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Posts Tagged ‘Förderverein Rotes Kreuz Wladimir’


Montag, 7. August, Flug LH 2162 aus München ist fast pünktlich. Peter Steger und ich holen unsere Gäste aus Wladimir am Albrecht Dürer Airport in Nürnberg ab. Der Vorstand des Roten Kreuzes in Wladimir kommt mit seiner Vorsitzenden, Olga Antropowa. und ihrem Stellvertreter, Wladimir Prosor. auf Einladung des Erlanger Fördervereins zur Unterstützung des Roten Kreuzes in Wladimir zu einem intensiven Informationsbesuch nach Erlangen. Gemeinsam suchen wir nach neuen Ideen und Wegen, um die unzureichende häusliche Versorgung schwerkranker Menschen in Wladimir zu verbessern.

Hans Ziegler, Melitta Schön, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Nadja Steger

Am Dienstagmorgen geht es schon um 7.30 Uhr los. Als Dolmetscherin begleitet uns Anastasia Blasch, eine Wladimirerin, die seit zwei Jahren in Erlangen lebt. Wir fahren zum Roncallistift, wo die Gäste nach kurzer Einführung durch Adelheid Seifert (Leitung Pflege und soziale Dienste) direkt beim Pflegerundgang im Bereich des betreuten Wohnens dabei sein können. In den Diskussionen werden alle Aspekte in Zusammenhang mit der Pflegeversicherung in Deutschland behandelt, eine gute Grundlage für die weiteren Gespräche in den folgenden Tagen. Bemerkenswert schon hier, die herzliche Aufnahme und die umfassende Information durch die Mitarbeiter des Stifts, ein Eindruck, der sich in allen Folgeveranstaltungen wiederholt hat!

Anastasia Blasch, Adelheid Seifert, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

Am späteren Vormittag besuchen wir SAPVPalliativa (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung), eine gemeinnützige GmbH, gegründet vom Hospizverein Erlangen e. V. und dem Hausärzteverein Erlangen und Umgebung e. V.. Die Ärztin Anette Christian informierte uns gemeinsam mit einem Team ausführlich über das Leistungsangebot. In der angeregten Diskussion bleibt keine der vielen Fragen unbeantwortet. Begleitet wird die Diskussion von Jürgen Binder, einem Freund der Partnerschaft und Gründer des Hausärztevereins Erlangen und Umgebung.

SAPVPalliativa-Team mit Anette Christian (Mitte), Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Anstasia Blasch und Jürgen Binder (ganz rechts)

 

 

Nachmittags steht ein Besuch des Rot-Kreuz Altenheims in Etzelskirchen an. Sein Leiter, Jan Pyschny, gleichzeitig auch stellvertretender Geschäftsführer des BRK Erlangen-Höchstadt und Leiter der ambulanten Pflegedienste, erwartet uns. Auf der Terrasse am großen Garten seiner Einrichtung diskutieren wir Themen der stationären und ambulanten Pflege. Mit der „Dementen WG“ kommt eine für die Russen neue Idee aufs Tapet. Besonders beeindruckend ist für unsere Freude der Streichelzoo im Eingangsbereich des Hauses.

Anastasia Blasch, Wladimir Prosor, Jan Pyschny und Olga Antropowa

Über die Pflege und Betreuung demenzkranker Menschen erfahren wir am Mittwochvormittag. Unser Ziel ist der Förderverein zur Unterstützung der Tagespflege am Martin-Luther-Platz e.V. Die Leiterin, Kristin Kalden, erwarten uns, und wir erleben, wie Menschen, die wegen ihrer eingeschränkten Fähigkeiten Hilfe benötigen, liebevolle und kompetente Zuwendung erfahren. Die Besucher kommen an vorher vereinbarten Tagen, meistens für den ganzen Tag. Ein Bus des BRK sorgt für den Transport. Die Kosten können z. T. mit der Pflegeversicherung abgerechnet werden, der Verein braucht aber die Unterstützung seiner Mitglieder und anderer Spender. Wir erfreuen uns an der abwechslungsreichen und häuslichen Atmosphäre der behindertengerecht ausgestatteten großen Wohnung und bekommen umfassende Antworten auf unsere Fragen.

Danach gehen wir zum Verein Dreycedern e.V. am Altstädter Kirchenplatz. Brigitta Hildner, im Verein verantwortlich für den Betreuungsbereich, hat ihre Mittagspause für uns geopfert und informiert umfassend über das Konzept der fachlich geschulten „Betreuungspaten“, ehrenamtlich tätige Menschen, die die Familien mit dementen Angehörigen durch Aufklärung und Beratung sowie durch stundenweise Unterstützung und Aktivierung zuhause entlasten. Umfangreiche Schulungsangebote und Gesprächskreise im Haus des Vereins runden das Angebot ab.

Brigitta Hildner, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Anastasia Blasch

Der Nachmittag gehört dem Roten Kreuz in der Henri-Dunant-Straße in Erlangen. Mit dem Vorstand und Mitgliedern des Vorstandes des Fördervereins diskutieren wir die bisherigen Aktivitäten in Wladimir und die Ziele für die noch zu vereinbarende Weiterarbeit. In der Diskussion sind wir uns einig: Nachhaltigkeit und Eigenständigkeit der zukünftigen Aktivitäten sind die wichtigsten Voraussetzungen für die weitere Unterstützung durch den Förderverein.

Wolfram Howein, Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Brüne Soltau, Melitta Schön, Jürgen Üblacker und Barbara Wittig

Ein Ergebnis der bisherigen Aktivitäten in Wladimir sind Pflegekurse für Angehörige schwerkranker Menschen. Olga Antropowa berichtet über daraus entstandene neue Kontakte:

Wir arbeiten jetzt erfolgreich mit dem Institut für Justiz zusammen, wo Fachkräfte für den Strafvollzug und die Rechtsprechung ausgebildet werden. Unsere Pflegekurse finden dort großen Anklang und helfen sicher, die Versorgung von Patienten in Gefängnissen oder in U-Haft zu verbessern. Von diesem guten Beispiel ausgehend, planen wir jetzt auch eine Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und weiteren staatlichen und ehrenamtlichen Einrichtungen, die bisher alle nur eine Grundausbildung in Erster Hilfe erhalten. Ich denke, auch die Politik versteht zunehmend, wie wichtig unser Beitrag zum Gesundheitswesen ist.

Olga Antropowa, Melitta Schön und Wladimir Prosor

Abschließend gibt es einen Rundgang durch die Einrichtungen des Zentrums, dessen Umfang und technischer Stand tief beeindrucken.

Wladimir Prosor und Olga Antropowa auf dem Weg nach Jena

Das Regio-Ticket Franken-Thüringen bringt uns drei am Donnerstag ab 9 Uhr für nur 32 € nach Jena (hin und zurück), wo uns mittags am Bahnhof bereits Iwan Nisowzew, ein in Jena lebender Ingenieur aus Wladimir, und Robert Hebestreit, Pflegedirektion des Universitätsklinikums Jena, erwarten. Iwan wird die Rolle des Übersetzers übernehmen. Bei Pelmeni in einem russischen Bistro im Stadtzentrum kommt Peter Schreiber, der Vorsitzende des DRK-Kreisverband Jena-Eisenberg-Stadtroda e.V., hinzu. Mit ihm besuchen wir die Rettungsleitstelle Jena und die DRK-Rettungszentrale, wo unsere Gäste die neuesten technischen Einrichtungen der Notarztfahrzeuge bestaunen. Anschließend erfahren wir an der Schule Duolinga, wie das Rote Kreuz in Jena sogar eine zweisprachige Grundschule und insgesamt fünf Kindertagesstätten betreiben kann. Auf dem Parkplatz des DRK-Zentrums fallen die in Reih und Glied aufgestellten Kleinwagen des Pflegedienstes auf, in Wladimir müssen die Pflegekräfte bisher mit dem öffentlichen Personennahverkehr klarkommen! Peter Schreiber erläutert uns abschließend noch die Organisationsstrukturen seiner Einheit.

Peter Schreiber, Norbert Hebestreit, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

In der abschließenden Diskussion mit Norbert Hebestreit und Iwan Nisowzew können noch Details der geplanten Folgebesuche und Kontakte mit dem Universitätsklinikum Jena geklärt werden, außerdem wird über mögliche Schulungen und Praktika russischer Pflegekräfte in deutschen Einrichtungen diskutiert. Dazu wären aber – wie bei der Zusammenarbeit mit der Wladimirer Psychiatrie – vorher Deutschkurse zu absolvieren. Voller Ideen und Eindrücke kommen wir gegen 21 Uhr wieder in Erlangen an.

Georg Meyer, Wolfgang Köstner, Melitta Schön, Olga Antropowa, Wladimir Prosor und Waldemar Wagner

Mit dem Freitagvormittag endet das Informationsprogramm. Wir fahren zum Hospizverein Eckental und Umgebung e.V., wo uns der Vereinsvorstand mit Georg Meyer, Melitta Schön und Wolfgang Köstner sowie die Koordinatorin Frieda Meier erwarten. Waldemar Wagner, wieder ein Wladimirer der in Franken seine neue Heimat gefunden hat, unterstützt uns als Dolmetscher. Es geht hier um die Begleitung sterbenskranker Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt, nach Möglichkeit in häuslicher Umgebung. Ca. 40 ehrenamtliche, durch den Verein ausgebildete Hospizbegleiter haben in den letzten Jahren etwa 60 Patienten begleitet. Wir können uns ausführlich über die Arbeit des Vereins, der über eigene Räume verfügt, informieren. Ein Sonderthema ist die in der Russischen Föderation so nicht bekannte Patientenverfügung.

Zurück in Erlangen, erwartet uns ein Gespräch mit der Bürgermeisterin Susanne Lender- Cassens, die als gelernte Krankenschwester die Gelegenheit nutzen will, den Austausch bei ihrem Besuch im September fortzusetzen.

Wladimir Prosor, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Susanne Lender-Cassens

Nachmittags ist Sightseeing angesagt. Wieder unterstützt durch Anastasia Blasch, fahren wir nach Bamberg und erkunden die Altstadt, natürlich darf eine Rauchbierprobe im Schlenkerla nicht fehlen. Die Smartphones leisten als Fotoapparate Schwerstarbeit, und im Rosengarten der Residenz stoßen die Akkus an ihre Grenzen, es reicht aber noch für eine abschließende Fotoserie bei den Fachwerkfassaden am Forchheimer Rathaus im strömenden Regen!

Der Samstag stand dann für unsere Freunde aus Wladimir zur freien Verfügung. Sie berichteten am Sonntag über den schönen Tag in Nürnberg, als Peter Steger und ich Sie morgens um 6 Uhr zum Flughafen bringen. Eine Woche mit intensiven und neuen Eindrücken geht zu Ende, von der Wladimir Prosor meint, sie sei ihm vorgekommen wie ein ganzer Monat.

Es bleibt mir ein herzliches Dankeschön an alle, die an den Treffen teilgenommen und mitgeholfen haben. Ein besonderer Dank gilt Anastasia, Iwan und Waldemar, die als Dolmetscher ihre Freizeit für diesen Besuch geopfert haben. Bleibt zu hoffen, aus dem Besuch entstehen im Laufe der Jahre noch neue Ideen für die Aktivitäten des Roten Kreuzes in Wladimir.

Wolfram Howein

Was Wolfram Howein sich selbst nicht aussprechen kann, sei hier nachgeholt: Danke und спасибо für die Vorbereitung des Programms und die Begleitung durch die intensiven Tage. Die glücklichen Gäste werden es ihm nicht vergessen!

 

 

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Beide sind sie zum ersten Mal in Erlangen, und doch verbindet beide Gäste aus Wladimir eine lange und ganz persönliche Geschichte mit der deutschen Partnerstadt. Olga Antropowa brachte ihren Sohn 1994 zur Welt, als die russische Wirtschaft, insbesondere auch das Gesundheitswesen, am Boden lagen und die Aktion „Hilfe für Wladimir“ noch auf Hochtouren lief. Nicht einmal der Großvater des Jungen, der heute selbst Arzt ist, konnte als Leiter eines Krankenhauses helfen: Es gab einfach nirgends Babynahrung im Fall, daß Mütter nicht stillen konnten. „Wenn damals nicht die Hilfslieferungen aus Erlangen und das Bayerische Rote Kreuz gewesen wären… Wer weiß, ob ich den Kleinen durchgebracht hätte. Noch heute läuft es mir heiß und kalt über den Rücken, wenn ich daran denke“, erinnert sich die stellvertretende Leiterin der Berufsfachschule für Krankenpflege und seit einem Jahr ehrenamtliche Vorsitzende des Roten Kreuzes Wladimir.

Wolfram Howein, Olga Antropowa, Wladimir Prochor, Brüne Soltau, Melitta Schön, Jürgen Üblacker und Barbara Wittig

Wladimir Prochor ist seit 1965 mit dem Roten Kreuz in Wladimir verbunden und hatte eine Vielzahl von Leitungsfunktionen im Gesundheitswesen, später auch in der regionalen Verwaltung, inne. In den 90er Jahren allerdings, während der intensivsten Zeit der humanitären Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Erlangen-Höchstadt des BRK, war der gelernte Mediziner als stellvertretender Leiter des städtischen Gesundheitsamtes tätig und machte die ganzen Ausschreibungen für die Medikamente und Verbrauchsmaterialien, die vor Ort mit Spendenmitteln gekauft wurden, um sie dann an Wladimirer Krankenhäuser abzugeben. Seit fast zwanzig Jahren betreut Wladimir Prochor ehrenamtlich als Koordinator die Programme des Roten Kreuzes in der russischen Partnerstadt und steht nun Olga Antropowa als Stellvertreter zur Seite. Ein gutes Doppel, von dessen einwöchigen Arbeitsprogramm hier bald mehr zu lesen sein wird.

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An der Spitze des Russischen-Rot-Kreuz-Ortsverbands Wladimir hat sich ein reibungsloser Wechsel vollzogen. Die bisherige Leiterin, Olga Dejewa, der das Rote Kreuz in der Partnerstadt einen überaus gelungenen Neustart verdankt, konnte ihr Amt als Vorsitzende nach der Wahl zur Oberbürgermeisterin im Herbst 2015 nicht länger wahrnehmen und übertrug diese ehrenamtlichen Aufgaben zunächst an ihre Stellvertreterin, Irina Sokolowa, die mittlerweile die Geschicke der Hilfsorganisation auf regionaler Ebene lenkt, nachdem nun in Olga Antropowa eine Nachfolgerin für die Geschäftsführung des Ortsverbandes gefunden ist. Mit der stellvertretenden Direktorin der mehr als einhundert Jahre alten Berufsfachschule für Krankenpflege mit mehr als eintausend Ausbildungsplätzen steht nun eine überaus erfolgreiche Frau an der Spitze des Wladimirer Roten Kreuzes, machen doch so gut wie alle Krankenschwestern, Hebammen und Kräfte in den Bereichen Zahntechnik sowie Pharmazeutik – jährlich mehr als eintausend – in der Partnerstadt ihren Abschluß an diesem Institut. Mehr noch: Auch 600 bis 800 Mediziner – alle fünf Jahre müssen sie eine Fortbildung machen – erhalten hier Jahr für Jahr ihre Zertifizierungen. Im vergangenen Jahr kam dann auch noch eine überregionale Anerkennung mit der Aufnahme in die Liste der besten einhundert Lehreinrichtungen landesweit. Seit mehr als zehn Jahren gibt es einen Austausch mit der Universität von Illinois (Wladimir ist Partnerstadt von Bloomington-Normal, unweit von Chicago gelegen), während die Zusammenarbeit mit der tschechischen Partnerstadt Aussig an der Elbe, Ústí nad Labem, leider zum Erliegen kam. Doch schon zeichnet sich eine neue Kooperation mit Jena ab, von der Ende des Monats zu berichten sein wird. Hier nur so viel: Die Vorarbeiten verlaufen ausgesprochen vielversprechend.

Olga Antropowa, Irina Chasowa und Olga Dejewa

Olga Antropowa, Irina Chasowa und Olga Dejewa

 

Am Mittwoch nun konnte Irina Chasowa, Direktorin des Erlangen-Hauses, im Beisein von Oberbürgermeisterin, Olga Dejewa, 600 Euro an Olga Antropowa übergeben, eine Spende des Fördervereins Rotes Kreuz Wladimir, bestimmt für die Versorgung der noch aus dem Vorjahr übernommenen Patienten des Programms „Häusliche Pflege“. Dieses bisherige „ambulante Hospiz“ soll nun seitens des Wladimirer Roten Kreuzes eine neue Stufe erreichen, indem Angehörige von schwerkranken Menschen eine Grundausbildung in der Pflege erhalten, handwerklich wie psychologisch. Wie das gelingen kann? Dazu gibt es schon viele Vorstellungen, etwa mit der Gründung eines Vereins „Pflegeschule“, wo auch Freiwillige aus der Berufsfachschule oder angehende Mediziner Praktika ableisten können und ihre Kenntnisse an die pflegenden Angehörigen weitergeben. Olga Antropowa hat sich darüber hinaus schon der Unterstützung durch die deutsche Hartmann-Gruppe versichert, die auch in Wladimir mit ihren Produkten für Medizin und Pflege vertreten ist. Noch läuft die Werbung von Mitgliedern für den Verein über die Medien, ab März dann gibt es monatlich bis Jahresende Fachvorträge und Schulungen zu Themen der Pflege. Wenn so viel Gutes getan wird, kann auch die Stadtverwaltung Wladimir nicht umhin, Unterstützung zu geben – in Form eines Zuschusses in Höhe von 50.000 Rubel, der Übernahme der Miet- und Nebenkosten für Räumlichkeiten sowie der Anschaffung des notwendigen medizinischen Geräts. Bei all dieser Selbsthilfe wird es sicher auch aus Erlangen noch weitere Unterstützung über die 600 Euro hinaus geben, sei es, um den Lehrkräften eine Anerkennung zukommen zu lassen, sei es, um weiteres Unterrichtsmaterial anschaffen zu können oder Fortbildungen zu übernehmen, vielleicht auch – in besonders schweren Fällen – Patenschaften für Familien. Es gibt jedenfalls noch viel Gutes zu tun – gemeinsam.

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Was wir an Gutem erhalten wollen, müssen wir immer wieder ändern, anpassen, verbessern. So banal diese Erkenntnis sein mag, so schwer fällt ihre Umsetzung im privaten Bereich wie im Berufsleben oder in der Politik. Auch ein Lernprozeß im Austausch zwischen Erlangen und Wladimir. So war zum Beispiel der Blaue Himmel von Beginn an der Psychiatrie direkt unterstellt, auch wenn sich die Einrichtung für verhaltensauffällige und psychisch behinderte Kinder etwa 40 km außerhalb der Partnerschaft befindet. Nun wurde von der regionalen Gesundheitsbehörde beschlossen, das Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik an das in unmittelbarer Nähe befindliche Sanatorium für Veteranen anzugliedern. Zunächst befremdlich für die Gäste, dann aber durchaus einleuchtend, weil durch die Nachbarschaft zu dem Altenheim etwa die Verpflegung der jungen Patienten durch die eigene Küche wesentlich vereinfacht wird. Wolfram Howein, der noch bis Samstag in Wladimir bleibt, will sich deshalb die Zeit nehmen, mit der neuen Leitung zu sprechen.

Wolfram Howein und Alexander Bersenjew

Wolfram Howein und Alexander Bersenjew

Doch der seit 1997 bestehende Kontakt zu Alexander Bersenjew soll darunter nicht leiden. Im Gegenteil. Der Chefpsychiater der Region Wladimir, auf dessen Initiative hin der Blaue Himmel entstand, wünscht sich eine Wiederbelebung der Fachkontakte zu den Kollegen von der FAU, wichtig für ihn, da er doch selbst an der Staatlichen Universität lehrt.

Wolfram Howein, Wjatscheslaw Kartuchin, Olga Dejewa, Irina Sokolowa, Wladislaw und Peter Steger

Wolfram Howein, Wjatscheslaw Kartuchin, Olga Dejewa, Irina Sokolowa, Wladislaw Poldjajew und Peter Steger

Neue Wege geht auch das Rote Kreuz in Wladimir – zusammen mit den Partnern aus Erlangen. Nachdem die Finanzierung der beiden Projekte „Erste Hilfe“ und „Häusliche Pflege“ demnächst ausläuft – allein im Rahmen des letztgenannten Programms erhielten fast 40 Patienten Unterstützung in ihrem letzten Lebensabschnitt -, will man nun mehr auf eigene ehrenamtliche Kräfte setzen. Irina Sokolowa, Vorsitzende des Roten Kreuzes auf Ebene der Region und schon in den 90er Jahren aktiv in der Kooperation mit dem BRK Erlangen-Höchstadt, stellt sich vor, daß junge Leute aus der Fachschule für medizinische Berufe zum einen etwa in Ferienlagern Kindern und Jugendlichen altersgerecht die Grundlagen einer gesunden Lebensführung näherbringen, während eine andere Gruppe mit Angehörigen die häusliche Pflege von Palliativpatienten einüben soll, unterstützt von der Stadtverwaltung, die mietfrei Räume zur Verfügung stellt. Man glaubt so, mit noch weniger Finanzen mehr Menschen in diese erfolgreich mit dem Erlanger Förderverein Rotes Kreuz Wladimir entwickelten Programme einbinden zu können. Ein Ansatz, der überzeugt, weil er rasch zu einer eigenständigen Finanzierung und Weiterentwicklung der Arbeit führen kann. Ganz im Sinne des Mottos: Hilfe zur Selbsthilfe. Sehr zur Freude von Olga Dejewa, die in ihrer Zeit vor der Wahl zur Oberbürgermeisterin die Rot-Kreuz-Zusammenarbeit wiederbelebt hatte und jetzt zusammen mit Wjatscheslaw Kartuchin, dem Leiter der Akademie für Verwaltung und Wirtschaft, ein neues Forum ins Leben ruft, das den Austausch noch weiter intensivieren soll. Doch davon an anderer Stelle bald mehr.

Witalij Gurinowitsch, Maria Rodina, Irina Chasowa und Igor Konyschew

Witalij Gurinowitsch, Maria Rodina, Irina Chasowa und Igor Konyschew

Auch hinsichtlich der russischen Variante des Buches „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ tun sich unerwartete Perspektiven auf. In einem Gespräch mit Igor Konyschew, dem erst seit einem halben Jahr amtierenden neuen Direktor des Regionalmuseums, und seiner Stellvertreterin für wissenschaftliche Arbeit, Maria Rodina, gelingt es dem Historiker Witalij Gurinowitsch und Irina Chasowa, der Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses, rasch das Wesen der Publikation und ihre Bedeutung für die lokale Geschichte der Kriegs- und Nachkriegszeit darzustellen. Die Fachleute sind sich einig: Der im Dezember 2015 in Erlangen erschienene Band soll nach Möglichkeit mit photographischem Material aus dem Archiv ergänzt und im Rahmen einer Ausstellung zum Thema Kriegsgefangenschaft in den Räumen des Museums präsentiert werden, – voraussichtlich dann freilich erst im Frühjahr. Bis dahin hat Igor Konyschew dann möglicherweise sogar schon seinen Antrittsbesuch in Erlangen gemacht. So wie er anpackt, ist das durchaus zu erwarten.

Igor Schamow, Eduard Sirko, Julia Alexandrowa und Jelena Tschilimowa

Igor Schamow, Eduard Sirko, Julia Alexandrowa und Jelena Tschilimowa

Der Aufschub gibt aber auch dem Übersetzungstrio mehr Zeit, an den Texten zu feilen, und Altoberbürgermeister Igor Schamow kann vielleicht weitere Sponsoren für das Projekt gewinnen, von dem die russische Seite glaubt, es gebe landesweit keine vergleichbare deutsch-russische Veröffentlichung über die Kriegsgefangenschaft.

Dieter Kümpers, P. Anatolij, Maria Fedotowa und Peter Steger

Dieter Kümpers, Anatolij Seida, Maria Fedotowa und Peter Steger

Aus der Fülle der Begegnungen den ganzen Tag über sei nur noch das Treffen von Dieter Kümpers mit dem Geistlichen, Anatolij Seïda, dem spirituellen Leiter des orthodoxen Pilgerzentrums, und seiner geschäftsführenden Tourismusexpertin, Maria Fedotowa, erwähnt. Hier, noch im 19. Jahrhundert als Siechenhaus neben der Erzengel-Michael-Kirche mit Blick über die Altstadt erbaut, hat man nicht nur mehr als ein Jahrzehnt wertvolle Erfahrung mit Gästen – 50 Betten für einfachste Ansprüche stehen zur Verfügung – gesammelt, sondern man ist auch bereit, mit dem Projekt der Rosenkranzgemeinde zusammenzuarbeiten und etwa die erarbeiteten Exkursionen zu heiligen Stätten in der ganzen Region mit den Katholiken zu teilen. „Wenn wir Christen über alle konfessionellen Grenzen hinweg nicht offen aufeinander zugehen und zusammenhalten, wer soll es dann tun?“ fragt der Geistliche, der nebenher auch noch landwirtschaftliche Eigenversorgung betreibt, mit einem Lächeln in die Runde, zeigt den Besuchern frischgeschlüpfte Küken und beschenkt sie zum Abschied mit Wachteleiern. Besser hätte das Dieter Kümpers vom Verein der christlichen Hoteliers auch nicht ausdrücken können, der natürlich auch interkonfessionell denkt und im Geist der Ökumene agiert. Ermutigend also nicht nur für das Pilgerzentrum der Rosenkranzgemeinde, sondern überhaupt eine schöne Wendung für all die vielen Windungen der Wege zwischen Erlangen und Wladimir.

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Da sprudeln bei den Gästen, Olga Dejewa und Irina Chasowa, gleich die Ideen, als sie vor dem Augenplakat der Ausstellung zum Thema „Die Faszination des Sehens“ im Erlanger Stadtmuseum stehen. So etwas könnte man doch auch mit der Nase, den Ohren, dem Mund oder den Händen machen

Brigitte Korn, Olga Dejewa und Irina Chasowa

Brigitte Korn, Olga Dejewa und Irina Chasowa

Und Gastgeberin, Brigitte Korn, die mit Wladimirs Oberbürgermeisterin den Umstand teilt, noch recht neu im Amt zu sein, erst seit September letzten Jahres, ist ihrerseits begeistert von dem umfassenden Interesse, das Olga Dejewa Fragen der Kultur und des Umgangs mit Geschichte entgegenbringt: „Wenn alle in der Politik so aufgeschlossen für diese Dinge wären, bräuchten wir uns keine Sorgen mehr um die Bewahrung und Deutung der Historie mehr machen.“

Olga Dejewa, Irina Chasowa und Brigitte Korn

Olga Dejewa, Irina Chasowa und Brigitte Korn

Es sprudeln aber auch schon gleich die Ideen, was man in der Museumsarbeit gemeinsam veranstalten könnte, besonders im Ausblick auf das „kleine“, 35jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft im Jahr 2018, das Erlangen austragen wird – mit möglichst großer Bürgerbeteiligung, einem deutsch-russischen Volksfest, einer Tafel, die vom Museum bis hinaus auf den Altstädter Kirchenplatz führt, natürlich mit Musik, Kunsthandwerk und Exponaten aus Wladimir, natürlich mit möglichst vielen gemeinsamen Aktionen.

Wolfgang Niclas und Olga Dejewa

Wolfgang Niclas und Olga Dejewa

Bis dahin ist dann hoffentlich auch der schon Ende der 80er Jahre abgebrochene Dialog zwischen den Gewerkschaften wieder aufgenommen, hofft Wolfgang Niclas, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Erlangen-Höchstadt. Etwas, das auch Olga Dejewa am Herzen liegt, die aus der Gewerkschaftsarbeit kommt, nun aber nur noch den Niedergang der Arbeitnehmervertretung konstatieren kann. Tarifautonomie wie sie hierzulande gepflegt und ausgetragen wird, kenne man so in der Russischen Föderation nicht. Warnstreiks wie dieser Tage auch in Erlangen – in Wladimir undenkbar. Da gelte das Primat der Politik, Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigen sich mit dem Gouvernement, schließen trilaterale Verträge, fügen sich den administrativen Vorgaben und gewährleisten so Auskommen und einen möglichst hohen Beschäftigungsgrad. Doch gerade bei allen Unterschieden, da sind sich Olga Dejewa und Wolfgang Niclas einig, sollte man wieder ins Gespräch kommen und einen Austausch aufnehmen.

Dieter Rossmeissl, Irina Chasowa, Olga Dejewa und Dietmar Hahlweg

Dieter Rossmeissl, Irina Chasowa, Olga Dejewa und Dietmar Hahlweg

Wie fruchtbar dieser Austausch auf so vielen anderen Gebieten vorankommt – ungeachtet der ungünstigen politischen Großwetterlage -, zeigt die von Dieter Rossmeissl moderierte Diskussion mit Olga Dejewa am Abend im vollbesetzten Club International der Volkshochschule. Schon auf die einleitende Frage des Referenten für Bildung, Kultur und Jugend, wer denn von den Anwesenden schon einmal in Wladimir gewesen sei, erhält er eine beeindruckende Antwort: kaum ein Arm, der (noch) unten bleibt. Nach der kurzen, immer wieder von Zwischenapplaus begleiteten Darstellung ihrer Person, Funktion und Arbeit der letzten Jahre als Leiterin des Wladimirer Sozialwerks und Geschäftsführerin des Roten Kreuzes stellt sich die Oberbürgermeisterin dann den Fragen und Anregungen aus dem Publikum, das sie schon nach den ersten Augenblicken als einen Kreis von Freunden empfindet, auch wenn darunter viele sind, die sie bisher noch nicht persönlich kannte, wie etwa Altoberbürgermeister, Dietmar Hahlweg, der sich nicht nur über die gelungene Gestaltung einer Fußgängerzone sondern auch über die geplante Weiterentwicklung einer fahrradfreundlichen Verkehrspolitik freut und hofft, es werde gelingen, einen paritätisch besetzten Gesprächskreis zu begründen, der helfen könnte, die zwischenstaatliche Vertrauenskrise und Vorurteile zu überwinden, den bei allen politischen Verwerfungen zwischen Ost und West so lebendigen zivilgesellschaftlichen Dialog zu unterstützen.

Melitta Schön und Olga Dejewa

Melitta Schön und Olga Dejewa

Der Abend bietet dem Gast aber auch Gelegenheit, für die fast fünfjährige fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Förderverein Rotes Kreuz zu danken, eine Zeit, in der es Olga Dejewa mit Erlanger Hilfe gelang, die in Wladimir schon fast handlungsunfähige Organisation wieder zu einer aktiven und angesehenen Institution zu machen, die mit ihren Projekten in den Bereichen Erste Hilfe und Häusliche Pflege wichtige soziale Aufgaben übernimmt, Aufgaben, die vor Ort von ehrenamtlichen Kräften übernommen werden und die man nun dank einer weiteren Spende des Fördervereins in Höhe von 1.700 Euro, überreicht von der Vorsitzenden, Melitta Schön, weiter fortsetzen kann, unter neuer Führung, aber weiter mit der Unterstützung durch die Oberbürgermeisterin. Überhaupt scheint sich die Kommunalpolitikerin ihr soziales Wesen bewahren zu wollen, und es ist, als lebte sie nach der Maxime von Lew Tolstoj, der einmal bemerkte, das einzige unbezweifelbare Glück im Leben bestehe darin, für andere zu leben.

Abram Dyck, Olga Dejewa und Rolf Wurzschmitt

Abram Dyck, Olga Dejewa und Rolf Wurzschmitt

Und so nimmt Olga Dejewa mit ihrem gewinnenden Kommunikationstalent denn auch wie bei einer Bürgersprechstunde alles auf, was so an sie herangetragen wird: die Sorge um den Jugend- und Schüleraustausch angesichts knapper Kassen; die Frage des Vereins „Nadjeschda“ nach der Zukunft des Pilgerzentrums der Rosenkranzgemeinde; den Wunsch nach noch mehr kulturellen Austausch; das Desiderat nach vertiefter wissenschaftlicher Kooperation; die ein wenig futuristische Anregung, einen Fahrrad-Fernweg zwischen den Partnerstädten anzulegen… „Gleich, ob wir Geld haben oder nicht, wenn wir etwas gemeinsam wollen, dann schaffen wir das auch“, lautet Olga Dejewas das Credo. Glaubwürdig und überzeugend. Man nimmt es ihr ab. Und schon sprudeln auch wieder die Ideen.

Dieter Wenzel, Irina Chasowa und Olga Dejewa

Dieter Wenzel, Irina Chasowa und Olga Dejewa

Schließlich all die vielen Gespräche am Rand der Veranstaltung: mit dem Pionier des Medizinaustausches, dem Professor für Kinderheilkunde, Dieter Wenzel, der im Sommer wieder nach Wladimir reisen will; mit Rolf Wurzschmitt, dem ehemaligen Vorstand der Erlanger Stadtwerke, und dessen seinerzeitigem Leiter des Heizkraftwerkes, Abram Dyck, die in den 90er Jahren unter vielem anderen die ersten gebrauchten Busse und zwei Heizkessel nach Wladimir gebracht und massiv den Bau des Erlangen-Hauses befördert haben, die sich aber auch an das Fränkische Fest 1993 erinnern, als Olga Dejewa übrigens im Brotkombinat beschäftigt war, das die Brötchen für die Bratwürste lieferte… Da schließen sich Kreise, die offen blieben, wenn hier nicht erwähnt würde, wie oft aus dem Publikum heraus die Arbeit des Erlangen-Hauses und insbesondere die Unterstützung und Gastfreundschaft von Geschäftsführerin, Irina Chasowa, gelobt wurden. Verdientermaßen! Das letzte Wort aber aus dem gestrigen Kreis der Freunde, gerichtet an Olga Dejewa, sei Jelena Ruß erteilt, vor ihrer Verehelichung in Höchstadt als Jelena Bordanowa treibende Kraft beim Projekt „Lichtblick“, dem Fachaustausch im Bereich Kinderpsychiatrie: „Wenn ich noch in Wladimir lebte, hätte ich mit beiden Händen für Sie gestimmt. Ich freue mich für meine Stadt, die jetzt mit Ihnen eine so überzeugende Oberbürgermeisterin hat.“ Und wir in Erlangen freuen uns da ganz offen mit – für Wladimir und die Partnerschaft.

 

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Schon fast eine Woche ist Dominik Steger wieder bei seinem väterlichen Freund, Witalij Gurinowitsch, zu Gast und hat hier sein Basislager für die unterschiedlichsten Exkursionen in den Alltag Wladimirs aufgeschlagen, hauptsächlich, wie bereits vor einem Jahr, freilich in die Welt der Medizin, die er ansonsten an der Charité in Berlin studiert. Von seiner Hospitation – noch bis Anfang April – am Rot-Kreuz-Krankenhaus wird sicher später einiges im Blog zu lesen sein, deshalb heute nur kurz eine Zwischenmeldung zu einem Thema, das erst in jüngster Zeit im Gesundheitswesen der Partnerstadt die gebührende Aufmerksamkeit erfährt: die Palliativmedizin.

Witalij Gurinowitsch und Dominik Steger

Witalij Gurinowitsch und Dominik Steger

Wie viel in diesem Bereich noch zu tun bleibt, zeigt eine Zahl: An dem Krankenhaus im Stadtteil Jurjewez schuf man im März 2013 die bisher einzige Palliativstation mit 15 Betten. Präziser: die einzige für die gesamte Region mit fast eineinhalb Millionen Einwohnern. Da nimmt es nicht wunder, wenn die diesbezüglichen langjährigen Erfahrungen in Erlangen auf großes Interesse bei der ärztlichen Direktorin, Marina Krylowa, ihrer Oberschwester, Natalia Andrianowa, und dem Oberarzt der Station, Wladimir Chochlow, treffen. Wie viel in diesem Bereich aber auch schon getan wurde, zeigt eine andere Zahl aus dem Jahresabschlußbericht des Wladimirer Roten Kreuzes, zusammengestellt von der scheidenden, ehrenamtlichen Präsidentin, Olga Dejewa, im Herbst vergangenen Jahres zur Oberbürgermeisterin gewählt. Mit Unterstützung des Erlanger Fördervereins und dank einem Zuschuß aus dem Wladimirer Stadtsäckel konnten 2015 im Rahmen des Hospiz-Projektes „Häusliche Pflege“ weitere 20 schwerkranke Patienten palliativ versorgt werden. Wer seinen Beitrag zu dieser so wichtigen Aufgabe im Rahmen der Städtepartnerschaft leisten möchte, erhält gern nähere Angaben zu Mitgliedschaft und Spenden beim stellv. Vorsitzenden des Fördervereins, Wolfram Howein, unter: whowein@freenet.de

Dominik Steger, Крылова Марина Анатольевна, старшая медсестра отделения - Андрианова Наталья Валерьевна и зав. отделением - Хохлов Владимир Дмитриевич

Dominik Steger, Marina Krylowa, Natalia Andrianowa und Wladimir Chochlow

Bleibt nachzutragen: Der Besuch von Dominik Steger, in Wladimir auch als Alexej Petrowitsch bekannt, bei den Palliativmedizinern kam auf Vermittlung von Nadeschda Sidorowa zustande, die im Januar mit ihrer Freundin, Olga Lisizyna, in Erlangen zu Gast war und spontan ihre Hilfe bei der Vertiefung der partnerschaftlichen Beziehungen anbot. Keine leeren Worte, wie sich bald zeigen sollte. Auf ihrer Agenda stehen noch weitere neue Kontakte zwischen Apotheken, Kindergärten, Restaurants. Ganz so sieht Bürgerpartnerschaft aus. Gern mehr davon: http://is.gd/iKcpsL

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Der am Dienstag so jäh verstorbene Gerd Lohwasser stand in den frühen 80er Jahren einer Städtepartnerschaft mit Wladimir noch ausgesprochen kritisch gegenüber. Die einfachen Menschen werden, so sein Tenor, ohnehin nichts von den Beziehungen haben, und für einen reinen Austausch von Höflichkeiten unter Funktionären könne er nicht stimmen. Zudem führte er mit Verweis auf das Gefängnis, in dem prominente Dissidenten festgehalten wurden, die kritische Menschenrechtslage ins Feld und bezweifelte in Zeiten des Kalten Krieges grundsätzlich die „außenpolitischen“ Möglichkeiten von Kommunen aus entgegengesetzten weltanschaulichen Systemen, in Richtung Entspannung und Verständigung zu wirken.

Marina Trubizyna, Gastlehrerin aus Wladimir, mit Gerd Lohwasser

Marina Trubizyna, Gastlehrerin aus Wladimir, mit Gerd Lohwasser

Doch als es 1987 im Stadtrat zum Schwur kam und seine Fraktion der CSU aufgefordert war, dem Antrag der SPD zu folgen, hatte Gerd Lohwasser seine Partei längst auf ein Pro eingestimmt und zeigte damit seine vielleicht herausragendste Gabe: die eigene Position nie an ideologischen Standpunkten festzumachen, sondern stets mit den tatsächlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten abzugleichen.

Gerd Lohwasser und eine Hallenfußballmannschaft aus Wladimir

Gerd Lohwasser und eine Hallenfußballmannschaft aus Wladimir

In den fünf „Probejahren“ der Partnerschaft seit 1983 hatte sich der gelernte Pädagoge davon überzeugen lassen: Wladimir paßt zu Erlangen, und die Menschen hier wie dort wollen ein Miteinander. Wie sollte er sich dem entgegenstellen!

Gerd Lohwasser bei der Feuerwehr in Wladimir

Gerd Lohwasser mit Melitta Schön, Nadja Steger, Brüne Soltau und Helmut Schmitt bei der Feuerwehr in Wladimir

Zumal er, der bereits im Oktober 1974, wie sich der ehemalige Leiter des Bürgermeister- und Presseamts, Helmut Schmitt, erinnert, beim zehnjährigen Partnerschaftsjubiläum in Rennes das „Feuer der internationalen Kontakte für seine späteren Aktivitäten auf Stadt- und Bezirksebene entdeckte“; er, der Mitte der 80er Jahre mit Stadtratskollegen wie Wolf Peter Schnetz und Claus Uhl in Polen nach einer Partnerstadt suchte und später als Bezirkstagspräsident maßgeblich zum Zustandekommen der Beziehungen zwischen Mittelfranken und Pommern beitrug, von all den anderen Freundschaftskontakten zu Jena, Stoke-on-Trent, Umhausen, Cumiana oder Gabarone sowie zu den Vertriebenen aus Brüx und Komotau ganz zu schweigen. Und das als jemand, der, 1941 in Karlsbad geboren, die Vertreibung am eigenen Leib hatte erleben müssen!

Gerd Lohwasser, Heinrich von Mosch, Peter Steger, Jurij Fjodorow und Nikolaj Winogradow

Gerd Lohwasser, Heinrich von Mosch, Peter Steger, Jurij Fjodorow und Nikolaj Winogradow

1994 reiste Gerd Lohwasser als Präsident der Bezirkstags von Mittelfranken mit Regierungspräsident Heinrich von Mosch nach Wladimir, und der konservative Besucher verstand sich auf Anhieb mit dem kommunistischen Gastgeber und Kollegen, Nikolaj Winogradow, dem späteren Gouverneur und damaligen Vorsitzenden der Regionalduma. In Statur und als Frohnatur waren sich die beiden auf ganz sympathische Weise ähnlich, vor allem aber in einem: im überparteiischen Pragmatismus, gepaart mit unbedingter Verläßlichkeit. Die beiden hätten sich Ende nächster Woche gern wiedergesehen. Doch nun bleibt nur die Erinnerung.

Gerd Lohwasser bei der Verabschiedung von Amtsleiter Helmut Schmitt

Gerd Lohwasser bei der Verabschiedung von Amtsleiter Helmut Schmitt

Gerd Lohwasser beließ es nicht bei diesem Besuch. 2003 nahm er am Stadtfest in Wladimir teil und attestierte den Freunden, sie verstünden sich mindestens ebensogut wie die Erlanger auf das Feiern. 2006 dann die von Thomas Rex in der Partnerstadt gedrehte Reportage „Spasibo Erlangen“ mit dem Bürgermeister als Mitwirkenden, und 2010 seine letzte Reise an den Goldenen Ring, als er die Erlanger Lokalpolitik bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an seinen Mitarbeiter, Peter Steger, vertrat. Immer vertraut, immer gern gesehen, immer ein umsichtiger Gesprächspartner.

Gerd Lohwasser mit Deutschlehrerinnen im Erlangen-Haus

Gerd Lohwasser mit Deutschlehrerinnen im Erlangen-Haus

Dabei zeigte er sich stets besonders verbunden – sicher professionell bedingt – mit dem Schüleraustausch, dem Sport, der Feuerwehr sowie den medizinischen Kontakten. Einzigartig seine Freundschaft mit Jewgenij Jaskin, dem ärztlichen Direktor des Notfallkrankenhauses, aber auch seine Unterstützung für die vom Bayerischen Roten Kreuz Erlangen – Höchstadt getragene Aktion „Hilfe für Wladimir“ und die Aktivitäten des „Fördervereins Rotes Kreuz Wladimir“.

Gerd Lohwasser mit Wolfram Howein und Helmut Schmitt auf dem kalten Roten Platz

Gerd Lohwasser mit Wolfram Howein und Helmut Schmitt auf dem kalten Roten Platz

Stadtrat Robert Thaler hat sich an den Kollegen einmal dank einem genialen Freud’schen Versprecher bei einer Laudatio als „Gott Lohwasser“ gewandt. Der eilig erfolgten Korrektur hätte es nicht bedurft. Niemand im Publikum hätte bei dem tosenden Gelächter widersprochen. Das politische Multitalent hatte nämlich tatsächlich etwas von Jupiter, von einem Göttervater, an sich, ohne dabei je herablassend jovial zu wirken.

Deutsch-russische Freundschaft: Gerd Lohwasser und Jewgenij Jaskin

Deutsch-russische Freundschaft: Gerd Lohwasser und Jewgenij Jaskin

Gewiß, er hatte auch menschliche Züge: Er konnte längst nicht alle Wünsche erfüllen.Aber er hörte sich alle Wünsche an und vermittelte dem Gegenüber das Gefühl, sich ihrer nach Kräften anzunehmen. Wenn freilich etwas jenseits seiner Möglichkeiten lag, räumte er das so offen ein, daß ihm niemand gram sein konnte. Im Gegenteil. Auch derartige Begegnungen mit ihm endeten zumeist mit einem versöhnlichen Scherz, mündeten  in ein oft nachgerade homerisches – oder besser lowasserisches – Gelächter.

Gerd Lohwasser und seine Lebensgefährtin Rita Stolz und seinen Ärzten aus Wladimir und Erlangen

Gerd Lohwasser und seine Lebensgefährtin Rita Stoltz und seinen Ärzten aus Wladimir und Erlangen

„Wo er war, war das Lachen“, erinnert sich Oberbürgermeister Florian Janik. Fjodor Dostojewskij hat einmal geschrieben: „Wenn du einen Menschen richtig kennenlernen und etwas über sein innerstes Wesen in Erfahrung bringen willst, so mache dir nicht erst die Mühe zu analysieren, wie er spricht, schweigt, weint oder von hehren Gedanken ergriffen wird. Du brauchst ihn bloß beim Lachen zu beobachten. Hat er ein gutes Lachen, ist er ein guter Mensch.“ Gerd Lohwasser hatte wahrhaftig ein gutes Lachen, ein sehr gutes, das uns allen nun so fehlen wird!

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