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Posts Tagged ‘Frederick Marthol’


Wird über Gemeinsamkeiten der Städte Erlangen und Wladimir gesprochen, zählt man häufig eine ordentliche Menge Parallelen auf. Nur selten jedoch sind die beiden namhaften Universitäten Gesprächsthema. Dennoch: Die 20.000 Studenten, die an der Staatlichen Universität Wladimir studieren, genießen  in Räumlichkeiten mit einer Gesamtfläche von mehr als 180.000 qm Vorlesungen, die von über 1.000 Dozenten und Wissenschaftlern vorbereitet und abgehalten werden. Grund genug also, Blog-Lesern einen näheren Blick auf die Hochschule der Partnerstadt zu gewähren.

Ende letzten Monats besuchten die Erlanger Bürgermeisterin, Elisabeth Preuß, sowie eine dreiköpfige Gruppe Erlanger Studenten die Partnerstadt. Allesamt ursprünglich aus freizeitlichen Gründen angereist, traf sich die die frisch gebildete Delegation also für einen Besuch der „Flagship-University“, zu welcher die Hochschule Wladimirs im letzten Jahr durch das russische Bildungsministerium gekürt wurde.

Nadeschda Troschina, Alexej Panfilow und Elisabeth Preuß

Angekommen im Hauptgebäude, stellte man nach der Begrüßung durch Dozentin Oxana Seliwjorstowa den Verwaltungssitz der Hochschule in der Uliza Gorkogo vor, bevor es zum Gespräch in das Büro von Vizerektor, Alexej Panfilow, ging, der die Delegation ebenfalls ausführlich begrüßte.

Im weiteren Gesprächsverlauf betonte der Gastgeber, wie viel der Universität am Kontakt zu Erlangen liege und äußerte zudem den Wunsch einer verstärkten Zusammenarbeit der beiden Hochschulen. Studenten der FAU sowie freiwillige Praktikanten nehme die Hochschule grundsätzlich sehr gerne auf, auch wenn die Chance bisher nur sehr selten genutzt werde. Einer der Gründe für das bisher nur spärliche Interesse sei wohl, daß man (bis dato) nur Studiengänge in der russischen Sprache anbiete, nicht aber in Englisch, wie viele andere Universitäten des Landes es bereits tun, mutmaßte der Vizerektor gegenüber der Delegation.

Die Erlanger Bürgermeisterin erwiderte den Wunsch einer Intensivierung des Austausches zwischen den beiden Universitäten und nannte das Ziel, einen Studienaufenthalt in Wladimir gerade bei russischsprachigen Studenten aktiv zu bewerben. Gleichzeitig wies sie aber auf die derzeitige Problematik der Visavergabe hin: Ein erfolgreicher Universitätsaustausch erfordert eine unkomplizierte Visaerteilung. Eine Vereinfachung der Prozesse und kostenfreie Visa für partnerschaftliche Aktivitäten und Studenten sollten das Ziel sein, so Preuß.

Oxana Seliwjorstowa und Frederick Marthol

Nach dem Gespräch präsentierte dann noch Ljubow Naumowa, die Leiterin der Internationalen Abteilung der Universität, diverse Fakten über die Uni. Besonders auf die internationalen und freizeitlichen Aktivitäten ging sie hierbei detailliert ein. Unzählige Veranstaltungen aller Couleur.

Gegen Ende des Besuches erhielt die Delegation noch eine Führung durch das hauseigene Museum, wo neben diversen Urkunden und Pokalen auch einige Meilensteine der Universität sowie ein Bauplan für den Campus der Zukunft ausgestellt sind.

Im Ergebnis war der Besuch für alle Beteiligten eine interessante Erfahrung, weitere Schritte eines verstärkten Austausches werden nun gegenüber der Erlanger Universität angesprochen. – Es bleibt also interessant…

Frederick Marthol

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Wie das russische Gastgewerbe die vielen Schaulustigen abfertigen wird, die zur Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer (übrigens einen Monat lang visumsfrei!) den Boden der Föderation betreten wollen, bleibt nach wie vor spannend: Daß die englische Sprache hierzulande nicht besonders verbreitet ist, ist ja bekanntlich kein Geheimnis. Denn wenn die Fremdsprachenbildung nicht wie in den meisten Fällen an fehlendem Interesse scheitert, dann am häufig nur spärlichem Bildungsangebot.

Dennoch gibt es an der Alexander-und-Nikolaj-Stoletow-Universität Wladimir einige Studenten, die tagtäglich das Gegenteil beweisen und dem vielgesprochenen Insulaneridiom ihre volle Aufmerksamkeit widmen: So zum Beispiel die Studenten um Dozentin Oxana Seliwjorstowa, welche die englische Sprache im zweiten Semester an der Vladimir State University studieren. Doch gerade Hörverstehen will gelernt sein und kommt nicht von alleine. Grund genug also, dorthin zufahren, wo Englisch als Muttersprache gesprochen wird: Richtig – ins Zentrum von Wladimir!

Goldenes Tor und Altgläubigenkirche

Im berühmten Wahrzeichen Wladimirs, den Золотые ворота (Goldenes Tor / Golden Gate) werden Führungen in den verschiedensten Sprachen angeboten, so selbstverständlich auch in Englisch, und das sogar von einer Russischbritin. Wieso nicht also anstatt der langweiligen Listening-Comprehension-CD einfach mal Stadtgeschichte in der Fremdsprache erfahren, dachte sich die Dozentin und vereinbarte eine Besichtigung, zu der sie auch mich miteinlud.

Führung im Goldenen Tor

Die eigentlichen Inhalte der Führung waren dann, ebenso wie die Exponate im Museum, sehr unterschiedlicher Natur: Stadtgeschichte, berühmte Persönlichkeiten aus Wladimir und Region sowie die Geschichte des Goldenen Tors in ausführlichen Erklärungen.

Schließlich kamen wir auch an dem berühmten Fenster vorbei, durch das man an jenem sonnigen Vormittag einen tollen Blick auf die Große Moskauer Straße hatte. Allein deswegen lohnt sich ein Besuch des in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste aufgenommenen Bauwerks für alle Gäste der Partnerstadt!

Zum Ende der Besichtigung erzählte die Historikerin dann noch eine Anekdote über einen Soldaten aus Wladimir, dessen Zigarettenschatulle eine tödliche Bleikugel abfing und ihm somit das Leben rettete. Mit dem Satz „so smoking does not always kill!“ endete die knapp einstündige Exkursion in ausgelassener Stimmung.

Sonniger Blick auf die Große Moskauer Straße

Auch wenn ein Großteil der Studenten das Museum schon zuvor einmal besichtigt hatten, war es dennoch eine interessante Erfahrung für alle: Denn wann ist man schon als Tourist in der Heimatstadt?

 Frederick Marthol

P.S.: Zu diesem Fenster im Goldenen Tor haben auch schon anderer Erlanger hinausgeblickt, etwa Max Firgau und sein Großvater. Man vergleiche mit https://is.gd/UTV8hf

 

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Seit dem ersten Vademecum von Wolfram Howein https://is.gd/qhLBsZ sind fast acht Jahre vergangen, hat sich vieles verändert. Grund genug für Frederick Marthol, sich an eine Neuauflage zu machen:

Da der projektierte Großflughafen in Wladimir leider noch keine nennenswerte Planungsfortschritte zu verzeichnen hat, sind Reisende in die Partnerstadt vorerst noch auf die Flughäfen der russischen Hauptstadt angewiesen. Es gilt also, eine sinnvolle und günstige Verbindung zu buchen und anschließend die ca. 180 Kilometer von Moskau nach Wladimir auf schnellstem Wege zurückzulegen.

Das Auto ist für uns hierbei keine Option, da die Verkehrslage und somit auch die Reisedauer absolut unberechenbar und langwierig sein können. Mehr als 200 Ampeln liegen auf der Strecke vom Flughafen in die Partnerstadt.

Ungewohnt für die meisten sind aber sicherlich auch die vielen Sicherheitskontrollen auf den Wegen, die ich jetzt vorschlage: Von der Landung in Moskau bis Wladimir müssen wir drei (!) flughafenähnliche Checks passieren. Gerade mit viel Gepäck kann das, genauso wie die vielen Treppen, nerven. Das sollte uns klar sein, bevor wir uns auf die Reise machen.

Diese Handreichung soll also eine kleine Unterstützung bei dem (zugegebenermaßen etwas komplexen) Reiseverlauf sein. Speziell Reisende ohne Russischkenntnisse, die auch die kyrillische Schrift nicht lesen können, werden die Fahrt hiermit problemlos bewerkstelligen können.

Flug nach Moskau

Ab Nürnberg gibt es keine Direktverbindung nach Moskau, weshalb entweder ein Zubringerflug oder ein anderer Flughafen genutzt werden muß. Welche der beiden Optionen die günstigere oder schnellere ist, läßt sich pauschal nicht sagen. Umweltfreundlicher ist aber sicherlich die letztere.

In Moskau gibt es drei gängige Flughäfen: Domodjedowo, Scheremetjewo und Wnukowo.

Flüge ab Nürnberg

Ab Nürnberg gibt es zahlreiche Umsteigeverbindungen nach Moskau: Eine Variante mit den Gesellschaften der StarAlliance über Frankfurt/München/Zürich/Brüssel nach Domodjedowo bietet eine komfortable Möglichkeit, die gerne und oft von vielen Partnerschaftsreisenden genutzt wird.

Eine Alternative stellt ein Flug nach Scheremetjewo via Paris oder Amsterdam dar. Diese Verbindungen sind oft günstiger und haben den Vorteil erschwinglicher Preise auch bei kurzfristiger Buchung. Zudem sind die Gepäckgebühren im Ticketpreis bereits enthalten, und Jugendliche erhalten flexible Tickets kostenfrei.

Flüge ab München / Frankfurt

Ab München und Frankfurt gibt es mehrmals täglich Direktverbindungen von Lufthansa, S7 sowie Aeroflot. Diese fliegen die Flughäfen Domodjedowo oder Scheremetjewo an. Vom Erlanger Bahnhof zum Flughafen kommt man bequem mit dem Fernbus, welcher sich auch direkt über die Lufthansa-Webseite buchen läßt. Ein Vorteil hierbei: Steht der Bus im Stau, und der Flug wird verpaßt, bucht die Gesellschaft kostenfrei um. Eine Anreise mit der Bahn ist ebenfalls möglich, birgt aber aufgrund der möglichen Verspätungen auch immer ein gewisses Risiko. Selbst mit dem eigenen Auto zum Airport zu fahren wäre in der Theorie möglich. Hier sind aber die teuren Parkgebühren meist das Ausschlußkriterium.

Flüge ab Memmingen

Pobeda Airlines fliegt ab dem Allgäu-Airport zu Dumpingpreisen (ab 12 € für eine Richtung) nach Moskau/Wnukowo. Das Tochterunternehmen von Aeroflot bietet sich also für Reisegruppen, die nach Memmingen gefahren werden, oder für Sparfüchse an, die mit dem eigenen Auto unterwegs sind. Zu beachten sind bei dieser Gesellschaft jedoch die strengen Gepäckrichtlinien sowie die seltenen Abflugzeiten.

Nach Moskau mit dem Aeroexpress

Alle Flughäfen sind mit den modernen Aeroexpress-Zügen bestens an die Moskauer Innenstadt angebunden. Der Aeroexpress-Terminal ist in allen Ankunftshallen bestens ausgeschildert. Die Taktung dieser Züge ist sehr eng. Tagsüber sollte man also nicht länger als eine halbe Stunde auf einen entsprechenden Zug warten müssen. Die etwa eine dreiviertel Stunde dauernde Fahrt kostet 500 Rubel, ein Ticketkauf ist an einem der vielen mehrsprachigen Automaten unkompliziert möglich. Für Reisende mit einer kontaktlosen Kreditkarte ist ein Fahrkartenkauf nicht erforderlich, hier kann am Drehkreuz einfach die Kreditkarte auf den Scanner aufgelegt werden. Bitte die Fahrscheine ggf. bis zum Ziel aufbewahren, da nur mit ihnen das Verlassen des Bahnhofs möglich ist.

Praktisch ist auch die im Aeroexpress vorhandene kostenlose Internetverbindung. Eine kurze Nachricht an Bekannte über die Ankunft in Moskau ist hier also ohne teure Roaming-Gebühren möglich.

Flughafen Ankunftsbahnhof Weitere Infos
Domodjedowo Pawelezkaja https://aeroexpress.ru/en/aero/route/domodedovo.html
Scheremetjewo Belorusskaja https://aeroexpress.ru/en/aero/route/sheremetyevo.html
Wnukowo Kiewskaja https://aeroexpress.ru/en/aero/route/vnukovo.html

Wie aus der Tabelle ersichtlich, kommen die Zubringer der verschiedenen Flughäfen auch alle an unterschiedlichen Bahnhöfen in Moskau an. Die Züge nach Wladimir fahren aber alle ab dem Fernbahnhof Kurskaja, bei dem keine der drei Linien hält. Um diesen Bahnhof zu erreichen, kommt nun die Moskauer Metro zum Einsatz.

Metro: Ringbahn Nummer 5

Wir suchen gleich nach dem Verlassen des Zuges nach dem großen „M“; die Ausschilderung ist an allen Bahnhöfen gut. Notfalls kann man auch ohne Sprachkenntnisse nach dem Weg fragen, das Wort „Metro“ (mit Betonung auf dem „o“) wird wohl jeder verstehen.

Das große „M“

Nachdem wir das Metrogebäude betreten haben, ist ein Fahrschein zu lösen. Wir bevorzugen auch hier aus genannten Gründen wieder den Automaten. Ein Einzelticket kostet 55 Rubel, eine Kartenzahlung ist immer möglich und die Automaten besitzen auch ein englisches Interface. Auch hier die Fahrkarte bitte nicht nach dem Drehkreuz wegschmeißen, denn es gibt Kontrollen im Zug.

Wir müssen nun, egal von welchem Flughafen wir kommen, in die Linie 5.

Das Praktische an einer Ringbahn ist deren Kurs im Kreis. Es gibt bezüglich der Richtung also kein richtig oder falsch, sondern nur schnell und langsam, und dieser Zeitunterschied ist für uns vernachläßigbar. Wir steigen in die nächste U-Bahn, egal auf welcher Seite der Plattform.

Im Inneren des Zuges gibt es über den Türen eine Anzeige aller Haltestellen. Der Vorteil für uns hier: Die Namen der Haltestellen sind auch in lateinischer Schrift aufgelistet. Der jeweils nächste Halt wird gut sichtbar angeleuchtet. Wir verlassen den Zug bei der Station Kurskaja.

Die Bahnhöfe Belorusskaja, Kurskaja, Pawlezkaja und Kiewskaja liegen auf der Ringbahn 5 („Kolzewaja“)

Ticketkauf

Angekommen an der Haltestelle Kurskaja, ist der schwierigste Teil bereits geschafft. Wir fahren hoch ins Bahnhofsgebäude. Nun brauchen wir nur noch einen Zug nach Wladimir und, wenn nicht schon vorher gebucht, auch noch ein Ticket.

Zugverbindungen im Internet buchen

Um vor Ort Hektik zu vermeiden, suchen wir uns bereits in Erlangen mögliche Zugverbindungen heraus. Die russische Eisenbahngesellschaft RZD hat eine eigene Buchungsseite, die auch in englischer Sprache verfügbar ist. Dort lassen sich, ähnlich wie bei der Deutschen Bahn, Fahrkarten kaufen und direkt ausdrucken. Die Buchung ist ausschließlich mit Kreditkarte möglich und erfordert eine vorherige Registrierung bei der Internetseite: http://pass.rzd.ru

Ticketkauf am Schalter

Es gibt sehr viele Ticketschalter am Kursker Bahnhof, wir nutzen aber nur diejenigen für Fernverkehrszüge („ticket offices for long-distance trains“). Dort gibt es nämlich ein „Ticket office for disabled persons“. Diesen Schalter nutzen auch wir, denn Reisende mit einer „Sprachbehinderung“ werden ohnehin dorthin verwiesen.

Der Ticketkauf am Schalter gestaltet sich ohne Russischkenntnisse aber auch hier als kompliziert. Sehr hilfreich ist es daher, eine Übersicht mit den verschiedenen Zügen vorher auszudrucken und die gewünschte Reiseverbindung zu markieren. Gegen Vorlage des Reisepasses bucht das Bahnpersonal uns dann auf den gewünschten Zug und kassiert das Geld, zwischen 600 und 800 Rubel.

Welcher Zug ist der Richtige?

Die Züge „Swift“ und „Strizh“ (jeweils gut eineinhalb Stunden bis Wladimir) sind aus Bequemlichkeitsgründen der „Lastoschka“ (sie braucht eine Viertelstunde länger) vorzuziehen. Denn diese Hochgeschwindigkeitszüge sind mit dem deutschen ICE ähnlich, während die „Lastoschka“ eher mit einer Regionalbahn zu vergleichen ist. Nach einem langen Reisetag kein sonderlich angenehmes Fortbewegungsmittel, da die Beinfreiheit zugunsten zusätzlicher Sitzplätze minimiert wurde.

Zeitlich beträgt der Unterschied aber nur fünf Minuten, da die „Lastoschka“ noch einen Zwischenhalt einlegt, beide Züge jedoch gleich schnell fahren. In den meisten Fällen werden wir also den Zug nehmen, der sich zeitlich besser anbietet.

Vom Kursker Bahnhof nach Wladimir mit dem Zug

Praktisch ist für uns: Mittlerweile sind fast alle Schilder und Lautsprecheransagen auf auf Englisch zu lesen und zu hören. Die Anzeigetafeln, auf denen das Gleis ersichtlich wird, sind leider nach wie vor nur in kyrillischer Schrift. Wir orientieren uns daher am einfachsten an Abfahrtsuhrzeit + Nummer des Zuges, denn die Zahlen sind ja dieselben wie bei uns.

Auf der Anzeigetafel steht dann die Nummer einer „platform“, die aber nicht mit dem deutschen Begriff „Gleis“ gleichzusetzen ist: Jede Plattform hat mehrere (meist zwei) „tracks“.

Die Strizh-Züge nach Wladimir / Nischnij-Nowgorod fahren alle ab „platform 1 / track 1“ und sind gesondert ausgeschildert. Sie sind zudem auch direkt aus der Bahnhofshalle (direkt neben unserem Fahrtkartenschalter) erreichbar (ähnlich dem Erlanger Gleis 1).

Bei den Lastoschka-Zügen kann das Gleis variieren, häufig ist es aber zum Beispiel „platform 3 / track 7“.

Um zu diesen Gleisen zu gelangen, fahren wir die Rolltreppe hinunter und folgen der Beschilderung „Long-Distance-Trains“ (z.B. Tunnel 2).

Anders als in Deutschland hat jedes Zugticket einen zugehörigen Sitzplatz. Der Einstieg in den Zug ist nur gegen Vorlage der Bordkarte und des Reisepasses möglich. Außerdem darf der Zug nur in dem Wagon bestiegen werden, in dem sich auch der persönliche Sitzplatz befindet. Es ist zudem auch unbedingt der eigene Sitzplatz einzunehmen, da häufig noch eine Kontrolle im Zug stattfindet. Die Schaffner werden sonst schnell unfreundlich.

Bahnangestellte gehen während der Fahrt durch den Zug und verkaufen Kopfhörer, Speisen und Lotteriescheine. Hier kann es öfters vorkommen, gefragt zu werden, ob wir auch etwas wollen. Ein freundlich-bestimmtes „Njet, spasibo“ sollte uns aber in jedem Fall zukünftig Ruhe bescheren.

Strizh auf dem Kursker Bahnhof

Taxi in Wladimir

In Wladimir angekommen, müssen wir noch eine letzte Treppe überwinden, um über die Brücke in das Bahnhofsgebäude zu gelangen. Vor diesem stehen dann Taxen bereit, wenn man sich nicht – etwa vom Erlangen-Haus – abholen lassen will. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, die Zieladresse in kyrillischer Schrift vorab auszudrucken, um Komplikationen zu vermeiden. Für eine Fahrt in die Innenstadt (z.B. zum Erlangen-Haus) sind Preise um die 150 Rubel der Regelfall.

Noch ein wichtiger Hinweis: Vor allem für die Rückreise – Anleitung einfach „umdrehen“ – empfiehlt sich die Bahnvariante, die sich viel genauer als der Transfer auf der Straße an die jeweilige Abflugzeit abstimmen läßt. Außerdem hat man dann schon ein wenig Akklimatisierung hinter sich. Bevor man sich aber für diese Variante entscheidet, bitte unbedingt beachten: Es sind in der Metro einige Treppen zu Fuß zu bewältigen, was anstrengend sein kann, wenn man schweres Gepäck zu schleppen hat.

Eine allzeit gute Reise wünscht jedenfalls

Frederick Marthol

P.S.: Seit gestern verkehrt nach zweijähriger Pause wieder einmal täglich der Saspan, der russische ICE, zwischen Nischnij Nowgorod und Sankt Petersburg mit Halt in Wladimir und Moskau. Um 7.02 Uhr geht es in der Partnerstadt los, und schon sechs Stunden später, um 13.20 Uhr landet man auf des Wanderfalken – so die deutsche Übersetzung von „Sapsan“ – Fittichen im Venedig des Nordens. Retour pfeift der Schaffner um 17.00 Uhr an der Newa, und um 23.04 Uhr steigt man an den Gestaden der Kljasma aus seinem Abteil. Wer wollte da noch fliegen und vom Airport Wladimir träumen…

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Das letzte Wochenende verbrachten viele Mitglieder des Euroklubs auf einer größeren Kulturreise: Schüler, Lehrer und Studenten fuhren nach Welikij Ustjug, um den Spuren des Ded Moros, des russischen Weihnachtsmanns, nachzugehen. Die Ehrenamtlichen, Mathilda Wenzel aus Saalfeld und Frederick Marthol aus Erlangen, waren bei der Reise mit dabei.

Am frühen Donnerstagmorgen vergangener Woche ging es los: Ein angemieteter Reisebus sammelte die müden Teilnehmer an verschiedenen Orten der Partnerstadt ein, anschließend zeigte sich durch die Busfenster ein traumhafter Blick auf die verschneiten Landschaften hinter Susdal im Sonnenaufgang.

Den ersten Zwischenhalt der Reise legten wir in einem Vorort von Jaroslawl ein, wo wir eine Vorstellung im örtlichen Delfinarium besuchten. Man kann von dieser Tierhaltung halten, was man will – den Kindern hat es jedenfalls sehr gut gefallen. Nach einem schnellen Mittagessen ging es auch schon wieder zurück in den Bus, denn bis nach Welikij Ustjug sind es ab Wladimir knapp eintausend Kilometer, die uns zum Großteil noch bevorstanden. Die Atmosphäre im Bus wurde während der langen Fahrt glücklicherweise durch Quiz-Spiele, Filme und Kurzpräsentationen aufgelockert.

Stadtführung durch Welikij Ustjug

Gegen Mitternacht erreichte der Bus dann schließlich die nördliche Kleinstadt. Ein Blick auf das Thermometer im Bus war nicht nötig, um zu bemerken, um wie viel niedriger die Temperatur hier liegt als in Wladimir: Selbst im Innenraum des Busses hingen Eiszapfen an den Fenstern.

Wunschbrief an Väterchen Frost

Nach einer kurzen Nacht erwartete uns Swetlana, unsere motivierte Reiseleiterin, vor dem Frühstücksraum und erläuterte kurz das Tagesprogramm, bevor es wieder einmal hieß: „Ab in den Bus!“. Eine ausgiebige Führung durch die Innenstadt von Welikij Ustjug organisierte unsere Reiseführerin ebenso, wie einen Besuch im internationalen Postbüro des Weihnachtsmanns, in dem sich Wunschbriefe aus aller Welt türmten… Die Residenz von Väterchen Frost liegt einige Kilometer außerhalb des Ortes im verschneiten Märchenwald, wo man anhand diverser Skulpturen und Weihnachtsdekoration den „Grundstücksbesitzer“ bereits erahnen kann.

Im Wald stand dann ein Geländespiel auf dem Programm, bei dem verschiedene Märchenfiguren (Helfer von Väterchen Frost) mit Herausforderungen auf uns warteten. Bei den eisigen Temperaturen und nach der langen Busfahrt war ein wenig Bewegung nicht schlecht, weshalb man den Reiseteilnehmern die Freude an den Spielen sofort ansehen konnte. Anschließend ging es zur Besichtigung in das Haus des Weihnachtsmanns, wo wir die privaten Räumlichkeiten samt persönlicher Garderobe detailliert gezeigt bekamen.

Frederick Marthol beim Tauziehen im Märchenwald von Väterchen Frost. Auf dem Schild steht zu lesen: Papa, mein Pfeil ist im Sumpf gelandet. Ich heirate einen Frosch.

Nach dem Mittagessen (natürlich stilecht in einem Väterchen-Frost-Restaurant!) präsentierte uns die Reiseleiterin schließlich noch ein Gewächshaus auf dem Gelände, in dem verschiedene Stauden und Sträucher zu besichtigen waren. Wir verließen das Glasgebäude dennoch lieber zügig, denn das tropische Klima im direkten Gegensatz zur trockenen Kälte machte uns zu schaffen.

Den gesamten Samstag verbrachten wir im Bus, der uns nach Kostroma brachte, wo Snegurotschka, die Enkelin des russischen Weihnachtsmanns, lebt. Ihr Haus ist zwar nicht ganz so groß wie das von Väterchen Frost, liegt aber dafür zentral in der Innenstadt. Die Hausbesichtigung fand hier dann am Sonntagmorgen statt und verlief ähnlich wie die erste. Ein besonderes Highlight war dann aber auf jeden Fall noch die „Eisbar“ im Inneren des Hauses mit verschiedenen in die Wand gearbeiteten Skulpturen aus Eis. Dort rundete ein Schnaps, serviert in einem Glas aus Eis, den Besuch beim „Schneemädchen“ ab.

Kostroma ist aber nicht nur bekannt für die Märchenfigur Snegurotschka, der Ort gilt auch als russische Käsehauptstadt. Ein letzter Zwischenhalt bei der ortsgrößten Käsetheke als war also obligatorisch.

Die Reisegruppe aus Wladimir bei Snegurotschka in Kostroma

Die Reise hat mir persönlich sehr gut gefallen. Es war interessant, die russischen Sagen kennenzulernen, und sogar die langen Fahrtzeiten waren stets unterhaltsam. So gesehen ist es eigentlich schade, in Deutschland keinen äquivalenten Ort zu haben, gerade für Kinder wäre das sicherlich interessant. Außerdem war die Reise ein kurzweiliger Gegensatz zu meinem Alltag an der Universität.

Frederick Marthol

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Wladimir wartet gleich mit mehreren Institutionen für ehrenamtliche Helfer auf. In der russischen Partnerstadt haben diese die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum hinweg Auslandserfahrungen zu sammeln und das Leben vor Ort aus nächster Nähe kennenzulernen. Verschiedenste Programme und Stipendien ermöglichen ein Auslandssemester, einen Freiwilligendienst oder auch ein Praktikum in Wladimir. Hier sprechen wir exklusiv für den Blog mit denjenigen, die diese Möglichkeiten aktuell nutzen:

Momentan engagieren sich drei deutsche Jugendliche in Wladimir: Lara Heinen aus Lüdenscheid im Erlangen-Haus, Mathilda Wenzel aus Saalfeld im Euroklub und an einer örtlichen Gesamtschule sowie Frederick Marthol aus Erlangen am Fremdspracheninstitut der Universität und ebenfalls im Euroklub.

Frederick Marthol, Mathilda Wenzel und Lara Heinen

Alle drei haben im letzten Jahr die Schule abgeschlossen und sich danach für einen Aufenthalt in Wladimir entschieden. Im folgenden Gespräch ziehen die drei 18 Jahre alten Gäste ein erstes Resümee aus mehreren Monaten Freiwilligenarbeit:

Redaktion: Warum genau habt Ihr Euch für die Stelle in Wladimir beworben?

  • Lara: „Meine Mutter kommt aus diesem Land, ich kann daher auch fließend Russisch sprechen und war öfters mit der Familie zu Besuch bei Verwandten. Ich habe mich übrigens nicht für Wladimir, sondern die Russische Föderation insgesamt beworben. Nachdem ich also eine Zusage von meiner Trägerorganisation „weit erhalten hatte, standen drei russische Städte zur näheren Auswahl. Ich persönlich hätte es ganz cool gefunden, nach Ufa zu fahren, da diese Stadt um einiges größer als Wladimir ist und insgesamt mehr zu bieten hat. Ich bin aber dennoch sehr glücklich mit meinem Standort hier, da ich auf keinen Fall nach Sergijew-Possad wollte.“
  • Frederick: „Die Erlanger Partnerstädte haben mich schon immer interessiert, und daher wollte ich auf jeden Fall in eine. Nachdem sich die Kommunikation mit den anderen Städten aber als sehr zäh herausgestellt hatte, wurde es dann Wladimir. Ich war aber 2015 schon einmal hier und kannte deswegen grob, was mich erwartet. Der Vorvorgänger meiner Stelle hat mir von der Arbeit ausführlich berichtet, und es klang eigentlich ganz interessant. Außerdem ist es hier einmal etwas komplett anderes, als das, was ich sonst so gewohnt bin. Und das „Erasmus-Plus-Programm“ bietet eine interessante Chance, auch für einen kürzeren Zeitraum, also nicht gleich ein ganzes Jahr, Freiwilligenarbeit im Ausland zu leisten.“
  • Mathilda: „Ich habe mich über die Eurowerkstatt Jena auf mehrere Städte in Europa beworben. Bei einem Seminar des „European Volunteer Service“ habe ich dann von der Möglichkeit gehört, in der Jenaer Partnerstadt Wladimir einen Freiwilligendienst zu machen, woraufhin ich mich hier beworben habe. Ich hatte zwar auch noch eine Zusage für eine französische Kleinstadt erhalten, entschied mich aber letztendlich für Wladimir entschieden, weil mich das einfach mehr interessierte.“

Redaktion: Wie sieht Euer Alltag konkret aus?

  • Mathilda: „Mein Tag beginnt am Morgen mit dem Russischunterricht in der Universität, das dauert meistens vier Stunden. Danach fahre ich mit dem Bus zum Euroklub wo ich meine Deutschunterrichtsstunden oder verschiedene Präsentationen vorbereite. Auch Veranstaltungen für die Gesamtschule oder natürlich auch für den Euroklub plane ich von dort aus. Am Abend fahre ich zurück ins Studentenwohnheim, wo ich manchmal noch den Russischunterricht nachbereite.“
  • Lara: „Der Tag beginnt für mich meist mit Sport im Fitness-Center. Ich muss nämlich erst mittags im Erlangen-Haus erscheinen, da der Deutschunterricht da am frühen Nachmittag beginnt. Dort starten wir dann mir einem kurzen Briefing, bei dem wir die anstehenden Unterrichtsstunden zeitlich ein- und auf unser Team aufteilen. Anschließend assistiere ich beim Unterricht oder realisiere eigene Projekte wie z.B. einen Filmabend oder auch das Plätzchenbacken vor Weihnachten. Hin und wieder gebe ich auch Einzelunterrichtsstunden. Nach dem Feierabend um 21.00 Uhr fahre ich entweder heim oder gehe noch kurz einkaufen.“
  • Frederick: „Nach dem Frühstück gehe ich zur Universität, wo ich entweder zuerst meine eigene Russischunterrichtsstunde habe oder eine Themenpräsentation/Konversationsstunde in der deutschen Sprache anbiete. Nach diesen beiden Terminen spreche ich mich meistens noch mit Oxana, einer Dozentin an der Uni, ab, welche Veranstaltungen in den nächsten Tagen anstehen und wie diese ablaufen sollen. Danach fahre ich auch öfters in das Büro des Euroklub, wo häufig noch weitere Arbeiten auf mich warten.“

Redaktion: Und womit verbringt Ihr Eure Freizeit hier in Wladimir?

  • Mathilda: „Ich treffe mich häufig mit Freunden aus dem Wohnheim auf einen Tee, oder wir unternehmen etwas wie zum Beispiel Eislaufen, einen Museumsbesuch oder ähnliches. Ich war auch schon mehrmals in Moskau, Nischnij Nowgorod und einmal in Samara.“
  • Lara: „Wie schon gesagt, ist mir Sport sehr wichtig. Im Fitness-Center habe ich auch Freunde gefunden, mit denen ich inzwischen vieles unternehme. Wir gehen zum Beispiel öfters ins Kino. Ich fahre auch gerne in andere Städte.“
  • Frederick: „Ich schließe mich den beiden an. Andere Städte anschauen, finde ich klasse, am Wochenende war ich zum Beispiel mit einem befreundeten Studenten in Sankt Petersburg! Nach der Arbeit gehe ich meist noch laufen. Außerdem fahre ich auch ich hin und wieder am Abend in die Stadt auf ein oder zwei Bier.“

Redaktion: Worauf hattet Ihr nach Eurer Ankunft zu verzichten?

  • *Alle Drei*: „Trinkbares Wasser aus der Leitung!“
  • Mathilda: „Das Leben im Wohnheim ist manchmal gewöhnungsbedürftig, besonders die Hygienestandards, aber das liegt vielleicht auch an Studentenwohnheimen generell. Anfangs fand ich auch das Einkaufen schwierig, weil ich die Produktbeschreibungen nicht lesen konnte.“
  • Lara (lacht): „Klopapier darf hier nicht im WC heruntergespült werden, sondern es gehört in den Mülleimer!“
  • Frederick: „Die Registrierungen vor Ort nerven mich. Das stört bei spontanen Fahrten einfach! Am meisten vermisse ich aber das Fahrrad als Fortbewegungsmittel, wie ich es aus Erlangen gewohnt bin. Diese ewige Busfahrerei hier ist schrecklich und macht mich unflexibel.“
  • Mathilda: „Ach ja, und die Einrichtung meines Internetvertrags per Kabel ließ sich nur sehr schwer bewerkstelligen… Ich rannte von einem Universitätsgebäude ins nächste und wurde immer aufs Neue weitergereicht. Diese Bürokratie erschwert viele Angelegenheiten, die sich eigentlich ganz einfach lösen ließen.“

Redaktion: Was war die unangenehmste Erfahrung während Eures Aufenthaltes?

  • Mathilda: „Ich habe mich einmal in Nischnij Nowgorod verlaufen und konnte noch zu wenig Russisch, um mich mit den Einheimischen zu verständigen. Ich wollte zudem noch dringend zum Bahnhof, denn die Zeit war knapp. Das war schlimm. Ich saß in tausend falschen Bussen, fragte mich ewig durch, und bat schließlich einen Bekannten per Handy, einer anderen Buspassagierin mein Problem auf Russisch zu erläutern. Diese half mir dann zum Glück weiter, und ich habe den Zug letztendlich doch noch erwischt.“
  • Frederick: „Diese eine Erfahrung gibt es bei mir jetzt nicht direkt. Aber generell stört es mich, mit den meisten Menschen hier nicht kommunizieren zu können. Wann immer ich von Passanten angesprochen werde, kann ich ihnen immer nur schulterzuckend mitteilen, sie kaum zu verstehen. Richtig unangenehm wird es jedoch erst dann, wenn anschließend völlig unbeeindruckt weitergeredet wird, ohne ein Ende in Sicht. Bei den Sicherheitsbeamten an öffentlichen Gebäuden ist das häufig so.“

Redaktion: Wladimir oder Melbourne nach dem Abi?

  • Frederick: „Auf jeden Fall Wladimir! Nach Australien komme ich bestimmt im Laufe meines Lebens einmal, bei der Russischen Föderation bin ich mir da nicht so sicher. Das ist jetzt nicht unbedingt das Land, wo ich auch als Tourist hinfahren würde. Und, wie schon gesagt, es ist einfach mal etwas anderes als der ganze Standardkram.“
  • Mathilda: „Wladimir! Ganz einfach: Weil ich über dieses Land viel weniger Wissen hatte, als über Australien. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, hier ehemalige Klassenkameraden zu treffen viel geringer.“ (lacht)
  • Lara: „Erstens habe ich ein paar Ansprüche, und zweitens: Was will ich in Australien? Ein paar Känguruhs streicheln und am Strand rumhängen? Nein – Australien ist mir zu Mainstream! Meine Mutter hat mich ja eigentlich auf die Idee gebracht, nach hierher zu fahren. Diese Idee hat mich dann aber endlich auch überzeugt. So bin ich jetzt das erste Mal alleine im Land und kann auch noch meine Sprachkenntnisse anwenden und erweitern.“

Redaktion: Gibt es eigentlich Probleme bei der täglichen Arbeit?

  • Mathilda: „Am Anfang auf jeden Fall die Sprache. Daraus resultierten dann Probleme beim Verständnis von Zwischenmenschlichem… Auch die ungewohnten Arbeitsweisen waren anfangs sehr schwierig für mich und sind es zum Teil immer noch. An der Uni herrschen beispielweise andere Umgangsformen zwischen den Dozenten und Studenten, als ich das von Deutschland gewohnt bin.“
  • Frederick: „Ja, da hat Mathilda schon recht. Die Arbeit läuft einfach ganz anders. Viel unstrukturierter. Es stört mich auch, meine Aufträge immer nur sehr grob bis gar nicht terminiert zu bekommen. Die Sprachbarriere macht sich gar nicht so sehr bemerkbar, eher sind es kulturelle Differenzen, die dann auch die Arbeit beeinträchtigen.“
  • Lara: „In den ersten Wochen meines Aufenthaltes hatte ich oft das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, beziehungsweise überflüssig zu sein. Mittlerweile ist das aber nicht mehr so. Vielleicht liegt es an dem Umstand, die erste Freiwillige im Erlangen-Haus zu sein.“

Redaktion: Könnt Ihr Euch mit Euren jetzigen Erfahrungen vorstellen, im Rahmen eines Studiums ein Auslandssemester in Wladimir zu machen?

  • Mathilda: „Nicht in Wladimir, aber an einer anderen russischen Hochschule. Die Uni in Wladimir kenne ich ja jetzt schon sehr gut, da will ich dann schon noch eine andere Stadt sehen.“
  • Lara: „Ich weiß es noch nicht, aber generell ablehnen tue ich es auch nicht.“
  • Frederick: „Nein. Wie Mathilda kenne ich die Uni jetzt sehr gut, und wenn ich noch mal längere Zeit ins Ausland gehen sollte, dann auf jeden Fall in ein anderes Land. Aber vielleicht ändere ich meine Meinung ja noch einmal.“

Redaktion: Vielen Dank für eure Unterstützung! (alle lachen)

Frederick Marthol

Weiterführende Informationen zu einem Aufenthalt in Wladimir:

Auslandssemester an der Vladimir State University: www.vlsu.ru und https://is.gd/Jz1nB5

Bewerbung beim Sprachenzentrum des Goethe-Instituts in Wladimir, dem Erlangen-Haus: https://www.kulturweit.de  und http://erlangen.ru

Bewerbung beim Euroklub (+ Partnerorganisation): https://is.gd/w7OaB0 und https://is.gd/UkCmby

Sendeorganisation www.eurowerkstatt-jena.de

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Das „Erasmus Plus – Programm“ brachte den Erlanger Frederick Marthol im Dezember nach Wladimir, wo er nun gemeinsam mit Mathila Wenzel aus Saalfeld beim Euro-Klub freiwillige Projektarbeit leistet, voraussichtlich noch bis April. Gute Aussichten für Stammleser des Blogs, denn der Pfadfinder schickt von Zeit zu Zeit Episteln, die richtig Freude bereiten. Dieser Tage nun ging ein weiteres Sendschreiben in der Redaktion ein:

Das russische „Dreikönigsfest“, Epiphanias, wird ja bekanntlich am 19. und nicht wie bei uns am 6. Januar zelebriert. Peter hat mit seinem Artikel „Rein von aller Schuld“ ja auch schon einige Eindrücke der kaltnassen Taufe geliefert: https://is.gd/3hDev2 Doch auch für die Jugendorganisation Euro-Klub war dieser Tag der Anlaß einer alljährlichen Sonderveranstaltung zum Thema „Dreikönig – Epiphanias“, denn die traditionellen Gebräuchlichkeiten könnten in den beiden Ländern wohl nicht verschiedener sein. Nachdem ich selbst über die kältewahnsinnige Badeveranstaltung erfahren hatte, ging es darum, den russischen Schülern und Studenten Traditionen und Herkunft des Dreikönigstages, wie wir ihn kennen, zu vermitteln. Zufälligerweise war ich in meiner Grundschulzeit als „Sternsinger“ im Erlanger Zentrum unterwegs und konnte ein wenig über diese Art des Feiertages berichten, was ebenfalls auf großes Interesse stieß…

Frederick Marthol als Deuter der Epiphanie

Allerdings gibt es noch eine ganz andere Tradition am russischen Epiphaniastag: Es geht darum, ein wenig über die persönliche Zukunft im nächsten Jahr zu erfahren, kurzum man erprobt verschiedene Methoden und Praktiken des Wahrsagens. Seien es zufällig ausgewählte Textpassagen eines Buches (stilecht wurden natürlich Grimms Märchen verwendet) oder das Gießen von flüssigem Wachs in kaltes Wasser (bei uns zu Silvester als „Bleigießen“ geläufig).  Es wird interpretiert und gerätselt, bis eine passende Zukunftsprognose für das kommende Jahr gefunden ist.

Frederick Marthol und Mathilda Wenzel

In der Hoffnung auf die Erfüllung der Zukunftsvisionen und voll neuem Wissen über den Epiphaniastag konnten alle einiges von dem Tag mitnehmen, so auch meine Kollegin Mathilda aus Saalfeld:

Ich fand das Wahrsagen echt spannend und auch lustig. Es war cool, nicht nur über die Traditionen in Deutschland informiert, sondern auch noch etwas über die religiösen Bräuche zu diesem Fest hierzulande erfahren zu haben. Außerdem war es für mich interessant, bei der Recherche vorab zu sehen, wie viele verschiedene Methoden es gibt, um in die Zukunft zu schauen.

Ich bin gespannt welche Feierlichkeiten mich hier während meines Aufenthaltes noch erwarten, denn nach Neujahr ist die Meßlatte ja doch schon sehr hoch angesetzt.

Frederick Marthol

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Am 21. Dezember organisierten wir in den Räumen des „Informationszentrums für Atomenergie Wladimir“ ein Neujahrsfest für die Kinder und Jugendlichen des Zentrums „Insel der Pflege“. Dort feierten wir gemeinsam mit den Aktivisten vom Euroklub und den Mitarbeitern des Informationszentrums, die unsere Jugendorganisation auch in diesem Jahr wieder bei der Vorbereitung unterstützt haben.

Mathilda Wenzel

Als Ehrengäste waren Väterchen Frost und das Schneemädchen, sowie ihr deutscher Kollege, der Weihnachtsmann, geladen. Diesen spielte unser neuer Freiwilliger, Frederick Marthol aus der Partnerstadt Erlangen, der über die Neujahrsfeier folgendes sagt:

Frederick Marthol als Weihnachtsmann

Diese Art und Weise, Neujahr zu feiern, hat mir sehr gut gefallen, ich könnte mir vorstellen davon etwas auch zu Hause in Deutschland anzubringen. Das Schönste waren aber die glücklichen Kinder, ich denke die Spiele und das Programm haben ihnen wirklich Spaß gemacht.

Frederick arbeitet zusammen mit mir, Mathilda Wenzel aus Saalfeld. Ich bin hier schon seit August als Freiwillige im Einsatz.


Zu Beginn moderierten die Mitarbeiter des Zentrums für die Kinder und Jugendlichen ein Spiel, bei welchem sie im Team möglichst schnell verschiedenen Fragen zu Silvestertraditionen zu beantworten hatten. Danach luden uns die Weihnachtsmänner und ihre Helfer zu Spiel und Tanz in den großen Raum ein. Neben dem Schneeflockentanz und Neujahrsgedichten wurde auch das deutsche Spiel „Wurstschnappen“ in einer abgewandelten Variante – mit Keksen – gespielt, bei dem die Kinder in zwei Teams Kekse, die auf einer Schnur aufgefädelt sind, möglichst schnell abessen müssen.

Die Schwierigkeit besteht darin, die Hände nicht zur Hilfe nehmen zu dürfen. Am Ende, wie es sich für eine Neujahrs- oder Weihnachtsfeier gehört, verteilten Väterchen Frost und der Weihnachtsmann gemeinsam die Geschenke. Die hatten sich die Kinder nach dem Aufsagen von Gedichten und dem Nachweis ihres umfangreichen Wissens über Silvestertraditionen, auch redlich verdient.

Die Geschenke waren vorab im Rahmen der Aktion „Ein Geschenk für Kinder“ gesammelt worden, wobei sich Schüler der Wladimirer Schulen und Gymnasien als besonders aktiv hervortaten. Dafür an dieser Stelle noch einmal Danke. Alles in allem blicken wir auf ein schönes Fest zurück, das sich in den nächsten Jahren hoffentlich wiederholen lassen wird.

Mathilda Wenzel

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