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Posts Tagged ‘Erlebnispädagogik in Rußland’


Der „Blaue Himmel“ macht seinem Namen alle Ehre. Bei ihrem gestrigen Besuch des Zentrums für Erlebnis- und Naturpädagogik nahm sich Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, begleitet von Stadtrat Jürgen Zeus und Amtsleiter Herbert Lerche viel Zeit, um mehr über die aktuelle Entwicklung der Arbeit mit Kindern zu erfahren, die für zwei Wochen aus psychiatrischen Einrichtungen, Waisenheimen oder schwierigen Familienkonstellationen der ganzen Region hierher kommen, an den Rand des Dorfes Penkino, etwa 35 km östlich von Wladimir gelegen.

Juni 43

Psychiater, Psychologen und Sozialarbeiter organisieren die Gruppen zwischen 20 und 25 Kindern und Jugendlichen in unterschiedlicher Zusammensetzung und schicken sie in das Zentrum, wo möglichst viel unter freiem Himmel stattfindet, auch wenn der einmal nicht so ganz blau sein sollte. Denn schon alleine der Aufenthalt draußen wirkt sich heilsam auf Körper und Seele der jungen Menschen aus.

Juni 44

Zum Konzept der Einrichtung, die vor sieben Jahren eröffnet wurde, gehört aber auch, sich die Welt unter dem mal mehr, mal weniger blauen Himmel möglichst vielfältig selbst zu gestalten und den Gegebenheiten anzupassen. Wenn bisher beispielsweise das Geld für einen Streichelzoo fehlt, greifen die Kinder unter Anleitung einfach zu Laubsäge und Pinsel, um die Tiere selbst zu erschaffen und einen kleinen Stall für sie zu bauen.

Marina Goljakowa, Jürgen Zeus, Elisabeth Preuß und Herbert Lerche

Marina Goljakowa, Jürgen Zeus, Elisabeth Preuß und Herbert Lerche

Marina Goljakowa zeigt denn auch mit bescheiden-zurückhaltendem Stolz die Werkstatt, die davon zeugt, wie mannigfach die Betätigungen der kleinen Handwerker sein können. „Alles da an Werkzeug“, lobt Herbert Lerche nach einem Blick in die offenen Schränke die Ausstattung, finanziert aus Spenden, die Projektmanager Wolfram Howein zusammengetragen hat.

Herbert Lerche

Herbert Lerche

Jeder Tag ist klar strukturiert und folgt bestimmten Aufgabenstellungen oder Motti. Gestern trug man zum Beispiel einen Wettbewerb um das schönste Straßenbild aus, an dem sich die Gäste nicht nur beteiligen konnten, sondern wo sie auch gleich in die Jury berufen wurden.

Herbert Lerche und Jürgen Zeus mit zwei Straßenmalerinnen im Blauen Himmel

Herbert Lerche und Jürgen Zeus mit zwei Straßenmalerinnen im Blauen Himmel

Gleichzeitig ging gestern das Projekt „Dschungel“ zu Ende, wo die Kinder die Aufgabe hatten, eine Begegnung zwischen heimischen Tieren und der Exotik der Urwälder in Südamerika und Afrika zu gestalten.

Herbert Lerche, Marina Goljakowa, Elisabeth Preuß und Jürgen Zeus

Herbert Lerche, Marina Goljakowa, Elisabeth Preuß und Jürgen Zeus

Auf dem weitläufigen Gelände der Einrichtung, wesentlich finanziert aus Mitteln der „Aktion Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks, finden sich aber auch Spuren der Zusammenarbeit etwa mit den Pfadfindern des Stammes Asgard aus Erlangen. Im Sommer letzten Jahres hatten die Gäste gemeinsam mit den Kindern einen Erlebnispfad gebaut, der auch für Erwachsene eine Herausforderung darstellt und den Sportplatz ideal ergänzt.

Herbert Lerche

Herbert Lerche

Vor allem die Außeneinrichtungen nutzt der „Blaue Himmel“ gern gemeinsam mit der Dorfjugend von Penkino, die sich über die vielen Angebote freut. Alle unter dem Leitmotiv des Lächelns. „Laßt, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren“, heißt es in Dantes Göttlicher Kommödie, doch hier ist, wie ein Plakat über dem Eingang warnt, der Eintritt mit schlechter Laune verboten.

Juni 50

Eintritt mit schlechter Stimmung streng verboten! Lächle und tritt ein!

Diese „Idylle“ erreiche man aber, so Marina Goljakowa, meist erst gegen Ende des Aufenthalts der Kinder. Es dauere, bis sich ein Struktur in der Gruppe herausgebildet, bis sich alle geöffnet haben. Der Schlüssel dazu: Zuwendung und Anerkennung, die zu Hause oder in den anderen Einrichtungen oft nicht genug erlebt werden. „Das erste, was die Kinder morgens wollen, ist eine Umarmung. Und wenn man dann noch ein lobendes Wort für sie hat und gar auch noch ein Talent an ihnen entdeckt, bekommt man dieses Lächeln, das Kinderglück verheißt.“

Marina Goljakowa, Jürgen Zeus, Elisabeth Preuß und Herbert Lerche

Marina Goljakowa, Jürgen Zeus, Elisabeth Preuß und Herbert Lerche

Aber als Besucher spürt man rasch: Hier ist mehr im Spiel, hier geht man mit Liebe zu Werke, sei es bei der Gestaltung von Objekten, Räumen und Orten oder vor allem im Umgang mit den Kindern. Und wenn diese Liebe gegeben ist, kann nicht mehr viel zum Wohl der Heranwachsenden fehlen.

Juni 52

Und diese Liebe kommt zurück zum pädagogischen Team, so wie auch viele der Kinder immer wieder zurück nach Penkino kommen, das sie stets mit Tränen verlassen.

Juni 53

Das Team übrigens arbeitet jetzt nicht nur mit der Technischen Universität Nürnberg, der ehemaligen Georg-Simon-Ohm-Hochschule zusammen, sondern auch mit der Universität Wladimir, wo man die Ergebnisse des Blauen Himmels evaluiert. Und im nächsten Winter ist die Einrichtung Projektpartner bei den Naturerlebnistagen mit deutschen Studenten und Fachleuten, die in Susdal und Penkino stattfinden sollen.

Juni 54

Möge für Penkino immer die Sonne scheinen!

Freude herrscht natürlich auch darüber, mit der pädagogischen Arbeit landesweit eine führende Rolle eingenommen zu haben, von den Kollegen andernorts als nachahmenswert eingestuft und sicher einmalig in der Konstellation erfolgreicher deutsch-russischer Zusammenarbeit.

Juni 55

„Immer wieder beeindruckend und berührend“, faßt Elisabeth Preuß zusammen, die das Zentrum ebenso wie Jürgen Zeus seit seiner Eröffnung kennt und begleitet.

Frauenkloster von Bogoljubowo

Frauenkloster von Bogoljubowo

Dies ließe sich auch für das Frauenkloster von Bogoljubowo und die Kirche Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl sagen, die am Weg zurück von Penkino nach Wladimir liegen.

Mariä- Schutz- und Fürbitt-Kirche an der Nerl

Mariä- Schutz- und Fürbitt-Kirche an der Nerl

Nach einem kurzen Abstecher in die russische Architekturgeschichte führt der Weg weiter ins Kinderkrankenhaus mit seinen 325 Betten, das seit 1990 im Mittelpunkt der medizinischen Zusammenarbeit der Partnerstädte steht. Mehr noch: „Wir haben in Erlangen überall so viele Freunde“, freut sich Swetlana Makarowa, die ärztliche Direktorin. „Sogar die Heinrich-Kirchner-Schule schickt uns immer wieder ihre Spenden und Bilder, Soroptimist International aus Erlangen hat uns bei der Einrichtung eines gynäkologischen Behandlungszimmers für Mädchen und bei der Ausstattung von Elternzimmern auf der onkologischen Abteilung geholfen. Und und und…“

Jürgen Zeus, Swetlana Makarowa, Elisabeth Preuß, Nadeschda Panfilowa und Herbert Lerche

Jürgen Zeus, Swetlana Makarowa, Elisabeth Preuß, Nadeschda Panfilowa und Herbert Lerche

Und im September kommen wieder die Kollegen von der Pädiatrie aus Erlangen, um den Fachaustausch fortzusetzen. Da werden jetzt schon Programmpläne geschmiedet, um die Versorgung der Kinder noch weiter zu verbessern, denn: „Wenn wir uns nicht fortbilden, geht es nicht voran.“

Juni 59

Voran geht es sichtlich mit dem Bau des Pilgerhauses der Rosenkranzgemeinde. Keller und Erdgeschoß sind nun fast fertiggestellt, und dem Zeiplan nach sollte man im Herbst schon Richtfest feiern können. Der organisatorische und finanzielle Kraftakt ist für die Wladimirer Katholiken freilich nur zu schaffen dank der vereinten Unterstützung durch die Hilfswerke Renovabis und Kirche in Not sowie des Fördervereins Nadjeschda, besonders aber des Erzbistums Bamberg, das nicht nur mit eigenen Mitteln einspringt, sondern auch erfolgreich in anderen Diözesen Spenden einwirbt.

Juni 60

Einmal fertiggestellt, sollen hier Gruppen von bis zu 40 Personen unterkommen und damit die finanzielle Autarkie der Gemeinde sicherstellen. In jedem Fall das umfangreichste, aufwendigste und komplizierteste Projekt in der Geschichte der Partnerschaft, eine Geschichte, auf die noch oft zurückzukommen sein wird.

Olga Dejewa, Elisabeth Preuß und Irina Chasowa

Olga Dejewa, Elisabeth Preuß und Irina Chasowa

Und eine Geschichte, an der drei Frauen schon jetzt entscheidend Anteil haben: Oberbürgermeisterin Olga Dejewa, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Irina Chasowa, die Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses. Drei Frauen, die mit einem Lächeln in die Zukunft blicken, denen die Zusammenarbeit der Partnerstädte am Herzen liegt, von denen man noch viele Impulse und Anregungen erwarten darf. Drei Frauen, die sich gestern voneinander nicht mit einem „Lebwohl!“ verabschiedet haben, sondern mit einem „Auf Wiedersehen!“

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Eine abwechselungsreiche Woche liegt vor mir, als ich mit Günther Allinger, Gesamtleiter der Barmherzigen Brüder Gemsdorf, am 3. Oktober pünktlich um 15.15 Uhr am Moskauer Flughafen Domodjedowo ankomme. Wir wollten mit dem Zug nach Wladimir fahren und hatten geplant, den Zug um 20.05 Uhr zu nehmen. Doch alles geht überraschend schnell, schon nach 15 Minuten sind wir durch die Kontrollen, das Gepäck ist auch bald da, und wir erreichen den Airport-Express um 16.30 Uhr, der uns in die Stadt zum Pawelezkij-Bahnhof bringt. Zwei Stationen mit der Metrolinie 5, und wir sind am Kursker Bahnhof, wo wir noch den Schnellzug um 18.25 Uhr nach Wladimir erwischen.

Nach einem Sonntag bei Freunden auf der Datscha hatte ich dann Gelegenheit, Olga Dejewa zu treffen, die gerade zum neuen Stadtoberhaupt von Wladimir gewählt worden war. So wurde ich ihr erster ausländischer Besucher und konnte ihr Briefe mit Glückwünschen aus Erlangen, besonders von unserem Oberbürgermeister, Florian Janik, übergeben.

Olga Dejewa und Wolfram Howein

Olga Dejewa und Wolfram Howein

Ich traf sie allerdings in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Roten Kreuzes Wladimir, ein Amt, das sie im Frühjahr 2016 wegen der neuen politischen Aufgabe abgeben wird. Ich wollte mich über den Fortgang des Projektes „Ambulantes Hospiz“ informieren, das vom Erlanger Förderverein zur Unterstützung des Roten Kreuzes in Wladimir gesponsort wird. Neben Olga Dejewa nahmen an dem Gespräch der Projektkoordinator, Wladimir Prosor, eine Mitarbeiterin des Krankenhauses Nr. 5 und zwei Pädagoginnen einer medizinischen Schule für Pflegeberufe teil, die auch die ehrenamtlichen Helfer für die Hospizarbeit ausbilden sollen. Wladimir Prosor berichtete über den Stand des Projektes. Weil Hospizarbeit im russischen Gesundheitswesen Neuland bedeute, sei es schwer, an potentielle Patienten heranzukommen.

Anders die Situation bei den Helfern. Von den 1.500 Studenten der medizinischen Schule haben sich bereits 60 Freiwillige gemeldet. Die beiden Pädagoginnen berichteten über ihre Arbeit mit den Ehrenamtlichen, wobei auch psychische Probleme im Umgang mit den Patienten und deren Familien zum Ausbildungsprogramm gehören. Diese jungen Leute machen keine umfassende medizinische Behandlung, sondern sie sollen vorwiegend soziale Hilfe für die Kranken leisten. Die medizinische Behandlungen sollen durch Kooperationsverträge mit den Kliniken abgedeckt werden, mit einer Klinik ein solches Abkommen bereits abgeschlossen. Mit viel Engagement wurde einiges erreicht, es bleibt aber noch viel zu tun. Die weitere Förderung durch den Erlanger Förderverein wird auch davon abhängen, ob es gelingt, zunehmend russische Sponsoren zu gewinnen.

Bei einem überregionalen, russischen Fachtreffen hat eine der Pädagoginnen das Projekt vorgestellt. Man ist der Meinung, Wladimir leiste mit diesem Projekt landesweit Pionierarbeit.

Ohne einen Besuch in unserem Kinder-Reha-Zentrum „Blauer Himmel“ ist eine Reise von mir nach Wladimir nicht denkbar. Günther Allinger und ich fuhren also nach Penkino, wo man sich gerade auf eine neue Gruppe von Kindern vorbereitete. Gemeinsam mit Wasilij und Marina, zwei der Pädagogen, konnten wir die Anlage besichtigen und aktuelle Problem diskutieren. Die beiden sind mit viel persönlichem Engagement dabei, die Anlage zu verschönern. Lebensgroße Tierfiguren, ein kleines Holzhaus, eine Bauernstube und anderes sind Bastelarbeiten, die mit den Kindergruppen angefertigt und in der Anlage aufgestellt werden.

Blauer Himmel

Blauer Himmel

Die Pädagogen erzählten auch über ihre Außenaktivitäten, z. B. Wanderungen in den umliegenden Waldgebieten mit interessanten und spannenden Aufgaben für die Kinder. Marinas Teilnahme an der Winteruniversität Erlebnispädagogik im Bayerischen Wald hat neue Ideen und Anregungen gebracht! Schließlich besichtigten und testeten wir die von den Erlanger Pfadfindern errichteten Stationen auf dem Erlebnispfad. Kompliment, die Jungs aus Erlangen haben gute Arbeit geleistet!

Das Zentrum „Blauer Himmel“ ist jetzt fast sechs Jahre in Betrieb, trotzdem gibt es immer noch etwas zu verbessern. In der für die kalte Jahreszeit so wichtigen Werkstatt fehlt es nach wie vor an Ausstattung und Werkzeugen, auch der Gemeinschaftsraum bedarf noch medialer Aufrüstungen. Schließlich kommt die Versorgung des Zentrums mit Material für Basteln und Werken immer noch zu kurz. Wir haben gemeinsam mit den Pädagogen eine Wunschliste erstellt, die aus noch vorhandenen Restspenden befriedigt werden soll.

Erlebnispfad im Blauen Himmel

Erlebnispfad im Blauen Himmel

Da der „Blaue Himmel“ als Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik in Penkino an der Kljasma seine dauerhafte Heimat gefunden hat, ist das vor mehr als zehn Jahren aus Spenden erworbene Grundstück – in einem Dorf zwischen Wladimir und Susdal an der Nerl gelegen – nicht mehr nötig. Das Grundstück sollte daher an die Elterninitiative Swet übertragen werden (der Blog berichtete schon mehrfach über diese Organisation). Ein Grund für unsere Reise, bei der wir die Besonderheiten der russischen Bürokratie, noch verstärkt durch die Behandlung in zwei Sprachen, kennenlernen konnten. Protokolle von Besprechungen und Beschlüssen, Übergabeverträge und Kopien der Pässe wollten ins Russische übersetzt und mit zahlreichen Unterschriften und Stempeln vor den Augen einer Notarin versehen werden. Mit diesen Dokumenten konnten dann Ljubow Katz (als Vorsitzenden der Elternvereinigung Swet) und Günther Allinger (als Vorsitzender der Stiftung Lichtblick) das Übergabeprotokoll unterzeichnen. Inzwischen wurde das Grundstück rechtsverbindlich der Elterninitiative überschrieben, wie der Blog bereits am 29.10. berichtete.

Swetlana Schelesowa und Günther Allinger

Swetlana Schelesowa und Günther Allinger

Wie bei fast allen meinen Reisen hatte ich auch diesmal wieder Gelegenheit, mich in die Sprachkurse des Erlangen-Hauses einzubringen. Es gab sehr interessante und lange Diskussionen über die aktuelle Lage mit viele Fragen über Deutschland und unsere Situation mit den vielen Flüchtlingen aus moslemischen Ländern. Auch viele Russen sehen vor dem Hintergrund all der Ethnien in der Kaukasus-Region den Islam als Bedrohung.

Schließlich hatte ich noch tiefergehende Gespräche über die Situation des Erlangen-Hauses. Trotz eines Rückgangs der Teilnehmer an den Sprachkursen können wir wirtschaftlich ein ausgeglichenes Ergebnis für das Jahr 2015 erwarten. Hilfreich dabei im Hotelbetrieb nach wie vor eine zu erwartende Auslastung von mehr als 50 %.

Wolfram Howein

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Am 6. Oktober erschien hier der Artikel über die Zusammenarbeit von Professoren und Studenten aus Nürnberg, Jena und Wien mit den Kollegen und Kommilitonen aus Wladimir zum Thema Blauer Himmel und Erlebnispädagogik: http://is.gd/9gjj5G.

Gesichter des Blauen Himmels

Gesichter des Blauen Himmels

Nun gibt es dazu die Gesichter in einer bunt-fröhlichen Zusammenstellung, montiert von Wladimirer Studenten. Ohne Worte, nur mit den Namen. Daran will sich heute auch der Blog ein Beispiel nehmen und einfach nur einladen zu dem Bilderreigen unter: http://is.gd/xCiwyL

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Am 24. September ist in der Wladimirer Tageszeitung Prisyw ein Artikel von Alexander Cholodow unter der Überschrift „Studenten lernen erleben“ erschienen, der hier in Übersetzung zu lesen ist:

Prisyw

Wissenschaft kennt keine Grenzen. Diese Erkenntnis bewiesen wieder einmal die immer fester werdenden Beziehungen der Staatlichen Universität Wladimir mit anderen Ländern.

Heute geht in den Räumen der Hochschule die Arbeit der Internationalen Schule junger Führungskräfte zu Ende, an der deutsche Professoren, 15 Studenten aus Österreich, sieben aus Rußland und drei aus Bulgarien teilnahmen. Über den ganzen Sommer hatten sich bereits vier solcher Schulen verteilt, die gerade abgeschlossene ist die fünfte, zwei weitere folgen noch. An der Wiege dieses akademischen Austausches steht Wolfram Howein, Koordinator des Projekts Blauer Himmel, in dessen Rahmen im Dorf Penkino, Kreis Kameschkowo, mit Kindern gearbeitet wird, die wegen Auffälligkeiten und Behinderungen eine Therapie benötigen.

Die Schule für junge Führungskräfte bietet Vorlesungen und Praktika zur Psychologie der Persönlichkeit, wobei das Hauptziel darin besteht, die Teilnehmer darin zu unterrichten, anderen Menschen zu helfen. Im vergangenen Jahr erschien in Rußland der Band „Erlebnispädagogik“, übersetzt vom Lehrstuhl für Psychologie der Persönlichkeit und Sozialpädagogik der Universität Wladimir. Werner Michl, Autor der Publikation und Professor für Soziale Arbeit an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg, ist gekommen, um an der Schule für junge Führungskräfte zu unterrichten. Sein Buch enthält eine Vielzahl von praktischen Beispielen dafür, wie sich psychologische Probleme von Menschen mit Hilfe einer neuen Methodik lösen lassen.

„In Österreich gibt es mehr als 1.000 Experten für diesen Fachbereich der Psychologie. Und ich habe jetzt 1.000 Exemplare des Lehrbuchs mit nach Rußland gebracht“, berichtete Werner Michl bei der ersten Vorlesung, deren Stafette dann Ulrich Lakemann, Professor an der Universität Jena, übernahm. „Die Erlebnispsychologie ist in der Praxis eine ständige Wechselwirkung zwischen Patient und Psychologe. Nehmen wir einen Patienten mit einer psychosomatischen Erkrankung. Es fällt ihm schwer, seine Probleme zu lösen, er ist aufgeregt, nimmt sich alles zu Herzen. Man muß ihm beibringen, seine Furcht zu überwinden. Das kann man etwa mit Hilfe von Klettern tun. Fünf Patienten, zwei Bergführer und ein Psychologe steigen auf einen Gipfel. Der Psychologe ist im ständigen Gespräch mit den Patienten, die davon sprechen, wie sie die Hindernisse überwinden, wie sie zum Erfolg kommen. Der Psychologe teilt ihr Erleben. Zudem befindet sich die ganze Gruppe im Freien, und die Natur schenkt die Möglichkeit, die eigenen Alltagssorgen hinter sich zu lassen. Auf einer bestimmten Höhe angelangt, erkennt der Mensch, wozu er fähig ist, daß er nicht anders ist als die andern – und sogar stärker. Er beginnt nun auch, sich den anderen Schwierigkeiten im Leben zu stellen, verändert sich selbst.“

Die Hörer konnten das in den Vorlesungen Gehörte in der Praxis überprüfen.: Sie fuhren zum Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik Blauer Himmel in Penkino, besuchten eine Reihe weiterer Sozialeinrichtungen, lernten die Arbeit des Gouvernementskrankenhauses für Psychiatrie Nr. 1 und nahmen an Vorlesungen an der Hochschule teil. Die bulgarischen und österreichischen Studenten wollen später einmal als Sozialpädagogen und Sozialarbeiter tätig sein. Einer von ihnen, Maikl Dschungmaier ist schon ein gestandener Mann, 34 Jahre alt, und kommt aus Linz in Österreich.

Erzähl doch mal von Dir, Maikl: – Nach der Schule diente ich in Österreich in einer Panzereinheit. Wir haben Wehrpflicht. Ich habe einen Leopard 2 gefahren, so einen deutschen Panzer… – Das hat aber wenig mit Psychologie und sozialen Fragen zu tun. – Ja, ich bin erst mit der Zeit dazu gekommen. Nach der Armee studierte ich Physik und Wirtschaftsprogrammieren. Aber das war nicht mein Ding. Später arbeitete ich in Kaffeehäusern, Restaurants, Hotels. Dann änderte ich den Kurs. Jetzt studiere ich soziale und familiäre Arbeit. – Warum interessiert dich das? – Nicht des Geldes wegen. Sondern weil das Arbeit mit Menschen ist, eine Arbeit, die vom Staat unterstützt wird. Wir interagieren mit alten Menschen, mit Behinderten, mit schwierigen Familien. Was diese Familienbetreuung angeht, so arbeite ich mit den Kindern, mein Kollege mit den Erwachsenen. Die Kinder müssen zur Schule gebracht werden, alle möglichen Probleme sind zu lösen. – Ist das die freie Entscheidung der Familie, sie zu rufen? – Nein, die Regierung meint, wenn in einer Familie Kinder Schaden nehmen, müsse man ihnen helfen. – Wenn aber die Familie das gar nicht will? – Das kommt schon vor, meist wenn es sich um eine Familie handelt, wo Armut herrscht, Arbeitslosigkeit oder Trunksucht. Manchmal will man uns nicht reinlassen. Das kommt vor. Aber wir sind hartnäckig!

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Am Ende ihres Besuchs hatten Olga Andrijenko und Marina Goljakowa, die Leiterin und die Chefpädagogin des Blauen Himmels, versprochen, noch einen Bericht über ihre Erfahrungen zu schreiben. In Ergänzung zu dem Blogeintrag http://is.gd/yIqK7X hier nun also die Rückschau der beiden:

Mit großem Interesse und viel Vorfreude haben wir die Einladung zur Teilnahme an der Winteruniversität 2014 der Organisation Erlebnistage im Bayerischen Wald angenommen. Ziel unserer Reise war es, die Methoden der Erlebnispädagogik kennenzulernen, und die ganzen zehn Tage unseres Aufenthaltes in Bayern über befanden wir uns im Zustand der Verwunderung und Begeisterung angesichts all dessen, was wir zu sehen bekamen.

Stephan Reichert mit seinem Team: Mit sich selbst im Grünen sein.

Christoph Reichert mit seinem Team: Mit sich selbst im Grünen sein.

Wir besuchten die WAB Kosbach, die für Wohnen, Arbeiten und Betreuung steht, und wo sich Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen wie zu Hause fühlen, Mut fassen, bestehende berufliche Fähigkeiten bewahren und neue erwerben, dank derer sich ihre Lebensqualität verbessert, wo aber auch der Gedanke einer umfassenden Inklusion in das Gemeinwesen gelebt wird. Die Mitarbeiter der WAB Kosbach sehen sich dem Prinzip verpflichtet, wonach sich die Persönlichkeit eines Menschen in der Interaktion mit der sozialen Umgebung herausbildet. Wenn nicht schon in den ersten Lebensjahren die richtigen sozialen Verbindungen hergestellt werden, ist ein wichtiger Faktor für das spätere Entstehen von psychischen Erkrankungen gegeben.

Regelrecht bezaubert hat uns Christoph Reichert, der Leiter der „Grünen Zone“ der WAB Kosbach. Er zeigte uns, welch große therapeutische Bedeutung die körperliche Arbeit in der Natur hat. Wir würden ihn sehr gern einladen, um uns bei der Gestaltung unserer Außenanlagen zu beraten.

Die gewaltige Energie, die der Leiter der WAB Kosbach, Jürgen Ganzmann, ausstrahlt, hat uns schlichtweg überwältigt. Wir überzeugten uns von seinem aufrichtigen Interesse an der weiteren Entwicklung des Kinderzentrums in Penkino. Jürgen gab uns viele Ratschläge zur Verbesserung unserer Arbeit, vor allem die Anregung, in die Therapie auch Tiere einzubeziehen. Anfangs Hühner, um die sich in der warmen Jahreszeit die Kinder selbst kümmern können, und die im Dorf überwintern könnten. Eine Zusammenarbeit mit den Einwohnern des Dorfes Penkino zu organisieren, um sich gegenseitig zu helfen, ein weiterer wichtiger Faktor für die soziale Integration unserer psychisch kranken Kinder. Die regelmäßige Durchführung von Tagen der offenen Tür.

Werkstätte der Barmherzigen Brüder Gremsdorf

Werkstätte der Barmherzigen Brüder Gremsdorf

Auf dem Programm standen auch die Einrichtungen der Barmherzigen Brüder Gremsdorf. Schwerkranke Menschen, die unter anderen Umständen wohl nur noch ein vegetatives Leben führen könnten, hier aber durchaus in die Marktwirtschaft einbezogen sind. Zum Produktionssortiment in Gremsdorf gehören Keramik, Kunstgewerbe, Stoffe, aber auch Verpackungen und Einzelteile, Dinge die man zum Teil auch im eigenen Laden oder über das Internet kaufen kann. Es gibt hier verschiedene Abteilungen: Wohngruppen, Teams für Arbeitstherapie, Werkstätten. Wir konnten sowohl in den künstlerischen Werkstätten sehen als auch in der Arbeitstherapie und in der Aufnahmediagnostik das Geschehen beobachten. Wir sahen, wie man einfache Materialien aus der Natur zur Herstellung von ausgesprochen interessanten Gegenständen verwenden kann. Einen kleinen Webstuhl für unsere Kinder haben wir gleich mitgenommen.

WaldkindergartenDer Besuch des Waldkindergartens und der Jugendfarm hat uns regelrecht überwältigt. Hier hat das Wort, alles Geniale sei einfach, seine volle Berechtigung. Die Jugendfarm ist eine ganz in die Natur integrierte Einrichtung, eine Ort der Entspannung, ein Spielplatz und eine Anlage zur Tierhaltung, gedacht für alle Kinder von sechs bis sechzehn Jahren ebenso wie für alle interessierten Erwachsenen. Unabhängig von sozialer Herkunft, religiöser Ausrichtung oder Gesundheitszustand können die Besucher hier die Zeit in der Natur und in der Gesellschaft von Tieren verbringen. Ziel ist die Einübung von sozialen Regeln, die Erlangung von Selbstsicherheit, von Toleranz und Verantwortungsgefühl, also die Schaffung von Möglichkeiten für eine „nachhaltige Entwicklung“. Die Kinder kümmern sich um die Ziegen, Schafe, Esel, Pferde und Vögel, haben die Möglichkeit, „Piratenschiffe“ zu bauen und Höhlen sowie Lager zu bauen. Alles mit Hilfe von richtigen Sägen und anderem Werkzeug zur Herstellung von „Kunst im Wald“. Die Präsenz von Tieren wirkt psychotherapeutisch auf die Kinder, vermindert Ängste und reduziert nervliche Anspannungen. Etwas, das besonders wichtig ist in der Arbeit mit geistig behinderten Kindern. Denn hier wird vermittelt: Nur dann, wenn ich mich selbst spüre und erlebe, kann ich auch ein Empfinden für andere entwickeln.

Hin und weg waren wir vom Waldkindergarten. Etwas in der Art gibt es bei uns einfach nicht. Es handelt sich dabei um „Naturpädagogik“ in Reinkultur. Es ist ja allgemein bekannt, welche Qualität die Natur für die psychologisch-pädagogische Arbeit besitzt, über welches erzieherisches Potential sie verfügt, welche gewaltigen Kräfte sie bei der humanistischen Entwicklung junger Menschen sie entwickelt. Doch im Waldkindergarten kommt noch die „Musik der Natur“ hinzu: der Gesang der Vögel, das Rauschen der Bäume, das Murmeln eines Baches – und das alles im Zusammenspiel mit reiner Luft, dem besonderen Mikroklima, der Schönheit der Landschaft, der Verschiedenheit der Farben und Gerüche. All das weckt in den Kindern kreative Energie. Es kommt zur einer unmittelbaren Interaktion der Kinder mit der Natur, etwas, das hilft, emotional teilzuhaben am Dasein anderer Lebewesen, an Naturprozessen und eins zu werden mit der Natur. Das wiederum schafft die Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung der Persönlichkeit, für eine klare Ausrichtung auf Ziele, für ein ausgezeichnetes Sozialverhalten. Diese besondere Atmosphäre der Wechselbeziehungen von Kind und Natur bietet, wie wir sehen konnten, einen ganzen Schatz an erzieherischen Funktionen.

JugendfarmHier ist es an der Zeit, besonders Wolfram Howein zu danken, der uns nicht nur mit väterlicher Sorge betreut und für uns das Arbeitsprogramm wie auch die Ausflüge nach Nürnberg und Bamberg organisiert hat, sondern sogar als Sponsor unserer Tage in Franken und im Bayerischen Wald in Erscheinung getreten ist. Dank ihm haben wir nichts Geringeres als ein Märchen erlebt. Städte, die uns mit ihrer edlen Seele in ihren Bann schlugen, uns gastfreundlich aufnahmen, uns mit großartiger Architektur im Stil der Gotik beeindruckten wie St. Sebald in Nürnberg oder im Übergang von der Romanik zur Gotik wie im Bamberger Dom, uns in ihren kleinen und gemütlichen Gasthäusern bewirteten, um nur einige Andeutungen zu machen.

Marina Goljakowa (liegend) mit Olga Andrijenko und Jekaterina Tscherepanowa

Marina Goljakowa (liegend) mit Olga Andrijenko und Jekaterina Tscherepanowa

Die Winteruniversität der Erlebnistage im Bayerischen Wald machte uns schließlich diese alternative Pädagogik greifbar. Wir versuchten, nur ja nichts auszulassen, alles mitzumachen, gleichzeitig Kinder und Erwachsene zu sein, immer bereit, alles zu reflektieren, was mit uns vorging. Wir bauten Skulpturen aus Schnee, färbten eine Schneestadt, nahmen teil an der Eröffnung der Schneestadt. Wir beteiligten uns an verschiedenen sozialen Spielen im Wald, legten tapfer eine Bergtour auf Schneeschuhen zurück, verbrachten eine Nacht im Schlafsack. Und wir nutzten die Gelegenheit zum Gespräch mit den Studenten, erlebten ihr Interesse an uns, ihre Fürsorge für uns. Dies alles war zutiefst anrührend. Im Ergebnis sind wir überzeugt, daß die Erlebnispädagogik etwas wirklich Wirksames sein kann, eine Methode, die jedem die Möglichkeit gibt, im Team zu agieren, anderen zu vertrauen, Verantwortung für seine Handlungen gegenüber anderen zu tragen. Denn alles vollzieht sich stets in der Gruppe.

Wir sind begeistert und mit funkelnden Augen nach Hause zurückgekehrt. Es ist halt doch immer besser, die Dinge einmal selbst gesehen zu haben, viel besser, als sie nur vom Hörensagen zu kennen. Und allemal besser, wenn man alles auch noch an sich selbst ausprobieren kann, wenn man sein eigenes Berufsbild auch einmal gespiegelt in einem anderen Land erlebt. Wir werden nun unbedingt versuchen, das in unsere Alltagsarbeit einzubauen, was wir gesehen und gelernt haben. Und wir möchten unbedingt regelmäßige Kontakte zu den Fachleuten aus der Erlebnispädagogik in Deutschland, einen Austausch mit unseren deutschen Kollegen in unserem Kinderzentrum.

Jekaterina Tscherepanowa, Marina Goljakowa und Olga Andrijenko mit Jürgen Ganzmann und Wolfram Howein

Jekaterina Tscherepanowa, Marina Goljakowa und Olga Andrijenko mit Jürgen Ganzmann und Wolfram Howein

Einige Projekte wollen wir nun schon in nächster Zeit umsetzen – und zwar drinnen wie draußen. Drinnen sind das kleine Gewächshäuser an den Fenstern, ein Aquarium, ein Landschaftsfragment an der Wand, grüne Kompositionen aus Blumentöpfen, Vasen, einen Wintergarten sowie eine Ecke mit tropischen Gewächsen, ein Florilegium, einen Vogelbauer. Und draußen wollen wir ein Übungsgrundstück, Beete und Rasen, einen Obstgarten, einen Teich, einen Hühnerstall und einen Hügel anlegen. Schließlich haben wir vor, in unserer Werkstätte Nistkästen und Futterhäuschen für Vögel zu fertigen und eine Weberei einzurichten.

Danken möchten wir herzlich Peter Steger für die Einladung und seine große Anteilnahme an all unseren Problemen, für seine Hilfe bei unserer so angenehmen Reise nach Deutschland und seine Unterstützung bei all unseren Vorhaben. Richtig liebgewonnen haben wir Wolfram Howein und seine Gattin Inge für die elterliche Sorge um uns. Besonders zu danken haben wir Jekaterina Tscherepanowa, die für uns mehr als nur eine Dolmetscherin war, sondern die mit uns bei den Erlebnistagen alles mitgemacht hat, alle Mühen und Freuden. Sehr angenehm war auch die Bekanntschaft mit Nadja Steger, die sich seinerzeit den das Wesen unseres Kinderzentrums so genau treffenden Namen – Blauer Himmel – ausgedacht hatte.

Olga Andrijenko und Marina Goljakowa

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Sie tun sich beide schwer, schon jetzt, am Ende ihres zehntägigen Aufenthalts in Erlangen und im Bayerischen Wald, beim gestrigen Abschiedsabend die Frage von Jürgen Ganzmann, dem Vordenker und fachlichen Projektpartner des Blauen Himmels, nach den stärksten Eindrücken und den für sie wichtigsten Anregungen zu beantworten. Olga Andrijenko, die als Psychiaterin mit psychotherapeutischer Zusatzausbildung das Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik in Penkino bei Wladimir leitet, und ihre Chefpädagogin, Marina Goljakowa, wollen und können da noch nicht werten.

Jekaterina Tscherepanowa, Marina Goljakowa und Olga Andrijenko mit Jürgen Ganzmann und Wolfram Howein

Jekaterina Tscherepanowa, Marina Goljakowa und Olga Andrijenko mit Jürgen Ganzmann und Wolfram Howein

Von der Jugendfarm haben sie die Anregung mitgenommen, möglichst bald auch Tiere in die Therapie einzubeziehen. Einen Anfang könnte man mit Hühnern machen, die sich im Sommer auf dem Grundstück an der Kljasma glücklich picken und im Dorf bei einem Bauer überwintern dürfen. Den Gärtner der WAB Kosbach würde man am liebsten gleich morgen einladen, bei der Gestaltung der Außenanlagen in Penkino zu helfen, und in den Werkstätten der Barmherzigen Brüder Gremsdorf haben die beiden gelernt, wie einfach es sein kann,  Beschäftigungstherapie zu organisieren, etwa mit einer Strickmaschine zum Selbermachen, die Marina Goljakowa gleich als Blaupause für eigene Entwürfe mitgenommen hat.

Marina Goljakowa, Olga Andrijenko und Jekaterina Tscherepanowa mit ihrem Schneebären

Marina Goljakowa, Olga Andrijenko und Jekaterina Tscherepanowa mit ihrem Schneebären

Und dann die Winteruniversität: „Eine Woche wie ein ganzes Leben“, so umschreibt Marina Goljakowa die Tage in Haidmühle, wo sie und Olga Andrijenko zum ersten Mal so richtig vor Augen geführt bekamen, was es denn überhaupt mit der Erlebnispädagogik auf sich hat, was sie den Kindern für Angebote macht.

Marina Goljakowa, Olga Andrijenko und Jekaterina Tscherepanowa mit ihrem Schneehasen

Marina Goljakowa, Olga Andrijenko und Jekaterina Tscherepanowa mit ihrem Schneehasen

Wobei ja die beiden einzigen russischen Teilnehmerinnen an der Veranstaltung unter dem Motto „Weiß – Blau – Kalt“ all die Themen wie „Winter und Schnee als Elemente der Erlebnispädagogik“, „Aktuelle Themen der Erlebnispädagogik“, „Problemlösungsaufgaben und Interaktionsübungen“, „Schnee als Baustoff: Iglus, Labyrinthe, Skulpturen“, „Gefahren und Risiken der winterlichen Erlebnispädagogik“ und die Wintertour mit Schneeschuhen und auf Skiern für ihre Kinder mit psychischen Behinderungen adaptieren müssen. Und auch die räumlichen, rechtlichen und personellen Gegebenheiten vor Ort im Blauem Himmel sind zu beachten.

Olga Andrijenko in ihrem Iglu

Olga Andrijenko in ihrem Iglu

Eines haben die beiden aber unbedingt gelernt: Sie müssen noch viel stärker interagieren. Vor Ort im Dorf Penkino mit der ansässigen Bevölkerung – etwa durch einen Tag der Offenen Tür -, mit dem benachbarten Veteranensanatorium, wo die Kinder aus dem Blauen Himmel schon mitunter kleine Auftritte veranstalten, woher man aber auch Gäste einladen könnte, um den jungen Patienten vorzulesen, Geschichten zu erzählen. Und auf jeden Fall will man mehr Studenten der Sozialpädagogik, Psychologie und Psychiatrie von der Universität Wladimir zu Praktika einladen.

Marina Goljakowa in der Schneefestung

Marina Goljakowa in der Schneefestung

Stichwort „Studenten“: An der nicht von ungefähr „Winteruniversität“ genannten Veranstaltung der Gesellschaft zur Förderung der Erlebnispädagogik nahmen in der vergangenen Woche neben Werner Michl, dem wissenschaftlichen Mentor des Blauen Himmels von der Technischen Hochschule Nürnberg (Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule), auch seine Kollegen und Studierende aus halb Deutschland und Österreich teil: von der Universität Augsburg sowie der Hochschulen Braunschweig-Wolfenbüttel, Ludwigsburg, Augsburg und der Fachhochschule Oberösterreich mit ihren Filialen in Linz, Steyr, Hagenberg und Wels. „Alle waren so aufrichtig an uns und unserer Arbeit interessiert“, freut sich Olga Andrijenko, „und wir sind sicher, einige der jungen Leute werden unsere Einladung nach Wladimir annehmen. Alle räumlichen und sonstigen Voraussetzungen dafür haben wir ja. Nicht einmal Russisch müssen die Hospitanten beherrschen, denn wir würden für Dolmetscher sorgen.“

Jekaterina Tscherepanowa und Olga Andrijenko auf der Schneeschuhwanderung

Jekaterina Tscherepanowa und Olga Andrijenko auf der Schneeschuhwanderung

Nun soll eine eigene Homepage des Blauen Himmels entstehen, natürlich in Russisch und Deutsch, und für mögliche Hospitanten will man rasch konkrete Angebote und Informationen zusammenstellen. Es soll ja bald losgehen mit den nächsten Himmelfahrten.

Zimmer für drei für Penkino im Bayerischen Wald

Zimmer für drei aus Penkino im Bayerischen Wald

Die Tür der Erlebnistage bleibt jedenfalls weit offen für Penkino und die Bewohner des Blauen Himmels. Auch und besonders dank Jekaterina Tscherepanowa, die einst als Au pair von Wladimir in die Partnerstadt gekommen, später hier studiert hat und hängengeblieben ist in Erlangen. Zunächst hatte sie nur bei einigen Terminen für die beiden Besucherinnen aus Penkino übersetzt, doch als es dann galt, jemanden zu finden, um die Gäste in den Bayerischen Wald zu begleiten, war es just wieder die russische Wahlerlangerin, die sich diese ganze Woche Zeit und Olga Andrijenko und Marina Goljakowa buchstäblich an der Hand nahm und sie von früh bis spät „wie meine Kinder“ durch das streng strukturierte Programm der Winteruniversität führte. Man darf glauben, daß da auch eine Freundschaft entstanden und, worüber sich Wolfram Howein, Projektberater des Blauen Himmels, besonders freut, eine neue Verbindung gewachsen ist, die im Austausch sicher noch eine tragende Rolle spielen kann.

Mehr zum Thema unter: http://is.gd/Pvk931

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„Denn viele sind berufen, aber wenige auserwählt!“ Dieses Jesus-Wort schwingt mit, wenn man hört, was Olga Andrijenko, seit fast zwei Jahren ärztliche Leiterin des Blauen Himmels in Penkino bei Wladimir, und ihre pädagogische Mitarbeiterin, Marina Goljakowa, Bürgermeisterin Birgitt Aßmus von ihrer Arbeit zu berichten wissen. Die Finanzierung des nun seit Herbst 2008 bestehenden Zentrums für Natur- und Erlebnispädagogik, des bisher einzigen seiner Art in Rußland, sei zwar durch die Gouvernementsverwaltung gesichert, meinen die Gäste beim gestrigen Empfang im Rathaus, aber mit der personellen Ausstattung könne man noch nicht zu zufrieden sein. Nach dem Weggang von zwei Erzieherinnen suche man intensiv nahc Ersatz. Doch woher nehmen? Neben der eher bescheidenen Bezahlung grenzen die Wahl noch ganz andere Kriterien ein. Man könne für die anspruchsvolle Arbeit nämlich nur Bewerber nehmen, die bereit sind, sich in die Prinzipien der Erlebnispädagogik einzuarbeiten, ein gutes Gespür für die Bedürfnisse von Kindern mit psychischen Beeinträchtigungen und Behinderungen zeigen, Teamgeist beweisen und mit der zwar idyllischen, aber doch 35 km von Wladimir entfernten Lage der Einrichtung zurecht kommen. Der Pendelbus, von Erlanger Lions-Mitgliedern gespendet, hilft zwar, die Strecke zeitlich zu verkürzen, aber den Weg kann und will dann doch nicht jeder täglich auf sich nehmen.

Olga Andrijenko, Birigtt Aßmus, Marina Goljakowa und Wolfram Howein

Olga Andrijenko, Birigtt Aßmus, Marina Goljakowa und Wolfram Howein

Dennoch, die beiden Besucherinnen, kundig begleitet vom Projektbetreuer, Wolfram Howein, bleiben zuversichtlich, das personelle Problem lösen zu können, und sind schon nach ihrem ersten Tag in Erlangen überwältigt von den Eindrücken bei den Kollegen der WAB Kosbach, wo sie sich besonders von den Möglichkeiten des Gartenbaus bei der Therapie haben inspirieren lassen. Heute steht noch ein Besuch beim Projektpartner Barmherzige Brüder Gremsdorf auf dem Programm, übermorgen eine Besichtigung der Jugendfarm und des Waldkindergartens, bevor es eine ganze Woche zu der „Winteruniversität“ der Organisation „Erlebnistage“ in den Bayerischen Wald geht. Das zusammengenommen dürfte dann Anregungen genug bieten, um den Kindern im Blauen Himmel noch besser zu helfen, sich nach ihrer Behandlung wieder in Familie und sozialem Umfeld einzuleben. Dies auf ihre je eigene Weise zu unterstützen, sind alle berufen und auserwählt in diesem wohl wichtigsten Sozialwerk der Städtepartnerschaft.

Mehr zum Projekt „Blauer Himmel“ unter: http://is.gd/nhCP3g. Was die „Winteruniversität“ so alles bieten kann, ist hier nachzulesen: http://is.gd/hZiBSq

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