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Posts Tagged ‘Elisabeth Preuß’


Die Nabelschau ist so eine Sache; über Gebühr lange sollte man sich nicht mit ihr aufhalten, sonst ist man für andere nicht mehr auszuhalten. Aber diese magische Zahl von einer Million Zugriffen auf den Blog hat eben doch die eine oder andere Reaktion hervorgerufen, von denen einige hier zitiert werden sollen.

Hans Gruß in einer Wladimirer Apotheke

Bereits am 19. Juni schrieb Hans Gruß:

Lieber Peter, morgen vormittag müßte ein kleines Feuerwerk vom Rathaus ausgehen. Dein einmillionster Blogaufruf wird ganz sicher kommen. Herzlichen Glückwunsch dazu und viel Kraft für die zukünftigen Blogs.

Susanne Lender-Cassens beim Russischen Abend 2018

Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens gratulierte per Facebook:

Danke für diese unermüdliche Direktleitung zu und in unsere Partnerstadt Wladimir. 1 Mio mal geklickt… Wow!

Elisabeth Preuß und Michail Mojsejantschik

Ihre Kollegin, Elisabeth Preuß, schickte dann folgende Rezension:

Ich wäre so gerne Millionär…

….müssen so manche singen, Peter Steger aber ist es. Irgendwann in der vergangenen Nacht war es so weit: Einer der Klicks auf den Blog war der einmillionste! Nie werden wir erfahren, ob es einer der vielen täglichen Leser war, die keine der reich bebilderten, geschliffenen Texte verpassen, ob es jemand war, der im Rahmen der WM auf russischen Wegen im Internet wandelt und zufällig darauf stieß, ob Schlaflosigkeit oder Informationshunger über unsere Partnerstadt der Grund für den einmillionsten Klick waren.

Eines ist jedenfalls sicher: Das Niveau der Artikel stünde mancher Zeitung gut an, es wird nicht gehetzt, nicht gelogen und nicht geneidet. Informationen sind wohl recherchiert, auch die „Stimme der anderen“ kommt zu Wort, Quellen sind sauber angegeben, Wladimir wird uns in seiner ganzen Vielfalt dargeboten, alle Lebensbereiche finden Eingang in den Blog.

Kurz: Wer diesen Blog regelmäßig liest, kennt nicht nur das „who is who“ der Partnerschaft, sondern auch die wichtigen Meilensteine dieser 35jährigen Erfolgsgeschichte.

Ein anderer Aspekt soll aber auch noch zu Wort kommen: Redaktion, Archiv, Recherche, das Schreiben, Bebildern und Online-Setzen – all das wird ehrenamtlich gemacht und das mit Freude, wie ich aus gelegentlichen Begegnungen mit dem Blog-Redakteur bezeugen kann.

Lieber Peter, von Herzen спасибо für diesen Blog, der sicher nicht nur mein Frühstück jeden Tag mit einem Happen Rußland garniert.

Hermann Proksch

Ein Glückwunschschreiben kam schließlich gestern auch noch aus Höchstadt, von Hannelore und Hermann Proksch:

Mach weiter so ehrgeizig und informativ in Deiner Berichterstattung, wir freuen uns täglich auf Informationen aus Wladimir.

Wiktor Malygin (rechts im Bild) in Egglofstein

Da darf natürlich auch Wladimir selbst nicht hintan stehen, und so schreibt Wiktor Malygin:

Gratulation zur ersten Million! Das gehört ins Guinness-Buch der Rekorde.

Igor Tschernoglasow

Und Igor Tschernoglasow, Vorsitzender des Kunstvereins der Region Wladimir und Mitglied im Vorstand des Erlangen-Hauses, grüßt im Namen seines Verbandes von allen Mitgliedern.

Blog 7

Zu schön, um es nicht zu zeigen: Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl, gesehen von Sergej Skuratow

Nun aber genug der Nabelschau, werfen wir noch einen letzten Blick zurück auf den 27. September 2008, als alles noch so zaghaft und bescheiden begann mit dem Eintrag https://is.gd/jUf407 – und richten wir die Augen auf die zweite Million. Bleiben Sie also Ihrer Partnerschaft und Ihrem Blog gewogen, sonst wird das nichts. Denn das eine wie das andere sind für Sie geschaffen und werden durch Sie geschaffen.

Zugabe für alle, die noch dran sind, quasi als Kommentar zum Skuratow-Bild, eine Meditation von Anatolij Gawrilow, dem Wladimirer Großmeister der Kurzprosa:

Alles muß von Rauch überzogen sein. Keine Landschaften, Menschen, Philosophien, Klänge. Nichts darf auf etwas anderem bestehen. Rauch im Lauf einer unbestimmten Zeit. Dunst allein, Brodem und Geheul.

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Zum festlichen Empfang in den Bayrischen Hof in München hatte am Mittwoch Generalkonsul Sergej Ganscha geladen, um zum einen den russischen Nationalfeiertag und zum anderen den Beginn der Fußball WM zu begehen. Die Gäste strömten noch mehr als im letzten Jahr.

Geladen war nicht nur das diplomatische Corps, sondern auch Unternehmen mit russischen Geschäftspartnern haben und Kommunen, die in Bayern Partnerschaften mit russischen Kommunen pflegen. Bei allen Unwägbarkeiten und Turbulenzen in der großen Politik wurde auch an diesem Tag mehr als deutlich, wie zahlreich die Fäden zwischen unseren beiden Ländern gewoben sind, die es wert sind, gehalten und gestärkt zu werden. Aus Geschäftspartnern sind vielfach Freunde geworden, den Städtepartnerschaften, auch der unseren mit Wladimir, entsprang so manche Ehe. Schon mit Blick auf diese Familien, die zwei Heimaten haben (in diesem Zusammenhang ist der Plural angebracht), sollte auch in Zeiten von Differenzen zwischen Regierungen die Zivilgesellschaft weiter im Gespräch und im Austausch bleiben.

Elisabeth Preuß und Sergej Ganscha, Bild vom Vorjahr

Da ich wegen eines Folgetermins leide nur sehr kurz bleiben konnte, ist mein Eindruck nur eine Momentaufnahme dieses sicher zweistündigen Empfanges, meine Atmosphäre-Sensoren meldeten mir aber eine freundschaftliche Stimmung unter den Teilnehmern. Auch mein Gesprächswunsch mit der Visa-Abteilung fiel dem Zeitdiktat, vielmehr der Abfahrt des ICE zum Opfer, denn nach wie vor ist es mein ganz großer Wunsch, von der russischen Botschaft in Berlin auch sehr wohlwollend begleitet, dass die Visa-Verfahren für Besuche in die Partnerstadt von beiden Seiten möglichst unkompliziert bearbeitet werden – und natürlich kostenlos!

Fazit: Glücklicherweise unterbindet das wechselseitige Embargo nicht gewachsene Kontakte und Freundschaften!

Bürgermeisterin Elisabeth Preuß

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Gestern verstarb im Alter von 95 Jahren Pawel Mochow, der sich im Juni 1941 freiwillig zur Roten Armee gemeldet hatte und nach Abschluß der zweijährigen Panzerfahrerausbildung an die Front ging. Vielfach dekoriert nahm der spätere Oberst an der Befreiung der Ukraine, Polens und der Tschechoslowakei teil. Den Sieg über die Wehrmacht erlebte er, verwundet, in Prag. Geboren 1923 in der Region Rjasan, diente Iwan Mochow noch in Rumänien, Moldawien, Moskau, Alma-Ata, am Aralsee und Bajkonur, bevor er sich 1970 in Wladimir niederließ und hier seinen Ruhestand genoß.

Iwan Mochow und Wolfgang Morell am 22. Juni 2011

1991 übernahm Pawel Mochow die Leitung des Wladimirer Veteranenvereins im Stadtteil Leninskij, 2005 wählte man ihn zum Vorsitzenden des Verbands der Frontkämpfer. Er war einer, die das Erinnern an die Schrecken des Krieges wachhielt – im Gespräch mit der jungen Generation und im Austausch mit den einstigen Feinden, den Veteranen aus Erlangen.

Wolfgang Morell, Iwan Mochow, Sergej Sacharow, Andrej Schochin, Nikolaj Schtschelkonogow und Elisabeth Preuß am 22. Juni 2011 auf dem Platz des Sieges

Ob öffentlich auf dem Platz des Sieges oder im privaten Gespräch, Pawel Mochow streckte den Deutschen immer die Hand zur Versöhnung aus und wünschte sich ein enges Bündnis zwischen beiden Ländern, um gemeinsam gegen die Vormacht der USA bestehen zu können. Auch wenn diese Hoffnung zu seinen Lebzeiten nicht mehr in Erfüllung ging, hat sich der Veteran in vorderster Front große Verdienste um die Verständigung zwischen Russen und Deutschen erworben. Wenn Wladimir morgen in der Kasaner Kirche auf dem Platz des Sieges von dem einstigen Rotarmisten Abschied nimmt, trauern mit den Angehörigen auch seine Freunde in Erlangen.

 

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Neben dem täglichen Unterricht, den dazu gehörigen Hausaufgaben und dem Büffeln von Vokabeln (mein Gehirn gewöhnt sich tatsächlich wieder daran) gibt es mit zahlreichen Freunden und Partnern auch Gespräche zur aktuellen Situation, sowohl zur politischen Großwetterlage, als auch zum fast wöchentlichen Austausch zwischen unseren beiden Städten.

Dieser Blog, der meiner Meinung nach gar nicht genügend gewürdigt werden kann in einer Zeit, wo es immer schwieriger wird, Wahrheit und Nicht-Wahrheit (sollte man nicht besser ehrlich sein, und „Lüge“ sagen) zu unterscheiden, ist der lebende Beweis dafür, daß es zwischen Russen und Deutschen herzliche Beziehungen gibt, Menschen einander gerne und unkompliziert kennenlernen, Kultur und Sport, Pädagogik und Politik einander auf Augenhöhe begegnen.

WIRD Zeichen der Hoffnung: Wiederaufbau der Freitagskirche

Und vor allem ist er Beweis dafür, daß viele dieser Begegnungen keine Eintagsfliegen sind, sondern daß neben dem Jubiläum der Städtepartnerschaft auch viele einzelne Jubiläen gefeiert werden können, sei es im Sport, im Schüleraustausch oder in der Kultur.

Wie ein roter Faden zieht sich die Erkenntnis durch diese abendlichen Gespräche, wie wichtig in diesen Zeiten die Begegnung auf Ebene der Städte ist. Mehr noch, alle Gesprächspartner wünschen sich ein noch mehr, noch mehr persönliche Erfahrung, noch mehr Erlanger und Wladimirer, die bisher noch nicht am Austausch beteiligt waren.

Dieser Wunsch wurde auch von den beiden Außenministern, Sergej Lawrow und Sigmar Gabriel, geäußert, die 2017 anläßlich einer Konferenz in Krasnodar ganz offen sagten, die „große Politik“ schiffe derzeit durch rauhe See und daher sei die kommunale Ebene quasi für das Aufrechterhalten funktionierender Strukturen des zivilgesellschaftlichen Austausches verantwortlich.

BLEIBT Zeichen der Hoffnung: das Erlangen-Haus

Auch in Wladimir blickt man mit Sorge auf die rauhe See der schwierigen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern.

Ein Gesprächspartner sagte, er schaue schon seit langem keine Nachrichten mehr, sondern konzentriere sich auf das, was ihn und die Stadt weiterbringt, nämlich „einfach machen“: Deutsch lernen, die Kinder zum Schüleraustausch schicken, Sportaustausch unterstützen, beruflichen Austausch aufnehmen, persönliche Freundschaften pflegen.

Ein anderer, gerade mit Blick auf die täglichen Nachrichten, forderte mich und damit die Stadt Erlangen auf, überregional zu zeigen, wie einvernehmlich, produktiv und problemlos auf der operativen und persönlichen Ebene zusammengearbeitet werde.

Ein weiterer schließlich, Deutscher und Geschäftsführer eines in Wladimir ansässigen großen Unternehmens, argumentierte ganz ähnlich, aber von der Wirtschaftsseite her: Als Unternehmer und gesellschaftlich aktiver Bürger Wladimirs ist er Gast bei den Treffen des Petersburger Dialogs, bei Empfängen der deutschen Botschaft und natürlich bei vielen geschäftlichen Terminen. Auch er war sehr besorgt und frage sich, ob der großen Politik immer bewußt sei, wie viel droht, kaputt zu gehen, und ob die Konsequenzen, auch die in der dritten oder vierten Reihe, immer absehbar sind.

Gemeinsam ist allen Gesprächspartnern, daß sie intime Kenner der Situation hier vor Ort sind, daß sie sich täglich mit dem Flechten des Beziehungsnetzwerkes zwischen unseren Städten und Ländern befassen, daß sie sehen, was alles aufgebaut wurde und gut läuft, daß sie unzählige persönliche Beziehungen zu den Menschen in beiden Städten unterhalten. Es wurde zwar nicht so offen ausgesprochen, aber zwischen den Zeilen schwang die Angst mit, die Konsequenzen dessen, was derzeit zwischen unseren Staaten geschehe, könnten fürchterlich sein und Folgen haben, wie sie sich kein vernünftiger Mensch wünschen kann. Unberechenbare Staatschefs auf beiden Seiten des großen Teiches tragen nicht eben dazu bei, diese Befürchtungen zu mindern.

Mit Blick auf die Erfahrungen zwischen den früheren beiden deutschen Staaten, auf die Jahre der Annäherung zwischen uns, auf die Jahre des Aufbaus der Freundschaft zwischen Erlangen und Wladimir, heißt das für mich als Bürgermeisterin: Diese Städtepartnerschaft hat höchste Priorität in meinem Arbeitsalltag, jede zusätzliche deutsche Hand, die eine russische drückt, ist ein neuer Knoten im Geflecht zwischen unseren Ländern und macht das Miteinander stabiler.

Daher: дружба!

Elisabeth Preuß

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Vielen Erlangern ist er seit Jahren bekannt: Der Virtuose auf der Balalaika, Igor Besotosnyj und sein Kammerensemble. Balalaika, Domra, Bajan und Geige verzaubern mit Werken der Klassik ebenso wie mit traditionellen russischen Werken. Seine Tourneen haben ihn weit über Erlangen hinaus geführt, bis nach Berlin oder ins gar nicht so weit entfernte, doch vielen Erlangen unbekannte Schloss Ratibor in Roth.

Am Erlanger Weihnachtsmarkt ist er fester Bestandteil, viele begeisterte Anhänger pilgern in Erlangen zu jedem der Konzerte des Quartetts. Die weite Reise macht das Ensemble jeweils im Kleinbus, was auch den Transport zwischen den Aufführungsorten in  Deutschland gewährleistet.

Wie der Blog berichtete, wäre die Reise im letzten Winter fast zur letzten geworden, denn das altgediente, aber ebenso altersschwache Getriebe kündigte den Dienst auf.

Elske 11

Igor Besotosnyj und Elisabeth Preuß

Die Blog-Redaktion rief zu Spenden auf, auch während der „Russisch-Deutschen Wochen“ wurde gesammelt, und nun ist der Bus „wie neu“, so Igor heute auf einer Spritztour durch Wladimir. Allen Spendern sei herzlich gedankt. Wieder einmal hat sich gezeigt, wie haltbar und handlungsfähig unsere Partnerschaft ist. Wieder einmal wurde deutlich, dass die 35 Jahre uns zu Freunden gemacht haben. Und Freunde helfen einander, wenn Not am Mann ist!

Gestern abend fuhr Igor am Erlangen-Haus vor und lud mich zu einem gemeinsamen Abend ein. Es wurde ein Abend mit veränderten Vorzeichen. Bislang saß ich als begeisterte Zuhörerin im Publikum – und Igor Besotosnyj auf der Bühne. Heute saßen wir beide im Zuschauerraum, am Dirigentenpult stand Artjom Markin, der sein Blasorchester durch viele Stücke der Filmmusik und russische Lieder führte. Verschiedene Soli, von Piccolo-Flöte über Fagott und Trompete bis zu Glockenspiel und Sopran ließen wieder einmal die besondere Qualität der Wladimirer Musikschulen erleben. Auch das Orchester spielte brillant und präzise, das Publikum sparte auch nicht mit Bravo-Rufen.

Damit ich dann aber doch noch die Balalaika hören kann, bin ich in der kommenden Woche zu Gast bei einer Probe des Kammerorchesters in der Philharmonie. Darauf freue ich mich riesig!

Elisabeth Preuß

Anmerkung: Es kamen insgesamt 2.500 Euro an Spenden zusammen. Somit konnte Igor Besotosnyj seinen VW-Bus Anfang März in Dresden abholen und brauchte nur noch 1.000 Euro aus der eigenen Tasche für die aufwendige Reparatur zu bezahlen. Danke nochmals an alle, die dem Spendenaufruf so großzügig folgten. Hier geht nochmals zurück in jene Dezembertage, als die Pannenaktion in ihren Anfang nahm: https://is.gd/IGzB3N

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Kemerowo ist überall, die Menschen in Wladimir trauern mit den Angehörigen und Freunden der Opfer der Brandkatastrophe vom Wochenende.

Ein Kerze für Kemerowo

Familien, Kinder und Freundeskreise, die in dem Freizeitzentrum einige vergnügliche Stunden verbringen wollten, die zu Geburtstagsfeiern, Familientreffen oder Jubiläen gekommen waren: Alles fand ein jähes und grausiges Ende in Flammen, kein Entrinnen war durch die verschlossenen Ausgänge möglich.

Im Erlangen-Haus ist Kemerowo besonders nahe, stammt doch eine der Mitarbeiterinnen von dort. Da wird deutlich, daß der einzelne nur ein Sandkorn sein mag im Fluß der Geschichte, niemand aber davor gefeit ist, zum Opfer zu werden oder liebe Freunde zu verlieren, wenn menschliches Unvermögen, Leichtsinn oder Gier das Leben anderer bedenkenlos aufs Spiel setzen.

Blumen für Kemerowo

In der Partnerstadt fand in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale ein Gedenkgottesdienst statt, an verschiedenen Orten legt die Wladimirer Bevölkerung Blumen und Spielzeug nieder, so beim Kirschendenkmal in der Fußgängerzone oder vor dem Dom, wo zwei Wachen zum Gedenken der Opfer postiert sind. Die Menschen verweilen lange vor der Gedenkstelle, viele beten, andere beantworten Fragen ihrer Kinder.

Derweil werden Befürchtungen laut, wonach die Zahl der Opfer noch weit höher liege, als bisher bekannt.

Kemerowo

Kemerowo, wir stehen an deiner Seite

Ich habe im Namen von Erlangen Blumen niedergelegt, wissend, daß dies nur eine kleine Geste sein kann, hoffend, durch die in so vielen Städten des Landes gezeigte Trauer möge diejenigen wachrütteln, die für Sicherheit verantwortlich sind. Sicherheit ist eben nicht das Verfassen von Vorschriften, sondern vor allem deren Umsetzung, Überwachung und Alltagstauglichkeit.

Ich werde jedenfalls beim nächsten Mal daran denken, wenn wir die 14 Stockwerke des Erlanger Rathauses übungshalber evakuieren. Ich werde dann nicht mehr denken, „wie lästig“, sondern mich freuen, wenn am Ende der Übung die Einsatzleitung konstatiert: „Nach 15 Minuten waren alle Stockwerke geräumt“.

Natalia Pawlowa, Irina Chasowa und Elisabeth Preuß

Nachtrag: Am Abend stand Training auf dem Programm, Irina Chasowa nahm mich mit in ihr Sportstudio „Sarjadka“. Auch dort war Kemerowo Thema. Zum einen informierte die Trainerin, Natalia Pawlowa, über die Lage der Notausgänge, zum anderen hielt das gesamte Studio um 19 Uhr eine Minute inne, um der Toten zu gedenken. Bereits um 18 Uhr hatten sich Wladimirer am Kathedralenplatz versammelt und ließen weiße Luftballons steigen.

Elisabeth Preuß

 

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Der Stundenplan ist straff: sonntags eine Doppelstunde, wochentags deren zwei, nachmittags Einprägen des vormittags durchgenommenen Stoffes.

Meine Zunge wehrt sich. „ы“ ist nicht „i“, nicht „ü“, nicht „y“, klingt bei meiner Lehrerin Natalia Dumnowa wie ein durch die Zähne gepreßtes „i“, dabei entweicht es ihr ganz leicht und mühelos.

„Ж“, „ш“, „щ“: Nadja Steger hatte mich nicht nur schonend auf die vielen Varianten des „sch“ im Russischen vorbereitet, sondern mich auch davon überzeugt, daß wir auch im Deutschen nicht einfach immer „sch“ sagen, sondern mehrere Arten der Aussprache davon haben. Dass aber im russischen die unterschiedlichen „sch“ vor unterschiedlichen Konsonanten wieder anders ausgesprochen werden, macht mich ratlos.

Erste Schritte

Meine Lehrerin hat unendlich Geduld, wenn ich mich durch einen Text zische, und am Nachmittag hilft mir mein iPad, die richtige Aussprache zu finden.

Einkauf im „Продукты“

Ich gehe jeden Tag in einen Laden „Продукты“, ohne Selbstbedienung. Das zwingt zur Aussprache zumindest einiger Wörter. Am Ende sind sowohl die Verkäuferin als auch ich froh, wenn der Einkauf getätigt ist. Leider habe ich nicht immer das in der Tasche, was ich mir vorgestellt hatte, z.B. nach einigem Beharren auf Naturjogurt ging ich dann doch mit süßem Erdbeertrinkjogurt raus, den ich nun vorerst in den Kühlschrank gestellt habe.

Der Weg zu einem A1-Diplom ist jedenfalls noch sehr, sehr weit. Das zeigt mir auch, welche Leistung der syrische junge Mann erbrachte, der 2015 nach Erlangen kam und mir vor wenigen Tagen erzählte, er habe die C1-Prüfung geschafft und die Zulassung zum Zahnmedizinstudium in der Tasche. Vor dem Hintergrund, daß das kyrillische und das lateinische Alphabet sich weit ähnlicher sind, als das lateinische und das arabische, kann ich vor der Leistung vieler erfolgreicher Sprachschüler aus arabischen Ländern nur den Hut ziehen.

Noch ein weiter Weg zum Diplom

Glücklicherweise bleibt neben all dem Lernen noch Zeit für weitere Termine, für ein Wiedersehen mit Gästen aus Wladimir. So hat sich der Radiologe Iwan Seliwjorstow ebenso angekündigt wie eine ehemalige Teilnehmerin des Sommerkurses in der VHS, deren Mann jetzt ebenfalls seine Fühler nach der Partnerstadt ausstreckt. Der ehemalige Oberbürgermeister, Sergej Sacharow, und die Erlangen-Haus-Direktorin, Irina Chasowa, werden mich zum Orthopäden, Guram Tschjotschjew, begleiten, der im Waldkrankenhaus einige Fortbildungen absolvierte.

Außerdem steht ein Besuch an der Universität mit Frederick Marthol auf dem Plan, den Blog-Lesern bereits bekannt, sowie ein Treffen mit Igor Besotosnij vom Wladimirer Kammerorchester, dessen Bus dank den Spenden vieler Erlanger repariert werden konnte. Auch Treffen mit Eduard und Artjom Markin stehen schon auf dem Programm, jeweils mit Konzert. Der Knabenchor hat schon vielen in Erlangen Gänsehaut verschafft, die Stimmen der Jungen sind fast überirdisch schön.

Fazit: Die Tage werden verfliegen!

Elisabeth Preuß

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