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Posts Tagged ‘Friedhelm Weidinger’


Viel Zeit ließ sich die fünfköpfige Gruppe nach ihrer Ankunft in Nürnberg nicht. Kaum aus dem Flugzeug gestiegen und in der Jugendherberge einquartiert, ging es schon zum ersten Termin. Oder soll man besser Einsatz sagen? Denn fast so schnell vollzog sich alles, um nach dem Nachtflug noch am Vormittag die Feuerwehrwache zu besuchen, deren Leiter, Friedhelm Weidinger, die jungen Freunde aus Wladimir schon erwartete.

Alewtina Klimowa, Amil Scharifow, Friedhelm Weidinger, Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Sergej Konstantinow, Swetlana Sokolowa

Alewtina Klimowa, Amil Scharifow, Friedhelm Weidinger, Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Sergej Konstantinow, Swetlana Sokolowa

Bis zum Wochenende wird es in Begleitung von Amil Scharifow als Betreuer und Dolmetscher noch eine ganze Reihe solcher Einsätze geben: beim Bayerischen Roten Kreuz, bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, beim Technischen Hilfswerk – neben Treffen mit Jugendorganisationen, einem Empfang bei Bürgermeisterin Birgitt Aßmus und so manchem mehr. Denn viel lernen wollen die Gäste, vor allem im Bereich Katastrophenschutz und Rettungswesen und wie man dafür junge Ehrenamtliche gewinnt.

Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Swetlana Sokolowa, Alewtina Klimowa, Sergej Konstantinow

Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Swetlana Sokolowa, Alewtina Klimowa, Sergej Konstantinow

Sie alle nämlich arbeiten in dem Bereich und wollen noch mehr Gleichaltrige für den Freiwilligendienst gewinnen. Gennadij Brajt ist der einzige, der Erlangen schon von einem früheren Besuch kennt und deshalb auch als Primus inter pares auftritt, vor allem natürlich gegenüber seinem Schichtleiter, Sergej Konstantinow, mit dem zusammen er eines der fünf Dreierteams beim Wladimirer Katastrophenschutz bildet, die rund um die Uhr für Rettungseinsätze bereitstehen. Vorbereitet wird man für diese anspruchsvolle Arbeit in der Partnerstadt von der Organisation Retter, der Alewtina Klimowa nach sechsjähriger Zugehörigkeit und vor allem nach dem überraschenden Tod von Pjotr Ponassenko seit kurzem vorsteht. Vor der Aufgabe ist ihr noch ein wenig bange, aber sie will das Angebot sogar noch ausweiten auf Bergrettung, aber auch Freizeitgestaltung und Selbsterfahrung, um den Verein noch attraktiver für Jugendliche zu machen. Und dann sind da noch Jekaterina Medwedjewa, Schwesternschülerin im dritten Ausbildungsjahr, die ehrenamtlich beim Wladimirer Roten Kreuz beim Projekt „Licht des Guten“ hilft und schwerkranke Patienten pflegt, sowie die Studentin Swetlana Sokolowa, die „Politikerin“ in der Runde, Als stellvertretende Vorsitzende der Wladimirer Jungen Garde, der Nachwuchsorganisation der Partei Einiges Rußland, kümmert sie sich um das ehrenamtliche Engagement von Jugendlichen in allen denkbaren Bereichen – von der Ökologie über Bildung bis hin zum Sozialen. Damit sind wir auch wieder bei dem, was die Gruppe insgesamt verbindet. Sie alle wollen in der Partnerstadt Leben retten und Menschen helfen. Und das, so haben sie für sich entschieden, kann man am besten in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz. Doch davon hier in Ihrem Blog bald mehr. Jetzt lassen wir das Quintett erst einmal hier in Erlangen seine Erfahrungen sammeln.

Zum Vermächtnis von Pjotr Ponassenko geht es hier: http://is.gd/wUuViQ

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Ende Juli trafen sich in Wladimir die Freiwilligen Feuerwehren aus ganz Zentralrußland mit immerhin gut 38 Millionen Einwohnern in achtzehn Regionen zum Kräftemessen. Jedes Gouvernement hatte eine Auswahlmannschaft geschickt, die innerhalb von zwei Tagen bei Übungen zeigen sollte, wie schnell sie bei Löscharbeiten einsatzbereit ist, wie sie bei Rettungsmaßnahmen zu Werke geht, und wie sie sich insgesamt zu präsentieren versteht. In der Gesamtschau dieser Einsatzübungen überzeugten die Gastgeber am meisten und verwiesen die Kollegen aus den Regionen Tula und Woronesch auf die Plätze. Es ist aber wohl nicht immer so bierernst zugegangen, denn sogar eine Humorstaffel gab es im Nebenprogramm. Auch bei der schnitten die freiwilligen Feuerwehrmänner von Wladimir mit einem dritten Platz bestens ab.

Dieter Rossmeissl, Ursula Lanig, Gabriele Kopper, Felix Wasel, Birgitt Aßmus, Anna Makarowa, Pawel Litow und Friedhelm Weidinger bei der Wladimirer Berufsfeuerwehr im September 2012

Dieter Rossmeissl, Ursula Lanig, Gabriele Kopper, Felix Wasel, Birgitt Aßmus, Anna Makarowa, Pawel Litow und Friedhelm Weidinger bei der Wladimirer Berufsfeuerwehr im September 2012

Wenn man bedenkt, daß der damalige russische Präsident, Dmitrij Medwedjew, erst 2011 nach den verheerenden Waldbränden in ganz Zentralrußland Freiwillige Feuerwehren einrichten ließ, ist deren rasche Entwicklung schon erstaunlich. Zu diesen Erfolg hat übrigens auch der Erfahrungsaustausch mit Deutschland beigetragen. Im Falle von Wladimir waren und sind das Erlangen und Jena. Michael Koch, der Feuerwehrchef von Jena, war gemeinsam mit der offiziellen Delegation Ende Mai / Anfang Juni wieder in der Partnerstadt, und sein Erlanger Pendant, Friedhelm Weidinger, wird sich auch mit den russischen Kollegen freuen, ist er doch selbst Feuer und Flamme für diesen so gelungenen Fachaustausch. Gratulation an Pawel Litow und seine Mannen von Birgitt Aßmus, als Bürgermeisterin in Erlangen zuständig für den Katastrophenschutz.

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Am Sonntag war endlich auch Zeit für private Unternehmungen, Zeit für den einen oder anderen Einkauf oder Bummel, Zeit für die Erkundung der Stadt auf eigene Faust und natürlich auch Zeit für die Fahrt nach Susdal, auch wenn sich das Wetter zunächst alles andere als einladend gebärdete.

Sergej Sacharow, Birgitt Aßmus und Igor Schamow im Erlangen-Haus.

Es steht aber auch noch ein wichtiges Arbeitstreffen mit Bürgermeister Sergej Sacharow an, der erst tags zuvor von einer Dienstreise in den hohen Norden Rußlands zurückgekehrt war. Die Satzung der Stiftung Erlangen-Haus ist in die Jahre gekommen – immerhin wurde sie 1995 beschlossen – und muß nun der aktuellen Gesetzgebung angepaßt werden. Keine dramatischen Änderungen, eher doch Neuerungen, die vor allem durch ihre Personen Akzente auf Kontinuität setzen. So wird Irina Chasowa, seit Beginn dieses wichtigsten Partnerschaftsprojekts dabei und gemeinsam mit Peter Steger Geschäftsführerin, einstimmig zur Direktorin des Erlangen-Hauses ernannt, und in den neuerdings notwendigen Beirat beruft der Vorstand – ebenfalls einstimmig – zwei Männer, die sich in besonderer Weise um dieses Dach für die Bürgerpartnerschaft verdient gemacht haben: Wladimirs Altoberbürgermeister Igor Schamow und Helmut Schmitt, den scheidenden Leiter des Bürgermeister- und Presseamts der Stadt Erlangen.

Birgitt Aßmus und Sergej Sacharow

Aber auch das Partnerschaftsjubiläum – 30 Jahre Freundschaft werden vom 29. Mai bis 2. Juni 2013 in Wladimir gefeiert – ist Thema der Sitzung. Hierzu freilich soll noch nicht zu viel verraten werden. Ein wenig Spannung darf ruhig sein. Nur so viel: Die Kultur- und Sportveranstaltungen werden besonders stark die Jugend einbeziehen und sich um den Internationalen Kindertag am 1. Juni ranken. Kein schlechtes Vorzeichen für die Zukunft der Partnerschaft und die fortwährende Erneuerung der Beziehungen.

Dieter Rossmeissl, Larissa Wyssozkaja, Pawel Litow, Betreuerin Marina Sidorenkowa, Friedhelm Weidinger, Felix Wasel

Bei der Vielfalt des Besuchsprogramms – eine Spiegelung der mannigfachen Kontakte – gab es nur wenige Momente, wo wirklich alle Beteiligten an einem Tisch zusammenkamen. Desto dankbarer die Trinksprüche der begeisterten Gäste und ihrer Wladimirer Freunde. Desto unterschiedlicher die Akzente jeder kleinen Ansprache. In einem sind sich alle einig: Was vor 30 Jahren zu Zeiten des Kalten Krieges begonnen wurde als friedliche Annäherung von Feinden ist nun gelungen als Werk der Freundschaft, als kostbares Gut, das es weiter zu mehren gilt. Auf allen Gebieten, von der Feuerwehr bis zur Medizin, von der Wirtschaft bis zur Wissenschaft, um nur willkürlich einige Punkte zu nennen. 

Gabriele Kopper und Swetlana Makarowa.

So schwer der Abschied am Montag fällt, so leicht macht es allen das Wissen, daß man sich bestimmt bald wiedersehen wird, hier oder dort – und spätestens zum Jubiläum. Bis dahin wird dann auch die Kinderklinik in neuem Glanz erstrahlen. Eigentlich hätte Swetlana Makarowa, ärztliche Leiterin des Kinderkrankenhauses, gern zu einem Besuch bei ihren kleinen Patienten eingeladen, doch dort wird derzeit kräftig renoviert. Da kommt die Pädiaterin dann doch lieber ins Erlangen-Haus, um von Gabriele Kopper eine Spende von mehr als 2.000 Euro in Empfang zu nehmen, gesammelt im Rahmen der Hilfsaktion zu Gunsten der Kinderkrebsstation Wladimir vor allem von Schülern der Grundschule Tennenlohe, aufgestockt durch einen Scheck von Der Beck und angeregt von Manfred Bruchner. Die kleinen und großen Spender erhalten sicher bald bebilderte Post aus Wladimir, und bestimmt steht ein Besuch der Kinderklinik auch auf dem Programm des Jubiläums-Festkalenders. S. auch  http://is.gd/c2kukw

Swetlana Schelesowa, Irina Chasowa, Nikolaj Litwinow und die zwei Paar Stiefel.

Bleibt nur noch eine Frage zu klären: Wie kommen die zwei Paar Stiefel ins Geschäftszimmer des Erlangen-Hauses? Geht es um die sprichwörtlichen zwei Paar Stiefel? Hat da jemand seinen eigenen Stiefel gemacht? Nicht alle Geschichten, die man so erlebt, müssen auch erzählt werden, aber was es mit den Stiefeln auf sich hat, wäre einen Gastbeitrag derer hier im Blog wert, die ausgezogen sind, um trockenen Fußes wieder nach Hause zu kommen. Mal sehen, ob wir die näheren Umstände noch zu lesen bekommen und erfahren, wer in den Stiefeln steckte und wer sie im Erlangen-Haus gelassen hat – bis zum nächsten Besuch.

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Nirgendwo ist es kürzer, schöner und anschaulicher dargestellt. „Unsere Freunde“ steht über der Schautafel der Feuerwehr zu lesen, und die vielen Bilder sprechen für sich. Aber nicht nur davon zeigt sich Friedhelm Weidinger, Erlangens Feuerwehrchef, tief beeindruckt. Modernste Technik für Videokonferenzen, Löschgerät für unterschiedliche Einsätze, Satellitenüberwachung auf dem neuesten Stand von Glonass – und immer wieder Anerkennung und Lob für die hochprofessionelle Arbeit seines Kollegen Pawel Litow, dem es gelungen ist, seine Mannschaft nicht nur mit besserer Ausrüstung auszustatten, sondern auch auf einen beachtlichen Ausbildungsstand zu bringen. Da braucht man sich nicht zu sorgen um die weitere Zusammenarbeit der Feuerwehrleute beider Partnerstädte.

Dieter Rossmeissl, Ursula Lanig, Gabriele Kopper, Felix Wasel, Birgitt Aßmus, Anna Makarowa, Pawel Litow und Friedhelm Weidinger.

Doch das Programm ist erbarmungslos gedrängt und beschert jedem seine Termine. Und so finden sich Ursula Lanig, Gabriele Kopper und Dieter Rossmeissl schon eine Stunde später im Landesmuseum Wladimir wieder, um mit der Direktorin, Swetlana Melnikowa, über eine gemeinsame Photoausstellung zum Partnerschaftsjubiläum im nächsten Jahr zu sprechen. Nachdem der Fachaustausch in der Museumspädagogik nun so erfolgreich angelaufen ist, schlägt die Gastgeberin denn auch vor, zwei Mitarbeiterinnen zu benennen, die sich um Form und Inhalt dieses gemeinsamen Projektes kümmern sollen. Doch die bei allem Charme durchaus streitbare Museumsleiterin berichtet auch von ihren Sorgen: zurückgehende Touristenzahlen – vor allem bei den Studienreisen -; ein überdimensioniertes Internetportal des Kulturministeriums, das viel zu viel Geld verschlinge und die Museen auf den Bildschirm bringe statt vor allem die Kinder und Jugendlichen in die Ausstellungen zu locken. Gleichzeitig beobachtet sie ein verstärktes Interesse der Öffentlichkeit. Zu allen nur denkbaren Fragen aus Politik und Gesellschaft, Kultur und Zeitgeschichte erhalte sie Anfragen von den Medien, weil man den Politikern immer weniger vertraue. Diesen Umstand nutzt Swetlana Melnikowa freilich auch geschickt, um historische Vergleiche zu ziehen. So hat sie eine Spendenaktion mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Grabstätte von Nikolaj Somow, dem letzten Oberbürgermeister Wladimirs vor der Oktoberrevolution, beigesetzt auf einem Pariser Friedhof, wieder in einen würdigen Zustand zu bringen. Erwünschter Nebeneffekt: Die Aktion erlaubt zu zeigen, wie viel dieser Politiker ganz uneigennützig seiner Stadt gegeben hat, wie gut seine Nachfolger daran tun, ihm nachzueifern. Doch dies nur am Rande. Beider Museen ganzer Eifer gilt nun der Vorbereitung der Ausstellung, denn es bleiben nur noch wenige Monate.

Swetlana Melnikowa, Dieter Rossmeissl, Gabriele Kopper und Ursula Lanig.

Inzwischen hat auch Bürgermeisterin Birgitt Aßmus, zuständig für Feuerwehr und Katastrophenschutz, ihre Besichtiung der Feuerwehrwache abgeschlossen und stößt im Haus der Offiziere wieder zu der „Kultur-Delegation“. Die so kriegerisch klingende Einrichtung war einst Versammlungsstätte für die Adligen Wladimirs, wurde später von den Bolschewiken für ihre Kongresse genutzt und erhielt erst nach dem Zweiten Weltkrieg ihren heutigen Namen. Mittlerweile geht es hier ganz friedlich zu – nur eine Daueraustellung erinnert noch an die vielen blutigen Konflikte der Vergangenheit -, und längst ist in die Räume die Kultur eingezogen.

Die Kultur im Haus der Offiziere

Wie bereits am Vortag erwartet die Gäste wieder eine angenehme Überraschung, ein Wiedersehen mit dem Chor Raspew, der im Frühjahr in Erlangen aufgetreten ist und nun ein kleines Konzert für die Besucher aus der Partnerstadt gibt. Inspiration genug, um mit den Vertreterinnen des Kulturamtes nicht nur Ideen für das Partnerschaftsjubiläum auszutauschen, sondern auch darüber nachzudenken, wie man auf verschiedenen Ebenen noch enger zusammenarbeiten könnte. Der Bereich Bibliotheken – der Erlanger Bücherbus weckt besonders großes Interesse – könnte da schon bald an der Reihe sein. Schon erstaunlich, wie bei aller Vielfalt der bereits bestehenden Kontakte sich immer wieder neue Türen auftun.

Natalia Kolesnikowa, Leiterin des Kammerchors Raspew, und Birgitt Aßmus.

Der Nachmittag steht ganz im Zeichen der sozialen und medizinischen Projekte. Auch da gibt es noch viel gemeinsam zu tun. Ein großes Anliegen ist es zum Beispiel Irina Owtschinnikowa, als Vizebürgermeisterin unter anderem zuständig für Medizin und Soziales, gemeisam mit dem Roten Kreuz ein Hospiz einzurichten. Noch in diesem Jahr möchte sie deshalb mit Olga Dejewa, der Direktorin des Roten Kreuzes Wladimir, nach Erlangen kommen, um die Erfahrungen der Partner zu nutzen. Zumal es in Wladimir bisher nicht eine einzige Palliativstation gibt. Bis zu einem eigenen Hospiz ist es da noch weit, deshalb will das Rote Kreuz zunächst – unterstützt vom Förderverein in Erlangen, dem auch Birgitt Aßmus angehört – die häusliche Pflege von Krebspatienten wiederaufnehmen und nach Möglichkeit auch eine Schwangerschaftsberatung anbieten. Große Hoffnungen und Pläne, bei deren Umsetzung Dieter Rossmeissl helfen will, ist er doch auch für den Bereich Jugend zuständig. Und schon ist man bei Themen wie Spielsucht, Alkohol und Drogen, aber damit auch beim Thema Sozialarbeit. Da, so bekennt Irina Owtschinnikowa, habe man noch viel zu lernen, denn bisher gebe es im städtischen Jugendamt noch nicht einmal eine Psychologenstelle. Man kümmere sich dort bislang nur um Veranstaltungen für Jugendliche, während man die Problemfälle gemeinnützigen Organisationen überlasse.

Birgitt Aßmus, Olga Dejewa, Gabriele Kopper, Dieter Rossmeissl, Irina Owtschinnikowa und Peter Steger im Garten des Erlangen-Hauses. Photo: Irina Chasowa.

Dies soll anders und besser werden. Und es ist auch schon besser geworden mit der Unterstützung seitens der Stadtverwaltung, zumindest für Familien mit behinderten Kindern, wie Ljubow und Jurij Katz dankbar berichten. Ihre Selbsthilfeorganisation „Swet – Licht“ plant nun nach dem erfolgreichen Start des Zentrums für behinderte Kinder und Jugendliche mit seinem „Erlangen-Zimmer“, dem größten Raum für Tanz, Sport und Spiel, eine Wohnung für junge Erwachsene mit Behinderungen einzurichten, die dort selbständig zu leben lernen sollen. Einige Zimmer gibt es bereits für Gruppen, die jeweils zwei Monate lang auf das „normale“ Leben vorbereitet werden. Doch in der neuen Wohnung soll das Experiment selbstbestimmtes Leben dann auf Dauer gelingen, und für die fernere Zukunft ist sogar ein eigenes Haus geplant. Dafür freilich braucht es noch viele Helfer und Spender, Menschen wie einen Erlanger Pharmazeuten, der ungenannt bleiben will, und den Birgitt Aßmus als Paten für Swet gewonnen hat. Seit bald zehn Jahren nun unterstützt er mit regelmäßigen Überweisungen diese einzigartige Behindertenarbeit. Und so kann die Bürgermeisterin mehr als 900 Euro übergeben und staunen über all das, was vom Ehepaar Ljubow und Jurij Katz schon alles geschaffen wurde. Man kann gewiß sein, daß man so bald nicht aus dem Staunen herauskommen wird.

Ljubow Katz, Herbstmädchen, Birgitt Aßmus, Jurij Katz und eine ehrenamtliche Helferin im Erlangen-Zimmer von Swet.

Birgitt Aßmus hat schon recht, wenn sie sagt: „Das kann man gar nicht alles erzählen, was man hier erlebt!“ Dennoch soll ein wichtiges Thema nicht unerwähnt bleiben: die Medizin.

Jewgenij Jaskin und Birgitt Aßmus

Auch wenn Jewgenij Jaskin, ärztlicher Direktor des Notfallkrankenhauses, im Volksmund Rot-Kreuz-Krankenhaus genannt, in diesem Jahr wahrscheinlich nicht mehr nach Erlangen kommen kann, will er den Austausch mit den Kollegen auf jeden Fall fortsetzen und wird dazu spätestens im Winter neue Vorschläge machen. Bis dahin ist noch viel Verwaltungsarbeit zu leisten, denn seit diesem Jahr unterstehen alle Krankenhäuser in Wladimir der Regionalregierung. Und Verwaltungen neigen dazu, sich selbst zu verwalten. Nicht nur hier. Aber die weitere Gestaltung der Partnerschaft wird das nicht aufhalten. Da sind die vielen wunderbaren Menschen davor, wie die Gäste aus Erlangen einhellig und freudig auch an diesem Tag bei Freunden feststellen.

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Empfang mit Bürgermeister Gerd Lohwasser

Heute geht der Besuch der drei Fachleute für Brandbekämpfung, Lebensrettung und Katastrophenschutz, Pjotr Ponassenko, Pawel Litow und Gennadij Brajt zu Ende, ein Besuch, der hinsichtlich der Programmdichte und Themenvielfalt aber auch der Exkursionen – Stichwort Jena – einen besonderen Stellenwert hatte. Das zeigt sich auch darin, daß die Delegation von Bürgermeister Gerd Lohwasser, zuständig für Brand- und Katastrophenschutz, im Rathaus empfangen wurde, der übrigens den Austausch zwischen den Feuerwehrleuten persönlich bei seinem Besuch in Wladimir Ende vergangenen Jahres angeregt und die Einladung gemeinsam mit Jürgen Üblacker, Direktor des BRK Erlangen-Höchstadt, ausgesprochen hatte. Er kann mit dem, was aus seinem Impuls geworden ist, vollauf zufrieden sein, denn sowohl fachlich als auch menschlich sind nun viele neue Wachen der Partnerschaft entstanden, die das Feuer der Freundschaft hüten werden.

Maximilian Wolt, 3. v.l., zeigt die Fertigung bei Lukas

Einer dieser Hüter der Freundschaft ist zweifelsohne Felix Wasel, der für seinen großartigen ehrenamtlichen Einsatz im Vorjahr von den Gästen mit einer Dankurkunde belohnt wurde. Hochverdient, denn er nahm sich auch die ganze Woche Urlaub, um die Delegation – u.a. auch als Fahrer – zu begleiten, sei es nach Jena oder Bubenreuth, nach Nürnberg zur integrierten Rettungsleitstelle und zum Technischen Hilfswerk, das schon 1991 in Wladimir war, um die beiden Heizkessel in die Partnerstadt zu bringen, die noch heute treu ihren Dienst tun. Oder zur Fa. Lukas in Eltersdorf. Hier zeigte Maximilian Wolt, Vertriebsleiter für Osteuropa, die Stärken des deutschen Mittelstands. Seit 1945 stellt man am Standort Erlangen hochspezialisiert all die komplexen Gerätschaften her, deren Namen kein Laie kennt, die aber für Feuerwehr und THW unverzichtbar sind und im Einsatz bei Bränden und Unfällen durch ihre Präzision und Zuverlässigkeit schon ungezählte Leben gerettet haben. Auch gestern in Fulda war Felix Wasel dabei, wohin Thomas Heideloff und Anton Schuster vom BRK eingeladen hatten. Die dortige RETTmobil, so Pawel Litow, später im Gespräch mit seinem Kollegen, Friedhelm Weidinger, „zeigte nicht nur Technik, von der man träumt, sondern auch Technik, die man sich im Traum nicht vorstellen kann.“

Gut lachen vor dem Einsatz

Noch einmal so richtig in ihrem Element aber war Pawel Litow am Mittwoch, als es abends in Großgeschaidt und Kleingeschaidt nach dem Besuch der Oberlandwache des BRK auf Einladung von Melitta Schön, der ehemaligen Bürgermeisterin von Heroldsberg und zweiten Vorsitzenden des BRK Erlangen-Höchstadt, zu einem Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren ging. Einsatzleiter Reinhard Stammberger nahm sich gemeinsam mit Hermann Friedrich, Vorstand der FFW Kleingeschaidt viel Zeit zur Erläuterung der Technik, vor allem aber auch der Struktur seiner Wehr. Für die Gäste immer wieder kaum zu glauben, daß all die vielen Aufgaben ehrenamtlich geleistet werden, daß in kleinen Dörfern wie diesen Ortsteilen von Heroldsberg die Feuerwehr nicht nur Helferin in der Not ist, sondern auch für Kultur und Tradition steht und vor allem auch in der Jugendarbeit wichtige Dienste leistet.

Reinhard Stammberger, Pawel Litow

Ob eigens für die Gäste arrangiert, wissen wir nicht, jedenfalls gab es am Ortsrand von Kleingeschaidt auch noch eine Übung. Zwei Verletzte sollten aus einer brennenden Scheune gerettet werden, außerdem war ein Brandherd in der Nähe des Gebäudes zu löschen. Ein Großeinsatz, den Pawel Litow aufmerksam verfolgte. In der anschließenden Manöverkritik mit Einsatzleiter Reinhard Stammberger dann viele Fragen nach Wasserdruck, Schlauchlängen, Strategie der Brandbekämpfung. Einiges hätte der Profi aus Rußland anders gemacht, aber unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten hielt die Arbeit der ehrenamtlichen Kollegen dem strengen Urteil des Gastes dann doch stand.

Pawel Litow

Nun muß er all die vielen Ergebnisse seiner einwöchigen Erkundungstour durch Deutschland zu Hause der Politik vorlegen. Und die muß bald zu einem Urteil und einem Entschluß kommen. Einfach eins zu eins, das zeigte sich schon sehr bald, wird man das System der Freiwilligen Feuerwehren aus Deutschland nicht übernehmen können, aber etwas in die Richtung wird schon bald geschehen müssen. Vielleicht, wie Pawel Litow meint, zunächst mit einigen materiellen Anreizen, etwa mit einer gewissen Vergütung für geleistete Einsätze, wie das übrigens, wie Friedhelm Weidinger anmerkt, auch im Bundesland NRW üblich ist. So ein Anreiz könnte im übrigen auch ein Fahrzeug sein, wie es Horst Distler, Fahrdienstführer der Bereitschaft Motorradstreife des BRK, stolz präsentiert. Damit macht es einfach mehr Freude, anderen zu helfen.

Wasser marsch

Geschehen jedenfalls muß etwas in Rußland. Vor allem aber in den Köpfen der Menschen. Noch immer nämlich entstehen die allermeisten Feuer durch Leichtsinn, um nicht zu sagen durch Fahrlässigkeit und Unvernunft. Allein in den Tagen ihres Besuchs in Deutschland rückten in der Region Wladimir mehr als 200 Mal Feuerwehrleute aus, um Brände von Gartenabfällen zu löschen, die drohten auf Wiesen und Wälder überzugreifen. Allein im April des Vorjahres, wo es nicht besser aussah, wurden so Sachwerte von insgesamt neun Millionen Rubel gerettet. Aber fast alle Appelle, sich an das Verbot von offenem Feuer zu halten, gehen ins Leere. Nicht einmal immer höhere Strafen schrecken ab: bis zu 3.000 Rbl. für den Privatmann, bis 100.000 Rbl. für juristische Personen.

Pawel Litow, Hermann Friedrich, Horst Distler

Und dann brennt auch schon wieder der Torf… Zwei Brände wurden am 12. Mai im Kreis Gus-Chrustalnyj entdeckt, kurz darauf vier weitere Herde in den Kreisen Sobinka und Seliwanowo. Alle noch eingrenzbar, alle noch auf einer Fläche von nicht mehr als einem Hektar, aber schon gibt es Stimmen, die befürchten, es könne wieder zu ähnlichen Großbränden wie im Vorjahr kommen. Doch man ist auf der Hut und hat dazugelernt. Seit Tagen schon sind Hubschrauber und Flugzeuge im Einsatz, und ungefähr 150 Kontrollgänge am Boden fanden bereits statt. Und es gibt mehr Geld für Technik: Fast 70 Mio. Rbl. stellt Moskau der Region Wladimir zur Verfügung, und das Gouvernement legt weitere fünf Millionen drauf, um die Ausstattung der Einsatzkräfte zu verbessern.

FFW Kleingeschaidt

Zu spät kommen diese Maßnahmen für die acht Menschen, die allein in der vergangenen Woche bei 30 Wohungs- und Hausbränden in der Region ihr Leben verloren haben. Das schlimmste Feuer tobte in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai in einer Gartensiedlung bei Wladimir. Ein zweistöckiges Haus brannte vollständig nieder; die Flammen löschten eine ganze Familie aus, auch das Leben eines vierjähriges Mädchens. Daß das Feuer vom Haus der Moskauer Sommergäste nicht auf andere Datschen übergriff, ist wohl nur dem starken Regen zu verdanken, der in dieser Nacht fiel. Niemand weiß, ob eine Freiwillige Feuerwehr, am Stadtrand einsatzbereit, schneller hätte eingreifen und das Schlimmste verhüten können, aber darüber nachzudenken lohnt. Mehr noch, es ist einen Versuch wert. Die Freunde von den Feuerwehren aus Erlangen, Jena, Heroldsberg, Bubenreuth und Möhrendorf, unterstützt vom BRK Erlangen-Höchstadt und dem THW stehen jedenfalls allzeit bereit.

Pawel Litow, Friedhelm Weidinger

Die Gäste werden sich heute verabschieden. Voller Dankbarkeit für die Gastfreundschaft. Danken wollen sie besonders zwei Frauen, die stets im Hintergrund blieben und ohne die doch die Verständigung nicht geklappt hätte: Olga Chomutow und Nadja Steger, beide vom Roten Kreuz für die Betreuung frei- und abgestellt. Bei all den ungewohnten Fachbegriffen war die Aufgabe gewiß nicht immer leicht, aber dennoch haben sich Russen und Deutsche gut verstanden. Спасибо also an die beiden, über die auch dieses Gespräch zwischen Pawel Litow und seinem Erlanger Kollegen, Stadtbrandrat und Chef der Berufsfeuerwehr, Friedhelm Weidinger, am gestrigen Abschiedsabend beim BRK lief. Gut gemacht!

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fw-6Unter diesem Motto rückt die Freiwillige Feuerwehr Bubenreuth aus und gibt das Leitmotiv des Besuchs von drei Gästen aus Wladimir vor, die für eine knappe Woche gekommen sind, um in Erlangen und Umgebung sowie in Jena Struktur und Wesen der Zusammenarbeit von Berufsfeuerwehr und den ehrenamtlichen Kräften kennenzulernen. Wenn Politiker von Städtepartnerschaften sprechen, führen sie als gelungene Beispiele der Zusammenarbeit über Länder- und Sprachgrenzen hinweg gerne den Austausch von Feuerwehrleuten an. Kaum zu glauben, aber für das Paar Erlangen – Wladimir galt dies bisher nicht. Sogar die Besuche der Berufskollegen aus Jena wurden in den letzten Jahren seltener, wenn man einmal von den mehr als zwanzigjährigen engen Kontakten der Freiwilligen Feuerwehr Alterlangen mit den Freunden von der FFW Jena-Zwätzen absieht. Das zu ändern, ist gestern Friedhelm Weidinger, Stadtbrandrat und Chef der Berufsfeuerwehr, zusammen mit den Besuchern aus Wladimir nach Jena gereist.

Pawel Litow, Gennadij Brajt, Felix Wasel, Pjotr Ponassenko

Doch der Reihe nach: Als im Dezember 2009 Melitta Schön, 2. Vorsitzende des BRK Erlangen – Höchstadt, und dessen Direktor, Jürgen Üblacker, Wladimir besuchten, stand auch ein Treffen mit dem Klub Retter auf dem Programm, der junge Leute in allen Bereichen des Katastrophenschutzes ausbildet und im Bereich Erster Hilfe eng mit dem Roten Kreuz der Partnerstadt zusammenarbeitet. Spontan wurde ein erster Austausch beschlossen, und schon im Herbst 2010 reiste Felix Wasel, ehrenamtlicher Mitarbeiter des BRK und der FFW Höchstadt, im Brotberuf Feuerwehrmann in Erlangen, nach Wladimir, um vor allem im Bereich Lebensrettung die Arbeit des Klubs kennenzulernen. Inzwischen aber hatten jene wüsten Waldbrände des vergangenen Sommers auch und besonders in der Region Wladimir gewütet, so daß nahelag, sich auch des Themas Brandbekämpfung anzunehmen.

Gennadij Brajt in Aktion beim BRK

Da verwundert es nicht, daß Pawel Litow, Feuerwehrchef der Partnerstadt, Pjotr Ponasenko, Leiter des Klubs Retter, und Gennadij Brajt, ausgebildeter Lebensretter, gleich nach der Landung in Nürnberg den Rest des Samstagvormittags beim BRK in der Henri-Dunant-Straße verbringen, um zu sehen, wie Ingrid Pyschny die Erste-Hilfe-Kurse organisiert, und um erste Informationen über das übrige breite Serviceangebot zu erhalten. „Bei so viel guter Arbeit“, so Pjotr Ponasenko, „steckt man die Nacht, die wir unterwegs waren, leicht weg. Nur schade, daß unser Rotes Kreuz in Wladimir noch immer so im Schatten steht und nicht die Reputation genießt, die sich das BRK hier erarbeitet hat.“ Doch erste Gespräche hat der Gast schon mit der neuen Stadtverwaltung geführt, und er ist sich sicher, es werde schon bald Änderungen zum Besseren geben. Freilich hat das BRK in all den Jahren des Aufbaus einer Rot-Kreuz-Struktur in Wladimir seit 1999 gelernt, viel Geduld zu entwickeln.

Die FFW Bubenreuth lädt am Nachmittag zum Tag der Offenen Tür. Eine ideale Gelegenheit, um hautnah zu erleben, was für eine Rolle diese ehrenamtlichen Brandbekämpfer im öffentlichen Leben und Bewußtsein spielen. Sie sind viel mehr als nur Retter in der Not, die ihre Freizeit dafür opfern, anderen Menschen zu helfen – eindrucksvoll bei einer Übung mit einem gestellten Unfall demonstriert -, sondern sie prägen auch das Vereinsleben und leisten einen gewaltigen Beitrag zum Wir-Gefühl einer Gemeinde. Dies wird sich so eins zu eins nicht nach Rußland verpflanzen lassen, wo diese freiwillige Tradition von den Sowjets schon vor 90 Jahren abgebrochen wurde. Es gab wohl auf dem Land und in Betrieben Wehren, die sich teilweise auch bis in die jüngste Vergangenheit hielten, nie mehr aber an das anknüpfen konnten und sollten, was es vor der Oktoberrevolution im Zarenreich gegeben hatte.

Frank Jauch, Friedhelm Weidinger, Gennadij Brajt, Pawel Litow, Pjotr Ponasenko, Michael Koch

In Wladimir, so Pawel Litow bei seinem gestrigen Vortrag in Jena, hatten sich bereits 1796 die ersten Feuerwehrleute zusammengetan, die dann 1845 die erste Wache mit einem Holzturm erbauten, von wo aus man Ausschau nach Brandherden hielt. 20% des städtischen Haushaltes gab man damals für die Feuerwehr aus, was sich auch lohnte, denn Wladimir brannte trotz der traditionellen Holzbauweise anders als andere Orte nie mehr ab. Ein eigens Orchester unterhielt man und genoß höchsten Respekt in der Gesellschaft. Heute sorgen 270 Berufsfeuerleute, verteilt auf acht Wachen, für den Brand- und Katastrophenschutz, seit 2007 Pawel Litow unterstellt, der auch für die Museumsstadt Susdal verantwortlich zeichnet. Neben den Löschzügen, die innerhalb der Stadt binnen zehn und auf dem Land innerhalb von zwanzig Minuten am Einsatzort sein müssen, stehen im Spezialfahrzeuge zum Schutz von zwei Flugplätzen und der Bahnstrecke sowie fünf Hubschrauber zur Bekämpfung von Waldbränden zur Verfügung. Anders als in Deutschland gibt es keine städtischen Wehren, der ganze Bereich wird vielmehr vom Katastrophenschutzministerium in Moskau zentral geleitet und finanziert. Es gebe zwar, so Pawel Litow, eine Empfehlung an die Kommunen, ihren Anteil zu leisten, aber wer komme schon gern einer unverbindlichen Aufforderung nach, Geld auszugeben…

Erlangen – Jena – Wladimir vereint

Das sieht in Jena anders aus. Frank Jauch, als Dezernent unter anderem zuständig für den Katastrophenschutz, stellt bei der Begrüßung in der Feuer- und Rettungswache, der sogenannten Südwache, zunächst einmal zu seinem eigenen Erstaunen fest, daß ihm die kyrillische Schrift auch nach 25 Jahren fehlender Praxis noch immer geläufig ist. Ein gelungener Einstieg in eine inhaltliche Zusammenarbeit, die schon bald konkrete Formen annehmen könnte. 100 Berufsfeuerwehrleute werden in Jena von 250 freiwilligen Kräften unterstützt. Bei denen aber, so Frank Jauch, werde man in Zukunft Abstriche machen müssen. Stichworte: demographischer Wandel, weniger lokale Bindung, fehlender Anreiz durch Wegfall der Wehrpflicht. Aber noch sei es so, daß von den zweieinhalb Millionen Einwohnern Thüringens nur 500.000 in Städten mit einer Berufsfeuerwehr leben. Wie sollte man da für die übrigen zwei Millionen eine Versorgung nur mit professionellen Kräften leisten? Viel Stoff für eine Zukunftsdiskussion.

Michael Koch und Pawel Litow

Für die Zukunft der Partnerschaft zeichnet sich aber in jedem Fall eine vielversprechende Perspektive ab. Gastgeber Michael Koch, Oberbrandrat und Fachdienstleiter der Feuerwehr Jena, spricht nicht nur fließend Russisch, er verspricht auch, gemeinsam mit seinem Erlanger Kollegen, Friedhelm Weidinger, Wladimir beim Aufbau einer Freiwilligen Feuerwehr zu unterstützen. Denn die ist politisch gewollt. Derzeit ist ein entsprechendes Gesetz in der dritten Lesung der Staatsduma, und Präsident Dmitrij Medwedjew hat sich nach der Brandkatastrophe vom Vorjahr das Thema persönlich auf die Agenda gesetzt. Es gibt sogar eine zwischenstaatliche Kooperation mit Deutschland, für die federführend Andreas Schockenhoff MdB verantwortlich zeichnet. In Berlin und Moskau sucht man gerade nach Städtepartnerschaften, die in dem Bereich Flagge zeigen, und da könnte das Dreieck Erlangen – Jena – Wladimir zeigen, was in ihm steckt. Partnerschaft arbeiten eben nicht nach dem Sankt-Florian-Prinzip, sondern soll anstecken.

Frank Jauch, Peter Schreiber, Jürgen Üblacker

Noch bis zum Freitag hat das Trio aus Wladimir Zeit, um die Arbeit der Kollegen in Erlangen und im Umland kennenzulernen, umsorgt und betreut vom BRK, dem man getrost die Patenschaft über das Projekt antragen darf. Nicht von ungefähr, das sei nachgetragen, reisten auch Jürgen Üblacker und Brüne Soltau, ehemaliger Vorsitzender des BRK Erlangen-Höchstadt, mit nach Jena, um Gespräche mit ihrem Kollegen, Peter Schreiber, zu führen, der bereits angekündigt hat, sich in Zukunft ebenfalls um die Zusammenarbeit mit Wladimir zu bemühen. Da könnte einiges in Gang kommen. Gut so und ganz im Sinne von Jenas Oberbürgermeister, Albrecht Schröter, der gerne davon spricht, daß Freunde und Partner einander nicht nur in die Augen sehen, sondern auch Ziele haben sollten, die sie gemeinsam ins Auge fassen.

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Begrüßung auf Russisch: Gerd Lohwasser, Jewgenij Jaskin

Man würde Bürgermeister Gerd Lohwasser sicher Unrecht tun, wollte man behaupten, er habe erst auf dieser, seiner vierten, Wladimir-Reise sein Herz für die Partnerstadt entdeckt. Dafür hat er sich seit 1972, dem Beginn seiner kommunalpolitischen Arbeit in Erlangen, viel zu offen für einen intensiven Austausch mit den einstigen Kriegsgegnern eingesetzt, zunächst im Westen mit Rennes, später im Osten mit Wladimir. Bis heute hält er diese beiden Städte für die Achse, gedreht vom Gedanken der Aussöhnung und Völkerverständigung. Aber dieses Mal schloß der 1941 in Karlsbad geborene Delegationsleiter eine Freundschaft, die das Zeug hat, zu einer großen zu werden, zu einer ganz großen.

Wiedererkannt? Hans Ziegler, Melitta Schön, Brüne Soltau, Jewgenij Jaskin, Helmut Schmitt

Vermittelt hat die – wie so vieles in der Zusammenarbeit mit der Partnerstadt – wieder einmal das BRK Erlangen-Höchstadt, genauer der Förderverein zur Unterstützung des Roten Kreuzes in Wladimir – und das, strenggenommen, aus schierer Not. Noch immer nämlich ist das Rote Kreuz dort nicht als Organisation registriert, ein bürokratischer Akt, der sich nun schon über zwei Jahre hinzieht und wohl noch einige Wochen dauern kann. Ohne Stempel, Briefkopf, Konto und alle sonstigen Insignien der Handlungsvollmacht freilich kann das Rote Kreuz in Wladimir weder Spenden annehmen, noch deren Erhalt so bestätigen, daß die Transaktion vor einem Finanzamt hier wie dort Bestand hätte. Geschweige denn davon, Zuwendungen verteilen zu dürfen. Buchstäblich am Vorabend der Abreise haben deshalb Brüne Soltau, stets orientierungssicherer Fahrensmann in den Gewässern der Partnerschaft, und Peter Steger in seiner Eigenschaft als stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins beschlossen, die teilweise bereits im Mai übergebenen Spenden in Höhe von fast 5.000 Euro an das Rot-Kreuz-Krankenhaus, die größte Unfallklinik der Region, zu überreichen, wo sie zu Diagnostik und Behandlung von Kriegsveteranen eingesetzt wird.

Gerd Lohwasser mit Durchblick.

Daß diese Entscheidung auch Jewgenij Jaskin, den Chefarzt und Leiter des städtischen Krankenhauses, so freundschaftlich mit Gerd Lohwasser verbinden würde, war freilich nicht abzusehen. Die beiden waren sich von der ersten Begegnung beim gemeinsamen Abendessen an so sympathisch, daß man bei dessen bis spät in die Nacht dauernder Fortsetzung in der Küche des Erlangen-Hauses nicht nur bald zum Du überging, sondern auch gleich für den nächsten Morgen eine Besichtigung in der Klinik vereinbarte. Und so begann der Montag mit dem Besuch eines Krankenhauses, das zwar mit nur der Hälfte der Planstellen seinen Betrieb gewährleisten muß und sowohl baulich als auch medizintechnisch noch einiges aufzuholen hat, wo aber professionelle ärztliche Kunst am Werk ist und vor allem mit hohem berufsethischem Engagement gearbeitet wird. Die Gäste bekamen nicht nur die neuesten Anschaffungen – aus Kostengründen leider aus Übersee und nicht von Erlangens größtem Arbeitgeber stammend – zu sehen, sondern durften den Ärzten sogar bei einer Operation über die Schulter schauen und Einblick in den Organisationsablauf des Krankenhauses nehmen. Noch wichtiger aber das Fazit auch von Melitta Schön, der stellvertretenden Vorsitzenden des BRK Erlangen-Höchstadt: „Hier können wir sicher sein, die Spenden gut angelegt zu haben.“ Und Gerd Lohwasser resümiert: „Der Mediziner-Austausch ist für die Partnerschaft von außerordentlicher Bedeutung. Wir müssen da im nächsten Jahr unbedingt weitere Akzente setzen.“ Sprach’s und lud seinen neuen Freund mit dessen Kollegen zu einem erneuten Besuch nach Erlangen ein.

Gerd Lohwasser

Doch damit war es am Montagvormittag noch längst nicht getan. Feuerwehr und Katastrophenschutz standen noch auf dem Programm, ein Gebiet, das Felix Wasel bereits im Herbst gut vorbereitet hat. Und nun hoher Besuch auf der Wache. Gerd Lohwasser, im Erlanger Rathaus auch für die Feuerwehr und den Katastrophenschutz zuständig, und Hans Ziegler, Gemeinderat und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Heroldsberg, waren da so recht in ihrem Element und ließen sich Ausrüstung und Gerät zeigen.

Auf der Wache

Rasch wurde man sich einig, den Kontakt fortzusetzen, und schon heute wird Erlangens Bürgermeister mit Friedhelm Weidinger über einen Austausch sprechen und einen Besuch der russischen Kollegen anregen. „Ein ganz wichtiger Bereich der Zusammenarbeit gerade nach den schlimmen Bränden in den Wäldern rund um Wladimir“, gibt Gerd Lohwasser zu bedenken und fährt fort: „Auch auf diesem Gebiet können wir sicher viel voneinander lernen.“ Und damit sind wir beim Thema Lernen und Schüleraustausch, das uns morgen beschäftigen soll. Denn da ist ja auch noch ein Blog-Tag.

Mehr zum Thema Feuerwehr unter: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2010/10/17/die-retter-von-wladimir-und-ihr-deutscher-freund

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