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Posts Tagged ‘Eva Gruber’


Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus nach Bogoljubowo, besichtigten das dortige Kloster und wanderten zur außerhalb gelegenen Mariä-Schutz-und-Fürbitt-Kirche. Mit Freude stellte ich dabei fest, daß auf Rußlands Wiesen doch noch einige Pflanzen mehr blühen als in Deutschland. Dementsprechend mehr Schmetterlinge waren auch überall unterwegs. Selbst in Wladimir trafen wir auf deutlich mehr Schmetterlinge als in Erlangen.

Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl

Zum Wochenwechsel hin änderte sich auch das Wetter. Es kühlte etwas ab, und es zog sich immer mehr zu. Da der Montag noch trocken sein sollte, nutzten wir den Tag um nach Susdal zu fahren und die Partnerstadt von Rothenburg ob der Tauber zu erkunden. Es ist wirklich idyllisch, wie sich die historischen Gebäude in die Landschaft schmiegen, wobei man den Tourismus deutlich merkt. Die Innenstadt machte mehr den Eindruck eines Museumsdorfes als den einer belebten Kleinstadt.

Die Kamenka bei Susdal

Nach zwei weiteren Tagen in Wladimir, die vom Wetter her zu keinen größeren Unternehmungen einluden, ging es für uns zurück nach Moskau, wo uns zum Glück besseres Wetter erwartete, das auch die nächsten Tage über anhielt. Bereits in Wladimir hatten wir in der Touristeninformation einen Flyer von „Moscow me“ gefunden, ein Büro, das englischsprachige Führungen durch die Hauptstadt anbietet. Unter anderem hat man auch eine kostenlose Führung im Programm.

Abschied von Wladimir

Neugierig meldeten wir uns online an und erwarteten, es werde sich vermutlich eine große Gruppe einfinden. Tatsächlich hatten sich an diesem Tag aber nur mein Mann und ich angemeldet, weshalb wir eine sehr interessante und spannende, private Stadtführung bekamen. Da uns diese so gut gefallen hatte (was sich im Trinkgeld widerspiegelte), buchten wir für den Abend gleich noch eine weitere Führung – diese allerdings gegen Gebühr –, und auch diesmal waren wir die einzigen Teilnehmer. Der Guide sah „minimal“ überrascht aus, uns so bald wiederzusehen.

Die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz

Am Samstag statteten wir dem riesigen Souvenirmarkt Ismajlowo einen Besuch ab. Matrjoschka-Puppen so weit das Auge reicht. Dazwischen unzählige Tücher, Handwerkskunst und Essen. Der Markt teilt sich dabei in drei Bereiche: den Souvenirmarkt, einen Art Jahrmarkt und einen Trödel- und Antiquitätenmarkt. Dort findet man selbstgestrickte Strümpfe neben Taucherglocken und diese wiederum neben Pistolen und Maschinengewehren. Ein spannendes und interessantes Allerlei, in dem man wunderbar Mitbringsel für die Lieben daheim einkaufen kann (wobei sich die Mitnahme eines Maschinengewehrs nach Deutschland als schwierig gestalten dürfte).

Der Ismajlowo-Markt

Der Sonntag war grau und feucht, doch den verbrachten wir kurzerhand mit dem Besichtigen der unterirdischen Paläste, sprich den wirklich pompösen und beeindruckenden U-Bahnstationen. Gleich 22 von diesen nahmen wir uns an diesem Tag vor.

Die Metro

Es folgten krankheitsbedingt zwei ruhige Tage, an denen keine Aktivitäten möglich waren. Als es dann endlich wieder etwas besser ging, nahmen wir uns das Historische Museum vor. Auch dieses ist sehr prachtvoll gestaltet, und auch wenn es meist keine englische Beschriftung der Ausstellungsstücke gibt, erhält man doch die wichtigsten Informationen über den englischen Audioguide.

Das Bolschoj

Für den letzten Tag in Moskau hatten wir noch eine Führung durch das Bolschoj-Theater gebucht. Für den Besuch einer Vorführung waren wir leider zu spät dran. Hier sollte man frühzeitig Karten buchen. Auch die Führung war gut besucht, und es gibt nur wenige Plätze. Man sollte also rechtzeitig buchen, wenn man das Gebäude von innen besichtigen möchte. Die Führung dauerte ca. eine Stunde, in der man durch alle möglichen Räumlichkeiten geführt wurde und einige historische Details zum Gebäude erfuhr.

Das Auferstehungstor auf dem Roten Platz

Rußland ist ein spannendes Land voller Gegensätze. Während Moskau den Charme einer überaus gepflegten, modernen Weltmetropole versprüht, in die hohe Summen investiert werden, sieht es außerhalb der Metropole ganz anders aus.

Moskau an der Moskwa

Ein gutes Beispiel ist hier der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV): Während in Moskau moderne Linienbusse auf breiten, gut erhaltenen Straßen verkehren, findet man in Wladimir fast ausschließlich ausrangierte Busse aus Deutschland – oftmals an Aufklebern wie „Bitte nach hinten durchgehen“ oder „Bitte nicht mit dem Fahrer sprechen“ erkennbar –, die ihre besten Zeiten schon lange hinter sich haben (löchrige Böden, die teilweise mit Blech verstärkt wurden, damit die Fahrgäste nicht hindurchbrechen. Nichtsdestoweniger konnte man in etlichen Bussen durch Löcher im Boden die Straße darunter begutachten und alte, qualmende, stinkende Dieselmotoren bestaunen, die über von Schlaglöchern gespickte Straßen rumpeln. Dafür ist der öffentliche Personennahverkehr in Wladimir mit ca. 30 Rubel pro Fahrt (~0,38 €) unschlagbar günstig für deutsche Verhältnisse. In Moskau kostet eine Tour schon 55 Rubel (~0,69 €) – für deutsche Verhältnisse immer noch spottbillig; wenn man allerdings das Lohnniveau außerhalb von Moskau bedenkt, durchaus teuer.

Die Christ-Erlöser-Kathedrale

Die kommunistische Vergangenheit zeigt sich überall an Gebäudeverzierungen, Statuen von Lenin (im Gegensatz zu Stalin scheint Lenin in der Bevölkerung noch ein gewisses Ansehen zu genießen, so zumindest unser subjektiver Eindruck nach Gesprächen mit Einheimischen) und steht im Gegensatz zum erstarkten Kapitalismus, der sich vor allem in Moskaus Innenstadt in Form von unzähligen Luxuskaufhäusern, Premiumautos und ähnlichem zeigt.

Die Kluft zwischen arm und reich ist tief und ausgeprägt und manifestiert sich nicht nur zwischen einzelnen Menschen, sondern auch zwischen Städten und Regionen, was unweigerlich zu Spannungen führen wird. Land und Leute sind komplex mit einer bewegten Vergangenheit und einer Gegenwart voller Gegensätze, was dieses Land durchaus zu einem einzigartigen und besonderen Reiseziel macht.

Eva Gruber

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Vom 5. bis 8. September 2018 fand die 9. Internationale wissenschaftliche und praktische Konferenz über die „Ökologie der Einzugsgebiete von Flüssen“, veranstaltet durch die Staatliche Universität Wladimir, in Susdal statt. Der historisch bedeutsame Ort liegt circa 40 km nördlich der Partnerstadt an der Kamenka, die sich in weiten Schleifen durch das kleine Städtchen schlängelt.

Eva Gruber, Mitarbeiterin im Amt für Umweltschutz und Energiefragen in den Aufgabenbereichen Natur- und Gewässerschutz, erhielt durch die Stadt Erlangen die Möglichkeit an der Konferenz teilzunehmen und einen eigenen, kurzen Vortrag (auf Englisch) zu halten.

Obwohl die Konferenz für vier Tage angesetzt war, fanden nur am 6. und 7. September Vorträge statt. Am 5. September stand eine Stadtführung durch Susdal auf dem Programm, und der 8. September war als Abreisetag vorgesehen. Da die Stadtführung nicht verpflichtend war und zudem nur auf Russisch stattfinden sollte, wurde dieser Tag als Anreisetag gewählt und auf die Führung verzichtet.

Eindrücke aus der Metro

Von Nürnberg aus ging es über Frankfurt in Richtung Moskau, wo ein Deutschstudent aus Wladimir meinen Mann und mich bereits am Flughafen erwartete, um uns dann durch das Labyrinth der Moskauer U-Bahn bis zum Kursker Bahnhof zu lotsen. Da der nächste Zug erst einige Stunden später fahren sollte, nutzten wir die Zeit um eine Kleinigkeit zu essen. Gegen 18.30 Uhr kamen wir dann im Erlangen-Haus in Wladimir an. Die Begrüßung war herzlich, und Wolfram Howein, der gerade ebenfalls vor Ort war, gab bei einem gemeinsamen Abendessen in der Innenstadt hilfreiche Hinweise für den ersten Aufenthalt hierzulande: Restaurants mit englischen Speisekarten in Wladimir, das Überqueren von Straßen (nur an Ampeln und Zebrastreifen) und die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel (Zahlung bei einer speziellen Person im Bus, nicht beim Fahrer) sowie Informationen über Wladimir, Land und Leute im allgemeinen, um nur einiges zu nennen.

Susdal

Am 6. September begann dann die 9. Internationale Gewässerkonferenz, veranstaltet von der Universität Wladimir. Mit dem Taxi ging es zum Hotel Puschkarskaja Sloboda in Susdal. Schon bei der Anmeldung stellte sich die Kommunikation auf Englisch als schwierig heraus. Alle Teilnehmer erhielten ein Buch über das Einzugsgebiet der Kljasma, an der auch Wladimir liegt. Dieser Band ist der erste seiner Art auf dem russischen Markt, wie die Autorin in ihrem Vortrag auf der Konferenz stolz erklärte. Die Tagung fand in einem eng bestuhlten Raum im Keller des Hotels statt. Dort wurde mir „meine“ Dolmetscherin vorgestellt, die für mich die Vorträge aus dem Russischen ins Englische übersetzen sollte. Nach der Begrüßung durch Vertreter der Universität begann die Konferenz mit der bereits erwähnten Vorstellung des Buches, das sich detailliert mit der Geologie, der Entstehung, der Flora und Fauna des Einzugsgebietes der Kljasma aber auch mit den Funden historischer Nachweise früher menschlicher Besiedlung sowie aktueller Nutzung durch den Menschen beschäftigt. Nach etwa eineinhalb Stunden begannen dann die eigentlichen Vorträge. Die Konferenz war dabei in verschiedene Themenblöcke aufgeteilt, wobei sich hier schon bald zeigte, wie etliche Beiträge, die erst zu einem späteren Zeitpunkt und einem anderen Thema eingeplant waren, vorgezogen wurden, da manche Referenten noch andere Verpflichtungen hatten. Leider übersetzte die Dolmetscherin ausschließlich auf Nachfrage, was ein ständiges Frage-und-Antwort-Spiel nach sich zog. Das ständige Nachhaken zum Inhalt einer Powerpoint, zu einem Referat oder dazu, warum sich die Teilnehmer nach einem Vortrag auf einmal stritten und gegenseitig anbrüllten, war auf Dauer ziemlich ermüdend, und viele interessante Inhalte gingen sicherlich verloren, da die Übersetzung oftmals sehr allgemein gehalten war. Da hatte ich mir deutlich mehr erhofft, denn die Vortragstitel klangen durchaus interessant.

Vorbereitung auf die Konferenz

Am frühen Nachmittag stand dann mein Vortrag über Biber im städtischen Umfeld am Beispiel der Stadt Erlangen auf dem Plan. Ich sagte einige Sätze zu der jeweiligen Powerpointfolie, dann war die Dolmetscherin an der Reihe, die alles ins Russische übersetzte. Die Resonanz im Nachhinein war sehr positiv. Während der anschließenden Kaffeepause fanden sich etliche Teilnehmer bei mir ein und erzählten mir von ihren ganz eigenen Biberproblemen. Ich lernte dabei unter anderem: Die Biber wandern hier abhängig von der Jahreszeit und lassen sich im Winter gerne in größeren Gruppen in der Nähe von Städten nieder, während sie sich im Sommer über das ganze Land verteilen. So ein Verhalten wurde bei Bibern in Deutschland bisher nicht beobachtet – kein Wunder, sind doch unsere Winter bei weitem nicht so kalt, rauh und lang wie in den russischen Weiten. Für uns alltägliche Lösungen wie das Anbringen von Maschendraht rund um Baumstämme, um diese vor Verbiß zu schützen, stießen gleichermaßen auf Interesse und Unverständnis. Die einen äußerten sich begeistert, weil sie nun endlich wissen, wie sie ihre Obstbäume schützen können, andere wiederum äußerten ihr Unverständnis, warum man dem Biber verwehre, seinem natürlichen Verhalten nachzugehen. Leider blieb keine Zeit für eine tiefere Diskussion darüber.

Konferenzraum

Tatsächlich zeigte sich schon sehr bald, die Zeit werde nicht für alle Vorträge reichen, denn es gab sehr viele Referate, und die Planung war sehr optimistisch gestaltet. Und obwohl noch sehr viele Vorträge fehlten, die für den Tag geplant waren, wurde die Veranstaltung tatsächlich auch noch früher beendet. Mir wurde noch gesagt, für den nächsten Tag sei keine Dolmetscherin vorhanden, allerdings werde der Mitarbeiter des Organisationskomitees, mit dem ich bereits im Vorfeld Kontakt hatte, etwas für mich übersetzen.

Blick auf Wladimir

Mit dem Taxi ging es zurück nach Wladimir – eine Fahrt, die von Raserei und riskanten Überholmanövern geprägt war und noch dazu das doppelte wie am Morgen kosten sollte. Ich war auf alle Fälle sehr froh, als ich endlich am Erlangen-Haus aussteigen konnte. Nachdem sich meine Nerven wieder etwas beruhigt hatten, ging es zu Fuß zum Abendessen in die Innenstadt, die wir aufgrund der frühen Dämmerung wie bereits am Vortag nur bei Dunkelheit besichtigen konnten.

Blick auf die Kljasma-Auen

Tag zwei der Konferenz. Wieder ging es mit dem Taxi nach Susdal, und wieder zahlte ich nur die Hälfte von dem, was mich die Rückfahrt am Tag zuvor gekostet hatte. Die Anzahl der Teilnehmer war drastisch zurück gegangen. Der Raum war nur noch halb besetzt. Obwohl mein neuer „Dolmetscher“ nicht so gut Englisch sprach wie seine Vorgängerin, übersetzte und erklärte er deutlich mehr von dem, was in den Vorträgen referiert wurde. Zugegeben, der Google-Übersetzer war dabei eine wirklich große Hilfe. Auch diesmal wurde die Veranstaltung früher geschlossen, obwohl noch knapp ein Drittel der Vorträge fehlte. Für den Nachmittag war eine Exkursion nach Wladimir und Bogoljubowo angesetzt.

Boboljubowo

Eigentlich wollten mein Mann und ich zusammen daran teilnehmen. Im Vorfeld wurde auch bestätigt, dies sei möglich. Wie sich nun aber vor Ort herausstellte war die Führung zu einem Sonderpreis geplant, der nur für Russen galt. Wir hätten teilnehmen können, hätten uns dann aber nicht unterhalten dürfen. Die Entscheidung fiel dann auch relativ leicht, nicht an der Exkursion teilzunehmen. Nach einer herzlichen Verabschiedung ging es mit dem Taxi wieder zurück nach Wladimir.

Lenin-Denkmal vor der historischen Bank auf dem Kathedralenplatz von Wladimir

Auf diese Art und Weise hatten wir nun einige Stunden Zeit, um das erste Mal seit Ankunft Wladimir bei Tageslicht besichtigen zu können, wobei wir uns erst einmal auf die Hauptstraße konzentrierten. Am nächsten Tag zogen wir gleich morgens bei herrlichem Wetter los. Es war für russische Verhältnisse zu der Jahreszeit noch sehr warm.

Die Altgläubigen-Kirche mit dem neuen Springbrunnen

Zu unserem Glück fand an diesem Tag auch ein City-Halbmarathon statt, weshalb die Straßen für Autos gesperrt waren. Insbesondere nach dem Lauf hatte man so die einmalige Gelegenheit, Bilder vom Goldenen Tor von der Straßenmitte aus machen zu können. Während unseres Aufenthalts in Wladimir waren wir abends in verschiedenen Restaurants essen. Am besten hat es uns aber im „Vegan Bro“ gefallen und geschmeckt. Das Essen war superlecker, und während vegane Restaurants in Deutschland meist relativ teuer sind, war das Essen dort auch für russische Verhältnisse sehr günstig.

Fortsetzung folgt.

Eva Gruber

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