Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Franconian International School’


Am 19. September machten sich 27 Schüler der Franconian International School (FIS) aus zwölf verschiedenen Ländern, begleitet von vier Lehrkräften, auf den Weg nach Moskau und Wladimir, um dort acht Tage lang mit Geschichte, Politik, Wirtschaft und Kultur Rußlands auseinanderzusetzen. Der Reise teilte sich in vier Tage Moskau, wo die FIS-Schüler erfolgreich ihre Kenntnisse der kyrillischen Schrift beim Einkaufen und Kochen verwendeten, notwendig wegen ihrer Unterbringung in Selbstversorgerzimmern. Den zweiten Teil der achttägigen Fahrt lebten sie in Wladimir bei Familien.

Der Aufenthalt war für die Gruppe zum einen schulisch ein großer Erfolg hinsichtlich des Studiums der russischen Geschichte, kulturell dank dem eigenen Erschließen und Verstehen der Tiefe und Vielfalt der russischen Kultur, zum andern für ihre Lebensgewandtheit, weil man sich auf einer halbselbständigen Reise in eine andere Kultur zurechtfinden mußte, seinen besonderen Wert gewann der Aufenthalt aber vor dem Hintergrund der internationalen Denkungsweise, wo die Erlanger Schüler ihre jeweils ganz unterschiedlichen nationalen und kulturellen Perspektiven mit denen ihrer russischen Altersgenossen zusammenbrachten und dabei ihre Gemeinsamkeiten als „wir sind alle Menschen“ miteinander in den Blick nahmen.

Es folgen verschiedene Stationen und Blickwinkel der Reise, kommentiert mit Zitaten der Schüler und ihren Erinnerungen an die Fahrt.

FIS 3

27 Schüler und vier Lehrkräfte beim Aufbruch vor der FIS am Freitag, den 19. September 2014, von fünf Kontinenten und aus folgenden Staaten: Australien, Österreich, Frankreich, Deutschland, Indien, Iran, Italien, Niederlande, Rußland, Vereinigtes Königreich, Uruguay und USA.

FIS 4
Die Grenzformalitäten und die ersten Worte auf Russisch für die Schüler. Auch wenn viele von ihnen durchaus Erfahrung mit dem Reisen haben, war dies doch eine praktische Lebensübung, die viele von ihnen zum ersten Mal zu bestehen hatten.

FIS 5
Gleich welcher Nationalität: Die Teenager feiern die Ankunft in ihren eigenen Zimmern, fern der Aufsicht durch die Lehrkräfte.

FIS 6
Ein uruguayisch-holländisch-deutsches Gemeinschaftsteam beim Versuch, den kyrillischen Verpackungsaufdruck zu entziffern, um die Selbstversorgung für die nächsten drei Tage planen zu können.

FIS 7
Keine Anzeichen von Sanktionen für die Mädchen bei der Zusammenstellung ihrer ausgewogenen Ernährung für die nächsten drei Tage.

FIS 8
Lernen fürs Leben: Selbstversorgung in Moskau.

FIS 10
Basilius-Kathedrale bei Nacht.

FIS 11
Erste Anzeichen von Müdigkeit: Nachttour auf dem Roten Platz am Ende eines langen Tages in Moskau.

FIS 12
Die führenden Läufer beim Moskau-Marathon, verfolgt von den FIS-Schülern als einzige Zuschauer auf dem Krim-Wall.

FIS 13
Beim Studium der russischen Geschichte in der Tretjakow-Galerie. Adam und Eva von Jurij Annenkow.

FIS 14

Besuch auf dem nach dem Dichter Walerij Brjussow benannten Schiff mit Originalprodukten von Adidas und einer Diskussion über deutsch-russische Wirtschaftskontakte. http://is.gd/BHlavH

FIS 15
Erkundung der Sowjetgeschichte im Museum für sowjetische Arcade-Automaten.
FIS 16
Die Schüler schrieben eine Analyse darüber, was uns die vorherrschenden Typen von Arcade-Automaten über die Sowjetunion sagen.

FIS 17
Eine Dinner-Party der Schüler mit kulinarischem Praxistest.

FIS 18
Ein Besuch bei Siemens Moskau, um mehr über die deutsch-russischen Wirtschaftskontakte zu erfahren und um Siemens-Mitarbeiter nach dem Verhältnis zwischen Rußland und dem Rest der Welt zu befragen.

FIS 19
Fragestunde mit dem früheren Diplomaten der UdSSR, dem ehemaligen stellvertretenden Außenminister und Ex-Botschafter in Deutschland, Sergej Krylow, zu Rußlands Rolle in der Welt und den aktuellen Ereignissen in der Ukraine.

FIS 20
Rußland verstehen durch seine Kultur: Die Schüler besuchen „Schwanensee“ im Staatlichen Kreml-Palast.

FIS 21
Besuch in der Zentrale von Adidas Russia, um mehr über die russisch-deutschen Wirtschaftskontakte zu erfahren und ihre erste gemeinsame Präsentation zu machen, woraufhin sie von Adidas-Managern ermutigt wurden, sich bei Adidas Russia für ein Betriebspraktikum zu bewerben.

FIS 22
Auf dem Weg nach Wladimir. Auf die komfortable Art mit dem Sapsan, dem russischen ICE.

FIS 23
Der Willkommensanstecker von Pawel Bondarjew, dem Leiter der Jugendorganisation Lingua, der den Besuch in Wladimir vorbereitet hat.

FIS 24
Erste Eindrücke von Wladimir rund um das Goldene Tor.

FIS 25
Herzliche Aufnahme in den Familien.

FIS 26
Die russische Gastfreundschaft bietet mehr als noch so ausgehungerte Jungs vertilgen könnten.

FIS 27
Neue Freundschaften und Pläne für ein Wiedersehen in Erlangen.

FIS 28
Ein gemischtes FIS-Wladimir-Team beim Basketball. Das Eis ist gebrochen, und Freundschaften werden gefestigt.

FIS 29
Interviews mit Sowjet-Veteranen. Oral History im Praxistest der geschichtlichen Wahrheit.

FIS 30
Alle Teilnehmer waren sich einig, Teil der gesamten Menschheit zu sein und bewaffnete Konflikte zwischen Nationen der Vergangenheit zu überlassen.

FIS 31
Die Schüler befragten Oberbürgermeister Sergej Sacharow zu den Beziehungen zwischen Wladimir und Erlangen, aber auch zur Entwicklung seiner Stadt. Eine freimütige, offene und positive Unterhaltung.

FIS 32
FIS-Schüler in der Hauptrolle bei einer russischen Folklore-Tanz-Veranstaltung.

Stimmen der Schüler

Was hast Du über Rußland gelernt?

● Es ist kein öder, gefühlskalter oder häßlicher Ort. Ganz das Gegenteil. Das Land ist sehr schön und atemberaubend.
● Anders als das einige Medien im Westen zeigen, sind die Menschen da genau wie du und ich.
● Ich habe erfahren, daß es unbedingt den Wunsch zum Austausch gibt und die Regierung nicht immer das Volk widerspiegelt.
● Sobald dich Russen besser kennenlernen, erweisen sie sich als ausgesprochen warmherzig und gastfreundlich.

Was hast Du für und über Dich selbst gelernt?

● Ich habe begriffen: Was man erwartet, stimmt nie mit der Wirklichkeit überein.
● Ich habe verstanden, fähig zu sein, eine geschichtliche Begebenheit aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.
● Ich koche gar nicht so schlecht und kann zwei Mitbewohner mit meinen Kochkünsten satt machen.

Ein Wort des Dankes an Oliver Hartwright, den Geschichtslehrer, der nicht nur die Idee zu dem Projekt hatte, sondern auch die Kraft und Einfühlungsgabe aufbrachte, die Leitung der FIS, vor allem aber die Schüler und Eltern auf dem hoffentlich letzten Höhepunkt des Ukraine-Konflikts vom Sinn dieses Unternehmens zu überzeugen. Von der ganzen Vorbereitungsarbeit einschließlich einer Erkundungsreise nach Moskau und Wladimir im August ganz zu schweigen. Aber seine Mühen wurden ja belohnt, wie dieser Bericht zeigt. Well done!

Der Wladimirer Staatliche Lokalsender hat einen Beitrag zum Besuch der FIS-Schüler gemacht, der hier zu sehen ist: http://is.gd/NXyoSQ; ein weiterer Bericht der Wladimirer TV-Station Variant ist hier zu sehen: http://is.gd/ZCei7u

Read Full Post »


Geschichtslehrer, Oliver Hartwright, von der Franconian International School wird mit einer Schülergruppe vom 19. bis 26. September eine Studienreise nach Moskau und Wladimir durchführen. In der Partnerstadt will man nach Spuren des Kalten Krieges, nach den einstigen Verteidigungslinien, einem Flughafen und vor allem nach Menschen forschen, die jene Zeit aus eigenem Erleben kennen. Eigentlich hätte man gerne gegen Ende des Aufenthalts vor Ort Florian Janik getroffen und ihm das Projekt vorgestellt, doch dessen Antrittsbesuch beginnt erst einen Tag später. Was in Wladimir terminlich nicht möglich ist, gelingt dann aber eben in Erlangen. Für fast eine Schulstunde lang stellte sich deshalb gestern vormittag der Oberbürgermeister den Fragen nach Sinn und Zweck einer Reise nach Wladimir unter verschärften geopolitischen Umständen.

FIS 1

Florian Janik mit der Schülergruppe vor der Franconian International School

Es ging gleich kritisch ans Eingemachte: Wozu überhaupt eine solche Partnerschaft? Jedenfalls nicht nur für Schönwetterperioden, nicht für hübsche Hinweisschilder an den Stadtgrenzen, nicht für gelegentliche offizielle Begegnungen und Trinksprüche. Florian Janik geht es um die wesentlichen Dinge: die Begegnung, den Austausch auch und gerade in schwierigen Zeiten, denn: „Wenn man einander kennt, wird man schwerlich aufeinander schießen!“ Eine Absage der Reise angesichts der kriegerischen Entwicklung in der Ostukraine würde nicht die dafür verantwortlichen Politiker treffen, sondern just die Menschen, derentwegen die Partnerschaft schon zu Zeiten des Kalten Krieges begründet wurde. Man würde es sich zu einfach machen, gerade jetzt den Kontakt abzubrechen, zumal ja auch Wladimir die Verbindung nicht abreißen lassen möchte. Zu kostbar auch all das, was man in drei Jahrzehnten alles an Vertrauen und gemeinsamen Projekten aufgebaut hat. Ganz im Sinne von Willy Brandt argumentiert Erlangens Stadtoberhaupt: „Frieden und Veränderung sind nur durch Dialog möglich. Und was ist die Alternative? Krieg? Selbst wenn sich eine Seite im Recht glaubt und siegt, muß sie doch am Ende mit dem Gegner wieder sprechen. Da ist es doch viel besser, das vorher zu tun!“ Genau deshalb habe er sich ja auch vorgenommen, seinen Antrittsbesuch in Wladimir möglichst rasch nach seinem Amtsantritt zu absolvieren.

FIS 2

Florian Janik in der Diskussion

Aus seiner eigenen Auslandserfahrung auf Kuba und in Argentinien erinnert Florian Janik etwas Wichtiges: „Die Menschen sind überall sehr verschieden, es gibt keinen Block uniformer Meinung, und zumindest im kleinen Kreis lassen sich auch strittige Fragen besprechen.“ Und das Ziel bleibt immer gleich: „Unser gemeinsames Interesse sind Friede und Sicherheit. Und dafür sollten wir auch in der Städtepartnerschaft unseren Beitrag leisten. Gerade jetzt!“ Passend schließlich auch zum Thema der Exkursion „Auf den Spuren des Kalten Krieges“. Man erinnere sich an den Beginn der Partnerschaft. Damals kämpften sowjetische Truppen noch in Afghanistan gegen die von den USA unterstützten Mudschahidin; als Reaktion auf die SS-20-Raketen der UdSSR folgte der NATO-Doppelbeschluß; Ronald Reagan nannte die Sowjetunion das „Reich des Bösen“; Helmut Kohl verglich Michail Gorbatschow mit Joseph Goebbels, die Kommunisten betrachteten die Kapitalisten als „Klassenfeinde“… Die Liste ließe sich ad lib. verlängern. Und dennoch, man sprach miteinander, ging aufeinander zu, pflegte den Austausch auf allen Ebenen, beendete den Kalten Krieg. „Nun ist es an uns, keinen neuen Kalten Krieg entstehen zu lassen!“ Mit dieser Mission machen sich die Schüler auf die Reise, mit diesem Auftrag tritt Florian Janik seinen Antrittsbesuch an, in diesem Geist soll die Partnerschaft weiterleben.

Read Full Post »


Günter Kuhne läßt es keine Ruhe: „Warum nur zeigen die Schulen so wenig Interesse daran, mit uns Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges ins Gespräch zu kommen, mit uns in diese 70 Jahre zurückliegende Zeit zurückzukehren?“ Natürlich, so der Veteran, könne man alles in ungezählten Büchern nachlesen, aber das unmittelbare Erleben jener Epoche lasse sich doch nur in der Begegnung erfahren.

Oliver Hartwright (links im Bild) bei der Vorstellungsrunde mit den Veteranen

Oliver Hartwright (links im Bild) bei der Vorstellungsrunde mit den Veteranen

Oliver Hartwright, Lehrer für Geschichte an der Franconian International School, braucht man das nicht lange zu erklären. Als Engländer kommt er aus jener anglo-amerikanischen Tradition, wo in der Pädagogik früh der Wert der sogenannten „Oral History“ erkannt wurde. Was Günter Kuhne zu Hause in Erfurt schmerzlich vermißt, gehört an der Erlanger Privatschule zum Unterrichtskonzept und zu einer ganz besonderen Projektarbeit, die so wohl nur unter einem Dach entstehen kann, wo man unsere Welt als ein Kaleidoskop der Nationen, Sprachen und Kulturen versteht und der Jugend mit all ihren Reichtümern der Vielfalt vermittelt.

Die Franconian International School und ihr Motto

Die Franconian International School und ihr Motto

Oliver Hartwright plant mit einer Schülergruppe im Herbst eine Studienreise nach Moskau und Wladimir. In der Partnerstadt will man nach Spuren des Kalten Krieges, nach den einstigen Verteidigungslinien, einem Flughafen und vor allem nach Menschen forschen, die jene Zeit aus eigenem Erleben kennen.

Kurt Seeber im Interview

Kurt Seeber im Interview

Da fügt es sich gut, wenn man auch den größeren Rahmen kennt und möglichst viel davon erfährt, was deutsche Kriegsgefangene in den Lagern in und um Wladimir erlebt haben. Dazu hatte sich Oliver Hartwright schon im Vorfeld ein kluges Konzept ausgedacht: Nach einer Vorstellungsrunde mit den aus Thüringen, Westphalen, aus dem Harz und dem Odenwald zu ihrem Jahrestreffen angereisten Veteranen ging es in kleinen Gruppen zu den Einzelinterviews mit den Gästen.

Günter Kuhne im Interview

Günter Kuhne im Interview

Die Gespräche, die gut eineinhalb Stunden dauerten, wurden aufgezeichnet und alle nach einem vorher festgelegten Muster geführt. Auf diese Weise sollen die Interviews später leichter auswertbar und vergleichbar sein.

Philipp Dörr im Vorgespräch mit seinen Interviewpartnerinnen

Philipp Dörr im Vorgespräch mit seinen Interviewpartnerinnen

Zehn Themenblöcke waren vorgegeben mit Fragen zur Herkunft und Bildung sowie zu Zeitpunkt und Grund des Eintritts in die Wehrmacht, zu Ausbildung und Einsatzgebiet an der Front.

Günther Liebisch im Interview

Günther Liebisch im Interview

Ebenfalls von Interesse: klimatische Bedingungen, Unterschiede zwischen Wehrmacht und Roter Armee – und dann natürlich das große Thema der Gefangenschaft und der Lebensbedingungen hinter Stacheldraht: Unterbringung, Verpflegung, Tagesablauf, Verhältnis zu Wachpersonal und Zivilisten.

Wolfgang Morell im Interview

Wolfgang Morell im Interview

Dann aber auch eine Überraschung: Die Schüler spielten den Veteranen Lieder wie „Erika“, „Zehntausend Mann, die zogen ins Manöver“, das „Westerwaldlied“ oder das „Funkerlied“ vor und wollten wissen, welche Emotionen diese Melodien heute noch auslösen. Und sie wollten wissen, ob die einstigen Soldaten später noch einmal nach Wladimir zurückgekehrt seien.

Friedhelm Kröger im Interview

Friedhelm Kröger im Interview

Die Zeit reichte natürlich bei weitem nicht aus, um alle Fragen zu beantworten. Wolfgang Morell berichtete später, er sei noch gar nicht bis zu seiner Gefangennahme gekommen vor lauter Erinnerungen, man werde das Interview aber fortsetzen. Bei ihm kein großes Problem, weil er ja in Erlangen lebt. Die übrigen mußten da stärker komprimieren, sprich, vieles weglassen, was zum Gesamtbild gehört.

Philipp Dörr im Nachgespräch

Philipp Dörr im Nachgespräch

Auch Fritz Wittmann, der gestern morgen in der Franconian International School aus Gesundheitsgründen nicht hatte dabei sein können, wird ebenso noch Gelegenheit zu einem ausführlichen Gespräch erhalten. Auch er ist ja als Baiersdorfer nicht aus der Welt und für die Schüler jederzeit erreichbar. Und er hat bereits vorgelegt mit seinem Erinnerungsband „Rose für Tamara“, den Bürgermeisterin Elisabeth Preuß am Ende der Begegnung allen beteiligten Schülern überreichte.

Karl Seeber im Gespräch mit Petra Niemczyk

Karl Seeber im Gespräch mit Petra Niemczyk

Dann noch einige Minuten für weitere persönliche Begegnungen mit Menschen, die auf ein langes Leben zurückblicken, und jungen Leuten, die ihr Leben noch vor sich haben.

Günther Liebisch im Nachgespräch

Günther Liebisch im Nachgespräch

Gesten des Verstehens mit Jugendlichen, die an diesem Samstagmorgen etwas erfahren haben, was kein Buch, kein Internetartikel, kein Unterricht alleine vermitteln kann: erlebte Geschichte, geläutert in Jahrzehnten der persönlichen Auseinandersetzung mit eigenem und fremdem Leid. zugefügt und erlitten.

Gruppenbild mit Veteranen und Bürgermeisterin Elisabeth Preuß

Gruppenbild mit Veteranen und Bürgermeisterin Elisabeth Preuß

Wenn die Schüler aus Wladimir zurückkommen, werden sie auch die andere Seite kennengelernt und eine Vorstellung davon haben, was Krieg mit den Menschen anrichtet, aber auch, wie es gelingen kann, Versöhnung zu stiften und in sich den Krieg zu besiegen.

Kurt Seeber und Günther LIebisch

Kurt Seeber und Günther Liebisch

Allerdings unternehmen die jungen Leute diese Reise auch in einer Zeit, wo die Gegensätze zwischen Ost und West drohen, wieder schwerer zu wiegen als alles, was uns verbindet, in einer Zeit, wo für viele der Krieg mitten in Europa schon wieder zum Mittel des Durchsetzens eigener Interessen wird, wo Friedenssicherung erneut zur Hauptaufgabe von Politik geworden ist.

Philipp Dörr und Günter Kuhne

Philipp Dörr und Günter Kuhne

Dabei waren wir gewarnt! Fritz Wittmann hat bereits 2005 seine „Mahnung“ zu Papier gebracht:

Fritz Wittmann und Friedhelm Kröger

Fritz Wittmann und Friedhelm Kröger

Was wir heute einfach für Rußland tun, gedeiht uns morgen zum Segen. Was wir heute einfach nicht tun dafür, tun wir vielleicht morgen schon vielfach dagegen, wenn ein Morgenrot im Osten, nicht von der Sonne entfacht, uns findet auf verlorenem Posten und uns strafen wird für die verschlafene Wacht. Wenn die Regierung eines Landes brennende Fragen nicht löst, werden andere sie anders lösen.

Gruppenbild mit Veteranen und Fritz Rösch (lins im Bild) und Helmut Schmitt (hinten rechts im Bild)

Gruppenbild mit Fritz Rösch (lins im Bild) und Helmut Schmitt (hinten rechts im Bild)

Seit elf Jahren trifft sich nun der Kreis, den Friedhelm Kröger ins Leben gerufen hat. Wieder in Erlangen, wo Wladimir doch am nächsten ist. Leider nicht mehr mit allen. Immer mehr bleiben zu Hause, weil sie die Frau pflegen müssen, weil sie selbst krank sind, weil sie nicht mehr unter uns weilen. Dennoch – auch wenn niemand heute schon zu sagen weiß, wo das Treffen im Frühjahr 2015 stattfinden soll, in einem sind sich alle einig: Es wird wieder eine solche Zusammenkunft geben. Und warum nicht in Erlangen, wo Freunde wie Fritz Rösch und Helmut Schmitt immer für ein herzliches Willkommen sorgen, und wo Schüler wie Lehrer Anteil an ihrem Schicksal nehmen.

Read Full Post »


Auch wenn es schon oft gesagt wurde und abgedroschen klingen mag, es bleibt dennoch richtig: Die Zukunft der Partnerschaft sind die Kinder und die Jugend, wie Bürgermeisterin Birgitt Aßmus im Gespräch mit der Schülergruppe aus Wladimir beim gestrigen Empfang im Rathaus immer wieder betont. Denn wer weiß schon, in welcher Funktion und mit welcher Mission eines Tages der eine oder die andere aus der Gruppe wieder in Erlangen auftaucht oder eine Rolle innerhalb der Partnerschaft übernimmt.

Birgitt Aßmus und die Schülergruppe von Ludmila Mironowa.

Birgitt Aßmus und die ein Ständchen singende Schülergruppe von Ludmila Mironowa.

Nicht genug zu danken ist deshalb Ludmila Mironowa für ihre Initiative, an ihrer Schule in Wladimir Werbung für die einwöchige Reise nach Erlangen zu machen und die Eltern dafür zu gewinnen. Obwohl es sich nicht um einen „klassischen“ Schüleraustausch handelt, sondern „nur“ um eine landeskundliche Exkursion. Die hat es freilich in sich: Besuch der Waldorfschule und der Franconian International School, Treffen mit dem Freundeskreis Wladimir und der Gruppe der deutsch-russischen Begegnungen im Club International, eine museumspädagogische Führung in Erlangen, Ausflüge nach Nürnberg, Bamberg und Rothenburg sowie ein Abend mit Jugendlichen in Möhrendorf unter der Ägide von Fritz Rösch, der die Gäste all diese Tage treu begleitet.

Birgitt Aßmus mit dem Bildgeschenk. Ludmila Mironowa rechts im Bild.

Birgitt Aßmus mit dem Bildgeschenk. Ludmila Mironowa rechts im Bild.

Noch etwas in eigener Sache: Ludmila Mironowa, selbst schon mehrfach hier verdientermaßen vorgestellt, gibt sich gegenüber Birgitt Aßmus als begeisterte Blogleserin zu erkennen. Sogar über Entwicklungen in Wladimir informiere sie sich oft lieber im Blog als über andere Medien. Vor allem schätze sie das interkulturelle Element und natürlich die unglaubliche Vielfalt des Austausches zwischen den Städten. Darüber hinaus helfe ihr als Deutschlehrerin der Blog auch, sprachlich immer neue Erfahrungen zu machen. Ein Lob, das gerne angenommen wird – als Ansporn, weiter über dies und jenes zu berichten. Aber auch als etwas, das weiterzugeben ist an all die vielen Co-Autoren, Kommentatoren und vor allem die ganze Leserschaft, ohne die der Blog schon längst ins virtuelle Nirwana entschwunden wäre. Und wer weiß, vielleicht ist an dieser Stelle ja auch schon bald ein Reisebericht zu lesen, geschrieben von jemandem aus der Schülergruppe von Ludmila Mironowa. Wäre schön und ganz im Sinne des Blogs.

Read Full Post »


Vorgestern war es endlich so weit. Bryan Landmann, Lehrer an der Frankonian International School FIS in Erlangen, gab auf Einladung des Freundeskreises Wladimir seinen lange erwarteten Liederabend im Club International. Lieder zur Gitarre, die meisten aus seiner Heimat Kanada, bot Bryan dem wegen Fußball und sommerlicher Schwüle leider nur sehr kleinen Teilnehmerkreis. Mit erläuternden Kommentaren und einem virtuosen Gitarrenspiel zu lyrischen Texten erschloss er uns die unbekannte Welt kanadischer Sänger und Songwriter. Der von Song zu Song lebhafter werdende  Applaus veranlasste auch den ein oder anderen am Club vorbeigehenden Erlanger zum Zuhören an der offenen Tür, und schließlich kam Bryan an einer Reihe von Zugaben nicht vorbei.

Bryan Landmann im Club International

Und was hat das mit Wladimir zu tun? Bryan war im Juni 2011 gemeinsam mit seinem Kollegen Steven Fogarty in Wladimir, um im Auftrag seiner Schule Möglichkeiten für Projekte für Schüler der FIS im Rahmen des CAS Programmes (Creativity, Activity and Service) zu erkunden. Dabei lernte er Jurij Katz und die Elterninitiative „SWET“ kennen, über die an dieser Stelle schon des öfteren berichtet wurde. Seinen Wunsch zu helfen. hat der Freundeskreis Wladimir gerne aufgegriffen und den Auftritt im Club International ermöglicht. Trotz der geringen Teilnehmerzahl fanden sich zum Schluss 65 Euro in der Sparbüchse, die bei nächster Gelegenheit der Organisation „SWET“ übergeben werden.

Spendenübergabe in der FIS an Wolfram Howein

Der Besuch der beiden Lehrer in Wladimir hat aber auch zu Aktivitäten bei den Schülern der FIS geführt. Es werden Bücher für die regionale Bibliothek in Wladimir gesammelt, und eine Gruppe von sechs Schülerinnen hat bei verschiedenen Gelegenheiten um Spenden für das Kinder-Reha-Zentrum „Blauer Himmel“ gebeten. Das Ergebnis dieser Aktion, 205,22 Euro, wurde mir am Morgen des 18. Juni in der Schule übergeben und inzwischen auf das Spendenkonto der Stiftung „Lichtblick“ überwiesen. Ich bin sicher, Wladimir und seine Menschen wird auch die FIS nicht mehr loslassen. Wir dürfen uns auf Folgeaktivitäten freuen!

Wolfram Howein

Read Full Post »


Gäste empfängt der Freundeskreis Wladimir ja immer gerne. Doch am Montag, den 7. Mai, werden das um 19.00 Uhr im Club International der Volkshochschule, Friedrichstraße 17, ganz besondere sein, mit einer besonderen Mission. Und sie werden hoffentlich noch weitere Gäste locken.

Steven Fogarty und Bryan Landmann im Schatten von Wladimir Lenin

Erwartet wird nämlich Bryan Landmann, Lehrer an der Franconian International School, der im Vorjahr mit einem weiteren Kollegen in Begleitung von Wolfram Howein Wladimir besuchte und dort die Elternselbsthilfeinitiative „Swet – Licht“ kennenlernte. Angetan von deren segensreichen Arbeit für Familien mit schwerbehinderten Kindern, gibt er nun im Freundeskreis ein Benefizkonzert, dessen Erlös für die Organisation bestimmt ist. Mehr noch: Dabei sein werden auch Schüler der Franconian International School, die eine eigene Spendensammlung veranstaltet haben und bei dem Treffen deren Ergebnis übergeben wollen. Da darf man gespannt sein und erwarten, daß die Summe an dem Abend auch noch aufgerundet wird. Gäste sind jedenfalls herzlich willkommen – wie immer, nur dieses Mal besonders auch, um die Arbeit von Swet zu unterstützen und natürlich Bryan Landmann zu hören, der singt und sich selbst an der Gitarre begleitet.

Mehr zu der Reise von Bryan Landmann unter: http://is.gd/7gYixt

Read Full Post »


Denis Dudenkow und Natalia Orlowa in Bamberg

Können all die vielen Gäste wirklich irren? Stimmt etwa das immer wieder bemühte Selbstbildnis des Franken als abweisender Zwiderwozzn, dem Fremde am besten weitläufig aus dem Weg gehen? Mitnichten! Kein Besucher, gleich aus welcher Partnerstadt, der nicht das hohe Lied auf die Erlanger Gastfreundschaft anstimmte. Natalia Orlowa und Denis Dudenkow vom Landesmuseum Wladimir machen da keine Ausnahme, im Gegenteil, sie geben diesem Lobeshymnus sogar noch einen Titel: „Die Stadt der herzlichen Menschen.“ Denn überall freundliche Gesichter, überall Hilfsbereitschaft, überall Offenheit, eine Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt.

Natalia Orlowa in der Fahrradstadt

Selten freilich hat es einen längeren Vorlauf gegeben wie für den Besuch der beiden Museumspädagogen. Schon in der Jubiläumsschrift „Stadt und Leute“ hieß es 1998, der noch fehlende Kontakt zwischen den Museen beider Städte stelle den letzten weißen Fleck auf der Landkarte der Städtepartnerschaft dar. Und wer wollte da nicht alles schon Abhilfe schaffen: Schon Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg hatte sich vergeblich daran versucht, auch ein Besuch seines Nachfolgers im Amt, Siegfried Balleis, bei Alissa Axjonowa, der damaligen Direktorin und heutigen Präsidentin des Museums, das zu den zehn besten Europas gezählt wird, verfehlte seine Wirkung. Weitere Emissäre wie Kulturreferent Dieter Rossmeissl und Museumsleiter Thomas Engelhardt versuchten ihr Glück mit Gesprächen und Briefen, doch auch ihnen blieb der rasche Erfolg versagt. Die wahren Gründe dafür wird man vielleicht eines Tages in einem Geheimarchiv entdecken. Wir jedenfalls wollen jetzt nicht weiter danach forschen, sondern uns mit den Gästen und Gastgebern darüber freuen, daß der Austausch nach all den langwierigen Präliminarien nun endlich in Gang gekommen ist.

Gertraud Lehmann und Natalia Orlowa

Natalia Orlowa ist ihrer Profession nach Deutschlehrerin, was dem Kontakt mit den Kollegen aus Erlangen nur förderlich sein kann. Zum Museum hat sie erst später gefunden, und nun betreibt sie in Susdal, im Kreml, Museumspädagogik für Kinder, macht aber auch von Zeit zu Zeit Führungen für Erwachsene, besonders gern für Gruppen aus Deutschland, um die Sprache zu pflegen. Den Kindern zeigt sie in einer pädagogisch aufbereiteten Ausstellung, wie Susdal vor 100 Jahren ausgesehen hat, und führt sie in ein Klassenzimmer aus dem 19. Jahrhundert. Besonders leuchten aber die Augen der Kleinen beim Anblick des Puppentheaters und des nachgestellten Jahrmarkts mit seinem ausgestopften Tanzbär und dem historischen Karussell.

Christine Brehm und Denis Dudenkow

Denis Dudenkow ist gelernter Erdkundelehrer und begeisterter Hobbyornithologe. Er betreut das Naturkundliche Museum in Wladimir mit all den präparierten Exponaten, um deren Wohl er sich persönlich kümmert. Manchmal sorgt der perfekte Vogelstimmenimitator sogar als Jäger für Nachschub. Gezeigt wird die Natur der Wladimirer Region von ihrer urgeschichtlichen Entstehung an bis heute mit all ihrer reichen Fauna. Übrigens auch virtuell und multimedial. Einmal im Jahr, an Mariä Verkündigung, veranstalten Natalia Orlowa und Denis Dudenkow gemeinsam ein Fest. Der Wladimirer Kollege kommt als Professor Kranich nach Susdal und begeistert die Kinder mit seinen Stimmimitationen und Vorführungen. Viel gesungen und getanzt wird da, man läßt Vögel aus Käfigen frei, veranstaltet ein Quiz und feiert, was das Zeug hält. Das einzige Kinderfest, an dem auch die Medien Anteil nehmen, wie Natalia Orlowa ein wenig bitter anmerkt.

Claudia Emmert, Denis Dudenkow, Natalia Orlowa, Thomas Engelhardt

Fragt man, was bei dem einwöchigen Aufenthalt in Erlangen, der heute zu Ende geht, die beiden am meisten beeindruckt hat, bekommt man viele Antworten: das großartige Team im Erlanger Museum, die Lange Nacht der Wissenschaft, die Ausflüge nach Bamberg und Rothenburg, der Besuch des Germanischen Museums in Nürnberg und immer wieder – die so freundlichen Menschen. Schließlich auch das Stadtbild, so ordentlich, so für die Menschen gemacht. Gerade das fehlt den Besuchern noch in Wladimir, wo es Bürokraten sogar verstehen, einen behindertengerechten Zugang zum Naturkundlichen Museum oder die Benennung einer namenlosen Haltestelle zu verhindern. Wie auch immer: Der Austausch hat die Feuertaufe bestanden. Nun erwartet man den Gegenbesuch im nächsten Jahr, um ein gemeinsames Projekt für das bevorstehende Jubiläumsjahr 2013, wenn die Partnerschaft 30 Jahre alt wird, vorzubereiten. Und Natalia Orlowa denkt sogar schon über eine Zusammenarbeit mit der Franconian International School nach, wo es um ein „Fenster der Geschichte“ geht. Aber das wollen wir hier noch nicht öffnen.

Mit Wolfram Howein in der FIS

Eines soll nur noch gesagt werden: Das Erlanger Stadtmuseum und die hiesige Kulturlandschaft – man denke nur an das Palais Stutterheim – können sich nach Meinung der Gäste durchaus sehen lassen und bleiben keinesfalls hinter Wladimir zurück, wie vielfach gemutmaßt. Da ist ein Austausch auf Augenhöhe nicht nur in der Museumspädagogik möglich. Und das ist ehrlich gemeint von den beiden, die jetzt, um nur ein Beispiel zu nennen, versuchen wollen, nach Erlanger Vorbild ihren Kindern auch die Möglichkeit zu geben, nach alten Rezepten zu backen und zu kochen. Da sind nur noch ein paar Brandschutzauflagen zu erfüllen. Aber gibt es da nicht auch diese engen Verbindungen zwischen den Feuerwehren der Partnerstädte? Da sollte eigentlich nichts unmöglich sein. Man muß es nur wollen und tun.

Mehr zu dem Fest Mariä Verkündigung unter: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2010/04/08/maria-verkundigung-und-die-freiheit-der-vogel/

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: