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Posts Tagged ‘Frauenhaus Wladimir’


Als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Jena pflege ich auch einen sehr regen Austausch zwischen Frauen aus unseren Partnerstädten. Schwerpunkte liegen dabei auf Netzwerkbildung bei den Themen „Häusliche Gewalt“, „Alltagsbewältigung“ und ….

Cornelia Bartlau und Olga Dejewa

Nach Reisen in die Partnerstädte Jenas, Berkeley und Lugoj, fuhren in diesem Jahr elf Frauen nach Wladimir. Vom 5. bis 10. Mai mieteten wir uns im Erlangen-Haus ein und waren dort sogleich begeistert vom herzlichen Empfang durch Irina Chasowa, von den gemütlichen Zimmern und vom praktischen Gemeinschaftsraum mit Balkon. Wir fühlten uns in diesem Haus wie in einer großen Wohngemeinschaft. Von dem üppigen Frühstück, welches jeden Morgen für uns wie ein kleines Kunstwerk vorbereitet wurde, schwärmten vor allem diejenigen, die den süßen Start in den Tag bevorzugen.

Frauendelegation aus Jena im Erlangen-Haus

Für fast alle Frauen war es die erste Reise nach Rußland, die erste Begegnung mit russischer Kultur und Menschen in unterschiedlichen Lebens- und Arbeitssituationen.

Patriarchengarten

Wir wurden sehr herzlich von der Oberbürgermeisterin, Olga Dejewa, empfangen. Sie begleitete unsere Delegation im Patriarchengarten mit seinem einzigartigen Blick auf die Altstadt, und Walentina Blinowa, seit 25 Jahren dort angestellt, gab uns einen interessanten Einblick in die Geschichte und in die innovativen Zukunftsvorstellungen des Parks. Wir durften uns in das Gästebuch eintragen, welches auch Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew schon für seinen Eintrag in den Händen hielt.


Danach ließ es sich Frau Dejewa nicht nehmen, uns die neugestaltete Fußgängerzone zu zeigen. Auch für mich war vieles neu, vor allem aber überraschte mich, wie ein Stück altes Wladimir so geschmackvoll wiederhergestellt wurde. Ein Bummel bei Sonnenschein wäre ganz sicher noch schöner gewesen, so zog es uns schnell in die warmen Stuben der Souvenirläden. Interessant hier, wie nicht nur viel selbstgemachtes Handwerk verkauft, sondern wie auch Frauen vor Ort ihr Können öffentlich zeigen. Die wunderschönen Schatullen mit der Lackkunstmalerei sind immer wieder ein Hingucker und exotisches Mitbringsel für Freunde zu Hause.
Der Besuch im Wladimirer „Frauenhaus“ wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Mit sehr viel Engagement und großer städtischer Unterstützung finden hier Frauen für einen begrenzten Zeitraum nicht nur eine Unterkunft, sondern auch psychologische und soziale Unterstützung. Den Kontakt zu dieser Einrichtung gibt es schon über einige Jahre, und die Leiterin, Alla Gawrilowa, konnten wir im letzten Jahr zu unserer Tagung „Gemeinsam gegen häusliche Gewalt“ in Jena begrüßen.


Susdal, gerade mal 30 Kilometer von Wladimir entfernt, stand ganz oben auf dem Besichtigungsplan. Dank unserem Freund Peter Steger konnten wir diese Fahrt mit Jelena Ljubar machen. Ich war ja schon oft in dort, aber noch nie habe ich es so schön erlebt. Jelena verstand es einfach hervorragend, für uns die Geschichte lebendig werden zu lassen. Wir gingen durch jahrhundertealte Klöster, den Kreml, und immer wieder überraschte unsere Führerin mit einer erfrischend modernen, lockeren Sprache über Details und Zusammenhänge der russischen Kultur. Wir haben es sehr genossen, mit ihr sechs Stunden durch die Stadt zu gehen, und immer hatte sie ein wachsames Auge auf uns. Als eine Teilnehmerin von uns fehlte bemerkte sie es als erste. Mit ihren Anweisungen an den Taxifahrer konnten wir die Vermißte wieder „einfangen“.

Mit Jelena Ljubar in Susdal

Den Abschluß unserer kurzen Reise krönten wir mit dem Besuch der Festlichkeiten zum 9. Mai, dem Tag des Sieges. Obwohl es eiskalt war und leichter Regen fiel, waren viele Wladimirer Frauen, Männer und Kinder auf den Beinen, trugen zu Tausenden das Bild eines gefallenen Angehörigen vom Großen Vaterländischen Krieg. Nach den offiziellen Reden bekam der Tag einen Jahrmarktcharakter mit viel Musik, Tanz zum Mitmachen und Leckerein aller Art.

Wir haben uns in die warme Wohnung einer russischen Familie aufgemacht, die uns alle herzlich eingeladen hatte. Zuerst trauten sich nicht alle Frauen, zweifelten daran, dass wir alle elf Personen Platz hätten. Aber ich kenne die russische Gastfreundschaft und wußte: Das ist kein Problem. Keine fünf Minuten nachdem wir angekommen waren, hatte jede einen Sitzplatz, ein Schnapsglas, und das Essen roch schon aus der Küche. Eine Teilnehmerin fragte unsere Gastgeberin, Sonja Babanina, wie denn das russische Gericht genannt werde und ob es traditionell sei. Mit dem einzigartigen Humor, den ich nur bei Sonja kenne, antwortete sie: „Das sind ja nur Kartoffeln mit Fleisch aus der Dose, ihr seid so viele, und es mußte schnell gehen!“ Gelacht und geredet haben wir viel in den zwei Stunden. Sonja, als ehemalige Deutschlehrerin bei einigen Jugendaustauschbegegnungen im Rahmen von „Mix-Tour“ unsere Übersetzerin, konnte jede neugierige Frage der Deutschen in deren Sprache beantworten.

Uns haben die Begegnungen sehr beeindruckt. Die Menschen in Rußland besitzen eine Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die wir hier nicht kennen.


Eine Reise in eine unserer Partnerstädte ist mehr als eine touristische Tour, sie öffnet die Herzen für Verständnis und Freundschaften – in den heutigen Zeiten ein kostbares Gut.


Für uns war es ein großer Schritt nach Wladimir, aber hoffentlich auch viele kleine Schritte für eine kommende Städtepartnerschaft im Dreieck mit Erlangen.

Cornelia Bartlau
Gleichstellungsbeauftragte

s. auch: https://is.gd/37RoHP

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