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Posts Tagged ‘Erzbischof Jewlogij’


Die 125 km bis in die nordwestlich von Wladimir gelegene 60.000-Seelen-Kreisstadt Alexandrow lohnen sich besonders in diesen Tagen. Noch bis zum 24. März ist in dem Gebäudekomplex der ehemaligen Residenz von Iwan dem Schrecklichen, der hier von 1564 bis 1581 hofhielt und wohl im unheiligen Zorn seinen Sohn und Thronfolger erschlug, eine Ausstellung zu sehen, die unter dem Titel „Auf der Suche nach dem Leben“ das über Jahrzehnte gereifte Schaffen eines der gewiß größten russischen Künstler der Gegenwart zeigt.

Plakat zur Ausstellung „Auf der Suche nach dem Leben“

Jakow Jakowljew kam 1947 auf Sachalinsk in der Familie eines Generalmajors und Weltkriegsveteranen zur Welt und wurde 1952 heimlich in Moskau getauft. Kindheit und Jugend waren, bedingt durch die militärische Laufbahn des Vaters und die unregelmäßigen Versetzungen, geprägt durch ständige Ortswechsel, bis er 1965 das Studium der Architektur in Nowosibirsk aufnahm und fünf Jahre später, bereits als Dozent, heiratete. 1975 folgte die Aufnahme in den Russischen Künstlerverband mit Ausstellung vor allem seiner Graphiken auch im Ausland. Daneben half der bekennende Christ als Architekt und Ikonenrestaurator bei der Renovierung von Kirchen und Klöstern in der Region Nowosibirsk, bis Jakow Jakowljew 1983 nach Wladimir umzog.

Bischof Innokentij, Patriarch Kirill und Erzbischof Tichon

Nach dem Tod seiner Frau, neun Jahre später, ließ sich der Vater von zwei Töchtern zum Diakon und später zum Priester weihen und wurde noch im gleichen Jahr in den Diözesanrat aufgenommen, zuständig für Bau- und Restaurierungsaufgaben. Wenige Monate später schon übertrug man dem Geistlichen die Aufgabe des spirituellen Rats im Fürstinnenkloster, und 1997 nahm er als Mönch den Namen Innokentij an, nachdem ihn Erzbischof Jewlogij zwei Jahre zuvor bereits zu seinem Generalvikar ernannt hatte.

Bischof Innokentij in seinem Atelier

Genau ein Jahr darauf die Erhebung in den Rang eines Hegumen (Igumen) und der Abschluß seines theologischen Fernstudiums. Ende 2005 geht P. Innokentij als Abt des Alexander-Klosters nach Susdal und wird 2007 in den Rang eines Archimandriten erhoben. 2011 schließlich die Bischofsweihe, der Abschied von Wladimir, die Übernahme der Diözese Nischnetagil und Jekaterinenburg im Ural – und am 14. Mai 2018 die Rückkehr in die Region Wladimir auf den Bischofsstuhl von Alexandrow, zuständig auch für die Kreise Jurjew-Polskij, Kirschatsch und Koltschugino.

Stilleben eines Künstlers

Über all die Jahre seines kirchlichen Werdegangs blieb der Geistliche stets Künstler mit einem Blick auf das Metaphysische, auf die Kostbarkeit des Augenblicks, oft festgehalten in asketisch anmutenden Kompositionen.

Was das Spätwerk besonders auszeichnet, ist die Grenzüberschreitung, das Zusammengehen von Photographie und Graphik, das Übereinanderlegen verschiedener Schichten, das Durchscheinen einer anderen Welt hinter dem ersten Eindruck. Subtil, feinnervig, vieldeutig und polyphon, ganz im Geist der Ikone, gedacht als Fenster in den Himmel, ins Jenseits.

Neben nachgerade prototypischen Portraits finden sich im Œuvre immer wieder Landschaften mit der sprichwörtlichen Weite der russischen Ebene, mal menschenleer, wie im Moment der Schöpfung, dann wieder belebt mit Figuren, die ihre Arbeit verrichten, immer schlicht, ohne Anmutungen von Heroismus oder auch nur einer ausgeprägten Individualität. Bisweilen freilich gestattet sich der Künstler ein Selbstbildnis in der Arbeit zu verstecken oder einen Kollegen anzudeuten. Oder er zitiert andere Meister wie Marc Chagall.

P. Innokentij auf Motivsuche

Selbst deutet der spirituelle Künstler beim Atelierbesuch nicht so gerne die Botschaften seiner Werke; für sich selbst und aus sich selbst heraus sollen sie sprechen, und die Interpretation bleibt dem Betrachter überlassen. Daran tut wohl auch die Blog-Redaktion gut und beläßt es bei folgenden Bemerkungen:

Vitrine mit den Katalogen der beiden bisherigen Ausstellungen in Erlangen

Jede Begegnung mit dem Künstler-Bischof darf man als Geschenk des Himmels erleben. Wenn es die Gegenwart Gottes auf Erden gibt, dann in der Aura eines Menschen wie Pater Innokentij.

Peter Steger und Bischof Innokentij

Und dann: Kann es Zufall sein, daß der erste Eintrag des Blogs am 27. September 2008 https://is.gd/TlpyJY just diesem Künstler und seiner zweiten Ausstellung in Erlangen gewidmet war? Da liegt es nahe, eine dritte Ausstellung anzukündigen. Noch ohne Datum. Aber sie wird kommen, denn, wie der russische Volksmund sagt: „Gott liebt die Drei“.

Mehr Bilder aus dem Atelier und der Ausstellung sind hier auf Facebook zu sehen: https://is.gd/Dlyc6c

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Nach 28 Jahren im Amt verabschiedete sich gestern in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale Erzbischof Jewlogij in den Ruhestand. Der Heilige Synod würdigte den Geistlichen als jemandem, den es gelungen sie, die Entwicklung des kirchlichen Lebens in alle Richtungen zu entwickeln, die Zahl der Gemeinden und Priester sowie der Ordensleute zu erhöhen und einen konstruktiven Dialog mit der Öffentlichkeit und der Politik zu führen. Der promovierte Theologe trägt seit dem 14. Jahrhundert, als dieses Amt nach Moskau verlegt wurde, als erster wieder den Titel eines Metropoliten.

Florian Janik, Sergej Sacharow und Erzbischof Jewlogij, 8. Mai 2015

Bereits 2012, mit 75 Jahren, hatte sich Erzbischof Jewlogij ins Kloster zurückziehen wollen, doch der Heilige Synod bat ihn, im Amt zu bleiben. Aus Sicht der Städtepartnerschaft ist dem Kirchenmann nur zu danken. Er begleitete stets wohlwollend den Wiederaufbau der katholischen Rosenkranzgemeinde und gab auch dem Projekt des Pilgerzentrums seinen Segen. Wenn die Region Wladimir wenn schon nicht vom Geist der Ökumene, so doch von einem Klima der gegenseitigen Hochachtung der Konfessionen und Religionen geprägt ist, darf das wesentlich dem auf Ausgleich und Verständigung bedachten Wirken des kontemplativ gestimmten Seelenhirten angerechnet werden.

Generalvikar Warfolomej, Erzbischof Jewlogij Smirnow, Erzbischof Ludwig Schick und Pfarrer Markus Günther, 12. August 2012

Im Amt folgt Jewlogij nun Tichon, 1948 in Woronesch geboren und mit Unterbrechungen seit 1990 Erzbischof von Nowosibirsk und Berdsk, wo es ihm, ebenso wie Jewlogij in Wladimir, gelang, das kirchliche Leben wiedererstehen zu lassen. Was es bedeuten kann für seinen Glauben einzustehen, weiß der 1981 in Moskau zum Priester geweihte Pater aus der Geschichte der eigenen Familie: Sein Großvater wurde 1931 erschossen, weil er sich offen und aktiv zu seiner Gemeinde bekannte. Aber Erzbischof Tichon versteht auch, für die Sache der Orthodoxie zu kämpfen. Auf seine Anzeige hin wurde 2015 in Nowosibirsk eine Tannhäuser-Inszenierung wegen „Verletzung der religiösen Gefühle von Gläubigen und Gotteslästerung“ abgesetzt und der Intendant des Theaters entlassen, worüber seinerzeit die FAZ ausführlich berichtete: https://is.gd/j1enJg

Erzbischof Tichon Jemeljanow

Erzbischof Tichon ist nun gutes Gelingen an seiner neuen Wirkungsstätte zu wünschen, wo freilich auch große Herausforderungen warten, etwa die Rückführung von bisher noch museal genutzten Gotteshäusern und Klöstern der Region Wladimir in den Besitz und in die Verantwortung der Kirche. Da wird viel Verhandlungsgeschick vonnöten sein.

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Seit gestern ist Wladimir Sipjagin ganz offiziell Gouverneur der Region Wladimir. Seine gestrige Einführung in das höchste Amt des Gouvernements gestaltete der vormalige Abgeordnete der Regionalduma so, wie er sich seine Regierungszeit vorstellt: ohne Pomp, effektiv und mit Bodenhaftung. Das 48jährige Mitglied der Liberaldemokratischen Partei hatte am 23. September, wie berichtet, seine Vorgängerin, Swetlana Orlowa, in der Stichwahl – allein die Favoritin des Kreml in diesen Zweikampf gezwungen zu haben, galt schon als Achtungserfolg – und deklassierte das Mitglied der Partei Einiges Rußland mit einem Ergebnis von 57,03% vs. 37, 46% der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von für Wladimirer Verhältnisse erstaunlich hohen 38,29%.

Erzbischof Jewlogij, Olga Chochlowa, Alissa Axjonowa und Nikolaj Winogradow bei der Inauguration von Wladimir Sipjagin, gesehen von Sergej Krawzow

Wladimir Sipjagin zieht nun als vierter Gouverneur der postsowjetischen Periode in die „Staatskanzlei“ und folgt Jurij Wlassow (1990 – 1996) von der mittlerweile aufgelösten Partei „Demokratische Wahlen Rußlands“, dem Kommunisten Nikolaj Winogradow (1997 bis 2013) und besagter Swetlana Orlowa, die als politisches Schwergewicht, als stellvertretende Vorsitzende des Föderationsrats, angetreten war und nun – wie sie sich selbst einmal ausdrückte – die „Wladimirer Hölle“ verlassen wird. Bei der gestrigen Amtseinführung von Wladimir Sipjagin ward sie übrigens schon nicht mehr gesehen.

Wladimir Sipjagin, gesehen von Sergej Krawzow

Wladimir Sipjagin, dem Erlangens Oberbürgermeister, Florian Janik, bereits, verbunden mit einer Einladung nach Deutschland, schriftlich gratulierte, wurde zwar in Charkow geboren, doch das eher zufällig, weil sein Vater, ein Militär, gerade dort stationiert war. Leben und Arbeit des neuen Gouverneurs sind eng mit Wladimir verbunden, wo er die ganzen 90er Jahre über in verschiedenen Funktionen in der Wirtschaft sowie im Bankenwesen arbeitete, bevor er 2001 die Akademie für Verwaltung und Wirtschaft besuchte, wo er später dann auch den Magisterabschluß erlangte. 2013 dann der Sprung ins Regionalparlament (Duma), wo er verschiedene Ausschüsse leitete. Übrigens war er damals schon gegen Swetlana Orlowa angetreten, die das Amt zuvor kommissarisch innehatte, landete aber weit abgeschlagen mit nicht einmal 4% der Stimmen ganz hinten im Feld, während die nun unterlegene Politikerin damals fast 75% der Wähler hinter sich hatte bringen können. Der Vater zweier Töchter und Söhne hat nun fünf Jahre Zeit, den Menschen zu zeigen, wie man es besser machen kann als seine Vorgängerin. Dazu wünscht man ihm auch aus Erlangen gutes Gelingen.

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Am 22. August 2011 stand im Blog zu lesen:

Niemanden, der ihn kennt, wird es verwundern zu hören, daß Archimandrit Innokentij, bisher tätig als Generalvikar der Erzdiözese Wladimir – Susdal, nun selbst zum Bischof ernannt wurde. Patriarch Kirill persönlich nahm die Weihe in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale vor und entsandte den Mönch Innokentij mit den Insignien eines Bischofs in den Ural, um dort die Diözese Nischnij Tagil, gute 100 km von Jekaterinburg entfernt, zu übernehmen.

P. Innokentij

Natürlich gratulieren dem Geistlichen alle Freunde in Wladimir und Erlangen, doch für die Partnerschaft ist sein Weggang ein schwerer Verlust. Niemand verstand es wie er, der erst nach dem Tod seiner Frau vor mehr als 20 Jahren Mönch wurde und vorher als Architekt und Künstler tätig war, zwischen Kirche und Welt zu vermitteln. Niemand hatte so viel Autorität wie er im interkonfessionellen und interreligiösen Dialog. Und wer hätte die Orthodoxie besser als er auch in der Partnerschaft vermitteln können! Besonders auch durch seine künstlerische Arbeit und die Ausstellung, die er anläßlich des 25jährigen Partnerschaftsjubiläums 2008 im Stadtmuseum Erlangen zeigte. In Planung war bereits eine weitere Schau seiner Arbeiten. Doch dieses Vorhaben wird nun wohl wichtigeren Dingen geopfert werden müssen. Die Wege des Herrn sind eben unergründlich. Uns bleibt da nur, dem Gesandten des Herrn viel Glück und viel Segen auf all seinen Wegen zu wünschen, die sich ja vielleicht doch auch einmal wieder auf der Landkarte der Partnerschaft abgebildet finden.

 

 

 

P. Innokentij und Erzbischof Jewlogij

Diese Hoffnung wurde nicht enttäuscht. Am 14. Mai beschloß der Heilige Synod der russisch-orthodoxen Kirche unter dem Vorsitz von Patriarch Kirill bei seiner Sitzung in Sankt Petersburg, P. Innokentij wieder in die alte Heimat zu versetzen, genauer in das Amt des Bischofs von Alexandrow und Jurjew-Polskij, in der Region Wladimir gelegen. Hier, im Herzen des Goldenen Rings, hatte der 1947  als Jakow Jakowljew auf Sachalin geborene Gottesmann bereits 1983 sein Zuhause gefunden – bis zur Versetzung in den Ural vor sieben Jahren.

Bischof Innokentij

An Wunder zu glauben, ist nicht jedermanns Sache, aber niemand, der Bischof Innokentij kennt – übrigens auch ein großer Mann der Ökumene und der Zusammenarbeit mit der Rosenkranzgemeinde in Wladimir – wird den Kopf schütteln, wenn man ihn als wundervollen Menschen bezeichnet. Deshalb darf man auch auf mindestens sieben fette Jahre des partnerschaftlichen Miteinanders mit diesem Mann hoffen, der es wie kaum einer versteht, dank seinem Wort und seiner Kunst die Menschen zusammenzuführen – ad maiorem dei gloriam.

Landschaft des Künstlers Jakow Jakowljew

Bleibt nur, Frohe Pfingsten zu wünschen. Alles Gute zu diesem Fest, das ja nicht nur an die Gründung der Kirche erinnert, sondern auch die Verständigung über Völker- und Sprachgrenzen hinweg darstellt, also sozusagen Pate für die säkulare Partnerschaftsarbeit steht. (Bildmaterial Zebra-TV)

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Winterlich kalt war es zu Ostern in Wladimir, aber die Freude zum Fest der Auferstehung war dennoch groß, wie an diesem Bild von Wladimir Tschutschadejew zu sehen, das Erzbischof Jewlogij zeigt.

Ebenso freuen darf man sich – nicht nur zur Osterzeit – über das geschwisterliche Miteinander der katholischen und der orthodoxen Kirche in der Partnerstadt. Keine Selbstverständlichkeit, wie man weiß. Viele Worte braucht man da nicht mehr zu machen.

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Wer den Vortrag von Wolfram Howein über die Städte am Baikal im Rahmen der Russisch-Deutschen Wochen dieser Tage im Club International gehört hat, wird sich an seinen Hinweis erinnern, es gebe in der Ikonographie viele unterschiedliche Darstellungen der Gottesmutter. Ganz zuvorderst zu nennen ist da natürlich neben der Wladimirer Gottesmutter die Gottesmutter von Bogoljubowo, der, wie Zebra-TV berichtet, derzeit im Moskauer Zentrum für wissenschaftliche Restaurierung von Kunstgegenständen eine eigene Ausstellung gewidmet ist. Seit fast hundert Jahren nämlich ist das Marienbildnis Gegenstand von Bemühungen, das nationale Kulturerbstück aus dem 12. Jahrhundert vor dem Verfall zu bewahren, besonders seit Juni 2009, als man die Ikone aus dem Fürstinnenkloster barg, um die dort entstandenen Schäden zu beheben. In Wladimir, an Ort und Stelle, mit Hilfe von Fachleuten aus Moskau, weil man nicht einmal den Transport in die Hauptstadt riskieren wollte. Die Arbeiten sind nun zwar weitgehend abgeschlossen, aber die Restauratoren beschlossen, das Bildnis weitere zwei Jahre vor den Blicken der Öffentlichkeit zu schützen. Dafür gibt es gute Gründe:

Gottesmutter von Bogoljubowo

Gottesmutter von Bogoljubowo

Die Gottesmutter von Bogoljubowo entstand zwischen 1158 und 1160 als Auftragsarbeit von Fürst Andrej Bogoljubskij, der den Thron der alten Rus von Kiew nach Wladimir verlegt hatte. Der Überlieferung nach erschien dem Herrscher kurz vor der künftigen Haupstadt die Jungfrau und hieß ihn, die aus dem Wyschgoroder Kloster in Kiew mitgebrachte byzantinische Ikone in Wladimir zu belassen. Am Ort der Marienerscheinung baute Andrej seine Residenz und gründete das berühmte Kloster Bogoljubowo, in dem über viele Jahrhunderte hinweg auch „seine“ Gottesmutter verehrt wurde.

Gottesmutter von Bogoljubowo

Gottesmutter von Bogoljubowo

Bereits 1918, als die Revolution bereits im vollen Gange war und besonders gegen die Kirche wütete, begutachtete eine Kommission zur Erhaltung und Restaurierung von Malerei die Gottesmutter von Bogoljubowo und befand, die Ikone sei in einem ausgesprochen beklagenswerten Zustand: überzogen mit einem getrockneten Ölfilm auf morschem Holz, die Weißgrundierung zur Hälfte abgeblättert, eine Vielzahl von späteren Farbschichten… Doch erst 1946 brachte man das Heiligenbild ins Wladimirer Landeskundemuseum, wo dann von 1958 bis 1978 die ausgesprochen schwierige Restaurierung erfolgte. Hier, im Museum, war die Ikone dann auch ausgestellt, bis sie dann auf Bitten von Erzbischof Jewlogij 1993 an das damals gerade wiedereröffnete Fürstinnenkloster übergeben wurde, geschützt durch eine Vitrine, die für die notwendige Temperatur und Luftfeuchtigkeit sorgen sollte, – und stets unter Beobachtung durch die Fachleute aus dem Museum.

Frauenkloster Bogoljubowo

Frauenkloster Bogoljubowo

Schon 1998 gab es dann aber technische Probleme, man kaufte in Deutschland eine neue klimatisierte Vitrine, doch der Verfall der Ikone schien unaufhaltbar. Inzwischen nämlich hatten sich die Bedingungen im Gotteshaus grundlegend geändert: Man hatte einen Granitboden verlegt, die Trocknung eingestellt, taufte nebenan Kinder. In der Folge hatte sich Schimmel auf der Ikone gebildet, die Farbschicht litt, es kam zu einer regelrechten Häutung…

Fürstinnenkloster Wladimir

Fürstinnenkloster Wladimir

Dies hatte die Fachleute aus Moskau auf den Plan gerufen, die unter Leitung von Alexander Gormatjuk das Bild in horizontaler Lage vor Ort untersuchten und nun ihre Restaurationsarbeit für abgeschlossen erklären. Allerdings, um ganz sicher zu gehen, wolle man den Zustand der Ikone in der Werkstatt noch weitere zwei Jahre unter Ausschluß der Öffentlichkeit beobachten und in der Zeit Erfahrungen sammeln, welche klimatischen und sonstigen Voraussetzungen gegeben sein müssen, um das Heiligtum für die Zukunft zu bewahren. Vernüftig und verständlich angesichts der Verletzlichkeit des wundertätigen Marienbildnisses. Ob die Ikone nach den veranschlagten zwei Jahren tatsächlich wieder ins Kloster zurückkehren und dort den Gläubigen Kraft wird spenden können, entscheiden nun ganz irdische Parameter, die es der Gottesmutter von Bogoljubowo aber vor allem erst einmal gestatten, selbst wieder zu Kräften zu kommen.

Mehr zum Thema unter: http://is.gd/rR7fYG

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Mit „eine Entdeckungsreise“ überschreibt der promovierte Studienleiter der Villa an der Schwabach, Jürgen Belz, seinen Bericht über einen dreitägigen Aufenthalt, zu dem er vom 23. bis 26. November auf Einladung der Staatlichen Universität, der orthodoxen Erzdiözese und der katholischen Rosenkranzgemeinde nach Wladimir gefahren war. Begonnen hatte alles im Sommer in Erlangen, als P. Warfolomej (Bartholomäus), in der Partnerstadt als Universitätsgeistlicher und Dozent für Orthodoxie für den Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft zuständig, und der katholische Gemeindepfarrer Sergej Sujew eine Einladung an den Religionslehrer am Albert-Schweitzer-Gymnasium und Lehrbeauftragten am Fachbereich Theologie der FAU aussprachen (s. http://is.gd/8T4XLX). Die „Weihnachtsvorlesungen“ boten nun für diesen ganz neuen interkonfessionellen Austausch ein ideales Podium.

P. Warfolomej, Jürgen Belz, Jewgenij Arinin, Anna

P. Warfolomej, Jürgen Belz, Jewgenij Arinin, Anna Nikonowa

Der Religionswissenschaftler, Prof. Jewgenij Arinin, lud mich in unsere Partnerstadt Wladimir ein. Er ermöglichte es mir, Lehrende und Studierenden der staatlichen Universität Wladimir und Geistliche kennenzulernen, die sich mit dem Thema Religionsunterricht an öffentlichen Schulen befassen.

P. Warfolomej, Jürgen Belz, Jewgenij Arinin und Anna Nikonowa mit Wladimirer Studenten

P. Warfolomej, Jürgen Belz, Jewgenij Arinin und Anna Nikonowa mit Wladimirer Studenten

Eine Vorlesung vor Studierenden der Universität Wladimir und ein Vortrag bei einer pädagogischen Fachtagung standen auf dem Programm. In einem Land in dem erst seit einigen Jahren wieder frei in der Öffentlichkeit über Religion  gesprochen wird, konnte ich als Pfarrer und Religionslehrer von meinen Erfahrungen in Deutschland berichten.

Anna Nikonowa und Jürgen Belz

Anna Nikonowa und Jürgen Belz

Am ersten Tag sprach ich vor Studierenden der Religionswissenschaften über fachdidaktische Fragen des Religionsunterrichts. Die Fragestellung lautete: Wie kann man mit Jugendlichen über theologische Themen ins Gespräch kommen? Nachdem ich wissenschaftliche Grundlagen erläutert hatte, zeigte ich zum Ende meines Referates den Kurzfilm „Spin“ als ein Beispiel aus meiner religionspädagogischen Praxis. Es entwickelte sich ein sehr angeregtes theologisches Gespräch. Dank der hervorragenden Übersetzung durch Anna Nikonowa klappte die Verständigung bestens.

Christi-Geburts-Kathedrale in Susdal

Christi-Geburts-Kathedrale in Susdal

Am Nachmittag besuchte ich gemeinsam mit P. Bartholomäus, Prof. Arinin und einem Fremdenführer die Stadt Susdal. Ein wunderbarer Einblick in die Geschichte und Kultur der Region von Wladimir und seiner Umgebung!

Gottesdienst in der Universitätskirche

Gottesdienst in der Universitätskirche

Den wissenschaftlichen Austausch setzten wir am kommenden Tag fort: Ich war eingeladen bei einer pädagogischen Fachtagung zum Thema „Zwischen Tradition und Innovation: Persönlichkeit und Kultur“. Der Tag begann mit einem russisch-orthodoxen Gottesdienst in der Universitätskirche. Der eindrucksvolle Gesang und die spürbare Liebe zur Liturgie haben mich beeindruckt. Beim anschließenden Empfang mit dem Rektor der Universität konnte ich auch den Metropoliten von Wladimir, Erzbischof Jewlogij, und weitere Geistliche kennenlernen.

P. Warfolomej

P. Warfolomej

Dann begann die eigentliche Tagung. Verantwortliche aus dem staatlichen Bildungsbereich und der Kirche führten in das Thema ein. Im Lauf der Veranstaltung wurden Lehrkräfte für ihre hervorragenden Leistungen im Bereich Lehrplanentwicklung und neue Unterrichtskonzepte geehrt. Man beginnt hier, sich auf dem Gebiet der öffentlichen Schulen dem Thema Religion neu zu widmen. So war ich eingeladen, vor den zahlreichen Teilnehmenden einen Einblick in das Thema „Religionsunterricht an öffentlichen Schulen in Westeuropa und Deutschland“ zu geben.

Erzbischof Jewlogij und P. Warfolomej im Gespräch mit Jürgen Belz

Erzbischof Jewlogij und P. Warfolomej im Gespräch mit Jürgen Belz

Am Nachmittag machten wir einen kurzen Abstecher in die Mariä-Entschlafens-Kathedrale, um anschließend noch das Institut für Lehrerbildung in Wladimir zu besuchen. Der Austausch mit den verantwortlichen Pädagoginnen über die Erfahrungen in den unterschiedlichen Kontexten war auch für mich ein großer Gewinn.

Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Für die Zukunft haben wir vereinbart, den wissenschaftlichen und persönlichen Austausch zu verstärken. Ein großes Dankeschön an meine Gastgeber, die mich so freundlich begleitet haben:
Professor Arinin, seine Mitarbeiter, Iwan und Timur, die mich vom und zum Flughafen nach Moskau begleitet haben, P. Bartholomäus für sein großes Interesse an einem Austausch über kirchliche und theologische Fragen und vor allem an meine Übersetzerin, Anna Nikonowa, die alltägliche Dinge ebenso wie wissenschaftliche Fachbegriffe ins Russische bestens verständlich übersetzt hat.

Jürgen Belz

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