Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Friedhelm Kröger’


In der vorvergangenen Nacht verabschiedete sich Fritz Wittmann für immer von seiner Frau Elisabeth und Tochter Johanna. Seinen 92. Geburtstag, den er am kommenden Sonntag noch einmal richtig groß hatte feiern wollen, erlebte der Weltkriegsveteran nicht mehr, mit dessen Tod das vielleicht bemerkenswerteste Kapitel der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir zu Ende geht. Der ehemalige Leiter der Volksschule Möhrendorf schrieb nämlich Geschichte mit seinem Leben für die Versöhnung zwischen Deutschen und Russen. Dabei hatte alles, wie den Stationen seiner Autobiographie zu entnehmen, ganz anders begonnen:

Fritz und Elisabeth Wittmann

Als Hitler an die Macht kam, war ich sechs Jahre alt. Ich kam in die Schule und lernte „deutsch zu fühlen und deutsch zu denken“. Als ich 23 geworden war, kehrte ich aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Als Kind hatte ich teil an der Illusion der Mehrheit aller Deutschen, der Führer werde Deutschland in eine neue Zukunft führen. Wir sangen schon bald „Deutschland, heiliges Wort“ und von den „Fahnen, die wir fliegen lassen sollten in das große Morgenrot, das uns zu neuen Siegen leuchten sollte oder brennen uns zum Tod“. Daß letzteres so furchtbar wahr werden sollte für Millionen, das dachten wir nicht. Als ich 1944, fünf Tage nach dem Attentat auf Hitler, Soldat wurde, war die Illusion, den Krieg siegreich zu beenden, längst dahin. Daneben blieb aber unvorstellbar, daß wir den Krieg verlieren. Auf dem Weg zur Front an der Oder sagte uns ein Soldat, der von Anfang an an der Ostfront gekämpft hatte: „Wenn wir den Krieg verlieren, dann Gnade uns Gott.“ Zu jener Zeit waren die meisten meiner Kameraden, wie auch ich, überzeugt, daß wir sowieso die Niederlage Deutschlands nicht überleben würden. Zu oft hatten wir gehört, daß es besser sei, „in Ehren zu sterben, als in Schande zu leben“. Anfang Februar 1945 kam ich an die Oderfront. Dort warteten wir bis Anfang März auf den Beginn der russischen Offensive. Nach deren Beginn waren wir drei Tage später in Küstrin-Neustadt schon eingeschlossen. Am Morgen des 11. März wurde mir die erste „Feindberührung“ zu einem Erlebnis, das für mein weiteres Leben von entscheidender Bedeutung wurde. Ich habe diese „menschliche Feindberührung“ in „Der Russe lebt“ 40 Jahre später zu Papier gebracht. In der stundenlangen Nähe dieses Meinesgleichen von der anderen Seite gab ich meiner Mutter das Versprechen, mich auf keinen Fall selbst zu erschießen. (Nach meiner Rückkehr aus der Gefangenschaft erfuhr ich, daß mein Bruder Hans zu dieser Stunde in der Nähe von Danzig gefallen war.) Von da an beschäftigte mich die Vorstellung an ein Leben in Gefangenschaft. Ich fand im Gedanken, daß dort, wo Soldaten herkommen, auch Mütter sind, einen Ausweg in meiner ausweglosen Lage. Wie sehr mir von dieser Mütterlichkeit später Hilfe und Rettung werden würde, ahnte ich damals nicht. Als wir dann in der folgenden Nacht die russische Umzingelung durchbrachen und ich zehn Tage lang mit einer Gruppe von zwölf Mann im bereits von der Sowjetarmee besetzten Westpommern herumirrte, wurde mir klar, daß die Hingabe meines Lebens ein sinnloses Opfer wäre. Als wir am Morgen des 21. März von einer russischen Streife umzingelt waren, ergaben wir uns, ohne Widerstand zu leisten.

1990 verdichtete sich die erste Feindberührung so:

Der Russe lebt

Am 11. März 1945 / rückten wir in unsere Stellung ein / im Waldfriedhof von Küstrin. / Da lag, / das Gesicht mit Tannenreis bedeckt, / ein toter russischer Soldat. / Nur wenige Meter / von unserem Schützengraben entfernt, / ließ er mir keine Ruhe. / Stunde um Stunde kam er mir / in meinen Gedanken näher. / In einer Feuerpause der russischen Granatwerfer / zog es mich zu ihm hin. / Ich hob das Reis und erschrak / über das junge Gesicht. / Ich dachte an seine Mutter und an meine. / Diese Gedanken haben den mir anerzogenen Haß / tödlich verwundet. / Sie retteten mir das Leben. // Nun sind diese erste tote russische Soldat und / seine mir unbekannte Mutter / in meinen Gedanken und Träumen. / Solange ich lebe.

Erlanger und Wladimirer Veteranen, Juni 1995

Aktenkundig ist die Verbindung von Fritz Wittmann zur Städtepartnerschaft seit 1987, als in den Erlanger Nachrichten ein Leserbrief erschien, in dem der im mittelfränkischen Rohr geborene und nun im oberfränkischen Baiersdorf lebende Pensionär Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg zu dem mutigen Schritt gratulierte, diesen Kontakt aufzunehmen und davon sprach, Russisch lernen zu wollen, um selbst bei diesen Beziehungen eine aktivere Rolle spielen zu können. Als regelmäßiger Gasthörer im Arbeitskreis Wladimir der Volkshochschule lernte er bald alle entscheidenden Akteure des Austausches kennen und half immer mehr selbst, Begegnungen zu organisieren. Stellvertretend dafür steht das Konzert des Kammerchors Elegie 1990 in Baiersdorf und die Sammlung von Spenden für dessen Mitglieder. Dann, ein Jahr später, der große Schritt, die erste Reise nach Wladimir, zusammen mit der zehnköpfigen ersten Erlanger Veteranendelegation anläßlich des 50. Jahrestages des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion. Bleibend sein Eindruck damals, zum Ausdruck gebracht vom Vorsitzenden des Wladimirer Veteranenverband, Jakow Moskwitin: „Wir wollen uns gegenseitig die Schuld nicht vorhalten.“ Hier, wo er in Nikolaj Schtschelkonogow, der, wie sich herausstellte, dem SS-Mann 1945 in Küstrin unbekannterweise gegenübergelegen hatte, einen zum Freund gewordenen einstigen Feind fand, hier auf dem Platz des Sieges am 22. Juni 1991 in der Partnerstadt muß es wohl gewesen sein, daß Fritz Wittmann seine Friedensmission als persönliche Berufung annahm, gespeist von einer tiefen Spiritualität und einem lebensfrohen Glauben.

Es folgte 1992 der Gegenbesuch der Wladimirer Veteranen, ein Jahr später die Gastspielreise des Veteranenchors mit einem Auftritt in Rohr wie in Baiersdorf, immer umsorgt von Fritz Wittmann, der es verstand, einen ganzen Freundeskreis aufzubauen und einen Kreis „Liebe – Friede – Leben“ zu entwerfen, der in Wladimir gestickt wurde. Wladimir sollte ihn nicht mehr loslassen. Reise auf Reise folgte mit Vorträgen, Gesprächen, immer neuen Freundschaften – und schließlich die Idee, seine vier Jahre währende Gefangenschaft, die ihn bis die Kohlenschächte des Ural führte, ohne je geschlagen worden zu sein, niederzuschreiben und in das 2001 erschienene Buch „Rose für Tamara“ auch die Erfahrungen anderer Wehrmachtssoldaten aufzunehmen, nachdem der Autor bereits 1986 und 1990 Teil 1 und 2 seines aphoristischen Werks „Lachen und Weinen unter dem Apfelbäumchen“ und 1999 zusammen mit seinem jüdischen Freund, Percy Gurwitz, in Wladimir seine „Gereimten Kommentare“ publiziert hatte.

Fritz 10

Oberbürgermeister Florian Janik bei der Überreichung des Friedenskreises an Wladimirer Veteranen mit Jelena Owtschinnikowa, Sergej Sacharow, Peter Steger und Birgitt Aßmus im Erlangen-Haus

„Rose für Tamara“, 2003 in der Übersetzung von Nadeschda Jewrassowa auch in Wladimir herausgegeben, erhielt im Jahr 2002 aus den Händen von Bundespräsident Johannes Rau den „1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland“ und erlebte als Wegbereiter des Erinnerungsbandes „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ von Peter Steger vor zehn Jahren eine Neuauflage. 2010 schließlich erfuhr Fritz Wittmann auch in Erlangen die verdiente Auszeichnung mit dem Ehrenbrief für Verdienste auf dem Gebiet der Städtepartnerschaften.

Peter Steger, Alexandra Gräfin von Lambsdorff, Fritz Wittmann, Brüne Soltau, Johannes Rau und Jürgen Ganzmann bei der Preisverleihung 2002 in Berlin

„Land meiner zweiten Geburt“ nannte der Verstorbene Rußland, dessen Schicksal ihn bis in seine letzten Tage beschäftigte und wo man in einer Umarmung „selbst zur Winterszeit noch durch die dickste Wattejacke die Herzlichkeit spürt“. Er teilte diese Erfahrungen mit dem Veteranenkreis um Friedhelm Kröger, trug diese Botschaft aber auch stets auf den Lippen, etwa mit den Zeilen, die er gern rezitierte:

Fritz 11

Fritz Wittmann, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Oberbürgermeister Siegfried Balleis bei der Verleihung des Ehrenbriefes 2010

Im Krieg begruben wir / auf beiden Seiten unsere Toten. / Nun gedenken wir ihrer gemeinsam / und reichen uns, Deutsche und Russen, / die Hand zum Frieden.

Thomas Rex, Peter Steger, Fritz Wittmann und Nikolaj Schtschelkonogow mit den Friedensspaten, 2008 in Erlangen

Diese „Hand zum Frieden“ ist nun erkaltet. Es ist an uns, einander, Deutsche wie Russen, Herzen und Hände im Geist von Fritz Wittmann zu wärmen und im seinen Sinne darauf zu trinken, daß es nur noch Veteranen des Friedens geben möge. Wie und daß das geht, hat er uns vorgelebt wie kein zweiter.

Der Veteranenkreis um Friedhelm Kröger mit Fritz und Elisabeth Wittmann beim Empfang mit Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, 2017

P.S.: Ziemlich genau vor zwei Jahren schrieb Tatjana Parilowa, Mitglied des eingangs erwähnten Chores Elegie bei den Auftritten 1990, Fritz Wittmann zu seinem 90. Geburtstag eine Widmung, die hier im Blog erschien: https://is.gd/N2bakX Nur wenige Tage vor seinem Tod hatte die Musiklehrerin ihren Freund noch besucht – als sein letzter Gast aus Wladimir.

Read Full Post »


Als nach der Schlacht um Stalingrad für die vielen Gefangenen der Wehrmacht neue Lager notwendig wurden, richtete man überall in der Sowjetunion auch Hospitäler ein, oft gegen den erklärten Willen des medizinischen Personals, das ansteckende Krankheiten wie Fleckfieber fürchtete. So geschehen auch in der Region Wladimir, in der Kleinstadt Kameschkowo, wo man ein bereits bestehendes Krankenhaus für Rotarmisten auf Befehl von ganz oben für die Aufnahme vor allem von erkrankten Deutschen, Österreichern, Italienern, Rumänen und Ungarn umfunktionierte. Ungeachtet aller Not konnte vielen von ihnen geholfen werden, wie Friedhelm Kröger oder Arthur Mainka, von deren Schicksal im Band „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ zu lesen ist.

Ludmila Mironowa, Herbert Mainka, Alexej Aljochin und Swetlana Kudrjaschowa im Museum des einstigen Hospitals

Der einstige Schüler von Ludmila Mironowa und heutige Student in Moskau, Alexej Aljochin, vertiefte sich schon früh in diese Thematik, traf sich mit Zeitzeugen und Angehörigen von Kriegsgefangenen, schrieb eine Arbeit zu dem Komplex, den er auch schon mehrfach vor Publikum, u.a. in Erlangen, präsentierte. Nun kommt der Gast aus Wladimir erneut in die Partnerstadt und hält bei freiem Eintritt und in deutscher Sprache am Mittwoch, den 17. Oktober, unter dem Titel „Hospital für Kriegsgefangene in Kameschkowo bei Wladimir“ um 19.00 Uhr einen Vortrag in der Volkshochschule, Raum 12, 1. Stock, Friedrichstr. 17. Eine seltene Gelegenheit, dieses für das Verständnis der deutsch-russischen Geschichte so wichtige Kapitel in Erinnerung zu rufen.

Mehr zu dem Thema unter: https://is.gd/RHKwp7

Read Full Post »


Das Motto für den gestrigen Abschiedstag der Wladimir-Veteranen gab Günther Liebisch aus Walkenried im Harz aus:

Fritz Wittmann und Günther Liebisch

Fritz Wittmann und Günther Liebisch

Vergebung und Mitgefühl haben nichts mit Schwäche oder Sentimentalität zu tun. Sie erfordern Ehrlichkeit und Mut. Nur durch sie läßt sich der ersehnte Frieden herbeiführen.

Otmar Koch und Günter Kuhne

Otmar Koch und Günter Kuhne

Gefangen!! Wer könnte es sich vorstellen! Nur der, der es selbst miterlebt hat.

So beginnt, datiert mit dem 4. Mai 1945 das Tagebuch des Deutsch-Brasilianers Horst Ewaldo Brenke und fährt fort:

Fränkische Gastlichkeit

Fränkische Gastlichkeit

Am 28. April hat nun auch für mich die Freiheit ein Ende genommen. Sitze in einem großen Gefangenenlager, welches noch in Deutschland liegt, und zwar ist es das Lager, welches früher englische und amerikanische Kriegsgefangene beherbergte. Es ist das große Lager in Sagan. Zu Fuß sind wir hierher marschiert! Man kann sagen, jeden Tag 50 km machend, nur mit einigen kurzen Pausen von 15 Minuten, die nur dazu dienten, die Ermattung noch deutlicher in den Gliedern hervortreten zu lassen. Acht Tage voller Qualen, die wohl nicht die letzten sein sollen! Für viele war es der Todesmarsch. Jeder bemühte sich, in der Mitte zu bleiben, denn am Ende der Reihe war es immer sehr gefährlich. Aber schließlich habe ich die erste Etappe überstanden! Was kommt nun?

WernerMartin und Fritz Wittmann

Werner Martin und Fritz Wittmann

Seine Ahnung von weiteren Qualen sollte den 1926 in Curitiba geborenen Berliner nicht trügen, der im Januar 1945 eingezogen worden war und nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft im Juni 1946 aus dem Lager in Wladimir in die brasilianische Wahlheimat seiner Eltern zurückkehrte und dort 1979 verstarb. Einige Seiten weiter, schon in Wladimir, heißt es dann im Tagebuch:

Fritz Wittmann und Paul Hütter

Fritz Wittmann und Paul Hütter

Um fünf Uhr morgens war Wecken! Dann wurde die morgendliche Brennesselsuppe mit 200 g Brot gefaßt. Nachher ging es zum Baden. Oh! Welch ein Genuß! Jetzt ist es fünf Uhr nachmittags, wir sind gerade zurück. Der Weg ist sehr weit. Das war unser Sonntagsvergnügen. Morgen geht’s wieder an die Arbeit. Und zwar mache ich, da es für technische Zeichner in Rußland keine Arbeit gibt, den Handlanger. Graben, Erde schleppen, planieren, abladen, kurz gesagt – alles mögliche. Sie ist nicht leicht, die Arbeit, aber man denkt nicht so viel an zu Hause. Die Polen und Franzosen sind schon von hier weg! Ob ich als Brasilianer auch bald fortkomme? Oder sind es nur Träume? Sehen wir uns überhaupt nochmal wieder? Lebt Ihr noch?

Friedhelm Kröger und Richard Dähler

Friedhelm Kröger und Richard Dähler

Gefühle und Gedanken, die auch die Veteranen, die nun wieder nach Wismar oder Gera, in den Harz oder in den Westerwald zurückkehren, aus eigenem Erleben kennen, Gefühle und Gedanken, die nicht nur mit der Vergangenheit verbinden, sondern mahnen, dergleichen in Zukunft nicht mehr geschehen zu lassen. Man möchte rufen: „Politiker dieser Welt, hört auf diese Stimmen!“

 

Read Full Post »


Keiner der ehemaligen Wehrmachtssoldaten, die jene Zeit der Gefangenschaft in Lagern in und um Wladimir ebenso verbindet wie der Wunsch nach Verständigung und Aussöhnung zwischen Deutschen und Russen, hat je eine öffentliche Petition oder Eingabe unterzeichnet – bis gestern, nach einem Besuch des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg, als die neunköpfige Gruppe sowie die beiden Gäste, Otmar Koch aus der Wachau (sein Vater verstarb im Wladimirer Traktorenwerk) und Richard Dähler aus Zürich, der zum Komplex der japanischen und deutschen Kriegsgefangenschaft in sowjetischen Lagern promoviert hat, die Erlanger Erklärung für den Frieden unterzeichnete. Im Beisein von Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, die den Nachmittag mit den Gästen im Wohnstift Rathsberg verbrachte und die Hoffnung zum Ausdruck brachte, die jüngeren Generationen mögen sich an der Friedensarbeit der Veteranen ein Beispiel nehmen.

Der Friedenskreis von Fritz Wittmann

Der Friedenskreis von Fritz Wittmann

Erlanger Erklärung für den Frieden

August 2016

Vor 75 Jahren überfiel die Wehrmacht die UdSSR und eskalierte damit nicht nur den Zweiten Weltkrieg in bis dahin unvorstellbarer Grausamkeit, sondern brachte besonders über die Völker der Sowjetunion unendlich viel Leid. Als ehemalige Soldaten der Jahrgänge 1922 bis 1928 wissen wir aus eigenem Erleben, welche Wunden damals geschlagen wurden, wie viele Opfer auf allen Seiten das Morden kostete.

Der Veteranenkreis auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

Der Veteranenkreis auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

Allerdings durften wir auch in den Jahren der Gefangenschaft in Lagern in und um Wladimir viel Menschlichkeit erleben und sind bis heute all jenen im einstigen Feindesland dankbar für die zur Vergebung ausgestreckte Hand, sind glücklich über für das Wunder der Versöhnung, das wir erfahren dürfen.

Susanne Lender-Cassens und Friedhelm Kröger

Susanne Lender-Cassens und Friedhelm Kröger

Wir sehen deshalb mit großer Sorge, wie in jüngster Zeit die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation nach Jahren der freundschaftlichen Annäherung auf fast allen Ebenen von Spannungen und gegenseitigen Vorwürfen geprägt sind, wie der Dialog immer schwieriger wird. Gerade jetzt aber sollte zur Erhaltung des Friedens alles unternommen werden, um die Gespräche und Kontakte zwischen unseren Ländern zu fördern und zu intensivieren.

Susanne Lender-Cassens mit dem Veteranenkreis im Wohnstift Rathsberg

Susanne Lender-Cassens mit dem Veteranenkreis im Wohnstift Rathsberg

Ein gutes Beispiel dafür, wie das gelingen kann, sehen wir in der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir. Wir hätten uns damals, während der Gefangenschaft und in den Jahren des Kalten Krieges danach, nie vorstellen können, wie einmal wieder freundschaftliche Begegnungen zwischen Deutschen und Russen möglich würden. Umso größer unsere Freude darüber, nun Teil dieses Werks der Verständigung zu sein, zumal viele von uns dank der Städtepartnerschaft auf den Spuren unserer Lagerzeit nach Wladimir zurückgekehrt sind, wo wir wieder Menschen trafen, darunter Kriegsveteranen, die uns mit offenen Armen und dem Angebot empfingen, einander das Böse von damals nicht mehr aufzurechnen.

Kurt Seeber und Susanne Lender-Cassens

Kurt Seeber und Susanne Lender-Cassens

Wir wenden uns deshalb – auch im Namen unserer bereits verstorbenen Kameraden – an alle, die hier wie dort in Politik und Gesellschaft Verantwortung tragen, mit der dringenden Bitte, nichts unversucht zu lassen im Bemühen darum, die Völkerverständigung zu fördern, den Frieden zu wahren und möglichst viele solcher vertrauensstiftenden Verbindungen zu schaffen, wie sie zwischen Erlangen und Wladimir bestehen. Davon können wir nämlich gar nicht genug haben, denn, um mit dem russischen Denker und Dichter, Leo Tolstoi, zu sprechen: „Wo es Armee und Krieg gibt, sind dem Bösen keine Grenzen gesetzt!“

Friedenserklärung

„Hoffentlich nützt es etwas“, meinte Philipp Dörr, als er seine Unterschrift als erster unter das Dokument setzte, „aber nichts tun, das hilft ja auf gar keinen Fall!“ In Berlin und Moskau, so sein Wunsch, sollten die Politiker den Appell lesen, um endlich wieder zu einer guten Zusammenarbeit zu finden, denn, so der Veteran: „Wir brauchen einander mehr denn je!“

Der Veteranenkreis in der Wehrkirche zu Effeltrich

Der Veteranenkreis in der Wehrkirche zu Effeltrich

Auch wenn die Anreise nach Erlangen für viele immer beschwerlicher wird – von Wismar bis Zürich, vom Odenwald bis zum Harz oder der Wachau, vom Westerwald bis zum Thüringer Wald und Gera -, gehören doch diese Wochenend-Treffen in wechselnder Zusammensetzung, das mittlerweile dreizehnte in Folge, für sie alle zu den Höhepunkten des Jahres. Für die Gastgeber eine Ehre und Verpflichtung, hoffentlich noch viele Jahre!

Read Full Post »


Vor gut zwei Jahren ist unter dem Titel „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ die erste Auflage einer Sammlung von Erinnerungen deutscher und österreichischer Veteranen an ihre Gefangenschaft in Lagern in und um Wladimir erschienen. Damals, zum 30jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft in kleiner Geschenkauflage und gewissermaßen als Probelauf. Nun wurde gestern die gründlich überarbeitete und wesentlich erweiterte Endfassung dieses Kompendiums von Überlebensberichten als Nr. 18 der Veröffentlichungen des Stadtarchivs Erlangen vorgestellt, erhältlich ab heute überall im Buchhandel zum Preis von 24 Euro unter der ISBN 978-3-944452-09-8.

Buch Umschlag_0002

Auf 340 Seiten breitet das Buch in der kundigen Redaktion von Stadtarchivar Andreas Jakob und seiner Mitarbeiterin, Dorothea Rettig, und gelungen gestaltet von Kathrin Eckert die Jugendjahre von mehr als 40 Wehrmachtssoldaten aus, gezeichnet von Krieg, Gefangenschaft und Heimkehr.

Kammerorchester Wladimir: Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj, Alexander Schaposchnikow und Swetlana Besotosnaja

Kammerorchester Wladimir: Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj, Alexander Schaposchnikow und Swetlana Besotosnaja

Fast alle diese ganz individuellen Erlebnisse in Form von „oral history“ – ohne wissenschaftlichen Anspruch – waren bereits hier im Blog zu lesen. Ebenso verstreut über sieben Jahre wie die Orte und Gegenden, wo die Veteranen, ihre Familien und Hinterbliebenen leben: vom Westerwald bis in die Rhön, von Ostfriesland bis ins Erzgebirge, vom Odenwald über das Sauerland bis nach Fehmarn, von Minden bis Wismar, von Aachen bis Kiel, vom Thüringer Wald bis ins Sauerland, von St. Gallen bis in die Wachau oder nach Berlin…

Andreas Jakob

Andreas Jakob

Nicht mehr von überall her und längst nicht alle sind der Einladung nach Erlangen gefolgt. Aber, wer kam, erlebte ein Fest des Wiedersehens, glücklich in einer Zeit und in einem Land, wo man keine Helden mehr braucht! Glücklich, weil sie Menschen sind, die den Krieg in sich besiegt haben. Aber auch besorgt, wo die Nachkriegszeit endgültig vorüber und auf der Weltbühne allenthalben zu gelten scheint: Nach dem Krieg ist vor dem Krieg.

Ilja Klassen, Elisabeth Preuß, Florian Janik, Dietmar Hahlweg, Siegfried Balleis, Peter Steger

Ilja Klassen, Elisabeth Preuß, Florian Janik, Dietmar Hahlweg, Siegfried Balleis, Peter Steger

Oberbürgermeister Florian Janik spürt das und lobt denn auch die Publikation, die nicht von ungefähr zum Ausklang des siebten Jahrzehnts des Kriegsendes fertiggestellt wurde, für ihre exemplarische Verständigung zwischen Deutschen und Russen, und Andreas Jakob zeigt sich sogar stolz, das Buch in seiner Reihe zu wissen, sei hier doch der Erfahrungsschatz von Menschen versammelt,  die Versöhnung über Revanche stellen und Volksdiplomatie für wichtiger halten als den Blick zurück im Zorn.

Florian Janik

Florian Janik

Ein Buch gegen das Vergessen, die Versiegelung einer Zeit, deren Zeugen immer weniger werden. Bald, so Anita Rösch im Gespräch “ ist keiner mehr da, den man noch fragen könnte, wie es früher war.“ Möglich geworden dank der Unterstützung der Erlanger Rotarier, der Max-und-Justine Elsner-Stiftung, der Bürgerstiftung, der Städte Jena und Erlangen, aber auch privater Spender wie Elisabeth Wittmann, Friedhelm Kröger, Richard Dähler, Jürgen Ganzmann, Anton Hergenhan… Danke für die Hilfe gegen das Vergessen!

Peter Steger

Peter Steger

Der „Zeit“-Journalist Benedikt Erenz schrieb unlängst in seinem Leitartikel „Historische Zeiten“ : „Geht es um Geschichte – und gerade um die deutsche – sind alle dabei, wissen alle gern Bescheid. Vergangenheitslust ist die neue Landlust geworden…“ Wie denn nicht, wo wir doch alle erleben, wie uns Zusammenhänge verlorengehen, wie unsere Gewißheiten immer brüchiger werden, wie uns die Gegenwart zwischen den Fingern im Unwägbaren zerrinnt.

Inge Obermayer

Inge Obermayer

Da ist es gut, nicht nur ein Buch zu haben, das bewahrt, was sich bewährt hat, sondern auch Menschen im Zeitzeugenstand zu erleben, die von überwältigenden deutsch-russischen Begegnungen erzählen können. Etwa die Schriftstellerin Inge Obermayer, deren Vater im Lager von Krasnogorsk, heute Partnerstadt von Höchstadt an der Aisch, ums Leben kam und die dennoch die Kraft fand, mit ihrer Kunst nicht minder wie als politisch handelnde Frau schon in den 70er und 80er Jahren, in der Hochzeit des Kalten Krieges, auf die Sowjetmenschen zuzugehen – und die überall offene Türen fand.

Wolfgang Morell

Wolfgang Morell

Da gilt nicht mehr das ernüchternde Diktum des aus dem Harz angereisten Günter Liebisch: „Es gibt so viele Leute, die Geschichte studieren, aber gelernt aus der Geschichte hat keiner.“ Einspruch! Dieses Buch läßt just solche Menschen zu Wort kommen, die ihre Lektion gelernt haben. Wie Wolfgang Morell, der Anfang 1942 in einem Wladimirer Militärhospital zusammen mit Rotarmisten auf einem Flur behandelt wurde und dank seinem noch immer so wohllautenden Russisch bis heute enge Kontakte zur Partnerstadt unterhält.

Friedhelm Kröger

Friedhelm Kröger

Oder Friedhelm Kröger aus Minden, der, angeregt von der Städtepartnerschaft, eine ganze Runde von ehemaligen Wladimir-Gefangenen um sich geschart hat. Oder Fritz Rösch, der seit Anfang der 90er Jahre treuer Freund der Veteranenkontakte ist und zusammen mit seiner Frau Anita stets zur Stelle ist, wenn es gilt, Gäste zu betreuen und zu bewirten.

Christa Kröger, Anita und Fritz Rösch

Christa Kröger, Anita und Fritz Rösch

Ganz zu schweigen von Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg, der voller Weitsicht und Mut die Aussöhnung mit dem russischen Volk ins Werk setzte. 1945 war er zehn Jahre alt und erlebte am eigenen Leib die unmenschliche Politik der Vertreibung, fand aber dennoch die Kraft zur Vergebung und Annäherung – sogar gegen Stimmen aus den eigenen Reihen. Erst unlängst gestand wieder ein Mitglied seiner Partei, damals die Idee mit Wladimir als Partnerstadt mißbilligt zu haben: In einem Land, das die Todesstrafe exekutierte, das Dissidenten kujonierte, wo bestenfalls ein Funktionärsaustausch möglich schien, wäre das von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Heute wissen wir alle, wie gut es war, daß das damalige Stadtoberhaupt sich von den Bedenken nicht hat beirren lassen.

Alfons Rujner

Alfons Rujner

Ein Wunder der Geschichte, wie seine beiden Nachfolger, Siegfried Balleis und Florian Janik, deren Verwaltungsteam gemeinsam mit dem Stadtrat, diese humane Tradition, der sich auch Alfons Rujner aus Berlin verpflichtet weiß, fortsetzen. Bis heute. Nur in einem solchen Umfeld konnte das Buch entstehen, das gestern in die Welt kam. Übrigens mit einem Titel, der aus den Erinnerungen von Alfons Rujner stammt, denn beim Abtransport in die Heimat 1948 rief dem 20jährigen eine ältere Frau zu: „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ Wie viele andere, ist auch er später dieser Aufforderung gefolgt.

Ilja Klassen

Ilja Klassen

Ilja Klassen, Attaché am Russischen Generalkonsulat in München, gab denn auch in seinem Grußwort zu erkennen, wie ihn diese Schilderungen deutsch-russischer Verständigung bewegen, Es sei ja bekannt, welch große Bedeutung Erlangen im Austausch mit seinem Land habe, aber eine derartige Intensität zu erleben, sei für ihn vorher nicht vorstellbar gewesen. Die einfachen und wichtigen Dinge im Leben begreifen wir alle eben häufig erst mit einer gewissen Verzögerung.

Jürgen Ganzmann und Ilja Klassen

Jürgen Ganzmann und Ilja Klassen

Doch kurz zur Geschichte des Buches: Am 22. Juni 1991 nahm erstmals eine Veteranendelegation aus Erlangen – 50 Jahre nach dem Einmarsch der Hitlertruppen in die UdSSR – auf dem Platz des Sieges an den Feierlichkeiten teil; Dietmar Hahlweg hielt am 9. Mai 1995 vor den Wladimirer Medien eine Rede, die sein Nachfolger im Amt, Siegfried Balleis, fünf Jahre später auf dem Ehrenfriedhof vortragen durfte. Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und der Weltkriegsveteran Wolfgang Morell sprachen am 22. Juni 2011 auf dem Platz des Sieges, am 8. Mai 2015 wurde auf dem Gelände des Traktorenwerks ein Denkmal für Kriegsgefangene eingeweiht, und tags darauf trat mit Florian Janik erstmals ein Deutscher auf dem Platz des Sieges auf. Dazwischen 2002 die Auszeichnung von „Rose für Tamara“, des von Fritz Wittmann herausgegebenen Erinnerungsbandes an Krieg und Gefangenschaft, durch Bundespräsident Johannes Rau mit dem „1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland“.

Kurt Seber und Ludmila Kondratenko

Kurt Seeber und Ludmila Kondratenko

Nur in diesem Klima konnte auch das gestern präsentierte Buch entstehen – und dank dem Vertrauen der Veteranen, die so offen über ihre Erinnerungen sprachen. In einem Klima, zu dem auch eine Ausstellung des Wladimirer Landesmuseums 1995 in Erlangen beitrug, ebenso wie die enge Zusammenarbeit mit Witalij Gurinowitsch, der nicht nur eigene Berichte von Begegnungen mit Zeitzeugen beisteuerte, sondern den Band auch durch seine wissenschaftliche Darstellung des Systems von Gefangenenlagern in der Region Wladimir bereicherte.

Alexander Schaposchnikow und Fritz Rösch

Alexander Schaposchnikow und Fritz Rösch

Was man von den Veteranen lernen kann: Gelassenheit und Disziplin. Es waren wohl diese Tugenden, die im Verein mit einer robusten Gesundheit das Überleben der Gefangenenlager erst ermöglichten. Hinzu kam aber immer wieder die Güte von Krankenschwestern und Ärztinnen, von Lagerkommandanten und Bewachern, von Werksdirektoren und Zivilisten, die den einstigen Feinden wie Menschen begegneten und oft mit ihnen teilten, so wenig sie auch selbst hatten. Deshalb ist zu wünschen, daß sich bald jemand findet, um das Buch ins Russische zu übersetzen. Die Gegner von gestern setzen da nämlich den Wladimirern ein Denkmal der Humanität.

Peter Steger, Philipp Dörr und Ilja Klassen

Peter Steger, Philipp Dörr und Ilja Klassen

Die Gefangenschaft in der Sowjetunion mag ja nach Lager noch so schwer gewesen sein. Eines unterscheidet sie kardinal vom System des Dritten Reiches. Dort setzte man alles daran, auch Kranke und Schwache wieder lebens- und arbeitsfähig zu machen oder sie schlimmstenfalls wieder in die Heimat zu transportieren; hier hingegen galt das Prinzip „Vernichtung durch Arbeit“, und wer nicht arbeiten konnte, wurde sofort vernichtet. Jeder zweite Sowjetsoldat kam in deutscher Gefangenschaft ums Leben, auf der anderen Seite waren es „nur“ 35%, die ihre Heimat nie wiedersahen – und das trotz der viel längeren Zeit des Aufenthalts und nach der Politik der „verbrannten Erde“…

Christa Kröger, Fritz Wittmann, Sigrid Morell

Christa Kröger, Fritz Wittmann, Sigrid Morell (sitzend), Kurt Seeber, Philipp Dörr, Günter Liebisch, Alfons Rujner, Elisabeth Wittmann, Anni Liebisch (1. Reihe), Friedhelm Kröger, Wolfgang Morell, Jürgen Ganzmann, Peter Steger (2. Reihe)

„Komm wieder, aber ohne Waffen!“ erscheint spät, aber nicht zu spät. Noch leben Zeitzeugen, noch kann man sie befragen. Diese in diesem Jahr nach „20 Jahre Erlangen-Haus“, Russisch-deutscher sprachlicher Dialog im 21. Jahrhundert“ und den „Gedichten aus dem Land der Sonderlinge“ vierte Publikation im Rahmen der Städtepartnerschaft stellt nach den Worten eines Besuchers der gestrigen Veranstaltung im Stadtarchiv ein „singuläres Ereignis“ dar. Wenn das stimmt, dann weil hier anhand von Einzelschicksalen die Sentenz von Ralph Waldo Emerson bestätigt wird: „Die ganze Weltgeschichte verdichtet sich in die Lebensgeschichte weniger und ernsthafter Menschen.“

Read Full Post »


Glücklich das Land, das keine Helden mehr braucht, und glücklich die Menschen, die in sich den Krieg besiegt haben – so wie Friedhelm Kröger, der heute seinen 90. Geburtstag feiert. Der Veteran aus Minden hatte sich eigentlich nach all den Jahren der Gefangenschaft in Lagern in und um Wladimir – von August 1944 bis September 1949 – geschworen, freiwillig nie wieder in jenes Land zurückzukehren. Bis er dann von der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir hörte und Anfang September 2003 an der Bürgerreise zum zwanzigjährigen Jubiläum dieser deutsch-russischen Freundschaft teilnahm. Was er damit alles in Bewegung setzen würde, konnte er sich damals sicher nicht vorstellen; heute jedenfalls kann man sich die Partnerschaft und ihr Versöhnungswerk ohne ihn nicht mehr vorstellen. Friedhelm Kröger veröffentlichte nach seiner zweiten Rückkehr aus Wladimir einen Aufruf im „Heimkehrer“, und schon 2005 traf sich die erste Runde der Veteranen, die im Sommer ihr zehntes Zusammenkommen in Erlangen begehen konnte. Zurückgelassen in Wladimir hat der heutige Jubilar Freunde wie Witalij Gurinowitsch, der ihm folgenden Gruß schickt:

Friedhelm Kröger

Friedhelm Kröger

Lieber Friedhelm! Zu Deinem Wiegenfest möchte ich Dir die allerherzlichsten Grüße aus der Partnerstadt Wladimir schicken, wo Du nun schon mehrfach warst und wo wir uns immer über Dich freuen! Du hast ein langes Leben hinter Dir und weißt es besser als viele von uns zu schätzen. Du bist immer aufgeweckt, geradlinig und klar im Denken, worum Dich sogar Menschen beneiden, die doppelt so jung sind wie Du. Ich wünsche Dir auch weiterhin diesen wachen Geist und hoffe, Dich noch einmal in Wladimir begrüßen zu können. Dein Witalij

Witalij Gurinowitsch, Natalia Iwtschenko und Christa Kröger

Witalij Gurinowitsch, Natalia Iwtschenko und Christa Kröger; im Hintergrund das Traktorenwerk, September 2003

Und dann fügt der Wladimirer Freund, der ihm seinerzeit die einstigen Lager zeigte, seinem Großschreiben den Auftrag an den Überbringer an: „Grüße ihn ganz lieb von mir. Er ist wirklich ein klasse Mann!“

Antonia Kröger vor dem Traktorenwerk Wladimir, Februar 2011

Antonia Kröger vor dem Traktorenwerk Wladimir, Februar 2011

Wer Friedhelm Kröger kennt, wird sich dem anschließen – und ihm nachträglich gratulieren, wenn er wieder nach Erlangen kommt als Augenzeuge bei der Präsentation des Buches „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ mit den Überlebensberichten der Wladimir-Veteranen am 14. Dezember um 16.30 Uhr im Stadtarchiv, Luitpoldstraße 47. Auf Wiedersehen, lieber Friedhelm, und auf bald!

 

Read Full Post »


Das mittlerweile zwölfte Treffen der deutschen Veteranen, hat begonnen, die alle eines eint: die gemeinsame Kriegsgefangenschaft in den Lagern in und um Wladimir. Dort vor Ort haben sie sich noch gar nicht gekannt. Zusammengekommen sind sie erst dank einem Aufruf von Friedhelm Kröger im mittlerweile eingestellten Monatsschrift „Der Heimkehrer“.

Christa und Friedhelm Kröger

Christa und Friedhelm Kröger

Aber da ist mehr als nur die gemeinsame Vergangenheit, die versammelte Erfahrung von Krieg und Niederlage, von Gefangenschaft und Heimkehr, da ist auch eine tiefe innere Verbundenheit untereinander, und da ist vor allem die Aussöhnung mit dem einstigen Gegner und der eigenen Geschichte. Keine Verbitterung, kein Klagen, weder Schuldzuweisungen noch Exkulpierung.

Paul Hütter und Philipp Dörr

Paul Hütter und Philipp Dörr

Ja, der Kreis war schon einmal größer. Viele sind verstorben oder wegen ihrer altersbedingten Gebrechen an der Teilnahme verhindert. Aber es kommen auch immer wieder neue Gesichter hinzu:

Otmar Koch und Richard Dähler

Otmar Koch und Richard Dähler

Der Schweizer, Richard Dähler, der 2006 seine Doktorarbeit über das Schicksal japanischer und deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion von 1945 bis 1956 geschrieben hat und seither „korrespondierendes Mitglied“ des Veteranenkreises ist, und der Österreicher, Otmar Koch, der im Mai die Spuren seines 1947 im Traktorenwerk Wladimir verstorbenen Vaters suchte und nun nach Erlangen gekommen ist, um hier von den Augenzeugen mehr über die Lebensumstände im Lager zu erfahren. Ein ganzes Wochenende ist dafür jetzt Zeit. Auch für die Frage, was wohl aus uns allen geworden wäre, hätte es den Zweiten Weltkrieg nicht gegeben. Aber das überlassen wir der literarischen Gattung der Uchronie oder Allohistoria.

Veteranenkreis zu Gast bei Helmut Schmitt

Veteranenkreis zu Gast bei Helmut Schmitt

Ohne den Krieg – bei allem Leid, das er über Abermillionen von Menschen brachte, auch über all jene, die gestern abend nach der Einkehr im Biergarten von Adlitz noch bei Helmut Schmitt in Bubenreuth einen Nachtisch genossen -, ohne diese schreckliche Menschenvernichtungsmaschinerie jedenfalls hätte diese Runde nie zusammengefunden, wäre die Partnerschaft Erlangen – Wladimir erst gar nicht entstanden, hätten ungezählte Menschen nie zusammengefunden im Geist der Versöhnung und Verständigung. Bei all dem Grausamen, das geschehen ist, begeistert es doch immer wieder zu sehen, welch unbezwingbare Kraft des Wiedergutmachens in uns Menschen wirkt, besonders in diesen Männern, die man oft noch von der Schulbank weg schon an die verlorene Front geschickt hatte, in diesen Männern und ihren Frauen, die 70 Jahre danach und zum zwölften Mal in dieser Runde sich und der Welt nur eines wünschen: den Frieden. Und, wie Günter Kuhne, allen mit auf den Weg gibt: „Gebt acht aufeinander!“

 

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: