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Posts Tagged ‘Ehrenamt in Wladimir’


Wie ernst man das Themenjahr „Ehrenamt“ in Wladimir nimmt, zeigt eine eigene Schule, die als Pilotprojekt Standards entwickelt soll, wie welche Freiwillige wo am besten einzusetzen seien. Da kann es darum gehen, verbotene Internetauftritte aufzuspüren, kranken Kindern zu helfen oder alte Menschen zu betreuen. Besonders die medizinischen Initiativen erfreuen sich offenbar bei Jugendlichen großer Beliebtheit, die eine Ausbildung an der Berufsfachschule für Pflegeberufe machen. Nicht von ungefähr kooperiert ja auch das Wladimirer Rote Kreuz mit diesem Institut eng bei seinen Sozialprogrammen. Bereits mehr als einhundert Nachwuchskräfte haben sich hier zu einem Freiwilligenzentrum zusammengetan. Jetzt will man ähnliche Einrichtungen auch in den größeren Kreisstädten schaffen.

Werde Volontär!

In diesen Schulen des Ehrenamts sollen aber nicht nur Jugendliche das Handwerk der freiwilligen Hilfe erlernen, zunehmend entdecken nämlich auch Berufstätige und Rentner für sich diese Arbeit als Bereicherung des eigenen Lebens. Es scheint, auch in dieser Hinsicht ändert sich die russische Gesellschaft, besinnt sich nach all den Jahren des Raubtierkapitalismus wieder auf Werte wie Gemeinsinn, Solidarität und Mitmenschlichkeit. Sympathisch und erfreulich. – Und schon stellen die Initiatoren und Koordinatoren der Schule des Ehrenamts öffentlich die Frage, welche Formen des Ehrenamts noch fehlen. Antworten per Anruf oder E-Mail erbeten… So kann es gehen mit Zivilgesellschaft, die selbst ihr Zusammenleben definiert.

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Um die 30 Millionen sollen es in Deutschland sein, die sich ehrenamtlich in Kultur, Sport, Medizin oder im sozialen Bereich, für die Jugend oder Alten, für die Umwelt oder in der Politik betätigen, von der Feuerwehr oder Bergwacht gar nicht erst zu reden. Auch und gerade die Städtepartnerschaften könnten ohne den unentgeltlichen Einsatz und die Phantasie von Ehrenamtlichen nicht das leisten, wofür wir sie so schätzen. Staat und Gesellschaft wissen, was sie an diesen Menschen haben, ohne die vieles gar nicht mehr funktionieren würde, weshalb es für sie auch Ehrungen auf allen Ebenen gibt, vom Verein bis zu staatlichen Institutionen: Erlangen etwa verleiht einen eigens geschaffenen Ehrenbrief für besondere Verdienste im Bereich der Städtepartnerschaften.

Jahr des Freiwilligen (Ehrenamtlichen) 2018

Am 5. Dezember vergangenen Jahres hat sich nun auch kraft eines Erlasses von Präsident Wladimir Putin die Russische Föderation dem Internationalen Tag des Ehrenamtes angeschlossen und 2018 gleich zum „Jahr des Freiwilligen“ ausgerufen, das auch gesetzlich diese gesellschaftlich so wichtige Arbeit unterstützen soll. Richtig sei dies, meint der Wladimirer Politologe, Roman Jewstifejew, in einem Interview, das er noch vor dem Jahreswechsel dem Regionalsender Gubernia 33 gab, und fährt fort:

Initiative von unten ist notwendig, sie bedarf unbedingt der Unterstützung. Aber tun sollte man das in kontrollierten Formen. Deshalb nimmt sich der Sache auch eine staatliche Struktur an. Der Staat hat für sich diese Möglichkeit in der Form des Ehrenamts entdeckt, wobei es hauptsächlich um junge Leute geht, die sich leichter überzeugen und manchmal sogar zwingen lassen, etwas Nützliches zu tun. Es handelt sich also um eine jener Formen, die für den Staat verständlicher und ungefährlicher als andere sind. Würden wir politische Bewegungen fördern, wäre das gefährlich. Es gilt also, Bewegungen zu unterstützen, die sich für die soziale Entwicklung als nützlich erweisen.

Noch ist das Ehrenamt – auch in Wladimir – selbst in der Entwicklung, noch herrscht die allgemeine Auffassung vor, der Staat trage für alle Bereiche der Gesellschaft die alleinige Verantwortung und Zuständigkeit, noch sieht man die Menschen fast nur zum behördlich angeordneten „Subbotnik“ im öffentlichen „Volontariat“, aber Selbsthilfeorganisationen wie „Swet“, die sich um Familien mit schwerbehinderten Kindern kümmert, sprechen für einen Aufbruch in der russischen Bürgerschaft. Hemmend wirkt leider noch der geringe Anteil von Rentnern, denn die müssen sich in der Regel etwas zu ihrem Ruhegeld hinzuverdienen, haben zumeist nicht die Mittel und Möglichkeiten wie ihre Altersgenossen in Deutschland. Aber immerhin kann nun diese „Initiative von unten“ mit dem Segen von oben bei der Gestaltung des Gemeinwesens aktiv mitwirken. Man wird sehen, wie sich dadurch Staat und Gesellschaft verändern und verbessern.

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Immer im Herbst veranstalten Stadt und Verbände die Wladimirer Woche des Guten. Heuer beteiligte sich daran auch die Blindenbücherei mit einer Werkstatt, wo ehrenamtliche Kräfte lernen konnten, wie man Bücher für sehbehinderte Kinder macht, wie ein Märchen – zum Beispiel der Däumling – ertastbar wird: indem nämlich alle Illustrationen räumlich, also zum Leben erweckt werden und ein Relief erhalten.

Die Welt der Bücher können sich blinde Kinder –  einmal abgesehen vom Gehör – nur über den Tastsinn erobern, und je früher sie beginnen, diese Technik zu erlernen und zu vervollkommnen, desto rascher entwickelt sich auch ihre Motorik als Weg in die weite Welt der Literatur. Etwa 4.500 Kinder in der Region Wladimir sind sehbehindert; für sie  gibt es in den Bibliotheken vor Ort jeweils eigene Fachabteilungen, wo auch die Möglichkeit der Fernleihe per Post besteht. Doch erst seit 2011 gibt es die Bücherei in Wladimir, wo neben dem Text in Brailleschrift auch die Bilder ertastbar werden, eine freiwillige Aufgabe, an der sich freilich vor allem Menschen aus Sozialberufen versuchen. Aber immerhin wächst so langsam und stetig der Bestand an von Hand gemachten Büchern, und wenn man Cicero zustimmt, der meint, einem Haus eine Bibliothek hinzuzufügen, bedeute, ihm eine Seele zu geben, dann leisten die Mitwirkenden an dem Projekt wirklich etwas Gutes für die Herzensbildung der blinden Kinder. Weit über den Ablauf einer Woche hinaus.

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Viel Zeit ließ sich die fünfköpfige Gruppe nach ihrer Ankunft in Nürnberg nicht. Kaum aus dem Flugzeug gestiegen und in der Jugendherberge einquartiert, ging es schon zum ersten Termin. Oder soll man besser Einsatz sagen? Denn fast so schnell vollzog sich alles, um nach dem Nachtflug noch am Vormittag die Feuerwehrwache zu besuchen, deren Leiter, Friedhelm Weidinger, die jungen Freunde aus Wladimir schon erwartete.

Alewtina Klimowa, Amil Scharifow, Friedhelm Weidinger, Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Sergej Konstantinow, Swetlana Sokolowa

Alewtina Klimowa, Amil Scharifow, Friedhelm Weidinger, Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Sergej Konstantinow, Swetlana Sokolowa

Bis zum Wochenende wird es in Begleitung von Amil Scharifow als Betreuer und Dolmetscher noch eine ganze Reihe solcher Einsätze geben: beim Bayerischen Roten Kreuz, bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, beim Technischen Hilfswerk – neben Treffen mit Jugendorganisationen, einem Empfang bei Bürgermeisterin Birgitt Aßmus und so manchem mehr. Denn viel lernen wollen die Gäste, vor allem im Bereich Katastrophenschutz und Rettungswesen und wie man dafür junge Ehrenamtliche gewinnt.

Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Swetlana Sokolowa, Alewtina Klimowa, Sergej Konstantinow

Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Swetlana Sokolowa, Alewtina Klimowa, Sergej Konstantinow

Sie alle nämlich arbeiten in dem Bereich und wollen noch mehr Gleichaltrige für den Freiwilligendienst gewinnen. Gennadij Brajt ist der einzige, der Erlangen schon von einem früheren Besuch kennt und deshalb auch als Primus inter pares auftritt, vor allem natürlich gegenüber seinem Schichtleiter, Sergej Konstantinow, mit dem zusammen er eines der fünf Dreierteams beim Wladimirer Katastrophenschutz bildet, die rund um die Uhr für Rettungseinsätze bereitstehen. Vorbereitet wird man für diese anspruchsvolle Arbeit in der Partnerstadt von der Organisation Retter, der Alewtina Klimowa nach sechsjähriger Zugehörigkeit und vor allem nach dem überraschenden Tod von Pjotr Ponassenko seit kurzem vorsteht. Vor der Aufgabe ist ihr noch ein wenig bange, aber sie will das Angebot sogar noch ausweiten auf Bergrettung, aber auch Freizeitgestaltung und Selbsterfahrung, um den Verein noch attraktiver für Jugendliche zu machen. Und dann sind da noch Jekaterina Medwedjewa, Schwesternschülerin im dritten Ausbildungsjahr, die ehrenamtlich beim Wladimirer Roten Kreuz beim Projekt „Licht des Guten“ hilft und schwerkranke Patienten pflegt, sowie die Studentin Swetlana Sokolowa, die „Politikerin“ in der Runde, Als stellvertretende Vorsitzende der Wladimirer Jungen Garde, der Nachwuchsorganisation der Partei Einiges Rußland, kümmert sie sich um das ehrenamtliche Engagement von Jugendlichen in allen denkbaren Bereichen – von der Ökologie über Bildung bis hin zum Sozialen. Damit sind wir auch wieder bei dem, was die Gruppe insgesamt verbindet. Sie alle wollen in der Partnerstadt Leben retten und Menschen helfen. Und das, so haben sie für sich entschieden, kann man am besten in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz. Doch davon hier in Ihrem Blog bald mehr. Jetzt lassen wir das Quintett erst einmal hier in Erlangen seine Erfahrungen sammeln.

Zum Vermächtnis von Pjotr Ponassenko geht es hier: http://is.gd/wUuViQ

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Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es. Dies gilt überall. Auch in Wladimir, wo das Jugendamt nun schon zum siebten Mal in Folge ein „Festival der guten Taten“ veranstaltet hat. Mehr als tausend junge Menschen beteiligten sich ehrenamtlich an Aktionen zur Verschönerung der Stadt, halfen in Waisenhäusern oder Altersheimen, gaben Konzerte oder Nachhilfe. 15.000 Stunden des freiwilligen Einsatzes zählten die Veranstalter, 23 Projekte erhielten Zuschüsse.

Das Glück der Familie liegt in deinen Händen!

Mit der Frühjahrsaktion ist die Sache aber nicht zu Ende. Vielmehr hat das Jugendamt nun eine Art Tauschbörse eingerichtet. Wer Hilfe braucht oder anbietet, kann sich an einen „Stab der guten Taten“ wenden. Das ganze Jahr über, damit der Stab weiter von Hand zu Hand gehe – mit Hilfe der öffentlichen Hand!

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