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Posts Tagged ‘Gerhard Hammer’


So wie auch der schönste Abend einmal zu Ende geht, schließt selbst der längste Fortsetzungsbericht mit dem letzten Punkt. Und im Fall des Russischen Abends mit einem großen Dankeschön an die vier ehrenamtlichen Köchinnen, die für die russischen Teil des Büfetts sorgten, während das gastronomische Team vom Club International unter Leitung von Bernd Uebel den fränkischen Part und die Getränke beisteuerte.

Natalia Kaiser, Nadja Steger und Jelena Schaab

Alle Getränke? Nein: Wie schon bei den letzten Russisch-Deutschen Wochen spendete Köstlich & Co. in der Friedrichstraße 18, von seinen Delikatessen aus aller Welt die richtige Teemischung für den Abend.

Gabriele Steinbach, Inh. von Köstlich & Co.

Geschmeckt hat es offensichtlich allen, jedenfalls blieb so gut wie nichts übrig, alles wurde brav aufgegessen. Kein Wunder aber auch nach dem gut eineinhalbstündigen Programm mit Reden und Präsentationen. Da war leibliche Stärkung angesagt.

Russischer Abend 46

Jekaterina Korschofski und Natalia Kaiser mit Othmar Wiesenegger als „Kiebitz“

Auch für Jekaterina Korschofski, die nicht nur beim Verpflegungsteam aktiv war, sondern auch am Dienstag, den 11. Februar, und am Donnerstag, den 13. Februar, im Rahmen der Russisch-Deutschen Wochen beweist: „Kyrillisch schreiben… ist gar nicht so schwierig“. Ob das so stimmt? Kalligraphisch ist es auf jeden Fall.

Essen hin, Trinken her, aber nie ohne den Bildungsauftrag der Volkshochschule! Viele grübelten auch noch bei Tisch, wie hier Hans Gruß, über den Quizfragen.

Unterdessen konnte sich das Orga-Team schon einmal erleichtert freuen: gut 130 Gäste beim Russischen Abend, um die 600 Teilnehmer an den bisherigen Veranstaltungen der Russisch-Deutschen Wochen. Eine Statistik, hinter der mehr als Zahlen stehen, sondern vor allem die ungezählten Ehrenamtlichen, die ihre je eigenen Verbindungen zu Wladimir pflegen, ihre je ganz besonderen Projekte entwickeln und einfach Freundschaft halten. Sie alle sind das Salz der Partnerschaft, um es biblisch auszudrücken.

Tatjana Kirssanowa, Natalia Korssakowa, Elisabeth Hein, Nadja Steger, Reinhard Beer und Peter Steger

Da ist Fredi Schmidt, Fahrer des Erlanger Oberbürgermeisters, der sich schon auf seinen nächsten Laufwettkampf in Wladimir freut.

Russischer Abend 32

Nadja Steger, Fredi und Martina Schmidt

Da ist Tom Weinhold, Frontmann der Band Meloco, der zusammen mit Marcel Desch und Christian Marsch von Impvlse so begeistert von dem nun schon zehn Jahre währenden Austausch von Rockgruppen mit Wladimir berichten kann, der im Herbst schon – dann freilich mit anderen Ensembles – fortgesetzt wird.

Tom Weinhold

Da ist John Stackmann, der hofft, nach einem Jahr Pause zum zwanzigjährigen Jubiläum seines Winterwaldlaufs in der Brucker Lache wieder Athleten aus Wladimir am Start begrüßen zu können.

Michael Cassens, Susanne Lender-Cassens und John Stackmann

Da ist der Weltkriegsveteran, Wolfgang Morell, der ungeachtet seiner 96 Jahre noch kaum eine Veranstaltung der Russisch-Deutschen Wochen ausließ und voll des Lobes für das Orga-Team ist.

Russischer Abend 35

Wolfgang Morell

Da sind Helene Decker vom Jugendamt und Haram Dar vom Jugendparlament, die Ende des Monats nach Wladimir reisen, um dort ein ganz neues Austauschprojekt zu starten, von dem sicher hier im Blog bald zu lesen sein wird.

Helene Decker und Haram Dar

Da sind Johannes Tuczek und Jürgen Schwandner vom Städtischen Bauamt, die in der Planungsphase für das Erlangen-Haus die architektonischen Grundlagen schufen und im Mai zu dessen fünfundzwanzigjährigen Jubiläum in die Partnerstadt fahren.

Michael Cassens, Johannes Tuczek und Jürgen Schwandner

Da sind Rolf Wurzschmitt und Abram Dyck, die mit dem „Kesselhaus Erlangen“ und den gebrauchten VAG-Bussen Anfang der 90er Jahre maßgeblich halfen, die Infrastruktur Wladimirs zu stabilisieren und auch bei der Sanierung des Erlangen-Hauses eine hilfreiche Hand anlegten, während Stadtrat und Internist i.R., Jürgen Zeus, bis heute den von Rotary Erlangen finanzierten Medizinaustausch koordiniert.

Rolf Wurzschmitt, Peter Steger, Abram Dyck und Jürgen Zeus

Da ist das Ehepaar Eva und Gerhard Hammer, das im Vorjahr Wladimir besuchte, wo auf Initiative des damaligen Direktors, Gerhard Hammer und mit Unterstützung der seinerzeitigen Partnerschaftsbeauftragten, Nadja Jewrassowa, das Gymnasium Fridericianum seit zwanzig Jahren (!) seine russische Partnerschule hat.

Gerhard und Eva Hammer

Eine Galerie, die sich noch lange fortsetzen ließe, die aber – eingedenk der Einleitung – nun zu einem Ende kommen soll. Aber nicht ohne ein Bild vom Glückspilz des Abends, der die Reise nach Wladimir (und zurück, wie Reinhard Beer verschmitzt anmerkte) gewann. Sehr zur Mitfreude des ganzen Saals.

Sieghard Hellmann, festgehalten von Othmar Wiesenegger

Eine Fortsetzung der Berichterstattung über den Russischen Abend am 31. Januar gibt es jetzt nicht mehr. Aber zum einen werden ja die Russisch-Deutschen Wochen am kommenden Samstag um 15.00 Uhr im Club International der Volkshochschule unter dem Motto „Russischer Humor“ fortgesetzt, und zum andern gibt es schon die ersten Ideen für die nächste russisch-deutsche Biennale Anfang 2022. Es gilt eben auch hierfür der Sepp-Herberger-Spruch in Abwandlung: Nach dem Russischen Abend ist vor dem Russischen Abend!

Finis cum grano salis , Ende auf Anfang gesetzt, конец – молодец!

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Zwei Kenner des Landes machen sich gemeinsam mit ihren Ehefrauen im September 2019 auf den Weg und ergänzen sich:

Blick vom Patriarchengarten auf die Altstadt von Wladimir

Der Experimentalphysiker, Andreas Magerl, emeritierter Professor der Friedrich-Alexander-Universität, betreut schon seit Jahren einen Austausch deutscher und russischer Studenten, wobei er in engem Kontakt mit verschiedenen russischen Universitäten steht. Der ehemalige Leiter des Gymnasiums Fridericianum, Gerhard Hammer, wiederum kennt die Erlanger Partnerstadt gut und hat einen bis heute funktionierenden Austausch mit einer Schule in Wladimir begründet. Er stellte auch den Kontakt mit der Universität Wladimir für den Wissenschaftler her. Diese beiden Projekte der Zusammenarbeit bildeten den organisatorischen Rahmen für eine hochinteressante Reise nach Moskau, Wladimir und Kasan.

Ludmila Suschkowa, Gerhard Hammer, Andreas Magerl, Ansor Saralidse und Olga Chochlowa

Was Moskau für eine pulsierende Weltstadt ist, wissen wohl die meisten. Beeindruckend sind das reibungslose Funktionieren des öffentlichen Verkehrswesens und der ausgezeichnete Zustand der touristischen Attraktionen. Insbesondere die religiösen Stätten werden aufwendig restauriert und blitzen mit zahlreichen frisch vergoldeten Kuppeln. Eine umfangreiche international bestückte Ausstellung zum Thema „The coming world: Ecology as the new Politics“ zeigt, wie das Umweltproblem auch hierzulande sehr wohl erkannt worden ist.

Ein pünktlicher und schneller Zug bringt die Reisenden in zwei Stunden nach Wladimir, das sich als muntere Stadt mit Straßenfest, wunderbaren Parkanlagen und vielen netten Restaurants und Cafés von seiner besten Seite zeigt. Überall sind junge Leute engagiert beim Arbeiten zu sehen, und im gastronomischen Bereich gibt es innovative Konzepte, wie z. B. ein Familiencafé mit angeschlossenem Spielzimmer für kleine Gäste. Untergebracht sind die beiden Ehepaare im Erlangen-Haus, in dem neben einem kleinen Hotelbetrieb (man muß sich dort wohlfühlen!) vor allem Deutsch unterrichtet wird. Dabei sind das Niveau der Lehrkräfte und ihr Engagement beeindruckend. Den Höhepunkt der Reise bildet der durch Peter Steger, den Partnerschaftsbeauftragten Erlangens, vorbereitete Besuch in der Universität, wo die deutschen Gäste vom Rektor, Ansor Saralidse, und der Bildungsbeauftragten der Regionalduma, Olga Chochlowa, mit einem offiziellen Empfang sehr freundlich aufgenommen werden.

Andreas Magerl, Ludmila Suschkowa, Ansor Saralidse, Olga Chochlowa, N.N. und Gerhard Hammer

Der Zug zur 800 km langen Weiterreise nach Kasan fährt pünktlich vom Bahnhof Wladimir zur Fahrt in Richtung Sibirien ab und bietet einen höchst angenehmen Service.

In der Hauptstadt der halbautonomen Republik Tatarstan fällt das offensichtlich einvernehmliche Zusammenleben der muslimischen und christlichen Bevölkerung auf: Prächtige Kirchen und ebensolche Moscheen stehen in Kasan nebeneinander, und auch sonst macht die betriebsame Stadt einen offenen und wirtschaftlich aufstrebenden Eindruck.

Kasan

Insgesamt war es eine sehr bildende Reise, sowohl touristisch als auch unter dem Aspekt der Begegnung mit der Bevölkerung ein voller Erfolg. Die große Freundlichkeit, mit der wir Deutsche überall behandelt werden, steht im Gegensatz zu manchen bestehenden Vorurteilen.

Besonderer Dank gebührt Herrn Steger, ohne dessen kompetente Hilfe diese Reise nicht so erfolgreich verlaufen wäre: Man konnte deutsch-russische Partnerschaft im besten Sinn und auf verschiedenen Ebenen erleben.

Eva-Maria Hammer

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Zusammengenommen fast vierzig Schüler waren dieser Tage aus Wladimir in Erlangen zu Gast. Auch für eine aus Tradition offene Stadt durchaus ein organisatorischer Belastungstest, der nur dank den großartigen Familien zu bestehen war, die den vielen jungen Besuchern aus der Partnerstadt Türen und Herzen weit öffneten. Nur möglich aber auch mit der Hilfe von Gästen, die sich nicht nur an Land und Leuten sowie Sprache interessiert zeigten, sondern sich überdies als ausgesprochen pflegeleicht erwiesen. Kurzum – nur gemeinsam konnte dieses Werk der Begegnung gelingen.

Olga Mironosizkaja und Ludmila Mironowa

Olga Mironosizkaja und Ludmila Mironowa

Besonders aber ist der Austausch den Lehrerinnen aus Wladimir zu danken, denen man zu Lebzeiten schon ein Denkmal setzen könnte für ihre charmante Courage, junge Botschafter der Verständigung auszubilden und auf ihrer Reise zu begleiten – mit all der Verantwortung, die das in Zeiten mit sich bringt, wo das Stellwerk der Politik zwischen Ost und West die Hebel in immer rascherer Taktfolge von Kooperation und Kommunikation auf Konfrontation und Konflikt umlegt.

Ludmila Mironowa

Ludmila Mironowa

Desto erstaunlicher zu erleben, wie unverkrampft und offen die Kinder und Jugendlichen mit ihren Altersgenossen und Gastgebern umgehen, wie groß das gegenseitige Interesse ist. Durch alle drei Gruppen hindurch, die einander in Erlangen übrigens kaum begegneten, sondern ihr jeweils eigenes Programm hatten, abgesehen vom gemeinsamen Empfang für die Austauschschüler vom Fridericianum und aus der Schule Nr. 17 zusammen mit den dreizehn Deutschkurs-Teilnehmern von Ludmila Mironowa.

Dieter Seifert und Gerhard Mehring mit ihren Wladimirer Kolleginnen

Dieter Seifert und Gerhard Nöhring mit ihren Wladimirer Kolleginnen, Alina Sorokina und Olga Gurowa

Unverkrampft und offen geht es denn auch am Fridericianum zu, wo man den Austausch mit Wladimir seit 1999 pflegt und sich die Übergabe des Stabs der Partnerschaft auch in der Leitung – von Gerhard Hammer auf seinen Nachfolger, Gerhard Nöhring – so harmonisch vollzog. Man spürte diesen Geist der gegenseitigen Wertschätzung gestern beim Abschiedstreffen, wo die Schüler aus beiden Städten im Ländervergleich zu den Themen Wirtschaft und Tourismus in kleinen Arbeitsgruppen referierten und damit zeigten, was den Austausch prägt: möglichst viel gemeinsam unternehmen, vor allem auch an Aufgaben und Projekten orientiert. Das schweißt zusammen und hält für länger – mindestens bis zum nächsten Termin im Herbst nächsten Jahres, wenn das Fridericianum wieder eine Gruppe nach Wladimir entsendet.

Der Austausch am Fridericianum

Der Austausch am Fridericianum

Abschied nehmen hieß es gestern auch für die neunköpfige Schülergruppe unter Leitung von Marina Trubizyna, Abschied vor allem von den Gastgebern, die in den wenigen Tagen für die jungen Besucher zu Eltern und Großeltern geworden sind. Alle waren sie zum ersten Mal in Erlangen, und alle – so der Tenor in der Schlußrunde – zeigten sich begeistert vom Programm, besonders aber von den Menschen. Hier so willkommen zu sein, so gastfreundlich aufgenommen zu werden, das hätten sie nicht erwartet. Allerdings zollte den Gästen auch Ute Schirmer, gemeinsam mit Gerhard Kreitz und Franz Stuhlmüller für die Unterbringung sowie die Ausflüge nach Bamberg, Nürnberg, Coburg oder Rothenburg verantwortlich, höchstes Lob: stets aufmerksam und interessiert, ausdauernd bei den Exkursionen zu Fuß, höflich und zuvorkommend. Und auf eine Frage einer Schülerin, wodurch sich denn junge Russen von ihren deutschen Altersgenossen unterscheiden, meinte Renate Aigner, hiesige Schüler würden kaum dieses Maß an Disziplin etwa bei Museumsbesuchen aufbringen, würden sich viel eher ablenken (lassen). Die pensionierte Lehrerin und ehemalige Stadträtin wird wissen, wovon sie spricht.

Marina Trubizyna mit ihrer Schülergruppe und einigen Gastgebern

Marina Trubizyna (in der Mitte sitzend) mit ihrer Schülergruppe und einigen Gastgebern

Zu den guten Erfahrungen des Austausches gehört: Wer einmal als junger Mensch hier oder dort zu Gast war, kommt früher oder später wieder oder taucht, älter geworden, in der einen oder anderen Rolle bei der Partnerschaftsarbeit auf. Viel Grund zur Vorfreude bei so vielen Besuchern dieser Tage!

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Die Neue Galerie des Kunstvereins Erlangen füllte sich gestern abend rasch bis auf den letzten Platz mit Gästen, darunter auch Gerhard Hammer, der kürzlich in Ruhestand getretene Leiter des Gymnasiums Fridericianum, dessen Rotary Klub wesentlich an der Finanzierung des Drucks von „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ mitgewirkt hatte.

Gerhard und Eva Hammer

Gerhard und Eva Hammer

Die Einladung zu der Veranstaltung war eine Idee von Irene Hetzler, der Vorsitzenden der Gruppe Plus im Kunstverein Erlangen, die über die Präsentation des Sammelbands mit Erinnerungen von Wehrmachtssoldaten an ihre Kriegsgefangenschaft in Lagern in und um Wladimir im Dezember vergangenen Jahres in den Erlanger Nachrichten gelesen hatte. Da lag es nahe, das ohnehin für dieses Jahr geplante, mittlerweile dreizehnte Treffen der Veteranen aus ganz Deutschland auf dieses Wochenende zu legen, um die Buchvorstellung mit Augenzeugenberichten zu bereichern.

Irene Hetzler

Irene Hetzler und Philipp Dörr

Und die, insgesamt neun und alle in dem Kompendium mit ihren Erinnerungen an die Gefangenschaft vertreten, waren zum Teil von weit her angereist, von Wismar und Gera, aus dem Harz und dem Odenwald, dem Thüringer Wald oder aus dem Westerwald, sogar aus der Wachau und aus Zürich. Nur einer, Wolfgang Morell aus Erlangen, brauchte keinen langen Weg zurücklegen.

Heinrich Hirschfelder und Wolfgang Morell

Heinrich Hirschfelder und Wolfgang Morell

Peter Steger, der Autor und Herausgeber des historischen Werks, beschränkte sich auf die Darstellung der Entstehung des Buches und der Zusammenhänge sowie einige Zitate aus den Erinnerungen des bereits verstorbenen Wehrmachtssoldaten Otto Kleinhenz, um möglichst viel Zeit Richard Dähler und Günter Kuhne für ihre Ausführungen zu lassen. Nicht von ungefähr, wie sich zeigen sollte.

Richard Dähler

Richard Dähler

Richard Dähler aus Zürich, Autor einer Doktorarbeit über japanische Soldaten in sowjetischer Kriegsgefangenschaft – unter anderem in Wladimirer Lagern -, führte nämlich nicht nur aus, welche große Rolle für die Untertanen des Tennō die Kunst bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse spielte, sondern vertrat auch die Ansicht, die Versöhnung zwischen den einstigen Feinden habe bereits hinter dem Stacheldraht begonnen, als vor allem russische Frauen am Krankenbett, an der Werkbank oder beim Verhör ein unerwartetes Maß an Mitmenschlichkeit zeigten und manches Leben retteten.

Neue Galerie

Neue Galerie

Eine Erfahrung, die Günter Kuhne aus Gera stellvertretend für fast alle seine Kameraden aus eigenem Erleben nur bestätigen kann, etwa wenn die russischen Kolleginnen in Wladimir den einstigen Angehörigen der Hitlerjugend-Waffen SS zum Bestarbeiter kürten und er sich in der Gefangenschaft stets anständig behandelt fühlte. Ganz anders als vom Stabsarzt, der den Thüringer nach einem Trümmerbruch des Oberschenkels im März 1945 mit den Worten an die Front in Brandenburg geschickt hatte: „Sie brauchen nicht laufen können, Hauptsache Sie können im Loch stehen und schießen!“

Günter Kuhne

Günter Kuhne

Gern würde der heute neunzigjährige Maschinenschlosser mehr von seinen Erfahrungen und Einsichten an die Jugend vermitteln, aber er hat den Eindruck, die Schulen seien an derlei Begegnungen mit Zeitzeugen viel zu wenig interessiert. Gern würde er seine Friedensbotschaft, seinen Sieg über den Krieg weitergeben an andere Menschen, nicht in der Hoffnung, die große Welt ändern zu können, aber mit der kleinen Zuversicht, in denen, die ihm zuhören, etwas zu bewegen.

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Clara Müller und Kurt Seeber

Bewegende Momente waren das gestern, und noch lange hätten die Diskussionen und Gespräche nach Ende der Veranstaltung dauern mögen. Wie um die Zeit aufzuhalten, die erlebte Geschichte zu bannen. Eine Ahnung von Abschied lag über den Begegnungen, so als könnten sie ein letztes Treffen markieren auf einem Weg, der mit den Worten von Günter Kuhne „auf der Ziellinie angekommen“ ist.

Irene Hetzler und Peter Steger mit den Veteranen und ihren Angehörigen

Irene Hetzler und Peter Steger mit den Veteranen und ihren Angehörigen

Was bleibt, ist ein Gefühl der Dankbarkeit für eine Reise, die das Publikum sieben Jahrzehnte in eine Zeit zurückführte, deren Nachwirkungen unser aller Leben bis heute prägen und deren Erschütterungen uns nie müde werden lassen sollten im Streben nach Frieden und Verständigung. Wie gesagt, eine kleine Zuversicht, die der allfälligen Unfähigkeit trotzt, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Wer mit den Veteranen gesprochen oder das Buch gelesen hat, kann später nicht behaupten, er habe es nicht gewußt…

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„Komm wieder, aber ohne Waffen!“ ist im Buchhandel oder direkt beim Stadtarchiv Erlangen zum Preis von 24 Euro unter der ISBN 978-3-944452-09-8 erhältlich.

 

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Das Programm ist schon voll im Gange: Unter Leitung der stellvertretenden Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses, Swetlana Schelesowa, sind bereits am Mittwoch fünf Dozentinnen vom Wladimirer Sprachlernzentrum des Goethe-Instituts und drei Deutschlehrerinnen aus Schulen der Partnerstadt eingetroffen, um ganze acht Tage lang ihre Kenntnisse von Sprache, Land und Leuten zu verbessern, die deutschen Freunde wiederzusehen.

Wiedersehensfreude am Flughafen Nürnberg

Wiedersehensfreude am Flughafen Nürnberg mit Gerhard Kreitz; Bild: Georg Kaczmarek

Zum ersten Mal findet nun eine derartige pädagogische Dienstreise der Deutschdozentinnen vom Erlangen-Haus statt, nachdem bisher immer die Kursteilnehmer verschiedener Niveaus und Stufen sieben Jahre in Folge Ende Juli gekommen waren, um an der Volkshochschule Sprachpraxis einzuüben und Landeskunde zu betreiben, stets sorgend betreut vom Freundeskreis Wladimir.

Die Gäste mit Amil Scharifow, Elisabeth Preuß und Gerhard Kreitz

Amil Scharifow, Elisabeth Preuß und Gerhard Kreitz mit den Gästen aus Wladimir

Für den sprachlichen Feinschliff sorgen natürlich vor allem die Fortbildungen des Goethe-Instituts in Moskau, und so liegt der Schwerpunkt des Programms in Erlangen auf der Landeskunde mit Vorträgen zu Themen wie Flüchtlingsfrage, Schulwesen, Aufgaben der Volkshochschule, Ehrenamt und Politik, Medienarbeit oder Schwerpunkte der Städtepartnerschaftsarbeit, umrahmt von Ausflügen nach Coburg, Nürnberg, ins Mainfränkische, in die Fränkische Schweiz…

Das Direktorat persönlich, Gerhard Nöhring und Gerhard Hammer, begrüßt die Gruppe aus Wladimir

Das Direktorat persönlich, Gerhard Nöhring und Gerhard Hammer, begrüßt die Gruppe aus Wladimir

Und natürlich darf auch ein Schulbesuch nicht fehlen, möglichst an einem Gymnasium, das bereits einen Austausch mit Wladimir unterhält, wie das Fridericianum, wo Reisen in die Partnerstadt seit dem Jahr 2000 auf dem Lehrplan stehen. Ein Besuch, der zeitlich symbolischer nicht sein könnte, fand er doch gestern statt, am Vorabend der offiziellen Verabschiedung des Direktors, Gerhard Hammer, der heute den Stab an seinen bisherigen Stellvertreter, Gerhard Nöhring, weitergibt.

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Das Schaufenster nach Wladimir im Fridericianum

Einmal mitzuerleben, wie das Fach Deutsch an einer deutschen Schule unterrichtet wird, eine weitere Stunde dem Englischunterricht zu folgen, Literatur in fränkischer Mundart von Helmut Haberkamm vorgetragen zu hören… Was könnte interessanter sein für Sprachlehrerinnen?

Christiane Krautwurst und ihre Kolleginnen aus Wladimir

Christiane Krautwurst und ihre Kolleginnen aus Wladimir

Vielleicht nur noch die Führung durch das Gymnasium an der Hand der Kollegin, Christiane Krautwurst, die im Oktober die nächste Austauschgruppe aus Wladimir erwartet.

Jelena Krajnowa, Irina Smirnowa und Tatjana Kolesnikowa

Jelena Krajnowa, Irina Smirnowa und Tatjana Kolesnikowa

Gerhard Kreitz, Sprecher des Freundeskreises Wladimir, formuliert es am Russischen Abend in der Volkshochschule treffend in seinen Dankesworten an die Gastfamilien, wo die Lehrerinnen untergebracht sind: „Unsere Besucherinnen haben da nicht nur ein Bett, sondern ein Zuhause, wo miteinander gesprochen, miteinander gesungen und manchmal sogar miteinander gekocht wird.“ Mit russischen Piroggen, gebacken in der Küche von Ute Schirmer, stehen denn auch für viel mehr als nur den kulinarischen Erfog des Treffens.

Reinhard Beer bei der Eröffnung des Russischen Abends

Reinhard Beer bei der Eröffnung des Russischen Abends

Es ist schon immer ein Kraftakt vor allem für Reinhard Beer, den Leiter der Sprachenabteilung an der VHS, Sommer für Sommer die Begegnungen mit Wladimir auszurichten. Aber die Deutschkurse am Erlangen-Haus – man kann es gar nicht deutlich und oft genug sagen – sind nun einmal vor 20 Jahren wesentlich auf seine Initiative zurückzuführen und verdanken ihren Erfolg gerade auch seiner ungebrochenen und vielfältigen Unterstützung. Das verbindet und verpflichtet.

Miteinander

Miteinander

Ebensowenig denkbar aber wäre das alljährliche Programm für die Gäste – in immer wieder neuer Zusammensetzung – ohne den Freundeskreis Wladimir mit all seinen Ideen für das begleitende Kulturprogramm, mit der Privatunterbringung, mit den Transfers und all den Gesten der Freundschaft.

Spontanquintett mit Tatjana Parilowa und Tatjana Kolesnikowa

Spontanquintett mit Tatjana Parilowa und Tatjana Kolesnikowa

Und wo schon so viele Gäste beisammen sind, ist auch noch Platz für die Musiklehrerin Tatjana Parilowa, die sich, seit gut einem Vierteljahrhundert der Partnerschaft eng verbunden, derzeit gerade über die Montessori-Pädagogik informiert und am gestrigen Abend das tat, worauf sie sich – bei all ihren Talenten – wohl am besten versteht: singen, – am besten im Chor.

Soloauftritt von Tatjana Parilowa

Soloauftritt von Tatjana Parilowa

Als Chorsängerin war sie nämlich auch 1990 zum ersten Mal in Erlangen, bevor sie vor allem beim Projekt „Lichtblick“ die Musiktherapie für Kinder in der Psychiatrie für sich entdeckte.

Stille Post

Stille Post

Kleine Rollenspiele, die „stille Post“ und eine Premiere füllten den Abend zusammen mit der Erstaufführung eines Werbefilms, gekonnt gedreht von einem Team des Goethe-Instituts als Image-Kampagne für die Deutschkurse an den 21 Sprachlernzentren in der Russischen Föderation. Und wen nimmt es da wunder, wenn das Erlangen-Haus eine zentrale Rolle einnimmt? Noch ist der Clip nicht offiziell veröffentlicht, aber in den nächsten Wochen sollte er freigeschaltet werden, und dann findet er sicher auch hier im Blog die gebührende Würdigung.

Hofspiele

Hofspiele

Auch für die Gäste ist der Besuch übrigens ein Kraftakt, denn der Rubel-Kurs hat sich zwar in den letzten Wochen etwas stabilisiert, liegt aber mit 1 : 70 gegenüber dem Euro immer noch fast doppelt so hoch wie vor zwei Jahren. Da kann man sich vorstellen, was bei einem Pädagogengehalt eine derartige Reise für das private Budget bedeuten mag. Und auch da beweist sich wieder der Freundeskreis, der fast 2.000 Euro gesammelt hat, um den Besucherinnen die Anreise etwas zu erleichtern.

Gerhard Kreitz, Swetlana Schelesowa und Wolfram Howein

Gerhard Kreitz, Swetlana Schelesowa und Wolfram Howein

Ein Dankschön, ein großes спасибо deshalb von Swetlana Schelesowa an alle Spender und Freunde, die geholfen haben, die Begegnungen zu ermöglichen, Begegnungen, die wir angesichts wachsenden Mißtrauens auf der Ebene der „großen Politik“ mehr denn je brauchen.

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Nach einer guten Woche voller Begegnungen, Ausflüge und gemeinsamer Projektarbeit fanden sich gestern ab 12.00 Uhr noch einmal Gäste und Gastgeber im Fridericianum ein, um ihre gemeinsam erstellten Präsentationen zu zeigen und die Ergebnisse der Zusammenarbeit und des Austauschprogramms Revue passieren zu lassen. Ganze zwei Stunden lang, volle Stunden, keine Schulstunden. Ohne Murren und den mehrfach erklingenden Gong überhörend und wohl auch unter Mißachtung von Hunger und Durst. Konzentriert, diszipliniert, ganz bei der Sache und immer mit applausbedachtem Wohlwollen für die gruppenweise vorgestellten Themen.

Dieter Seifert, Waleria Sawizkaja, Jelena Glaskowa, Christiane Krautwurst, Jelena Schtschukina und Gerhard Hammer

Dieter Seifert, Waleria Sawizkaja, Jelena Glaskowa, Christiane Krautwurst, Jelena Schtschukina und Gerhard Hammer

So schön kann eben Schule sein, wenn man die internationalen Kontakte pflegt wie am Fridericianum. Wenn es mit Direktor Gerhard Hammer und dem Lehrerpaar, Christiane Krautwurst und Dieter Seifert, Pädagogen gibt, für die der Schüleraustausch nicht nur Herzenssache ist, sondern die sich auch auf die anspruchsvolle Organisationsarbeit, auf all die Anträge, die Terminabsprachen und die Zusammenstellung des Besuchsprogramms verstehen. Immer in Abstimmung mit dem Team von der Partnerschule in Wladimir, dem Gymnasium Nr. 17, das in der Partnerstadt wegen seiner vielfältigen Auslandskontakte einen guten Ruf genießt.

Christiane Krautwurst

Christiane Krautwurst

Im Jahr 2001 hatte Gerhard Hammer eine Einladung der Schule nach Wladimir angenommen und ließ sich rasch für eine Kontaktaufnahme begeistern, für eine Verbindung, die über die Jahre gehalten hat, obwohl es dort, im Partner-Gymnasium, mittlerweile schon dreimal einen Wechsel in der Leitung gegeben hat. Und nun ist erstmals mit Jelena Glaskowa auch eine neue Deutschlehrerin mitgekommen, die allerdings Erlangen bereits kennt: Als Austauschschülerin am MTG war sie im Jahr 2002 schon einmal hier zu Besuch. Wieder ein für die Partnerschaft so typischer Werdegang – und doch immer wieder so überraschend wie erfreulich. Jedenfalls eine fachlich wie menschlich gute Ergänzung für Christiane Krautwurst, die den Austausch auf Erlanger Seite fast von Beginn an mit humorvoller Strenge mit Dieter Seifert an ihrer Seite zu gestalten weiß.

Projektpärsentation im Fridericianum

Projektpärsentation im Fridericianum

Immer mehr in den Vordergrund des Austausches rückt dabei neben den zwischenmenschlichen Begegnungen die gemeinsame Arbeit an bestimmten Projekten. Ein ganz wichtiges Element, denn so richtig kennenlernen kann man einander erst, wenn man auch miteinander einer Sache auf den Grund gegangen ist. Und so folgte denn gestern immer in gemischten deutsch-russischen Gruppen Thema auf Thema. Meist auf Englisch vorgetragen, manches Mal auch auf Russisch und Englisch, aber immer verständlich und mit einem je eigenen Ansatz.

Projektpräsentation im Fridericianum

Projektpräsentation im Fridericianum

Kulturelle Unterschiede zwischen Deutschen und Russen; die Deutsche Vorstadt von Moskau in der Zeit von Iwan dem Schrecklichen und Peter dem Großen mit ihren Parallelen zur Erlanger Hugenottenstadt; das Wirken von Katharina der Großen, der Deutschen auf dem russischen Zarenthron; die deutsch-russischen Beziehungen am Beispiel des Forstwirts Karl Türmer in der Region Wladimir; deutsch-russische Austauschorganisationen und Wirtschaftskontakte; Kunst und Kultur im Zusammenspiel von Wassilij Kandinskij und Franz Marc in der Gruppe Blauer Reiter.

Gerhard Hammer, Jelena Glaskowa und Jelena Kljutschtaganowa

Gerhard Hammer, Jelena Glaskowa und Jelena Kljutschtaganowa

Immer mit dem Vorzeichen des Verbindenden zwischen den Völkern. Etwas, worauf es Gerhard Hammer, der vielleicht schon im nächsten Jahr selbst einmal wieder nach Wladimir reisen möchte, besonders ankommt: „Ganz gleich, was jetzt in der Ukraine und auf der Krim passiert, wünsche ich mir, daß sich der Austausch zwischen unseren Schulen weiter so gut entwickelt. Wir wollen jedenfalls weiter Freundschaft halten!“

Die deutsch-russische Austauschklasse im Fridericianum

Die deutsch-russische Austauschklasse im Fridericianum

Das wollen unbedingt auch Theresia Eisele und Jelena Kljutschtaganowa, die sich schon im Vorjahr, als die Fridericianum-Gruppe – übrigens auch im Oktober – kennengelernt hatten und seither die Verbindung halten. Jelena hat Theresia sogar schon zwei Ansichtskarten aus Wladimir geschickt. So, wie das vor der Erfindung des Internets noch üblich war, und weil das Jelena so „schön romantisch“ findet. Und überhaupt Erlangen: „Alle sind hier immer so freundlich, grüßen einander!“ Und in Theresias Familie gefällt es ihr besonders: die ausgezeichnete Küche und die guten Gespräche beim Abendessen. Schade findet sie nur, daß bei den Führungen und Präsentationen alles auf Englisch gemacht wird. Dabei findet sie doch: „Deutsch ist die schönste Sprache der Welt.“ Weshalb sie auch nebenher schon ein Jahr die Kurse im Erlangen-Haus besucht hat.

Theresia Eisele, Jelena Kljutschtaganowa und Jelena Glaskowa

Theresia Eisele, Jelena Kljutschtaganowa und Jelena Glaskowa

Ganz wie ihre Lehrerin, Jelena Glaskowa, denkt da die Schülerin, die gern mehr Deutsch-Unterricht gäbe. Aber die meisten wählen eben Englisch als erste Fremdsprache. Und dann entdecken sie später oft, wie schön doch ein Studium gerade in Deutschland wäre. Das jedenfalls kann sich Jelena Kljutschtaganowa gut vorstellen und wird auch dabei auf ihre Erlanger Freundin, Theresia Eisele rechnen dürfen. Denn, um noch einmal Gerhard Hammer zu zitieren: „Wir wollen doch weiter Freundschaft halten!“

Und hier der Link zum Aufenthalt der Erlanger Schüler in Wladimir: http://is.gd/eoHFR3, und wer sich für Karl Türmer interessiert, wird hier fündig: http://is.gd/WJMcII

 

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Die rhetorische Frage wurde schon oft gestellt, hat aber nach wie vor ihre Gültigkeit: „Was wäre die Partnerschaft ohne den Schüleraustausch?“ Nicht viel mehr als ein Koloß auf tönernen Füßen, eine Erfolgsgeschichte ohne Fortsetzung, ein Heute ohne Morgen. Dies weiß man im Rathaus nur zu gut, weshalb es nachgerade zu den guten Sitten gehört, Schülergruppen aus Wladimir zu empfangen. Gestern waren die Mädchen und Jungs von der Wladimirer Schule Nr. 17 an der Reihe, die mit ihren Gastgebern aus dem Fridericianum, angeführt vom Schuldirektor, Gerhard Hammer, von Bürgermeisterin, Birgitt Aßmus, begrüßt wurden. Eine ganze Woche lang, von Samstag bis Samstag, durchlaufen sie ein Programm, wie es – dank dem pädagogischen Betreuungspaar Christiane Krautwurst und Dieter Seifert – ausgefeilter kaum sein könnte: Betriebsbesichtigungen, Spiel und Sport, Projekt- und Gruppenarbeit zum Thema Umwelt, Exkursion ins Biosphärenreservat Rhön, Deutsch für die Gäste und natürlich auch gemeinsamer Unterricht. Liest man das Besuchsprogramm, möchte man fast noch einmal Schüler sein, zumindest für die Zeit eines Austausches.

Schülergruppenbild mit Birgitt Aßmus, rechts im Bild.

Doch gerade diese Zeit vergeht ja besonders schnell. Da trifft es sich gut, wenn es schriftliche Spuren der Begegnungen gibt, wie etwa im Humblatt, der Schülerzeitung des Gymnasiums Fridericianum, wo vor Jahren eine vom Austausch inspirierte Geschichte erschienen ist. Auch wenn die Autorin von damals – leider! – ihren Namen nicht im Blog wiederfinden möchte, hat sie doch eingewilligt, ihre Geschichte von damals mit dem Titel „Kolobok – Die Brotfestung“ neu aufzulegen:

Am ersten Dienstag und Mittwoch im August geschah für Kolobokini etwas Schreckliches: Nach der Schule (sie ist inzwischen schon lange eingeschult und geht in die vierte Klasse mit normalen Kindern) ging sie mit ihrem großen Bruder Koloboki, der in der 7. Klasse war, nach Hause. Das Brot, welches die Schönheit seiner Mutter geerbt hatte, hatte mit einer Freundin ausgemacht, sich zu treffen. Das Mädchen, Adriane, sollte um 15 Uhr kommen. Die beiden wollten im Garten der Großbäckerei ein Baumhaus bauen. Die Kastanie eignete sich bestens dafür. Auch das Holz stellte ihnen die Bäckerei bereit. Koloboki half ihnen. Das Grundlegende hatten die großen Brüder Kolobokinis und deren Freunde schon gebaut.

Kolobok, das rollende Brot, eine russische Märchenfigur.

Die zwei brauchten bloß noch die Wände und das Dach festnageln sowie das Dach mit Dachpappe übeziehen, damit es dicht war. Bei der Tür wollten die Großen wieder helfen. Die Hausaufgaben erledigte Kolobokini schnell, sie lief in den Garten und wartete auf Adriane. Die aber kam und kam nicht. Schließlich fing das Brot alleine an zu arbeiten. Es nagelte schon die zweite Wand fertig, als Adriane schließlich endlich kam und sagte: „Entschuldigung, aber…“ Sie brach in Tränen aus: „Matthias, – er ist wegen der 6 in der Englischschulaufgabe vor Ärger aus seinem Bett gefallen. Jetzt hat er sich den Arm gebrochen. Wir haben ihn alle ins Krankenhaus gebracht, wo sie es festgestellt haben. Jetzt kann er nicht mehr am Musikwettbewerb mit unserer Band teilnehmen!“ „Ach, Adriane, mach dir keine Sorgen. Das heilt doch wieder!“, meinte die Tochter Koloboks. Kolobokini schloss Adriane in ihre Arme, und beide gingen in ihr Zimmer. „Mensch, Adriane, eine Sechs ist doch so schwer zu verkraften! Außerdem, wohin?“

Kolobok auf Wanderschaft

Nach einiger Zeit ging es dem Mädchen wieder einigermaßen gut. Jetzt liefen sie wieder in den Garten und bauten das Baumhaus fertig. Die Matratzen, die sie hinein haben wollten, trug ihnen der Chef der Großbäckerei Ilya in die Hütte. Als dann die Einrichtung fertig war, holten sie Kolobokinis Brüder sowie deren Freunde. Diese hatten die Tür schon fertig und brauchten sie nur noch einbauen. Schließlich konnte man die Hütte einweihen. Die Koloboks beschlossen am nächsten Tag den Bau des Häusles zu feiern. Kolobkini und Adriane wollten gleich die nächste Nacht darin verbringen. Adriane lief deshalb heim und fragte. Als sie wiederkam, meinte sie jauchzend: „Juhu, ich darf! Mama meinte, das wäre eine gute Ablenkung für mich!“ Bei der Einweihungsfeier ging es lustig zu. Sie tauften ihr Baumhaus mit einer Flasche Kolobokchampagner, die sie auf dem Dach zerschmetterten, auf den Namen „Brotfestung“! Sie feierten noch lange. Adriane und Kolobokini gingen erst spät ins Bett. Die beiden schliefen in ihrer Brotfestung, jeder auf einer Matratze. Sie redeten noch ein wenig, dann schliefen sie erschöpft ein. Plötzlich wachte Adriane wegen eines seltsamen Geräusches auf. Jemand schrie: „Huuh, huuh! Ich bin ein Mörder!“ Adriane zitterte wie Espenlaub. Sie weckte schnell Kolobokini, die auch sofort weiche Knie bekam! Die beiden klammerten sich aneinander und schrien um Hilfe. Die unheimliche Stimme fing wieder an: „Huuuh, huuh! Wir sind Mörder!“ „Die haben doch nicht etwa meinen Bruder umgebracht!!!“, flüsterte Adriane erschrocken und zog sich ihre Decke über den Kopf. „Doch, doch, das haben wir!“, flüsterte es geheimnisvoll. „Wir erobern jetzt die Brotfestung!“ „Nein, nein, nein!!! Das habt nicht“, schrie Adriane. Sie weinte fast. Kolobokini sagte gar nichts, sie war stocksteif vor Schreck! Langsam taute ihr Körper wieder auf: „Wir müssen nachschauen, wer da ist!“ „Nein, nein, ich will nicht wissen, wer meinen Bruder ermordet hat!“, brüllte Adriane. Das Brot schaffte es, langsam aufzustehen. Es schlich zur Tür und forderte seine Freundin auf, ihm zu folgen. „Wir öffnen die Tür bei drei, ok?“ Adriane nickt mit Widerwillen. Kolobkini gibt die Zeichen mit der Hand: 1… 2… 3… Sie rissen die Tür auf.

Wladimirer Brotkombinat mit Kolobok als Symbolfigur

Die Fortsetzung wird für die nächste Humblatt-Ausgabe angekündigt, doch da ist sie aus geheimnisvollen Gründen nie erschienen. Nur der Blog weiß, was die beiden hinter der Tür erwartet, und darf mit Erlaubnis der anonymen Autorin das Ende der Geschichte bald kundtun. Also: Dranbleiben lohnt sich! Und auch nachblättern, wie z. B. unter: http://is.gd/ODdOHw

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Auch am heutigen Welt-Rot-Kreuz-Tag beginnt das Arbeitsprogramm von Wera Guskowa im BRK , doch da ihr Bildung, Wissenschaft und Medizin nicht weniger am Herzen liegen, macht die vielseitige Besucherin am Morgen noch einen Abstecher an das Fridericianum und um die Mittagszeit zum Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen.

Gerhard Hammer, Vera Guskowa, Jelena Krajnowa, Christiane Krautwurst, Klaus Watzinger Das Fridericianum kennt die Wladimirer Bürgermeisterin bereits von einem früheren Besuch, aber es schadet ja nicht, mehr über ein Gymnasium zu erfahren, das Georg Simon Ohm, der Entdecker des nach ihm benannten Gesetzes, und Hans Geiger, der Erfinder des Geiger-Zählers, absolviert haben. Doch die Traditionsschule beeindruckt nicht nur mit ihrer Geschichte, sie gehört sicher zu den innovativsten und bietet gerade auch den Gastschülern aus Wladimir, die sich beim Rundgang der Bürgermeisterin gerade im Wintergarten tummeln, ein kreatives Lernumfeld. Über dem Schüleraustausch, ohne den sich niemand die Partnerschaft vorstellen mag, hängt freilich das Damoklesschwert gekürzter Zuschüsse seitens der deutschen Förderorganisationen für die Reisekosten der jungen Russen. Doch zur Freude der Gastgeber, Rektor Gehard Hammer, Konrektor Klaus Watzinger, und der beiden Austauschbetreuerinnen Christiane Krautwurst und Jelena Krajnowa, die übrigens ein gepflegtes Deutsch spricht, kann Vera Guskowa Entwarnung geben. Dem Rathaus Wladimir sei der Schüleraustausch mit Erlangen so wichtig, daß man im Fall der Fälle Familien unterstützen werde, um niemanden aus Finanznot von den Begegnungen auszuschließen. Das ist ein Wort, das man gewiß auch im Emmy-Noether und Marie-Therese-Gymnasium gern vernimmt und auf das Verlaß ist. Mehr getan werden sollte freilich im Fremdsprachenunterricht, hier wie dort: Die allermeisten Erlanger Schüler sprechen kein Russisch, obwohl es ein Kursangebot am Ohm-Gymnasium gibt, und in Wladimir weicht das Deutsche an den Schulen zunehmend dem Englischen und wird oft nur noch einmal wöchentlich in einer Doppelstunde unterrichtet. Immerhin aber sind es noch ca. 3.000 Schüler in Wladimir, die Deutsch wählen. Dennoch – und da hat Gerhard Hammer recht – ist es wichtiger als alles andere, daß sich die jungen Menschen begegnen und über die Grenzen hinweg ein Gespür für einander entwickeln. Es gibt ungezählte Beispiele – der Blog wird darauf noch zurückkommen – für einstige Austauschschüler, die heute in der Partnerschaft wichtige Rollen übernommen haben. Ein herzliches Dankeschön deshalb an alle Lehrer, Eltern und Politiker, die sich diese Begegnungen angelegen sein lassen und im Hintergrund an deren Zustandekommen mitwirken. Sie alle wissen oft gar nicht, wieviel Gutes sie damit tun. Und die Schüler? Die werden in aller Regel erst später begreifen, was da an völkerverbindendem Lehrgut in ihnen grundgelegt wurde.

Uwe Wissendheit, Dina Kusnezowa, Vera Guskowa, Ruslan Rybalko, Renate WinzenBegriffen hat man das nun schon seit fast zehn Jahren am Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen mit seinen exzellenten gemeinsamen Forschungsprogrammen. Hier trifft sich die Forscherelite beider Städte und entwirft gemeinsam die technische Zukunft von uns allen. Darunter auch für unsere Gesundheit. Der Wladimirer Gastwissenschaftler Ruslan Rybalko arbeitet zum Beispiel in dem Bereich, den man als Telemedizin bezeichnet. Dank einer ausgeklügelten Technik ist es mittlerweile möglich, so gut wie alle relevanten Daten der Körperfunktionen unmittelbar vom Patienten an den Bildschirm des Arztes zu übertragen. Für Risikopatienten kann diese Neuerung lebensrettend sein. Zum Spektrum der Wissenschaftler gehört aber auch so etwas wie die Erkennung der Mimik von Patienten etwa nach einer schweren OP, was Rückschlüsse auf den Gesamtzustand erlaubt. Sogar sein eigenes Schlaflabor kann man sich mit Hilfe der Erfinder aus Tennenlohe zu Hause einrichten und dem Arzt in der Ferne Einblick in sein nächtliches Befinden geben. Nun will man schon in der übernächsten Woche erste Gespräche mit Kardiologen in Wladimir führen, um zu klären, ob die Technik des Fraunhofer Instituts auch in der Partnerstadt eine Erprobungsphase durchlaufen könnte, bevor man sich an die Zertifizierung macht. Wera Guskowa sagt zu, die notwendigen Kontakte herzustellen und zu begleiten. Durchaus möglich, daß dann die Entwickler aus Erlangen nicht nur die hiesigen Universitätskliniken und andere deutsche Kooperationspartner, sondern auch Wladimir im Portfolio haben. In jedem Fall, so Uwe Wissendheit, der den Austausch mit Wladimir konzeptionell prägt, wolle man die Frage beim nächsten Workshop im Oktober in Wladimir zum Thema machen und dann wohl schon Entscheidungen treffen.

Noch ein gelungenes Treffen also für Wera Guskowa, die morgen mit vielen neuen Aufgaben, aber auch reich an neuen Erfahrungen wieder nach Hause reist. Ein treffliches Ende für ihre Überraschungsreise.

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