Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Erlangen-Haus Wladimir’


Hätten Sie Zeit und Lust, lieber Herr Koppmann, einen kleinen Bericht über Ihre Begegnungen in Wladimir für meinen Blog zu schreiben? Ich würde mich sehr freuen – und meine Leser sicher nicht minder!

Hallo, Herr Steger, werde ich gerne machen, vor allem weil mir die Reise und auch die Gastfreundschaft im Erlangen-Haus und auch der ganzen Stadt noch in bester Erinnerung ist.

Diese beiden Nachrichten gingen gestern per Facebook hin und her, nachdem Georg Koppmann Bilder aus Wladimir mit einem Kurztext zu Hausbier in der Partnerstadt veröffentlicht hatte. Und flugs landete auch schon der gewünschte Bericht in der Redaktion.


Der Aufenthalt im Erlangen-Haus der Stadt Wladimir wirkt noch immer nach, obwohl seither bereits mehr als vier Jahr vergangen sind. Noch immer denke ich mit einer Menge an Fernweh an diese zwei Wochen in Erlangens Partnerstadt zurück. Empfang, Betreuung, Unterricht in Russisch und vor allem die Geduld und Gastfreundschaft unserer Gastgeber im Erlangen-Haus sind noch heute fest in meiner Erinnerung verankert.

Georg Koppmann und die Wirtin

Da ich seit Jahrzehnten Hausbrauer bin und ich mich als Bewunderer der fränkischen Brauvielfalt betrachte, stelle ich mir überall auf der Welt dieselbe Frage:

KÖNNEN DIE HIER IM „AUSLAND“ AUCH BIER BRAUEN?

Vom Erlangen-Haus aus machte ich mich schließlich auf den Weg, um diese Frage zu klären. Im Stadtzentrum stieß ich tatsächlich auf eine Kneipe, die Biere der Brauerei Wladimir ausschenkte. IPA, Porter, Weizen, ob ober- und untergärige Biere: Ich konnte gar nicht aufhören, die ganze Palette an feinen Sorten durchzuprobieren. So verbrachte ich dort einige Stunden und lernte bei Bierverkostungen und guter Bierlaune Leute kennen. Wir sprachen nur etwas Russisch, Englisch oder Deutsch, aber wir sprachen. Auch wenn wir in manchen Dingen, vor allem politischen Aspekten, unterschiedlicher Meinung waren, überraschte mich so manches Argument, das ich bislang noch nicht mal auf dem Schirm hatte.

Georg Koppmann

In Abwandlung eines Ausspruchs des Nobelpreisträgers für Literatur, Paul Heyse, ließe sich da sagen: „Die Gleichheit vor dem Bier mildert den Druck der politischen Gegensätze.“

Read Full Post »


Die letzte Vokabel ist eingetragen, das letzte Arbeitsblatt abgeheftet. Als besonderes Schmankerl ging es heute um Schuhe. Wie so oft gab es auch heute wieder nicht nur nützliche Vokabeln, sondern auch solche, die zu etymologischen Gedanken einladen.

Da unterscheidet sich Russisch sicher nicht von anderen Sprachen. Man kann sie lernen zum Zwecke des Sprechens, und man kann sich darüber hinaus mit ihnen beschäftigen. Das Russische lädt regelrecht dazu ein, denn immer wieder stolpert man über Wörter, die in ihrem Kyrillisch zunächst fremd erscheinen, sich nach dem Buchstabieren aber als deutsches Wort entpuppen. Zu den bekanntesten gehört sicherlich бутерброд, das aber nicht einfach Butterbrot ist, sondern eine ganz unterschiedlich belegte Stulle sein kann. Genauso schön ist щлагбаум, das ich zum ersten Mal am Eingang des Nischegoroder Kreml entzifferte, der Schlagbaum dort sorgte wie in aller Welt dafür, daß nur einfuhr, wer dies auch durfte. Ландшафт heißt im russischen wie bei uns Landschaft, aber плацкарт ist etwas ganz Besonderes, und man sollte dies bei längeren Zugfahrten, soweit genügend Rubel im Portemonnaie, lieber nicht kaufen. Denn diese плацкарт berechtigt zwar zur Nutzung einer Liege im Zug, allerdings nicht im abgeschlossenen Abteil, sondern quasi im Schlafsaal, im Zug-Waggon. Wer, wie ich, von Schnarchern in den Wahnsinn getrieben wird und vorher vielleicht noch fröhlichen Reisegesellschaften beim Wodkatrinken lauschen darf, sollte in eine Liege im geschlossenen Abteil investieren.

Elisabeth Preuß und ihre Russischlehrerin im Erlangen-Haus, Natalia Dumnowa

Die Lektion „Schuhe“ bot einiges zum Nachdenken, besonders für die Herren der Schöpfung. Während im Deutschen ein Pantoffelheld sich zumindest in warmen, weichen Pantoffeln wohl fühlen darf, muß sein russisches Pendat, der подкаблучник, sich unter dem Absatz einfinden, das ist doch deutlich unbequemer. Wie im Deutschen bedient sich die Sprache bei „Schlappen“ der Lautmalerei. Шлёпанцы hört man mit einiger Phantasie durch Haus schlappen. Ob Vietnamesen allerdings so häufig „Flip-Flops“ tragen, daß diese im modernen Russisch вьетнамки heißen, das vermag ich nicht zu beantworten. Gefallen hat mir dieses letzte Wort im Sprachkurs aber sehr. Was mich zum nächsten Erstaunlichen beim Sprachenstudium führt: manche Wörter wiederholt man zig Mal, und sie versickern doch wieder im Hirn, andere hört man einmal, freut sich über sie, und -zack- sind sie im Langzeitgedächtnis.

So. Ich ziehe mir jetzt meine вьетнамки an und mache mich ans Koffer packen.

Elisabeth Preuß, бургомистр

Read Full Post »


Über zwei Monate ist es her, seit ich mich Anfang September mit meinem 15jährigen Sohn Paul und dessen Schulfreund Noah auf den Weg nach Wladimir machte. Die Stadt war mir schon lange vertraut, auch wenn ich sie bislang noch nie besucht hatte. Ab dem Zeitpunkt, von dem an mein Vater, Fritz Wittmann, sich, aus einem persönlichen Anliegen heraus, für die deutsch-russische Friedens- und Versöhnungsarbeit zu engagieren begann, Russisch lernte und Russen in unser Haus einlud, war Wladimir und waren vor allem die Menschen aus Wladimir ein fester Bestandteil in unserem Leben. Auch im Zimmer des Pflegeheims in Baiersdorf, in dem mein Vater die letzten Jahre seines Lebens wohnte, fanden sich Erinnerungsstücke, die von den Reisen und Begegnungen mit den Freunden in Wladimir erzählten. Im frühen Herbst 2018 äußerte mein Sohn Paul seinem Opa gegenüber den Wunsch, nach Wladimir zu reisen. Mein hochbetagter Vater freute sich darüber sehr! Wenige Wochen danach starb er. Die Idee der Reise nach Wladimir jedoch verlor ihre Energie nicht! Im Gegenteil! Als Peter Steger von unseren Plänen erfuhr, war er sofort bereit, uns bei unseren Reiseplänen zu unterstützen. Sehr spannend waren die Reaktionen von manchen Freunden und Bekannten auf unser Ansinnen. Große Augen, Erstaunen, Bedenken und die Frage, was wir denn in Rußland wollten. Und ob wir dahin müßten. Das sei doch gefährlich usw. Zum Teil von ziemlich jungen Menschen, die locker mal um den halben Erdball reisen, um unbekannte Länder zu bereisen. Es ist schon erstaunlich!

Eva-Maria Helbig, Johanna Sander und Tatjana Grin, Dezember 2018 in Kirchehrenbach

Bei Konzerten zu Beginn der Adventszeit 2018 in Kirchehrenbach und Erlangen durfte ich mit dem bezaubernden Kammerchor Wladimir und Erlanger Sängern und Musikern gemeinsam das Te Deum von Antoine Charpentier als Solistin aufführen. Die Profis aus Rußland sangen sich damals mit ihrem wunderschön ausgewogenen und weichen Chorklang zwei Wochen nach dem Tod meines Vaters in mein Herz. Ich freute mich deshalb riesig, als im Frühsommer die Anfrage aus Wladimir bei mir einging, ob ich bei einem Konzert des Chores in Erlangens Partnerstadt mitwirken und die Altsolopartie bei der Uraufführung eines Requiems für Chor, zwei Frauenstimmen, zwei Klaviere und Schlagzeug aus der Feder des jungen Komponisten, Artjom Semjonow, übernehmen wolle. Die Noten kamen per Mail, und so machte ich mich ans Studieren.

Mein Sohn Paul und ich begannen, mit der Hilfe von Peter Steger die Fahrt zu planen. Paul wünschte sich seinen Freund Noah als Reisegefährten. Noahs Eltern waren von der Idee begeistert. Das Beantragen der Visa war für uns eine unbekannte Sache. Aber mit Hilfe des unschlagbaren Leitfadens der Stadt Erlangen, schafften wir es. Hans Gruß , in Sachen Wladimir ein erfahrener Hase, versorgte uns mit einem Stadtplan, machte Kontakte und gab uns wertwolle Tips.

Tatjana Grin, Johanna Sander, Paul und Noah

Am 2. September hob unser Flugzeug in München mit dem Ziel Moskau ab. Im Gepäck hatten wir einige Geschenke, die Noten für das Requiem und jede Menge Neugier. Außerdem hatte ein uns bis zu diesem Zeitpunkt nahezu unbekanntes Netzwerk für uns einen tollen Reiseplan ausgeklügelt. Wirklich unglaublich!

Am Flughafen in Moskau holte uns Eduard Batalow, ein Mitglied des Chores, mit dem Auto ab. Ab diesem Zeitpunkt waren wir drei in ein Dauererlebnis von Gastfreundschaft und Herzlichkeit eingehüllt, wie wir das noch nie zuvor erlebt hatten. Eduard brachte uns mit Engelsgeduld durch die Rushhour Moskaus und über die dicht befahrenen Straßen in einer zweieinhalbstündigen Fahrt nach Wladimir. Schon dabei strömten viele Eindrücke auf uns ein.

Kaum waren wir im Erlangen-Haus in Wladimir angekommen, meldete sich Tatjana Parilowa, eine Freundin meiner Eltern, bei uns. Keine 30 Minuten später stand sie vor der Tür und holte uns mit Katja, einer russischen Lehrerin, zum gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant ab. Dort trafen wir zwei russische Jugendliche, mit denen mein Sohn und sein Freund Noah über ihre Englischkenntnisse sehr unkompliziert in Kontakt kamen. Von da an waren die Jungs wunderbar in das russische Jugendleben integriert. Die beiden besuchten eine russische Schule, verbrachten ihre Nachmittage mit den neuen Bekanntschaften in der Stadt, lernten die Lebenswelt ihre Altersgenossen kennen. Die beiden ließen sich die Stadt zeigen und erkundeten mit ihren neuen Freunden das schöne Susdal mit seinen vielen Kirchen.

Tatjana Parilowa als Reiseführerin

Für mich begannen am nächsten Tag nach dem wunderbaren russischen Frühstück die Proben für das Konzert am Freitag, den 6. September, mit dem Kammerchor Wladimir. Es ist ja schon an sich etwas sehr Besonderes, bei einer Uraufführung mitwirken zu dürfen. Und das dann noch in Rußland und obendrein mit solchen Musikern! Die Probenarbeit unter der Leitung der mitreißenden, temperamentvollen und sensiblen Tatjana Grin gestaltete sich sehr intensiv und fruchtbar. Der Chor war schon sehr sehr gut vorbereitet und nahm mich mit großer Offenheit und Wertschätzung auf. Dmitrij Fjodorow, ein versierter und einfühlsamer Pianist, spielte den Klavierpart des Werkes und begleitete die Proben. Er fand auch noch Zeit, mit mir geduldig an meinem Solopart zu arbeiten. Noten zu Hause zu studieren und Musik im Zusammenklang zu proben, sind einfach sehr verschiedene Dinge! Wenn ich einmal Pause hatte, weil das Ensemble an einem anderen Werk des Konzertprogrammes probte, wurde ich von einzelnen Chormitgliedern mit großer Herzenswärme umsorgt. Sie kümmerten sich um mein leibliches und seelisches Wohl und führten mich an ihre Lieblingsplätze in Wladimir.

Das Programm, das uns während unserer Reise geboten wurde, war ganz zauberhaft zusammengestellt. Wir besuchten Kirchen und Klöster, erfuhren bei einer ausführlichen Stadtführung etwas über die Geschichte Wladimirs. Paul und Noah wurden von russischen Schülern und zwei Lehrerinnen betreut und besuchten Susdal. Stets war irgend jemand zu finden, der uns mit dem Auto zu unseren Abstechern chauffierte. Die Mutter der Dirigentin, Tatjana Grin, lud uns an einem Mittag zu sich nach Hause ein. Der Tisch bog sich. Wir konnten nur einen Bruchteil der Speisen essen, die uns da kredenzt wurden. Die ganze Familie begrüßte uns, und obwohl wir kein Wort Russisch sprechen, hatte ich nie das Gefühl, unverstanden zu sein. Wir wurden sofort mit in ihr Leben hineingenommen.
Roman, Zahnarzt in Wladimir und ein Freund von Tatjana Parilowa, war unser Gastgeber in der Banja, einer Art Dampfsauna, auf der ehemaligen Datscha seiner Mutter. Nadja und Sergej, die beiden Banjameister, ebenfalls Freunde von Roman, behandelten uns einzeln in dem heimeligen Dampfbad mit warmen und kalten Güssen, wuschen unsere Haut mit Zweigen und Büscheln, ließen uns danach auf einer Schwebeliege zu den Klängen ihrer weichen, wohltönenden Stimmen ruhen. Zwischen und nach den Behandlungen in der Banja gab es Köstlichkeiten aus dem Garten, vom Grill und wärmenden Tee. Für mich war dieser Nachmittag wie eine Reise zu mir selbst. Immer wieder waren wir von Gastfreundschaft überwältigt und berührt.

Dmitrij Fjodorow, Tatjana Grin, Johanna Sander, Tamara Mironowa und Eduard Batalow

Als Sängerin wurde mir eine in Deutschland für Künstler ungewohnte Aufmerksam zuteil. So bat man mich, für die Homepage des Chores in einem kleinen Video über meine Erlebnisse und Eindrücke in Wladimir, über die Musik von Artjom Semjonow und die Probenarbeit zu berichten.

Der Tag des Konzertes kam. Auf dem Programm standen neben dem Requiem noch andere Werke, die alle zum ersten Mal zu hören waren. Unter anderem auch ein Stück aus der Feder des Pianisten des Abends, Dmitrij Fjodorow, für Chor und zwei Klaviere. Kurz vor der Veranstaltung, mit der die Saison 2019/2020 des Kammerchors Wladimir im Saal des Zentrums für klassische Musik mit seiner erstaunlichen Akustik eröffnet wurde, gab ich noch ein Interview für einen lokalen TV-Sender, das einen Beitrag über das Konzert brachte.

Johanna Sander mit Nikolaj Schtschelkonogow und ihrem Sohn Paul

Peter Steger war aus Deutschland angereist und übernahm freundlicherweise das Dolmetschen. Er stellte mir Menschen vor, die meinen Vater gekannt und ihn sehr geschätzt hatten. So durfte ich Nikolaj Schtschelkonogow, einen der ältesten russischen Freunde meines Vaters, als Zuhörer begrüßen. Er hatte ein Album mit vielen Bildern ihrer gemeinsamen Erlebnisse mitgebracht, das er wie einen Schatz bei sich trug. Ihn während des Konzertes neben meinem Sohn sitzen zu sehen, hat mich tief berührt. Für mich schloß sich damit ein Kreis. Ich weiß, daß mein Vater sich unglaublich gefreut hätte, dies mitzuerleben.

Tatjana Prokuschkina und Johanna Sander

Gemeinsam mit dem Chor, den Musikern und vor allem meiner Soprankollegin, Tatjana Prokuschkina, auftreten zu dürfen, war eine große Ehre für mich! Über den Applaus nach dem Konzert, die vielen Blumen und die liebevollen Geschenke habe ich mich sehr gefreut!

In einem russischen Restaurant ließen wir den Konzertabend gemeinsam mit den Chormitgliedern, ihrer so engagierten Dirigentin, Tatjana Grin, und dem bewundernswerten Pianisten, Dmitrij Fjodorow, ausklingen. Zum Abschied stimmten alle in lupenreinem Deutsch den Satz „Tanzen und Springen“ von Hans Leo Hassler an. Mit einem russischen Lied konnte ich leider nicht antworten! Ich glaube, das muß ich ändern!

Der Abschied am Tag nach dem Konzert fiel uns gar nicht leicht: von den Menschen nicht und auch nicht vom Erlangen-Haus! Paul, Noah und ich haben uns dort sehr gut aufgehoben gefühlt. Bereits das liebevoll zubereitete Frühstück am Beginn eines jeden Tages war ein Grund, mit guter Laune in den Tag zu starten.

Abschied von Wladimir

Weil die Straßen in Wladimir am Morgen unserer Abreise wegen eines Halbmarathons gesperrt waren, liefen wir, begleitet von Tatjana Parilowa und Katja, zu Fuß vom Erlangen-Haus mit unseren Koffern zum nahen Bahnhof. Dort erwarteten uns Tatjana Grin und eine Schülerin, die Paul und Noah mit betreut hatte. Alle standen am Bahnsteig und winkten uns, als sich unser Zug Richtung Moskau in Bewegung setze.

Dort erwartete uns schon Wera, eine junge Frau, die uns vor vielen Jahren in Baiersdorf besucht hatte. Heute lebt sie in Moskau und arbeitet dort als Rechtsanwältin. Wir durften mit ihr einen kleinen Eindruck von dieser unglaublichen Stadt gewinnen. Sie begleitete uns auch zum Zug, der uns zwei Tage später zum Flughafen brachte. Mit vielen Geschenken und noch mehr Eindrücken im Gepäck, kehrten Paul, Noah und ich nach einer unglaublich dichten und erlebnisreichen Woche nach Hause zurück. Es ist für uns nicht vorstellbar, daß dies unser einziger Besuch in Wladimir gewesen sein wird!

Johanna Sander

Hier geht es zum TV-Bericht über den gemeinsamen Auftritt: https://youtu.be/UCONHbJ_w6w und zur Videobotschaft von Johanna Sander: https://is.gd/OR8rMm sowie zum Konzertbericht im Blog: https://is.gd/zFHYbY

Read Full Post »


Bei meinen letzten Sprachaufenthalten in Wladimir habe ich vor allem eines gelernt: man MUSS zu Hause dranbleiben. Bisher habe ich mich an diese Weisheit nicht gehalten bzw. nicht halten können, da mein Terminkalender regelmäßige Termine wie z.B. Sprachkurse nicht erlaubt. Also fuhr ich wieder einmal mit dem Gefühl ins Erlangen-Haus, von vorne anfangen zu müssen. Aber glücklicherweise kramt meine Lehrerin, Natalia Dumnowa, dann doch einiges aus meinem Langzeitgedächtnis hervor.

Dieses Mal war der spannendste Augenblick allerdings in Frankfurt, als ich nicht nur zum Sprengstofftest auserwählt wurde, sondern dieser auch noch positiv war. Umringt von einem Polizisten mit Maschinengewehr, einigen weiteren Polizisten und einer sehr netten Dame vom Zoll, durfte ich also alles, wirklich alles auspacken, was nicht wenig war, da ich alles im Handgepäck hatte.

Die beiden staunten nicht schlecht, als vier Hefte Russisch-Grammatik, Übungen und Vokabeln, zwei Mappen mit Grammatiktabellen, ein Gedichtband von Rilke, Kinderbücher, ein Indianermärchen und ein Krimi zum Vorschein kamen. Dazu drei Pfund Kaffee von Amir, dem Kaffeemann, sanft geröstet für die Kaffeepausen und acht Paar hübsche Söckchen für das Team vom Erlangen-Haus.

Der Polizist erklärte mir, schon Glycerin in Handcreme könne ein falsch-positives Ergebnis bringen. Ich werde dennoch vor dem Rückflug meine Gepäckstücke mit einem Reinigungsmittel säubern, denn nicht immer ist man mit soviel Zeitreserve am Flughafen.

Aber zurück ins Klassenzimmer: Der Unterricht ist wirklich „Erste Klasse“, denn dank der modernen Medien, der aufwendigen Vorbereitung der Lehrerin und der Hartnäckigkeit, auch kleine Fehler zu korrigieren, und vor allem, weil man im Einzelunterricht immer dran ist, kann man richtig eintauchen in diese wunderschöne Sprache. Das macht Freude, man lernt wieder, zu lernen und wünscht sich, es möge nicht schon nach einer Woche wieder zurückgehen.

Elisabeth Preuß und Natalia Dumnowa

Irgendwann mache ich mir mal ein Geschenk: einen ganzen Sprachsommer in unserer Partnerstadt. Beim Einkauf im Supermarkt nach dem Unterricht gab es dann noch eine große Freude: Plötzlich sah ich mich dem katholischen Pfarrer, Sergej Sujew, gegenüber, der nach der freudigen Begrüßung kaum glauben wollte, daß ich alleine, ohne Begleitung/Aufsicht von Peter Steger, in Wladimir bin.

Vielleicht heißt das, daß ich ja doch schon einiges gelernt habe!

Bürgermeisterin Elisabeth Preuß

Read Full Post »


Dieser Tage prüfte das Goethe-Institut Moskau wieder einmal das Sprachlernzentrum Wladimir im Erlangen-Haus auf Herz und Nieren. Immerhin werden ja in der Partnerstadt sämtliche Prüfungen abgenommen, für die man früher eigens in die Hauptstadt zu reisen hatte. Da muß Qualitätsmanagement sein. Und – man darf es vorwegnehmen – das Ergebnis überzeugte wieder einmal auf ganzer Linie. Von 180 möglichen Punkten erzielte das Team um Tatjana Kirssanowa fast 172 Zähler, in den entscheidenden Kategorien wie Qualifikation des Personals, Angebot und Kundenzufriedenheit sowie Sprachkursorganisation gab es sogar überhaupt keinen Abzug, sprich, die Erwartungen wurden zu 100% erfüllt. Da kann man nur voller Bewunderung und Anerkennung gratulieren!

Jelena Michajlowa, Natalia Dumnowa, Tatjana Kolesnikowa, Natalia Kirssanowa, Jekaterina Ussojewa und Tatjana Kirssanowa

Hinter diesem Erfolg stehen natürlich ganz konkrete Gesichter. Beginnen wir links mit Jelena Michajlowna, die nach längerer Pause im Mutterschutz mit zwei Kindern wieder an Bord ist und als einzige Lehrkraft des Erlangen-Hauses auch noch an der Fakultät für Fremdsprachen der Universität Wladimir tätig ist. Die Dozentin hat demnächst die Möglichkeit mit einem Stipendium des Goethe-Instituts einen Sprachkurs in Deutschland zu absolvieren. Am nächsten Dienstag beginnt ihr „Start Deutsch“ für alle, die bis Ende Januar rasch viel lernen wollen und dafür genug Zeit mitbringen, zum Beispiel jene, die es zwecks Eheschließlung in die Bundesrepublik zieht. Natalia Dumnowa, Tatjana Kolesnikowa und Natalia Korssakowa, die drei Allzweckwaffen im Team, wobei letztere auch noch für die Online-Kursräume zuständig ist und die beiden Accounts in den Sozialen Netzwerken betreut. Jekaterina Ussojewa kam schon als Zwölfjährige ans Erlangen-Haus und wurde damals ausnahmsweise aufgenommen, weil sie durch ihre Mutter, eine Deutschlehrerin, sprachlich schon „vorbelastet“ war. Noch vor ihrem Schulabschluß bestand sie die C1-Prüfung des Goethe-Instituts, bevor sie nach Sankt Petersburg zum Studium ging und nun im Vorjahr zurückkehrte nach Wladimir und ans Erlangen-Haus. Die Pädagogin ist neben Anna Lesnjak, derzeit im Mutterschutz, sozusagen ein hauseigenes Gewächs. Fehlt nur noch Tatjana Kirssanowa, die alle organisatorischen Fäden des Sprachlernzentrums in Händen hält und im Lehrberuf ihre Erfüllung findet.

Am ersten Sonntag im Oktober begeht man in der Russischen Föderation den „Tag des Lehrers“, den Natalia Korssakowa zum Anlaß nahm, um auf Instagram folgende Nachricht zu hinterlassen: http://www.instagram.com/n.kors @n.kors

Я люблю свою работу 💚

Ich liebe meine Arbeit.

💚Люблю за то, что она никогда не бывает скучной, как бы банально это не звучало 😊 люблю заходить в аудиторию и видеть интерес в глазах учеников, когда им нравится и процесс, и результат 👍

Ich liebe sie dafür, daß sie nie langweilig wird, wie banal das auch klingen mag. Ich gehe gern in die Klasse, um das Interesse in den Augen der Schüler zu sehen, wenn ihnen der Ablauf wie das Ergebnis gefallen.

💚Получаю истинное удовольствие от своих трудов: люблю и искренне радуюсь, когда ученики достигают своих целей – поступают в немецкие университеты, сдают международные экзамены, путешествуют без боязни быть непонятым, да и просто получают удовольствие от изучения немецкого ⠀

Meine Aufgaben bereiten mir ein wahres Vergnügen: Ich genieße es und freue mich aufrichtig, wenn meine Schüler ihre Ziele erreichen, an eine deutsche Universität gehen, internationale Prüfungen ablegen, Reisen machen, ohne zu fürchten, nicht verstanden zu werden, und einfach Freude am Deutschlernen haben.

💚 я сама люблю учиться! и моя работа дает мне возможность профессионально развиваться, и это не только семинары и онлайн- обучение, но и ежедневная рефлекция после занятий ⠀

Ich lerne selbst gern! Und meine Arbeit gibt mir Gelegenheit, mich beruflich weiterzuentwickeln. Dabei geht es nicht nur um Seminare und online-Fortbildung, sondern auch um die tägliche Reflexion nach dem Unterricht.

💚Люблю за возможность говорить на прекрасном языке 🇩🇪 и донести эту красоту другим

Ich liebe meinen Beruf für die Möglichkeit, mich in einer herrlichen Sprache auszudrücken und diese Schönheit anderen zu vermitteln. ⠀

💚 люблю за то, что в @erlangenhaus самые лучшие коллеги на свете ❤

Ich liebe ihn dafür, daß ich im Erlangen-Haus die allerbesten Kolleginnen auf der Welt habe.

Da bleibt der Kommentator sprachlos!

Read Full Post »


Bald ist es ein Vierteljahrhundert her, seit das Erlangen-Haus eröffnet wurde. Am 7. Mai 1995 eröffneten die beiden Oberbürgermeister, Dietmar Hahlweg und Igor Schamow, diese Botschaft der Volksdiplomatie, wo heute das Sprachlernzentrum des Goethe-Instituts untergebracht ist, die Fäden der partnerschaftlichen Beziehungen zusammenlaufen – und wo man sich gut bettet.

Oleg Modorow, Dmitrij Cholin und Swetlana Schelesowa

Was weniger bekannt ist: Der Garten des Erlangen-Hauses ist längst auch zu einem Ort der kulturellen Begegnungen geworden – mit einer Skulptur von Stefan Schnetz, einem Figurenensemble von Johannes Koch, mit den von Erlanger und Wladimirer Künstlern gestalteten Mauer zum Nachbargrundstück. Nun, zum bevorstehenden Jubiläum im Mai, ist auf Anregung von Swetlana Schelesowa, der stellvertretenden Leiterin des Erlangen-Hauses eine weitere Kunstaktion geplant, um schon von außen, von der Straßenseite auf den besonderen Charakter dieses Anwesens aufmerksam zu machen. Geht es nach Dmitrij Cholin, den Vorsitzenden des Regionalen Wladimirer Künstlerverbands, und seinen Kollegen, Oleg Modorow, wir hier bis zur 25-Jahr-Feier eine Silhouette Erlangens zu sehen sein, entworfen und gestaltet gemeinsam, wie es eben sein soll in der Partnerschaft.

Read Full Post »


Die meisten in Wladimir kennen sie nur als die Witwe ihres 2002 verstorbenen Mannes, des deutsch-russischen Künstlers Pjotr Dik, die sich bis heute um dessen graphisches Erbe kümmert und Ausstellung um Ausstellung organisiert, dabei spielt Kira Limonowa als vielfach ausgezeichnete Architektin für die Städtepartnerschaft mit Wladimir eine im Wortsinne aufbauend-konstruktive Rolle. Unter ihrer kundigen Leitung nämlich erstand das baugeschichtlich wertvolle Erlangen-Haus buchstäblich aus Ruinen. Zusammen mit ihrem Erlanger Gegenpart, Helmut Eichler, achtete sie während der Arbeiten von 1993 bis zur Eröffnung 1995 auf jedes Detail und lieferte – wer wollte da widersprechen – ein Meisterwerk dafür ab, wie man alte Bausubstanz – ein ehemaliges Kaufmannshaus aus dem späten 19. Jahrhundert, jahrzehntelang als Gemeinschaftsunterkunft heruntergewohnt – wieder sinnvoll nutzen kann.

Nicolas Celoro, Kira Limonowa, Jekaterina Zwetkowa und Peter Steger im Mai 2018

Bis heute steht Kira Limonowa bei den immer wieder notwendigen Unterhalts- und Renovierungsarbeiten dem Team vom Erlangen-Haus beratend zur Seite und sorgt so dafür, daß diese Schaltstelle der Städtepartnerschaft auch nach bald 25 Jahren nicht erhalten bleibt, sondern immer noch ansprechender und einladender wird. Für die Baumeisterin stellte dieses Heim der deutsch-russischen Begegnung den krönenden Abschluß ihrer beruflichen Karriere dar. Im Ruhestand bleibt ihr die „Erlanger Botschaft“ das Anliegen einer tiefen Freundschaft und Verbindung zwischen Deutschen und Russen, was es zu bewahren gilt. Dafür – nicht nur heute, an ihrem 80. Geburtstag, zu dem der Blog herzlich gratuliert – ein großes Dankeschön!

Und für alle des Russischen mächtigen Leser eine Trouvaille aus dem Netz: In dieser zwanzigminütigen Reportage aus dem Jahr 1982 sieht man nicht nur ein winterliches Wladimir aus einer präpartnerschaftlichen Zeit, sondern man begegnet auch späteren Akteuren des Austausches, dem Chorleiter Eduard Markin und Igor Stoletow, dem ehemaligen Vorgesetzten von Kira Limonowa: https://is.gd/3YtBWq

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: