Menschen. Hier so willkommen zu sein, so gastfreundlich aufgenommen zu werden, das hätten sie nicht erwartet. Allerdings zollte den Gästen auch Ute Schirmer, gemeinsam mit Gerhard Kreitz und Franz Stuhlmüller für die Unterbringung sowie die Ausflüge nach Bamberg, Nürnberg, Coburg oder Rothenburg verantwortlich, höchstes Lob: stets aufmerksam und interessiert, ausdauernd bei den Exkursionen zu Fuß, höflich und zuvorkommend. Und auf eine Frage einer Schülerin, wodurch sich denn junge Russen von ihren deutschen Altersgenossen unterscheiden, meinte Renate Aigner, hiesige Schüler würden kaum dieses Maß an Disziplin etwa bei Museumsbesuchen aufbringen, würden sich viel eher ablenken (lassen). Die pensionierte Lehrerin und ehemalige Stadträtin wird wissen, wovon sie spricht.

Marina Trubizyna mit ihrer Schülergruppe und einigen Gastgebern

Marina Trubizyna (in der Mitte sitzend) mit ihrer Schülergruppe und einigen Gastgebern

Zu den guten Erfahrungen des Austausches gehört: Wer einmal als junger Mensch hier oder dort zu Gast war, kommt früher oder später wieder oder taucht, älter geworden, in der einen oder anderen Rolle bei der Partnerschaftsarbeit auf. Viel Grund zur Vorfreude bei so vielen Besuchern dieser Tage!

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