Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Erlanger Kunstverein’


Am 3. März bereits verstarb, wenige Wochen vor seinem 94. Geburtstag, Johann Adam Stupp, Ehrenvorsitzender des Erlanger Kunstvereins, dem die Städtepartnerschaft, angeregt vom Journalisten Axel Mölkner, die erste Gemeinschaftsausstellung von vier Wladimirer Künstlern verdankt. Im Vorwort des Katalogs zur Ausstellung im November 1992 schreibt er selbst:

Freundschaftliche Beziehungen zu den bildenden Künstlern unserer russischen Partnerstadt Wladimir bestehen nun schon seit einer Reihe von Jahren. Wir erinnern uns dankbar an die Ausstellung von Malerei, Graphik und Plastik aus Erlangen in Wladimir 1986. Im darauffolgenden Jahr konnten wir einen Maler aus Wladimir – es war Kim Britow – im Rahmen der Wladimirer Kultur- und Sporttage als Gast bei uns begrüßen. Wir hoffen zuversichtlich, daß diese Begegnungen in beiden Partnerstädten fortgeführt werden können.

Johann Adam Stupp

Und Andrej Filinow, heute Direktor des Staatlichen Wladimirer Lokalsenders, der damals die Gruppe als Journalist begleitete, erinnert sich:

Erlanger Nachrichten, 24./25. Oktober 1992

Vor fast dreißig Jahren… Damals taten Wladimir und Erlangen, wenn ich es richtig sehe, mit dem Austausch von Kulturschätzen einen der ersten und ausgesprochen erfolgreichen Schritte in der Volksdiplomatie aufeinander zu. Ich meine jene Ausstellung mit Arbeiten von Wladimirer Graphikern in Erlangen, organisiert unter Mitwirkung des Kunstvereins und persönlich von Johann Adam Stupp, die zu einer ausgezeichneten Visitenkarte unserer altrussischen Stadt zu einer Zeit wurde, als sich die partnerschaftlichen Beziehungen, angetrieben von dem glänzenden Russisten und großartigen Organisator, Peter Steger, erst so richtig zu entfalten begannen. Mit glühendem Enthusiasmus halfen ihm und den Künstlern die jungen Journalisten, Axel Mölkner von den „Erlanger Nachrichten“ und der Autor dieser Zeilen, Andrej Filionow, damals Mitarbeiter der Lokalzeitung „Mestnoje Wremja“ („Ortszeit“). Die Zusammensetzung der Ausstellungsteilnehmer erwies sich als einzigartig. Vorneweg mit den Arbeiten von zwei bereits damals anerkannten Meistern, Pjotr Dik und Boris Franzusow. Letzterer konnte nicht mit nach Deutschland kommen, weil er bereits todkrank war, aber seine Arbeiten, die zu den allerbesten Beispielen der russischen Graphik gehören, fanden viel Raum in der Ausstellung. Aus seinem Schaffen in der Technik der klassischen Radierung bildete sich eine eigene Schule heraus. Aber auch die damals noch jungen und später mit dem Titel „verdiente Künstler Rußlands“ ausgezeichneten Anatolij Denissow und Jurij Tkatschow erhielten die Möglichkeit, ihr reiches Können zu zeigen. Diese klassische Tradition umschatteten großartig die tiefgründigen, emotionalen und philosophisch aufgeladenen Pastelle von Pjor Dik. Der Umstand, daß er ethnischer Deutscher war, brachte eine besondere Note in die Betrachtung seiner Arbeiten und zeugte von der schon seit langer Zeit wirkenden gegenseitigen Durchdringung der russischen und deutschen Kultur, zweier großer europäischer Völker. Aber diesem Austausch wohnte noch eine weitere interessante Synergie inne: Die Arbeiten der Künstler wurden im Katalog von Gedichten des Autors dieser Zeilen in der Übersetzung von Peter Steger kommentiert. Ein weiterer Beweis dafür, wie eng Kunst und Literatur unsere Völker verbinden. Dieses Ereignis hinterließ jedenfalls in den Herzen der Teilnehmer (leider weilen Pjotr Dik und Boris Franzusow bereits nicht mehr unter uns, und nun ist dieser Tage auch Johann Adam Stupp von uns gegangen) die farbenfrohesten Erinnerungen und wurde auf viele Jahrzehnte zum Unterpfand der guten Beziehungen zwischen den Partnerstädten.

Johann Adam Stupps Hoffnung sollte sich erfüllen: Es folgten ungezählte weitere Ausstellungen in Zusammenarbeit der Kunstvereine Erlangen und Wladimir, auch längere Aufenthalte hier wie dort, um vor Ort an Kulturprojekten mitzuarbeiten. Den bisherigen Höhepunkt erlebte die Partnerschaft in dieser Hinsicht vor einem Jahr, als sich die beiden Verbände darauf vorbereiteten, zum 75. Jahrestag des Kriegsendes eine gemeinsame Ausstellung in Wladimir zu zeigen, die dann freilich wegen Corona nur virtuell gezeigt werden konnte.

Eine besonders enge und freundschaftliche Verbindung entstand zwischen Pjotr Dik und dem Erlanger Kunstfreund. Auf Initiative von Johann Adam Stupp verlieh im Jahr 2000 dem Wladimirer Graphiker denn auch den Hauptpreis des Rußlanddeutschen Kulturpreises in der Kategorie Kunst. Zweifellos ein Höhepunkt auch für die Partnerschaft insgesamt. Auch mit Percy Gurwitz verband den Verstorbenen viel, denn seine Frau stammte, ebenso wie der Wladimirer Gelehrte, aus Riga.

Der Dichter

Er sieht so manches lang voraus,
sobald es ihn zu sprechen drängt.
Kaum macht man sich etwas daraus,
man ihn am liebsten gleich erhängt.
Andrej Filionow

Im gemeinsamen Vorwort zum Ausstellungskatalog schreiben Axel Mölkner und Andrej Filinow ein Wort des Dankes, das heute noch Gültigkeit besitzt und deshalb abschließend hier zitiert werden soll:

Vielen in Erlangen gebührt für ihre Unterstützung Dank. Die Ausstellung ermöglicht hat der Kunstverein und sein Vorsitzender, Adam Stupp. Bei der Stadt Erlangen haben sich der Partnerschaftsbeauftragte, Peter Steger, der die Gedichte mit viel Liebe übersetzte, und Kulturreferent Wolf-Peter Schnetz für die Ausstellung eingesetzt. Für die finanzielle Unterstützung durch die Siemens AG haben sich Rita Werneyer und Jörg Hahn stark gemacht; beim OBI Baumarkt Franken sorgte dafür Hermann Gumbmann.

Ausstellungseröffnung im Palais Stutterheim: Johann Adam Stupp, Jelena Prokofjewa, Andrej Filinow und, fast verdeckt, Jurij Tkatschow. Im Hintergrund: Hermann Gumbmann, Axel Mölkner, Natalia Oserowa und Anatolij Denissow

Read Full Post »


Als Jelena Jermakowa 2015 ihren Mann, Jurij Iwatko, nach Erlangen begleitete, tat sie das nicht (nur) als seine Muse, sondern ganz in eigener Sache. Während der Bildhauer nämlich sein „Letztes Opfer“ für die Skulpturenachse in Tennenlohe schuf, füllte sie ganze Mappen mit ihren Skizzen und Graphiken.

Jelena Jermakowa, Tennenlohe, August 2015

Nun schickte die Künstlerin aus Alexandrow, fast zwei Autostunden nordwestlich von Wladimir gelegen, gestern eine Nachricht, die nicht viele Worte macht, es aber in sich hat:

Jelena Jermakowa: Dieter Erhard

Ein Gruß aus Alexandrow von Jelena Jermakowa. Ich habe eine Reihe von graphischen Arbeiten zu meinen Eindrücken von unseren Begegnungen angefertigt. Jurij und ich denken oft an unsere Deutschlandfahrt zurück. Ich möchte meine Arbeiten, den hier gezeichneten Freunden zur Erinnerung an unsere Freundschaft zum Geschenk machen.

In Liebe, Jelena

Jelena Jermakowa: Russana Hillmann

Da bekommt an eine Ahnung davon, was diese deutsch-russische Städtepartnerschaft im Innersten zusammenhält.

Jelena Jermakowa: Reiner F. Schulz

Zu der Meisterschaft der Künstlerin braucht wohl nichts weiter gesagt zu werden, ihr Können spricht für sich und sie.

Jelena Jermakowa: Peter Steger

Nur kurz zu den dargestellten Personen: Dieter Erhard, selbst Künstler und immer wieder Gast in Wladimir und anderen Partnerstädten, organisierte freundschaftlich das Symposium in Tennenlohe; Russana Hillmann begleitete das Ehepaar freundschaftlich nach Rothenburg o.d.T.; Reiner F. Schulz, wie Dieter Erhard in Wladimir nicht unbekannt, brachte die beiden freundschaftlich mit weiteren Mitgliedern des Erlanger Kunstvereins zusammen; der Partnerschaftsbeauftragte, Peter Steger, durfte das Projekt freundschaftlich begleiten. So schön kann die deutsch-russische Volksdiplomatie sein.

Read Full Post »


Welch eine Fügung! Nur wenige Wochen vor seinem 90. Geburtstag, ausgerechnet an Neujahr, wo sein Wladimirer Freund und Kollege, Pjotr Dik, vor 80 Jahren im Altai geboren wurde, verstarb nun Hans Zahn, ein Pictor doctus mit einer überwältigenden Herzensbildung und einnehmenden Gastfreundschaft.

Hans Zahn mit einem Portrait seiner selbst, im Jahr 2000 von Pjotr Dik in Susdal geschaffen

Jeder der beiden Künstler stellte für sich genommen einen ganzen Kosmos dar, schuf ein unschätzbares Geschmeide in der Schatzkammer der Partnerschaft, zusammen bildeten sie nichts minder als ein strahlendes Sternbild, das noch weit über beider Tod hinaus in ihrem großartigen Werk das Dunkel der Trauer von uns Hinterbliebenen erhellen wird. Sie malten beide nicht kunsthandwerklich für den Tag, sie hinterließen uns weit geöffnete Fenster in jene Welten, die beide zusammenhielten.

Jelena Jermakowa und Jurij Iwatko im Jahr 2015 bei Rosie und Hans Zahn zu Gast

Wenn es Trost für beider Weggang gibt, dann findet man ihn in ihrer Kunst, und Hans Zahn hätte als Altphilologe alter Schule hinzugefügt: Vita brevis, ars longa.

Die Trauerfeier findet am Montag, den 7. Januar, um 12.00 Uhr in St. Georg zu Kraftshof statt. Zum welterfahrenen Schaffen von Hans Zahn, Mitglied des Erlanger Kunstvereins, ist hier mehr zu erfahren: https://is.gd/Vpgub0, und er selbst schrieb über seine Freundschaft mit Pjtor Dik: https://is.gd/CfHkDL

Read Full Post »


Beide sind zum ersten Mal in Deutschland, zum ersten Mal überhaupt in Europa und fühlen sich gleich in ein Märchenland versetzt voller Häuser und Gassen, die sie bisher nur aus Büchern und Bildern oder den Nachstellungen von historischen Schlachten eines befreundeten Künstlers kennen. Und werden bis zum Sonntag zu Gast in einem Haus in Kraftshof sein, dessen Geschichte man bis in die Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg zurückdatieren kann, heute bewohnt von Hans und Rosie Zahn, die seit Anfang der 90er Jahren schon ungezählten Malern und Graphikern aus Wladimir großzügig Quartier und Freundschaft angeboten haben. So nun auch Jurij Iwatko und seiner Frau, Jelena Jermakowa, die ihr Glück noch gar nicht fassen können, in der Stadt von Albrecht Dürer angelangt und bei einem deutschen Kollegen untergebracht zu sein, der schon mit Pjotr Dik befreundet war.

Jelena Jermakowa, Jurij Iwatko, Rosie und Hans Zahn

Jelena Jermakowa, Jurij Iwatko, Rosie und Hans Zahn

A propos Pjotr Dik: Jurij Iwatko ist selbst erstaunt, wie sehr seine Karriere dem Weg des großen deutsch-russischen Graphikers gleicht, der vor zwölf Jahren in Worpswede verstorben ist: zeitversetzt die gleiche Ausbildung im Ural und in Moskau mit anschließender Übersiedlung in die Region Wladimir, künstlerischer Beginn mit Großplastiken und Skulpturen für Ehrenmale, später die ganz individuelle Entwicklung eines eigenen Stils. 1993 kam der aus dem Ural stammende Freund der Avantgarde ganz in den Nordwesten der Region Wladimir, nach Alexandrow, wo einst Iwan der Schreckliche seine Residenz und Hauptstadt eingerichtet hatte und eine Zitadelle von vergangener Pracht zeugt. „Heute ist da nicht mehr viel los, ganze vier Berufskünstler gibt es in der Kreisstadt mit 60.000 Einwohnern, aber die Nähe zu Moskau kommt uns sehr entgegen“, meint der Gast, der über viele Jahre seine Bilder auf dem Arbat, der Fußgängerzone in der Hauptstadt, verkauft hat. 1.500 Arbeiten ingesamt, darunter auch viel, was er dem Publikumsgeschmack habe anpassen müssen, bis genug Geld beisammen war, um sich in Alexandrow ein altes Haus zu kaufen, wo er jetzt mit seiner Familie lebt und ein Atelier eingericht hat, um Kinder und Jugendliche in den Grundtechniken der Kunst zu unterrichten. Übrigens gehörte auch seine Frau, mittlerweile selbst künstlerisch tätig, zu seinen Schülern.

Die schematische Anatomie der Aggression: willkürliche Form, Eindringen und Spuren der Gewalt

Die schematische Anatomie der Aggression: willkürliche Form, Eindringen und Spuren der Gewalt

Jurij Iwatko hat seine Bilder und Skulpturen schon überall in Rußland gezeigt und kann von seiner Inspiration und Hände Arbeit leben. In Deutschland freilich waren seine Arbeiten noch nie zu sehen. Das soll sich ändern: Morgen, am 3. September wird um 19.00 Uhr in den Räumen des Erlanger Kunstvereins, Hauptstraße 72, die Ausstellung „Pulverfässer 1914 – 2014“ eröffnet (s. http://is.gd/JE6S9Z) . Mit Exponaten der beiden Wladimirer Künstler, Jurij Iwatko und Igor Tschernoglasow, der selbst nicht kommen konnte, seine Beiträge aber dem Kollegen mitgegeben hat. Man braucht Jurij Iwatko nicht lange zu bitten. Seinen Beitrag zur Ausstellung zeigt er gerne vorab, das Triptychon „Die schematische Anatomie der Aggression“, gegossen aus Altmetall in ihren drei Stadien der willkürlichen Form, des Eindringens oder der Invasion und schließlich der Spuren der Gewalt. Wie das Publikum seine Interpretation des Themas aufnimmt, wird man sehen, aber vorab freut sich der Künstler schon einmal darüber, wie die deutschen Zollbeamten begeistert reagierten, als sie die Plastiken im Gepäck des Reisenden aufspürten, wie sie einander herbeiriefen und anerkennend nickten, bevor sie den Künstler durchwinkten. „Das hat mich riesig beeindruckt“, erinnert sich Jurij Iwatko. „Da habe ich mich gleich verstanden gefühlt, auch wenn ich kein Deutsch spreche.“

Jelena Jermakowa und Jurij Iwatko

Jelena Jermakowa und Jurij Iwatko

Bevor es ins Bett geht, will das Ehepaar unbedingt noch Kraftshof erkunden, voller Entdeckerfreude und Lebenslust. Und man will es gar nicht glauben, daß mit ebenso unerwarteter wie erschreckender Aktualität das Ausstellungsthema „Pulverfässer 1914 – 2014“ in ihrer Heimat täglich mehr an Brisanz gewinnt, wo die Lunte wieder brennt. Wenn Gouverneurin Swetlana Orlowa im 1. Kanal des Russischen Staatsfernsehens – auf die demokratisch gewählte Regierung der Ukraine gemünzt – prophezeit: „Diese Junta wird besiegt, glauben Sie mir!“ und den „rotzfrech gewordenen Amerikanern“ unterstellt, sie wollten „die ganze Welt an sich reißen“, während die Landemutter dem russischen Volk einen „Sieger-Code“ attestiert, ohne auch nur mit einem Wort die russischen Soldaten zu erwähnen, die in der Ukraine bzw. bei „Manövern an der Grenze“ ums Leben gekommen sind, wie Sergej Selesnjow, der gestern in Wladimir bestattet wurde. Wenn drei stramm patriotisch gestimmte Organisationen im ideologischen Gleichschritt ein Auftrittsverbot in Wladimir für Diana Arbenina und ihre Band fordern, weil die populäre Rocksängerin und Liedermacherin sich „für Kiew“ ausgesprochen und damit zu den „verhaßten Personen“ gehört, die „staatsfeindlich agieren“. Wenn ein Stadtrat dazu aufruft, als Reaktion auf die Sanktionen des Westens „massenhaft auf die Verwendung des Dollars“ zu verzichten und alle Greenbacks via Zentralbank an Barack Obama zurückzuschicken, um in Zukunft nur noch eine „harte Währung“ zu verwenden, den Rubel. Die Lunte brennt. Künstler allein können die neue „schematische Anatomie der Aggression“ allein nicht aufhalten. Sie werden später neue Formen der Verarbeitung dieses europäischen Traumas finden müssen. Heute tun sie gut daran, ihre Kritik an den Verhältnissen oder gar Sympathie für die „Faschisten und Revanchisten in der Ukraine“ für sich zu behalten oder bis zur Unkenntlichkeit zu verfremden, wenn sie nicht an den medialen Pranger gestellt werden wollen, wie in dieser Reportage – einer Kulturnation unwürdig – mit deutschen Untertiteln des zentralen Senders NTV zu sehen:  http://is.gd/8TRQV2

Read Full Post »


Am Mittwoch, den 3. September, eröffnet um 19.00 Uhr Oberbürgermeister Florian Janik in den Räumen des Kunstvereins Erlangen die Ausstellung „Pulverfässer 1914 / 2014“. Zu dem Thema, dessen brennende Aktualität wir in immer neuen Steigerungen Tag für Tag im Osten der Ukraine vorgeführt bekommen, haben mehr als 50 Künstler über einhundert Werke eingereicht. An dem Wettbewerb haben sich auch zwei Bildhauer aus Wladimir beteiligt, deren Arbeiten vom 3. bis 27. September zu sehen sind.  Einer der beiden, Jurij Iwatko, reist zur Vernissage an und vertritt seinen Kollegen, Igor Tschernoglasow, gleich mit.

Arbeit von Jurij Iwatko

Arbeit von Jurij Iwatko

Jurij Iwatko wurde 1963 im Ural geboren, hat in Swerdlowsk, heute wieder Jekaterinburg, und Moskau Kunst studiert und lebt seit den 90er Jahren in Wladimir. Seit 2005 ist der Bildhauer Mitglied des Russischen Künstlervereins – und nun zum ersten Mal in Erlangen zu Gast. Gleich die ganze erste Septemberwoche, um möglichst viele Kontakte in der fränkischen Kunstszene knüpfen und Inspirationen sammeln zu können. Zeit genug auch für alle, die nicht zur Ausstellungseröffnung kommen können, Jurij Iwatko und sein Schaffen persönlich kennenzulernen.

Übrigens hält sich derzeit auch wieder eine Künstlergruppe aus Erlangen in der Nähe von Wladimir auf, um an einem En-Plein-Air-Festival teilzunehmen. Doch davon später mehr.

Read Full Post »


In der April-Ausgabe des von der Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland herausgegebenen Zeitschrift Volk auf dem Weg ist ein Artikel von Nina Paulsen erschienen, der an einen Höhepunkt des Kulturaustausches im Rahmen der Städtepartnerschaft erinnert. Auf Anregung von Johann Adam Stupp, Ehrenvorsitzender des Erlanger Kunstvereins, wurde im Jahr 2000 in Stuttgart dem Wladimirer Künstler, Pjotr Dik, der Rußlanddeutsche Kulturpreis verliehen.

Pjotr DikIm Rückblick auf dieses Ereignis erinnert die Autorin an Leben und Werk des zwei Jahre nach der Auszeichnung verstorbenen Graphikers, Bildhauers und Malers, von dem einige Arbeiten im Möbelhaus Dörfler, Friedrichstraße 5, in Erlangen zu sehen und zu erwerben sind. Da sich der Artikel vor allem auf Material stützt, das bereits im Blog veröffentlich wurde, braucht hier nicht alles referiert werden. Es genüge der Hinweis: Wer einmal vor einem Bild von Pjotr Dik gestanden hat, wird immer wieder zu ihm zurückkehren, und wer bereits ein Bild des 1939 im Ural geborenen deutsch-russischen Meisters zu Hause hängen hat, wird dieses nicht lange alleine lassen wollen. Denn es sind Bilder des Dialogs, der Verständigung, der Zusammenkunft, Farbe gewordene Gespräche über die wesentliche Dinge des Lebens, Haikus auf der Leinwand.

Pjotr Dik 1Mehr über die Landsmannschaft und die Bezugsmöglichkeiten der Zeitschrift unter http://www.deutscheausrussland.de

Read Full Post »


Das dreißigjährige Partnerschaftsjubiläum ist nun auch formal abgeschlossen. Die Ausstellung mit 38 Arbeiten von 17 Mitgliedern der Gruppe plus des Erlanger Kunstvereins hat den Weg zurück gefunden. Nicht ohne Hindernisse freilich. So anstandslos es auf der Hinreise Ende Mai vergangenen Jahres durch den Zoll am Moskauer Flughafen Domodjedowo ging, so schweißtreibend gestaltete sich die Rückführung der Bilder und Keramiken. Und das nicht wegen des Umfangs allein: eine eigens für den Zweck gezimmerte Holzkiste, ein Koffer, ein Plastikbehältnis und eine übergroße Tasche. Weder Gewicht noch Volumen machten Probleme. Er war vielmehr die vergleichsweise leichte und schmale schwarze Mappe mit dem „Carnet A.T.A. für die vorübergehende Einfuhr von Waren“, an der die Rückholung fast gescheitert wäre.

EKV 1_0002

Carnet

Zunächst wurde das Begleitdokument im Erlangen-Haus als vermißt gemeldet, was beim formalen Inhaber der Papiere zu veritablen Panikattacken führte, bis sein mitgereister Sohn Dominik mit dem frischen Blick des Externen und der Maxime folgend, in einem Haus gehe nichts verloren, noch einmal in allen Schubladen die Suche aufnahm – und fündig wurde. Doch damit war die edle Sache noch nicht ausgestanden, der Schweiß der Gerechten noch nicht in Strömen geflossen. Die eigentliche Prüfung stand noch bevor. Nach rascher und fast staufreier Fahrt am Flughafen angekommen, interessierten sich die Zollbeamten lebhaft für den Inhalt des Gepäcks, vor allem aber für die Ausfuhrgenehmigung. Wie sich in den Gesprächen mit zeitweise vier Grenzern rasch zeigte, hätte das Carnet damals bei der Einreise von den Kollegen eröffnet werden sollen. Stattdessen hatten sie den arglos erfreuten Partnerschaftsbeauftragten einfach durchgewunken. Wie nun etwas außer Landes bringen, das offiziell gar nicht hier sein durfte? Fast eineinhalb Stunden dauerten die Beratungen – fernmündlich auch immer wieder mit Vorgesetzten, Kunstexperten, Entscheidungsträgern. Mit dem Ergebnis: Die Ware bleibe am Flughafen unter Beschluß bis zur Ausfertigung neuer Papiere. Doch ohne die Arbeiten zurückfliegen, ohne die Arbeiten, auf deren Rückführung die wahrhaft geduldigen Künstler ohnehin schon ein Dreivierteljahr hatten warten müssen? Unmöglich! Eine halbe Stunde vor Abflug schließlich der Durchbruch. Der hinzugezogene Leiter der Zollabteilung hatte ein Einsehen, ließ sich überzeugen, daß die Ausstellungsobjekte ohne bösen Vorsatz eingeführt wurden und nun nicht zum Schaden der russischen Kultur das Land wieder verlassen. Das Angebot, die gerechte Strafe für das Vergehen entrichten zu wollen, stimmte den Beamten milde. Gegen die Entrichtung einer „Bearbeitungsgebühr“ von 1.000 Rubel, etwa 20 Euro, war die Ordnungswidrigkeit bei einem Gesamtwert der Fracht von immerhin 20.550 Euro aus der Welt geschafft, und der Heimreise stand nichts mehr im Wege. Desto größer dann die Freude am Nürnberger Flughafen bei den Abholern. Die planen übrigens schon weiter und denken an die Gegeneinladung für die Künstlerfreunde aus Wladimir. Halt ganz so, wie es in der Partnerschaft sein soll.

Das Empfangskomitee des Erlanger Kunstvereins am Flughafen Nürnberg mit Dominik und Peter Steger

Das Empfangskomitee des Erlanger Kunstvereins am Flughafen Nürnberg mit Dominik und Peter Steger

Und ganz anders als es momentan in der großen Politik läuft. Statt selbstgerecht Wladimir Putin die Ohren langzuziehen und als bösen Buben in die Ecke der Schurken dieser Welt zu stellen, sollten die eilfertigen Schulmeister aus dem Westen nach ihren eigenen völkerrechtlichen Fehlleistungen à la Grenada, Libyen, dem Irak oder Kosovo lieber mit ihm sprechen. Es kann etwas länger dauern, die Zeit kann knapp werden, ganz so, wie gestern am Flughafen Domodjedowo. Und gerade dann, wenn die Sache zu scheitern droht, lohnt es, im Gespräch zu bleiben. Am Ende findet sich ein Ausweg, wenn man bereit ist, eine Gegenleistung zu bringen, zumindest eine Teilschuld anerkennt. Das ist auch und gerade mit Russen möglich. Den umgekehrten Fall eines Russen am deutschen Zoll mit unvollständigen Papieren möchte man sich lieber nicht vorstellen. Die Politik macht das ja leider vor.

Read Full Post »


Natalia Britowa

Am Wochenende wurde im Wladimirer Zentrum für Darstellende Kunst eine Ausstellung mit Arbeiten von Natalia Britowa eröffnet. Die 50jährige Künstlerin ist die Tochter des im Vorjahr verstorbenen Gründers der Wladimirer Malschule, jener farbenfrohen Tradition der Landschaftsdarstellung, die Weltruf genießt, in allen großen Museen gezeigt wird und die Partnerstadt bis heute zu einem künstlerischen Zentrum macht.

Natalia Britowa

Ja, Natalia Britowa ist in die Fußstapfen ihres Vaters getreten, und doch schlug sie schon bald einen ganz eigenen Weg ein. Schon seit 1977 organisiert sie eigene Ausstellungen, und vor gut 20 Jahren fand sie Aufnahme im Russischen Künstlerverband. Nach Meinung von Kunstkritikern hat Natalia Britowa nicht nur einen ganz eigenen Ansatz bei der Landschaftsmalerei gefunden, sondern sich vor allem zu einer Meisterin des psychologischen Portraits entwickelt. Ihre Malweise atme eine stille, umfassende und nachdenkliche Liebe zu allem, was sie umgibt und Gegenstand ihrer Betrachtung wird. Dazu gehören auch Eindrücke aus anderen Ländern. Von ihren vielen Reisen nach Belgien, Holland, Frankreich, Spanien und in die USA hat sie ganze Bilderserien mitgebracht. In Erlangen war Natalia Britowa anläßlich des 25jährigen Partnerschaftsjubiläum, und ihr fränkischer Kollege, Reiner F. Schulz, der im Sommer in Moskau und Wladimir war, hat sie mit einer kleinen Künstlergruppe für das Jahresende zu einer Ausstellung eingeladen. 

Natalia Britowa

Vielleicht ist bis dahin eine Neuauflage des 2008 erschienenen und bereits vergriffenen Buches von Oxana Jermolajewa-Wdowenko über Natalia Britowa wieder erhältlich, vielleicht gar mit einer deutschen Übersetzung. Lohnen würde es sich, denn nicht von ungefähr rückt die Autorin die Wladimirer Künstlerin in ihrem Essay in die Nähe der Impressionisten, denen der Ausdruck von Licht und Atmosphäre wichtiger war als die eigentliche Wiedergabe des betrachteten Gegenstands. In jedem Fall können wir uns schon heute auf die Bilder einer Ausstellung mit Natalia Britowa freuen.

Read Full Post »


Gruppe 8 mit Reiner F. Schulz, dritter von links.

Seit 1987 gibt es im Rahmen der Städtepartnerschaft einen regen Künstleraustausch mit gemeinsamen Ausstellungen und Begegnungen von der Bildhauerei über die Graphik und Aktionskunst bis hin zur Malerei, in der Vor-Blog-Zeit leider nur aktenkundig sowie in Zeitungsausschnitten und Dokumentationen nachvollziehbar. Besonders rege entwickelt sich der Austausch seit Gisela Heinricis Initiative mit der „Jungen Gruppe“ des Erlanger Kunstvereins Mitte der 90er Jahre. Ende August nun reiste Reiner F. Schulz schon zum zweiten Mal nach Wladimir und Moskau, um in einer gemeinsamen Ausstellung mit russischen Künstlern seine Arbeiten vorzustellen. Mehr davon in dem Bericht  der „Stimme Rußlands“ vom 30. August. Neben dem Text lohnend vor allem die Werkschau am Ende des Beitrags, die zeigt, welch unterschiedliche Kunstbegriffe da in Moskau und Wladimir zusammengefunden haben. Vorweg nur noch drei dankbare Anmerkungen: Der Hinweis auf den Link stammt von Nikolaj Lachonin, der bis vor kurzem als Vizekonsul im Russischen Generalkonsulat München umsichtig und mit fördernder Hand die Partnerschaft mit Wladimir betreute; Reiner F. Schulz hat selbst noch einen Beitrag zu seiner Reise in Aussicht gestellt; bei Natalia Britowa handelt es sich um die Tochter des im Januar dieses Jahres verstorbenen großen Kim Britow, der 1987 als erster Wladimirer Künstler nach Erlangen gekommen war.Ein Eintrag zum Begründer der Wladimirer Malschule findet sich unter: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2010/01/11/wladimirer-malschule-verwaist.

Nun aber zum Bericht über die Gruppe 8 unter: http://german.ruvr.ru/2010/08/30/17963956.html

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: