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Posts Tagged ‘Gennadij Brajt’


Wünsche sind bei dem Besuch der Jugendgruppe aus Wladimir (s. http://is.gd/4iHSBL), die gestern wieder die Heimreise angetreten hat, keine offen geblieben. Nur an Zeit hat es gefehlt, wirklich allen Fragen nachzugehen. Ein Grund, bald in dieser oder einer anderen Zusammensetzung wiederzukommen und vor allem nun den Gegenbesuch der neuen deutschen Freunde vorzubereiten.

Spasatel Aßmus

Sergej Konstantinow, Alewtina Klimowa, Jekaterina Medwedjewa, Birgitt Aßmus, Swetlana Sokolowa, Gennadij Brajt

Dabei hatten sich die Gäste so manches doch anders vorgestellt. Zum Beispiel den Ablauf eines Empfangs im Rathaus, wo es statt des erwarteten steifen Protokolls ein angeregtes Frage- und Antwortspiel mit Bürgermeisterin Birgitt Aßmus gibt: von der Familienplanung bis hin zur Jugendpolitik.

Spasatel BDKJ

Gennadij Brajt, Jutta Schnabel, Amil Scharifow, Alewtina Klimowa, Swetlana Sokolowa, Jekaterina Medwedjewa, Rolf Bernard, Sergej Konstantinow

Die war dann in ihrer praktischen Umsetzung und vor allem der Anwendung in der Städtepartnerschaft auch Thema beim Treffen mit dem Bund der Katholischen Jugend in Deutschland, vertreten durch Jutta Schnabel und Rolf Bernard. Und schon war man übereins gekommen, beim nächsten Austausch die Organisation Retter und das Rote Kreuz Wladimir in die Programmplanung einzubeziehen. Denn genau nach dem haben die Erlanger gesucht, was diese Vereine in Wladimir bieten können: Zeltlager, Naturausflüge, Überlebenstraining. Im Gegenzug sollen im nächsten Sommer auch schon junge Leute aus den Reihen von Retter und Rotem Kreuz am Austausch in Erlangen teilnehmen. So schnell kann es gehen, wenn Partner zusammenpassen.

Spasatel BRK

Stefanie Wawra und Anna Kienreich lassen Gennadij Brajt bei der Jugendgruppe des BRK Erlangen-Höchstadt zur Ader

Das gilt nicht minder für die Jungendorganisation des Roten Kreuzes, wo man die Gäste nur zu Demonstrationszwecken zur Ader läßt. Nachdem das BRK Erlangen-Höchstadt das Fundament für die Zusammenarbeit mit den Rettungsorganisationen in Wladimir gelegt hat – und noch viel mehr! – ist es mehr als ein Anstandsbesuch, den die Gäste in der Henri-Dunant-Straße absolvieren. Denn ohne die Anstöße aus Erlangen, das darf man so sagen, gäbe es das Rote Kreuz in Wladimir nicht, könnten die Programme zur Ersten-Hilfe-Ausbildung und zur Häuslichen Pflege, an denen sich die Gäste alle ehrenamtlich beteiligen, nicht durchgeführt werden. Jetzt ist es an der jungen Generation des Bayerischen Roten Kreuzes, die Einladung in die Partnerstadt anzunehmen und das fortzuführen, was Jürgen Üblacker und Brüne Soltau so erfolgreich ins Werk gesetzt haben.

Spasatel DLRG

Gennadij Brajt an Bord der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft

Wißbegierig wie die ganze Gruppe ist, wollen sie aber auch im Laufe dieser Woche andere Rettungsorganisationen kennenlernen und mehr erfahren über die ehrenamtliche Arbeit in Deutschland. So bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, wo alles über und unter dem Wasser zu inspizieren ist, wo es gerade für die beiden Taucher, Gennadij Brajt und Sergej Konstantinow, vieles gibt, dem sie auf den Grund gehen und wo Stefanie Burhard und Serhat Uzun zeigen, was zu zeigen ist.

Spasatel Johanniter Katja und Sergej

Sergej Konstantinow und Jekaterina Medwedjewa mit Jennifer Kwapis bei den Johannitern

Da sind die Johanniter mit einer ähnlichen Struktur wie das BRK und doch wieder mit einem anderen Profil und einem in der Region einzigartigen Rettungswagen für Neugeborene.

Spasatel Johanniter Katja

Jekaterina Medwedjewa im Rettungswagen für Babys

Ob man sich da nicht bei Rettungsmaßnahmen ins Gehege komme, ob es da nicht Kompetenzstreitigkeiten gebe, Fragen über Fragen von jungen Leuten, die aus einem Land kommen, wo die Strukturen ganz anders sind, wo das Rote Kreuz zwar auf den Ambulanzen zu sehen ist, dahinter aber die Polikliniken stehen, wo bei Unfällen die Mitarbeiter des Katastrophenschutzministeriums ausrücken und die Feuerwehr tatsächlich nur Brandbekämpfung betreibt, wo alles noch viel zentralistischer geregelt ist, eben auch im Rettungswesen.

Spasatel Johanniter

Gruppenbild bei den Johannitern

Und wo die Strukturen von oben nach unten geordnet sind, wo das Ehrenamt, wie vor allem Alewtina Klimowa beklagt, vielfach bisher nur auf dem Papier stehe, etwa bei den Freiwilligen Feuerwehren.

Die Gruppe beim Technischen Hilfswerk mit dem Ortsbeauftragten, Bernd Völkel, 5. v.l.

Die Gruppe beim Technischen Hilfswerk mit dem Ortsbeauftragten, Bernd Völkel, 5. v.l.

Wo bisher eine ehrenamtliche Rettungsorganisation wie das Technische Hilfswerk nur schwer vorstellbar ist mit ihrem weltweiten Einsatz, der übrigens vor mehr als 20 Jahren auch einmal nach Wladimir führte. Damals, im Winter 1991/92 brachte das THW die zwei Heizkessel in die Partnerstadt, die bei Siemens UBMed nicht mehr gebraucht wurden und bis heute in Wladimir Dienst tun.

Spasatel Förderverein 1

Gruppenbild mit Mitgliedern des Fördervereins Rotes Kreuz Wladimir

Auch nicht nur auf dem Papier steht der Förderverein Rotes Kreuz Wladimir, der zu einem Abendessen einlud und hören wollte, was die jungen Gäste beruflich machen und ehrenamtlich für das Rote Kreuz tun. Rudolf Schwarzenbach war als ehemaliger Partnerschaftsreferent derjenige am Tisch, der dabei den Blick am weitesten zurück bis in die Anfänge der Zusammenarbeit mit Wladimir richten konnte. Er war es aber auch, der im 30. Jahr der Partnerschaft die Jugend leidenschaftlich aufrief, den Austausch unbedingt fortzusetzen. Darum braucht er sich freilich keine Sorgen zu machen. Junge Menschen wie Sergej Konstantinow, der dieser Tage in Erlangen seinen 25. Geburtstag feierte, wissen diese Möglichkeiten der Begegnung zu schätzen und die Aktiven in Erlangen zu würdigen – wie Barbara Wittig für ihr so wichtiges Amt der Kassenwartin im Förderverein.

Spasatel Förderverein 2

Sergej Konstantinow und Barbara Wittig

Dafür steht auch der Stadtjugendring, der schon in den frühen 80er Jahren die Begegnungen mit jungen Leuten aus beiden Städten in die Hände nahm. Und seit Heino Sand und Matthias Buggert sich im Rahmen des Partnerschaftsjubiläums persönlich in Wladimir auf die Suche nach neuen Kontakten gemacht haben, sind die Verbindungen wieder greifbar geworden.

Spasatel Stadtjugendring

Heino Sand, Swetlana Sokolowa, Jekaterina Medwedjewa, Sergej Konstantinow, Matthias Buggert und Alewtina Klimowa

Verbindungen, die längst auch Jena einbeziehen, von wo eine kleine Gruppe, begleitet von Anna Kulakowa, zu einer Europaveranstaltung zum Thema Jugendaustausch nach Erlangen gekommen war und mit der die Wladimirer einen Abend verbrachten und eine gemeinsame Bamberg-Fahrt unternahmen. Das Freiwillige Europäische Jahr, in dessen Rahmen Anna Kulakowa derzeit in Jena arbeitet, könnte auch für die Organisationen Retter und Rotes Kreuz Wladimir Möglichkeiten bieten. Man braucht sie nur zu ergreifen. Wie das geht weiß das Quintett jetzt.

Spasatel Jena

Die Gruppe mit Anna Kulakowa und den Gästen aus Jena

Doch es könnte endlich auch zu einem ganz neuen Fachaustausch kommen. Ein gelungener Anfang jedenfalls ist mit Jekaterina Medwedjewa gemacht. Die angehende Krankenschwester, die ehrenamtlich bei der Pflege von schwerkranken Patienten dem Roten Kreuz in Wladimir hilft, durfte  dank der spontanen Zustimmung der Leiterin, Gunda Kramer, einen ganzen Vormittag lang die Staatliche Berufsfachschule für Krankenpflege kennenlernen.

Spasatel Katja 1

Jekaterina Medwedjewa, Gunda Kramer und Natalja Schutzeichel

Geführt von der russischsprachigen Natalia Schutzeichel mit viel Sachverstand und Herzlichkeit – durch eine Vielzahl von Kliniken und Abteilungen, vertraut gemacht von der Erlanger Kollegin mit Ausbildungsschwerpunkten – und angeregt, aus diesem Antrittsbesuch eines Tages mehr zu machen: eine Zusammenarbeit mit der Wladimirer Fachschule für Krankenpflege. Warum es nicht endlich den Ärzten gleichtun, die seit drei Jahrzehnten die Verbindung zu Erlangen nutzen, um in so gut wie allen Fachbereichen zu hospitieren und voneinander zu lernen!

Spasatel DAV 1

Gennadij Brajt, Sergej Konstantinow, Jekaterina Medwedjewa, Christian Goldhagen, Alewtina Klimowa, Swetlana Sokolowa und Amil Scharifow

Aber nicht vom Lernen allein lebt der Mensch, vor allem nicht der junge. Er will auch etwas erleben, sich selbst erproben, seine Grenzen kennenlernen.

Spasatel DAV 2

Alewtina Klimowa

Das bietet der Deutsche Alpenverein mit seinen 6.500 Mitgliedern und all den Angeboten in der Halle, auf dem Gelände und natürlich draußen in der Natur.

Spasatel DAV 3

Jekaterina Medwedjewa, Swetlana Sokolowa, Christian Goldhagen, Alewtina Klimowa, Gennadij Brajt und Sergej Konstantinow

Christian Goldhagen, der sich einen ganzen späten Vormittag für die Wladimirer freihielt, weiß, wonach jungen Leuten der Sinn steht und kann für Kletterer und Boulder-Freunde Dinge zeigen, die es so in Wladimir – leider – bisher nicht gibt.

Spasatel DAV 4

Christian Goldhagen, gefesselt von Gennadij Brajt

Gennadij Brajt, der an die 20 verschiedene Knoten zu binden weiß, würde gern mit Alewtina Klimowa eine Gruppe für Bergrettung gründen. Auch wenn das nicht ganz das Metier des Alpenvereins ist, wollen die Gäste dennoch von dem neuen Kontakt profitieren und können sich beispielsweise vorstellen, ihre Bergfexe für ein Praktikum nach Umhausen zu schicken, wo die Erlanger Hütte lockt. Mancher Traum will eben gleich hoch hinaus. Aber das ist ja auch das Vorrecht der Jugend.

Spasatel DAV 6

Alewtina Klimowa in der Wand

Während der Rest der Gruppe noch in der Wand hängt, trifft sich Swetlana Sokolowa, Vorsitzende des Ortsverbands Wladimir der Partei-Organisation Junge Garde mit etwa 3.000 Mitgliedern, mit Rufus Buschart und Johannes Heunisch von der Jungen Union.

Spasatel DAV 7

Sergej Konstantinow, Amil Scharifow, Swetlana Sokolowa, Jekaterina Medwedjewa, Gennadij Brajt und Alewtina Klimowa

Bei allen Gemeinsamkeiten in der politischen Arbeit und im Kampf gegen das politische Desinteresse der Jugend hier wie dort gibt es auch große Unterschiede: Die Junge Garde kann ihre Mitgliedsbeiträge für eigene Projekte verwenden – besonders im Sozialen -, steht aber im Oben-Unten-Verhältnis zur Mutterpartei Einiges Rußland. Dafür hat sie den Vorteil gegenüber der Jungen Union, die einzige „Ausgründung“ der Partei zu sein und dadurch größere Aufmerksamkeit zu genießen. Mit spätestens 28 Jahren müssen sich die Jung-Gardisten endgültig für die Partei entscheiden, während man bei der JU bis Mitte 30 zum Nachwuchs zählt.

Spasatel JU

Johannes Heunisch, Swetlana Sokolowa und Rufus Buschart

Politische Agitation an den Hochschulen – Swetlana Sokolowa studiert im 3. Jahr an der Verwaltungsakademie – ist in Rußland gesetzlich untersagt, aber auf dem Umweg über die enge Zusammenarbeit mit Organisationen wie Rotes Kreuz oder die Selbsthilfeinitiative Swet kommt sie doch immer wieder an ehrenamtlich, sozial und politisch interessierte Altersgenossen heran, die sich möglicherweise auch für die Junge Garde gewinnen lassen. Für Wladimir hat die Jungpolitikerin, die sich von den Krawall-Aktionen der Jugendorganisation „Naschi – Die Unseren“ distanziert, mehr auf inhaltliche Überzeugungsarbeit setzt und beklagt, daß die Oppositionsparteien kaum praktikable Gegenkonzepte auf den Tisch legen, auf jeden Fall schon einmal ihre Erlanger Kollegen gewonnen. Noch steht der Kontakt am Anfang, aber schon ist da die Einladung nach Wladimir und zu den alljährlichen Jugendtreffen am Seligersee. Mancher Traum will eben gleich hoch hinaus…

P.S.: Ein besonderer Dank der Gäste geht übrigens an Amil Scharifow für die ausgezeichnete Vorbereitung des Programms und die Rundumbetreuung!

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Viel Zeit ließ sich die fünfköpfige Gruppe nach ihrer Ankunft in Nürnberg nicht. Kaum aus dem Flugzeug gestiegen und in der Jugendherberge einquartiert, ging es schon zum ersten Termin. Oder soll man besser Einsatz sagen? Denn fast so schnell vollzog sich alles, um nach dem Nachtflug noch am Vormittag die Feuerwehrwache zu besuchen, deren Leiter, Friedhelm Weidinger, die jungen Freunde aus Wladimir schon erwartete.

Alewtina Klimowa, Amil Scharifow, Friedhelm Weidinger, Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Sergej Konstantinow, Swetlana Sokolowa

Alewtina Klimowa, Amil Scharifow, Friedhelm Weidinger, Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Sergej Konstantinow, Swetlana Sokolowa

Bis zum Wochenende wird es in Begleitung von Amil Scharifow als Betreuer und Dolmetscher noch eine ganze Reihe solcher Einsätze geben: beim Bayerischen Roten Kreuz, bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, beim Technischen Hilfswerk – neben Treffen mit Jugendorganisationen, einem Empfang bei Bürgermeisterin Birgitt Aßmus und so manchem mehr. Denn viel lernen wollen die Gäste, vor allem im Bereich Katastrophenschutz und Rettungswesen und wie man dafür junge Ehrenamtliche gewinnt.

Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Swetlana Sokolowa, Alewtina Klimowa, Sergej Konstantinow

Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Swetlana Sokolowa, Alewtina Klimowa, Sergej Konstantinow

Sie alle nämlich arbeiten in dem Bereich und wollen noch mehr Gleichaltrige für den Freiwilligendienst gewinnen. Gennadij Brajt ist der einzige, der Erlangen schon von einem früheren Besuch kennt und deshalb auch als Primus inter pares auftritt, vor allem natürlich gegenüber seinem Schichtleiter, Sergej Konstantinow, mit dem zusammen er eines der fünf Dreierteams beim Wladimirer Katastrophenschutz bildet, die rund um die Uhr für Rettungseinsätze bereitstehen. Vorbereitet wird man für diese anspruchsvolle Arbeit in der Partnerstadt von der Organisation Retter, der Alewtina Klimowa nach sechsjähriger Zugehörigkeit und vor allem nach dem überraschenden Tod von Pjotr Ponassenko seit kurzem vorsteht. Vor der Aufgabe ist ihr noch ein wenig bange, aber sie will das Angebot sogar noch ausweiten auf Bergrettung, aber auch Freizeitgestaltung und Selbsterfahrung, um den Verein noch attraktiver für Jugendliche zu machen. Und dann sind da noch Jekaterina Medwedjewa, Schwesternschülerin im dritten Ausbildungsjahr, die ehrenamtlich beim Wladimirer Roten Kreuz beim Projekt „Licht des Guten“ hilft und schwerkranke Patienten pflegt, sowie die Studentin Swetlana Sokolowa, die „Politikerin“ in der Runde, Als stellvertretende Vorsitzende der Wladimirer Jungen Garde, der Nachwuchsorganisation der Partei Einiges Rußland, kümmert sie sich um das ehrenamtliche Engagement von Jugendlichen in allen denkbaren Bereichen – von der Ökologie über Bildung bis hin zum Sozialen. Damit sind wir auch wieder bei dem, was die Gruppe insgesamt verbindet. Sie alle wollen in der Partnerstadt Leben retten und Menschen helfen. Und das, so haben sie für sich entschieden, kann man am besten in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz. Doch davon hier in Ihrem Blog bald mehr. Jetzt lassen wir das Quintett erst einmal hier in Erlangen seine Erfahrungen sammeln.

Zum Vermächtnis von Pjotr Ponassenko geht es hier: http://is.gd/wUuViQ

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Bereits am Montag, den 27. Mai, flog eine kleine Gruppe, unter ihnen Matthias Buggert und ich, Heino Sand, vom Stadtjugendring Erlangen zusammen mit Peter Steger zum dreißigjährigen Partnerschaftsjubiläum nach Wladimir. Dessen russische Kollegin, Anna Makarowa, hatte für uns ein zweitägiges Vorprogramm zusammengestellt, bei dem wir neue Kontakte zu Organisationen, die internationale tätig sind bzw. den Austausch mit Erlangen anstreben, knüpfen konnten. Wir versuchen derzeit Partner für diese Gruppen zu finden. Ab Donnertag nahmen wir am offiziellen Jubiläumsprogramm teil.

Am Dienstag wurden wir von der Vorsitzenden des Euroklubs Wladimir, Jelena Kurizyna, im Hotel abgeholt und zunächst in ihre Geschäftsstelle gebracht. Der Euroclub ist eine landesweit tätige Organisation mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen andere Kulturen näherzubringen und internationale Kontakte zu vermitteln. Man hat bereits etliche Partnerorganisationen und Interessengruppen in Schulen (ab der 1. Klasse), Berufsschulen und an der Universität. Hier treffen sich Interessierte, meist betreut von Lehrern oder Studenten, um Projekte zu verschiedenen Themenbereichen aus Wissenschaft, Kultur, Sport, Ökologie usw. unter internationalem Gesichtspunkt zu planen. Der Euroclub veranstaltet zahlreiche internationale Begegnungen in Europa, zu denen die Mitglieder der Euroclub-Gruppen eingeladen werden.

In der Geschäftsstelle trafen wir auch Nikolaj, einen der wenigen Hauptamtlichen, der für die Partner-Organisation Dom Mira arbeitet. Dom Mira, zu übersetzen mit „Haus der Welt“ und / oder „Haus des Friedens“ (das Russische läßt diese Wahl offen), ist in etwa 50 Städten vertreten und  organisiert Kulturprogramme, Festivals und Wettbewerbe, die auch regelmäßig in Wladimir stattfinden. Mehrtägige Programme für Kinder und Jugendliche zu den Themen Photographie, russische Kultur, Tanzen oder Malerei finden jährlich oder jedes zweite Jahr in Wladimir statt. Dom Mira hat bereits zahlreiche Kontakte nach Europa, unter anderem auch in Erlangens Partnerstadt  Jena, und gerne hätte man auch einmal Gäste aus Erlangen bzw. würde selbst an Festivals in Erlangen teilnehmen.

Berufsschule

Heino Sand, rechts im Bild beim Besuch der Berufsschule

Am Nachmittag besuchten wir eine Berufsschule, wo wir vom Rektor und der Betreuungslehrerin für die Euroclub-Gruppe begrüßt wurden. Hier bietet man für Jugendliche zwischen sechzehn und zwanzig Jahren eine zwei- bis dreijährige Ausbildungen für künstlerische Berufe an, wie traditionelle Holzmalerei, Kunstschreinerei, Modedesign. Die schönsten Werke kommen ins hauseigene Museum.  In der Euroclub-Gruppe treffen sich einige Schüler in der Freizeit. Diese Gruppe sucht Kontakte zu vergleichbaren Einrichtungen in Erlangen.

Kinderhaus Susdal

Kinderhaus Susdal

Anschließend ging es noch ins etwa 35 km entfernte Susdal. In dieser 10.000 Einwohner zählenden Stadt betreibt ein anderer Partner des Euroclubs eine offene Einrichtung für Kinder und Jugendliche, die hier ihre Freizeit verbringen können. Es gibt zahlreiche Interessengruppen besonders im kreativen und handwerklichen Bereich. Auch hier wird viel gemalt, gebastelt und getanzt.

Rotes Kreuz

Olga Dejewa, Heino Sand, Irina Sidorowa und Alwetina Klimowa beim Klub Retter

Am folgenden Vormittag brachte uns Olga Dejewa vom Roten Kreuz zum Einsatz- und Ausbildungszentrum von Spassatel („Retter“). Die Bergungs- und Katastrophenschutzorganisation ist Partner des Roten Kreuzes und in etwa mit dem THW, teilweise auch mit der Freiwilligen Feuerwehr in Deutschland vergleichbar. Aufgaben sind das Retten und Bergen bei Chemieunfällen, schweren Verkehrsunfällen oder ähnlichen Katastrophen, jedoch im Gegensatz zur deutschen Feuerwehr keine Brandbekämpfung. Hauptamtliche gibt es nur sehr wenige, aktiv sind vor allem Studenten und junge Erwachsene, die in ihrer Freizeit mitarbeiten. Ein wichtiger Aufgabenschwerpunkt ist die Ausbildung, u.a. auch für Sicherheitsbeauftragte von Firmen. Lose Kontakte zur Feuerwehr in Erlangen gibt es schon.

Retter

Zu besuch bei den Rettern: Pjotr Panassenko, Gennadij Brajt, Matthias Buggert, Olga Dejewa, Irina Sidorowa, Heino Sand, Alewtina Klimowa

Das Rote Kreuz in Wladimir ist eine rein ehrenamtliche Organisation. Am Rettungsdienst nimmt man nicht Teil, der wichtigste Bereich umfaßt Betreuungsdienste für behinderte und schwerkranke ältere Menschen, um den sich einige hundert Freiwillige, meist Schüler und Studenten, kümmern. Daneben gibt es auch einen Schulsanitätsdienst, den das Rote Kreuz betreut. Zwar gibt es bereits Kontakt zum Roten Kreuz in Erlangen, aber der soll noch enger und vielfältiger werden.

Universität

Universität Wladimir

Am Nachmittag ging es zunächst zur Universität. Sie entstand in der jetzigen Form erst vor einigen Jahren aus der Zusammenlegung zweier Hochschulen. Wir hatten eine Verabredung mit Galina Bobyljewa, der Dekanin der Fakultät für Fremdsprachen. Hier gibt es auch Studiengänge in Deutsch, die Beliebtheit von Deutsch hat allerdings in den letzten Jahren gelitten, Englisch wird hingegen immer beliebter. Kontakte bestehen derzeit „nur“ zum Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde bei der FAU, nun wird auch eine Zusammenarbeit mit den jeweiligen Lehrstühlen gewünscht.

Schultheater

Heino Sand und Matthias Buggert im Schultheater

Anschließend brachte man uns zu einer Schule (1. bis 10. Klasse). Das besondere an dieser Ganztagsschule: Sie hat ein angeschlossenes Internat und genießt speziell für die Abschlußklasse einen besonders guten Ruf. Nur noch etwa 10% der Schüler lernen Deutsch. Wegen des Internats gibt es auch besonders viele Freizeitaktivitäten, vor allem im kulturellen Bereich. Tanz-, Gesangs- und Theatergruppen haben ein sehr hohes Niveau, wovon wir uns überzeugen konnten. Auch eine Euroclub-Gruppe gibt es  an der Schule. In den Sommerferien (immer vom 1. Juni bis Ende August) veranstaltet man ein mehrwöchiges Zeltlager, zu dem auch internationale Gäste eingeladen werden.

An dieser Schule, wie auch an einigen anderen gibt es eine Pfadfindergruppe der OJUR Scout Group Vladimir. Im letzten Jahr war man zu Gast in Erlangen, in diesem Jahr kommen Gäste vom Steinadler-Stamm aus Erlangen zum Zelten nach Wladimir.

Pfadfinder

Bei den Pfadfindern

Abseits vom offiziellen Programm trafen wir uns am Abend mit einem Pfadfinder und einer Gruppe, die wir im letzten Jahr in Erlangen kennengelernt hatten.

Für russische Jugendliche ist ein Besuch in Deutschland sehr attraktiv, das sagten uns alle. Schwierigkeiten gibt es vor allem mit der Finanzierung, Zuschüsse und Spenden sind schwierig zu bekommen, die Verfahren intransparent.

Der künstlerische Bereich ist in Wladimir gerade auch für Heranwachsende deutlich wichtiger als bei uns. In Schulen und Freizeitgruppen wird bis ins Erwachsenenalter getanzt, musiziert und gesungen, wie es das in Deutschland nur noch selten gibt. Das war nicht nur bei unseren Besuchen in den Gruppen, sondern auch im Rahmenprogramm des offiziellen Jubiläumsprogramms eindrucksvoll zu sehen. Schwierig wird es, für diese Interessengruppen geeignete Partner in Erlangen zu finden.

Heino Sand, Stadtjugendring Erlangen

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Stets einsatzbereit, wenn es um Wladimir geht: Felix Wasel, der bereits vor zwei Jahren in seiner Doppelfunktion als ehrenamtlicher Mitarbeiter des BRK Erlangen-Höchstadt und hauptberuflicher Feuerwehrmann in Erlangen die Partnerstadt besucht hat. Gennadij Brajt und Pjotr Ponassenko von der Organisation „Retter“ kennen und schätzen ihn seit damals und schließen ihn buchstäblich in ihre Arme, bevor der gemeinsame Arbeitstag beginnt.

Pjotr Ponassenko, Felix Wasel, Gennadij Brajt vor dem Erlangen-Haus

Früh am Morgen beginnt der Arbeitstag auch an der Wladimirer Filiale der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Staatsdienst, direkt dem Präsidenten der Russischen Föderation unterstellt. Wer etwas werden will als Beamter, macht hier seine Verwaltungsausbildung und nimmt alle drei Jahre an Fortbildungskursen teil. Seit zwei Jahrzehnten gibt es diese Hochschule, deren Besuch und Abschluß freilich nicht zwingend in die Amtsstuben führen muß, denn die drei Fakultäten – Recht, Wirtschaft und Verwaltung – bieten den derzeit 4.500 Studenten auch beste Chancen für eine Karriere in der Wirtschaft. Sogar bis in die Raumfahrt kann von hier aus aufsteigen, wovon nicht nur die Rakete auf dem Vorplatz der Akademie, sondern auch die enge Zusammenarbeit mit dem „Sternenstädtchen“ bei Moskau zeugt.

Wissenschaftlicher Neustart für Wiktor Malygin, ganz rechts.

Einen Neustart macht hier ein alter Bekannter und Träger der Partnerschaft. Wiktor Malygin, bis zur Fusion der beiden Wladimirer Universitäten vor zwei Jahren Rektor der Pädagogischen und Geisteswissenschaftlichen Universität und dann Leiter der Fremdsprachenabteilung an der neugeschaffenen Hochschule, hat nun zwar nicht das Fach, aber den Arbeitgeber gewechselt und ist seit Anfang des Monats an der Akademie zuständig für Russisch, Deutsch, Englisch und Franzöisch. Ihm zur Seite steht übrigens ebenfalls ein verdienter Mitstreiter der deutsch-russischen Freundschaft: Alexander Illarionow, Direktor für Wissenschaftliche Arbeit und früherer Bürgermeister von Susdal, der Partnerstadt von Rothenburg. Nun sucht die Akademie nach einer Hochschule in Deutschland, die zu ihrem Profil passen könnte, denn bisher hat man nur mit China und den USA einen regelmäßigen Austausch. Doch das wird sich hoffentlich bald ändern.

Larissa Wyssozkaja, Dieter Rossmeissl, Ursula Lanig, Birgitt Aßmus, Gabriele Kopper, Anna Makarowa, Natalia Judina.

Enger sollen auch die Kontakte zum Institut für Kunst an der Staatlichen Universität werden. Larissa Wyssozkaja, die Dekanin, kann sich da viele Formen der Zusammenarbeit vorstellen und wird von Prorektorin Natalia Judina darin voll unterstützt. Aber auch die Gäste lassen sich von der Begeisterung anstecken, und wenn die Deutsche Botschaft in Moskau rasch genug ein Visum ausstellt, kann schon am 2. Oktober ein erster Kontakt zu der Design-Szene der Metropolregion Nürnberg hergestellt werden. Dieter Rossmeissl, Referent für Kultur, Jugend und Freizeit, jedenfalls lädt schon einmal herzlich ein.

Larissa Wyssozkaja mit einem ihrer Ensembles

Ein erstaunlich vielseitiges Konzertprogramm schließlich überzeugt alle: In dem Kontakt ist Musik drin. Von der Klassik bis zu Jazz-Standards feinster Güte. Was hier an Talentförderung betrieben wird, macht staunen und Lust auf Austausch mit Ensembles und Bands aus Erlangen, möglichst schon im Jubiläumsjahr 2013. Ideen gibt es schon viele. Und wenn es nach den neuen Freunden geht, wird aus denen auch etwas. Das haben sie sich versprochen.

Gabriele Kopper, Birgitt Aßmus, Dieter Rossmeissl, Oberschwester Swetlana Dsjuba, Alexander Bersenjew und Ursuala Lanig vor dem Kleinbus, gespendet von Lions Erlangen und Stiftung Lichtlblick.

Versprochen sind auch neue Kontakte für Alexander Bersenjew, den Chefpsychiater der Region Wladimir, und seinen Blauen Himmel, das Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik. Wenn der Arzt im November nach Erlangen kommt, soll er möglichst viele Einrichtungen kennenlernen, wo mit Kindern gearbeitet wird, die an psychischen Erkrankungen leiden oder in ihrer Entwicklung verzögert sind.

Gruppenbild mit Kinder im Blauen Himmel

Wie gut die Betreuung der Kinder im Blauen Himmel ist, erleben die Gäste spätestens beim Treffen mit der Gruppe, die gerade Tanz und Bewegung auf dem Programm hat, bevor es wieder hinaus in die Natur oder in die Werkstatt geht. Von einem der letzten Ausflüge in den Wald haben die Kinder übrigens eimerweise Steinpilze in den Blauen Himmel gebracht. Kein Wunder, wenn da der Abschied nach zwei Wochen Aufenthalt in dem Zentrum jedes Mal jedem schwerfällt.

Im Märchenzimmer des Pionierpalastes

Kinder und ihre krative Entwicklung stehen auch im Zentrum des Pionierpalastes, wo sich Dutzende von Gruppen zusammenfinden, die alle ein Ziel haben: ihre Talente möglichst vielseitig zu entwickeln. Vom Modellbau über Tanzen bis zur Botanik, vom Kleinzoo bis zur Geschichtswerkstatt findet man alles nur Denkbare aus den Bereichen Kultur, Sport, Gesellschaft oder Technik. Ein Labor der Möglichkeiten nicht nur für Kinder und Jugendliche – 4.000 sind es, die hier von 90 Fachkräften betreut werden -, sondern auch für die Zusammenarbeit mit Erlangen, zumal hier die technischen Voraussetzungen auf 11.000 m² Fläche gegeben sind, um alles von Theateraufführungen bis zu Konzertveranstaltungen auszuprobieren.

Dieter Rossmeissl, Gabriele Kopper, Ursula Lanig, Birgitt Aßmus und Irina Tschistjakowa vor der Rosenkranzkirche

An den Gästen aus Erlangen wird im Anschluß an den Besuch gleich auch noch ein neues Programm getestet. Irina Tschistjakowa, deren Arbeit hier im Blog unter der Rubrik „Deutsche in Wladimir“ in der Kategoriewolke zu finden ist, hat mit ihrem Arbeitskreis von bis zu 70 an der Stadtgeschichte interessierten Jugendlichen eine Route durch Wladimir erstellt, die zu den vielen, meist unbekannten Wirkungsstätten von Deutschen führt. Darunter viele von Deutschen erbaute Häuser, aber auch das einzige noch erhaltene Lagergebäude, wo deutsche Kriegsgefangene untergebracht waren, die Auferstehungskirche. Viel Material für das Thema „Deutsche in Wladimir“, demnächst in Ihren Blog vorgestellt. Versprochen! Und – ja, die Premiere dieser Tour von Irina Tschistjakowa ist gelungen und kann in Serie gehen.

Ursula Lanig, Gabriele Kopper, Birgitt Aßmus, Itrina Tschistjakowa und Dieter Rossmeissl. vor der Auferstehungskirche.

Doch der Tag ist noch lange nicht zu Ende. Im Erlangen-Haus werden die Gäste von Jugendlichen erwartet, die im August in Erlangen waren – auf Einladung des Jugendparlament – und dort Bürgermeisterin Birgitt Aßmus ein Wiedersehen versprochen haben. Weit über die vorgesehene Zeit hinaus bleibt man zusammen, um Fragen zu diskutieren: junge Familien und deren Förderung, Jugend und Politik, Frauen und Beruf… Genug Stoff für eine Fortsetzung des Dialogs.

Jugendtreff im Erlangen-Haus

Ein gelungener Tag, ein gelunges Programm, so das einmütige Fazit nach dem ersten Tag. Das freut natürlich auch die Gastgeber. Besonders Kirill Kowaljow.

Gabriele Kopper, Kirill Kowaljow, Irina Chasowa, Ursula Lanig, Birgitt Aßmus, Dieter Rossmeissl.

Der Stadtrat, zuständig für den Ausschuß Jugend, Kultur, Sport,  Religion, Soziales und Bildung, kennt Erlangen noch nicht aus eigener Anschauung, hat aber im Juni an dem Kongreß des Deutsch-Russischen Forums in Stuttgart teilgenommen und dort gemeinsam mit dem Partnerschaftsbeauftragten, Peter Steger, die Zusammenarbeit vorgestellt. Nun hat er von Bürgermeisterin Birgitt Aßmus die offizielle Einladung erhalten, und man wird Kirill Kowaljow wohl schon bald in Erlangen erwarten dürfen. Ein gelungener Tag eben mit viel Ausblick auf eine gemeinsame Zukunft.

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Empfang mit Bürgermeister Gerd Lohwasser

Heute geht der Besuch der drei Fachleute für Brandbekämpfung, Lebensrettung und Katastrophenschutz, Pjotr Ponassenko, Pawel Litow und Gennadij Brajt zu Ende, ein Besuch, der hinsichtlich der Programmdichte und Themenvielfalt aber auch der Exkursionen – Stichwort Jena – einen besonderen Stellenwert hatte. Das zeigt sich auch darin, daß die Delegation von Bürgermeister Gerd Lohwasser, zuständig für Brand- und Katastrophenschutz, im Rathaus empfangen wurde, der übrigens den Austausch zwischen den Feuerwehrleuten persönlich bei seinem Besuch in Wladimir Ende vergangenen Jahres angeregt und die Einladung gemeinsam mit Jürgen Üblacker, Direktor des BRK Erlangen-Höchstadt, ausgesprochen hatte. Er kann mit dem, was aus seinem Impuls geworden ist, vollauf zufrieden sein, denn sowohl fachlich als auch menschlich sind nun viele neue Wachen der Partnerschaft entstanden, die das Feuer der Freundschaft hüten werden.

Maximilian Wolt, 3. v.l., zeigt die Fertigung bei Lukas

Einer dieser Hüter der Freundschaft ist zweifelsohne Felix Wasel, der für seinen großartigen ehrenamtlichen Einsatz im Vorjahr von den Gästen mit einer Dankurkunde belohnt wurde. Hochverdient, denn er nahm sich auch die ganze Woche Urlaub, um die Delegation – u.a. auch als Fahrer – zu begleiten, sei es nach Jena oder Bubenreuth, nach Nürnberg zur integrierten Rettungsleitstelle und zum Technischen Hilfswerk, das schon 1991 in Wladimir war, um die beiden Heizkessel in die Partnerstadt zu bringen, die noch heute treu ihren Dienst tun. Oder zur Fa. Lukas in Eltersdorf. Hier zeigte Maximilian Wolt, Vertriebsleiter für Osteuropa, die Stärken des deutschen Mittelstands. Seit 1945 stellt man am Standort Erlangen hochspezialisiert all die komplexen Gerätschaften her, deren Namen kein Laie kennt, die aber für Feuerwehr und THW unverzichtbar sind und im Einsatz bei Bränden und Unfällen durch ihre Präzision und Zuverlässigkeit schon ungezählte Leben gerettet haben. Auch gestern in Fulda war Felix Wasel dabei, wohin Thomas Heideloff und Anton Schuster vom BRK eingeladen hatten. Die dortige RETTmobil, so Pawel Litow, später im Gespräch mit seinem Kollegen, Friedhelm Weidinger, „zeigte nicht nur Technik, von der man träumt, sondern auch Technik, die man sich im Traum nicht vorstellen kann.“

Gut lachen vor dem Einsatz

Noch einmal so richtig in ihrem Element aber war Pawel Litow am Mittwoch, als es abends in Großgeschaidt und Kleingeschaidt nach dem Besuch der Oberlandwache des BRK auf Einladung von Melitta Schön, der ehemaligen Bürgermeisterin von Heroldsberg und zweiten Vorsitzenden des BRK Erlangen-Höchstadt, zu einem Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren ging. Einsatzleiter Reinhard Stammberger nahm sich gemeinsam mit Hermann Friedrich, Vorstand der FFW Kleingeschaidt viel Zeit zur Erläuterung der Technik, vor allem aber auch der Struktur seiner Wehr. Für die Gäste immer wieder kaum zu glauben, daß all die vielen Aufgaben ehrenamtlich geleistet werden, daß in kleinen Dörfern wie diesen Ortsteilen von Heroldsberg die Feuerwehr nicht nur Helferin in der Not ist, sondern auch für Kultur und Tradition steht und vor allem auch in der Jugendarbeit wichtige Dienste leistet.

Reinhard Stammberger, Pawel Litow

Ob eigens für die Gäste arrangiert, wissen wir nicht, jedenfalls gab es am Ortsrand von Kleingeschaidt auch noch eine Übung. Zwei Verletzte sollten aus einer brennenden Scheune gerettet werden, außerdem war ein Brandherd in der Nähe des Gebäudes zu löschen. Ein Großeinsatz, den Pawel Litow aufmerksam verfolgte. In der anschließenden Manöverkritik mit Einsatzleiter Reinhard Stammberger dann viele Fragen nach Wasserdruck, Schlauchlängen, Strategie der Brandbekämpfung. Einiges hätte der Profi aus Rußland anders gemacht, aber unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten hielt die Arbeit der ehrenamtlichen Kollegen dem strengen Urteil des Gastes dann doch stand.

Pawel Litow

Nun muß er all die vielen Ergebnisse seiner einwöchigen Erkundungstour durch Deutschland zu Hause der Politik vorlegen. Und die muß bald zu einem Urteil und einem Entschluß kommen. Einfach eins zu eins, das zeigte sich schon sehr bald, wird man das System der Freiwilligen Feuerwehren aus Deutschland nicht übernehmen können, aber etwas in die Richtung wird schon bald geschehen müssen. Vielleicht, wie Pawel Litow meint, zunächst mit einigen materiellen Anreizen, etwa mit einer gewissen Vergütung für geleistete Einsätze, wie das übrigens, wie Friedhelm Weidinger anmerkt, auch im Bundesland NRW üblich ist. So ein Anreiz könnte im übrigen auch ein Fahrzeug sein, wie es Horst Distler, Fahrdienstführer der Bereitschaft Motorradstreife des BRK, stolz präsentiert. Damit macht es einfach mehr Freude, anderen zu helfen.

Wasser marsch

Geschehen jedenfalls muß etwas in Rußland. Vor allem aber in den Köpfen der Menschen. Noch immer nämlich entstehen die allermeisten Feuer durch Leichtsinn, um nicht zu sagen durch Fahrlässigkeit und Unvernunft. Allein in den Tagen ihres Besuchs in Deutschland rückten in der Region Wladimir mehr als 200 Mal Feuerwehrleute aus, um Brände von Gartenabfällen zu löschen, die drohten auf Wiesen und Wälder überzugreifen. Allein im April des Vorjahres, wo es nicht besser aussah, wurden so Sachwerte von insgesamt neun Millionen Rubel gerettet. Aber fast alle Appelle, sich an das Verbot von offenem Feuer zu halten, gehen ins Leere. Nicht einmal immer höhere Strafen schrecken ab: bis zu 3.000 Rbl. für den Privatmann, bis 100.000 Rbl. für juristische Personen.

Pawel Litow, Hermann Friedrich, Horst Distler

Und dann brennt auch schon wieder der Torf… Zwei Brände wurden am 12. Mai im Kreis Gus-Chrustalnyj entdeckt, kurz darauf vier weitere Herde in den Kreisen Sobinka und Seliwanowo. Alle noch eingrenzbar, alle noch auf einer Fläche von nicht mehr als einem Hektar, aber schon gibt es Stimmen, die befürchten, es könne wieder zu ähnlichen Großbränden wie im Vorjahr kommen. Doch man ist auf der Hut und hat dazugelernt. Seit Tagen schon sind Hubschrauber und Flugzeuge im Einsatz, und ungefähr 150 Kontrollgänge am Boden fanden bereits statt. Und es gibt mehr Geld für Technik: Fast 70 Mio. Rbl. stellt Moskau der Region Wladimir zur Verfügung, und das Gouvernement legt weitere fünf Millionen drauf, um die Ausstattung der Einsatzkräfte zu verbessern.

FFW Kleingeschaidt

Zu spät kommen diese Maßnahmen für die acht Menschen, die allein in der vergangenen Woche bei 30 Wohungs- und Hausbränden in der Region ihr Leben verloren haben. Das schlimmste Feuer tobte in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai in einer Gartensiedlung bei Wladimir. Ein zweistöckiges Haus brannte vollständig nieder; die Flammen löschten eine ganze Familie aus, auch das Leben eines vierjähriges Mädchens. Daß das Feuer vom Haus der Moskauer Sommergäste nicht auf andere Datschen übergriff, ist wohl nur dem starken Regen zu verdanken, der in dieser Nacht fiel. Niemand weiß, ob eine Freiwillige Feuerwehr, am Stadtrand einsatzbereit, schneller hätte eingreifen und das Schlimmste verhüten können, aber darüber nachzudenken lohnt. Mehr noch, es ist einen Versuch wert. Die Freunde von den Feuerwehren aus Erlangen, Jena, Heroldsberg, Bubenreuth und Möhrendorf, unterstützt vom BRK Erlangen-Höchstadt und dem THW stehen jedenfalls allzeit bereit.

Pawel Litow, Friedhelm Weidinger

Die Gäste werden sich heute verabschieden. Voller Dankbarkeit für die Gastfreundschaft. Danken wollen sie besonders zwei Frauen, die stets im Hintergrund blieben und ohne die doch die Verständigung nicht geklappt hätte: Olga Chomutow und Nadja Steger, beide vom Roten Kreuz für die Betreuung frei- und abgestellt. Bei all den ungewohnten Fachbegriffen war die Aufgabe gewiß nicht immer leicht, aber dennoch haben sich Russen und Deutsche gut verstanden. Спасибо also an die beiden, über die auch dieses Gespräch zwischen Pawel Litow und seinem Erlanger Kollegen, Stadtbrandrat und Chef der Berufsfeuerwehr, Friedhelm Weidinger, am gestrigen Abschiedsabend beim BRK lief. Gut gemacht!

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Russischer Grabstein auf Zentralfriedhof

In der Geschichte der Deutschen und Russen gibt es ein besonderes Datum. Der Tag der erst spät in der Nacht des 8. Mai 1945 abgeschlossenen Unterzeichnung der Kapitulation des Dritten Reiches durch alle Seiten fällt wegen der Verschiebung von zwei Stunden nach Moskauer Zeit auf den 9. Mai. Begangen wird er seither in der Sowjetunion und in den Nachfolgestaaten der UdSSR als Tag des Sieges, als Fest der Einheit einer Völkergemeinschaft, die zweifellos den schwersten Anteil der Last am Zweiten Weltkrieg zu tragen hatte, handelte es sich doch beim Unternehmen Barbarossa um einen Vernichtungsfeldzug. Die Opferzahlen sind so unvorstellbar hoch, daß sie vielleicht erst greifbar und begreifbar werden, wenn man sie am Beispiel der Region Wladimir, die ja hinter der Frontlinie lag, verdeutlicht: Von 300.000 Einberufenen kehrte kaum mehr als die Hälfte von der Front zurück. Welch ein Blutzoll eines Volkes, für das von den Faschisten buchstäblich die Versklavung vorgesehen war. 1.284 Frontkämpfer leben heute noch in der Partnerstadt und begingen den Tag des Sieges am Ehrenmal für den Unbekannten Soldaten.

Siegfried Balleis an den Russengräbern

Die drei Gäste, von denen gestern bereits im Blog die Rede war, zeigten sich gemeinsam mit ihren Gastgebern tief bewegt von der Kranzniederlegung zum 9. Mai an den Russengräbern auf dem Erlanger Zentralfriedhof. Eine Gedenkstätte für die sowjetischen Opfer des Zweiten Weltkrieges – vor allem Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter – gibt es zwar (noch) nicht, aber die beiden Sarkophage mit den sterblichen Überresten von 271 in Erlangen verstorbenen russischen Kriegsgefangenen aus dem Ersten Weltkrieg verfügen auch nach all den Jahrzehnten über genug Symbolkraft für Gesten des Gedenkens und der Versöhnung.  Eine Besonderheit dieser vom Friedhofsamt gepflegten Stätte liegt übrigens darin, daß die Anlage für die „in der Heimat nicht mehr betrauerten Opfer der Pflicht“ von den Überlebenden der Gefangenschaft selbst errichtet werden konnte.

Wolfgang Morell, Fritz Wittmann, Hans Gruß, Jürgen Üblacker, Rudolf Schwarzenbach, Melitta Schön

Auch wenn das Kriegsende zumindest in dem Jahr – und der 9. Mai erst recht – in Deutschland kaum mehr im öffentlichen Bewußtsein erlebt wird, waren gestern die Teilnehmer der Zeremonie, darunter auch die Veteranen Wolfgang Morell und Fritz Wittmann, doch tief ergriffen. Umrahmt von Fahnenträgern des Bayerischen Roten Kreuzes, der Freiwilligen Feuerwehr Erlangen, des Soldaten- und Kriegerbundes Möhrendorf-Kleinseebach und der Stadt Wladimir, erinnerte sich Oberbürgermeister Siegfried Balleis an seine beiden Reden genau vor einem Jahr in der Partnerstadt und beschwor den Geist der Verständigung und Zusammenarbeit. Unvergessen für ihn, wie unzweideutig die Russen zwischen dem deutschen Volk und der Clique von Faschisten unterscheiden, die den Krieg vom Zaun gebrochen haben. Wie schon 2010 in Wladimir traf das Stadtoberhaupt intuitiv den richtigen Ton, geprägt weniger von den wohlgesetzten Worten als vielmehr von der spürbaren inneren Anteilnahme eines Mannes, dessen Vater selbst an der Ostfront eingesetzt und in sowjetische Gefangenschaft geraten war und danach ein russisches Blockhaus im Wald baute.

Pawel Litow, Siegfried Balleis

Siegfried Balleis muß nichts von all dem aussprechen. Die Gäste empfinden seine innere Nähe und Anteilnahme aus seinen Gesten heraus als ein Geschenk, das Pawel Litow, Chef der Feuerwehr von Wladimir und Susdal im Rang eines Majors, in seiner Erwiderung offenherzig zurückgibt, wenn er sagt: „Nach diesem Krieg gab es weder Sieger noch Besiegte. Wir waren alle Verlierer eines grausamen Krieges. Heute achten und schätzen wir die Deutschen und wollen mit ihnen auf allen Gebieten möglichst eng zusammenarbeiten. Wir danken dem Roten Kreuz, der Feuerwehr und der Stadtverwaltung für diese Geste der Versöhnung am heutigen Tag und für die Einladung in Ihre gastfreundliche Stadt.“ Und später im persönlichen Gespräch mit Siegfried Balleis: „Es ist eine Freude zu erleben, daß unsere Partnerstadt einen solchen Oberbürgermeister hat!“ Es gibt also wohl doch einen Sieger an diesem Tag: den Frieden zwischen unseren Völkern. Denn die Deutschen und die Russen haben den Krieg in ihrem Denken, Fühlen und Handeln besiegt.

Nach dem sonntäglichen Arbeitsbesuch in Jena galt es gestern, die Aufgaben der 70 Berufsfeuerwehrleute und 450 ehrenamtlichen Kräfte in Erlangen kennenzulernen. Auch wenn ein ganzer Tag dafür vorgesehen war und es sogar einen leibhaftigen Einsatz gab – s. Bericht in den Erlanger Nachrichten -, fehlte es doch an der Zeit, alle Fragen der Gäste zu beantworten, wißbegierig wie sie sind. Die Unterschiede der Systeme sind zu groß, um von beiden Seiten alles an einem Tag erklären zu können. Besonders dann, wenn auch noch ein Thema zu erkunden ist, das bis dato ja weitgehend unbekannt war in Rußland: die Freiwilligen Feuerwehren und deren Interaktion mit den Berufswehren.

Fritz Rösch, Felix Wasel und Bernd Schlee mit den Gästen

Anschauungsunterricht gibt es da in Möhrendorf mit seinen 4.500 Einwohnern und 54 freiwilligen Feuerwehrleuten. Ungläubig staunen die Gäste, als sie von Kommandant Bernd Schlee hören, bei Alarm rücke der erste Zug schon nach drei bis vier Minuten aus. Nur möglich freilich, weil viele der Ehrenamtlichen unmittelbar am Ort leben und arbeiten und jederzeit auf dem Sprung sind, weil zwei Fahrzeugwarte alles in Schuß halten, weil es einen Mannschaftsgeist gibt. Fragen über Fragen nach Anschaffungen, finanzieller Ausstattung, Ausbildung… Fragen aber auch an das eigene Land, an die eigene Politik. Wird es tatsächlich möglich, gerade auf dem Land, wo sie am dringendsten gebraucht wird, Freiwillige Feuerwehren gewissermaßen aus dem Nichts heraus zu gründen? Werden die Gemeindeverwaltungen die Mittel für Bauten, Fahrzeuge und Ausrüstungen zur Verfügung stellen?

Felix Wasel, Gennadij Brajt, Pawel Litow, Fritz Rösch, Pjotr Ponassenko, Bernd Schlee

Fragen, die auch später beim Gespräch in privater Runde mit Fritz Rösch, dem „Außenminister von Möhrendorf“, jederzeit einsatzbereit für die Partnerschaft, nicht beantwortet werden können. Dafür erklärt das langjährige Mitglied des Gemeinderats, im Brotberuf früher Feuerwehrmann in Erlangen, am von seiner Frau Anita reich gedeckten Tisch, was Möhrendorf seine freiwilligen Brandbekämpfer wert sind, die im Vorjahr 38 Einsätze hatten. Jahr für Jahr beschließt der Gemeinderat eine bestimmte Summe – gegenwärtig um die 80.000 Euro – für die laufenden Kosten der FFW. Aber die Ausgaben können auch mal bis zu einer Million Euro gehen, wenn ein neues Fahrzeug anzuschaffen ist. Summen, die den Gästen Sorgen bereiten, weil die kleineren Gemeinden und Dörfer im Wladimirer Land kaum Geld haben, um die bisherige Infrastruktur überhaupt instand halten zu können.

Die russische Fahne über den Dächern von Möhrendorf

Es gibt aber auch noch ein anderes Problem, das Pawel Litow, Pjotr Ponasenko und Gennadij Brajt umtreibt: Das Centre Européen du Volontariat (CEV) in Brüssel veröffentlichte im Sommer vergangenen Jahres Zahlen und Fakten zum freiwilligen Engagement in Rußland. Rund fünf Prozent der russischen Bevölkerung, etwa acht Millionen Menschen, engagierten sich ehrenamtlich in zivilgesellschaftlichen Organisationen. Rund vier Prozent seien in Parteien, Gewerkschaften, öffentlichen oder religiösen Organisationen aktiv und ein bis zwei Prozent in Nichtregierungsorganisationen. Bürgerschaftliches Engagement, aber auch das Mitarbeiterengagement in Unternehmen, wird der Analyse zufolge seit 2006 ein zunehmend wichtigeres Betätigungsfeld. Die Publikation, die im Rahmen der Serie „Facts and Figures on Volunteering in Europe“ erschienen ist, schildert die Entwicklung freiwilligen Engagements in Russland seit dem 18. Jahrhundert und beschreibt Grundzüge der Infrastruktur für Bürgerengagement in der russischen Föderation. Die von der Friedrich Ebert Stiftung im April 2010 veröffentlichte Studie „Zivilgesellschaft und bürgerschaftliches Engagement in Russland“ kommt zu anderen Ergebnissen und nennt nach Einschätzung von russischen Experten eine Ehrenamtsquote von einem halben bis einem ganzen Prozent als Schätzwert. Die offiziellen Zahlen, die für das Jahr 2009 rund 23% der russischen Bevölkerung als früher oder gegenwärtig an NGOs beteiligt angaben, seien zu hoch gegriffen. „Die russischen Bürgerinnen und Bürger sehen kaum Gestaltungsmöglichkeiten durch bürgerschaftliches Engagement, ihre Motivation hierzu ist in der Folge gering. Informelles Engagement, z. B. in Form von Nachbarschaftshilfe, findet sich jedoch häufig“, so die Autoren Susanne Lang, Alexandra Härtel und Michael Bürsch.

Genau hierin sehen auch die Wladimirer das Hauptproblem: Wie überzeugen und motivieren wir Menschen zu einem ehrenamtlichen Einsatz, der nicht selten Gefahr für Leib und Leben mit sich bringt? Der Weg mag noch lang sein, doch in der Partnerschaft kann man ihn immerhin gemeinsam gehen, Schritt für Schritt. So gibt es nur Sieger am Tag des Sieges wie im Alltag der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir.

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fw-6Unter diesem Motto rückt die Freiwillige Feuerwehr Bubenreuth aus und gibt das Leitmotiv des Besuchs von drei Gästen aus Wladimir vor, die für eine knappe Woche gekommen sind, um in Erlangen und Umgebung sowie in Jena Struktur und Wesen der Zusammenarbeit von Berufsfeuerwehr und den ehrenamtlichen Kräften kennenzulernen. Wenn Politiker von Städtepartnerschaften sprechen, führen sie als gelungene Beispiele der Zusammenarbeit über Länder- und Sprachgrenzen hinweg gerne den Austausch von Feuerwehrleuten an. Kaum zu glauben, aber für das Paar Erlangen – Wladimir galt dies bisher nicht. Sogar die Besuche der Berufskollegen aus Jena wurden in den letzten Jahren seltener, wenn man einmal von den mehr als zwanzigjährigen engen Kontakten der Freiwilligen Feuerwehr Alterlangen mit den Freunden von der FFW Jena-Zwätzen absieht. Das zu ändern, ist gestern Friedhelm Weidinger, Stadtbrandrat und Chef der Berufsfeuerwehr, zusammen mit den Besuchern aus Wladimir nach Jena gereist.

Pawel Litow, Gennadij Brajt, Felix Wasel, Pjotr Ponassenko

Doch der Reihe nach: Als im Dezember 2009 Melitta Schön, 2. Vorsitzende des BRK Erlangen – Höchstadt, und dessen Direktor, Jürgen Üblacker, Wladimir besuchten, stand auch ein Treffen mit dem Klub Retter auf dem Programm, der junge Leute in allen Bereichen des Katastrophenschutzes ausbildet und im Bereich Erster Hilfe eng mit dem Roten Kreuz der Partnerstadt zusammenarbeitet. Spontan wurde ein erster Austausch beschlossen, und schon im Herbst 2010 reiste Felix Wasel, ehrenamtlicher Mitarbeiter des BRK und der FFW Höchstadt, im Brotberuf Feuerwehrmann in Erlangen, nach Wladimir, um vor allem im Bereich Lebensrettung die Arbeit des Klubs kennenzulernen. Inzwischen aber hatten jene wüsten Waldbrände des vergangenen Sommers auch und besonders in der Region Wladimir gewütet, so daß nahelag, sich auch des Themas Brandbekämpfung anzunehmen.

Gennadij Brajt in Aktion beim BRK

Da verwundert es nicht, daß Pawel Litow, Feuerwehrchef der Partnerstadt, Pjotr Ponasenko, Leiter des Klubs Retter, und Gennadij Brajt, ausgebildeter Lebensretter, gleich nach der Landung in Nürnberg den Rest des Samstagvormittags beim BRK in der Henri-Dunant-Straße verbringen, um zu sehen, wie Ingrid Pyschny die Erste-Hilfe-Kurse organisiert, und um erste Informationen über das übrige breite Serviceangebot zu erhalten. „Bei so viel guter Arbeit“, so Pjotr Ponasenko, „steckt man die Nacht, die wir unterwegs waren, leicht weg. Nur schade, daß unser Rotes Kreuz in Wladimir noch immer so im Schatten steht und nicht die Reputation genießt, die sich das BRK hier erarbeitet hat.“ Doch erste Gespräche hat der Gast schon mit der neuen Stadtverwaltung geführt, und er ist sich sicher, es werde schon bald Änderungen zum Besseren geben. Freilich hat das BRK in all den Jahren des Aufbaus einer Rot-Kreuz-Struktur in Wladimir seit 1999 gelernt, viel Geduld zu entwickeln.

Die FFW Bubenreuth lädt am Nachmittag zum Tag der Offenen Tür. Eine ideale Gelegenheit, um hautnah zu erleben, was für eine Rolle diese ehrenamtlichen Brandbekämpfer im öffentlichen Leben und Bewußtsein spielen. Sie sind viel mehr als nur Retter in der Not, die ihre Freizeit dafür opfern, anderen Menschen zu helfen – eindrucksvoll bei einer Übung mit einem gestellten Unfall demonstriert -, sondern sie prägen auch das Vereinsleben und leisten einen gewaltigen Beitrag zum Wir-Gefühl einer Gemeinde. Dies wird sich so eins zu eins nicht nach Rußland verpflanzen lassen, wo diese freiwillige Tradition von den Sowjets schon vor 90 Jahren abgebrochen wurde. Es gab wohl auf dem Land und in Betrieben Wehren, die sich teilweise auch bis in die jüngste Vergangenheit hielten, nie mehr aber an das anknüpfen konnten und sollten, was es vor der Oktoberrevolution im Zarenreich gegeben hatte.

Frank Jauch, Friedhelm Weidinger, Gennadij Brajt, Pawel Litow, Pjotr Ponasenko, Michael Koch

In Wladimir, so Pawel Litow bei seinem gestrigen Vortrag in Jena, hatten sich bereits 1796 die ersten Feuerwehrleute zusammengetan, die dann 1845 die erste Wache mit einem Holzturm erbauten, von wo aus man Ausschau nach Brandherden hielt. 20% des städtischen Haushaltes gab man damals für die Feuerwehr aus, was sich auch lohnte, denn Wladimir brannte trotz der traditionellen Holzbauweise anders als andere Orte nie mehr ab. Ein eigens Orchester unterhielt man und genoß höchsten Respekt in der Gesellschaft. Heute sorgen 270 Berufsfeuerleute, verteilt auf acht Wachen, für den Brand- und Katastrophenschutz, seit 2007 Pawel Litow unterstellt, der auch für die Museumsstadt Susdal verantwortlich zeichnet. Neben den Löschzügen, die innerhalb der Stadt binnen zehn und auf dem Land innerhalb von zwanzig Minuten am Einsatzort sein müssen, stehen im Spezialfahrzeuge zum Schutz von zwei Flugplätzen und der Bahnstrecke sowie fünf Hubschrauber zur Bekämpfung von Waldbränden zur Verfügung. Anders als in Deutschland gibt es keine städtischen Wehren, der ganze Bereich wird vielmehr vom Katastrophenschutzministerium in Moskau zentral geleitet und finanziert. Es gebe zwar, so Pawel Litow, eine Empfehlung an die Kommunen, ihren Anteil zu leisten, aber wer komme schon gern einer unverbindlichen Aufforderung nach, Geld auszugeben…

Erlangen – Jena – Wladimir vereint

Das sieht in Jena anders aus. Frank Jauch, als Dezernent unter anderem zuständig für den Katastrophenschutz, stellt bei der Begrüßung in der Feuer- und Rettungswache, der sogenannten Südwache, zunächst einmal zu seinem eigenen Erstaunen fest, daß ihm die kyrillische Schrift auch nach 25 Jahren fehlender Praxis noch immer geläufig ist. Ein gelungener Einstieg in eine inhaltliche Zusammenarbeit, die schon bald konkrete Formen annehmen könnte. 100 Berufsfeuerwehrleute werden in Jena von 250 freiwilligen Kräften unterstützt. Bei denen aber, so Frank Jauch, werde man in Zukunft Abstriche machen müssen. Stichworte: demographischer Wandel, weniger lokale Bindung, fehlender Anreiz durch Wegfall der Wehrpflicht. Aber noch sei es so, daß von den zweieinhalb Millionen Einwohnern Thüringens nur 500.000 in Städten mit einer Berufsfeuerwehr leben. Wie sollte man da für die übrigen zwei Millionen eine Versorgung nur mit professionellen Kräften leisten? Viel Stoff für eine Zukunftsdiskussion.

Michael Koch und Pawel Litow

Für die Zukunft der Partnerschaft zeichnet sich aber in jedem Fall eine vielversprechende Perspektive ab. Gastgeber Michael Koch, Oberbrandrat und Fachdienstleiter der Feuerwehr Jena, spricht nicht nur fließend Russisch, er verspricht auch, gemeinsam mit seinem Erlanger Kollegen, Friedhelm Weidinger, Wladimir beim Aufbau einer Freiwilligen Feuerwehr zu unterstützen. Denn die ist politisch gewollt. Derzeit ist ein entsprechendes Gesetz in der dritten Lesung der Staatsduma, und Präsident Dmitrij Medwedjew hat sich nach der Brandkatastrophe vom Vorjahr das Thema persönlich auf die Agenda gesetzt. Es gibt sogar eine zwischenstaatliche Kooperation mit Deutschland, für die federführend Andreas Schockenhoff MdB verantwortlich zeichnet. In Berlin und Moskau sucht man gerade nach Städtepartnerschaften, die in dem Bereich Flagge zeigen, und da könnte das Dreieck Erlangen – Jena – Wladimir zeigen, was in ihm steckt. Partnerschaft arbeiten eben nicht nach dem Sankt-Florian-Prinzip, sondern soll anstecken.

Frank Jauch, Peter Schreiber, Jürgen Üblacker

Noch bis zum Freitag hat das Trio aus Wladimir Zeit, um die Arbeit der Kollegen in Erlangen und im Umland kennenzulernen, umsorgt und betreut vom BRK, dem man getrost die Patenschaft über das Projekt antragen darf. Nicht von ungefähr, das sei nachgetragen, reisten auch Jürgen Üblacker und Brüne Soltau, ehemaliger Vorsitzender des BRK Erlangen-Höchstadt, mit nach Jena, um Gespräche mit ihrem Kollegen, Peter Schreiber, zu führen, der bereits angekündigt hat, sich in Zukunft ebenfalls um die Zusammenarbeit mit Wladimir zu bemühen. Da könnte einiges in Gang kommen. Gut so und ganz im Sinne von Jenas Oberbürgermeister, Albrecht Schröter, der gerne davon spricht, daß Freunde und Partner einander nicht nur in die Augen sehen, sondern auch Ziele haben sollten, die sie gemeinsam ins Auge fassen.

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