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Posts Tagged ‘Georgij Swiridow’


Wieder einmal schließt sich ein Kreis. Im September vergangenen Jahres, bei ihrem Antrittsbesuch in Wladimir, hatte Susanne Lender-Cassens eine Probe des Kammerchors besucht und, von der Stimmkraft des Ensembles überwältigt, eine Einladung nach Erlangen ausgesprochen. Gestern nun verabschiedete sie begeistert die 25 musikalischen Botschafter der Partnerstadt auf der Bühne des Wohnstifts Rathsberg nach dem letzten, dem vierten Konzert dieser bemerkenswerten Tournee.

Johanna Gelius und Susanne Lender-Cassens

So ein Kreis schließt sich übrigens auch für Johanna Gelius, die bereits 1989 dabei half, im Hotel Transmar, heute NH Hotel, die „Woche der russischen Küche“ auszurichten und in der ersten Hälfte der 90er Jahre die Gastspielreisen des mittlerweile aufgelösten Wladimirer Männerchors zu organisieren. Unvergessen: Ein Sänger im Kammerchor war damals schon dabei…

Jürgen Bachmann und der Kammerchor Wladimir

Vor allem aber schließt nun der Reigen der Veranstaltungen zum 35jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft, das die Bürgermeisterin mit ihrem Grußwort noch einmal kurz Revue passieren ließ: Veranstaltungen in Sport und Kultur, Diskussionsrunden, Begegnungen und das Glück, in politisch so angespannten Zeiten diese wunderbare deutsch-russische Freundschaft genießen zu dürfen.

Tatjana Grin

Und schließlich ist da auch noch der Auftrittsort zu nennen. Jürgen Bachmann, Kulturbeauftragter des Wohnstifts Rathsberg, weist in seiner Begrüßung darauf hin. Mit dem Kammerchor Wladimir war gestern – übrigens wieder vor vollem Saal – schon das dritte Ensemble aus einer Partnerstadt zu hören: die Octavians aus Jena, die Bläser von Bozen Brass und jetzt – darf man sagen als Höhepunkt? – die Gäste aus Wladimir, denen am Ende des Auftritts aus der ersten Reihe auf Russisch ein „Kommt wieder!“ entgegenschallte, vom nicht nachlassenden Applaus ganz zu schweigen, den der Chor mit drei Zugaben erwiderte.

Susanne Lender-Cassens und Tatjana Grin

Nur ein Wunsch blieb unerhört, der Ruf eines Zuhörers nach „Kalinka“. Diesem Stereotyp der russischen Folklore entspricht der Chor mit seiner ausgefeilten Stimmführung und dem exquisiten Repertoire nun auch ganz und gar nicht: ein federnd leicht dahergetupftes „Tanzen und Springen“ von Hans Leo Hassler; ein Broad-Way-taugliches „White Christmas“ von Irving Berlin; eine ergreifende „Stille Nacht“ auf Russisch, Englisch und Deutsch; die alle möglichen und schier unmöglichen Tonlagen umschließenden Stücke von Georgij Swiridow; die fröhlich-frisch intonierten Volkslieder mit ihren wuchtigen Bässen oder die lyrisch-zarten Lieder von Jurij Falik, alles unter dem ebenso sanften wie zupackenden Dirigat einer beseelenden Tatjana Grin.

Bleibt tatsächlich zu wünschen, auf dem Tableau im Eingangsbereich des Wohnstifts Ratsberg möge schon bald wieder die Einladung zu einem Konzert mit dem Kammerchor Wladimir zu lesen sein. Denn, wie es in dem Gedicht „Baku“ von Sergej Jessenin heißt: „Der vorbestimmte Abschied verspricht ein Wiedersehen bald.“ In den nächsten 35 Jahren ist Zeit genug dafür…

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Das war schon eine Leistung gestern vom Kammerchor Wladimir: um ein Uhr in der Nacht Abfahrt mit dem Bus, Ankunft am frühen Morgen in Moskau bei minus 15 Grad und Landung gegen 13 Uhr in Nürnberg, Verteilung auf die Gastfamilien in Erlangen und Umgebung, ein wenig Ruhe – und dann, buchstäblich aus dem Stand, das Auftaktkonzert der Tournee mit vier Konzerten in fünf Tagen. Респект – Respekt, wie man es in solchen Fällen gern auch im Russischen sagt.

Siegfried Brückner

Wenn jemandem besonderer Dank für die Gastspielreise gebührt, dann Siegfried Brückner. Der ehemalige Leiter der Sing- und Musikschule Erlangen und des Chorkreises St. Sebald organisierte nicht nur die private Unterbringung der 25 Gäste, er knüpfte auch all die vielen Fäden zu den Auftrittsorten – gestern zu St. Laurentius in Hetzles, morgen zu St. Bartholomäus in Kirchehrenbach und am Sonntag zu Herz Jesu in Erlangen – und stellte vor allem die Kontakte zu den Ensembles her, mit denen der Kammerchor Wladimir am Wochenende auftreten wird: zum Chorkreis St. Sebald sowie zum Kirchenchor und Kammerorchester von Herz Jesu.

Tatjana Grin

Wie erfolgreich die Netzwerkarbeit des Musikers – selbst Organist und Sänger – wirkt, zeigte sich gestern in der gut gefüllten Kirche von Hetzles, wo sich Tatjana Grin und ihr Chor wahre Beifallsstürme ersangen. Verdient!

Hetzles 13

Mit nur kleinen Verschnaufpausen während der kurzen Orgelimprovisationen führte die Dirigentin mit anmutigem Gestus ihr wohlpräpariertes Ensemble durch die geistlichen Meisterwerke der russischen Musikgeschichte von den Klassikern wie Sergej Rachmaninow oder Dmitrij Bortnjanskij bis zu zeitgenössischen Komponisten wie Jurij Falik oder Georgij Swiridow. Stets ein wenig zurückgenommen, verhalten, ohne die ganze Vokalkraft einzusetzen, um auch im wuchtigsten Forte und dessen Steigerungen im Tutti nicht die filigrane Eleganz der Stimmen in purer Lautstärke zu ersticken.

Kammerchor Wladimir, gesehen von Georg Kaczmarek

„Im Publikum saßen auch einige Sänger“, meinte Siegfried Brückner nach dem Konzert, „und die sind ganz schön neidisch.“ Kein Wunder bei einem Chor mit einem halben Dutzend Solisten, kein Wunder bei einem Ensemble, das so geschlossen auftritt und sich von den Zuhörern nach „Stille Nacht“ als Zugabe noch mit russischen Weihnachtsliedern und einem „Hoch sollt Ihr leben!“ verabschiedet.

Siehe auch hier: https://is.gd/Dlyc6c

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Raspew

Am Samstag, den 3. März, wird es wieder ein Konzert geben, auf das sich nicht nur die Freunde Wladimirs freuen dürfen: Der vielfach ausgezeichnete Kammerchor Raspew unter Leitung von Natalia Kolesnikowa tritt da nämlich um 19.00 Uhr in der Hugenottenkirche auf. Ein echtes Partnerschaftskonzert wird das, denn der Erlanger Kammerchor Vocanta, seit sechs Jahren freundschaftlich verbunden mit dem Ensemble aus Wladimir, wird an dem Abend ebenfalls auftreten.

Um schon ein wenig auf das Konzert einzustimmen hier aus der Feder von Peter Steger eine Kritik vom 25.01.2007, die seinerzeit, noch vor dem Blog, das Licht der Öffentlichkeit nicht erblicken sollte:

Ungeachtet des Wintereinbruchs war sie bis auf den letzten Platz gefüllt, die Kirche „Mariä Opferung“ in Poxdorf, wo nach gut zehn Jahren am 24. Januar der Kammerchor „Raspew“ aus Erlangens Partnerstadt Wladimir wieder ein bejubeltes Konzert gab. Das Ensemble unter Leitung von Natalja Kolesnikowa, die den Titel „verdiente Künstlerin Rußlands“ trägt, wurde auf vielen nationalen und internationalen Chorwettbewerben ausgezeichent, tritt in den größten Sälen Moskaus auf und kommt nun schon zum dritten Mal nach Franken, unmittelbar nach Abschluß einer Tournee in Dänemark.

Raspew

Der Abend, durch den der Partnerschaftsbeauftragte Peter Steger führte, begann mit der mediativen „Stillen Melodie“ von Sergej Rachmaninow, getragen von der sphärisch-feinen Stimme der Solistin Maria Ponomarjowa. Diesem lyrischen Auftakt folgten das wuchtige „Lied der Cherubim“ von Pawel Tschesnokow und das Juwel der russischen geistlichen Musik, „Höre, Gott, mein Gebet“ von Alexander Gretschaninow. Auch Kennern viel zu wenig bekannt sind die russischen zeitgenössischen Komponisten wie Georgij Swiridow und Roman Lebedjew, die Raspew mit brillanter Polyphonie präsentierte. Zwischen Schwermut und Ausgelassenheit schwang schließlich das Pendel bei den russischen Volksliedern und Romanzen. Hier hatte auch der Solist Wladimir Schmonin seinen stimmgewaltigen Auftritt in der Rolle eines Kutschers, der in der winterlichen Steppe vom Weg abkommt und erfriert. Das kontrastreiche Programm klang mit dem „Gschmarri“ (frei ins Fränkische übersetzt) von Walerij Gawrilin aus, ein Stück voller melodischer Akrobatik und überbordendem Gesangswitz. Da verwunderte es nicht, daß sich das Publikum mit stehenden Ovationen noch drei Zugaben, darunter das hinreißende „Neapolitanische Lied“ von Pjotr Tschajkowskij, erklatschte. „Raspew“ hat gut daran getan, sein Repertoire ganz auf russische Meister abzustellen, denn hier kann der Chor seine beeindruckenden Stärken voll ausspielen und Stücke zu Gehör bringen, die bei uns völlig zu Unrecht auf ihre Entdeckung warten.

Raspew

Erst ganz am Ende erfuhren die Konzertgäste aus den Dankesworten des Vorsitzenden des Kirchenrates, gemeinsam mit Inge und Thomas Zwiener für die perfekte Organisation des Abends zuständig, daß die Dirigentin Natalja Kolesnikowa an diesem Mittowch Geburtstag feierte. Ob der Chor sich deshalb besonders für seine inspirierte Leiterin oder doch mehr für das begeisterte Publikum angestrengt hat, bleibt dessen Geheimnis. Kein Geheimnis wird freilich bleiben, daß Poxdorf ein großartiges Konzert geboten bekam und die Veranstalter ein vielstimmiges „Kommt nur bald einmal wieder mit dem Chor!“ hören durften.

Das ist nun gelungen, wenn auch nicht für Poxdorf. Dafür ist der Chor zu hören am Samstag, den 3. März um 19.00 Uhr in der Hugenottenkirche, Erlangen, am Sonntag, den 4. März im Gottesdienst in St. Sebald, Erlangen, um 9.45 Uhr und um 17.00 Uhr in der evangelischen Stadtkirche, Neustadt an der Aisch.

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