Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Elisabeth Preuß’


Eigentlich hatte Elisabeth Preuß gestern beim Empfang für die Gaststudenten der Staatlichen Wladimirer Universität im Rathaus eine fünfköpfige Gruppe erwartet. Warum dann doch nur ein Trio kam, beantwortete Heinz Römermann, Leiter der Abteilung Russisch am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde (IFA), mit dem Hinweis, die beiden anderen seien im Rahmen eines Erasmus-Plus-Programms für ein ganzes Semester an die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) gekommen, gewissermaßen abgeworben, wie seine Kollegin, Oxana Löscher, ergänzte. Sollte sich da ein Wettbewerb um die künftigen Wladimirer Deutschlehrer abzeichnen, die dann doch wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten in anderen Berufen ihr Glück suchen?

Heinz Römermann, Elisabeth Preuß, Maria Agejewa, Wladislaw Anufrijenkow, Jelena Uwarowa und Oxana Löscher

So viele sind es ja nicht mehr. Die Zahlen derer, die in Wladimir Deutsch als Lehramt studieren, gehen zurück, keine zwanzig mehr sind es in einem Jahrgang. Damit wächst aber auch die Chance, in den Genuß des mittlerweile seit 31 Jahren bestehenden Austausches mit dem Partnerinstitut zu kommen und hier drei Wochen lang – vom 20. März bis 10. April – dank der Unterbringung in Gastfamilien nicht nur den Unterrichtsbetrieb mit Fächern wie Methodik des Übersetzens, Verhandlungsdolmetschen, Fachkunde Technik, Landeskunde, Grammatik oder Wortschatz und Idiomatik zu erleben, sondern auch Land und Leute kennenzulernen – mit selbstorganisierten Ausflügen nach München, Nürnberg, Bamberg… So lernt man am besten sprechen und verstehen, um eines Tages neue Brücken zwischen Deutschen und Russen zu bauen, von denen wir ja mehr denn je brauchen. Da ist es dann auch nicht mehr so wichtig, ob man seine Erfahrungen am IFA oder an der FAU macht und ob man später als Pädagoge oder was auch immer arbeitet. Hauptsache im Dienst der Verständigung.

Read Full Post »


Zum ersten Mal in Deutschland, zum ersten Mal in Erlangen, zum ersten Mal in der Redaktion der Lokalzeitung in der Partnerstadt. Auf diesen Termin hatten sich die Journalistinnen Karina Romanowa und Julia Kusnezowa nach der Podiumsdiskussion am Montagabend besonders gefreut. Weniger die eigene Arbeit erklären, als vielmehr sich mit Kollegen austauschen und erfahren, was eint und was trennt.

Karina Romanowa, Markus Hörath und Julia Kusnezowa

Schnell wird im Gespräch mit Markus Hörath, Redaktionsleiter der Erlanger Nachrichten, klar, da ist mehr was eint als trennt: der Schwund bei der Printausgabe, die zurückgehenden Werbeeinnahmen, der Kostendruck mit Auswirkungen auf die Personaldecke, die Orientierung auf das Internet. Aber auch ein fairer Umgang mit Politikern ohne Schongang, ein Vertrauensbasis mit der Leserschaft, eine emotionale Bindung an Stadt und Region.

Wjatscheslaw Kartuchin, Elisabeth Preuß, Julia Kusnezowa, Karina Romanowa und Amil Scharifow

Und: Man weiß viel zu wenig voneinander, sollte mehr die Möglichkeiten der Partnerschaften nutzen, um sich auch unter Journalisten besser kennenzulernen und vielleicht sogar das eine oder andere Material zwischen den Redaktionen auszutauschen. Denn, auch darin ist man sich einig, die völkerverbindenden Beziehungen zwischen Erlangen und Wladimir will man auch in Zukunft journalistisch begleiten, gerade auch vor dem Hintergrund der schwierigen geopolitischen Lage.

Julia Kusnezowa, Florian Janik, Karina Romanowa und Wjatscheslaw Kartuchin

Ganz im Sinne von Oberbürgermeister Florian Janik, der dritten Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und von Landrat Alexander Tritthart, die alle mit ihren je eigenen Worten den Wert der Kontakte betonen. Ganz nebenbei können die Gäste beim Besuch des Landratsamtes eine Besonderheit feststellen: Nirgendwo sonst in einem bayerischen Landkreis gibt es zwei deutsch-russische Städtepartnerschaften wie hier, das Paar Höchstadt an der Aisch mit Krasnogorsk und eben die Verbindung Erlangen-Wladimir.

Julia Kusnezowa, Alexander Tritthart und Karina Romanowa

Und noch etwas verbindet, von dem Christofer Zwanzig, Pressesprecher der Stadt Erlangen, berichtet. Es werde, so die übereinstimmende Auffassung, hier wie dort, immer schwieriger, komplexe Zusammenhänge und Entscheidungswege – etwa im Fall der Stadt-Umland-Bahn – angemessen zu vermitteln. Durch eine Vermischung von Fakten und Meinungen, besonders in den Sozialen Medien, komme es häufig rasch zu Verdrehungen der Sachverhalte, zu absichtlichen Entstellungen und oft auch zu offener Ablehnung, ohne sich mit dem Wesen der Sache beschäftigt zu haben. Leider wirke dann derlei Meinungsmache oft regelrecht ansteckend und untergrabe das Vertrauen in den Journalismus ebenso wie in Behörden und Institutionen.

Christofer Zwanzig, Julia Kusnezowa und Karina Romanowa

Wichtig ist den beiden aber: „Wir haben uns hier gleich wie zu Hause gefühlt, nicht wie Fremde.“ Und noch etwas freut sie: „In Erlangen scheinen die Politiker für Journalisten so zugänglich und offen zu sein.“ Spürbar schon am freien, unkontrollierten und unangemeldet möglichen Zugang zu Behördengebäuden ohne Wachpersonal. Vielleicht auch daher der Eindruck von Julia Kusnezowa und Karina Romanowa nach gerade einmal drei Tagen in Erlangen: „Es ist, als gingen hier für uns alle Türen von selbst auf.“

 

 

Read Full Post »


Um es vorwegzunehmen: Im Titel fehlt das Fragezeigen nicht von ungefähr. Die beiden Journalistinnen, Julia Kusnezowa und Karina Romanowa, sehen sich in ihrer Arbeit in keiner Weise eingeschränkt oder bevormundet und widersprechen damit gestern bei der abendlichen Podiumsveranstaltung im Club International all den Vorurteilen und Stereotypen, die man hierzulande so von der russischen Presse haben mag. „Kommen Sie zu uns nach Wladimir, und überzeugen Sie sich selbst davon, wie es bei uns zugeht“, lädt denn auch am Ende der zweistündigen Diskussion Julia Kusnzeowa das Publikum ein.

Georg Escher, Julia Kusnezowa, Peter Steger und Karina Romanowa

Aber beginnen wir beim Anfang, an dem das Forum „Prisma“ mit dem Thema „Medienfreiheit“ im November vergangenen Jahres stand, begleitet von Wolfgang Mayer, bei den Nürnberger Nachrichten vor seinem Ruhestand zuständig für den Bereich Wirtschaft. Auf seine Initiative hin sollte eine dreiköpfige Journalistengruppe (Nikolaj Liwschiz erkrankte leider am Tag vor der Abreise an Grippe und konnte die Einladung nicht annehmen) nach Erlangen kommen, um einen Fachaustausch aufzunehmen – und natürlich über die eigenen Arbeitsbedingungen und Auffassungen zum Beruf zu berichten. Und das gelang – der Reaktion des Publikums gemäß – vortrefflich.

Peter Gertenbach

Nach der kurzen Begrüßung durch Peter Gertenbach, an der Volkshochschule zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, übernahm Georg Escher von den Nürnberger Nachrichten und dort für die internationale Berichterstattung verantwortlich, die Moderation, wobei ihm seine Vertrautheit mit der russischen Politik und Medienlandschaft natürlich zum Vorteil gereichte, ohne seine Kenntnisse zu sehr in den Vordergrund zu spielen; vielmehr überließ der von manchen als „Putin-Versteher“ diskreditierte Gesprächsleiter viel Raum für Fragen aus dem vollbesetzten Saal, in dem ein dritter Gast aus der Partnerstadt saß, Wjatscheslaw Kartuchin, Leiter der Akademie für Wirtschaft und Verwaltung und Koordinator des Diskussionsforums „Prisma“ auf Wladimirer Seite.

Wjatscheslaw Kartuchin

„Wir sollten mehr nach dem suchen, was uns verbindet, als nach dem, was uns trennt“, lautete der Konsens im Vorgespräch. Doch im Laufe des Abends schälten sich dann doch gerade auch die Unterschiede zwischen dem Selbstverständnis von Presse hier wie dort heraus. Vereinfacht gesagt und an vielen Beispielen von beiden Journalistinnen belegt: Die russischen Medien, zumindest auf lokaler Ebene, begreifen sich als Vermittler von Nachrichten, die von möglichst vielen Seiten – seien es Fachleute, Politiker oder Menschen von der Straße bei Umfragen – ausgeleuchtet, aber nicht vom Reporter kommentiert und aus eigener Sicht beurteilt werden sollten. „Wenn ein Kommentar zur Nachricht benötigt wird“, so Julia Kusnezowa vom privaten Sender TV6, wo sie nicht nur moderiert, sondern auch als Chefredakteurin die Verantwortung für den Inhalt trägt, „haben wir schlecht berichtet.“ Eine Auffassung die Karina Romanowa von der Anstalt Gubernia33, ebenfalls Moderatorin, aber auch zuständig für die Pflege der immer wichtiger werdenden Homepage, nicht weniger apodiktisch bestätigt: „Das Publikum soll sich seine eigene Meinung bilden. Die Nachricht sollte für sich sprechen.“ Ein ganz anderer Ansatz als bei uns, wie Bürgermeisterin Elisabeth Preuß in einer Wortmeldung meint, denn ein Kommentar – etwa zum Auszug der AfD aus dem Bayerischen Landtag während der Rede von Charlotte Knobloch zum Holocaust-Gedenktag – könne möglicherweise zum Nachdenken anregen und das Bewußtsein für eine Problematik schärfen. „Nicht unsere Aufgabe“, betonen die beiden Russinnen, „denn Stellungnahmen anderer Politiker und weiterer Zeugen des Vorfalls, die wir in den Bericht einbauen würden, hätten genug Substanz, damit sich der Zuschauer eine eigene Meinung bilden kann.“ Vielleicht haben dabei die Gäste ja den vielzitierten „mündigen Medienkonsumenten“ im Sinn. Vielleicht trauen sie ihrem Publikum mehr zu, als die Medien das hierzulande tun. Und schließlich noch die Sentenz, die – nicht unerwartet – beim Kommentator Georg Escher Protest hervorruft: „Die eigene Meinung von Journalisten hat in den Nachrichten nichts zu suchen; dafür gibt es die Talkshows!“

Georg Escher

Und was ist mit der journalistischen Freiheit? Kein Problem für Karina Romanowa, auch wenn ihr Sender vom Gouvernement getragen und finanziert wird: „Die Politik mischt sich nicht in unsere redaktionelle Arbeit ein, solange wir gesetzeskonform handeln. Aufpassen müssen wir eher, im Wahlkampf wirklich alle Parteien paritätisch zu Wort kommen zu lassen, wenn wir nicht eine Anzeige von politischen Gegnern oder eine Rüge seitens der Medienaufsicht riskieren wollen.“ Und auch Julia Kusnezowa bestätigt: „Der Geschäftsmann mit Sitz in Moskau, dem die Holding gehört, von der wir in Wladimir ein kleinerer Teil sind, gibt uns umfassende reaktionelle Freiheit. Und überhaupt ist es so, je weiter von Moskau weg, desto weniger Begrenzungen.“ Möglicherweise hängt das auch mit einer weiteren Besonderheit zusammen: Die lokalen Medien verstehen sich als Vertreter ihres Publikums, nehmen deren Sorgen und Nöte auf, wissen, wo der Schuh drückt und transportieren die Probleme vor Ort gegebenfalls bis in die Pressekonferenz mit Präsident Wladimir Putin. Wie etwa im Fall einer Werkstatt für Blinde im Besitz eines Privatmanns, der Insolvenz anmeldete und damit die Belegschaft hätte auf die Straße setzen müssen. Auf Intervention der Presse setzte sich der Kreml dann aber erfolgreich für den Erhalt der Werkstatt in Wladimir ein. „Das macht uns froh und schenkt uns ein Erfolgserlebnis, denn so kommen wir unserem sozialen Auftrag nach, wenn wir die Behörden und Politiker vor Ort dazu bewegen können, das zu tun, was sie bisher zu tun versäumten“, schließt Karina Romanowa den Themenblock.

Julia Kusnezowa und Peter Steger

Gefahr für Leib und Leben? Eher nicht in Wladimir, aber ganz ungefährlich muß es deshalb auch nicht immer zugehen. Karina Romanowa erinnert einen Fall  bandenmäßigen Betrugs mit der Vermietung von Wohnungen an Illegale. Da kam es tatsächlich zu Morddrohungen gegenüber der investigativ arbeitenden Kollegin, die aber am Thema – freilich mit weiterer Unterstützung aus dem Team und unter Einschaltung der Polizei – dranblieb und ihre Recherche erfolgreich zu Ende führte. Die Bande wurde übrigens zerschlagen. Und zu Beginn ihrer TV-Karriere erlebte Julia Kusnezowa, die auch Vorträge zum Thema Journalistik anbietet und ihren Beruf mehr für eine Lebensform und weniger für eine Arbeit hält, etwas nicht minder Beängstigendes, als ihr ein junger Mann nachstellte und drohte, sie entführen zu wollen. Er litt wohl an einer gewissen Störung und ging auch schon bald der Polizei ins Netz.

Karina Romanowa

Eines ist klar: Der West-Ost-Dialog in Sachen Medien steht noch ganz am Anfang. Man weiß viel zu wenig voneinander. Aber immerhin werden die beiden Journalistinnen zu Hause von dieser so offenen und freundlichen Begegnung berichten und wohl auch eine Reportage zeigen, von der hier noch die Rede sein wird: Darüber, wie in Erlangen das Thema Müll und Recycling angepackt wird. Denn kaum eine Problematik ist derzeit dringlicher in Wladimir als die von wilden Deponien und unerwünschtem Abfall – vor allem aus der Region Moskau. Genug Stoff noch für die Zusammenarbeit der Partnerstädte.

Read Full Post »


Nachdem sich der erste Bericht eher auf den Transport bezog, nun etwas mehr Inhalt. Schließlich sind die Transportmittel ja auch (aber nicht nur) Mittel zum Zwecke des Ankommens an schönen Orten.

Das Erlangen-Haus hieß uns, wie immer, herzlich willkommen, Zimmer, Frühstück und persönliche Gespräche machten es wie immer zu einem echten Zuhause auf Zeit. Wir hatten uns drei Programmpunkte vorgenommen, Wladimir selbst, Susdal und Bogoljubowo.

Zum ersten Mal war Wolfgang dabei, der zwar schon zu einem sommerlichen Besuch bei meinem Vater in Nischnij Nowgorod war, aber noch nicht in Wladimir und schon gar nicht im Winter. Entsprechend hatte er Mores und investierte in gute Schuhe, war mit warmer Unterwäsche und mehreren Schals und Mützen gut ausgerüstet. Leider ließ uns der Winter arg im Stich, die Temperaturen schwankten um den Gefrierpunkt. Auch die Sonne blieb hinter den Wolken versteckt, der Schnee war also weiß, (abseits der Straßen), nicht aber gleißend, wie im winterlichen Sonnenschein. Eines lernten wir ob des Straßenschmutzes schnell, nämlich unsere Schuhe gut abzuklopfen, ehe wir irgendwo eintraten.

Die Kathedralen, das Heimatmuseum „Altes Wladimir“ im Wasserturm, eine Ausstellung mit Schülerbildern aus dem Leben von Alexander Solschenizyn und einige Spaziergänge eröffneten Wolfgang ein gutes Bild unserer Partnerstadt. Am Abend ging es ins Konzert zum Knabenchor von Eduard Markin, allen Freunden der Partnerschaft gut bekannt. Dort hatten wir ein Erlebnis der Sorte „Die Welt ist ein Dorf“, denn wir wurden von Gabor Nemenyi aus Nürnberg, einem Mitglied des Freundeskreises Wladimir, begrüßt, der mich erkannte.

Der Chor bot wie immer eine fantastische Leistung, so manches Lied verursachte uns Gänsehaut. Lieder aus unterschiedlichsten Zeiten, manche lustig, manche fast dramatisch, und immer mit Präzision und Sangesfreude dargeboten. Nach all den Jahren erkenne ich viele Gesichter wieder, die sich vom Jungen zum jungen Mann verändert haben. Ich hoffe, es werden sich auch weiterhin begabte Jungen finden, die vor dem sicher harten Probenplan, der Disziplin und den vielen Reisen nicht zurückschrecken. Nach dem Konzert waren es  übrigens Jungs wie alle anderen auch, die sich schubsten, ihre Mobiltelefone zückten und durcheinander redeten.

Mit unserem neuen Begleiter Gabor kamen wir ins Gespräch und beschlossen, den Abend im „Wiener Café“ ausklingen zu lassen. Zu uns gesellte sich dann noch Tatjana Kolesnikowa, eine Lehrerin des Erlangen-Hauses, und wir sprachen, wie so oft, über die Rätsel und unerwarteten Wendungen der deutschen Sprache. Der Unterschied von „Entspannen“ und „Erholen“ beispielsweise wurde diskutiert und auch, wie man denn eine Fremdsprache nahezu akzentfrei lernen könne.

Wladimir hat mit seinem Kathedralenplatz ein Zentrum, das für sich stehen kann und eigentlich keine weitere „Verzierung“ braucht. Der Blick geht vom Platz über den Anstieg zum Glockenturm der Mariä-Entschlafens-Kathedrale, dem fünfkuppligen Kirchenbau selbst und weiter in den Park.

Warum dort ein wohl 15m langer Schriftzug „I❤️Wladimir“ (sic!) stehen soll, versteht wohl keiner. Warum auf diesem Platz auch noch Karussells und Buden stehen müssen, erschließt sich ebenfalls nicht. Die Weniger-ist-mehr-Puristen in der Stadtverwaltung sind wohl in der Minderheit. So nutze ich am Abend einen vorbeifahrenden Bus, der den Schriftzug wohltuend verdeckte.

Susdal stand am nächsten Tag auf dem Programm. Der Bus brachte uns bis ins Zentrum dieser märchenhaften Kleinstadt, über deren weitläufiges Areal unzählige Kirchen und Klöster verteilt sind. Und gab es irgendwo eine Baulücke, so fügte sich immer noch eine kleine Kapelle hinein. Zum ersten Mal war ich auf eigene Faust dort. Wir konnten also selber bestimmen, wohin es ging und wie lange wir vor welchem Bild stehen und staunen wollten. Auch hatten wir uns den ganzen Tag Zeit genommen.

Wolfgang Schneck und Elisabeth Preuß

Wir begannen mit einer Schlittenfahrt, ein Fehler, denn danach waren die Füße kalt, für den Beginn des Erlaufens der Klöster gar nicht gut. Wir kehrten also erstmal ein, und bei heißem Tee und Piroggen wurde uns wieder warm.

Mit warmen Füßen ging’s dann in den Kreml, wo man zwischen  Billets für „draußen“ und „draußen und drinnen“ wählen kann. Wir nahmen letztere und wurden nicht nur mit dem Inneren der wunderbaren Kirche, sondern auch mit dem Museum belohnt. Dort gab es weltliche Exponate aus der Geschichte der Stadt, wunderbare, riesige Öfen mit Delfter Glasur, die von den alten Beziehungen zwischen Holland und dem Russischen Reich erzählen. Höhepunkt aber waren die Ikonen, einige über 500 Jahre alt und in sehr gutem Zustand.

Das Freilichtmuseum war das nächste Ziel, dann wieder Aufwärmen bei Soljanka, anschließend ein Gang zum Klosterkomplex, in dem Generalfeldmarschall Paulus interniert war. Allmählich wurde es dunkel, wir gingen zurück zum zentralen Marktplatz an den Arkaden und beobachteten die Händler beim Einräumen der Waren. Anfang Februar scheint für die Händler keine gute Zeit zu sein, denn an den Ständen war es den ganzen Tag sehr ruhig. Uns kam das entgegen, weil wir die Kirchen und Klöster im winterlichen Schnee ohne Menschenmassen genießen konnten, für die Händler aber sicher eine harte Zeit.

Unser dritter und schon letzter Tag sollte uns nach Bogoljubowo führen. Ich nahm morgens wieder eine Lektion Russisch bei meiner Lehrerin Natalia Dumnowa, mittags fuhren wir dann mit einem Linienbus für 22 Rubel pro Nase nach Bogoljubowo. Da der Vorort noch zu Wladimir gehört, gilt der normale Tarif, den man auch zahlt, wenn man nur eine Haltestelle z.B. zur Post, fahren möchte.

1158 gegründet, hat das Kloster wie alle kirchlichen Bauten hier eine bewegte Geschichte, hat die Sowjetzeiten aber glücklicherweise als Museum und nicht, wie die Kathedrale in Nischnij Nowgorod, als Fischhalle überlebt. Seit ca. 30 Jahren ist es wieder Kloster und wird von Nonnen bewohnt, die in der Kirche z.B. Kerzen verkaufen und einen kleinen Souvenirladen betreiben. Da es sich nicht um ein Museum, sondern um ein aktives Kloster handelt, nimmt man keinen Eintritt. Es wird aber von den Besuchern selbstverständlich erwartet, den sakralen Charakter des Ortes zu respektieren und sich entsprechend zu verhalten, So ist es unerwünscht, die Nonnen anzusprechen, wenn sie nicht im Verkauf tätig sind.

Nach der Besichtigung ging es dann auf den ca. eineinhalb km langen Weg zum Kirchlein an der Nerl, ein Erlebnis, das zu jeder Jahreszeit beeindruckend ist. Wenn man, so wie wir, eine  Schneelandschaft vor sich hat, mit blütenweißem Schnee, der Weg nahezu verlassen, kontemplativ das Ziel dauernd vor Augen, sich Schritt für Schritt nähernd, dann ist das ein wahres Geschenk. Ich hoffe, diese kleine Wanderung noch oft machen zu können!

Und so war auch diese Reise wieder zu kurz, um all das sehen zu können, was noch zu sehen gewesen wäre. Weder Langlaufen im „Park der Freundschaft“, noch eine Fahrt im Riesenrad, noch die Gemäldegalerie im Landesmuseum konnten wir zeitlich unterbringen. Auch haben wir viele liebe Freunde nicht getroffen. All dies dann beim nächsten Mal!

Elisabeth Preuß

Read Full Post »


Nach der vorhergehenden, drei Tage währenden Anreise nach Wladimir mit SWISS kehrte ich am Donnerstag vergangener Woche reumütig zu Aeroflot zurück, die uns auch pünktlich und sicher nach Moskau brachte. Es gibt nichts zu berichten, außer: Es klappte alles. Mein langbeiniger Mann durfte sogar ohne Aufpreis einen Platz mit mehr Beinfreiheit besetzen. Ich kann Aeroflot nur empfehlen, auch das elektronische Einchecken am Tag vorher war einfach.

Insgesamt ist der russische öffentliche (Nah-)Verkehr in klar und gut geregelt, auch Nichtsprachkundige können problemlos die Automaten bedienen. Der Automat für den Flughafenexpress rät Pärchen unaufgefordert gleich dazu, zwei Karten in einem Vorgang zu kaufen, 850 statt 1.000 Rubel, auf Hin- und Rückweg gerechnet, macht das schon wieder einen Cappuccino aus.

Es werden sogar Antworten auf Fragen gegeben, die man gar nicht gestellt hat, die aber gestellt hätten werden können:

So leuchtet uns beim Automat des „Aeroexpress“ folgendes entgegen, wenn man sich anschickt, einen 1.000-Rubelschein einzuführen: „Ja, der Automat gibt Wechselgeld heraus.“

Das beruhigt, und wenn dann die 150 Rubel auch nicht in den schweren 10-Rubelmünzen, sondern als drei Scheine im Ausgabefach liegen, freut man sich doppelt. Bei der Deutschen Post soll es ja immer noch Restgeld in Briefmarken geben…

Ein Verbundfahrschein für Metro, Tram, Bus, Oberleitungsbus und S-Bahn

In der Metro dasselbe: Automaten in sehr einfacher Sprache und klarem Design. In der U-Bahn dann ein Bild, wie wir es aus allen Transportmitteln in aller Welt kennen: Alle schauen auf ihr Mobiltelefon. Alle? Nein! Eine unbeugsame Moskowiterin löst Kreuzworträtsel auf Papier, das aus Sowjetzeiten zu stammen scheint.

Für die Züge zwischen Moskau und Wladimir gilt das oben Gesagte: Schon zu Hause kann man die Fahrkarten bequem ausdrucken, zu jedem Ticket gehört selbstverständlich ein Sitzplatz. Die Wagen halten am Bahnhof an einem fixen Punkt, weshalb auch jeder genau dort steht, wo sein Waggon tatsächlich zum Stehen kommt. Im Zug werden heißer Tee, Plätzchen etc. an den Platz gebracht. Stauraum für Gepäck ist reichlich vorhanden. Nach jedem Zustieg wird der Boden gewischt, was im Winter auch notwendig ist.

Alles verläuft in Ruhe, und egal ob auf Fahrten von Moskau nach Wladimir oder zwischen Wladimir und Nischnij Nowgorod: Niemals habe ich Gedrängel oder eine „angezeigte, geänderte Wagenreihung“ erlebt.

Auf der DB-Rückfahrt von Frankfurt nach Erlangen am Montag dann das krasse Gegenteil: In Frankfurt Hauptbahnhof drängte eine große Menge in den schon vollen Zug. Zwei Probleme trafen aufeinander: Der Zug war nur halb so lang, wie er sein sollte, und viele Reisende fuhren ohne Reservierung.

Die Dringlichkeit und Dramatik der Durchsagen steigerte sich von: „Wir bitten unsere Kunden, freiwillig auszusteigen“ (was keiner machte) über: „Wir bitten Sie, freiwillig auszusteigen, sonst kann der Zug nicht losfahren, weil wir für Ihre Sicherheit nicht garantieren können“ (keiner rührte sich) über „Jeder Kunde, der aussteigt, erhält im Kundenzentrum einen Gutschein über 25 Euro“ (jetzt kam Bewegung in die Sache). Der Höhepunkt war aber: „Wenn jetzt nicht ausreichend viele Kunden den Zug freiwillig verlassen, dann wird er von der Polizei geräumt.“ Irgendwann ging es dann los, mit großer Verspätung natürlich. Die Reisenden solidarisierten sich, kamen ins Gespräch, und jeder hatte eine Geschichte zu erzählen. Da konnte ich dank RZD (Russische Eisenbahn) gut mithalten…

Auch wenn in Stoßzeiten die Busse in Wladimir manchmal überfüllt sind, läuft der Nahverkehr recht gut. Viele Busse stammen nach wie vor noch aus Deutschland. „Wagen hält“, das weckt heimatliche Gefühle. Altersschwäche wird durch Ausgestaltung mit Plakaten oder Plüschtieren wettgemacht. Die Lage des Erlangen-Hauses ist ideal, in und aus der Innenstadt führen viele Linien, weshalb man nie auf einen Fahrplan schauen braucht. Ob es einen gibt, weiß ich gar nicht.

15 Minuten zu Fuß vom Erlangen-Haus entfernt liegt der Busbahnhof, von wo es nach Susdal, Alexandrow, Murom oder in andere Städte geht. Nach Susdal fährt alle 30 Minuten ein Bus. Man wird, einmal eingestiegen, sogleich als Tourist erkannt und erhält (sicherlich) gute Ratschläge, die ich nicht verstehe und wegen meiner immer noch rudimentären Sprachkenntnisse nur mit „спасибо“ beantworten kann.

Marschrutkas schließlich, kleinere Busse, haben ein ganz eigenes Geldsystem: Der Fahrer hat meist einen Besteckkasten, wo er das Geld offen liegen hat. In meinem Fall wies er mir den Platz neben sich zu, im Winter oft der einzige Platz mit Aussicht, da wegen des wässrigen Schlammes aus den Straßen die seitlichen Scheiben fast undurchsichtig sind.

Das ist nicht nur schade, sondern erschwert auch bei den regulären Stadtbussen das richtige Aussteigen erheblich, wenn man sich die Namen der Haltestellen nicht eingeprägt hat. Von Vorteil ist hier die Durchsage der kommenden und der nächsten Haltestelle, wodurch man weiß, wann man auszusteigen hat.

Und die Moral von der Geschicht: Im öffentlichen Verkehr lernt man Land und Leute kennen!

Elisabeth Preuß

Read Full Post »


Was am Ende des Jahres herausgreifen, das stellvertretend für all die ungezählten Begegnungen in den zurückliegenden 365 Tagen zwischen Erlangen und Wladimir stehen könnte? Jede Wahl kann da doch nur willkürlich sein. Als besonders symbolisch für die enge Verbindung zwischen den Partnerstädten darf man aber zweifelsohne die Spendenaktion für die Reparatur des Tourneebusses von Igor Besotosnyj ansehen. Von den letzten Gastspielen mit dem dank der Unterstützung aus Erlangen wieder flotten Fahrzeug wohlbehalten nach Wladimir zurückgekehrt, schickte der Musiker nun ein Bild von sich und dem Spielzeugbus, den ihm Bürgermeisterin Elisabeth Preuß am 17. Dezember beim Auftaktkonzert überreicht hatte. Siehe: https://is.gd/rhKHMu – und die Vorgeschichte ist hier nachzulesen: https://is.gd/glDQmm

Igor 16

Igor Besotosnyj

35 Jahre Städtepartnerschaft mit einem ganzen Reigen von Veranstaltungen gehen heute zu Ende und versprechen für die Zukunft noch viel mehr Austausch, wohl auch in die Pflicht genommen von den Erlanger Nachrichten, die am 6. Dezember in ihrer Kritik des Festkonzertes in Herz Jesu mit dem Kammerchor Wladimir schrieben:

Sabine Kreimendahl und Tatjana Grin nach dem Festkonzert am 3. Dezember 2018

Welch’ ein Chor, welch’ ein Fest, welch’ eine Partnerschaft! Das bindet, das macht dankbar gegenüber allen Initiatoren und Helfern dieser Partnerschaft. Es ruft in die Pflicht, sich für diese Verbindung zwischen Erlangen und Wladimir einzusetzen. Das ist mehr als Eurovision, das ist humanistische Weltvision!

Dmitrij Tichonow, Eberhard Keilhack, Werner Heider, Dietmar Hahlweg und Alexander Tichonow nach dem Partnerschaftskonzert am 18. März 2018

Diese „humanistische Weltvision“ bewegte Dietmar Hahlweg vor 35 Jahren, in Zeiten des Kalten Krieges, die Versöhnung und Verständigung mit der Sowjetunion zu suchen. Er darf und soll sich heute, an seinem Geburtstag, darüber freuen, wie gut ihm und all jenen, die in seinem Geist handelten und bis heute wirken, dieses Friedenswerk gelungen ist. Ausdruck dafür ist sicher auch die Auszeichnung des vom Altoberbürgermeister inspirierten Gesprächsforums „Prisma“ und des „Wladimir-Blogs“ durch die Außenminister Heiko Maas und Sergej Lawrow am 17. September in Berlin.

Vor zwei Jahren schloß die Friedens-Apotheke aus Kundenmangel. Eingezogen in die Räume ist mittlerweile die Jugendkunstschule. Doch der erste Teil des Namenszugs blieb erhalten. Wer wohl die Idee dazu hatte? Preiswürdig und aller Ehren wert ist der Einfall ganz sicher – und das beste aller denkbaren Motive für den Jahresausklang und den Auftakt ins Neue Jahr. Dazu noch eine Erinnerung. Als im Juli 2016 zwei Jungs der U-14-Mannschaft von Torpedo Wladimir beim Partnerschaftsturnier an Masern erkrankten, wurden sie zunächst am Kinderklinikum behandelt und mit einem Rezept bedacht. Mit ihrer Betreuerin wollten sie dann die verschriebene Arznei in der Friedens-Apotheke kaufen. Doch als man dort erfuhr, die jungen Kunden seien aus Wladimir, hieß es: „Wenn die Kinder aus der Partnerstadt sind, gibt es die Medikamente umsonst.“

Mit Blick auf dieses Haus also allen Menschen – nicht nur in Erlangen und Wladimir sowie in all unseren Partnerstädten – ein friedliches und gesundes Neues Jahr.

Read Full Post »


Seit 29 Jahren kommt Igor Besotosnyj – alle Jahre wieder – aus Wladimir nach Erlangen, vorzugsweise im Advent. Eine beispiellose Geschichte der partnerschaftlichen Treue, die 1989 bei der „Woche der Russischen Küche“ ihren Anfang genommen hatte.

Elisabeth Preuß mit Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow, gesehen von Georg Kaczmarek

Nun ist es wieder so weit: Am vergangenen Freitag stand sein Ensemble auf der Bühne des Gemeindehauses St. Xystus und nahm aus den Händen von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß einen Matchbox-Kleinbus entgegen, eine Erinnerung an die Panne vor einem Jahr mit dem eigenen Fahrzeug auf dem Rückweg nach Wladimir. Eine rührende Geste mit den besten Wünschen für die Heimreise Ende dieser Woche.

Swetlana und Olga Besotosnaja

Doch bis dahin sind noch einige Konzerte zu geben, vor allem morgen, am Dienstag, den 18. Dezember, um 19.30 Uhr im Gemeindehaus St. Sebald – mit der Sängerin und Violinistin, Swetlana Besotosnaja, die alleine mit dem Flugzeug angereist war.

George Mills und Dorothee Lotsch mit der kleinen Warwara im Publikum

Alleine? Nicht ganz. Im Vorjahr hatte sie eine Babypause eingelegt und Erlangen nicht besucht, nun ist sie mit der kleinen Warwara auf Gastspielreise. Ob Igor Besotosnyjs Enkelin eines Tages auch musiziert, wird sich weisen; in jedem Fall haben wir mit ihr schon die dritte Generation seiner Familie im Austausch zwischen Erlangen und Wladimir.

Dorothee Lotsch

Unverzichtbar bei der Tournee, die Sängerin und Alexandra-Interpretin, Dorothee Lotsch, die nicht nur mitreißend – sogar auf Russisch! – zu singen versteht, sondern für das Quartett auch Konzerte in Südbayern organisiert. Alles ehrenamtlich!

George Mills und Igor Besotosnyj

Als Gastsänger darf auch George Mills mit zwei russischen Volksliedern nicht fehlen. Nicht immer ganz textsicher, aber mit einer Stimme, die tatsächlich auch gar keine Worte braucht. Ganz sicher freilich jemand, der wie nur wenige mit seiner ganzen Person für die Völkerverständigung steht: ein Amerikaner, der in Erlangen mit einer russischen Seele lebt.

Swetlana Besotosnaja

Eine kurze Bemerkung zumindest zur Musik: Das Ensemble präsentiert ein komplett neues Programm aus Klassik und traditionellen Weisen, interpretiert auf Instrumenten der russischen Folklore, Balalaika, Domra und Bajan, ergänzt bei manchen Stücken durch Violine und alle – man kann es nicht anders sagen – in virtuoser Ausführung. Ein besonderes Juwel bringt dabei Swetlana Besotosnaja mit dem „Russischen Tanz“ aus dem „Schwanensee“ zum Funkeln, begleitet nur vom stillen Rieseln des Schnees. Vorweihnachtliche Atmosphäre, wie sie nicht schöner zu wünschen ist.

Ernst Stäblein vor dem Wunschbaum mit Igor Besotosnyj und seinem Ensemble: Swetlana und Olga Besotosnaja sowie Alexander Schaposchnikow

Zeit, auch Ernst Stäblein Dank zu sagen, der seit 2014 für das Kammerensemble aus Wladimir die Bühne auf der Waldweihnacht reserviert. Wo so viele, zu denen mindestens auch Sibylle Flepsen und Leonhard Hirl, das Orga-Paar des Konzerts in St. Xystus gehört, zusammenwirken, da gelingt die Partnerschaft, da lebt ihr Geist. Nicht nur im Winter, wenn es schneit…

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: