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Posts Tagged ‘Elisabeth Preuß’


Das Kammerensemble der Philharmonie Wladimir tourt wieder durch Bayern. Ein letztes Mal, wie Igor Besotosnyj, Dozent für Balalaika und Leiter des Quartetts, bestätigt, der vor 30 Jahren seinen musikalischen Einstand in Erlangen bei der Woche der Russischen Küche gab. Ob es wirklich bei der Entscheidung bleibt, ist abzuwarten. Für den Rückzug aufs partnerschaftliche Altenteil ist der Saitenvirtuose ja noch viel zu jung. Aber die lange Anreise im eigenen Tourbus und vor allem der Termindruck zu Hause setzen Fakten. So ist auf dieser Abschiedstournee – bei freiem Eintritt – das letzte Konzert am Dienstag, den 10. Dezember, um 19.30 Uhr in St. Sebald, Egerlandstraße 22, angesetzt, doch schon am Donnerstagabend wartet eine Verpflichtung auf einer Bühne in Moskau. Dazwischen liegen 2.500 Straßenkilometer, abwechselnd am Steuer mit Alexander Schaposchnikow. Eigentlich ja unzumutbar ohne ein ungehöriges Maß an Selbstausbeutung.

George Mills, Swetlana und Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow

Dennoch: Wer will im Austausch zwischen Erlangen und Wladimir schon vom letzten Mal sprechen!? Bestimmt gibt es noch Anlässe und Gelegenheiten für ein Wiederhören, ob hier oder dort. Nur eben in dieser Form wohl eher nicht mehr. Und das ist wirklich schade, wenn man die Gruppe gestern wieder, gebucht von Ernst Stäblein, auf der Waldweihnacht hören konnte – oder noch eindrucksvoller sogar, auf Initiative des Seniorenbeirats, beim Wohltätigkeitsauftritt im Hospiz am Ohmplatz.

Swetlana Besotosnaja

Noch am Samstag gibt es zu einem Abendkonzert ins Klinikum Starnberg, heute sind die vier ab 19.00 Uhr in der m&i-Fachklinik in Herzogenaurach zu erleben, morgen musizieren sie in Bad Heilbrunn, und dann, wie gesagt, am Dienstag gibt es schließlich das Abschiedskonzert um 19.30 in St. Sebald.

Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow

Im Programm wieder – und doch stets neu – klassische Stücke von Mozart bis Vivaldi, interpretiert auf den russischen Volksmusikinstrumenten Balalajka, Domra und Bajan, begleitet von der Violine. Und dann ist da wieder der Deutsch-Amerikaner, George Mills, der mit seinem gepflegten Väterchen-Frost-Rauschebart und vor allem seiner Sprachkompetenz auch als Russe durchginge und für die einfühlsamen Vokaleinlagen steht.

Olga Besotosnaja, Elisabeth Preuß, George Mills, Ernst Stäblein, Swetlana Besotosnaja, Alexander Schaposchnikow und Igor Besotosnyj

Im begeisterten Publikum gestern stand denn auch Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, die versprach, trotz anderer Terminverpflichtung, auch noch zum Konzert nach St. Sebald zu kommen, um sich von dem Quartett zu verabschieden.

Natalia Nikolajewa und Lisa Puyplat

Und noch jemand stand in den Reihen vor der Bühne auf der Waldweihnacht. Ein Pärchen, von dem noch zu erzählen sein wird: Natalia Nikolajewa aus Gus-Chrustalnyj in der Region Wladimir, die schon als Schülerin im Erlangen-Haus Deutsch lernte, dann mit ihren Eltern die Sommerkurse an der Volkshochschule besuchte und nun schon erfolgreich das Physikum des Medizinstudiums in München hinter sich gebracht hat, von Erlangen aus stets von Lisa Pyplat fürsorglich begleitet. Aber, wie gesagt, das ist dann schon wieder eine ganz andere Geschichte.

 

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Wie notwendig der Austausch gerade auch der jungen Generation zwischen Erlangen und Wladimir ist, zeigen oft Kleinigkeiten. So war Maxim Lortschenko vom Dokumentationsteam, das den Veteranen Nikolaj Schtschelkonogow auf seiner Reise begleitet, der Meinung Fritz sei nichts mehr als die im Zweiten Weltkrieg übliche abwertende Bezeichnung für die Deutschen. Und nun stellt sich heraus: Es handelt sich um einen männlichen Vornamen, wenn auch heute nicht mehr so gebräuchlich wie noch vor ein oder zwei Generationen, hinter denen konkrete Menschen stecken wie Fritz Rösch und eben Fritz Wittmann, dessen Grab die Gäste aus der Partnerstadt am Freitag besuchten.

Für Nikolaj Schtschelkonogow hatte dieser Vorname seit 1991, als Fritz Wittmann zum ersten Mal nach Wladimir kam, ein Gesicht, eine Stimme, eine Geschichte, die ihn bis heute mit Deutschland tief verbindet. Und da, wo es so persönlich wird, haben Feindbilder keinen Platz mehr, da tauscht man nur noch Familienphotos und gemeinsame Erfahrungen aus.

Hans Gruß, Harald Sander, Bridget Gruß, Johanna Sander, Paul Sander, Nikolaj Schtschelkonogow, Tatjana Jazkowa und Elisabeth Wittmann am Grab von Fritz Wittmann

Dabei hätte alles ganz anders ausgehen können: Der „Fritz“ und der „Iwan“ – so ja die deutsche Kollektivbezeichnung für die sowjetischen Feinde – lagen einander in den letzten Kriegstagen bei Küstrin in den Schützengräben gegenüber und fielen einander später in die Arme. Ihnen gelang es, in sich den Krieg zu besiegen, sie wurden beide zu Botschaftern des Friedens, zu den großen Männern der Aussöhnung und Verständigung zwischen den Partnerstädten und weit darüber hinaus.

Lange verharrte Nikolaj Schtschelkonogow in Stille vor dem Grab des Kameraden, das zu besuchen sein Herzenswunsch war. Doch dann brachen sie aus ihm heraus, all die Erinnerungen an die Begegnungen und Gespräche, voll freundschaftlicher Hochachtung für den Verstorbenen und sein Vermächtnis, all die guten Wünsche für dessen Familie und Freunde. All das, was zum Abschied gesagt sein wollte.

Elisabeth Wittmann und Nikolaj Schtschelkonogow

Und dann wieder diese Zugewandtheit zu den Menschen, zum Leben. Man kann es nicht anders nennen als die helle Freude, die einen im Gespräch mit diesem Mann überkommt.

Nikolaj Schtschelkongow, Tatjana Jazkowa und Hans Gruß

Voller Wißbegier: Was dachte und machte der Freund noch vor seinem Tod? Welche Gedichte schrieb er noch? Welche Graphiken zeichnete er, als es mit den Buchstaben nicht mehr so klappen wollte?

Nikolaj Schtschelkonogow

Auch voller Anerkennung dafür, wie die Familie das Andenken an Fritz Wittmann bewahrt, indem etwa sein Arbeitszimmer fast unberührt blieb und wirkt, als könnte er jeden Moment wieder eintreten.

Nikolaj Schtschelkonogow und Elisabeth Wittmann

Auch voller Überraschung, den originalen Friedenskreis wiederzusehen, der als Banner, überreicht am 9. Mai 2015 von Oberbürgermeister Florian Janik, im Versammlungsraum des Veteranenverbands Wladimir hängt.

Nikolaj Schtschelkonogow und Elisabeth Wittmann

Und dann beim Abendessen wieder, wie am Vorabend im Club International, diese Fülle an Detailwissen mit immer wieder neuen Facetten des Kriegsgeschehens: Hunde, die, mit Sprengstoff am Körper, unter deutsche Panzer geschickt wurden, die bei der Zündung, wenn nicht völlig zerstört wurden, so doch schweren Schaden nahmen, etwa an den Ketten oder am Turm; Vorteile der deutschen Ausrüstung beispielsweise im Tornister mit seinen Fächern und der Abdeckung aus Pferdeleder und den Aluminiumflaschen, während man im eigenen Sack nur Glasbehälter hatte, die brechen konnten; der robuste sowjetische Karbiner, der leichter und weniger anfällig war als das deutsche Pendant.

Wolfgang Morell und Tatjana Jazkowa (sitzend), Hans-Joachim Preuß, Nikolaj Schtschelkongow, Elisabeth Preuß und Jekaterina Zwetkowa

Oder das deutsche Geschirr aus Metall versus das eigene Besteck aus Holz oder die Uhr, die jeder Wehrmachtssoldat trug und dann gern als Beutestück genommen wurde, von Toten wie von Gefangenen; oder die Eiserne Ration, die für die Sowjetsoldaten hauptsächlich aus Graupen und Trockenfisch bestand, während die Deutschen sogar Schokolade mitführten, etwas, das Nikolaj Schtschelkonogow erst beim Auffinden eines Wehrmachtstrosses entdeckte.

Wolfgang Morell und Nikolaj Schtschelkonogow

Und dann die „pornographischen Bilder“, die sich bei den Deutschen fanden. Oder die Vorliebe der Wehrmacht, mit Leuchtschußpistolen die Nacht zum Tag zu machen.

Andrej Maximow, Jekaterina Zwetkowa und Amil Scharifow mit Elisabeth Preuß im Interview

Man fragt sich schon jetzt, wie das Team von Jekaterina Zwetkowa all den Stoff in eine einzige Dokumentation packen will, zumal ja erst die Hälfte der Reise abgeschlossen ist.

Johanna Sander, Adventskonzert Herz Jesu

Und zumal nicht einmal der emsigste Berichterstatter des Blogs alles wiederzugeben vermag. Aber wie soll man auch die Gefühle des Gastes beschreiben, wenn er nach dem Konzert in Wladimir im September nun noch einmal Johanna Sander, die Tochter von Fritz Wittmann, bei einem Auftritt erlebt…

Rosie Zahn und Jekaterina Zwetkowa

Oder wenn es dann zu einer Begegnung von Rosemarie Zahn und Jekaterina Zwetkowa kommt, die eine langjährige Freundschaft mit Kira Limonowa, der Architektin des Erlangen-Hauses und Witwe von Pjotr Dik, verbindet. All diese Querverbindungen verdienten es, gesondert zu erzählen.

Johanna Sander und Nikolaj Schtschelkonogow

Aber wir wollen es dabei belassen und mit dem Bild der Sängerin und des Veteranen enden, einem Bild der Harmonie und des Einvernehmens von zwei Menschen, von dem man sich gern hineinnehmen lassen will, bevor es heute für Nikolaj Schtschelkonogow und seinen Troß weitergeht nach Jena, Leipzig und Berlin.

Nikolaj Schtschelkonogow, Jekaterina Zwetkowa, Tatjana Jazkowa und Andrej Maximow im Nürnberger Bratwursthäusla

P.S.: Gerade rechtzeitig vor der Veröffentlichung dieses Beitrags schickt Othmar Wiesenegger noch eine kleine Rückschau, auf das, was gestern abend noch so alles abging – mit Bildern und vor allem einem Video, das man gesehen haben sollte, um Nikolaj Schtschelkonogow zu kennen:

Ohne Worte…

Lieber Peter, gestern hast Du noch etwas versäumt!

Wir sind nach dem Konzert direkt zur Waldweihnacht am Schloßplatz gegangen und hatten noch eine schöne Zeit bis 21.00 Uhr.

Nikolaj und Tatjana waren bester Stimmung und tanzten, und Nikolaj wollte noch sein Erlangen-Lied auf der Bühne vortragen!

Ich hatte mit der Band gesprochen – leider nicht zu bestimmt -, und so konnte er es nicht vortragen, es wäre echt toll gewesen!

Außerdem haben die beiden mit dem Finalisten von “Deutschland sucht den Superstar” mit Dieter Bohlen und Freundin, getanzt und posiert: ING_6159. Ich schmeiß mich weg, die ganze Zeit waren sie bester Laune!!! Sag niemanden, daß er 94 Jahre alt ist! Ich will mit 94 auch so sein!!!

https://www.rtl.de/videos/fortunato-lacovara-rockt-sich-zum-goldenen-buzzer-5a154717a2ea5024f25304d8.html

Auf jeden Fall haben “unsere Russen” einen schönen Abend verlebt und werden den 1. Dezember hier in guter Erinnerung behalten.

Link mit Bildern und Video

https://www.dropbox.com/sh/6oh6v5m8g2u991j/AAAkBrtSOgnfiw1gLXhl1ImCa?dl=0

Viele Grüße und Dir eine schöne Zeit noch mit den fünfen aus Wladimir. Dein Othmar

 

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Die letzte Vokabel ist eingetragen, das letzte Arbeitsblatt abgeheftet. Als besonderes Schmankerl ging es heute um Schuhe. Wie so oft gab es auch heute wieder nicht nur nützliche Vokabeln, sondern auch solche, die zu etymologischen Gedanken einladen.

Da unterscheidet sich Russisch sicher nicht von anderen Sprachen. Man kann sie lernen zum Zwecke des Sprechens, und man kann sich darüber hinaus mit ihnen beschäftigen. Das Russische lädt regelrecht dazu ein, denn immer wieder stolpert man über Wörter, die in ihrem Kyrillisch zunächst fremd erscheinen, sich nach dem Buchstabieren aber als deutsches Wort entpuppen. Zu den bekanntesten gehört sicherlich бутерброд, das aber nicht einfach Butterbrot ist, sondern eine ganz unterschiedlich belegte Stulle sein kann. Genauso schön ist щлагбаум, das ich zum ersten Mal am Eingang des Nischegoroder Kreml entzifferte, der Schlagbaum dort sorgte wie in aller Welt dafür, daß nur einfuhr, wer dies auch durfte. Ландшафт heißt im russischen wie bei uns Landschaft, aber плацкарт ist etwas ganz Besonderes, und man sollte dies bei längeren Zugfahrten, soweit genügend Rubel im Portemonnaie, lieber nicht kaufen. Denn diese плацкарт berechtigt zwar zur Nutzung einer Liege im Zug, allerdings nicht im abgeschlossenen Abteil, sondern quasi im Schlafsaal, im Zug-Waggon. Wer, wie ich, von Schnarchern in den Wahnsinn getrieben wird und vorher vielleicht noch fröhlichen Reisegesellschaften beim Wodkatrinken lauschen darf, sollte in eine Liege im geschlossenen Abteil investieren.

Elisabeth Preuß und ihre Russischlehrerin im Erlangen-Haus, Natalia Dumnowa

Die Lektion „Schuhe“ bot einiges zum Nachdenken, besonders für die Herren der Schöpfung. Während im Deutschen ein Pantoffelheld sich zumindest in warmen, weichen Pantoffeln wohl fühlen darf, muß sein russisches Pendat, der подкаблучник, sich unter dem Absatz einfinden, das ist doch deutlich unbequemer. Wie im Deutschen bedient sich die Sprache bei „Schlappen“ der Lautmalerei. Шлёпанцы hört man mit einiger Phantasie durch Haus schlappen. Ob Vietnamesen allerdings so häufig „Flip-Flops“ tragen, daß diese im modernen Russisch вьетнамки heißen, das vermag ich nicht zu beantworten. Gefallen hat mir dieses letzte Wort im Sprachkurs aber sehr. Was mich zum nächsten Erstaunlichen beim Sprachenstudium führt: manche Wörter wiederholt man zig Mal, und sie versickern doch wieder im Hirn, andere hört man einmal, freut sich über sie, und -zack- sind sie im Langzeitgedächtnis.

So. Ich ziehe mir jetzt meine вьетнамки an und mache mich ans Koffer packen.

Elisabeth Preuß, бургомистр

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Bei meinen letzten Sprachaufenthalten in Wladimir habe ich vor allem eines gelernt: man MUSS zu Hause dranbleiben. Bisher habe ich mich an diese Weisheit nicht gehalten bzw. nicht halten können, da mein Terminkalender regelmäßige Termine wie z.B. Sprachkurse nicht erlaubt. Also fuhr ich wieder einmal mit dem Gefühl ins Erlangen-Haus, von vorne anfangen zu müssen. Aber glücklicherweise kramt meine Lehrerin, Natalia Dumnowa, dann doch einiges aus meinem Langzeitgedächtnis hervor.

Dieses Mal war der spannendste Augenblick allerdings in Frankfurt, als ich nicht nur zum Sprengstofftest auserwählt wurde, sondern dieser auch noch positiv war. Umringt von einem Polizisten mit Maschinengewehr, einigen weiteren Polizisten und einer sehr netten Dame vom Zoll, durfte ich also alles, wirklich alles auspacken, was nicht wenig war, da ich alles im Handgepäck hatte.

Die beiden staunten nicht schlecht, als vier Hefte Russisch-Grammatik, Übungen und Vokabeln, zwei Mappen mit Grammatiktabellen, ein Gedichtband von Rilke, Kinderbücher, ein Indianermärchen und ein Krimi zum Vorschein kamen. Dazu drei Pfund Kaffee von Amir, dem Kaffeemann, sanft geröstet für die Kaffeepausen und acht Paar hübsche Söckchen für das Team vom Erlangen-Haus.

Der Polizist erklärte mir, schon Glycerin in Handcreme könne ein falsch-positives Ergebnis bringen. Ich werde dennoch vor dem Rückflug meine Gepäckstücke mit einem Reinigungsmittel säubern, denn nicht immer ist man mit soviel Zeitreserve am Flughafen.

Aber zurück ins Klassenzimmer: Der Unterricht ist wirklich „Erste Klasse“, denn dank der modernen Medien, der aufwendigen Vorbereitung der Lehrerin und der Hartnäckigkeit, auch kleine Fehler zu korrigieren, und vor allem, weil man im Einzelunterricht immer dran ist, kann man richtig eintauchen in diese wunderschöne Sprache. Das macht Freude, man lernt wieder, zu lernen und wünscht sich, es möge nicht schon nach einer Woche wieder zurückgehen.

Elisabeth Preuß und Natalia Dumnowa

Irgendwann mache ich mir mal ein Geschenk: einen ganzen Sprachsommer in unserer Partnerstadt. Beim Einkauf im Supermarkt nach dem Unterricht gab es dann noch eine große Freude: Plötzlich sah ich mich dem katholischen Pfarrer, Sergej Sujew, gegenüber, der nach der freudigen Begrüßung kaum glauben wollte, daß ich alleine, ohne Begleitung/Aufsicht von Peter Steger, in Wladimir bin.

Vielleicht heißt das, daß ich ja doch schon einiges gelernt habe!

Bürgermeisterin Elisabeth Preuß

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Nach 28 Jahren im Amt verabschiedete sich am 3. Januar in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale zu Wladimir Erzbischof Jewlogij in den Ruhestand. Der Heilige Synod würdigte den Geistlichen als jemanden, dem es gelungen sei, die Entwicklung des kirchlichen Lebens in alle Richtungen zu lenken, die Zahl der Gemeinden und Priester sowie der Ordensleute zu erhöhen und einen konstruktiven Dialog mit der Öffentlichkeit und der Politik zu führen. Der promovierte Theologe trägt seit dem 14. Jahrhundert, als dieses Amt nach Moskau verlegt wurde, als erster wieder den Titel eines Metropoliten.

Florian Janik, Erzbischof Tichon, Elisabeth Preuß und Erzbischof Mark

Im Amt folgte Jewlogij nun Tichon, 1948 in Woronesch geboren und mit Unterbrechungen seit 1990 Erzbischof von Nowosibirsk und Berdsk, wo es ihm, ebenso wie Jewlogij in Wladimir, gelang, das kirchliche Leben wiedererstehen zu lassen. Was es bedeuten kann für seinen Glauben einzustehen, weiß der 1981 in Moskau zum Priester geweihte Pater aus der Geschichte der eigenen Familie: Sein Großvater wurde 1931 erschossen, weil er sich offen und aktiv zu seiner Gemeinde bekannt hatte.

Erzbischof Tichon beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Erlangen

Während Jewlogij in Wladimir immer wieder hohe Vertreter aus Erlangen empfing, etwa die beiden Oberbürgermeister Siegfried Balleis und Florian Janik sowie seinen katholischen Amtsbruder, Erzbischof Ludwig, in all den Jahren aber nie nach Erlangen kam, nahm nun Tichon nach gerade einmal elf Monaten im Amt die Einladung der Erlanger russisch-orthodoxen Gemeinde an, die er seit gestern, nach dem Empfang im Rathaus und dem Eintrag ins Goldene Buch, begleitet von einer Delegation seiner Erzdiözese, noch bis Sonntag visitiert.

Erzbischof Mark übersetzt die Grußbotschaft von Erzbischof Tichon

Vorausgegangen ist dem Besuch ein mehrtägiger Aufenthalt in München bei seinem Amtsbruder Mark im Kloster des Heiligen Hiob von Potschajew, der seit 1982 als Erzbischof von Berlin und Deutschland der russisch-orthodoxen Kirche im Ausland fungiert und den Titel eines Archimandriten trägt.

Erzbischof Mark beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Erlangen

„Eine ganz besondere Ehre und Freude“ nannte denn auch Oberbürgermeister Florian Janik im Gespräch mit den Geistlichen diesen ersten Besuch eines so hohen Würdenträgers aus Wladimir. Freilich ganz im Geiste der Partnerschaft, denn seit Jahren pflegen die Katholiken der Rosenkranzgemeinde mit den Mitgliedern der Erzdiözese einen ausgesprochen einvernehmlichen Dialog, der besonders deutlich beim gemeinsamen Jugendaustausch zum Ausdruck kommt. Wichtig sei aber auch, wie Erlangens Stadtoberhaupt betonte, die enge wissenschaftliche Zusammenarbeit der Theologen und Religionswissenschaftler mit ihrer langen Tradition zwischen den Partnerstädten.

Die Delegation von Erzbischof Tichon mit Oberbürgermeister Florian Janik, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, Erzbischof Mark und den beiden Stadträten Martin Ogiermann und Jürgen Zeus (2. Reihe, zweiter und erster v.r.)

Da überrascht es dann kaum noch, wenn der Wladimirer Metropolit erklärt, bereits vor 40 Jahren zum ersten – und bisher letzten Mal – in Erlangen gewesen zu sein, um Fairy von Lilienfeld, von 1966 bis 1984 Inhaberin des Lehrstuhls für Geschichte und Theologie des christlichen Ostens an der Theologischen Fakultät der FAU, bei der Zusammenstellung einer Biographie russischer Bischöfe zu unterstützen. Später dann habe er auch noch die Evangelische Akademie in Tutzing besucht und an verschiedenen ökumenischen Konferenzen in Deutschland teilgenommen. Alles nun aber schon lange her. – Und sein 1941 in Chemnitz geborener und 1964 während seines Slawistikstudiums in Heidelberg zur Orthodoxie konvertierter Amtsbruder kennt Erlangen sogar schon seit 50 Jahren, als er hier an der Universität tätig war.

Florian Janik, Erzbischof Tichon, Erzbischof Mark, Elisabeth Preuß und Gemeindepfarrer Anatolij

Der Delegation, der auch eine Glöcknerin, ein Ikonenmaler und eine Textilkünstlerin angehören, nutzen den Aufenthalt, um mit der hiesigen Gemeinde in den spirituellen, kunsthandwerklichen und zwischenmenschlichen Dialog zu treten, und am Sonntag feiern beide Erzbischöfe in der russisch-orthodoxen Kirche, Stinzingstraße 20, um 9.30 Uhr einen Festgottesdienst, zu dem herzliche Einladung ergeht.

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Bürgermeisterin Elisabeth Preuß konnte gestern nicht wissen, wie passend sie das russische Sprichwort „Hab nicht hundert Rubel, sondern hundert Freunde“ bei der gestrigen Moderation des Empfangs zur Verleihung des Ehrenbriefs für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Städtepartnerschaften und Internationalen Beziehungen an María Elena Schaer und ihr San-Carlos-Engagement gewählt hatte. Ebensowenig konnte Gerhard Kreitz, Sprecher des Freundeskreises Wladimir, ahnen, an dem Abend gleich alle drei zu Bescherenden, die beiden Bürgermeisterinnen und den Partnerschaftsbeauftragten, anzutreffen, für die das so individuelle Geschenk vorgesehen war, das ihm Marina Trubizyna zur Verwahrung und späteren Überreichung bei ihrem Besuch Anfang des Monats hinterlassen hatte. Und schon gar nicht konnte Othmar Wiesenegger damit rechnen, ausgerechnet an diesem Abend gebeten zu werden, mit einer fremden Kamera Bilder von den drei Beschenkten zu machen.

Susanne Lender-Cassens, Peter Steger und Elisabeth Preuß

Wie auch immer: Zu einem gelungenen Geschenk gehört auch, den richtigen Zeitpunkt zur Überreichung zu wählen, die passende Stimmung zu treffen, das rechte Drumherum zu finden. All das hätte nicht besser gelingen können als gestern. Danke deshalb für die perfekte Überraschung.

Mehr zu Marina Trubizyna siehe: https://is.gd/ZaEi9O

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Am 26. September stand der Europäische Tag der Sprachen im Kalender, den der Euroklub Wladimir zu einer Konferenz mit Schülern und Studenten nutzte. Mit dabei auch Gäste aus Schweden, vor allem aber auch aus Jena, virtuell zugeschaltet. Da ging es dann mit den Freiwilligen zu wie im Turm zu Babylon, denn die Eurowerkstatt an der Saale bevölkern derzeit Jugendliche aus Spanien, Italien, Bulgarien, Frankreich und der Türkei sowie, selbstredend, aus Wladimir.

Alle Teilnehmer hatten die Möglichkeit, ihre Fremdsprachenkenntnisse zu erproben. Und es gelang! Es wurde auch Deutsch gesprochen, insbesondere wie zu unserer Online-Konferenz auch Austauschstudenten aus Erlangen kamen, die gerade ihren dreiwöchigen Austausch an der Universität beendeten. Im Ergebnis kamen wir alle zu dem Schluß, wir sollten den Dialog fortsetzen, um gemeinsam neue Projekte umzusetzen. Und natürlich interessierten sich alle für die Kultur und Tradition der altehrwürdigen Stadt Wladimir, die auch die zugeschalteten Jugendlichen einmal besuchen wollten. Wir bleiben im Dialog!

Obengenannte Austauschstudenten sind inzwischen wieder zu Hause und setzen ihre Ausbildung am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde fort, wenn sie nicht gerade fleißig an ihrem Bericht für den Blog schreiben. Unterdessen kamen aber zum Tag der Einheit auch wieder Wladimirer Freiwillige nach Erlangen. Eine schon langjährige, gute Tradition, zumal die Einheit Deutschlands ohne das fördernde Mitwirken der UdSSR nicht denkbar wäre. Man stelle sich – horribile dictu – nur einmal vor, was geschehen wäre, wenn die SED von der KPdSU grünes Licht für ihre Pläne zur Niederschlagung der Friedlichen Revolution erhalten hätte.

Iwan Nisowzew, Jewgenij Sacharjewitsch, Xenia Muchajewa, Elisabeth Preuß und Matthias Bettenhäuser

So wäre dann auch nie jenes Video vom WladJenaTeam entstanden, das Sie hier sehen können: https://is.gd/YmEqx6.

Erster Schnee in Wladimir, Taufe-des-Herrn-Kapelle

Und als Dreingabe noch eine Impression aus Wladimir, wo gestern der erste Schnee fiel.

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