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Posts Tagged ‘Erlangen-Haus’


„Gar nicht so schwer“, meint Koch Dmitrij Sablin, „eine Schwarzwälder Kirschtorte à la Wladimir zu backen“, sicher nicht nur weil ja die dafür notwendige Schattenmorelle vor der Haustür des Park-Hotels Wosnesenkaja Sloboda am Sonnenhang der Partnerstadt wächst, sondern wohl vor allem, weil ihm seine charmant kommentierende und parlierende Chefin, Anna Schukowa, die Präsidentin des Regionalen Hotel- und Gaststättenverbands der Region, kundig zur Hand geht. Was im Video eine geraffte und kurzweile Viertelstunde dauert, braucht in Echtzeit zwei Stunden. Etwas länger nun brauchte die kunstvolle filmische Montage des Zuckerbäckergrußes zum 25 Jubiläum des Erlangen-Hauses.

Geburtstagstorte der Volkshochschule für das Erlangen-Haus im Januar d.J.

Ausgeliefert jedenfalls, das dokumentiert der professionell gestaltete Streifen, wurde die vom Rathaus Erlangen bestellte Geburtstagstorte an die sprachlos überraschte Irina Chasowa, die Direktorin des Erlangen-Hauses, am 7. Mai, wo, Corona sei’s geklagt, gemeinsam hätte gefeiert werden sollen. Wenn die Erlanger aber schon selbst nicht kommen können, schicken sie wenigstens süße Grüße. Und Anna Schukowa gratuliert den Partnerstädten – mit einem sympathischen Versprecher – zum 25. Jubiläum der Freundschaft sowie Oberbürgermeister, Florian Janik, den sie im Dezember 2017 kennengelernt hatte, nachträglich zur Wiederwahl und zum 40. Geburtstag.

Florian Janik und Anna Schukowa, Dezember 2017

Jetzt aber endlich zum Video, sehenswert, auch wenn man der russischen Sprache (noch) nicht mächtig ist: https://yadi.sk/i/kDPy1MgA1IkjNw

Schwarzwälder Kirschtorte à la Wladimir

Aber es sprechen ja auch die Bilder für sich…

Erlangen-Haus Geburtstagstorte 1

Die „Geburtstagskinder“ Natalia Korssakowa und Irina Chasowa

 

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Wer Bambus malen will, muß ihn im Herzen haben.

(Fernöstliche Weisheit)

Zunächst möchte ich sehr gerne herzliche Grüße nach Erlangen an alle Blog-Leser richten, die mich noch kennen, mit einigen bin ich leider nicht mehr in Kontakt. Und zwar an Irina Seidner (Gossmann), Kristina Werner, Gerhard Kreitz, Tatjana Parilowa, Georg Schneider und Peter Steger.

 

Heutzutage wird das Thema Berufung, oder, wie es John Strelecky nennt, Zweck der Existenz, oft diskutiert. Ich habe mir auch darüber Gedanken gemacht. Wenn unsere Arbeit da halbe Leben ist, dann sollten wir davon profitieren. Und nicht nur im finanziellen Sinne! Auf welcher Weise kann es begriffen werden, wofür unser Herz schlägt? Die Antwort auf diese Frage habe ich erst vor einigen Monaten gefunden, blieb aber jahrelang meinem Bauchgefühl treu.

Aus meiner persönlichen und sehr subjektiven Sicht ist es die wahre Berufung erst dann, wenn man sich mit einer gewissen Tätigkeit ehrenamtlich und uneigennützig beschäftigen kann. Wenn man Hobbys in einen Job umwandelt und dadurch nicht nur vergütet, sondern auch erfüllt wird. Das klingt märchenhaft, nicht wahr?

Wie die deutsche Sprache klingt, habe ich zum ersten Mal in einem Waldorfkindergarten begriffen, den ich mehrere Jahre lang nach einer damals tapferen Entscheidung meiner lieben Eltern besuchte. Mit 18 absolvierte ich eine Waldorfschule, wo Deutsch als erste Fremdsprache vermittelt wurde. Ungeachtet der unmittelbaren Nähe zur deutschen Kultur sowie anthroposophischen Pädagogik von Rudolf Steiner und zahlreichen Möglichkeiten, mit deutschen Gästen ins Gespräch zu kommen, blieb mein Verhältnis zur deutschen Sprache weiterhin kühl.

2008 wurde ich an der Wladimirer Pädagogischen Universität (die historische Fakultät) immatrikuliert. Zu jener Zeit stand Geschichte im Vordergrund, und Deutsch als Fremdsprache wurde mein zweites Fach im Studiengang. Am Wendepunkt meines Prioritätenwechsels lag die Anmeldung 2010 zu einem allgemeinen B1-Deutschsprachkurs im Erlangen-Haus.

Zwischenfazit 1: Jede bewußt gelernte Fremdsprache gewinnt für dich erst dann an Aktualität, wenn sie zu deinem Lebensbedarf gehört und eine praktische Anwendung in deinem Alltag findet!

Durch den spannenden Lernprozeß und eine kompetente Betreuung meiner Lehrerinnen, Tatjana Kirssanowa und Marina Gailit, wurde die Deutsche Sprache ein Werkzeug, ein Schlüssel zu einer lebendigen Kommunikation.

Zwischenfazit 2: Habe keine Angst vor Fehlern. Statt dessen mach Deine Fehler zu deinen besten Lehrern und wachse daran! Sei begehrlich nach Sprachkenntnissen und setze sie in die Praxis um! Die deutsche Sprache ist ein Werkzeug der Kommunikation und kein Museumsgegenstand.

Ich habe sehr gut meinen ersten B1-Sprachkurs bei Tatjana Kirssanowa in Erinnerung. Vor dem Unterrichtsbeginn sollten wir zwei Fragen beantworten: „Wie geht es Dir/Ihnen?“ und „Was gibt’s Neues?“. Jeder Teilnehmer sollte von einer interessanten Tatsache aus seinem Alltag berichten. Manchmal blieb ich vor der Eingangstür kurz stehen, um meine chaotischen Gedanken in Ordnung zu bringen und ein sinnvolles Ereignis aus meinem Leben als Antwort auf die kommenden Fragen zu formulieren. Vermutlich halten Sie dieses Benehmen für Blödsinn, doch das zeugt, meines Erachtens, von Verantwortung und Selbstdisziplin.

Iwan Nisowzew, Anna Kulakowa, Anastasia Owtscharow, Johanna Großer und Regina Halbfinger, 2017 in Jena

Zwischenfazit 3: Nimm das Erlernen der deutschen Sprache wahr! Erweitere gewissenhaft deine Wortschatz sowie Grammatikkenntnisse. Führe deine Notizen ordentlich, lies sie immer wieder, hefte alle erhaltenen Kopien ab! Denke während des Sprechens. Du trägst in gewissem Sinne eine Verantwortung für deine gesprochenen Gedanken. Es ist ganz gleich, ob es sich um eine Fremdsprache oder um deine Muttersprache handelt.

2010 habe ich an meiner ersten Sprachreise nach Erlangen teilgenommen und bereiste das Heimatland von Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller. Daraus haben sich bereichernde Freundschaften und Bekanntschaften herauskristallisiert, auf die ich bis heute großen Wert lege. Durch diese beeindruckende Reise wurde mein Interesse sowohl an der Vielfältigkeit der deutschen Sprache als auch an der deutschen Kultur geweckt. Deutsche Filme, Literatur, Kommunikation mit Muttersprachlern habe ich seitdem in mein alltägliches Leben einbezogen.

Zwischenfazit 4: Schaffe um dich herum ein kommunikatives Umfeld! Schaue Filme auf Deutsch mit und ohne Untertiteln, höre deutsche Radiosendungen, lies Online-Zeitungen, gründe ein Sprachtandem und setzte deine erworbenen Kenntnisse bei einer Tasse Kaffee oder Tee in die Praxis um. Lerne auf Deutsch zu denken, führe Dialoge mit dir selbst und auch bei Gelegenheit mit Muttersprachlern.

2013 schloß ich mein Studium als Lehrerin für Geschichte und Deutsch als Fremdsprache an der Wladimirer Pädagogischen Universität ab und fuhr für ein Jahr nach Deutschland. Der Wladimirer Euroklub bot mir eine Stelle als Freiwillige in unserer Partnerstadt Jena an. Für diese Gelegenheit bin ich Jelena Guskowa und Cornelia Bartlau sehr dankbar! Während meines Europäischen Freiwilligen Sozialen Jahres sammelte ich wertvolle Erfahrungen. Ich arbeitete in einem Jugendzentrum und organisierte rußlandorientierte Projekte für Jugendliche. Koch- und Länderabende, landeskundliche Spiele, Sprachanimation erweisen sich als besonders erfolgreich. Nebenbei bereiste ich Deutschland, nahm an einem deutsch-tschechischen Filmprojekt teil und knüpfte Kontakte.

Zwischenfazit 5: Sammle verschiedenartige Erfahrungen, reise und erweitere deinen Horizont, dein Bewußtsein. Halte dich auf dem laufenden in bezug auf Europäische Programme und Projekte, knüpfe Kontakte und pflege Freundschaften!

Mein unvergeßlicher Europäischer Freiwilliger Dienst legte die Basis für meine weitere sprachliche und persönliche Entwicklung. Ein paar Jahre widmete ich der Forschung der deutschen Sprache und Literatur. 2017 schloß ich erfolgreich mein Masterstudium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ab. Als Sprachdozentin für Deutsch als Fremdsprache, Deutsch als Zweitsprache war ich viel in der Türkei und in Deutschland unterwegs. Ich unterrichtete Deutsch in verschiedenen Kontexten und heterogenen Gruppen. Im Moment unterrichte ich online und bin als DaF/DaZ-Dozentin an einem Interkulturellen Zentrum für Bildung und Kommunikation in Rudolstadt tätig.

Meine jetzige Arbeit erfüllt mich und hält mich in einer ständigen Entwicklung. Ich wünsche jedem, seinen Beruf zur Berufung zu machen.

Fazit: Lerne in jedem Alter und bei jeder Gelegenheit! Habe unbedingt Spaß damit!

Mit einem schönen Zitat von Johann Wolfgang von Goethe komme ich zum Ende meines Berichts und danke Dir recht herzlich für die investierte Zeit und Geduld. Hoffentlich kannst Du aus diesem Text Inspiration schöpfen. Viel Erfolg auf Deinem Wege!

Nichts auf der Erde ist ohne Beschwerlichkeit! Nur der innere Trieb, die Lust, die Liebe helfen uns Hindernisse überwinden, Wege bahnen und uns aus dem engen Kreise, worin sich andere kümmerlich abängstigen, emporheben.

Herzliche Grüße aus der Lichtstadt Jena!

Anna Kulakowa

P.S.: Anna Kulakowa wollte ursprünglich in diesem Artikel auch Bernd Uebel grüßen, erfuhr dann aber von dessen Tod, der sie zutiefst erschütterte und schreiben ließ: „Mein Beileid. Ich kannte Bernd seit acht Jahren… Seit meiner ersten Reise nach Erlangen. Ein strahlender Mensch mit einem großen Herzen.“

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Im Vorjahr nahm eine ganz außergewöhnliche Persönlichkeit am Sommerdeutschkurs des Erlangen-Hauses an der Volkshochschule teil: Marina Bit-Ischo, zu der hier mehr zu lesen ist: https://is.gd/8NYYIV.


Dieser Tage veröffentlichte die Kunsthandwerkerin auf Facebook folgende Zeilen:

Wahrscheinlich wird niemand abstreiten, daß FREUNDSCHAFT zu einem der wichtigsten Bestandteile des Glücks gehört. Vertrauen, Langmut und Gegenliebe bilden die wahren Pfeiler freundschaftlicher Beziehungen. Mein neues Pferdchen tritt nun sein Leben im Erlangen-Haus an, in einem Haus der echten und über Jahre bewährten Freundschaft.

Und dann fügt sie noch diesen Vierzeiler an:

Bewahrt die Freundschaft mir auf dieser Erde,

bewahrt sie, gleich, wer immer sie euch schenkt,

denn nur ein echter Freund kann für dich werden

zu dem, der ohne Worte wie du denkt.

Platon Schukow und Lissa Bit-Ischo

Vorgestern übergaben nun ihre Tochter, Lissa Bit-Ischo, und Platon Schukow, beide vom Gymnasium Nr. 3 und im Erlangen-Haus fleißig beim Erlernen der deutschen Sprache, das geschmückte Geschenk an Irina Chasowa.

Irina Chasowa

Die Geschäftsführerin darf sich nicht nur über die schöne Geste freuen. Glücklich ist sie auch über das anhaltende Interesse an den Deutschkursen mit wieder gut 200 Anmeldungen. Nun wäre nur noch zu klären, aus welchem Holz das Pferd geschnitzt ist. Vielleicht ja aus jenem Ebenholz wie in dem Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Den Zauber der Liebe und Freundschaft trägt es freilich ganz bestimmt in sich. Und sicher verwandelt sich das kleine Kunstwerk schon bald in das Trojanische Pferd der deutsch-russischen Partnerschaft.

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Auch der mittlerweile zwölfte zweiwöchige Deutschkurs an der Volkshochschule in Folge ging gestern für die Gäste aus dem Erlangen-Haus mit einem von der Wladimirer Gruppe gestalteten Abschiedsabend zu Ende. Ein wenig vorgezogen, denn nach Hause brechen die 16 zumeist jungen Besucher ja erst am Montag wieder auf. Aber heute heißt es zum letzten Mal die Schulbank im Club International drücken und das eigens zusammengestellte Lehrprogramm abzuschließen, bevor das Wochenende noch Ausflüge nach Bayreuth und in die Fränkische Schweiz bringt, zusammen mit dem Freundeskreis Wladimir, der sich von Besuch zu Besuch mit seinen Angeboten immer weiter steigert.

Iwan Schtscherbakow

Die Gäste wissen das zu schätzen und sind denn auch voll des Lobes für die Volkshochschule und Reinhard Beer, den „Vater dieser Sommerkurse“, den Freundeskreis Wladimir und natürlich besonders für die Familien, bei denen man sich „wie die eigenen Kinder fühlen“ durfte, wie es die mitgereiste Deutschlehrerin aus dem Erlangen-Haus, Jekaterina Ussojewa, so anrührend ausdrückt. Und so durften sich gestern abend, dem bisher heißesten Tag in der Wettergeschichte Erlangens, die Gastgeber entspannt zurücklehnen und genießen, was ihnen die russische Dankbarkeit zu bieten hatte. Iwan Schtscherbakow – Sie erinnern sich, der Feuermann? – brachte sogar einen in der Küche von Heidi und Jürgen Binder selbstgebackenen Apfelkuchen mit, der sinnbildlich für die liebevolle Phantasie steht, mit der die Gäste zu Werke gingen.

Wie sehr die Kommunalpolitik in Erlangen diese Bürgerpartnerschaft schätzt, erlebte die Gruppe dann aber auch, als Bürgermeisterin Elisabeth Preuß die Pause der Stadtratssitzung nutzte, um allen ihre Anerkennung auszusprechen und auf die unverzichtbare Bedeutung der Volksdiplomatie hinzuweisen. Dabei gehört die Politikerin selbst zum engen Kreis dieser Verständigung über die Grenzen hinweg, denn immer wieder nimmt sie selbst Besucher aus Wladimir bei sich auf. So auch dieses Mal in Person von Jekaterina Ussojewa.

Elisabeth Preuß vor dem Auditorium im Club International

Seit Juni vergangenen Jahres gehört die Germanistin, die in Sankt Petersburg studierte und dann in ihre Heimatstadt zurückkehrte, zum sechsköpfigen Dozententeam am Sprachlernzentrum des Goethe-Instituts in Wladimir. Zum ersten Mal ist sie nun – nach zwei vorgelagerten Besuchen in Berlin – in Erlangen und leitete nicht nur die Gruppe souverän, sondern führte auch ebenso selbstischer wie sympathisch durch das deutsch-russische Unterhaltungsprogramm des Abends.

Jekaterina Ussojewa und Elisabeth Preuß

Auch Igor Rjaschtschenko kennt Deutschland von früheren Besuchen und kam nun zum ersten Mal in die Partnerstadt, wo Matthias Utzschneider ihm Kost und Logis mit nicht ausgeschlossener späterer Freundschaft bietet. Der Sänger seinerseits kennt Wladimir vom vorjährigen Auftritt seines Chores „Vocanta“ und will der nicht mitgereisten Frau des Gastes helfen, vielleicht einmal mit ihrem Puppentheater nach Erlangen zu kommen. Wenn man so hineinhört in die Gespräche, ist ohnehin immer wieder zu vernehmen, wie da auch ganz neue Verbindungen entstehen, die in der Zukunft die Städtepartnerschaft auf ihre Weise prägen dürften. Denn, das sei nie vergessen: Wer an diesen Sommerkursen – gleich auf welcher Seite – teilnimmt und mitwirkt, spielt stets auch eine Rolle im deutsch-russischen Miteinander und der Gestaltung von Beziehungen zwischen unseren Städten und Ländern.

Igor Rjaschtschenko und Matthias Utzschneider

Zum Kanon des Unterrichtsprogramms gehört von Beginn an die Stadt-Rallye, bei der die Kursteilnehmer in zumeist dreiköpfigen Teams ausschwärmen, um im „gemischten Doppel“ im Praxistest Erlangen zu erkunden und – dieses Mal – 18 Fragen zu beantworten, von denen die nach der täglich über die Städtepartnerschaft berichtenden Internetquelle noch die einfachste war. Die Siegertroika schaffte dabei etwas, das es so bisher nicht gegeben hatte: Das Trio machte keinen einzigen Fehler und holte alle 18 Punkte. Dazu war übrigens auch folgendes Rätsel zu lösen: „Es hat zwei Flügel und kann doch nicht fliegen. Es hat einen Rücken und kann doch nicht liegen. Es trägt eine Brille und kann doch nicht sehen. Es hat ein Bein und kann doch nicht stehen. Zwar kann es laufen, aber nicht gehen.“ Hätten Sie es gewußt? Kleine Denkhilfe für Literaturfreunde: Es handelt sich um ein Organ, dem Nikolaj eine seiner klassischen Grotesken widmete.

Artjom Isjumow, Jekaterina Tatarnikowa, Nadeschda Stachowskaja und Reinhard Beer bei der Verleihung des 1. Preises

Lew Kopelew, der Weltkriegsveteran, Autor und große Friedensstifter zwischen Russen und Deutschen, meinte einmal, ein guter Wille könne vieles leisten, auch den bösen Gewalten widerstehen und sie sogar bewältigen. Diesen guten Willen zeigten am gestrigen Abend alle. Möge er nicht der letzte seiner Art gewesen sein!

Erlangen-Haus 12

Siehe auch: https://is.gd/2sAgrM und https://is.gd/9VBTuU

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Heute habe ich unseren Osterbaum im Flur des Erlangen-Hauses geschmückt. Dabei habe ich an unsere Freunde aus Erlangen gedacht: Ich habe mir Eure mit bunten Ostereiern geschmückten Häuser und Wohnungen vorgestellt.

Von Herzen möchten wir Euch Frohe Ostern, sonnige Frühlingstage und natürlich viel Spaß beim Eiersuchen wünschen!

Tatjana Kirssanowa

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Für jeden, der viel reist oder mit unseren Städtepartnerschaften zu tun hat, ist es mehr als eine Binsenweisheit: Sprachen öffnen Türen. Russischlernen im Erlangen-Haus hat dabei auf mehreren Ebenen viele Vorteile:

1. Das Haus:

Das Erlangen-Haus ist den Lesern des Blogs bestens bekannt, viele durften die sagenhafte Gastfreundschaft dort schon genießen. Für den Kursaufenthalt bucht man es am besten direkt bei der Geschäftsführerin, Irina Chasowa. Nach einem immer frisch zubereiteten, warmen Frühstück braucht man nur die Treppe hinunterzugehen und ist im Unterrichtsbereich, wo neben größeren Räumen auch kleinere für Einzelunterricht zur Verfügung stehen. Wifi ist selbstverständlich im ganzen Haus und kostenlos vorhanden. Im Sommer locken eine Veranda und ein Garten. Es fühlt sich also fast wie ein Campus auf kleinstem Raum an, Leben und Lernen sind eng miteinander verwoben. Gemeinsames Kaffeetrinken, Kochen, Pausengespräche inklusive, auch Außer-Haus-Aktivitäten wie Besuche auf der Datscha oder in der Banja „bei gegenseitiger Sympathie“ nicht ausgeschlossen. So wird der Sprachaufenthalt durch das Ambiente und die Protagonisten im Erlangen-Haus zu einem Gesamtkunstwerk.

2. Die Dozentinnen:

Als Dependance des Goethe-Instituts Moskau ist die eigentliche Aufgabe des Lehrangebots im Erlangen-Haus das Vermitteln der deutschen Sprache und Kultur. Die Lehrerinnen setzen ihre pädagogischen Fähigkeiten aber auch für das Vermitteln der mindestens genauso komplexen russischen Sprache ein. Im Einzelunterricht können sie auf Bedürfnisse der Schüler eingehen und den Unterricht perfekt auf diese abstimmen. Nie habe ich das Gefühl, vorgefertigte Unterrichtseinheiten zu bekommen. Der Unterricht ist vielmehr abwechslungsreich, Wechsel gibt es nicht nur bei (Sprach)-Themen, wie Aussprache, Grammatik, Vokabeln, Übungen etc., sondern auch bei den angewendeten Methoden. Von (viel) Selberschreiben über Lückentexte und Lesen bis zu modernen Medien kommt alles zum Einsatz. Ich nehme täglich 2 x 90 Minuten Unterricht, und nachmittags kommt mindestens die gleiche Zeit nochmals für die (reichlichen) Hausaufgaben und das Selbststudium dazu.

Elisabeth Preuß und Natalia Dumnowa

Noch eine Binsenweisheit: Zu lernen hat man am Ende alles selber, und Vokabeln müssen gebüffelt werden. Eine große Hilfe ist dabei das „Russland-Journal“, wo viele Podcasts und vor allem die Konjugationen von Verben nachzuhören und nachzusprechen sind.

3. Die Stadt:

Das Sahnetüpfelchen ist nun, das Erlangen-Haus in eine Stadt eingebettet zu finden, die nicht nur eine Vielzahl historischer Sehenswürdigkeiten bietet, sondern auch ein überreiches Kulturleben. Wer (ausgestattet mit ersten Lesefähigkeiten) die Plakate entziffert, kann abends viele, immer hochqualitative Veranstaltungen genießen, viele auch schon durch den Blog bekannt. Vom Chor Raspew „Pаспев“, über die Ensembles von Vater und Sohn Markin, das Philharmonische Orchester etc. bis zu Gastauftritten ist viel geboten. Die Eintrittspreise sind für unsere Verhältnisse günstig. Beginn ist meist am frühen Abend, weshalb danach noch Zeit für ein Treffen mit Freunden, für ein Café oder ein paar Vokabeln bleibt. Das Theater am Goldenen Tor ist dabei mein Ziel: Denn vorerst bleibe ich auf solche Kulturveranstaltungen beschränkt, die sich der Lingua franca Musik oder Tanz bedienen.

Fazit: Ein Russischkurs im Erlangen-Haus ist Urlaub und Lernen bei Freunden! Dann öffnet die Sprache nicht nur Türen, sondern auch die Herzen der Russen!

Elisabeth Preuß

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Ich heiße Chantal und bin 23 Jahre alt. Ich studiere in Hamburg Osteuropastudien. Jedoch bin ich nun seit einigen Wochen in Wladimir und werde die nächsten vier Monate als Kulturweit-Freiwillige im Erlangen-Haus arbeiten. Aufgrund meines Studiums habe ich mich für einen Einsatz hier entschieden. Allerdings hatte ich mich im Vorfeld nicht allzu viel mit der Stadt auseinandergesetzt. Wladimir wurde nur kurz während eines Seminares zur russischen Geschichte erwähnt, und das war es. Aus diesem Grund hatte ich bei meiner Ankunft keine großen Erwartungen und rechnete mit einer kleinen Stadt mit ein paar schönen alten Gebäuden.

Chantal Stannik 1. v.l. stehend

Bei meiner Ankunft in Moskau war ich zunächst überfordert, da mir jetzt erst klar wurde, was es bedeutet, die nächsten Monate in einem fremden Land zu verbringen, in dem ich nicht jedes Wort verstand. Zum Glück legte sich meine Aufregung schnell wieder, und ich kam nach Überwindung einiger kleineren sprachlichen Hürden in Wladimir an. Obwohl es bereits nach 22 Uhr, waren meine Vermieterin Nadeschda und eine zukünftige Kollegin des SLZ (Sprachlernzentrum) im Erlangen-Haus so nett und holten mich am Bahnhof ab. In meiner Wohnung angekommen, war ich positiv überrascht, da ich alles frisch renoviert vorfand. Ich fühlte mich bereits nach wenigen Stunden in meinem neuen Zuhause wohl.

In den darauffolgenden Tagen lernte ich meine Kolleginnen kennen. Besonders stark hat mich das hervorragende Deutschniveau von allen überrascht. Überdies übertraf die Stadt meine Erwartungen, da es zum einen nicht nur ein paar schöne Gebäude gab, sondern das ganze Stadtzentrum größer war als erwartet (inklusive vegetarischem Restaurant), und zum anderen waren alle Menschen sehr nett und hilfsbereit. Jedoch gibt es auch einige Unterschiede zu Deutschland, beispielsweise findet man hier keinen Fahrplan für die Busse, und man kann das Leitungswasser leider nicht trinken.

Zu Beginn war meine größte Angst, keine Leute kennenzulernen und die meiste Zeit alleine zu sein. Jedoch hat sich diese Angst schnell gelegt, da ich das Glück hatte, Lou Schmalbrock kennenzulernen. Wir versuchen, uns so oft wie möglich zu treffen, beispielsweise waren wir letzte Woche auf einem Konzert. Aber ich habe noch viele weitere nette Menschen kennengelernt, die ich nun zu meinen Freunden zählen kann.

Die Arbeit am SLZ macht mir von Tag zu Tag mehr Spaß, da ich immer stärker in die Aufgaben eingebunden werde, beispielsweise darf ich eigene Projekte planen und kann jeden Mittwoch und Samstag bei den Kinderkursen assistieren. Zudem habe ich sehr flexible Arbeitszeiten, weshalb ich häufig die Möglichkeiten nutze, an Ausflügen teilzunehmen.

Mein erster Ausflug fand schon nach zwei Wochen statt, da es ein Seminar des Goethe-Instituts in Moskau gab. Moskau ist eine vielfältige, große Stadt, die alles an Kultur, Musik, Graffiti, Bars und Restaurants zu bieten hat.

In den darauffolgenden Wochen und zum Teil sogar Tagen folgten Tagesausflüge nach Susdal, Sergijew Possad und Alexandrow. Somit hatte ich in kürzester Zeit schon einiges vom Goldenen Ring gesehen. Meiner Meinung nach erhalten diese Städte zu wenig Aufmerksamkeit, da nur sehr wenige Deutsche jemals etwas von ihnen gehört haben. Dabei haben all diese Orte wunderschöne, historische Sehenswürdigkeiten zu bieten. Überdies hätte jede dieser Städte einen eigenen Blog-Eintrag verdient, weshalb ich die Bilder für sich sprechen lasse, um mich kurz zu fassen.

Bis Bald!

Chantal Stannik

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Das Goldene Tor mit Sergej

Das Wahrzeichen Wladimirs ist das Goldene Tor, erbaut als westliches Stadttor 1164. Es ist ein sehr gut erhaltenes Beispiel russischer Militärarchitektur aus dem 12. Jahrhundert. Heute vom Verkehr umtost, war es früher Teil der Wall-Befestigungsanlagen. Hier treffe ich mich mit Sergej, einem Deutsch-Schüler meiner ‚Gastmutter‘  Irina Dolganowa. Er studiert in Moskau Englisch und Deutsch und freut sich über die Gelegenheit, Deutsch zu sprechen. Wir besuchen die sehenswerte Militärausstellung im Goldenen Tor.

Goldenes Tor

Im Jahr 1238 fiel Wladimir den mongolisch-tatarischen Eroberern zum Opfer. Dieses traumatischen historischen Ereignisses wird in Multimedia hinter einer riesigen Glaswand gedacht. Eine realistische Abbildung des westlichen Stadttors, des Goldenen Tors, im eisigen Winter mit Blick auf die Wallanlagen und die weite Ebene zeigt die damalige Schlacht in all ihrer Brutalität. Überall kämpfende Soldaten, zerfetzt, blutend, mit Speeren im Körper, Tote und Erfrorene. Alles ist in in blau-weiß-rotes Licht getaucht, die russischen Nationalfarben. Dazu erzählt in Überlautstärke eine mächtige, sonore, schwebend-feierliche Stimme von der historischen Schlacht, die zum Abstieg Wladimirs führte. Es läuft einem kalt den Rücken herunter vor lauter martialischer Feierlichkeit. Vor der Glaswand Fahnen und Gewehre aus Kriegen der späteren Jahrhunderte, z.B. gegen Schweden oder die Türkei.

Panorama des Mongolensturms

Die oberen Gänge werden gesäumt von Portraits der sowjetischen Helden aus dem Zweiten Weltkrieg, dem Großen Vaterländischen Krieg. Interessante Karikaturen gegen Hitler, Mut-mach-Plakate für die Sowjetarmee beim Marsch nach Westen gegen Nazi-Deutschland und Photos vom Einmarsch nach Berlin und dem brennenden Reichstag.

Am Ende der Ausstellung wird quasi als Zeichen der friedlichen Zusammenarbeit heute der Raumanzug von Walerij Kubassow, dem Kosmonauten aus der Region Wladimir, in russisch-amerikanischer Weltraummission (Sojus-Programme) gezeigt.

Sergej und der Raumanzug von Walerij Kubassow

Diese Ausstellung ist besonders interessant für deutsche Besucher, weil sie einen Blick auf den Zweiten Weltkrieg aus Sicht der russischen Seite zeigt. Das ist sehr ergreifend und macht einem einmal mehr die Sinnlosigkeit eines Krieges deutlich.

Ein Junggesellinnenabend im deutschen Max Bräu

In Wladimir gibt es seit 2014 ein deutsches Brauhaus mit Namen Max Bräu. Dort schenkt man verschiedene leckere Biersorten nach dem Rezept des deutschen Braumeisters Hans Maurer aus und serviert Deftiges zum Essen. Ein- oder zweimal im Monat wird ein Quizabend ausschließlich für Frauengruppen angeboten.

IQ-Junggesellinnenabend. Es spielen nur Damen!

Irina fragt, ob ich Interesse hätte, als Zaungast dabei zu sein und mit ihr dabei an der Theke ein leckeres Bier zu trinken. Hatte ich natürlich. Ihre Freundin Swetlana fährt uns mit ihrer schwarzen Limousine hin.

Das Sudhaus der Max Bräu

Der Saal faßt mindestens 250 Personen. Das riesige messingblitzende Sudhaus von der bayerischen Caspary GmbH gibt einem das original-bayerische Brauhausgefühl.  Es hatten sich 34 Frauengruppen, also insgesamt etwa 170 Frauen, angemeldet, um ihre Intelligenz im Wettbewerb gegeneinander zu messen. Drei Frauen moderieren die Veranstaltung sehr kurzweilig und mit Niveau. Die Fragen – oft in Form von Bilderrätseln – aus Film, Literatur, Musik, Film und Allgemeinwissen werden auf sechs riesige Leinwände projiziert. Die Frauen sind mit Freude dabei, denken nach, beraten sich, kauen an den Stiften und jubeln über ihre richtigen Antworten. Die drei Siegergruppen erhalten Preise wie Freibier, Blumen oder Sekt.

Im Saal der Max Bräu

Das Startgeld geht an karitative Institutionen. Die Organisation von Irina und Swetlana für behinderte Kinder hat schon einmal davon profitiert. Ihre Gruppe landete diesmal leider „nur“ auf Platz 4.

Russisch-bayerische Gemütlichkeit im Max Bräu

Die Frauengruppen haben zum Teil sehr witzige Namen, unter denen sie antreten wie „Mutterschaft ist nicht alles“, „Die bessere Rippe Adams“, „Rüschi-Plüschi“, „Ohne Wäsche“, „Die Frigiden“ (Wortspiel im Russischen mit: „Die Spiegeleier“) und viele andere. – Ein sehr vergnüglicher Abend!

Künstlern in Susdal über die Schulter geschaut

Es gäbe noch viel zu erzählen. Etwa von den Ausflügen nach Bogoljubowo, nach Jurjewez, von der Bootsfahrt auf der Wolga, vom Besuch im Filzstiefelmuseum in Kinesсhma mit den größten Filzstiefeln der Welt, vom Auflug in die wunderschöne kleine Museumsstadt Susdal und von den Abschlußtagen in Moskau. Über vieles davon wurde schon im Blog berichtet. So beschränke ich mich auf meine Erlebnisse in Wladimir.

Mariä Schutz und Fürbitt am Nerl

Ich bedanke mich bei allen, die diese Reise zu einer ganz besonderen gemacht haben: Irina Dolganowa, Anna Lesnjak, Irina Chasowa und Peter Steger, der mir die Tür dazu geöffnet hat.

Hanns Jasse

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Irina, meine „Gastmutter“

Treppenhäuser in russischen Mietshäusern sind oft nicht sehr einladend: dunkel, Stolperstufen, Beton, keine Bilder, häufig muffig; die Eingangstüren in die Wohnungen aus doppeltem Stahl, Farbe abgeblättert, immer mit zwei Sicherheitsschlössern versehen.

Mein Gastzimmer

Doch kaum betrete ich die Drei-Zimmerwohnung mit Balkon, umfängt mich Gemütlichkeit. Die meisten Wohnungen sind zwar klein und beengt, aber liebevoll eingerichtet. So auch die von Irina Dolganowa. Sie wohnt dort mit ihrem 18jährigen Sohn Nikita, den ich fast nie zu Gesicht bekomme, weil er stets in einem Restaurant in Küche und Service arbeitet oder mit Freunden unterwegs ist. Was soll er auch machen? Schließlich hat er sein Zimmer für zwei Wochen an den fremden deutschen Typen abgetreten, der in Wladimir Russisch lernen möchte, also an mich. Er schläft im geräumigen Zimmer seines 8jährigen Bruders Matwej. Dieser wiederum kuschelt sich nachts zu seiner Mutter ins große Bett. Die Wohnung platzt aus allen Nähten. Alles ist übervoll. Auf dem Balkon hängt die Wäsche. Aus allen Vitrinen und Regalen schauen mich Nilpferde an, Irinas Lieblingstier, in allen Größen, Formen und Materialien, ganz zu schweigen von den vielen weiteren Kuscheltieren des kleinen Matwej.

Irinas Nilpferde

Ich befinde mich plötzlich in einer  typischen russischen Familie mit einer typisch russischen Wohnung, genau so, wie ich es mir gewünscht hatte. Und obwohl ich mit Irina nur Übernachtung und Frühstück vereinbart hatte, wird daraus eine fürsorgliche Vollversorgung. Sobald ich nach Hause komme, verwöhnt sie mich mit den leckersten Dingen. Es gibt Borschtsch, Bliny (Pfannküchlein) mit Smetana (saure Sahne), Marmelade oder Fleisch, Pelmeni (Teigtaschen), geräucherten Wels (natürlich mit viel Bier oder auch Wodka), Kascha  (Buchweizenbrei) oder Müsli zum Frühstück und – zu jeder Tageszeit – Konfety (russisches Konfekt), Waffeln oder Kekse mit Tschai (Tee) oder Kaffee.  Ich lerne die russische Küche gründlich kennen.

Wkusno, lecker!

Irina ist selbständige Deutschlehrerin, Übersetzerin (Deutsch und Englisch), Dolmetscherin und Begleiterin von ausländischen Touristengruppen. So hat sie ständig zwei Mobiltelephone bei sich, um ihre Unterrichtsstunden zu organisieren, mit Reiseagenturen, Firmen oder der russischen Handelskammer zu sprechen. Da sie so ausgezeichnet Deutsch beherrscht, können wir uns wunderbar über viele Themen, über ihre Erfahrungen in Deutschland und die Situation vor Ort unterhalten. Das bereichert uns beide.

Irina Dolganowa und Matwej in Wjatkino

Als Selbständige und alleinerziehende Mutter ist es nicht einfach, für die steigenden Lebenshaltungskosten aufzukommen und für die Versorgung und Ausbildung ihrer beiden Söhne zu sorgen. Sie tut es mit vollem Einsatz und ist dabei sehr liebevoll.

Verkehr in Wladimir

Die Wohnung befindet sich in der Nähe der Bushaltestelle „Wladimirskij Gosudarstwennyj Universitet“, ein Zungenbrecher, den ich mir nur mit Mühe merken kann. Er bedeutet Staatliche Universität von Wladimir. Da ist das Bild der Haltestelle auf dem Smartphone hilfreich, das ich den Passagieren oder auch der „Konduktor“, der Schaffnerin, zeigen kann.

Ich fahre ich mit dem Trolleybus 8 oder der Marschrutka 5 in 25 Minuten zum Unterricht. Marschrutki sind privat betriebene kleinere Busse, die eine feste Linie in der Stadt bedienen. Der Fahrschein kostet 20 oder 21 Rubel (= 30 Eurocent).

Hin und wieder sehe ich Busse mit deutscher Reklameaufschrift aus bayerischen Städten. Diese verdankt Wladimir wohl der Partnerschaft mit Erlangen, denn einige Busse sind ja tatsächlich an die Stadt vermittelt worden

Übrigens ist es äußerst wichtig, auf die sechsstellige Nummer des Busfahrscheins zu schauen, bevor man ihn wegwirft. Ergeben nämlich die ersten drei auf dem Schein abgedruckten Ziffern die gleiche Summe wie die letzten drei, dann sollte man den Fahrschein zerkauen und runterschlucken. Das bringt Glück! Ja, Russen sind sehr abergläubisch. Einer Freundin ist das mit den Zahlen an einem Tag ein paar Mal passiert. Und? Hatte sie Glück? Nein, dafür aber leichte Bauchschmerzen.

Die Straßen in Wladimir sind, wie in vielen anderen Städten, breit, oft vierspurig. Es ist lebensgefährlich, einfach über die Straße zu rennen, um den Bus noch zu bekommen. Dafür gibt es Unterführungen. Autos und Motorräder sind meist mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs, und Fußgänger gelten nicht als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer. Andererseits habe ich oft an Zebrastreifen erlebt, wie Autofahrer anhalten, sobald man den Fuß auf die Straße setzt. Vorbildlich!

Anna, meine Lehrerin

So komme ich täglich zwei Wochen lang zu meiner Russischlehrerin, Anna Lesnjak, am ersten Tag natürlich fürsorglich begleitet von Irina, damit ich die Strecke kennenlerne und ja nicht verloren gehe…

Anna Lesnjak und Hanns Jasse

Anna Lesnjak ist eine nette junge Frau und Deutschlehrerin der Kindergruppe im Erlangen-Haus. Dazu hat sie ein Zertifikat zum Russischunterricht für Ausländer. Sie wohnt mit ihrem Mann in einem Hochhaus mit einem phantastischen Blick über das grüne Wladimir, auf die weiter entlegenen Vorstädte und die Mäander der Kljasma, die (leider nicht zum Baden geeignet), von Nordwest aus der Region Moskau kommt und später in die Oka, einen Zustrom der Wolga, mündet.

Anna hat den Unterricht mit mir vorzüglich vorbereitet. Den Einstufungstest finde ich schwierig, aber mit ihrer Hilfe kämpfe ich mich durch. So hat sie einen Eindruck, wo ich nach zwei Monaten Unterricht in Deutschland (einmal die Woche) stehe: sehr am Anfang. Aber das sollte sich ändern.

Annas Unterricht war sehr strukturiert, und sie hat mich mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen weitergebracht: Am Ende meines Urlaubs komme ich vier Tage allein in Moskau gut zurecht, kaufe Tickets, gehe Einkaufen, frage nach dem Weg. Ich kann schon kleine Dialoge führen. Ein guter Erfolg!

Umgestaltung des Theaterplatzes

Nach dem Unterricht gehen wir in die Stadt. Anna ist stolz, mir ihre Heimat zu zeigen. Und Wladimir ist nicht nur eine schöne Stadt, sondern auch eine der bedeutungsvollsten für die russische Geschichte. Die Stadt wurde im Jahr 990 erstmals urkundlich erwähnt. Ihre Gründung wird dem Kiewer Fürsten Wladimir Swjatoslawowitsch zugeschrieben. Ihre Bedeutung liegt darin, daß hier einer der Begründer des Altrussischen Reiches, der Rus, lebte und regierte, nämlich Großfürst Andrej Bogoljubskij. Ein Besuch im acht Kilometer entfernten Bogoljubowo (von Gott geliebt) lohnt sich.

Wladimir wurde Mitte des 12. Jahrhunderts, als Kiew seine dominierende Stellung in der Rus verloren hatte, zum Zentrum von Staat und Kultur. Es entstanden bedeutende Bauten, Befestigungsanlagen, Klöster und Kirchen. Hier war der Ort, an dem die russisch-orthodoxe Kirche ihren Patriarchensitz hatte, von hier aus entwickelte sich der Kern des großrussischen Reiches unter Vereinigung der Fürstentümer.

Anna Lesnjak und Hanns Jasse vor der Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Anna zeigt mir das Goldene Tor mit den Wallanlagen. Sie umgaben früher die gesamte Stadt auf fast sieben Kilometer Länge. Leider konnten nicht einmal sie dem Mongolensturm im 13. Jahrhundert standhalten. Wladimir wurde erobert und erlebte bald darauf seinen Niedergang. Wir sehen die stattliche Mariä-Entschlafens-Kathedrale (1158-1160), davor das Denkmal des berühmten Ikonenmalers Andrej Rubljow (1360?-1430), das Schauspielhaus mit dem Backsteinbau der Dreifaltigkeitskirche (jetzt Museum für Lackarbeiten, Kristallglas und Stickerei), das Lebkuchenhaus, das Löffelmuseum, den Wasserturm, die Schmiede und das neue Symbol für Wladimir: das Denkmal für die Kirschen.

Andrej Rubljow

Und, aktuell zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018, das Maskottchen, Sobaka Sabiwaka, der Hund, der immer das Tor trifft.

Besuch im Erlangen-Haus (Erlangenskij Dom)

Anna hat mit Irina Chasowa, der Direktorin des Erlangen-Hauses, einen Termin gemacht. Ich bin gespannt auf das Haus, von dem ich so viel gelesen und gehört hatte. Es ist wirklich eine wunderbare Villa mit Garten.

Das Erlangen-Haus

Irina Chasova empfängt mich und Elina, eine Schülerin von Anna, und zeigt uns bereitwillig und mit Freude die Räumlichkeiten. Es ist ein sehr gut eingerichtetes Haus. In letzter Zeit sind einige Möbel dazugekommen. Die Lehrmaterialien sind dank der engen Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Moskau auf dem neuesten Stand. Wir können uns vorstellen, daß es Spaß macht, an diesem Ort Deutsch zu lernen.

Irina Chasowa und Hanns Jasse

Zur Zeit meines Besuchs waren leider Ferien, weshalb ich den Unterrichtsbetrieb nicht mitbekam und die Lehrerinnen nicht kennenlernen konnte. Aber Irina schildert ihre Arbeit so lebendig und voll Begeisterung, daß wir einen guten Eindruck davon bekommen. Und ich bedanke mich bei Irina für die Vermittlung einer so guten Russischlehrerin wie Anna Lesnjak.

Hanns Jasse

Fortsetzung folgt.

 

 

 

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Wollte man Mark Twain folgen, sollte man die deutsche Sprache ja sanft und ehrfruchtsvoll zu den toten Sprachen ablegen, „denn nur die Toten haben die Zeit, diese Sprache zu lernen.“ Doch die Russen halten es da mehr mit Johann Wolfgang von Goethe und dem nach ihm benannten Institut mit Hauptsitz in Moskau sowie 21 Sprachlernzentren, darunter eines im Erlangen-Haus zu Wladimir: „Wer die deutsche Sprache versteht und studiert, befindet sich auf dem Markte, wo alle Nationen ihre Waren anbieten; er spielt den Dolmetscher, indem er sich selbst bereichert.“

Markus Bassenhorst und Susanne Lender-Cassens bei der Begrüßung der Gruppe aus dem Erlangen-Haus im Club International

Landesweit geht die Zahl derer, die sich an russischen Schulen, Universitäten, Instituten und Filialen des Goethe-Instituts mit Deutsch plagen zwar zurück – um etwa 800.000 auf etwa eineinhalb Millionen -, aber nach dem Englischen behauptet das Deutsche als „erste zweite Fremdsprache“ vor dem Spanischen, Französischen oder Chinesischen seine Position. Und daran ändern offenbar auch die schwieriger gewordenen politischen Beziehungen glücklicherweise nichts.

Die Gäste aus dem Erlangen-Haus mit Markus Bassenhorst, Susanne Lender-Cassens, Dozentin Heide Thies und Reinhard Beer

Daran knüpfte denn auch Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens beim gestrigen Empfang im Club International zusammen mit Markus Bassenhorst, dem Leiter der Volkshochschule an, als sie den Austausch mit der Partnerstadt Wladimir als Möglichkeit zur Begegnung bezeichnete, „egal, worüber die ganz oben sich gerade streiten“. Die Chef-Dozentin des Sprachlernzentrums von Wladimir und Leiterin der zwanzigköpfigen Gruppe, Tatjana Kirssanow, ging in ihrer Erwiderung noch weiter:

Bei der Vorbereitung auf diese zweiwöchige Reise erzählte ich natürlich viel über Erlangen. Einmal wurde ich da gefragt, ob das denn wirklich alles so märchenhaft sei, wie ich es schildere. Ja, nun sehen es alle, die mitgekommen sind. Wir fühlen uns hier im Kurs und bei den Gastfamilien wie im Paradies. Danke für dieses Märchen!

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