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Posts Tagged ‘Essen und Trinken in Rußland’


Gestern pfiff das Wladimirer Restaurant „Blackwood“ das Projekt „Foodball“ an. Was wie eine gesuchte Assonanz klingen mag, ist in Wirklichkeit gastronomisches Marketing. Erlangens Partnerstadt trägt nämlich während der Fußballweltmeisterschaft von Mitte Juni bis Mitte Juli offiziell den Titel „Kulturhauptstadt“. Wie viele Fans tatsächlich aus den Stadien in Moskau, Sankt Petersburg, Nischnij Nowgorod, Kasan, Rostow am Don, Wolgograd, Jekaterinburg, Samara, Saransk, Sotschi und Kaliningrad  eigens an den Goldenen Ring kommen, um sich beschaulich den Musen zu widmen, weiß noch niemand zu sagen. Eines ist aber schon klar: Der Mensch lebt nicht von Musik und Kunst allein, schon gar nicht von der vorgeblich „schönsten Nebensache der Welt“. Es ist denn auch das Brot, das die Römer vor die Spiele setzten, und Wladimir setzt dabei auf die eigene regionale Küche.

Cheftrainer

Und auf viel Phantasie – sowohl was die Speisekarte als auch das Ambiente angeht. Da gibt es dann Gerichte wie Waller am Spieß, der als „Cheftrainer“ firmiert, scharf angerichtete Rinderrippchen unter dem Namen „Rote Karte“, 25 geräucherte Krebse mit dem Pseudonym „Fanblock“ oder sechs Lachspelmeni, die sich als „Strafbank“ ausgeben.

Jewgenij Durnjew, Cheftrainer von Torpedo Wladimir, rechts im Bild

Auch an den Durst ist gedacht. Eine ganze Serie von Cocktails erproben derzeit die Barkeeper, und sogar ein 200-Mann-Zelt soll mitten in der Stadt aufgestellt werden, wo man sich bei jedem Wetter vor, nach und natürlich während der Spiele stärken kann bis zum Abwinken.

In jedem Fall eine große Chance für Wladimir, sich touristisch aller Welt zu präsentieren. Bleibt nur zu hoffen, daß die internationalen Medien davon Notiz nehmen und die Fans nicht nur an den Austragungsorten bleiben, die natürlich auch ihre eigenen Trümpfe ausspielen werden und ihre Gäste halten wollen. Mal sehen, noch rollen ja weder Ball noch Rubel.

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Es war einmal in Schwabach, wo sich Iwan Sfortunatow, unser notorisch erfolgloser Anzeigenwerber des Blogs, kurz vor Weihnachten auf der desolaten Suche nach zahlungskräftiger Kundschaft in einen Geflügelmastbetrieb verirrte und sich dort – statt einen Auftrag mitzubringen – eine vorgeblich goldgefiederte Gans aufschwatzen ließ – gegen den gesamten Inhalt seiner Handkasse. Ganz aufgekratzt kam er mit dem schnatternden Federvieh auf dem Arm und meinte voll aufrichtiger Zuversicht, wir bräuchten nun nur noch auf die Mauser zu warten, um endlich unser Glück zu machen und in ein großzügig ausgestattetes Studio auf dem Burgberg ziehen und den Korrespondenten anständige Honorare zahlen zu können. „Alles schön und gut“, gurrte da unser Ornithologe, Platon Papagenow, „aber als amphib lebender Vogel braucht das Tier erst einmal ein Bad. Und daß mir nur ja niemand auf die Idee kommt, den anseris aequabis bei lebendigem Leib zu rupfen!“ Und so setzten wir denn die güldene Gans über Nacht in die Wanne und träumten in freudiger Erwartung den Dingen entgegen, die da kommen sollten. Wie groß war da die Enttäuschung, als wir Konrad – so hatten wir den Gast auf Vorschlag von Dementij Duschegub, unseres Fachmanns für Verhaltenspsychologie, genannt – am anderen Morgen friedlich schlummernd im Wäschekorb fanden, das Federkleid weiß wie unberührter Schnee, das Wasser ockerfarben getrübt… Zur schmerzlichen Betrübnis von Iwan Sfortunatow, sehr zum Verdruß von uns allen. Am schnellsten fing sich unser Chefredakteur, der beleibte Stanislaw Schirkin, der ausrief: „Dann wandert Konrad eben als Weihnachtsgans in die Röhre“, und die ehrenamtliche Küchenhilfe, Matrjona Powaricha, anwies, alle dafür notwendigen Vorkehrungen zu treffen, ohne auf das Lamentieren der lammfrommen Vegetarier und Peta-Mitglieder zu hören. Bis dahin sollten wir uns alle wieder an unsere Arbeit machen. Als wir aber gerade den ersten Schub der Inspiration in uns aufsteigen fühlten, erfüllte ein durchdringender Schrei die Redaktionsstuben: „Konrad ist weg!“ – „Wie weg?! Tür und Fenster des Badezimmers waren doch zu“, wunderten wir uns unisono. Auch spätere Recherchen unserer Investigativ-Blogger vermochten die Umstände nicht lückenlos zu klären. Nur eines scheint klar: Konrad gelangte im Wäschekorb auf den Balkon. Ob zufällig durch die halb erblindete Marfa Tschistoljubowa, unsere Haushälterin, zum Aufhängen nach draußen geschafft, oder als Kontrabanda unter dem Kaftan eines Fleischkostverächters in die Freiheit entlassen, bleibt wohl für immer offen. Nicht einmal das Eichhörnchen Belkin oder der Eichelhäher Sojka, denen im Garten nichts entging, vermochten Auskunft zu geben, und ein Bekennerschreiben ging bis dato bei der Redaktion nicht ein.

Nach der pekuniären Pleite wäre Weihnachten also auch kulinarisch zu einem Fiasko geworden, hätte da nicht unser Kreativ-Chef und Hobbykoch, Polikarp Appetitow, mit einer köstlichen Idee aufgewartet, der sie den Namen „Entfleuchte Gans“ gab. Die Feinschmecker der Redaktion raten denn auch, nicht lange zu warten, sondern dem Verlegenheitsrezept zu folgen:

Traditionell verwendet man ja in der russischen Küche gern Geflügel, gefüllt mit gekochtem Buchweizen und Bratäpfeln. Sind Gans oder Huhn aber – auf welchem Wege auch immer – abhandengekommen, geht man vor, wie folgt: Man koche 200 g Buchweizen, teile zwei Fenchelknollen in sechs Stücke mit einem Rest vom Strunk, erhitze in einer tiefen Pfanne Olivenöl und brate die Fenchelteile von beiden Seiten goldfarben an, gebe sie dann in eine Backform und schneide zwei Äpfel – ohne Kernhaus, aber mit Schale – in etwa zehn, zwei Zentimeter dünne Schnitze, die zusammen mit einer Handvoll Moosbeeren und einem „Schluck“ Wasser zum Fenchel kommen, der nun bei einer Temperatur von 180° C auf dem mittleren Fach für zwölf Minuten in den Ofen wandert. In der Zwischenzeit bereitet man die Sauce aus dem Saft – mit Fruchtfleisch! – von zwei frischgepreßten Orangen zu, denen ein Esslöffel flüssigen Honigs, eineinhalb Esslöffel Senf, zwei Esslöffel Olivenöl sowie etwas Salz und Pfeffer zugesetzt werden. Umrühren – fertig und die Fenchelstücke und Apfelschnitze mit der Sauce übergießen, bevor die „entfleuchte Gans“ weitere sieben bis zehn Minuten bei 180° C im Backrohr gart und dann mit dem Buchweizen serviert wird. Empfohlen von den Leckermäulern des Blogs nicht nur zur Weihnachtszeit!

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Du trübe Zeit! O welch Bezauberung, welch Freude / bringt mir der Abschiedsgruß der sterbenden Natur! / Wie schön ihr prunkendes und welkendes Geschmeide, / in Purpurrot und Gold gekleidet Wald und Flur!

Ein frischer Wind durchzieht den stillen Hain, die Weide, / am hohen Himmelszelt stehn Wolken, Nebel nur. / Es kneift der erste Frost, die Sonne strahlt nur selten, / und ferne hört man schon den grauen Winter schelten.

Anastasia Sacharowa und ihr Glühwein

Anastasia Sacharowa und ihr Glühwein

Erraten? Ja, so schön kann den Spätherbst nur der russische Dichterfürst, Alexander Puschkin, besingen, hier in der Nachdichtung von Franz Leschnitzer. Und, ja, nun endlich spüren auch wir einen Hauch davon und haben allen Grund, ein Rezept auszuprobieren, das uns Anastasia Sacharowa aus Wladimir in dieser trüben Zeit schenkt und mit dessen Hilfe sich die Trübsal des Winters aufheitern läßt.

Wladimirer Glühwein

Wladimirer Glühwein

Wir brauchen 200 g tiefgefrorene Beeren, 150 ml Rotwein, etwa einen halben Liter Wasser, je eine Orange und Zitrone, Zimt, Gewürznelken, geriebenen Ingwer, einen großen Apfel und 100 bis 150 g Zucker. Zunächst die Beeren aufkochen, dann auf kleiner Flamme köcheln lassen und zwischen acht und zehn Gewürznelken, eine Prise Ingwer und Zimt, die geriebene Zitronenschale, Apfel- und Orangenstückchen sowie den Saft der Zitrone dazugeben, Deckel drauf und sieben Minuten kochen lassen. Jetzt kommt der Wein hinzu, und fertig ist die Komposition fast. Noch einmal alles aufkochen, aber vom Herd nehmen, bevor es richtig blubbert, denn der Weingeist soll sich ja nicht verflüchtigen, sondern des Genießers trübe Sinne aufhellen, ganz im Tenor von „Vivat Bacchus! Baccchus lebe!“.

Wohl bekomm's!

Wohl bekomm’s!

Wer sich übrigens den reinen Genuß gönnen möchte, seihe die Feststoffe ab. Alle anderen dürfen die süßen Ingredienzien auslöffeln. Wohl bekomm’s! So oder so.

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