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Posts Tagged ‘Elisabeth Preuß’


Nachdem sich der erste Bericht eher auf den Transport bezog, nun etwas mehr Inhalt. Schließlich sind die Transportmittel ja auch (aber nicht nur) Mittel zum Zwecke des Ankommens an schönen Orten.

Das Erlangen-Haus hieß uns, wie immer, herzlich willkommen, Zimmer, Frühstück und persönliche Gespräche machten es wie immer zu einem echten Zuhause auf Zeit. Wir hatten uns drei Programmpunkte vorgenommen, Wladimir selbst, Susdal und Bogoljubowo.

Zum ersten Mal war Wolfgang dabei, der zwar schon zu einem sommerlichen Besuch bei meinem Vater in Nischnij Nowgorod war, aber noch nicht in Wladimir und schon gar nicht im Winter. Entsprechend hatte er Mores und investierte in gute Schuhe, war mit warmer Unterwäsche und mehreren Schals und Mützen gut ausgerüstet. Leider ließ uns der Winter arg im Stich, die Temperaturen schwankten um den Gefrierpunkt. Auch die Sonne blieb hinter den Wolken versteckt, der Schnee war also weiß, (abseits der Straßen), nicht aber gleißend, wie im winterlichen Sonnenschein. Eines lernten wir ob des Straßenschmutzes schnell, nämlich unsere Schuhe gut abzuklopfen, ehe wir irgendwo eintraten.

Die Kathedralen, das Heimatmuseum „Altes Wladimir“ im Wasserturm, eine Ausstellung mit Schülerbildern aus dem Leben von Alexander Solschenizyn und einige Spaziergänge eröffneten Wolfgang ein gutes Bild unserer Partnerstadt. Am Abend ging es ins Konzert zum Knabenchor von Eduard Markin, allen Freunden der Partnerschaft gut bekannt. Dort hatten wir ein Erlebnis der Sorte „Die Welt ist ein Dorf“, denn wir wurden von Gabor Nemenyi aus Nürnberg, einem Mitglied des Freundeskreises Wladimir, begrüßt, der mich erkannte.

Der Chor bot wie immer eine fantastische Leistung, so manches Lied verursachte uns Gänsehaut. Lieder aus unterschiedlichsten Zeiten, manche lustig, manche fast dramatisch, und immer mit Präzision und Sangesfreude dargeboten. Nach all den Jahren erkenne ich viele Gesichter wieder, die sich vom Jungen zum jungen Mann verändert haben. Ich hoffe, es werden sich auch weiterhin begabte Jungen finden, die vor dem sicher harten Probenplan, der Disziplin und den vielen Reisen nicht zurückschrecken. Nach dem Konzert waren es  übrigens Jungs wie alle anderen auch, die sich schubsten, ihre Mobiltelefone zückten und durcheinander redeten.

Mit unserem neuen Begleiter Gabor kamen wir ins Gespräch und beschlossen, den Abend im „Wiener Café“ ausklingen zu lassen. Zu uns gesellte sich dann noch Tatjana Kolesnikowa, eine Lehrerin des Erlangen-Hauses, und wir sprachen, wie so oft, über die Rätsel und unerwarteten Wendungen der deutschen Sprache. Der Unterschied von „Entspannen“ und „Erholen“ beispielsweise wurde diskutiert und auch, wie man denn eine Fremdsprache nahezu akzentfrei lernen könne.

Wladimir hat mit seinem Kathedralenplatz ein Zentrum, das für sich stehen kann und eigentlich keine weitere „Verzierung“ braucht. Der Blick geht vom Platz über den Anstieg zum Glockenturm der Mariä-Entschlafens-Kathedrale, dem fünfkuppligen Kirchenbau selbst und weiter in den Park.

Warum dort ein wohl 15m langer Schriftzug „I❤️Wladimir“ (sic!) stehen soll, versteht wohl keiner. Warum auf diesem Platz auch noch Karussells und Buden stehen müssen, erschließt sich ebenfalls nicht. Die Weniger-ist-mehr-Puristen in der Stadtverwaltung sind wohl in der Minderheit. So nutze ich am Abend einen vorbeifahrenden Bus, der den Schriftzug wohltuend verdeckte.

Susdal stand am nächsten Tag auf dem Programm. Der Bus brachte uns bis ins Zentrum dieser märchenhaften Kleinstadt, über deren weitläufiges Areal unzählige Kirchen und Klöster verteilt sind. Und gab es irgendwo eine Baulücke, so fügte sich immer noch eine kleine Kapelle hinein. Zum ersten Mal war ich auf eigene Faust dort. Wir konnten also selber bestimmen, wohin es ging und wie lange wir vor welchem Bild stehen und staunen wollten. Auch hatten wir uns den ganzen Tag Zeit genommen.

Wolfgang Schneck und Elisabeth Preuß

Wir begannen mit einer Schlittenfahrt, ein Fehler, denn danach waren die Füße kalt, für den Beginn des Erlaufens der Klöster gar nicht gut. Wir kehrten also erstmal ein, und bei heißem Tee und Piroggen wurde uns wieder warm.

Mit warmen Füßen ging’s dann in den Kreml, wo man zwischen  Billets für „draußen“ und „draußen und drinnen“ wählen kann. Wir nahmen letztere und wurden nicht nur mit dem Inneren der wunderbaren Kirche, sondern auch mit dem Museum belohnt. Dort gab es weltliche Exponate aus der Geschichte der Stadt, wunderbare, riesige Öfen mit Delfter Glasur, die von den alten Beziehungen zwischen Holland und dem Russischen Reich erzählen. Höhepunkt aber waren die Ikonen, einige über 500 Jahre alt und in sehr gutem Zustand.

Das Freilichtmuseum war das nächste Ziel, dann wieder Aufwärmen bei Soljanka, anschließend ein Gang zum Klosterkomplex, in dem Generalfeldmarschall Paulus interniert war. Allmählich wurde es dunkel, wir gingen zurück zum zentralen Marktplatz an den Arkaden und beobachteten die Händler beim Einräumen der Waren. Anfang Februar scheint für die Händler keine gute Zeit zu sein, denn an den Ständen war es den ganzen Tag sehr ruhig. Uns kam das entgegen, weil wir die Kirchen und Klöster im winterlichen Schnee ohne Menschenmassen genießen konnten, für die Händler aber sicher eine harte Zeit.

Unser dritter und schon letzter Tag sollte uns nach Bogoljubowo führen. Ich nahm morgens wieder eine Lektion Russisch bei meiner Lehrerin Natalia Dumnowa, mittags fuhren wir dann mit einem Linienbus für 22 Rubel pro Nase nach Bogoljubowo. Da der Vorort noch zu Wladimir gehört, gilt der normale Tarif, den man auch zahlt, wenn man nur eine Haltestelle z.B. zur Post, fahren möchte.

1158 gegründet, hat das Kloster wie alle kirchlichen Bauten hier eine bewegte Geschichte, hat die Sowjetzeiten aber glücklicherweise als Museum und nicht, wie die Kathedrale in Nischnij Nowgorod, als Fischhalle überlebt. Seit ca. 30 Jahren ist es wieder Kloster und wird von Nonnen bewohnt, die in der Kirche z.B. Kerzen verkaufen und einen kleinen Souvenirladen betreiben. Da es sich nicht um ein Museum, sondern um ein aktives Kloster handelt, nimmt man keinen Eintritt. Es wird aber von den Besuchern selbstverständlich erwartet, den sakralen Charakter des Ortes zu respektieren und sich entsprechend zu verhalten, So ist es unerwünscht, die Nonnen anzusprechen, wenn sie nicht im Verkauf tätig sind.

Nach der Besichtigung ging es dann auf den ca. eineinhalb km langen Weg zum Kirchlein an der Nerl, ein Erlebnis, das zu jeder Jahreszeit beeindruckend ist. Wenn man, so wie wir, eine  Schneelandschaft vor sich hat, mit blütenweißem Schnee, der Weg nahezu verlassen, kontemplativ das Ziel dauernd vor Augen, sich Schritt für Schritt nähernd, dann ist das ein wahres Geschenk. Ich hoffe, diese kleine Wanderung noch oft machen zu können!

Und so war auch diese Reise wieder zu kurz, um all das sehen zu können, was noch zu sehen gewesen wäre. Weder Langlaufen im „Park der Freundschaft“, noch eine Fahrt im Riesenrad, noch die Gemäldegalerie im Landesmuseum konnten wir zeitlich unterbringen. Auch haben wir viele liebe Freunde nicht getroffen. All dies dann beim nächsten Mal!

Elisabeth Preuß

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Nach der vorhergehenden, drei Tage währenden Anreise nach Wladimir mit SWISS kehrte ich am Donnerstag vergangener Woche reumütig zu Aeroflot zurück, die uns auch pünktlich und sicher nach Moskau brachte. Es gibt nichts zu berichten, außer: Es klappte alles. Mein langbeiniger Mann durfte sogar ohne Aufpreis einen Platz mit mehr Beinfreiheit besetzen. Ich kann Aeroflot nur empfehlen, auch das elektronische Einchecken am Tag vorher war einfach.

Insgesamt ist der russische öffentliche (Nah-)Verkehr in klar und gut geregelt, auch Nichtsprachkundige können problemlos die Automaten bedienen. Der Automat für den Flughafenexpress rät Pärchen unaufgefordert gleich dazu, zwei Karten in einem Vorgang zu kaufen, 850 statt 1.000 Rubel, auf Hin- und Rückweg gerechnet, macht das schon wieder einen Cappuccino aus.

Es werden sogar Antworten auf Fragen gegeben, die man gar nicht gestellt hat, die aber gestellt hätten werden können:

So leuchtet uns beim Automat des „Aeroexpress“ folgendes entgegen, wenn man sich anschickt, einen 1.000-Rubelschein einzuführen: „Ja, der Automat gibt Wechselgeld heraus.“

Das beruhigt, und wenn dann die 150 Rubel auch nicht in den schweren 10-Rubelmünzen, sondern als drei Scheine im Ausgabefach liegen, freut man sich doppelt. Bei der Deutschen Post soll es ja immer noch Restgeld in Briefmarken geben…

Ein Verbundfahrschein für Metro, Tram, Bus, Oberleitungsbus und S-Bahn

In der Metro dasselbe: Automaten in sehr einfacher Sprache und klarem Design. In der U-Bahn dann ein Bild, wie wir es aus allen Transportmitteln in aller Welt kennen: Alle schauen auf ihr Mobiltelefon. Alle? Nein! Eine unbeugsame Moskowiterin löst Kreuzworträtsel auf Papier, das aus Sowjetzeiten zu stammen scheint.

Für die Züge zwischen Moskau und Wladimir gilt das oben Gesagte: Schon zu Hause kann man die Fahrkarten bequem ausdrucken, zu jedem Ticket gehört selbstverständlich ein Sitzplatz. Die Wagen halten am Bahnhof an einem fixen Punkt, weshalb auch jeder genau dort steht, wo sein Waggon tatsächlich zum Stehen kommt. Im Zug werden heißer Tee, Plätzchen etc. an den Platz gebracht. Stauraum für Gepäck ist reichlich vorhanden. Nach jedem Zustieg wird der Boden gewischt, was im Winter auch notwendig ist.

Alles verläuft in Ruhe, und egal ob auf Fahrten von Moskau nach Wladimir oder zwischen Wladimir und Nischnij Nowgorod: Niemals habe ich Gedrängel oder eine „angezeigte, geänderte Wagenreihung“ erlebt.

Auf der DB-Rückfahrt von Frankfurt nach Erlangen am Montag dann das krasse Gegenteil: In Frankfurt Hauptbahnhof drängte eine große Menge in den schon vollen Zug. Zwei Probleme trafen aufeinander: Der Zug war nur halb so lang, wie er sein sollte, und viele Reisende fuhren ohne Reservierung.

Die Dringlichkeit und Dramatik der Durchsagen steigerte sich von: „Wir bitten unsere Kunden, freiwillig auszusteigen“ (was keiner machte) über: „Wir bitten Sie, freiwillig auszusteigen, sonst kann der Zug nicht losfahren, weil wir für Ihre Sicherheit nicht garantieren können“ (keiner rührte sich) über „Jeder Kunde, der aussteigt, erhält im Kundenzentrum einen Gutschein über 25 Euro“ (jetzt kam Bewegung in die Sache). Der Höhepunkt war aber: „Wenn jetzt nicht ausreichend viele Kunden den Zug freiwillig verlassen, dann wird er von der Polizei geräumt.“ Irgendwann ging es dann los, mit großer Verspätung natürlich. Die Reisenden solidarisierten sich, kamen ins Gespräch, und jeder hatte eine Geschichte zu erzählen. Da konnte ich dank RZD (Russische Eisenbahn) gut mithalten…

Auch wenn in Stoßzeiten die Busse in Wladimir manchmal überfüllt sind, läuft der Nahverkehr recht gut. Viele Busse stammen nach wie vor noch aus Deutschland. „Wagen hält“, das weckt heimatliche Gefühle. Altersschwäche wird durch Ausgestaltung mit Plakaten oder Plüschtieren wettgemacht. Die Lage des Erlangen-Hauses ist ideal, in und aus der Innenstadt führen viele Linien, weshalb man nie auf einen Fahrplan schauen braucht. Ob es einen gibt, weiß ich gar nicht.

15 Minuten zu Fuß vom Erlangen-Haus entfernt liegt der Busbahnhof, von wo es nach Susdal, Alexandrow, Murom oder in andere Städte geht. Nach Susdal fährt alle 30 Minuten ein Bus. Man wird, einmal eingestiegen, sogleich als Tourist erkannt und erhält (sicherlich) gute Ratschläge, die ich nicht verstehe und wegen meiner immer noch rudimentären Sprachkenntnisse nur mit „спасибо“ beantworten kann.

Marschrutkas schließlich, kleinere Busse, haben ein ganz eigenes Geldsystem: Der Fahrer hat meist einen Besteckkasten, wo er das Geld offen liegen hat. In meinem Fall wies er mir den Platz neben sich zu, im Winter oft der einzige Platz mit Aussicht, da wegen des wässrigen Schlammes aus den Straßen die seitlichen Scheiben fast undurchsichtig sind.

Das ist nicht nur schade, sondern erschwert auch bei den regulären Stadtbussen das richtige Aussteigen erheblich, wenn man sich die Namen der Haltestellen nicht eingeprägt hat. Von Vorteil ist hier die Durchsage der kommenden und der nächsten Haltestelle, wodurch man weiß, wann man auszusteigen hat.

Und die Moral von der Geschicht: Im öffentlichen Verkehr lernt man Land und Leute kennen!

Elisabeth Preuß

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Was am Ende des Jahres herausgreifen, das stellvertretend für all die ungezählten Begegnungen in den zurückliegenden 365 Tagen zwischen Erlangen und Wladimir stehen könnte? Jede Wahl kann da doch nur willkürlich sein. Als besonders symbolisch für die enge Verbindung zwischen den Partnerstädten darf man aber zweifelsohne die Spendenaktion für die Reparatur des Tourneebusses von Igor Besotosnyj ansehen. Von den letzten Gastspielen mit dem dank der Unterstützung aus Erlangen wieder flotten Fahrzeug wohlbehalten nach Wladimir zurückgekehrt, schickte der Musiker nun ein Bild von sich und dem Spielzeugbus, den ihm Bürgermeisterin Elisabeth Preuß am 17. Dezember beim Auftaktkonzert überreicht hatte. Siehe: https://is.gd/rhKHMu – und die Vorgeschichte ist hier nachzulesen: https://is.gd/glDQmm

Igor 16

Igor Besotosnyj

35 Jahre Städtepartnerschaft mit einem ganzen Reigen von Veranstaltungen gehen heute zu Ende und versprechen für die Zukunft noch viel mehr Austausch, wohl auch in die Pflicht genommen von den Erlanger Nachrichten, die am 6. Dezember in ihrer Kritik des Festkonzertes in Herz Jesu mit dem Kammerchor Wladimir schrieben:

Sabine Kreimendahl und Tatjana Grin nach dem Festkonzert am 3. Dezember 2018

Welch’ ein Chor, welch’ ein Fest, welch’ eine Partnerschaft! Das bindet, das macht dankbar gegenüber allen Initiatoren und Helfern dieser Partnerschaft. Es ruft in die Pflicht, sich für diese Verbindung zwischen Erlangen und Wladimir einzusetzen. Das ist mehr als Eurovision, das ist humanistische Weltvision!

Dmitrij Tichonow, Eberhard Keilhack, Werner Heider, Dietmar Hahlweg und Alexander Tichonow nach dem Partnerschaftskonzert am 18. März 2018

Diese „humanistische Weltvision“ bewegte Dietmar Hahlweg vor 35 Jahren, in Zeiten des Kalten Krieges, die Versöhnung und Verständigung mit der Sowjetunion zu suchen. Er darf und soll sich heute, an seinem Geburtstag, darüber freuen, wie gut ihm und all jenen, die in seinem Geist handelten und bis heute wirken, dieses Friedenswerk gelungen ist. Ausdruck dafür ist sicher auch die Auszeichnung des vom Altoberbürgermeister inspirierten Gesprächsforums „Prisma“ und des „Wladimir-Blogs“ durch die Außenminister Heiko Maas und Sergej Lawrow am 17. September in Berlin.

Vor zwei Jahren schloß die Friedens-Apotheke aus Kundenmangel. Eingezogen in die Räume ist mittlerweile die Jugendkunstschule. Doch der erste Teil des Namenszugs blieb erhalten. Wer wohl die Idee dazu hatte? Preiswürdig und aller Ehren wert ist der Einfall ganz sicher – und das beste aller denkbaren Motive für den Jahresausklang und den Auftakt ins Neue Jahr. Dazu noch eine Erinnerung. Als im Juli 2016 zwei Jungs der U-14-Mannschaft von Torpedo Wladimir beim Partnerschaftsturnier an Masern erkrankten, wurden sie zunächst am Kinderklinikum behandelt und mit einem Rezept bedacht. Mit ihrer Betreuerin wollten sie dann die verschriebene Arznei in der Friedens-Apotheke kaufen. Doch als man dort erfuhr, die jungen Kunden seien aus Wladimir, hieß es: „Wenn die Kinder aus der Partnerstadt sind, gibt es die Medikamente umsonst.“

Mit Blick auf dieses Haus also allen Menschen – nicht nur in Erlangen und Wladimir sowie in all unseren Partnerstädten – ein friedliches und gesundes Neues Jahr.

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Seit 29 Jahren kommt Igor Besotosnyj – alle Jahre wieder – aus Wladimir nach Erlangen, vorzugsweise im Advent. Eine beispiellose Geschichte der partnerschaftlichen Treue, die 1989 bei der „Woche der Russischen Küche“ ihren Anfang genommen hatte.

Elisabeth Preuß mit Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow, gesehen von Georg Kaczmarek

Nun ist es wieder so weit: Am vergangenen Freitag stand sein Ensemble auf der Bühne des Gemeindehauses St. Xystus und nahm aus den Händen von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß einen Matchbox-Kleinbus entgegen, eine Erinnerung an die Panne vor einem Jahr mit dem eigenen Fahrzeug auf dem Rückweg nach Wladimir. Eine rührende Geste mit den besten Wünschen für die Heimreise Ende dieser Woche.

Swetlana und Olga Besotosnaja

Doch bis dahin sind noch einige Konzerte zu geben, vor allem morgen, am Dienstag, den 18. Dezember, um 19.30 Uhr im Gemeindehaus St. Sebald – mit der Sängerin und Violinistin, Swetlana Besotosnaja, die alleine mit dem Flugzeug angereist war.

George Mills und Dorothee Lotsch mit der kleinen Warwara im Publikum

Alleine? Nicht ganz. Im Vorjahr hatte sie eine Babypause eingelegt und Erlangen nicht besucht, nun ist sie mit der kleinen Warwara auf Gastspielreise. Ob Igor Besotosnyjs Enkelin eines Tages auch musiziert, wird sich weisen; in jedem Fall haben wir mit ihr schon die dritte Generation seiner Familie im Austausch zwischen Erlangen und Wladimir.

Dorothee Lotsch

Unverzichtbar bei der Tournee, die Sängerin und Alexandra-Interpretin, Dorothee Lotsch, die nicht nur mitreißend – sogar auf Russisch! – zu singen versteht, sondern für das Quartett auch Konzerte in Südbayern organisiert. Alles ehrenamtlich!

George Mills und Igor Besotosnyj

Als Gastsänger darf auch George Mills mit zwei russischen Volksliedern nicht fehlen. Nicht immer ganz textsicher, aber mit einer Stimme, die tatsächlich auch gar keine Worte braucht. Ganz sicher freilich jemand, der wie nur wenige mit seiner ganzen Person für die Völkerverständigung steht: ein Amerikaner, der in Erlangen mit einer russischen Seele lebt.

Swetlana Besotosnaja

Eine kurze Bemerkung zumindest zur Musik: Das Ensemble präsentiert ein komplett neues Programm aus Klassik und traditionellen Weisen, interpretiert auf Instrumenten der russischen Folklore, Balalaika, Domra und Bajan, ergänzt bei manchen Stücken durch Violine und alle – man kann es nicht anders sagen – in virtuoser Ausführung. Ein besonderes Juwel bringt dabei Swetlana Besotosnaja mit dem „Russischen Tanz“ aus dem „Schwanensee“ zum Funkeln, begleitet nur vom stillen Rieseln des Schnees. Vorweihnachtliche Atmosphäre, wie sie nicht schöner zu wünschen ist.

Ernst Stäblein vor dem Wunschbaum mit Igor Besotosnyj und seinem Ensemble: Swetlana und Olga Besotosnaja sowie Alexander Schaposchnikow

Zeit, auch Ernst Stäblein Dank zu sagen, der seit 2014 für das Kammerensemble aus Wladimir die Bühne auf der Waldweihnacht reserviert. Wo so viele, zu denen mindestens auch Sibylle Flepsen und Leonhard Hirl, das Orga-Paar des Konzerts in St. Xystus gehört, zusammenwirken, da gelingt die Partnerschaft, da lebt ihr Geist. Nicht nur im Winter, wenn es schneit…

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Den Kurs hat John Stackmann eben erst gesteckt und die Längen vermessen für die beiden Trailstrecken, die beim 19. Winterwaldlauf in der Brucker Lache am 23. März 2019 erstmals neben den traditionellen Distanzen Aufnahme ins Programm finden. Ganz im Sinne von Witalij Galkin, der heuer bereits mit am Start war und sich derzeit mit seiner Frau, Dozentin am Lehrstuhl für Philosophie und Religionswissenschaften an der Universität Wladimir, wieder in Erlangen aufhält, denn auch russische Organisatoren von Laufveranstaltungen bieten immer mehr Trails an. Für Nichtläufer: Das sind die unwegsamen Strecken über Stock und Stein, querfeldein, wo es stolpert und holpert, wo so manch einer über die Wurzeln purzeln kann, wenn man nicht trittfest ist und ein waches Auge hat.

Im Ziel: Witalij Galkin, John Stackmann und Peter Steger, gesehen von Manuela Stackmann

Aber diese Läufe entdecken – mit allen Unwägbarkeiten des Geländes – immer mehr Athleten als die Königsdisziplin für sich. Die Herausforderungen in der Brucker Lache halten sich freilich auch für Amateure im Bereich des Machbaren: Der eine oder andere Stamm im Weg läßt sich leicht überspringen oder umlaufen, und die unerwarteten Steigungen erhöhen nur den Reiz des ganz neu zu entdeckenden Waldstücks. Sehr zur Freude des Trios auf dem Jungfernlauf, der nach 50 entspannt-lockeren Minuten für neun Kilometer ein grandioses Rennen – übrigens erneut unter der Schirmherrschaft von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß – unter Wettbewerbsbedingungen verspricht, zumal auch wieder Gäste aus Wladimir kommen wollen. Die Anmeldung ist bereits möglich unter http://www.winterwaldlauf.de. Auf die Plätze, fertig, los!

Galkin

Witalij Galkin und John Stackmann beim Winterwaldlauf 2018

Nach Lektüre des Blogs schickte John Stackmann noch folgenden Kommentar:

Es war mir ein Vergnügen, den russisch-deutschen Freundschaftsexpreß diesmal als weißbärtige Lokomotive anzuführen, der über die neue zweite Runde des Trail-Laufs für 2019 mit 8,7 km dampfte und zwei Followern einheizte. Trotz winterlicher Kälte wurde es einem dadurch nicht kalt. Und die Abwechslung auf den schmalen Naturpfaden lenkte zumal von der eigenen körperlichen Anstrengung ab und motiviert und begeistert hoffentlich bei der ersten öffentlichen Aufführung am 23.03.2019. Da wird man allerdings davor schon die erste Runde mit 7,3 km hinter sich haben, die bereits 2018 als Premiere großen Zuspruch fand, wird man die Beine spüren und die Reserve einteilen, damit die gesamten 16 km gut zu überstehen sind …

Hier nochmals der Rückblick auf den diesjährigen Lauf: https://is.gd/EM1gv2

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Vor hundert Jahren beantwortete Oswald Spengler in seinem „Untergang des Abendlandes“, wie beim Diskussionsforum Prisma vorgestern von Roman Jewstifejew zitiert, die Frage nach dem Wesen der Wahrheit so: „Für die Menge das, was man ständig liest und hört… Drei Wochen Pressearbeit, und alle Welt hat die Wahrheit erkannt. Ihre Gründe sind so lange unwiderleglich, als Geld vorhanden ist, um sie ununterbrochen zu wiederholen.“ Heute wissen wir, der Okzident ist zwar durchaus krisenanfällig, beweist aber weiterhin seine Vitalität, und gestern erfuhren die Erlanger Gäste nun auch, wie man als ein von zwei Geschäftsleuten Anfang der 90er Jahre gegründetes und bis heute erfolgreich betriebenes Medienunternehmen in Wladimir – zunächst als Radiosender, dann als TV-Station und nun seit einigen Jahren ausschließlich als regional ausgerichtetes Internetportal – anständig Geld verdienen kann und überlebt, ohne dem Publikum und den Werbekunden ein X für ein U vorzumachen: mit ausgewogener Berichterstattung, immer an Fakten und objektiven Maßstäben ausgerichtet, angesiedelt zwischen den regierungstreuen Staatsmedien und einem fundamentaloppositionellen Journalismus. Derart viel und intensiv an einem späten Vormittag über das Wesen der russischen Medien im Spannungsfeld zwischen Politik und der Freiheit des Wortes, zwischen ökonomischen Zwängen und Berufsethos erfahren zu können, hätte der Journalist Wolfgang Mayer so nicht erwartet, und man darf gespannt sein, wie er über diese Begegnung mit seinem Wladimirer Kollegen, Chefredakteur Sergej Golowinow von Zebra-TV, schreiben wird. Dem soll hier deshalb auch nicht vorgegriffen werden.

Sergej Golowinow, Gerda-Marie Reitzenstein, Julia Obertreis, Wolfgang Niclas, Wolfgang Mayer, Elisabeth Preuß, Jutta Schnabel und Amil Scharifow

Ausgespart bleiben für heute auch viele weitere Stationen des gestrigen Tages, der seinen Höhepunkt in einem Empfang für Bürgermeisterin Elisabeth Preuß bei Gouverneur Wladimir Sipjagin in der Staatskanzlei fand, im sogenannten „Weißen Haus“ der Region Wladimir. Eine Zeitenwende – der Begriff erscheint angemessen – wenn man bedenkt, daß es in den letzten fünf Jahren, in der Regierungszeit der abgewählten Landesmutter, Swetlana Orlowa, auf politischer Ebene keinerlei Zusammenarbeit mit dem Gouvernement gab, ungeachtet all der vielen Vorstöße und Vorschläge aus Erlangen, ungeachtet der guten Tradition des Austausches und der Begegnungen unter ihren Vorgängern, Nikolaj Winogradow und Jurij Wlassow.

Wladimir Sipjagin und Elisabeth Preuß

Wladimir Sipjagin, erst vor einem Monat – übrigens mit dem Versprechen, die Pressefreiheit zu schützen und keine Drangsalierung der Medien zu dulden – in sein Amt eingeführt, erweist sich im Gespräch mit seinem Gast als umfassend informiert über die Partnerschaft und hebt nicht nur die Bedeutung des Erlangen-Hauses hervor, sondern weist auch auf die gelungene Aussöhnung zwischen den Kriegsveteranen aus beiden Städten hin und will ganz offensichtlich diese auf Ebene des Gouvernements unterbrochene Tradition fortsetzen, wobei er sich offen für jede Art der Zusammenarbeit etwa mit der Metropolregion Nürnberg oder der dortigen IHK zeigt, sich aber auch gemeinsame Projekte in den Bereichen Umwelt und Soziales oder Medizin vorstellen kann. „Da ist bei allem, was schon im Austausch zwischen unseren Städten passiert, noch viel Luft nach oben“, freut sich Elisabeth Preuß und überbringt dem Gastgeber die herzliche Einladung von Oberbürgermeister Florian Janik nach Erlangen. „Ich komme gerne“, erwidert der Hausherr, „und wir werden meinen Besuch gut vorbereiten, damit wir dann auch gleich Verträge für eine erweiterte Zusammenarbeit unterzeichnen können.“ Willkommen!

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Das Thema, das sich das Gesprächsforum Prisma bei seinem mittlerweile dritten Zusammentreffen gestern in der Wladimirer Akademie für Verwaltung und Wirtschaft stellte, erschöpfend an einem Nachmittag abhandeln zu können, auch wenn der sich – eine gute Stunde länger als geplant – bis in den frühen Abend hinein erstreckte, hatte wohl niemand in der Runde erwartet. Aber die Gastgeber, Oberbürgermeisterin Olga Dejewa und Akademieleiter Wjatscheslaw Kartuchin als Moderator, unterstützt von Fachleuten aus der Journalistik und der Wissenschaft, hatten das richtige Rezept gefunden, um alle, Deutsche und Russen, zur Frage „Objektivität von Massenmedien bei der Globalisierung“ miteinander in einen fruchtbaren Austausch von Meinungen und Argumenten zu bringen. Nur zwei Impulsreferate seitens Wladimir – von Wjatscheslaw Kartuchin und dem Politologen Roman Jewstifejew als Komoderator – sowie ein Vortrag von Wolfgang Mayer, ehemaliger Wirtschaftsredakteur der Nürnberger Nachrichten und zehn Jahre lang Mitglied des Deutschen Presserates, zu der Situation der Medien in Deutschland und weltweit.

Das Plenum von Prisma

Was Bürgermeisterin Elisabeth Preuß in ihrem Grußwort für die Erlanger Delegation als „kleine Schritte zum großen Ziel Verständigung“ bezeichnete, erwies sich rasch als ein Gang durch offene Türen. Kein noch so kontroverses Thema blieb nämlich ausgespart, von den viel zu schwachen russischen Gewerkschaften, die es nicht schaffen, wie in Deutschland, Tarifverträge für Journalisten zu erstreiten – bis hin zu den gehäuften Morden an Reportern während der letzten 20 Jahre in der Russischen Föderation. Wer bisher glaubte, die russische Medienlandschaft sei weitgehend gleichgeschaltet, sah sich am Konferenztisch einer großen Vielfalt gegenüber, von den Wladimirer Staatssendern bis hin zu den durchaus kritischen Redaktionen von Pro Wladimir und Zebra-TV oder der Position des Bloggers Kirill Nikolenko, der meinte, der Staat versuche viel zu sehr, die Medien und die öffentliche Meinung zu steuern. Demgegenüber vertrat Wjatscheslaw Kartuchin die Auffassung, seine Landsleute vertrauten gerade angesichts der überbordenden und ungefilterten Flut von Nachrichten und Meldungen mehr einer ordnenden Hand der Behörden. Strittig diese Meinung – auch unter den Gastgebern.

Die deutsche Delegation: Wolfgang Niclas, Gerda-Marie Reitzenstein, Jutta Schnabel, Wolfgang Mayer, Elisabeth Preuß, Amil Scharifow und Doris Lang

Einig freilich ist man sich in der Verurteilung von Zensur, die auch das russische Grundgesetz verbietet, oder in der Beobachtung, wie das Internet zunehmend die Meinungsführerschaft übernimmt, altersunabhängig, hier wie dort. Oft zu Lasten der festangestellten Journalisten, deren Zahl aus Kostengründen in den letzten zehn Jahren, wie Wolfgang Mayer ausführte, um ein Drittel abgenommen habe. Häufig auch zu Lasten der Qualität der Berichterstattung, eine Lücke, die zunehmend von Webautoren und Bloggern gefüllt wird. Spätestens hier stellt sich dann die Frage nach der Objektivität, die, wie Richterin i.R., Gerda-Marie Reitzenstein, am Beispiel der Justiz darlegte, ohnehin auch in scheinbar übersichtlichen Sachen wie einem Verkehrsunfall vom jeweiligen Blickwinkel abhänge und schwierig einzuschätzen sei. Wie dann gezielte Falschmeldungen von Übermittlungsfehlern unterscheiden, wie klären, wer etwa richtig liege bei der Wertung dessen, was vor vier Jahren auf der Krim geschah, eine Frage, die der in Erlangen promovierte Historiker, Wolfgang Mayer, so zuspitzte: Annexion oder Beitritt nach einem Referendum?

Roman Jewstifejew, Kirill Nikolenko und Sergej Golowinow

Auf großes Interesse stieß vor diesem Hintergrund bei den Gastgebern die Einführung des Unterrichtsfachs Medienkompetenz an bayerischen Schulen. Denn, wie sich gerade als junger Mensch zurechtfinden in dem übergroßen Angebot an Information, wie Tendenzielles, Unseriöses und gar Hetzerisches von dem unterscheiden, was nicht gleich in jeden Bericht, woran Elisabeth Preuß gelegen ist, die persönliche Meinung des Autors in den Vordergrund stellt, was Fakten und Wahrheit vermittelt. Stoff genug möglicherweise für einen Journalistenaustausch, den zwischen den Partnerstädten aufzunehmen, beide Seiten anregen.

Gerda-Marie Reitzenstein, Jutta Schnabel, Wolfgang Mayer und Elisabeth Preuß

Mehr noch: Roman Jewstifejew, neben seiner Professur an der Akademie auch als Blogger und Publizist ausgesprochen aktiv, macht einen ganz konkreten Vorschlag zum Ende der Veranstaltung: ein Medienprojekt, das die Lebensverhältnisse der Menschen in Erlangen und Wladimir zum Thema hätte, eine Plattform, wo jenseits der politischen Schlagzeilen – denen will der Wissenschaftler damit ein großes Dennoch entgegensetzen – zur Sprache kommt, was die Stadtgesellschaften ausmacht und bewegt. Eine Idee, die noch auszuformulieren wäre, für die Mitstreiter nötig würden, die anzugehen aber jede Mühe lohnen könnte.

Roman Jewstifejew, Gerda-Marie Reitzenstein, Olga Dejewa, Elisabeth Preuß, Wjatscheslaw Kartuchin, Juta Schnabel (1. Reihe), Wladimir Rybkin, Julia Obertreis, Irina Chasowa, Wolfgang Niclas, Wolfgang Mayer, Alexander Illarionow und Doris Lang

Am Ende finden sich auch alle in den Worten von Julia Obertreis, Leiterin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der FAU, wieder, die an allen drei bisherigen Treffen teilnahm: „Dieses Forum ist ein Glücksfall für die Partnerschaft, und wir müssen es unbedingt fortsetzen.“ Wen wundert es da, wenn beim gemeinsamen Abendessen schon nach einem Termin für Prisma IV im Frühjahr in Erlangen gesucht wird.

P.S.: Nachzutragen bleibt noch der Ausspruch des Tages aus dem Mund von Sergej Golowinow, Chefredakteur von Zebra-TV: „Ein guter Journalist ist ein schlechter Journalist.“ Bisher nur einmal in all den Jahren seiner Tätigkeit sei er von allen in einem Bericht dargestellten Seiten gelobt worden. Oder, wie das Franz Josef Strauß einmal formulierte: „Wer everybody’s Darling sein möchte, ist zuletzt everybody’s Depp.“

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