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Posts Tagged ‘Elisabeth Preuß’


Bürgermeisterin Elisabeth Preuß wußte gestern genau, welche Frage sie stellen mußte, um ihren Gast zum Sprechen zu bringen: „Lieber Herr Katz, an welchem neuen Projekt arbeiten Sie denn derzeit?“ Genau das Stichwort für den Gründer des im Jahr 1995 ersten russischen Selbsthilfevereins „Swet“ für Eltern mit behinderten Kindern: „Wir sind derzeit dabei, eine große Wohnung in Susdal so behindertengerecht einzurichten, daß wir in einem halben Jahr gern auch schon eine sechs- bis siebenköpfige Gruppe der Lebenshilfe Erlangen dort aufnehmen können.“ Gerade erst, am 10. Oktober, konnte man das siebenjährige Jubiläum der betreuten Wohngruppe  in Wladimir feiern, und nun also schon wieder neue Pläne, möglich geworden dank der Schenkung eines Grundstücks seitens der Erlanger Stiftung „Lichtblick“, aus dessen Erlös „Swet“ im Zentrum von Susdal eine Haushälfte zur Unterbringung von Gästen erwerben konnte. Was die Übernachtung dort genau kosten soll, ist erst noch festzulegen, aber in jedem Fall wird es um ein Vielfaches günstiger als im Hotel und – vor allem – hilft jeder Gast mit seinem Obolus bei der Finanzierung der Sozialprojekte von „Swet“.

Behindertenbeauftragter Thomas Grützner, Inklusionsbeauftragte Schila Németh-Heim, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Jurij Katz

Jurij Katz, der russische Vorkämpfer für Inklusion könnte noch viel von seiner segensreichen Arbeit und dem großen Anteil Erlangens an dieser Erfolgsgeschichte berichten, etwa davon, daß dieser Tage ein Jugendlicher aus der betreuten Reitergruppe der Organisation bei einem überregionalen Wettbewerb bei Moskau in der Disziplin Galopp den zweiten Platz belegte – oder von der Teilnahme am VI. Internationalen Forum „Jedes Kind ist einer Familie würdig“ und seinem eigenen Besuch der Lebenshilfe-Zentrale in Berlin, bevor er am Wochenende nach Erlangen weiterreiste. Aber die Zeit der Bürgermeisterin ist knapp, und fallen die vielleicht wichtigsten Worte des Tages erst nach dem Empfang, im Gespräch mit Thomas Grützner, dem gegenüber der Gast, angesprochen auf die Ergebnisse der Bundestagswahlen ein Bekenntnis abgibt:

Für mich sind die Anzeichen entscheidend, die auf eine Wiederannäherung unserer Länder hindeuten. Vertrauen zu zerstören ist schnell geschehen, es wieder aufzubauen, kann dauern. Als es in meiner Schulzeit daran ging, sich für eine Fremdsprache zu entscheiden, wurde ich zunächst für die Deutsch-Gruppe eingeteilt. Doch ich bat meinen Vater, alles zu tun, um mich Englisch lernen zu lassen. Und so kam es denn auch. Für mich als russischen Juden war es undenkbar, Deutsch zu lernen. Erst viel später und vor allem in der Zusammenarbeit mit Erlangen habe ich meine Einstellung zu Deutschland grundlegend geändert. Ich möchte, daß das so bleibt, und ich bin zu allem bereit, das der russisch-deutschen Freundschaft dient.

Leonhard Hirl, Jürgen Ganzmann, Jelena Schaab, Jurij Katz und Michael Schaab

Der Rest des Tages gehörte der WAB Kosbach, mit der zusammen „Swet“ nicht nur die Deutschkurse, sondern auch die Hospitationen fortsetzen will, gehörte dem Gespräch mit Geschäftsführer Jürgen Ganzmann und Leonhard Hirl, dem Gründer der Einrichtung, gehörte dem Schmieden neuer Pläne, etwa für ein deutsch-russisches Kickerturnier in Wladimir während der Fußballweltmeisterschaft. Dabei geht es ja heute noch weiter mit der Besichtigung verschiedener Einrichtungen der WAB Kosbach und einem Abstecher nach Gremsdorf zu den Barmherzigen Brüdern. Dabei kann man in einem schon sicher sein: Jurij Katz wird seiner Devise treu bleiben, morgen nur die besten Errungenschaften seiner fränkischen Freunde mit nach Hause zu nehmen und mit ihnen gemeinsam an dem zu hobeln und zu schleifen, was noch nicht so gelungen sein mag – zum Wohl der Behindertenarbeit hier wie dort. Eben ganz so, wie es sein soll in der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir.

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Die elfköpfige Schülergruppe aus Wladimir, am Dienstagabend angekommen und gestern am frühen Nachmittag schon zum Empfang im Rathaus mit Bürgermeisterin Elisabeth Preuß erschienen, zeigt wieder einmal, wie wichtig diese Begegnungen sind, vor allem, wenn sie dem Konzept folgen, möglichst viel gemeinsam zu unternehmen, vom Unterrichtsbesuch bis hin zu Ausflügen oder Kochen. Einen besonderen Schwerpunkt im Programm setzt Michaela Spörl vom Emmy-Noether-Noether-Gymnasium mit ihrer russischen Kollegin, Olga Wolkowa, Deutschlehrerin an der Schule Nr. 23, auf die Zeit in den Familien. Das Wochenende sowie der Tag der Einheit sind dafür reserviert und geben, bevor es am 5. Oktober wieder nach Hause geht, Gelegenheit, einander im Miteinander so richtig kennenzulernen und die beglückende Erfahrung zu machen, wie Olga Wolkowa hervorhebt, wie großartig die deutsche Gastfreundschaft sei, jedenfalls nicht minder ausgeprägt als in Wladimir. Ist mehr Lob möglich?

Elisabeth Preuß, hockend ganz rechts, schräg hinter ihr stehend Olga Wolkowa und Michaela Spörl, 2. v.l. in der 3. Reihe

Sie wird es aus Erfahrung wissen, betreut sie doch den Austausch seit 1997 und hat in der Gruppe „Wiederholungstäter“, die Erlangen schon von früheren Besuchen her kennen. Den besten Nachweis für Nutzen und Qualität der Begegnungen liefert freilich die Schülerin, deren Vater bereits am ersten Austausch teilgenommen hatte und der nun seine Tochter auf den eigenen Spuren in die deutsche Partnerstadt schickte. Da weiß man, wofür all die Mühe gut ist, die sich Lehrkräfte wie Gasteltern jedes Jahr wieder machen.

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In der diesjährigen Jugendbegegnung zwischen der Universität Wladimir, der Rosenkranzgemeinde Wladimir und der Nadjeschda-Jugend (früher BDKJ) ist die Hälfte der Zeit vorbei, die russische Gruppe ist wieder nach Wladimir zurückgekehrt, am Wochenende brechen die Erlanger Jugendlichen zum Gegenbesuch auf. Hier ein kurzer Bericht, was bisher geschah.

Es ist mal wieder September und somit Halbzeit unserer jährlichen Jugendbegegnung. Nächste Woche geht es für uns nach Wladimir, und im Gegenzug war die russische Gruppe Mitte August bei uns zu Besuch. Allerdings wohnten wir in einem Jugendhaus in Haag bei Geiselwind, das uns ausreichend Möglichkeiten vor Ort bot, um zusammen zu kochen, abends am Lagerfeuer zu sitzen oder spielerisch die Sprachbarriere zu überwinden. „Allerdings“, weil uns so eine Begegnungsstätte in Erlangen leider noch fehlt. Bevor es also los ging mit den Städtetrips, Museumsbesuchen oder dem Souvenirshoppen stand in den ersten zwei Tagen zuerst das gegenseitige Kennenlernen, Einrichten in der neuen Umgebung und eine Einführung in die bayrischen Sitten und Eßgewohnheiten auf dem Plan.

Auch für die nächsten Tage hatten wir in unserem Planungsteam, welches aus Jugendleitern verschiedener Erlanger Gemeinden besteht, ein abwechslungsreiches Programm für unsere Gäste zusammengestellt. Am Mittwoch ging es nach Nürnberg, wo wir das Dokuzentrum und den Gerichtsaal 600 besuchten und ein Stadtspiel durch das Zentrum veranstalteten.

Den folgenden Vormittag widmeten wir der Aufarbeitung der im Museum gewonnen Eindrücke und sprachen in kleinen Diskussionsgruppen über das Gesehene und die Wirkung, die die Geschehnisse auch viele Jahrzehnte später noch auf uns haben. Selbst wenn verständlicherweise bei dem ein oder anderen mal Tränen flossen und nicht jeder etwas dazu sagen wollte, sind solche Diskussionen für uns immer sehr wertvolle Momente, die uns menschlich näher bringen und als Gruppe zusammenschweißen.

Einem ähnlichen Aufbau folgten auch die kommenden Tage. So ging es später am Donnerstag nach Würzburg, wo wir zuerst die Innenstadt erkundeten und uns dann mit einem Mönch des Augustinerklosters trafen. Er erklärte uns nicht nur den umgestalteten Kirchenraum der Klosterkirche, in dem die Gemeinde im Mittelpunkt steht, er gab uns auch einen interessanten Einblick in die moderne karitative Arbeit des Klosters. Da unsere Austauschgruppe zu einem großen Teil aus Studenten der Philosophie und Religionswissenschaften besteht und moderne Kirchenkonzepte auch für unsere russischen katholischen Partner eher die Ausnahme darstellen, stieß diese Führung auf große Resonanz. Abends veranstalteten wir noch ein kleines Open-Air Kino auf der Terrasse und schauten gemeinsam einen deutschen Klassiker, „Knocking on Heavens Door“, den sich unsere Gäste gewünscht hatten, wobei wir die große Vorliebe russischer Mädels für Til Schweiger entdeckten.

Unterbrochen wurde die Zeit in Haag am Freitag traditionsgemäß durch unser Äktschen- & Relaxwochenende in der Fränkischen Schweiz, zu dem alle Wladimirfahrer, Ehemalige und Freunde des Austauschs dazukommen können, um ein wenig russische Luft zu schnuppern.

Wir luden also unsere Busse voll, um in Weidmannsgeseeß ein Lager für 40 Personen aufzubauen und das Freizeitangebot der Gegend auszuschöpfen. Los ging es mit einer Wanderung auf das Walberla und zur Vexierkapelle. Später wurden wir dann leider vom Regen überrascht, der uns zwang, den ersten Abend etwas zu improvisieren, was die erste erlebnispädagogische Einheit – „gemeinsam ein Lager wetterfest machen“ – nach sich zog. Am nächsten Morgen ging es für die unterschiedlichen Gruppen entweder Bogenschießen, Kajakfahren, in den Klettergarten oder Wandern. Wer danach noch nicht genug hatte, konnte in Pottenstein die Sommerrodelbahn runterdüsen. Kaputt aber glücklich trafen sich alle zum Abendessen wieder, und da das gute Wetter anhielt, konnten wir, wie geplant, grillen und den Abend gemütlich am Lagerfeuer ausklingen lassen. Am nächsten Tag wurden die Zelte wieder eingeschmissen, und nach einem kurzen Abstecher nach Gößweinstein, ging es zurück nach Haag.

Montags machten wir uns dann endlich auf nach Erlangen. Vormittags empfing uns Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und hieß unsere Gäste herzlich in der Partnerstadt willkommen. Nach einer Tour durch die Innenstadt gab es Mittagessen auf dem Entlaskeller, zu dem auch die „Altmitglieder“ von Nadjeschda eingeladen waren, um die Gruppe kennenzulernen.

Danach stand „Rent-a-Russian“ auf dem Plan. Darunter kann man sich erstmal wenig vorstellen und es war ursprünglich nur als Arbeitstitel angedacht, der sich aber recht schnell eingebürgert hat. Eingeführt haben wir diesen Programmpunkt als Ersatz für das Leben in Gastfamilien, und er ermöglicht ein Reinschnuppern in den ganz normalen Alltag, in Freizeitgestaltung, Studentenleben, Arbeit und Familienleben unserer Deutschen.

Die Gastgeber haben sich auch dieses Jahr wieder tolle Aktionen einfallen lassen und spannende Erlebnisse möglich gemacht – während die einen mit ihren Leuten zum Bouldern und Picknicken gingen, machten andere einen Ausflug nach Regensburg in ihre Studenten-WG, wieder andere führten ihre Gäste in die Arbeit im Walderlebniszentrum oder ihr Ehrenamt bei der freiwilligen Feuerwehr ein. Respekt und Dank für diese kreativen und gastfreundlichen Einladungen!

Am nächsten Morgen war dann auch unsere Zeit in Haag vorüber, und es ging ab in die Hauptstadt – diesmal nicht die bayrische, sondern die deutsche. Unterwegs machten wir noch zwei Zwischenstops in Bamberg und Coburg, wo wir uns die Landesaustellung zur Reformation auf der Veste anschauten. Den restlichen Tag verbrachten wir dann on the road und kamen nachts in unserem Hostel in Berlin an.

Da wir inzwischen versuchen, standardisierte Stadtführungen zu vermeiden, wurde am Mittwochmorgen die Zeit zurückgedreht, und unsere Teilnehmer verfolgten in einem an „Mr. X“ angelehnten Stadtspiel Spione des Westens oder Ostens durch die Stadt . Danach ging es in Kleingruppen je nach Wahl entweder in eine Ausstellung zur Geschichte Berlins, ins Spionagemuseum oder Aquarium. Die Krönung des Tages war ein Besuch des Fernsehturms, von wo aus man die Stadt nochmal aus einer ganz anderen Perspektive erkunden konnte.

Nachdem wir uns am ersten Tag eher scherzhaft mit der deutsch-deutschen Teilung auseinandergesetzt hatten, wurde es am letzten Tag nochmal ernst, und wir besuchten die Gedenkstätte Berliner Mauer. Auch wenn man heute nur noch ein paar wenige Überreste der Mauer besichtigen konnte, schuf die Ausstellung und Führung einen eindrucksvollen Überblick.

Leider war damit aber auch das offizielle Programm unseres Austauschs zu Ende, und es blieben uns nur noch ein paar Stunden für ein letztes gemeinsames Abendessen, um die Woche Revue passieren zu lassen. Die Zeit ging mal wieder viel zu schnell vorbei, doch zum Glück fällt einem der Abschied immer nur halb so schwer, wenn man sich noch auf Teil zwei des Austausches freuen kann. So warten wir gespannt, was unsere russischen Freunde für uns planen!

Sabrina Pfau

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Es gehört zu den schönen Gepflogenheiten von Lehranstalten, Jahresberichte herauszugeben. So ist soeben die Chronik 2016/2017 des Instituts für Fremdsprachen und Auslandskunde erschienen, das zusammen mit der Volkshochschule zu den Erlanger Bildungseinrichtungen mit der längsten und intensivsten Wladimir-Austauschpraxis gehört. Folgerichtig findet sich in der achtundachtzigseitigen Publikation auch nachstehender Bericht der vier Studentinnen, die im März für drei Wochen Erlangen erlebten:

Wir haben auf diese Reise ungeduldig gewartet, weil es für drei von uns vier die erste Bekanntschaft mit Deutschland war. Als wir zum Bordfenster hinaus auf die bayerischen Landschaften schauten, verliebten wir uns in die Natur Deutschlands. In Erlangen fuhren wir zuerst zum Institut, wo wir Heinz Römermann kennenlernten und von ihm einen Stundenplan bekamen (und sogar gleich die erste Hausaufgabe). Danach wurden wir von unseren Gastfamilien abgeholt. Das erste, was uns auffiel, war die Gastfreundlichkeit nicht nur unserer Gastfamilien, sondern auch die aller Menschen in Deutschland. Am nächsten Tag begann für uns der Schulalltag. Nach dem Unterricht hatten wir die Möglichkeit, durch die schöne und gemütliche Stadt Erlangen zu bummeln. Am Mittwoch wurden wir ins Rathaus eingeladen, wo man uns damit beehrte, die Bürgermeisterin kennenzulernen, welche uns freundlich empfing. Es war der 8. März, also der Weltfrauentag, und jede von uns bekam eine Blume, was wir nicht erwartet hatten, aber als sehr nett und aufmerksam empfanden.

Daniel Gossel, Alexandra Klemeschowa, Darja Lukjanowa, Marina Aljokina, Jelena Jewdokimowa, Tatjana Maier, Elisabeth Preuß und Heinz Römermann

In den nächsten drei Wochen besuchten wir viele fränkische Städte wie Bamberg, Rothenburg, Nürnberg und Forchheim. Am besten gefielen uns Bamberg und Rothenburg, weil wir uns in das Mittelalter versetzen konnten: keine Fabriken, keine mehrstöckigen Gebäude, nur Kirchen, Türme und natürlich das wunderschöne Panorama der Städte.

Wir hatten Glück, zwei Tage in der Hauptstadt zu verbringen. Trotz des Regenwetters konnten wir unseren Traum verwirklichen, Bilder vor dem Reichstag und dem Brandenburger Tor zu machen. Wir waren auch von der deutschen Küche begeistert. Sowohl in den Gastfamilien als auch in den Restaurants probierten wir verschiedene deutsche Spezialitäten aus wie z.B. Weißwürste mit Brezel, Schupfnudeln, Bratwürste mit Kartoffelsalat, Jägerschnitzel, Knödel und viele andere gute Speisen.

Abgesehen von den Ausflügen lernten wir natürlich auch. Unsere Bekanntschaft mit Erlangen begann ja mit dem Besuch des Instituts, wo wir die meiste Zeit verbrachten. Als wir unseren Stundenplan bekamen, verstanden wir, wie viel anspruchsvolle Arbeit auf uns wartete. Wir hatten jeden Tag Unterricht, und jede Stunde, die uns angeboten wurde, war sehr interessant. An unserem ersten Unterrichtstag lernten wir gleich einige Lehrer und Studenten kennen. Die erste Stunde war Landeskunde BRD bei Michael Süß. In diesen Stunden erfuhren wir einiges über das politische System der BRD und ihr Wahlsystem. Natürlich war uns vieles schon bekannt, aber trotzdem war alles sehr lehrreich. Die erste Stunde kam uns sehr kurz vor, weil wir in Wladimir nicht eine Stunde (45 Min.) haben, sondern immer Doppelstunden. Es war so ungewohnt, wenn jede Stunde so schnell zu Ende ging und wir uns zur nächsten Stunde zu beeilen hatten, damit wir nicht zu spät sind, denn es waren nur fünf Minuten Pause dazwischen! Bei uns sind immer 20 Minuten Pause dazwischen.

Birgit Tordinava, Oxana Löscher, Roland Kleiber, Heinz Römermann (stehend), Swetlana Steinbusch und Oxana Kirej (sitzend)

Besonders gut gefiel uns die Methodik des Übersetzens, weil wir an unserer Universität kein solches Lehrfach haben. Oxana Kirej zeigte uns die falschen Freunde des Übersetzens und wie man diese richtig übersetzt. Mit Swetlana Steinbusch übten wir, verschiedene Texte aus dem Deutschen ins Russische korrekt zu übersetzen und mit Heinz Römermann aus dem Russischen ins Deutsche. In der Methodik des Übersetzens von Birgit Tordinava lernten wir verschiedene Möglichkeiten, wie man richtig aus dem Russischen ins Deutsche (z.B. lange Genitivketten oder die Mengenangaben) übersetzen sollte.

Wir wunderten uns nicht nur über die große Auswahl an verschiedenen Übersetzungsthemen, sondern auch über die Außen- und Innenansicht der Institutsgebäude. Als wir diese zum ersten Mal sahen, hätten wir nicht gedacht, es handele sich hier um ein Institut, weil diese Gebäude den anderen bewohnten Häusern in der Umgebung sehr ähnlich sind. Die meisten Universitätsgebäude bei uns sind mehrstöckige Bauten, die sehr offiziell aussehen.

Es war für uns eine unvergeßliche Reise nach Deutschland, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Und natürlich hoffen wir, irgendwann wieder nach Erlangen zu kommen.

Marina Alekina, Jelena Jewdokimowa, Alexandra Klemeschowa und Daria Lukianowa

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Am Samstag, den 5. August, gibt es ab 18.00 Uhr in der WAB Kosbach, Schleienweg 11, Musik der besonderen Qualität zu hören: Stepan Jegurajew und seine Frau Anna, am Klavier begleitet von Leila Samorskaja, präsentieren bei ihrem Konzert Arien aus der Opernwelt, russische und italienische Volkslieder sowie Melodien aus China. Eine Mischung, die mit dem Schaffen des Ehepaars zu tun hat: er als Dozent und Baßist in Nischnij Nowgorod, während sie an einem chinesischen Konservatorium unterrichtet und als Sopranistin natürlich auf der Bühne steht.

Stepan Jegurajew

Stepan Jegurajew wurde 1982 in Wladimir geboren, machte sich aber bereits als Student an der Oper zu Nischnij Nowgorod einen klangvollen Namen. Es gibt kaum ein Genre, das er nicht beherrscht, vom Chanson über das Kunstlied bis zu Volksweisen und Arien. Daneben gilt der Sänger als begnadeter Schauspieler.

Gerühmt wird des Interpreten Gabe, virtuos mit der eigenen Stimme umzugehen und sie an die jeweiligen räumlichen Verhältnisse anzupassen. Eben noch eruptiv und kraftvoll ist es im nächsten Moment, als hole er die verstummenden Klänge an Seidenfäden wieder zurück zu sich. Und kein Stück, das nicht mit einer nur ihm zugedachten Mimik vorgetragen würde.

Stepan Jegurajew

Es ist, so meinen Kritiker, als habe man nach einem Konzert von Stepan Jegurajew mit all seinen Rollen und Verwandlungen den Auftritt eines ganzen Ensembles erlebt. Man kann der WAB Kosbach deshalb nur danken dafür, den Künstler nach einem erfolgreichen Konzert im Jahr 2015 nun, erstmals mit seiner Frau, erneut verpflichtet zu haben, bei freiem Eintritt (mit der Bitte um Spenden für die Interpreten).

Eine Kritik des Auftritts von 2015  für alle noch unentschlossenen Musikliebhaber aus der Feder von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß findet sich hier: https://is.gd/Bi8J6i

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Beim gestrigen deutsch-russischen Abend im Club International der Volkshochschule, wie in den neun Jahren zuvor gekonnt moderiert von Reinhard Beer, dem unentbehrlichen Kurator der Deutschkurse am Erlangen-Haus, gab es an einer Stellwand handschriftliche Botschaften der Gäste aus Wladimir zu lesen, darunter auch die Worte von Iwan:

Wir sind schon zwölf Tage in Deutschland. Das war sehr schön. Jeder Tag war besonders.

Unter Gästen und Gastgebern die Bürgermeisterinnen Elisabeth Preuß und Susanne Lender-Cassens

Und jeder Tag hätte wohl auch einen eigenen Blogeintrag verdient. Weil’s aber nicht kann sein, heute nur einige Auszüge aus den Schilderungen der wieder großartig vom Freundeskreis Wladimir betreuten Gruppe, die morgen nach Hause reist:

Reinhard Beer, Leiter der VHS-Sprachenabteilung, eröffnet den Abend

Die meisten Leute sind höflich, beeilen sich nicht, alle sind ruhig und seelensfriedlich. – Die Preisbildung der DB (Regionalticket) – wirklich günstig und klug, aber – ständige Verspätungen. – Alkohol zu trinken, überall erlaubt. Alle trinken, aber keiner randaliert. – Viele Schwerbehinderte auf der Straße. Die Bedingungen für sie sind so günstig, alle Plätze sind für sie zugänglich. – Sehr schwer, einen Parkplatz zu finden, aber niemand parkt da, wo es verboten ist. – Viele Nationen und Kulturen, alle kommen zurecht miteinander. Tatjana.

Natalia Korssakowa, Deutschdozentin am Erlangen-Haus und Leiterin der Gruppe

Ich habe mich über die Straßen, die Häuser, die Leute und alles andere gefreut. Ich bedanke mich für diese Reise nach Deutschland! Wsewolod.

Ein Geschenk für Reinhard Beer von Natalia Korssakowa

Kosbach ist bekannt dank seiner Schönheit. Wälder, Felder und Weiher, in denen es Karpfen gibt. Deshalb können wir Gerichte vom Fisch probieren und die Atmosphäre genießen. Aber die besten Eindrücke haben wir vom Fischerstechen bekommen. Es war unglaublich. Darja, Anna und Wiktoria.

Volles Haus im Club International

Ich war schon einmal in Erlangen, deshalb war der erste Tag auch der Tag der Nostalgie. Besonders gut hat mir der Sonntag gefallen. Ich hatte keine Fahrt irgendwohin, war einfach zu Hause, wo wir einen Kuchen gebacken haben. Dann waren wir im Theater. An diesem Tag habe ich erfahren, was der Begriff „deutsche Familie“ bedeutet. Marina ♥

Szenische Aufführung des Erlkönigs

Unsere Reise bleibt für immer in unserem Gedächtnis. Waleria. – Meine Gastfamilie war total super. Hier habe ich sehr viel Neues erfahren und gesehen. Und das bleibt in meiner Erinnerung. Besonders gut hat mir die Fachwerktour gefallen. Vielen Dank für alles!!! Kristina ♥♥♥

Ein Ständchen der Gäste

Im Unterricht erfahre ich immer etwas über die Geschichte von Deutschland und Erlangen. Besonders interessant war für mich die Geschichte der Hugenotten. Alle unsere Exkursionen haben mir gute Laune gemacht. In diesen zwei Wochen haben wir auch traditionelles deutsches Essen probiert. Es schmeckt mir gut, besonders Kartoffelsalat mit Brötchen. Es war wirklich eine tolle Reise, und später möchte ich das noch einmal machen. Maria

Die musikalische Antwort vom Sprecher des Freundeskreises Wladimir, Gerhard Kreitz, und der Deutschdozentin, Heide Thies

Eine Dekade Deutschkurse für das Erlangen-Haus an der Volkshochschule. Grund genug für beide Bürgermeisterinnen, Susanne Lender-Cassens und Elisabeth Preuß, die Gäste zu verabschieden und den Gastgebern zu danken. Wie zufrieden beide miteinander waren, ist den obigen Zitaten zu entnehmen. Auch Heide Thies und Gerhard Kreitz sind voll des Lobes: „Ausgezeichnete Sprachkenntnisse, hohes Niveau, viel Interesse an allem, menschlich in Ordnung, hat richtig Spaß gemacht mit der Gruppe!“

Wolfgang Morell

Und Spaß machte natürlich auch wieder das Programm mit der Preisverleihung an die Teams mit den besten Kenntnissen von Erlangen, mit der Präsentation zum russischen Aberglauben, mit den Liedern und szenischen Einlagen bis hin zu Wolfgang Morells Rezitation von Alexander Puschkins lyrischer Solidaritätsadresse an die nach Sibirien verbannten Dekabristen.

Susanne Lender-Cassens und Elisabeth Preuß mit der Band Soundscape 2.0

Schon fast gegen Ende des Abends dann noch Überraschungsgäste, die Rockband Soundscape 2.0 aus Cumiana, der italienischen Freundschaftsstadt, nach ihrem Auftritt am Marie-Therese-Gymnasium. Wie um Tatjanas Worte zu bestätigen: „Viele Nationen und Kulturen, alle kommen zurecht miteinander in Erlangen.“

Zu Gast in der Wladimirstraße, gesehen von Georg Kaczmarek

Solange Erlangen auch weiterhin so gut mit seinen Partnerstädten zurechtkommt – gottlob spricht nichts dagegen! -, leuchtet ja auch noch ein Funken Hoffnung für eine Welt, die droht, das Licht hinter sich auszumachen.

 

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Sowohl im Guggenheim Museum in New York als auch in der Geschichte von Sissi, der Kaiserin der Herzen, wird der Begriff „Thron“ nicht nur für den Ort der Regierungsgeschäfte, sondern auch für den des anderen Geschäftes verwendet.

Foyer der Philharmonie Krasnodar während der XIV. Städtepartnerkonferenz

Die Philharmonie in Krasnodar hat schon viel erlebt, vom Zarenreich über die Tage der Revolution und der Sowjetunion bis in die heutige Russische Föderation hinein wurde und wird dort auf hohem Niveau musiziert und getanzt, geplaudert und flaniert. Sicher hat man die repräsentativen Foyers und das Theater selbst auch für so manche politische Rede ge- und mißbraucht, die den Musen und hoffentlich vielen Zuhörern politisches Schaudern bereitete.

Eines aber blieb über alle Zeiten gleich: Kunstgenießer wie Künstler verspürten spätestens nach dem dritten Glas Sekt, Wein oder Selters sicher ein Bedürfnis. Wir wissen nicht, wie dieses in den ersten Tagen des Musentempels befriedigt wurde, heute allerdings hat das, was als „Wasserclosett“ in die Baugeschichte einging und als WC in heutigen Bauplänen firmiert, hier noch imperialen Stil. Passend zum Ambiente, das den Nutzer des Örtchens auch im restlichen Gebäude einhüllt.

Schon beim Zugang stehen edel gepolsterte Stühle Spalier, wie um den Suchenden zu ermahnen, sich Zeit zu nehmen und anzukündigen, hinter der dunklen, schweren Kassettentür verberge sich kein 08/15-Klo. Im Inneren dann hohe Türen; nach Öffnen derselben bietet sich dem eiligen wie dem präventiven Nutzer ein überraschender Anblick: zwei Stufen sind zu erklimmen, ehe man sich niederlassen kann. Throngefühl macht sich da breit und tiefes Verständnis dafür, warum auch der Nachwuchs auf dem Töpfchen von den stolzen Eltern gern als „thronend“ abgebildet wird.

Weil die Anwesenheit von „WCs“ in öffentlichen wie privaten Gebäuden heute selbstverständlich ist, hat bisher das Thema „Thron“ hier im Blog, wenn überhaupt, nur in der regierenden Form eine Rolle gespielt. Die von Zugang bis Abgang so würdige Umsetzung einer Bedürfnisanstalt in der Philharmonie von Krasnodar hat hingegen einen Blogeintrag verdient.

Noch kurioser ist nur noch ein WC in einem Restaurant in Jerewan, aber das ist eine neue Geschichte….

P.S.: In Zeiten von Inklusion und Barrierefreiheit: Die gegenüberliegende Reihe der Kabinen ist schwellenlos zugänglich.

Elisabeth Preuß

Gum 3

Historische Toilette im GUM von Moskau, gesehen von Wolfram Howein

Die Redaktion des Blogs erlaubt sich den Hinweis auf eine weitere literarische Schilderung des Lokus, freilich aus dem männlichen Blickwinkel, nachzulesen im fünften Kapitel des Romans „Der Rasierte Mann“ von Anatolij Marienhof aus dem Jahr 1928, auf Deutsch erstmals 2001 im Eichborn Verlag erschienen:

Gum 2

Vom Abort des Adelsinstituts in Nischnij Nowgorod erzählte Leo nach dem ersten Besuch auf dem unseres Pustarjow-Gymnasiums mit Tränen in den Augen. Ich habe ihn nie beseelter, nie bewegter, nie erregter gesehen als in diesen Minuten süßester Erinnerungen. „Versteh doch, Mischka, das war kein water closet, sondern ein lyrisches Gedicht.“ Mit aufglimmenden, wie vom Wind angefachten Pupillen erzählte er von Porzellanpissoirs, die an weißköpfigen Drachen mit aufgesperrten glänzenden Rachen erinnerten; von majestätischen Klosettbecken, die altertümlichen Bowlegefäßen ähnelten; vom blitzenden Waschbecken mit zwölf Wasserhähnen; vom Frottierhandtuch auf der Rolle; von Spiegeln, die von polierten Trauben umrahmt waren; von dem monumentalen Wärter in der zweireihigen Uniform mit rotem Kragen und Hosen mit goldenen Lampassen, der die Bowlegefäße mit einer Sorgfalt bewachte, die der Schildwache des Pulverkellers einer belagerten Festung Ehre gemacht hätte.

Gum 1

So ist eben jedes Lebewesen, jedes Gefühl, jedes Ding der Poetisierung würdig. Ein Abort erst recht. Damals in Nischnij Nowgorod wie heute in Krasnodar.

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