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Posts Tagged ‘Gänserassen Rußland’


Susdal, Museumsdorf.

Am Montag ist Wolfram Howein von einer einwöchigen Reise nach Wladimir zurückgekommen, wieder voller Begegnungen im Erlangen-Haus, im Blauen Himmel, in der Rosenkranzgemeinde oder im Rathaus, um nur einige Stationen zu nennen. Überall gern gesehen als Berater und Freund, mitunter auch als Mäzen, wie bei der Einweihung des Zentrums für schwerbehinderte Kinder der Selbsthilfeorganisation Swet. Sein Besuch fiel in die Masleniza, den russischen Karneval, und wohl als erster Erlanger besuchte er die Gänseschlacht in Susdal, der sein Bericht gewidmet ist. Also auf sie mit Gebrüll oder besser Geschnatter:

Winterpuppe in Susdal

Die Butterwoche in Russland verläuft etwa zeitgleich mit der Faschingswoche bei uns und endet mit dem Sonntag der Vergebung, dieses Jahr am 26.2., an dessen Nachmittag dann eine große Puppe als Symbol des Winters verbrannt wird. In Susdal findet am Tag davor die Gänseschlacht statt, ein Fest das auch heuer wieder Tausende von Zuschauern aus allen benachbarten Städten und Regionen anlockte.

Familie Nikolajew

Ich wurde am Freitagmorgen um 10 Uhr von der Arztfamilie Nikolajew aus Gus Chrustalnyj abgeholt. Der Verkehr nach Susdal hatte schon Ausmaße angenommen, teilweise ging es nur mit Stop and Go voran. Über Schleichwege erwischten wir noch einen akzeptablen Parkplatz und machten uns bei leichtem Schneetreiben auf den Weg durch die tief verschneite Stadt.

Kunsthandwerk in Susdal

Der Platz vor den Handelsreihen war mit touristischen Verkaufsständen zugestellt, auf dem Weg zur Kathedrale kam das Angebot von Fahrten mit Pferdeschlitten dazu. Nach dem Überqueren der zugefrorenen Kamenka folgten dann die Stände mit Produkten für das leibliche Wohl, Bliny, Schaschlik, Tee und Honigwein wechselten sich ab. Ort des Geschehens war das Freiluftmuseum, vor dessen Tür eine ca. 6 m hohe Puppe die Fotografen anlockte und auf ihre Verbrennung am Sonntag wartete.

Pfahlklettern in Susdal

Im Museum war dann bereits alles im Fluss. Stände mit Handwerkskunst wechselten sich ab mit Aktionsflächen. Für Kinder und mit ihnen wurden russische Märchen gespielt. Russische Burschen zeigten ihre Muskeln in Kampf- und Geschicklichkeitsspielen. In einer mit Schnee aufgehäuften zentralen Arena wurde schließlich mit Musik und anderen Darbietungen auf die halbstündlich stattfindende Gänseschlacht aufmerksam gemacht. Als wir ankamen kletterte gerade ein junger Mann mit nackter Brust und bloßen Füßen einen hohen, mit Seife beschmierten Pfahl hinauf. Unter starkem Applaus kam er oben an und erhielt nach dem Abstieg einen Preis.

Gänseschlacht in Susdal

Danach kamen die Gänse. Jeweils 6 bis 8 Tiere von unterschiedlichen Züchtern wurden in die Arena gesetzt und herumgetrieben. Schon nach kurzer Zeit gingen die Leittiere aufeinander los, wohl um das Revier für die Familie zu sichern. Begleitet wurde das Getümmel von Geschnatter und Flügelschlagen der anderen Gänse, unterstützt durch die Zurufe des Publikums. Nach maximal 10 Minuten wurden die Tiere wieder eingesammelt. In den Armen ihrer Züchter waren sie schon bald wieder friedlich.

Pferdeschlitten in Susdal

Zweimal schauten wir dem Spektakel zu, dann ging es nach kleinem Imbiss zurück nach Wladimir, wo schon der B2-Deutschkurs auf die Teilnehmer aus der Familie Nikolajew wartete. Der Kurs bestand an diesem Tag darin, diese Eindrücke und andere Faschings- und Fastenbräuche in Russland und Deutschland bei Tee und Bliny auszutauschen. Die Kursteilnehmer freuten sich, mit mir als echtem Deutschen zu diskutieren, und als geborener Westfale konnte ich zu ihrem aktuellen Kursthema „Ruhrgebiet“ einige mundartliche und folkloristische Eigenarten dieser Region beitragen.

Wolfram Howein, Text und Photos

Susdal - Schaschlik und mehr

P.S.: Die Gänseschlacht wird zwar erst seit 2004 in Susdal ausgetragen, geht aber in ihrer Tradition weit zurück in die russische Geschichte. So wird überliefert, bereits Peter der Große habe das Schauspiel mit viel Leidenschaft verfolgt. Die Kämpfe locken neben Touristen auch Fachleute an, gilt doch Susdal als das Zentrum der Gänsezucht, das sich – noch – ein eigenes Institut für das liebe Federvieh und den Erhalt seltener Rassen leistet. Darunter die in Deutschland „Russische Gans“ genannte Züchtung für Schaukämpfe.
 

Susdal - Gänseschlacht

Die Kämpfe, das sei zur Beruhigung sensibler Tierfreunde gesagt, verlaufen unblutig. Die Ganter, die übrigens nur in Begleitung ihrer Hofdamen in Rauflaune geraten, zwicken und zwacken einander zwar nach Kräften, aber der Unterlegene muß schlimmstenfalls ein paar Federn lassen. Viel gefährlicher werden den Vegetariern, die sich ansonsten an Grünfutter und Schrot halten, bekanntermaßen der Fuchs und sein ärgster Nahrungskonkurrent, der Mensch.
 
Mehr zu den Gänsen von Susdal unter: http://www.youtube.com/watch?v=03PNt2wGzow und http://is.gd/mJs00d
 

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