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Posts Tagged ‘Erlangen-Haus’


Der Stundenplan ist straff: sonntags eine Doppelstunde, wochentags deren zwei, nachmittags Einprägen des vormittags durchgenommenen Stoffes.

Meine Zunge wehrt sich. „ы“ ist nicht „i“, nicht „ü“, nicht „y“, klingt bei meiner Lehrerin Natalia Dumnowa wie ein durch die Zähne gepreßtes „i“, dabei entweicht es ihr ganz leicht und mühelos.

„Ж“, „ш“, „щ“: Nadja Steger hatte mich nicht nur schonend auf die vielen Varianten des „sch“ im Russischen vorbereitet, sondern mich auch davon überzeugt, daß wir auch im Deutschen nicht einfach immer „sch“ sagen, sondern mehrere Arten der Aussprache davon haben. Dass aber im russischen die unterschiedlichen „sch“ vor unterschiedlichen Konsonanten wieder anders ausgesprochen werden, macht mich ratlos.

Erste Schritte

Meine Lehrerin hat unendlich Geduld, wenn ich mich durch einen Text zische, und am Nachmittag hilft mir mein iPad, die richtige Aussprache zu finden.

Einkauf im „Продукты“

Ich gehe jeden Tag in einen Laden „Продукты“, ohne Selbstbedienung. Das zwingt zur Aussprache zumindest einiger Wörter. Am Ende sind sowohl die Verkäuferin als auch ich froh, wenn der Einkauf getätigt ist. Leider habe ich nicht immer das in der Tasche, was ich mir vorgestellt hatte, z.B. nach einigem Beharren auf Naturjogurt ging ich dann doch mit süßem Erdbeertrinkjogurt raus, den ich nun vorerst in den Kühlschrank gestellt habe.

Der Weg zu einem A1-Diplom ist jedenfalls noch sehr, sehr weit. Das zeigt mir auch, welche Leistung der syrische junge Mann erbrachte, der 2015 nach Erlangen kam und mir vor wenigen Tagen erzählte, er habe die C1-Prüfung geschafft und die Zulassung zum Zahnmedizinstudium in der Tasche. Vor dem Hintergrund, daß das kyrillische und das lateinische Alphabet sich weit ähnlicher sind, als das lateinische und das arabische, kann ich vor der Leistung vieler erfolgreicher Sprachschüler aus arabischen Ländern nur den Hut ziehen.

Noch ein weiter Weg zum Diplom

Glücklicherweise bleibt neben all dem Lernen noch Zeit für weitere Termine, für ein Wiedersehen mit Gästen aus Wladimir. So hat sich der Radiologe Iwan Seliwjorstow ebenso angekündigt wie eine ehemalige Teilnehmerin des Sommerkurses in der VHS, deren Mann jetzt ebenfalls seine Fühler nach der Partnerstadt ausstreckt. Der ehemalige Oberbürgermeister, Sergej Sacharow, und die Erlangen-Haus-Direktorin, Irina Chasowa, werden mich zum Orthopäden, Guram Tschjotschjew, begleiten, der im Waldkrankenhaus einige Fortbildungen absolvierte.

Außerdem steht ein Besuch an der Universität mit Frederick Marthol auf dem Plan, den Blog-Lesern bereits bekannt, sowie ein Treffen mit Igor Besotosnij vom Wladimirer Kammerorchester, dessen Bus dank den Spenden vieler Erlanger repariert werden konnte. Auch Treffen mit Eduard und Artjom Markin stehen schon auf dem Programm, jeweils mit Konzert. Der Knabenchor hat schon vielen in Erlangen Gänsehaut verschafft, die Stimmen der Jungen sind fast überirdisch schön.

Fazit: Die Tage werden verfliegen!

Elisabeth Preuß

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Flugzeug, Zug oder Auto bringen nicht nur Reisende in Sachen Städtepartnerschaft von A nach B, sondern schenken ein Kaleidoskop an Anregungen. Nachdenken über die Relativität von Weg und Zeit ist nur eine davon.

Zusammengefaßt bleibt wieder einmal festzustellen: Der Weg von Frankfurt nach Moskau ist zwar weiter, der Weg von Moskau nach Wladimir aber länger. Dies gilt zumindest, wenn man sich wegen der Unwägbarkeiten nicht traut, auch auf dem Hinweg den Sapsan vom Kursker Bahnhof zu nehmen. Dieses Transportmittel hätte auch noch den Vorteil, bei Bedarf, oder, wenn sich wie gestern abend eine wunderschöne Winternacht bietet, auf dem kurzen Weg vom Bahnhof zum Erlangen-Haus noch frische Luft und Bewegung im Angebot zu haben.

So aber saß ich bei Dmitrij im Auto, leider ziemlich sprachlos, denn sein Englisch gleicht meinem Russisch: ausbaufähig wäre eine gute Umschreibung. Aber genau das ist ja der Grund für diese Reise: In den nächsten zwei Wochen werde ich mich in zwei Portionen täglich dieser wunderschönen, gesprochen wie gesungen so wohlklingenden Sprache widmen.

Ich bin die Strecke Domodjedowo zum Erlangen-Haus nun schon unzählige Male gefahren, ein Gedanke kommt mir immer wieder: Warum tun sich so viele Menschen diesen höllischen Verkehr an und verbringen damit Tausende von Stunden auf dem Asphalt? Zwischen den Flughäfen und der Stadt verkehren moderne Aeroexpress-Züge, die U-Bahn in Moskau ist nicht nur schnell, sondern auch so schön, daß viele Stationen es in die Bildbände dieser Welt schaffen.

Die nächste Lektion auf dem Weg ist und bleibt Globalisierung. Die Welt ist zusammengerückt, Rieker-Schuhe gibt es am Baikal, in Wladimir und in Erlangen. Gar nicht mehr erwähnenswert ist, wenn ich mit dem Blog-Redakteur, Peter Steger, innerhalb Sekunden nach meiner Ankunft kommunizieren kann, was noch für meine Elterngeneration Phantasterei und Wunschdenken war.

Globalisierung

Das Wasser, mit dem Dmitrij mich versorgte, kam aus Georgien, was zwar für Qualität bürgt, womit es aber doch ein paar Kilometer auf dem Buckel hat. (Beim Italiener gibt es hier übrigens auch Pellegrino.) Nach wenigen Kilometern fuhren wir dann an Media Markt, Obi, IKEA, Burger King vorbei. Auch мак Дональдз war natürlich mehrfach vertreten. Aldi oder Lidl habe ich nicht gesehen, aber das will nichts heißen. Ich will das gar nicht werten, aber schon diese Blicke aus dem Autofenster zeigen, wie verwoben der Welthandel ist und wie sensibel mit Eingriffen umgegangen werden sollte, hängen doch nicht nur die Immobilien und Warenströme, sondern die Schicksale Zigtausender Angestellter daran, daß die Leuchtreklamen nicht erlöschen. Die heimischen (?) Märkte stehen dort schon mindestens seit 2003, als ich das erste Mal vorbeifuhr.

Die russische Supermarktkette Lenta hat sich ihren Platz erobert, das Logo erkenne ich nun, ohne die kyrillischen Buchstaben zu entziffern, von Irkutsk über Nischnij Nowgorod bis Moskau habe ich die Läden gesehen. Ein Blick ins Internet zeigt aber, daß Lenta zwar 1993 in Sankt Petersburg gegründet wurde, die Kette aber heute zum Großteil TPG Capital gehört, einem texanischen Unternehmen und auch der „Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung“, der CEO des Unternehmens ist ein Niederländer.

Mittagssuppe – wieder nur Coca-Cola-Wasser

Die Globalisierung geht also in alle Richtungen, eine Wertung würde, wie gesagt, diesen Beitrag sprengen.

Ich kaufe mein Obst und Gemüse in Erlangen jedenfalls bei der Familie Marburger, wo ich nicht nur regionale und biologische Lebensmittel, sondern immer auch ein nettes Gespräch bekomme.

Nach ca. zwei Stunden halte ich dann Ausschau nach den Teddybären. Seit meiner ersten Fahrt bewegt mich die Frage: Wer kauft die? Es sind immer noch die gleichen Bären, ich hoffe allerdings für den Verkäufer, daß es nicht mehr dieselben sind.

(K)ein Herz für Teddybären

In schrillen Farben leuchten die Bären und anderen Plüschtiere, teilweise überlebensgroß, eingepackt in fladdrige Plastiktüten, sitzend auf vielstöckigen Holzgerüsten, und flehen die Vorbeifahrenden an: Nimm mich mit!

Meine Antwort ist eindeutig: Nein. Und ich lasse nicht mit mir handeln!

Eine Veränderung aber ist erschreckend: Die Straße, die noch vor zehn Jahren über lange Strecken durch Wälder führte, ist jetzt gerahmt von Industrie, Cafés und anderen hallenähnlichen Bauten, deren Zwecke nicht erkennbar sind. Da haben Umwelt und Ästhetik einen hohen Preis bezahlt. Nicht geändert hat sich, daß die nunmehr fast durchgängig sechsspurige Straße durch viele Dörfer und kleine Städte führt; diese werden durch den tosenden Verkehr geteilt, Ampeln und gelegentliche Überführungen können den Riß durch die Orte sicher nicht heilen. Und, ohne die Statistik zu kennen: Das Adjektiv „mörderisch“, im Zusammenhang mit Verkehr ja öfter verwendet, ist hier sicher wörtlich zu nehmen.

Eine emotionale Nachricht für die (leider derzeit verstummten) Autoren des Blogs „Von Stuttgart und Erlangen nach Nischnij Nowgorod“: Das Schild „Wladimir 100 km“, „Nischnij Nowgorod 347 km“ ließ mein Herz höher schlagen!

Noch schöner war, daß 99 km später tatsächlich ein Update geliefert wurde: Wladimir 1 km, Nischnij Nowgorod 246 km.

Da geht das Herz auf, so ein Empfang: Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Heute, am Sonntag, beginnt mein Russischkurs. Ich freue mich, und wenn meine Lehrerein am Ende sagen wird  „мoлoдец!“, dann werde ich zufrieden sein!

Elisabeth Preuß

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Gewissermaßen im „Off“ der „Russisch-Deutschen Wochen“ und all der Vorbereitungen auf das Partnerschaftskonzert mit der „Camerata Franconia“ am 18. März ging dieser Tage die überarbeitete Homepage des Erlangen-Hauses online. In englischer Sprache, angekündigt von Wolfram Howein, dem guten Geist dieser diplomatischen Residenz der Bürgerpartnerschaft, mit den Worten „was lange währt, wird endlich gut“.

Erlangen-Haus im abendlichen Winterputz

Nicht ohne Grund, denn die Vorarbeiten brauchten nach einem Beschluß des Vorstands des Erlangen-Hauses tatsächlich ihre Zeit – und ihre Helferlein, denen hier für ihr ehrenamtliches Mitwirken herzlich gedankt werden soll: neben der Direktorin Irina Chasowa, Wolfram Howein und Peter Steger, konzeptionell und für den Inhalt verantwortlich, sowie Valerie Hellmann, Rosie Zahn und George Mills als Gewährsleute für gepflegtes Englisch. Ganz fertig ist die Homepage übrigens noch nicht: Valerie Hellmann arbeitet derzeit an der Endfassung der Geschichte des Erlangen-Hauses. Doch ein virtueller Besuch dieser deutsch-russischen Begegnungsstätte sei schon jetzt – am besten gleich mit Buchung einiger Nächte! – unter http://erlangen.ru/en empfohlen.

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Alles hatte mit einem launemachenden Video https://is.gd/zkxKok begonnen, in dem Lara Heinen, den Hexenbesen in der Hand, alle Gäste des Erlangen-Hauses zum lustigen Faschingstreiben einlud. Wohl zum letzten Mal, denn nach einem halben Jahr als vom Goethe-Institut entsandte Sprachassistentin wird die Lüdenscheiderin – zumindest vorerst – Wladimir wieder verlassen.

Natalia Dumnowa und Lara Heinen

Bleiben werden aber sicher ihre kunterbunten Anregungen für eine abwechslungsreiche Gestaltung des Unterrichts, ihre unterhaltsamen Schilderungen des Lebens in Deutschland zwischen Alltag und Festen, ihre ansteckende Heiterkeit. Und vermissen werden ihre Dozentin nicht nur die Kursteilnehmer, sondern natürlich besonders die Kolleginnen, denen die pädagogische Unterstützung durch Lara Heinen viele Impulse gab.

Wer hat da sein Kostüm vergessen?

Am Rosenmontag und Faschingsdienstag nun also die letzten großen Veranstaltungen unter Beteiligung von Lara Heinen. Der Kehraus im Erlangen-Haus.

Die drei indischen Grazien

Zeitgleich übrigens steht im russischen Festkalender die „Butterwoche“ mit dem Pfannkuchen als kulinarischem Mittelpunkt eines nicht weniger närrischen Treibens, das am Wochenende mit dem Beginn der vorösterlichen Fastenzeit mit dem Verbrennen einer Strohpuppe als Symbol des Winters schließt.

Erlangen-Haus im Bann des Winters

Dabei scheint es, als habe die kalte Jahreszeit gerade erst begonnen, wenn man sich ansieht, wie das Erlangen-Haus im Schnee versinkt und dann wie aus einem weißen Märchen auftaucht.

Ritter Kunibert von und zu Wladimir

Drinnen, wo es hell ist und warm, tummeln sich derweil Rotkäppchen und Ritter Kunibert, formiert sich eine Polonaise, hält man kleine Büttenreden. Und alle, fast alle, haben sich kostümiert.

Narren von Wladimir in Habtachtstellung

Ein Fest der Phantasie: Kürrasiere, Kleider und Kostüme zum Karneval. So kann der Frühling kommen, wenn denn der Winter weicht.

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Wladimir wartet gleich mit mehreren Institutionen für ehrenamtliche Helfer auf. In der russischen Partnerstadt haben diese die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum hinweg Auslandserfahrungen zu sammeln und das Leben vor Ort aus nächster Nähe kennenzulernen. Verschiedenste Programme und Stipendien ermöglichen ein Auslandssemester, einen Freiwilligendienst oder auch ein Praktikum in Wladimir. Hier sprechen wir exklusiv für den Blog mit denjenigen, die diese Möglichkeiten aktuell nutzen:

Momentan engagieren sich drei deutsche Jugendliche in Wladimir: Lara Heinen aus Lüdenscheid im Erlangen-Haus, Mathilda Wenzel aus Saalfeld im Euroklub und an einer örtlichen Gesamtschule sowie Frederick Marthol aus Erlangen am Fremdspracheninstitut der Universität und ebenfalls im Euroklub.

Frederick Marthol, Mathilda Wenzel und Lara Heinen

Alle drei haben im letzten Jahr die Schule abgeschlossen und sich danach für einen Aufenthalt in Wladimir entschieden. Im folgenden Gespräch ziehen die drei 18 Jahre alten Gäste ein erstes Resümee aus mehreren Monaten Freiwilligenarbeit:

Redaktion: Warum genau habt Ihr Euch für die Stelle in Wladimir beworben?

  • Lara: „Meine Mutter kommt aus diesem Land, ich kann daher auch fließend Russisch sprechen und war öfters mit der Familie zu Besuch bei Verwandten. Ich habe mich übrigens nicht für Wladimir, sondern die Russische Föderation insgesamt beworben. Nachdem ich also eine Zusage von meiner Trägerorganisation „weit erhalten hatte, standen drei russische Städte zur näheren Auswahl. Ich persönlich hätte es ganz cool gefunden, nach Ufa zu fahren, da diese Stadt um einiges größer als Wladimir ist und insgesamt mehr zu bieten hat. Ich bin aber dennoch sehr glücklich mit meinem Standort hier, da ich auf keinen Fall nach Sergijew-Possad wollte.“
  • Frederick: „Die Erlanger Partnerstädte haben mich schon immer interessiert, und daher wollte ich auf jeden Fall in eine. Nachdem sich die Kommunikation mit den anderen Städten aber als sehr zäh herausgestellt hatte, wurde es dann Wladimir. Ich war aber 2015 schon einmal hier und kannte deswegen grob, was mich erwartet. Der Vorvorgänger meiner Stelle hat mir von der Arbeit ausführlich berichtet, und es klang eigentlich ganz interessant. Außerdem ist es hier einmal etwas komplett anderes, als das, was ich sonst so gewohnt bin. Und das „Erasmus-Plus-Programm“ bietet eine interessante Chance, auch für einen kürzeren Zeitraum, also nicht gleich ein ganzes Jahr, Freiwilligenarbeit im Ausland zu leisten.“
  • Mathilda: „Ich habe mich über die Eurowerkstatt Jena auf mehrere Städte in Europa beworben. Bei einem Seminar des „European Volunteer Service“ habe ich dann von der Möglichkeit gehört, in der Jenaer Partnerstadt Wladimir einen Freiwilligendienst zu machen, woraufhin ich mich hier beworben habe. Ich hatte zwar auch noch eine Zusage für eine französische Kleinstadt erhalten, entschied mich aber letztendlich für Wladimir entschieden, weil mich das einfach mehr interessierte.“

Redaktion: Wie sieht Euer Alltag konkret aus?

  • Mathilda: „Mein Tag beginnt am Morgen mit dem Russischunterricht in der Universität, das dauert meistens vier Stunden. Danach fahre ich mit dem Bus zum Euroklub wo ich meine Deutschunterrichtsstunden oder verschiedene Präsentationen vorbereite. Auch Veranstaltungen für die Gesamtschule oder natürlich auch für den Euroklub plane ich von dort aus. Am Abend fahre ich zurück ins Studentenwohnheim, wo ich manchmal noch den Russischunterricht nachbereite.“
  • Lara: „Der Tag beginnt für mich meist mit Sport im Fitness-Center. Ich muss nämlich erst mittags im Erlangen-Haus erscheinen, da der Deutschunterricht da am frühen Nachmittag beginnt. Dort starten wir dann mir einem kurzen Briefing, bei dem wir die anstehenden Unterrichtsstunden zeitlich ein- und auf unser Team aufteilen. Anschließend assistiere ich beim Unterricht oder realisiere eigene Projekte wie z.B. einen Filmabend oder auch das Plätzchenbacken vor Weihnachten. Hin und wieder gebe ich auch Einzelunterrichtsstunden. Nach dem Feierabend um 21.00 Uhr fahre ich entweder heim oder gehe noch kurz einkaufen.“
  • Frederick: „Nach dem Frühstück gehe ich zur Universität, wo ich entweder zuerst meine eigene Russischunterrichtsstunde habe oder eine Themenpräsentation/Konversationsstunde in der deutschen Sprache anbiete. Nach diesen beiden Terminen spreche ich mich meistens noch mit Oxana, einer Dozentin an der Uni, ab, welche Veranstaltungen in den nächsten Tagen anstehen und wie diese ablaufen sollen. Danach fahre ich auch öfters in das Büro des Euroklub, wo häufig noch weitere Arbeiten auf mich warten.“

Redaktion: Und womit verbringt Ihr Eure Freizeit hier in Wladimir?

  • Mathilda: „Ich treffe mich häufig mit Freunden aus dem Wohnheim auf einen Tee, oder wir unternehmen etwas wie zum Beispiel Eislaufen, einen Museumsbesuch oder ähnliches. Ich war auch schon mehrmals in Moskau, Nischnij Nowgorod und einmal in Samara.“
  • Lara: „Wie schon gesagt, ist mir Sport sehr wichtig. Im Fitness-Center habe ich auch Freunde gefunden, mit denen ich inzwischen vieles unternehme. Wir gehen zum Beispiel öfters ins Kino. Ich fahre auch gerne in andere Städte.“
  • Frederick: „Ich schließe mich den beiden an. Andere Städte anschauen, finde ich klasse, am Wochenende war ich zum Beispiel mit einem befreundeten Studenten in Sankt Petersburg! Nach der Arbeit gehe ich meist noch laufen. Außerdem fahre ich auch ich hin und wieder am Abend in die Stadt auf ein oder zwei Bier.“

Redaktion: Worauf hattet Ihr nach Eurer Ankunft zu verzichten?

  • *Alle Drei*: „Trinkbares Wasser aus der Leitung!“
  • Mathilda: „Das Leben im Wohnheim ist manchmal gewöhnungsbedürftig, besonders die Hygienestandards, aber das liegt vielleicht auch an Studentenwohnheimen generell. Anfangs fand ich auch das Einkaufen schwierig, weil ich die Produktbeschreibungen nicht lesen konnte.“
  • Lara (lacht): „Klopapier darf hier nicht im WC heruntergespült werden, sondern es gehört in den Mülleimer!“
  • Frederick: „Die Registrierungen vor Ort nerven mich. Das stört bei spontanen Fahrten einfach! Am meisten vermisse ich aber das Fahrrad als Fortbewegungsmittel, wie ich es aus Erlangen gewohnt bin. Diese ewige Busfahrerei hier ist schrecklich und macht mich unflexibel.“
  • Mathilda: „Ach ja, und die Einrichtung meines Internetvertrags per Kabel ließ sich nur sehr schwer bewerkstelligen… Ich rannte von einem Universitätsgebäude ins nächste und wurde immer aufs Neue weitergereicht. Diese Bürokratie erschwert viele Angelegenheiten, die sich eigentlich ganz einfach lösen ließen.“

Redaktion: Was war die unangenehmste Erfahrung während Eures Aufenthaltes?

  • Mathilda: „Ich habe mich einmal in Nischnij Nowgorod verlaufen und konnte noch zu wenig Russisch, um mich mit den Einheimischen zu verständigen. Ich wollte zudem noch dringend zum Bahnhof, denn die Zeit war knapp. Das war schlimm. Ich saß in tausend falschen Bussen, fragte mich ewig durch, und bat schließlich einen Bekannten per Handy, einer anderen Buspassagierin mein Problem auf Russisch zu erläutern. Diese half mir dann zum Glück weiter, und ich habe den Zug letztendlich doch noch erwischt.“
  • Frederick: „Diese eine Erfahrung gibt es bei mir jetzt nicht direkt. Aber generell stört es mich, mit den meisten Menschen hier nicht kommunizieren zu können. Wann immer ich von Passanten angesprochen werde, kann ich ihnen immer nur schulterzuckend mitteilen, sie kaum zu verstehen. Richtig unangenehm wird es jedoch erst dann, wenn anschließend völlig unbeeindruckt weitergeredet wird, ohne ein Ende in Sicht. Bei den Sicherheitsbeamten an öffentlichen Gebäuden ist das häufig so.“

Redaktion: Wladimir oder Melbourne nach dem Abi?

  • Frederick: „Auf jeden Fall Wladimir! Nach Australien komme ich bestimmt im Laufe meines Lebens einmal, bei der Russischen Föderation bin ich mir da nicht so sicher. Das ist jetzt nicht unbedingt das Land, wo ich auch als Tourist hinfahren würde. Und, wie schon gesagt, es ist einfach mal etwas anderes als der ganze Standardkram.“
  • Mathilda: „Wladimir! Ganz einfach: Weil ich über dieses Land viel weniger Wissen hatte, als über Australien. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, hier ehemalige Klassenkameraden zu treffen viel geringer.“ (lacht)
  • Lara: „Erstens habe ich ein paar Ansprüche, und zweitens: Was will ich in Australien? Ein paar Känguruhs streicheln und am Strand rumhängen? Nein – Australien ist mir zu Mainstream! Meine Mutter hat mich ja eigentlich auf die Idee gebracht, nach hierher zu fahren. Diese Idee hat mich dann aber endlich auch überzeugt. So bin ich jetzt das erste Mal alleine im Land und kann auch noch meine Sprachkenntnisse anwenden und erweitern.“

Redaktion: Gibt es eigentlich Probleme bei der täglichen Arbeit?

  • Mathilda: „Am Anfang auf jeden Fall die Sprache. Daraus resultierten dann Probleme beim Verständnis von Zwischenmenschlichem… Auch die ungewohnten Arbeitsweisen waren anfangs sehr schwierig für mich und sind es zum Teil immer noch. An der Uni herrschen beispielweise andere Umgangsformen zwischen den Dozenten und Studenten, als ich das von Deutschland gewohnt bin.“
  • Frederick: „Ja, da hat Mathilda schon recht. Die Arbeit läuft einfach ganz anders. Viel unstrukturierter. Es stört mich auch, meine Aufträge immer nur sehr grob bis gar nicht terminiert zu bekommen. Die Sprachbarriere macht sich gar nicht so sehr bemerkbar, eher sind es kulturelle Differenzen, die dann auch die Arbeit beeinträchtigen.“
  • Lara: „In den ersten Wochen meines Aufenthaltes hatte ich oft das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, beziehungsweise überflüssig zu sein. Mittlerweile ist das aber nicht mehr so. Vielleicht liegt es an dem Umstand, die erste Freiwillige im Erlangen-Haus zu sein.“

Redaktion: Könnt Ihr Euch mit Euren jetzigen Erfahrungen vorstellen, im Rahmen eines Studiums ein Auslandssemester in Wladimir zu machen?

  • Mathilda: „Nicht in Wladimir, aber an einer anderen russischen Hochschule. Die Uni in Wladimir kenne ich ja jetzt schon sehr gut, da will ich dann schon noch eine andere Stadt sehen.“
  • Lara: „Ich weiß es noch nicht, aber generell ablehnen tue ich es auch nicht.“
  • Frederick: „Nein. Wie Mathilda kenne ich die Uni jetzt sehr gut, und wenn ich noch mal längere Zeit ins Ausland gehen sollte, dann auf jeden Fall in ein anderes Land. Aber vielleicht ändere ich meine Meinung ja noch einmal.“

Redaktion: Vielen Dank für eure Unterstützung! (alle lachen)

Frederick Marthol

Weiterführende Informationen zu einem Aufenthalt in Wladimir:

Auslandssemester an der Vladimir State University: www.vlsu.ru und https://is.gd/Jz1nB5

Bewerbung beim Sprachenzentrum des Goethe-Instituts in Wladimir, dem Erlangen-Haus: https://www.kulturweit.de  und http://erlangen.ru

Bewerbung beim Euroklub (+ Partnerorganisation): https://is.gd/w7OaB0 und https://is.gd/UkCmby

Sendeorganisation www.eurowerkstatt-jena.de

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Unlängst ist auf dem russischen Facebook-Pendant В контакте eine Zuschrift eingegangen, die man nicht anders als ein großes Kompliment an die dort angebotenen Deutschkurse verstehen kann. Mehr noch, der seinerzeitige Schüler hat seinen Weg dank Deutsch gemacht. Und ist nicht die schönste Anerkennung für einen Lehrer der Erfolg seines Schülers?

Vom Erlangen-Haus hörte ich schon von meiner Deutschlehrerin an der Schule. Ich stellte es mit damals als das Mekka der deutschen Sprache vor, als Deutsche Botschaft in Wladimir.

Reinhard Beer, Julia Korowina, Tatjana Iwanowa und Sergej Trojnitsch im Club International der VHS Erlangen, 2014

Schon ein wenig erwachsener, als ich Deutsch bereits abgelegt hatte, erinnerte ich mich an das Erlangen-Haus und suchte es nun mit einem konkreten Ziel vor Augen auf. Vorbereitet und mit hervorkramten und noch präsenten Schulkenntnissen, stieg ich gleich beim Kurs A2 ein. Der Wunsch, weiterzumachen mit dem Lernen, kam danach von selbst. Dank der ausgezeichneten Methodik und Aufmerksamkeit der Lehrkräfte gelangen mir, wie ich meine, gute Ergebnisse im Studium der Sprache. Dabei empfand ich die Sommersprachkurse in Erlangen als ein regelrechtes Geschenk nach jedem Lehrjahr.

Wie erfolgreich das lief, möchte ich an einem konkreten Beispiel zeigen. Um mein Können zu dokumentieren, legte ich die Prüfung für das Zertifikat der Stufe B2 ab, obwohl ich doch nur B1-Plus-Niveau hatte. Mein Traum ging in Erfüllung, das Ziel war erreicht. Aber damit noch nicht genug!

Nikolaj Sakuterin, Sergej Trojnitsch und Iwan Nisowzew in Karlsruhe 2015

Im Jahr des Abschlusses half mir dieses Zertifikat sehr dabei, eine neue Anstellung zu finden. Ganz zufällig stieß ich auf eine Anzeige im Internet mit der Beschreibung all meiner Fähigkeiten plus Deutschkenntnisse. Das zeigt just, wie das Deutsche sich auf mein Leben auswirkte.

Heute arbeite ich in Moskau für eine deutsche Firma mit langjähriger Geschichte. Geschäftskorrespondenz, Telephongespräche, Dienstreisen, Treffen… Die Kommunikation in der Sprache Goethes ist mir zur Alltagsbeschäftigung geworden. Selbstverständlich habe ich nicht aufgehört, Deutsch zu lernen. Mein Motto lautet: „Vor dem Schlafen, nach dem Essen, deutsche Sprache nicht vergessen!“, ich habe den Kurs B2 abgeschlossen und mache jetzt auf dem Niveau C1 weiter. Bald besuche ich einen Fachkurs für Geschäftskommunikation in deutscher Sprache. Neue Ziele gilt es, zu erreichen.

Sergej Trojnitsch beim Jugendforum in Karlsruhe 2015

Ich möchte bei der Gelegenheit dem ganzen Team des Erlangen-Hauses dafür danken, mir die Möglichkeit gegeben zu haben, meinen Traum zum Ziel zu machen und mir dabei zu helfen, ihn wahr werden zu lassen! Mein Ziel war es, Deutsch sprechen zu können. Vielen Dank dafür!

Nikolaj Sakuterin, Iwan Nisowzew, Sergej Trojnitsch und Peter Steger vor dem Konferenzgebäude in Karlsruhe 2015

Auf dem Bild bin ich 2015 bei der Konferenz der deutsch-russischen Partnerstädte in Karlsruhe zu sehen. Ich konnte dabei dem Jugendforum die Partnerschaft Wladimir – Erlangen sowie dem Runden Tisch „Verständigung und Versöhnung“ das Buch „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ vorstellen. Hierfür danke ich Peter Steger!

Zum Original des von Peter Steger übersetzten russischen Textes geht es hier: https://vk.com/erlangenhaus

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Johann Wolfgang von Goethe spricht in seinen Theoretischen Schriften davon, daß wer die deutsche Sprache verstehe und studiere sich auf dem Markte befinde, wo alle Nationen ihre Waren anbieten; er spiele den Dolmetscher, indem er sich selbst bereichere. Das Erlangen-Haus verfügt über einen ungewöhnlich großen Erfahrungsschatz auf dem Markt der Sprachen und versucht sich nun darin, das Deutsche von klein auf als erste Fremdsprache zu vermitteln.

„Ich weiß nicht, mit welcher Sprache ich anfangen soll.“ – „Fang doch mit Deutsch an, Du wirst es nicht bereuen.“

Unter anderem mit dem Argument, damit erhöhe sich später die Motivation eine oder gar mehrere weitere Fremdsprachen zu erlernen, polyglott zu werden. Dies legen tatsächlich Untersuchungen nahe, die auch belegen, daß das Studium des Deutschen hilft, das logische Denken und die Artikulation zu entwickeln.

Die Kindergruppe des Erlangen-Hauses

Seit gut zwei Wochen gibt es denn nun auch die erste Kindergruppe am Erlangen-Haus, ganz nach dem unverwüstlichen Sprichwort: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Wer weiß, wo wir eines Tages diesen sieben Zwerglein auf ihrem langen Weg in der weiten Welt der Städtepartnerschaft wieder begegnen…

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