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Posts Tagged ‘Elisabeth Preuß’


Jetzt gibt es ihn doch noch nachgereicht, den Bildbeweis aus Düren zum gestrigen Beitrag über die XV. deutsch-russische Städtepartnerkonferenz. Nach dem Verlust der Kamera des Blog-Bildreporters konnte Jewgenij Sacharjewitsch vom Quartett WladJenaTeam aushelfen.

Peter Steger, Monika Tharann und Bill Boerum

Das gibt auch Gelegenheit zu einem schriftlichen Nachtrag. Die Arbeitsgruppe 6 mit dem Thema „Zivilgesellschaft gestaltet Städtepartnerschaften – Wege der Verständigung – Wege zum Frieden“ bot unter der Moderation von Monika Tharann, der Geschäftsführerin der Stiftung West-Östliche Begegnungen nämlich nicht nur Gelegenheit zur Vorstellung des Dreiecks Erlangen-Wladimir-Jena. Eingeladen waren auch Abdul Kahn, stellv. Vorsitzender des Stadtrats von Coventry in England und Mitglied im internationalen Städtenetzwerk Peace Messenger Cities, und Bill Boerum aus Washington, Vorsitzender a.D. der Sister Cities International. Gerade weil während des Kongresses so manche Spitze gegen die Politik Großbritanniens und der USA zu hören war, hätten die Beiträge der beiden Politiker mehr Aufmerksamkeit und ein größeres Podium verdient. Wer weiß denn schon, daß Stalingrad, das heutige Wolgograd, und Coventry sich als Symbole der Zerstörungswut im Zweiten Weltkrieg noch vor der Kapitulation des Dritten Reiches partnerschaftlich verbanden? Und wo liest man sonst von den Aktionen der Verständigung mit russischen Kommunen seitens amerikanischer Organisationen. Eine Volksdiplomatie, eine Bürgerverständigung, die es kaum in die Schlagzeilen schafft, dafür aber Menschen zusammenbringt, die im Innersten zusammenhalten, was den Frieden jenseits der großen Politik möglich und erlebbar macht.

Thomas Stroukov, Jewgenij Sacharjewitsch, Alina Wedechina, Elisabeth Preuß, Peter Steger, Jewgenia Bykowskaja und Jekaterina Ragusina

Und damit sind wir wieder beim WladJenaTeam, das es nun mit seinem eigenen Kanal auf youtube https://is.gd/fOewMK selbst in der Hand hat, auf sich aufmerksam zu machen – mit der administrativen und politischen Unterstützung von Alina Wedechina in Wladimir und, soweit erforderlich, auch seitens ihrer Erlanger Kollegin, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß. Und inhaltlich nehmen die Jugendlichen von der Tagung in Düren sicher das Thema „75 Jahre Befreiung vom Nationalsozialismus“ als Anregung mit nach Hause, um zu dieser 2020 anstehenden Frage einen eigenen Beitrag zu gestalten.

Mehr Bilder und Berichte zu der Konferenz, die gestern zu Ende ging, finden Sie hier auf der Facebook-Plattform des Deutsch-Russischen Forums, des bewährten und verdienten Ausrichters der Veranstaltung: https://is.gd/2YZ1C5

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Gestern abend fand die Eröffnungsveranstaltung der XV. Deutsch-Russischen Städtepartnerkonferenz im Aachener Krönungssaal mit einer Festrede von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet statt.

Armin Laschet

Michelle Müntefering, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Dr. Michail Schwydkoj, Sonderbeauftragter des Präsidenten der Russischen Föderation für internationale kulturelle Zusammenarbeit, Außenministerium der Russischen Föderation, Matthias Platzeck, Ministerpräsident a.D., Vorsitzender des Vorstands, Deutsch-Russisches Forum e.V., Wolfgang Spelthahn, Landrat des Kreises Düren und Sergej Netschajew, Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter der Russischen Föderation, hielten Grußworte.

Krönungssaal zu Aachen in voller Besetzung

Unter dem Motto „Wege der Verständigung: Partnerschaften als Mittler des Deutsch-Russischen Dialogs“ werden sich heute und morgen mehr als 700 Vertreter von Städten und Gemeinden, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Politik und Wirtschaft aus beiden Ländern in sieben Arbeitsgruppen miteinander austauschen.

Elisabeth Preuß und Matthias Platzeck

„Die Konferenz steht in der langen Tradition einer vertrauensvollen städteverbindenden Zusammenarbeit mit Rußland. Sie setzt ein klares Signal für die versöhnende Kraft des Bürgerdialogs in Europas Städten und Gemeinden“, betonte Matthias Platzeck.

Martin Hoffmann, geschäftsführender Vorstand des Deutsch-Russischen Forums

Die deutsch-russische Städtepartnerkonferenz wird alle zwei Jahre wechselnd in Deutschland und in Russland ausgetragen und vom Deutsch-Russischen Forum e.V., dem Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften e.V. und der Stiftung West-Östliche Begegnungen in Zusammenarbeit mit der Internationalen Assoziation der Partnerstädte in Moskau durchgeführt.

Im Westen nichts Neues? Durchaus! Hier, im Länderdreieck Deutschland, Belgien und Niederlande, wo Karl der Große sein Reich einte, hier, ganz im Westen der Bundesrepublik, bekannte sich mit Armin Laschet ein westdeutscher Ministerpräsident mit ganzem Herzen zum deutsch-russischen Dialog und erinnerte an den Handelsweg, der schon im Mittelalter von Brügge via Aachen bis nach Nowgorod führte, heute noch immer nachzufahren auf der B1, die sogar das Brandenburger Tor passiert. Hier, wo Winston Churchill schon 1955, ausgezeichnet mit dem Karlspreis, betonte, Europa sei ohne die Sowjetunion und die Russen nicht zu denken und gestalten.

Michelle Müntefering

Da hat es dann schon besonderes Gewicht, wenn Staatsministerin Michelle Müntefering öffentlich überlegt, ob es nicht sinnvoll sei, in ihrem Außenministerium eine Stelle zur Koordination der deutsch-russischen Städtepartnerschaften einzurichten. Denn, bei all dem, was die beiden Staaten derzeit politisch trennt – und die Rednerin wurde da durchaus deutlich -, komme es doch vor allem darauf an, das Verbindende zu stärken.

Chor aus Mytischi

Das kann natürlich nur die Unterstützung der vielen Aktiven in den mittlerweile knapp über einhundert deutsch-russischen Kommunalpartnerschaften – zwei neue Vereinbarungen wurden an dem Abend unterzeichnet – finden und macht Hoffnung auf mehr politische Aufmerksamkeit und Begleitung dieser zivilgesellschaftlichen Verbindungen.

Jewgenij Sacharjewitsch, Elisabeth Preuß, Jekaterina Ragusina und Jewgenia Bykowskaja von der Jugendorganisation Euroklub Wladimir

Und es ist auch ein Versprechen an die Jugend, die in einem eigenen Forum eine ganze Woche lang gemeinsame Projekte erarbeitete und sich unter anderem auch über gemeinsame Aktionen zum Thema Klima- und Umweltschutz einigten, am bisher heißesten Tag des Jahres in Deutschland und vor dem Hintergrund von Fridays for Future fast schon zwingend. Der Euroklub aus Wladimir hatte eigens eine dreiköpfige Delegation nach Aachen und Düren entsandt, die gemeinsam mit einem jungen Mann aus Jena – darauf wird noch zurückzukommen sein – ein eigenes Medienprojekt initiierte.

Kurt Förster, Elisabeth Preuß, Sergej Sacharow und Erwin Bauer

Und es ist ein Auftrag an die Kommunalpolitik, der ja gottlob nicht nur in Erlangen, Rothenburg o.d.T., Susdal und Wladimir ernst genommen wird. Und so folgten denn neben Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, Bürgermeister Kurt Fuchs und Erwin Bauer vom Partnerschaftsverein in Rothenburg auch Referentin Alina Wedechina, seit sechs Jahren im Rathaus Wladimir für die Städtepartnerschaft zuständig, und Stadtdirektor Sergej Sacharow aus Susdal, vormals Oberbürgermeister von Wladimir, der Einladung nach Nordrhein-Westfalen.

Alina Wedechina, Jonas Eberlein und Elisabeth Preuß

Schön, wenn man dann auch die Früchte der Partnerschaftsarbeit ernten kann. Jonas Eberlein, 2005 im Rahmen eines musikalischen Austausches des Ohm-Gymnasiums erstmals in Wladimir und später von Moskau aus immer wieder ideenreicher Gast in der Partnerstadt – auch als Teilnehmer am ersten Halbmarathon im Jahr 2017, ist jetzt als Dolmetscher für die Jugenddelegation des Kongresses tätig. Und Sergej Siwajew, in den 90er Jahren stellvertretender Bürgermeister von Wladimir und jetzt Professor für Urbanistik in Moskau, nimmt als Fachmann für kommunale Energiesparmaßnahmen mit einem eigenen Beitrag an der Tagung teil.

Sergej Siwajew und Elisabeth Preuß

Viele bekannte Gesichter also bei der Konferenz, aber auch nicht weniger viel Neues im Westen Deutschlands, im Herzen Europas, wo auch Rußland nun endlich angekommen ist, wo es hingehört seit alter Zeit und heute erst recht.

Mehr Bilder zum gestrigen Abend unter: https://is.gd/Dlyc6c

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Kaum ein Projekt entwickelt sich derart erfolgreich und, um einen Begriff aus der Thematik des gegenwärtigen Treffens zu verwenden, nachhaltig wie das Gesprächsforum Prisma, das sich seit Dienstag den Fragen des Umwelt- und Naturschutzes mit Schwerpunkt Vermeidung, Entsorgung und Wiederverwertung von Müll widmet. Nicht auf Expertenebene, sondern unter dem Blickwinkel des Zusammenspiels von Politik, Behörden und Zivilgesellschaft.

Wjatscheslaw Kartuchin, Gerda-Marie Reitzenstein, Jürgen Schnieber, Schamil Chabibullin, Olga Kanischtschewa und Anatolij Kurganskij

Am Montag eingetroffen, besuchten die Gäste, begleitet vom Prisma-Mitglied Gerda-Marie Reitzenstein, zunächst die Müllumladestation mit all den verschiedenen Fraktionen, die vorab getrennt werden, so daß am Ende in Erlangen gerade einmal noch 30% als Restmüll verbleibt, der per Bahn nach Bamberg und Coburg in die Verbrennungsanlagen geht.

Anatolij Kurganskij, Wjatscheslaw Kartuchin, Olga Kanischtschewa, Gerda-Marie Reitzenstein und Schamil Chabibullin

Inhaltlich vorbereitet hatten die Thematik bereits im April die beiden Journalistinnen Karina Romanowa und Julia Kusnezowa, die nach ihrem Besuch in Erlangen zusammen mit Wjatscheslaw Kartuchin, dem Leiter der Akademie für Verwaltung und Wirtschaft, eine regelrechte Informationskampagne buchstäblich auf allen Kanälen starteten und in der Öffentlichkeit wie in der Politik demonstrierten, wie Abfallfragen in der deutschen Partnerstadt behandelt werden.

Treffen mit Ulrich Klement, zweiter von links

Einige der Stationen kannte Wjatscheslaw Kartuchin deshalb bereits, andere, wie die Biogasanlage in Strullendorf, wo auch Abfälle aus Erlangen in einem etwa siebzigtägigen Prozeß fermentiert werden, waren ihm ebenso neu wie seinem Kollegen, dem Abgeordneten der Regionalduma Wladimir, Schamil Chabibullin, oder Olga Kanischtschewa, der Chefökologin der Region Wladimir, und Anatolij Kurganskij, Kreisrat von Kameschkowo, unweit von der Partnerstadt gelegen. Und noch niemand von der Vierergruppe war bisher schon einmal am Dechsendorfer Weiher, wo es dann sogar noch ein zufälliges Treffen mit Ulrich Klement, Leiter des Sportamts, gab, der auch für Unterhalt und Pflege der beiden Schwimmbäder dort verantwortlich zeichnet.

Anatolij Kurganskij, Elisabeth Preuß, Georg Hollfelder, Schamil Chabibullin, Manfred Eichhorn, Gerda-Marie Reitzenstein, Wjatscheslaw Kartuchin, Julia Obertreis und Olga Kanischtschewa

Auf dem Weg in Richtung Bamberg vervollständigte sich schließlich die Gruppe: Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Julia Obertreis, Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt Osteuropa an der FAU, stießen dazu und ließen sich ebenfalls über Vergärung und später, in Bamberg, Verbrennung von Abfällen informieren.

Im Müllheizkraftwerk Bamberg: Schamil Chabibullin, Anatolij Kurganskij, Gerda-Marie Reitzenstein, Wjatscheslaw Kartuchin, Elisabeth Preuß, Arnd Externbrink, Olga Kanischtschewa und Julia Obertreis

Nach all dem praktischen Anschauungsobjekten folgte dann gestern unter dem Vorsitz von Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens der theoretische Teil des Treffens im Erlanger Rathaus mit Fachleuten aus dem Umwelt- und Abfallbereich.

Prisma im Plenum

Julia Obertreis stellte die Geschichte der Ökobewegung in BRD wie DDR ab den 70er Jahren vor und erklärte, wie es zur Gründung der Grünen kam, während Susanne Lender-Cassens erläuterte, welche Rolle in Erlangen die Umweltfragen spielen und was vor allem unternommen wird, um Müll zu vermeiden und wiederzuverwerten.

Julia Obertreis, Susanne Lender-Cassens, Wjatscheslaw Kartuchin, Olga Kanischtschewa, Anatolij Kurganskij und Schamil Chabibullin

Anna Barth vom Jugendparlament berichtete von den Umweltinitiativen der Jugendlichen und natürlich von Fridays for Future, dies Klimabewegung von Schülern, die in Rußland noch völlig unbekannt ist und wohl auch nicht die Ausmaße annehmen dürfte wie etwa in Deutschland, denn, so Olgan Kanischtschewa, man habe nicht nur Schulpflicht, sondern lege in den Klassen auch viel Wert auf Umweltbildung. Außerdem bestehe für alle die Möglichkeit, sich in zivilgesellschaftlichen Kammern und Beiräten zu engagieren und so auch Umweltthemen voranzubringen. In Wladimir schon lange ein wichtiges Thema, auch daran abzulesen, daß man 12% der Fläche des Gouvernements unter Natur- und Landschaftsschutz gestellt habe, während diese Kennziffer in den Nachbarregionen bei gerade einmal 8% liege.

Im Bereich Umwelterziehung – das stellte sich dann auch beim Vortrag von Regina Meinardus heraus – gibt es sicher die größten Übereinstimmungen, und da stieß denn der Vorschlag von Wjatscheslaw Kartuchin auf großes Interesse, einen gemeinsamen Umweltpreis für Jugendliche auszuloben oder zumindest ein Projekt der Partnerstädte im Bereich der Öko-Pädagogik zu starten.

Gruppenbild mit Bezirksrätin Maria Scherrers, vierte von rechts und mit Oxana Kirej, die mit ihrem Nachwuchsteam vom Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde wieder famos für die Verständigung sorgte

Heute stehen noch einige Termine auf dem Programm, vor allem die Besichtigung des Klärwerks, aber fest steht schon jetzt: Wladimir will eine Fachgruppe zu dem Thema Müll einladen, um mit dem Expertenteam ein für die Region geeignetes Konzept zu erarbeiten, und die nächste Prisma-Begegnung, möglichst noch in diesem Jahr, soll die zivilgesellschaftlichen Komponenten dieser Frage weiter vertiefen: Wie können Vereine und Verbände, Ehrenamtliche und Organisationen ihren Beitrag zur Müll-Problematik leisten?

Schamil Chabibullin, Wjatscheslaw Kartuchin, Susanne Lender-Cassens, Anatolij Kurganskij, Olga Kanischtschewa und Wolfgang Niclas

„Wir haben wieder viel voneinander gelernt“, resümierte Susanne Lender-Cassens gestern abend bereits, „und wir haben von viel gemeinsam vor. Ich freue mich darauf!“

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Eigentlich hatte Elisabeth Preuß gestern beim Empfang für die Gaststudenten der Staatlichen Wladimirer Universität im Rathaus eine fünfköpfige Gruppe erwartet. Warum dann doch nur ein Trio kam, beantwortete Heinz Römermann, Leiter der Abteilung Russisch am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde (IFA), mit dem Hinweis, die beiden anderen seien im Rahmen eines Erasmus-Plus-Programms für ein ganzes Semester an die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) gekommen, gewissermaßen abgeworben, wie seine Kollegin, Oxana Löscher, ergänzte. Sollte sich da ein Wettbewerb um die künftigen Wladimirer Deutschlehrer abzeichnen, die dann doch wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten in anderen Berufen ihr Glück suchen?

Heinz Römermann, Elisabeth Preuß, Maria Agejewa, Wladislaw Anufrijenkow, Jelena Uwarowa und Oxana Löscher

So viele sind es ja nicht mehr. Die Zahlen derer, die in Wladimir Deutsch als Lehramt studieren, gehen zurück, keine zwanzig mehr sind es in einem Jahrgang. Damit wächst aber auch die Chance, in den Genuß des mittlerweile seit 31 Jahren bestehenden Austausches mit dem Partnerinstitut zu kommen und hier drei Wochen lang – vom 20. März bis 10. April – dank der Unterbringung in Gastfamilien nicht nur den Unterrichtsbetrieb mit Fächern wie Methodik des Übersetzens, Verhandlungsdolmetschen, Fachkunde Technik, Landeskunde, Grammatik oder Wortschatz und Idiomatik zu erleben, sondern auch Land und Leute kennenzulernen – mit selbstorganisierten Ausflügen nach München, Nürnberg, Bamberg… So lernt man am besten sprechen und verstehen, um eines Tages neue Brücken zwischen Deutschen und Russen zu bauen, von denen wir ja mehr denn je brauchen. Da ist es dann auch nicht mehr so wichtig, ob man seine Erfahrungen am IFA oder an der FAU macht und ob man später als Pädagoge oder was auch immer arbeitet. Hauptsache im Dienst der Verständigung.

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Zum ersten Mal in Deutschland, zum ersten Mal in Erlangen, zum ersten Mal in der Redaktion der Lokalzeitung in der Partnerstadt. Auf diesen Termin hatten sich die Journalistinnen Karina Romanowa und Julia Kusnezowa nach der Podiumsdiskussion am Montagabend besonders gefreut. Weniger die eigene Arbeit erklären, als vielmehr sich mit Kollegen austauschen und erfahren, was eint und was trennt.

Karina Romanowa, Markus Hörath und Julia Kusnezowa

Schnell wird im Gespräch mit Markus Hörath, Redaktionsleiter der Erlanger Nachrichten, klar, da ist mehr was eint als trennt: der Schwund bei der Printausgabe, die zurückgehenden Werbeeinnahmen, der Kostendruck mit Auswirkungen auf die Personaldecke, die Orientierung auf das Internet. Aber auch ein fairer Umgang mit Politikern ohne Schongang, ein Vertrauensbasis mit der Leserschaft, eine emotionale Bindung an Stadt und Region.

Wjatscheslaw Kartuchin, Elisabeth Preuß, Julia Kusnezowa, Karina Romanowa und Amil Scharifow

Und: Man weiß viel zu wenig voneinander, sollte mehr die Möglichkeiten der Partnerschaften nutzen, um sich auch unter Journalisten besser kennenzulernen und vielleicht sogar das eine oder andere Material zwischen den Redaktionen auszutauschen. Denn, auch darin ist man sich einig, die völkerverbindenden Beziehungen zwischen Erlangen und Wladimir will man auch in Zukunft journalistisch begleiten, gerade auch vor dem Hintergrund der schwierigen geopolitischen Lage.

Julia Kusnezowa, Florian Janik, Karina Romanowa und Wjatscheslaw Kartuchin

Ganz im Sinne von Oberbürgermeister Florian Janik, der dritten Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und von Landrat Alexander Tritthart, die alle mit ihren je eigenen Worten den Wert der Kontakte betonen. Ganz nebenbei können die Gäste beim Besuch des Landratsamtes eine Besonderheit feststellen: Nirgendwo sonst in einem bayerischen Landkreis gibt es zwei deutsch-russische Städtepartnerschaften wie hier, das Paar Höchstadt an der Aisch mit Krasnogorsk und eben die Verbindung Erlangen-Wladimir.

Julia Kusnezowa, Alexander Tritthart und Karina Romanowa

Und noch etwas verbindet, von dem Christofer Zwanzig, Pressesprecher der Stadt Erlangen, berichtet. Es werde, so die übereinstimmende Auffassung, hier wie dort, immer schwieriger, komplexe Zusammenhänge und Entscheidungswege – etwa im Fall der Stadt-Umland-Bahn – angemessen zu vermitteln. Durch eine Vermischung von Fakten und Meinungen, besonders in den Sozialen Medien, komme es häufig rasch zu Verdrehungen der Sachverhalte, zu absichtlichen Entstellungen und oft auch zu offener Ablehnung, ohne sich mit dem Wesen der Sache beschäftigt zu haben. Leider wirke dann derlei Meinungsmache oft regelrecht ansteckend und untergrabe das Vertrauen in den Journalismus ebenso wie in Behörden und Institutionen.

Christofer Zwanzig, Julia Kusnezowa und Karina Romanowa

Wichtig ist den beiden aber: „Wir haben uns hier gleich wie zu Hause gefühlt, nicht wie Fremde.“ Und noch etwas freut sie: „In Erlangen scheinen die Politiker für Journalisten so zugänglich und offen zu sein.“ Spürbar schon am freien, unkontrollierten und unangemeldet möglichen Zugang zu Behördengebäuden ohne Wachpersonal. Vielleicht auch daher der Eindruck von Julia Kusnezowa und Karina Romanowa nach gerade einmal drei Tagen in Erlangen: „Es ist, als gingen hier für uns alle Türen von selbst auf.“

 

 

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Um es vorwegzunehmen: Im Titel fehlt das Fragezeigen nicht von ungefähr. Die beiden Journalistinnen, Julia Kusnezowa und Karina Romanowa, sehen sich in ihrer Arbeit in keiner Weise eingeschränkt oder bevormundet und widersprechen damit gestern bei der abendlichen Podiumsveranstaltung im Club International all den Vorurteilen und Stereotypen, die man hierzulande so von der russischen Presse haben mag. „Kommen Sie zu uns nach Wladimir, und überzeugen Sie sich selbst davon, wie es bei uns zugeht“, lädt denn auch am Ende der zweistündigen Diskussion Julia Kusnzeowa das Publikum ein.

Georg Escher, Julia Kusnezowa, Peter Steger und Karina Romanowa

Aber beginnen wir beim Anfang, an dem das Forum „Prisma“ mit dem Thema „Medienfreiheit“ im November vergangenen Jahres stand, begleitet von Wolfgang Mayer, bei den Nürnberger Nachrichten vor seinem Ruhestand zuständig für den Bereich Wirtschaft. Auf seine Initiative hin sollte eine dreiköpfige Journalistengruppe (Nikolaj Liwschiz erkrankte leider am Tag vor der Abreise an Grippe und konnte die Einladung nicht annehmen) nach Erlangen kommen, um einen Fachaustausch aufzunehmen – und natürlich über die eigenen Arbeitsbedingungen und Auffassungen zum Beruf zu berichten. Und das gelang – der Reaktion des Publikums gemäß – vortrefflich.

Peter Gertenbach

Nach der kurzen Begrüßung durch Peter Gertenbach, an der Volkshochschule zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, übernahm Georg Escher von den Nürnberger Nachrichten und dort für die internationale Berichterstattung verantwortlich, die Moderation, wobei ihm seine Vertrautheit mit der russischen Politik und Medienlandschaft natürlich zum Vorteil gereichte, ohne seine Kenntnisse zu sehr in den Vordergrund zu spielen; vielmehr überließ der von manchen als „Putin-Versteher“ diskreditierte Gesprächsleiter viel Raum für Fragen aus dem vollbesetzten Saal, in dem ein dritter Gast aus der Partnerstadt saß, Wjatscheslaw Kartuchin, Leiter der Akademie für Wirtschaft und Verwaltung und Koordinator des Diskussionsforums „Prisma“ auf Wladimirer Seite.

Wjatscheslaw Kartuchin

„Wir sollten mehr nach dem suchen, was uns verbindet, als nach dem, was uns trennt“, lautete der Konsens im Vorgespräch. Doch im Laufe des Abends schälten sich dann doch gerade auch die Unterschiede zwischen dem Selbstverständnis von Presse hier wie dort heraus. Vereinfacht gesagt und an vielen Beispielen von beiden Journalistinnen belegt: Die russischen Medien, zumindest auf lokaler Ebene, begreifen sich als Vermittler von Nachrichten, die von möglichst vielen Seiten – seien es Fachleute, Politiker oder Menschen von der Straße bei Umfragen – ausgeleuchtet, aber nicht vom Reporter kommentiert und aus eigener Sicht beurteilt werden sollten. „Wenn ein Kommentar zur Nachricht benötigt wird“, so Julia Kusnezowa vom privaten Sender TV6, wo sie nicht nur moderiert, sondern auch als Chefredakteurin die Verantwortung für den Inhalt trägt, „haben wir schlecht berichtet.“ Eine Auffassung die Karina Romanowa von der Anstalt Gubernia33, ebenfalls Moderatorin, aber auch zuständig für die Pflege der immer wichtiger werdenden Homepage, nicht weniger apodiktisch bestätigt: „Das Publikum soll sich seine eigene Meinung bilden. Die Nachricht sollte für sich sprechen.“ Ein ganz anderer Ansatz als bei uns, wie Bürgermeisterin Elisabeth Preuß in einer Wortmeldung meint, denn ein Kommentar – etwa zum Auszug der AfD aus dem Bayerischen Landtag während der Rede von Charlotte Knobloch zum Holocaust-Gedenktag – könne möglicherweise zum Nachdenken anregen und das Bewußtsein für eine Problematik schärfen. „Nicht unsere Aufgabe“, betonen die beiden Russinnen, „denn Stellungnahmen anderer Politiker und weiterer Zeugen des Vorfalls, die wir in den Bericht einbauen würden, hätten genug Substanz, damit sich der Zuschauer eine eigene Meinung bilden kann.“ Vielleicht haben dabei die Gäste ja den vielzitierten „mündigen Medienkonsumenten“ im Sinn. Vielleicht trauen sie ihrem Publikum mehr zu, als die Medien das hierzulande tun. Und schließlich noch die Sentenz, die – nicht unerwartet – beim Kommentator Georg Escher Protest hervorruft: „Die eigene Meinung von Journalisten hat in den Nachrichten nichts zu suchen; dafür gibt es die Talkshows!“

Georg Escher

Und was ist mit der journalistischen Freiheit? Kein Problem für Karina Romanowa, auch wenn ihr Sender vom Gouvernement getragen und finanziert wird: „Die Politik mischt sich nicht in unsere redaktionelle Arbeit ein, solange wir gesetzeskonform handeln. Aufpassen müssen wir eher, im Wahlkampf wirklich alle Parteien paritätisch zu Wort kommen zu lassen, wenn wir nicht eine Anzeige von politischen Gegnern oder eine Rüge seitens der Medienaufsicht riskieren wollen.“ Und auch Julia Kusnezowa bestätigt: „Der Geschäftsmann mit Sitz in Moskau, dem die Holding gehört, von der wir in Wladimir ein kleinerer Teil sind, gibt uns umfassende reaktionelle Freiheit. Und überhaupt ist es so, je weiter von Moskau weg, desto weniger Begrenzungen.“ Möglicherweise hängt das auch mit einer weiteren Besonderheit zusammen: Die lokalen Medien verstehen sich als Vertreter ihres Publikums, nehmen deren Sorgen und Nöte auf, wissen, wo der Schuh drückt und transportieren die Probleme vor Ort gegebenfalls bis in die Pressekonferenz mit Präsident Wladimir Putin. Wie etwa im Fall einer Werkstatt für Blinde im Besitz eines Privatmanns, der Insolvenz anmeldete und damit die Belegschaft hätte auf die Straße setzen müssen. Auf Intervention der Presse setzte sich der Kreml dann aber erfolgreich für den Erhalt der Werkstatt in Wladimir ein. „Das macht uns froh und schenkt uns ein Erfolgserlebnis, denn so kommen wir unserem sozialen Auftrag nach, wenn wir die Behörden und Politiker vor Ort dazu bewegen können, das zu tun, was sie bisher zu tun versäumten“, schließt Karina Romanowa den Themenblock.

Julia Kusnezowa und Peter Steger

Gefahr für Leib und Leben? Eher nicht in Wladimir, aber ganz ungefährlich muß es deshalb auch nicht immer zugehen. Karina Romanowa erinnert einen Fall  bandenmäßigen Betrugs mit der Vermietung von Wohnungen an Illegale. Da kam es tatsächlich zu Morddrohungen gegenüber der investigativ arbeitenden Kollegin, die aber am Thema – freilich mit weiterer Unterstützung aus dem Team und unter Einschaltung der Polizei – dranblieb und ihre Recherche erfolgreich zu Ende führte. Die Bande wurde übrigens zerschlagen. Und zu Beginn ihrer TV-Karriere erlebte Julia Kusnezowa, die auch Vorträge zum Thema Journalistik anbietet und ihren Beruf mehr für eine Lebensform und weniger für eine Arbeit hält, etwas nicht minder Beängstigendes, als ihr ein junger Mann nachstellte und drohte, sie entführen zu wollen. Er litt wohl an einer gewissen Störung und ging auch schon bald der Polizei ins Netz.

Karina Romanowa

Eines ist klar: Der West-Ost-Dialog in Sachen Medien steht noch ganz am Anfang. Man weiß viel zu wenig voneinander. Aber immerhin werden die beiden Journalistinnen zu Hause von dieser so offenen und freundlichen Begegnung berichten und wohl auch eine Reportage zeigen, von der hier noch die Rede sein wird: Darüber, wie in Erlangen das Thema Müll und Recycling angepackt wird. Denn kaum eine Problematik ist derzeit dringlicher in Wladimir als die von wilden Deponien und unerwünschtem Abfall – vor allem aus der Region Moskau. Genug Stoff noch für die Zusammenarbeit der Partnerstädte.

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Nachdem sich der erste Bericht eher auf den Transport bezog, nun etwas mehr Inhalt. Schließlich sind die Transportmittel ja auch (aber nicht nur) Mittel zum Zwecke des Ankommens an schönen Orten.

Das Erlangen-Haus hieß uns, wie immer, herzlich willkommen, Zimmer, Frühstück und persönliche Gespräche machten es wie immer zu einem echten Zuhause auf Zeit. Wir hatten uns drei Programmpunkte vorgenommen, Wladimir selbst, Susdal und Bogoljubowo.

Zum ersten Mal war Wolfgang dabei, der zwar schon zu einem sommerlichen Besuch bei meinem Vater in Nischnij Nowgorod war, aber noch nicht in Wladimir und schon gar nicht im Winter. Entsprechend hatte er Mores und investierte in gute Schuhe, war mit warmer Unterwäsche und mehreren Schals und Mützen gut ausgerüstet. Leider ließ uns der Winter arg im Stich, die Temperaturen schwankten um den Gefrierpunkt. Auch die Sonne blieb hinter den Wolken versteckt, der Schnee war also weiß, (abseits der Straßen), nicht aber gleißend, wie im winterlichen Sonnenschein. Eines lernten wir ob des Straßenschmutzes schnell, nämlich unsere Schuhe gut abzuklopfen, ehe wir irgendwo eintraten.

Die Kathedralen, das Heimatmuseum „Altes Wladimir“ im Wasserturm, eine Ausstellung mit Schülerbildern aus dem Leben von Alexander Solschenizyn und einige Spaziergänge eröffneten Wolfgang ein gutes Bild unserer Partnerstadt. Am Abend ging es ins Konzert zum Knabenchor von Eduard Markin, allen Freunden der Partnerschaft gut bekannt. Dort hatten wir ein Erlebnis der Sorte „Die Welt ist ein Dorf“, denn wir wurden von Gabor Nemenyi aus Nürnberg, einem Mitglied des Freundeskreises Wladimir, begrüßt, der mich erkannte.

Der Chor bot wie immer eine fantastische Leistung, so manches Lied verursachte uns Gänsehaut. Lieder aus unterschiedlichsten Zeiten, manche lustig, manche fast dramatisch, und immer mit Präzision und Sangesfreude dargeboten. Nach all den Jahren erkenne ich viele Gesichter wieder, die sich vom Jungen zum jungen Mann verändert haben. Ich hoffe, es werden sich auch weiterhin begabte Jungen finden, die vor dem sicher harten Probenplan, der Disziplin und den vielen Reisen nicht zurückschrecken. Nach dem Konzert waren es  übrigens Jungs wie alle anderen auch, die sich schubsten, ihre Mobiltelefone zückten und durcheinander redeten.

Mit unserem neuen Begleiter Gabor kamen wir ins Gespräch und beschlossen, den Abend im „Wiener Café“ ausklingen zu lassen. Zu uns gesellte sich dann noch Tatjana Kolesnikowa, eine Lehrerin des Erlangen-Hauses, und wir sprachen, wie so oft, über die Rätsel und unerwarteten Wendungen der deutschen Sprache. Der Unterschied von „Entspannen“ und „Erholen“ beispielsweise wurde diskutiert und auch, wie man denn eine Fremdsprache nahezu akzentfrei lernen könne.

Wladimir hat mit seinem Kathedralenplatz ein Zentrum, das für sich stehen kann und eigentlich keine weitere „Verzierung“ braucht. Der Blick geht vom Platz über den Anstieg zum Glockenturm der Mariä-Entschlafens-Kathedrale, dem fünfkuppligen Kirchenbau selbst und weiter in den Park.

Warum dort ein wohl 15m langer Schriftzug „I❤️Wladimir“ (sic!) stehen soll, versteht wohl keiner. Warum auf diesem Platz auch noch Karussells und Buden stehen müssen, erschließt sich ebenfalls nicht. Die Weniger-ist-mehr-Puristen in der Stadtverwaltung sind wohl in der Minderheit. So nutze ich am Abend einen vorbeifahrenden Bus, der den Schriftzug wohltuend verdeckte.

Susdal stand am nächsten Tag auf dem Programm. Der Bus brachte uns bis ins Zentrum dieser märchenhaften Kleinstadt, über deren weitläufiges Areal unzählige Kirchen und Klöster verteilt sind. Und gab es irgendwo eine Baulücke, so fügte sich immer noch eine kleine Kapelle hinein. Zum ersten Mal war ich auf eigene Faust dort. Wir konnten also selber bestimmen, wohin es ging und wie lange wir vor welchem Bild stehen und staunen wollten. Auch hatten wir uns den ganzen Tag Zeit genommen.

Wolfgang Schneck und Elisabeth Preuß

Wir begannen mit einer Schlittenfahrt, ein Fehler, denn danach waren die Füße kalt, für den Beginn des Erlaufens der Klöster gar nicht gut. Wir kehrten also erstmal ein, und bei heißem Tee und Piroggen wurde uns wieder warm.

Mit warmen Füßen ging’s dann in den Kreml, wo man zwischen  Billets für „draußen“ und „draußen und drinnen“ wählen kann. Wir nahmen letztere und wurden nicht nur mit dem Inneren der wunderbaren Kirche, sondern auch mit dem Museum belohnt. Dort gab es weltliche Exponate aus der Geschichte der Stadt, wunderbare, riesige Öfen mit Delfter Glasur, die von den alten Beziehungen zwischen Holland und dem Russischen Reich erzählen. Höhepunkt aber waren die Ikonen, einige über 500 Jahre alt und in sehr gutem Zustand.

Das Freilichtmuseum war das nächste Ziel, dann wieder Aufwärmen bei Soljanka, anschließend ein Gang zum Klosterkomplex, in dem Generalfeldmarschall Paulus interniert war. Allmählich wurde es dunkel, wir gingen zurück zum zentralen Marktplatz an den Arkaden und beobachteten die Händler beim Einräumen der Waren. Anfang Februar scheint für die Händler keine gute Zeit zu sein, denn an den Ständen war es den ganzen Tag sehr ruhig. Uns kam das entgegen, weil wir die Kirchen und Klöster im winterlichen Schnee ohne Menschenmassen genießen konnten, für die Händler aber sicher eine harte Zeit.

Unser dritter und schon letzter Tag sollte uns nach Bogoljubowo führen. Ich nahm morgens wieder eine Lektion Russisch bei meiner Lehrerin Natalia Dumnowa, mittags fuhren wir dann mit einem Linienbus für 22 Rubel pro Nase nach Bogoljubowo. Da der Vorort noch zu Wladimir gehört, gilt der normale Tarif, den man auch zahlt, wenn man nur eine Haltestelle z.B. zur Post, fahren möchte.

1158 gegründet, hat das Kloster wie alle kirchlichen Bauten hier eine bewegte Geschichte, hat die Sowjetzeiten aber glücklicherweise als Museum und nicht, wie die Kathedrale in Nischnij Nowgorod, als Fischhalle überlebt. Seit ca. 30 Jahren ist es wieder Kloster und wird von Nonnen bewohnt, die in der Kirche z.B. Kerzen verkaufen und einen kleinen Souvenirladen betreiben. Da es sich nicht um ein Museum, sondern um ein aktives Kloster handelt, nimmt man keinen Eintritt. Es wird aber von den Besuchern selbstverständlich erwartet, den sakralen Charakter des Ortes zu respektieren und sich entsprechend zu verhalten, So ist es unerwünscht, die Nonnen anzusprechen, wenn sie nicht im Verkauf tätig sind.

Nach der Besichtigung ging es dann auf den ca. eineinhalb km langen Weg zum Kirchlein an der Nerl, ein Erlebnis, das zu jeder Jahreszeit beeindruckend ist. Wenn man, so wie wir, eine  Schneelandschaft vor sich hat, mit blütenweißem Schnee, der Weg nahezu verlassen, kontemplativ das Ziel dauernd vor Augen, sich Schritt für Schritt nähernd, dann ist das ein wahres Geschenk. Ich hoffe, diese kleine Wanderung noch oft machen zu können!

Und so war auch diese Reise wieder zu kurz, um all das sehen zu können, was noch zu sehen gewesen wäre. Weder Langlaufen im „Park der Freundschaft“, noch eine Fahrt im Riesenrad, noch die Gemäldegalerie im Landesmuseum konnten wir zeitlich unterbringen. Auch haben wir viele liebe Freunde nicht getroffen. All dies dann beim nächsten Mal!

Elisabeth Preuß

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