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Posts Tagged ‘Florian Janik’


Am späten Montagabend in Nürnberg gelandet, sitzt die 16köpfige Gruppe aus dem Erlangen-Haus nun seit Dienstag jeden Morgen bis Freitag nächster Woche im Deutschkurs von Heide Thies im Club International der Volkshochschule, paukt Grammatik und übt Konversation. In der Freizeit und am Wochenende sollen die Gäste dann Erlangen – von „Klassik am Berg“ bis zu den Regnitzwerkstätten – und möglichst viel von Franken kennenlernen und sogar einen Ausflug bis nach Kloster Weltenburg unternehmen. Ein vielseitiges Programm, zusammengestellt vom Freundeskreis Wladimir, der auch diese, die zwölfte Sprachreise des Erlangen-Hauses in Folge, aufmerksam vorbereitete und begleitet. Immer für die zweiten Julihälfte schreibt das Erlangen-Haus in Kooperation mit der Volkshochschule Erlangen für seine jährlich gut 200 Deutsch-Kursteilnehmer diese Möglichkeit der Vertiefung von Sprachkenntnissen aus. Es kann nicht oft genug gesagt werden: Was von Klaus Wrobel, dem seinerzeitigen Direktor der VHS, und seinen Nachfolgen, Christine Flemming und Markus Bassenhorst, mit der tatkräftig-kompetenten Unterstützung des Sprachenbeauftragten, Reinhard Beer, schon Mitte der 90er Jahre ins Werk gesetzt wurde und unermüdlich fortgesetzt wird, trägt nicht nur erstaunliche Früchte, sondern entwickelt eine großartige Eigendynamik.

Markus Bassenhorst

Dank den Bemühungen von Klaus Wrobel und Reinhard Beer kamen die Deutsch-Kurse des Erlangen-Hauses unter die Fittiche des Goethe-Instituts Moskau, die wachsende Dozentenschar aus Wladimir wurde dort geschult und auf die eigenen pädagogischen, an der Sprachpraxis ausgerichteten Lehrmethoden eingeschworen. Mit Erfolg. Das Konzept hebt sich offenbar so wohltuend von den Angeboten anderer Einrichtungen – vor allem der Schulen und Universitäten – ab, daß die Kurse ungeachtet des allgemein zu Gunsten des Englischen nachlassenden Interesses an der deutschen Sprache immer stärker nachgefragt werden, besonders übrigens von jungen Leuten.

Florian Janik und Irina Chasowa

Beim gestrigen Treffen mit Oberbürgermeister Florian Janik zeigte denn auch Irina Chasowa, Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses, eine gehörige Portion Selbstbewußtsein, als Markus Bassenhorst bei seiner Begrüßung meinte, man werde an seiner Volkshochschule erst demnächst das erste Smartboard einsetzen können, eine Technik, die im Wladimirer Sprachlernzentrum bereits vor gut zwei Jahren den Praxistest bestanden hatte. Die Besucherin bot nämlich gleich schlagfertig ein Praktikum in der Partnerstadt vor, um die Erlanger Dozentenschaft von den Vorteilen der schlauen Weißwandtafel zu überzeugen. Ein Angebot, das Florian Janik, der als Gastgeschenk seine russische Lieblingsleckerei erhielt, gern aufgriff, denn: „Gründe, Wladimir zu besuchen, gibt es viele!“

Aber natürlich gibt es auch nicht weniger Gründe, Erlangen zu besuchen. Gerade in diesen Zeiten, wie das Stadtoberhaupt anmerkte, wo, ohne Schuldzuweisungen aussprechen zu wollen, das Verhältnis zwischen unseren Staaten besser sein könnte. Gerade da komme es auf den bürgerschaftlichen Austausch, auf die Volksdiplomatie an. Und die lebt tatsächlich zwischen Erlangen und Wladimir, zumal wieder alle Gäste in Familien untergebracht sind und so, wie sich Florian Janik wünscht, neue Verbindungen und Freundschaften zwischen Deutschen und Russen entstehen. Denn davon kann es gar nicht genug geben. Gerade in diesen Zeiten.

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Zum ersten Mal in Deutschland, zum ersten Mal in Erlangen, zum ersten Mal in der Redaktion der Lokalzeitung in der Partnerstadt. Auf diesen Termin hatten sich die Journalistinnen Karina Romanowa und Julia Kusnezowa nach der Podiumsdiskussion am Montagabend besonders gefreut. Weniger die eigene Arbeit erklären, als vielmehr sich mit Kollegen austauschen und erfahren, was eint und was trennt.

Karina Romanowa, Markus Hörath und Julia Kusnezowa

Schnell wird im Gespräch mit Markus Hörath, Redaktionsleiter der Erlanger Nachrichten, klar, da ist mehr was eint als trennt: der Schwund bei der Printausgabe, die zurückgehenden Werbeeinnahmen, der Kostendruck mit Auswirkungen auf die Personaldecke, die Orientierung auf das Internet. Aber auch ein fairer Umgang mit Politikern ohne Schongang, ein Vertrauensbasis mit der Leserschaft, eine emotionale Bindung an Stadt und Region.

Wjatscheslaw Kartuchin, Elisabeth Preuß, Julia Kusnezowa, Karina Romanowa und Amil Scharifow

Und: Man weiß viel zu wenig voneinander, sollte mehr die Möglichkeiten der Partnerschaften nutzen, um sich auch unter Journalisten besser kennenzulernen und vielleicht sogar das eine oder andere Material zwischen den Redaktionen auszutauschen. Denn, auch darin ist man sich einig, die völkerverbindenden Beziehungen zwischen Erlangen und Wladimir will man auch in Zukunft journalistisch begleiten, gerade auch vor dem Hintergrund der schwierigen geopolitischen Lage.

Julia Kusnezowa, Florian Janik, Karina Romanowa und Wjatscheslaw Kartuchin

Ganz im Sinne von Oberbürgermeister Florian Janik, der dritten Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und von Landrat Alexander Tritthart, die alle mit ihren je eigenen Worten den Wert der Kontakte betonen. Ganz nebenbei können die Gäste beim Besuch des Landratsamtes eine Besonderheit feststellen: Nirgendwo sonst in einem bayerischen Landkreis gibt es zwei deutsch-russische Städtepartnerschaften wie hier, das Paar Höchstadt an der Aisch mit Krasnogorsk und eben die Verbindung Erlangen-Wladimir.

Julia Kusnezowa, Alexander Tritthart und Karina Romanowa

Und noch etwas verbindet, von dem Christofer Zwanzig, Pressesprecher der Stadt Erlangen, berichtet. Es werde, so die übereinstimmende Auffassung, hier wie dort, immer schwieriger, komplexe Zusammenhänge und Entscheidungswege – etwa im Fall der Stadt-Umland-Bahn – angemessen zu vermitteln. Durch eine Vermischung von Fakten und Meinungen, besonders in den Sozialen Medien, komme es häufig rasch zu Verdrehungen der Sachverhalte, zu absichtlichen Entstellungen und oft auch zu offener Ablehnung, ohne sich mit dem Wesen der Sache beschäftigt zu haben. Leider wirke dann derlei Meinungsmache oft regelrecht ansteckend und untergrabe das Vertrauen in den Journalismus ebenso wie in Behörden und Institutionen.

Christofer Zwanzig, Julia Kusnezowa und Karina Romanowa

Wichtig ist den beiden aber: „Wir haben uns hier gleich wie zu Hause gefühlt, nicht wie Fremde.“ Und noch etwas freut sie: „In Erlangen scheinen die Politiker für Journalisten so zugänglich und offen zu sein.“ Spürbar schon am freien, unkontrollierten und unangemeldet möglichen Zugang zu Behördengebäuden ohne Wachpersonal. Vielleicht auch daher der Eindruck von Julia Kusnezowa und Karina Romanowa nach gerade einmal drei Tagen in Erlangen: „Es ist, als gingen hier für uns alle Türen von selbst auf.“

 

 

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Er ließ es sich nicht anmerken, aber ein wenig nervös war Kirill Wedernikow gestern schon, so kurz vor der Ausstellungseröffnung in der Volkshochschule mit Oberbürgermeister Florian Janik und all den vielen Gästen aus Politik, Verwaltung und vor allem natürlich Kunst und Kultur. Doch schon im Gespräch mit Erlangens Stadtoberhaupt löste sich die Spannung und wich der Freude darüber, mit welcher wißbegierigen Offenheit man seinen Arbeiten begegnete.

Irene Hetzler, Florian Janik, Kirill Wedernikow, Carolin Gugel und Hans-Peter Singer

Der Künstler hätte es freilich auch schon vorher wissen können. Denn von Beginn an hatte er – „trotz meiner geringen Englischkenntnisse“ – mit der Gruppe Andersartig eine gemeinsame Sprache gefunden, hatte die Verständigung über die Kunst, diese universelle Form des menschlichen Ausdrucks, bestens funktioniert. Und es war manchmal beim Aufbau, als hätten die Bilder ihren Platz an den Wänden und in den Räumen selbst gefunden.

Jutta Brandis

Glücklich und zufrieden jedenfalls waren nicht nur die Künstler, sondern vor allem Jutta Brandis, die mit „(R)Evolution“ nach dreißig Jahren des Wirkens an der Volkshochschule hiermit ihre vorletzte Ausstellung kuratierte, darunter viele mit Gästen aus Wladimir. Doch keine hatte sie nach eigenen Worten bisher so mit Freude über das Gelingen erfüllt wie diese, die nun noch bis zum 12. April in den Räumen der Volkshochschule, Friedrichstraße 19, zu sehen sind.

Peter Steger, Kirill Wedernikow, Hans-Peter Singer, Jutta Brandis, Carolin Gugel, Irene Hetzler, Michael Ort und Eva Herrmann

Zeit genug also, sich selbst noch einen Eindruck zu verschaffen von diesem deutsch-russischen Projekt einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, die Florian Janik in seinem Grußwort als wichtiges Element der Verständigung in Zeiten politischer Konflikte lobte, die aber auch zeigt, wie gut Künstler verschiedener Länder konzeptionell zusammenfinden können. Denn, so Kirill Wedernikow: „Sie entsteht zwar in Raum und Zeit, ist aber nicht an diese Dimensionen gebunden, wirkt darüber hinaus.“ Worte, die so auch gelten könnten für das eigens zu dieser Ausstellung komponierte „Concertino für Vibraphon und Klavier“, uraufgeführt von Michael Ort und Eva Herrmann.

Anke Steinert-Neuwirth, Peter Steger, Kirill Wedernikow, Hans-Peter Singer, Carolin Gugel und Irene Hetzler

Ein großer Teil der Bühne – und auch der Ausstellungsfläche – gehörte gestern dem Gastkünstler, der Gelegenheit erhielt, anhand eines Videos mit beeindruckend animierten Arbeiten aus seiner jüngsten Schaffensperiode und einer Präsentation seinen Werdegang darzustellen. Erstmals im Ausland und erstmals in dieser Ausführlichkeit, denn in der Heimat können sich nicht alle an seiner Ästhetik etwas abgewinnen.

Karin Günther und Peter Millian

Sie hat ja auch tatsächlich etwas Düsteres, und vor allem in seinem Zyklus der Lost Places und Industriebrachen sehe man wenig Optimismus und Aufbruch, wie Peter Millian von den Erlanger Nachrichten bemerkte. „Richtig“, bestätigte der 27jährige Künstler aus Wjasniki, hundert Kilometer östlich von Wladimir gelegen, „aber aus diesem Schatten bin ich herausgetreten, diese Periode liegt hinter mir.“

Zwar, so der Künstler, ziehe ihn noch immer diese Landschaft des Verfalls mit ihren groben Formen und den unendlichen Räumen des Vergehens magisch an, weil es da so viel Gestaltungsmöglichkeit gebe, aber nach seinen Anfängen im Bereich des Graffiti und der Straßenkunst und all den Lehrjahren durch die Kunsthochschule in Susdal sowie die Aufenthalte in Sankt Petersburg und Moskau wende er sich nun stärker philosophischen, theologischen und mythologischen Themen zu.

Kirill Wedernikow im Gespräch

Man hört es aus seinen Worten heraus, man merkt es seinen Bildern an: Hier wird man Zeuge eines künstlerischen Reifeprozesses, der auf dem Weg zu echter Meisterschaft ist, im Ausdruck wie im Handwerk. Passend zum evolutionären Titel der Ausstellung mit dem R in Klammern.

So richtig zur Geltung kommt das im Musikzimmer, wo die Keramiken von Carolin Gugel und die Arbeiten von Kirill Wedernikow einander nicht nur ergänzen, sondern in ihrer Wirkung verstärken, formal wie inhaltlich. Aber davon sollte man sich selbst überzeugen. Zeit ist ja noch genug.

Und nehmen Sie sich auch ein paar Minuten für die Mappen, wo sich neben Angaben zu den Persönlichkeiten auch die Preise für die Arbeiten finden. Es bietet sich die exklusive Gelegenheit, eine Wedernikow-Sammlung, die erste in Deutschland und außerhalb seiner russischen Heimat, aufzubauen.

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Vor acht Jahren veranstaltete das Bürgermeister- und Presseamt zum ersten Mal einem Empfang für Personen und Gruppen, die sich ehrenamtlich für die Städtepartnerschaften engagieren. Seither entwickelte sich die Feier im Ratssaal zu einer festen Institution, bei der von Mal zu Mal die Sessel und Stühle zahlreicher besetzt sind. Gestern nun, als Wolfram Howein aus den Händen von Oberbürgermeister Florian Janik den Ehrenbrief für Verdienste auf dem Gebiet der Städtepartnerschaften entgegennahm, blieb freilich wirklich kein Platz mehr frei. Vielleicht, weil, wie der Laudator, anerkennend und vom Manuskript abweichend, meinte, der Geehrte es beispielhaft verstehe, andere in seine vielfachen Aktivitäten und Initiativen einzubinden.

Wie vielfältig und für das Gemeinwohl entscheidend dieses Engagement gerade auch im Internationalen Bereich wirkt, betonte Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens in ihrer Begrüßung. Durchaus auch aus eigener Anschauung vor Ort auf dem Feld der Ökologie, Jugendarbeit oder Kulturvereine. Das Stadtoberhaupt ging sogar noch weiter und stellte diese Arbeit in einen globalen Zusammenhang: „Heute bedarf es mehr denn je der Menschen, die Brücken bauen; gerade jetzt, wo so viele andere sich daran machen, Brücken einzureißen und Mauern hochzuziehen.“

Florian Janik und Wolfram Howein

Desto wichtiger, einmal im Jahr all die einzuladen, denen die Zusammenarbeit mit den zehn Partnerstädten und den drei befreundeten Kommunen, von den sonstigen Verbindungen Erlangens in alle Welt zu schweigen, am Herzen liegt. Und eine Person stellvertretend für die anderen auszuzeichnen, gestern Wolfram Howein. Wofür und mit welchen Worten ist hier nachzulesen: Laudatio Wolfram Howein – 21.11.2018

Wolfram und Inge Howein

Florian Janik machte es sichtlich Freude, dem ehemaligen Siemens-Manager das in vierzehn Jahren und auf vierzig Wladimir-Reisen verdiente Lob auszusprechen, kennt er doch die Ergebnisse dieser großartigen Arbeit aus eigener Anschauung, im Blauen Himmel wie beim Roten Kreuz, im Forum Prisma wie bei den wissenschaftlichen Projekten, besonders aber im Erlangen-Haus, wo beide das „beste Frühstück in der Partnerstadt“ zu schätzen wissen, und von wo aus beide sich auch schon auf die Suche nach einem Schlummertrunk machten.

Gratulation von Melitta Schön an Wolfram Howein

Wolfram Howein nahm es in seiner Erwiderung sportlich: „Mein Engagement für Wladimir ist allemal billiger als Golf zu spielen.“ Aber im Ernst: „Mein Leben ist reicher geworden durch diese Begegnungen, und Wladimir ist mir zum Jungbrunnen geworden.“ Möglich aber natürlich auch nur, wenn die Frau diesen Einsatz unterstützt. Deshalb galt denn der erste und größte Dank Inge Howein, die nun auch schon zehn Reisen in die Partnerstadt hinter sich hat.

Gratulanten: Margrit Vollertsen-Diewerge, Ute Schirmer, Jürgen Binder, Inge und Wolfram Howein, Gerda-Marie und Michael Reitzenstein

Was das Ehepaar noch vor sich hat? Hoffentlich noch viele Jahre der Zusammenarbeit mit Wladimir – zumal sich, siehe Blogeintrag von gestern, im Bereich Erlebnispädagogik schon wieder neue Türen öffnen – und die dafür nötige Gesundheit.

Knut Gradert und seine Stadl Harmonists

Zum Gelingen des Abends trugen auf ihre Weise die Stadl Harmonists aus Kosbach mit „Weltmusik“ bei, von „California Dreaming“ über „Ein Freund, ein guter Freund“ oder „Über den Wolken“ bis hin zum abschließenden „Oj, moros, moros“, das der Leiter des Ensembles, Knut Gradert, bereits 1993 zum Fränkischen Fest in Wladimir mit seinem großen Chor einstudierte und zur Überraschung der Gastgeber auf Russisch interpretierte. Gestern nun also auch noch diese musikalische Brücke über ein Vierteljahrhundert Partnerschaft. Was kann schöner sein?!

Karin Günther, Ruth Sych mit der Broschüre über ihr Engagement in Wladimir vor 20 Jahren und Susanne Lender-Cassens

Höchstens noch die vielen Gespräche, die beim Stehempfang zustandekamen – über die Grenzen der jeweiligen Städtepartnerschaften hinweg. Jena stand da neben Riverside und Rennes kam mit San Carlos ins Gespräch, während Wladimir mit Cumiana Erfahrungen austauschte.

Rudolf und Inge Schloßbauer mit Giuseppe Andolina

Eine Börse der internationalen Beziehungen eben, wo, wie Florian Janik bei der Eröffnung des Buffets meinte, „bestimmt wieder neue Ideen und Projekte entstehen“.

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MItglieder der russisch-orthodoxen Gemeinde waren ebenso zur Kranzniederlegung gestern am frühen Nachmittag auf den Zentralfriedhof gekommen wie zwei Fahnenträger des Kriegerbundes Möhrendorf, der seit den 90er Jahren freundschaftliche Verbindungen zu den Veteranen aus Wladimir unterhält, das Erlanger Bündnis für den Frieden, viele Interessierte und, worüber sich Florian Janik besonders freute, mit der Frauenärztin, Natalia Denissowa, auch eine Vertreterin der russischen Partnerstadt – alle zu Ehren der hier bestatteten 271 und in Erlangen verstorbenen Kriegsgefangenen aus der Zarenarmee. Das letzte Zeugnis und Grabmal, wie der Oberbürgermeister betonte, das hier an den 1. Weltkrieg erinnert, der am Sonntag vor 100 Jahren als erster „industriell geführter Waffengang“ sein Ende fand und dann doch noch ein weit schlimmeres Morden hervorbrachte, den Zweiten Weltkrieg. „Aber Kriege“, so Florian Janik „fallen nicht vom Himmel. Sie werden von Menschen gemacht. Und Menschen können Kriege auch verhindern.“ Etwa auch mit Hilfe von Städtepartnerschaften wie mit Wladimir und Rennes. Aus der Bretagne war zwar niemand angereist, aber das dortige Friedensbündnis hatte eine Botschaft gegen den Krieg geschickt, die verlesen wurde. Wohl den Menschen, die solche Bündnisse und Partnerschaften aufbauen und pflegen. Heute und alle Tage, „damit diese Gräber die letzten sein mögen“, wie Erlangens Oberbürgermeister es ausdrückte.

Manfred Kirscher, Natalia Denissowa, Florian Janik und Pfarrer Anatolij; im Hintergrund Siegfried Beuerlein und Fritz Rösch

Oder mit den Worten des Leiters der französischen Auslandsvertretung der Ochrana, des Geheimdienstes des Russischen Reiches, die ihm Umberto Eco in seinem Roman „Der Friedhof in Prag“ in den Mund legt:

Jemand hat gesagt, der Patriotismus sei die letzte Zuflucht der Kanaillen – wer keine moralischen Prinzipien hat, wickelt sich gewöhnlich in eine Fahne, und die Bastarde berufen sich stets auf die Reinheit der Rasse. Die nationale Identität ist die letzte Ressource der Entrechteten und Enterbten. Doch das Identitätsgefühl gründet sich auf den Haß, Haß auf den, der nicht mit einem identisch ist. Daher muß man den Haß als zivile Leidenschaft kultivieren. Der Feind ist der Freund der Völker. Man braucht immer jemanden zum Hassen, um sich im eigenen Elend gerechtfertigt zu fühlen. Haß ist die wahre Ur-Leidenschaft. Liebe ist eine Ausnahmesituation. Deswegen haben sie Christus umgebracht: Er sprach wider die Natur. Man kann nicht jemanden das ganze Leben lang lieben, aus dieser unmöglichen Hoffnung entstehen Ehebruch, Muttermord, Freundesverrat… Dagegen kann man jemanden sehr wohl das ganze Leben lang hassen. Vorausgesetzt, er ist immer da, um unseren Haß zu schüren. Haß wärmt das Herz.

Wir wissen alle, der Haß ist zurück: auf den Straßen, im Internet, in den Herzen. Wir wissen, wohin das führt. Aber wir wissen auch, Freundschaft wärmt das Herz nicht minder. Wir haben die Wahl.

 

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Heute in acht Tagen jährt sich zum einhundertsten Mal das Ende des Ersten Weltkriegs. Aus diesem Anlaß legt Oberbürgermeister Florian Janik am 11. November um 14.15 Uhr an den sogenannten Russengräbern auf dem Zentralfriedhof einen Kranz nieder. Wer sich an der kleinen Gedenkfeier beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen.

Zum Hintergrund hier einige Auszüge aus einem von Andreas Jakob, dem Leiter des Stadtarchivs, bereits vor vier Jahren publizierten Aufsatz:

Am 14. August 1914 wurde die Bevölkerung in Erlangen zum ersten Mal mit einem mahnenden, in moralisierender Weise das typische deutsche Selbstverständnis spiegelnden Aufruf auf den künftigen Umgang mit den bald erwarteten Kriegsgefangenen vorbereitet:

Es möchte im Hinblick auf manche sehr beschämende Vorkommnisse im Jahre 1870 am Platze sein, darauf hinzuweisen, daß Kriegsgefangenen gegenüber nationale Würde und Wohlanständigkeit gewahrt werden müssen. An den Fingern dieser Franzosen klebt deutsches Blut; jeder von ihnen hat wohl viel hundertmal schon auf die Herzen unserer Brüder draußen im Felde gezielt. Wir wollen dies den Kriegsgefangenen nicht entgelten lassen durch eine Behandlung, die auf Anstand und Wohlerzogenheit keine Rücksicht nimmt und zu Beschimpfung und Spott greift; denn auch sie haben für ihr Vaterland gekämpft. Aber weit entfernt müssen wir alle – Männer und Frauen, Jünglinge und Mädchen – davon sein, ihnen nachzulaufen wie Wundertieren, sie anzustaunen, ja vielleicht auch anzuschmachten, als seien sie des Mitleids und der Verehrung wert, weil sie Fremde sind – wofür der biedere Deutsche bekanntermaßen immer eine besondere Schwäche hat! Das Volk sitze peinlich zu Gericht über alle jene, die etwa nicht danach handeln. Solche Leute wären nicht wert, fürderhin von ihren Mitbürgern geachtet zu werden.

Damals gab es noch gar keine Gefangenen in Erlangen, doch als sie dann in einem im Stadtosten eigens eingerichteten Lager angekommen waren, kam es dann doch zu Freund-Feind-Begegnungen, die streng geahndet wurden:

Weil eine „Gütlerstochter von Adlitz […] mit einem russischen Kriegsgefangenen intim verkehrt hatte“, erhielt sie einen Strafbefehl über sechs Wochen Gefängnis, den das Schöffengericht Erlangen, ihren Einspruch verwerfend, bestätigte.

Auch Fluchtversuche kamen vor:

Ueber die Ergreifung der entwichenen russischen Offiziere: In der Nacht zum Pfingstmontag bemerkten einige Burschen von Windsbach (bei Ansbach), wie sich an einem Bauernhaus 2 Mannspersonen in deutscher militärischer Uniform niedergelassen hatten. Als sie sich die Fremdlinge näher ansehen wollten, ergriffen diese die Flucht. Allein sie wurden bald eingeholt und der Gendarmerie übergeben. Dort stellte sich heraus, daß die Fremden die zwei russischen Offiziere waren, die vor einigen Tagen aus Erlangen flüchtig gegangen waren

Mit dem Ende des Krieges wurden vor allem die Franzosen und Italiener bald entlassen. 1926 exhumierte man schließlich auch ihre Toten und überführte die sterblichen Überreste in die Heimat. An diese traurige Episode der Erlanger Stadtgeschichte erinnert heute nur ein 1919 auf Betreiben der in Erlangen verbliebenen Russen auf dem Zentralfriedhof aufgestelltes, 1929 durch zwei Sarkophage, die die Gebeine der 271 in Erlangen verstorbenen russischen Kriegsgefangenen und Internierten aufnahmen, ergänztes, über zwei Meter hohes Denkmal.

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Seit Anfang September war das Schaufenster der Literarischen Buchhandlung Ilse Wierny im Rahmen des 35jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir mit Werken aus den wichtigsten Epochen der russischen Belletristik dekoriert. Gestern bot sich nun zum letzten Mal dieser Blick in diese reiche Literaturgeschichte mit all den bekannten und noch zu entdeckenden Namen. Grund genug für Oberbürgermeister Florian Janik, sich selbst einen Eindruck zu verschaffen.

Ilse Wierny und Florian Janik

Aber, wie das bei zumindest guter Literatur so ist, der Eindruck kann – und soll manchmal sogar – täuschen. Dafür nur das Beispiel von Daniil Charms, einem harmlos erscheinenden Pseudonym, hinter dem sich das schlimme Schicksal eines Autors verbirgt, der mit gerade einmal 37 Jahren 1942 in einer Gefängniszelle starb, weil der experimentelle Autor partout nicht so schreiben wollte, wie die Parteivorgabe das forderte. Dafür bleibt er unsterblich mit seinen Werken, die er als Kinderbücher ausgab, um die Zensur zu umgehen. Und so entstanden unsterblich absurd-komische Texte wie „Der Hund Bububu“, die so rätselhaft beginnen:

Florian Janik, Fjodor Dostojewskij und Ilse Wierny

Es war einmal ein sehr kluger Hund, der hieß Bububu. Er war dermaßen klug, daß er sogar zeichnen konnte. Einmal hat er ein Bild gezeichnet. Nur daß keiner erkennen konnte, was er auf dem Bild gezeichnet hatte…

Wer dann alles mit welchem Ergebnis dieses Werk eines Hundes interpretierte, sollten Sie sich selbst erlesen. Denn das Schaufenster ist zwar ab heute umdekoriert, doch ein Blick in die russische Literatur lohnt natürlich auch weiterhin.

Siehe auch hier: https://is.gd/9DONLd

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