Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Ehrenamt in Rußland’


Wie ernst man das Themenjahr „Ehrenamt“ in Wladimir nimmt, zeigt eine eigene Schule, die als Pilotprojekt Standards entwickelt soll, wie welche Freiwillige wo am besten einzusetzen seien. Da kann es darum gehen, verbotene Internetauftritte aufzuspüren, kranken Kindern zu helfen oder alte Menschen zu betreuen. Besonders die medizinischen Initiativen erfreuen sich offenbar bei Jugendlichen großer Beliebtheit, die eine Ausbildung an der Berufsfachschule für Pflegeberufe machen. Nicht von ungefähr kooperiert ja auch das Wladimirer Rote Kreuz mit diesem Institut eng bei seinen Sozialprogrammen. Bereits mehr als einhundert Nachwuchskräfte haben sich hier zu einem Freiwilligenzentrum zusammengetan. Jetzt will man ähnliche Einrichtungen auch in den größeren Kreisstädten schaffen.

Werde Volontär!

In diesen Schulen des Ehrenamts sollen aber nicht nur Jugendliche das Handwerk der freiwilligen Hilfe erlernen, zunehmend entdecken nämlich auch Berufstätige und Rentner für sich diese Arbeit als Bereicherung des eigenen Lebens. Es scheint, auch in dieser Hinsicht ändert sich die russische Gesellschaft, besinnt sich nach all den Jahren des Raubtierkapitalismus wieder auf Werte wie Gemeinsinn, Solidarität und Mitmenschlichkeit. Sympathisch und erfreulich. – Und schon stellen die Initiatoren und Koordinatoren der Schule des Ehrenamts öffentlich die Frage, welche Formen des Ehrenamts noch fehlen. Antworten per Anruf oder E-Mail erbeten… So kann es gehen mit Zivilgesellschaft, die selbst ihr Zusammenleben definiert.

Read Full Post »


Wladimir wartet gleich mit mehreren Institutionen für ehrenamtliche Helfer auf. In der russischen Partnerstadt haben diese die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum hinweg Auslandserfahrungen zu sammeln und das Leben vor Ort aus nächster Nähe kennenzulernen. Verschiedenste Programme und Stipendien ermöglichen ein Auslandssemester, einen Freiwilligendienst oder auch ein Praktikum in Wladimir. Hier sprechen wir exklusiv für den Blog mit denjenigen, die diese Möglichkeiten aktuell nutzen:

Momentan engagieren sich drei deutsche Jugendliche in Wladimir: Lara Heinen aus Lüdenscheid im Erlangen-Haus, Mathilda Wenzel aus Saalfeld im Euroklub und an einer örtlichen Gesamtschule sowie Frederick Marthol aus Erlangen am Fremdspracheninstitut der Universität und ebenfalls im Euroklub.

Frederick Marthol, Mathilda Wenzel und Lara Heinen

Alle drei haben im letzten Jahr die Schule abgeschlossen und sich danach für einen Aufenthalt in Wladimir entschieden. Im folgenden Gespräch ziehen die drei 18 Jahre alten Gäste ein erstes Resümee aus mehreren Monaten Freiwilligenarbeit:

Redaktion: Warum genau habt Ihr Euch für die Stelle in Wladimir beworben?

  • Lara: „Meine Mutter kommt aus diesem Land, ich kann daher auch fließend Russisch sprechen und war öfters mit der Familie zu Besuch bei Verwandten. Ich habe mich übrigens nicht für Wladimir, sondern die Russische Föderation insgesamt beworben. Nachdem ich also eine Zusage von meiner Trägerorganisation „weit erhalten hatte, standen drei russische Städte zur näheren Auswahl. Ich persönlich hätte es ganz cool gefunden, nach Ufa zu fahren, da diese Stadt um einiges größer als Wladimir ist und insgesamt mehr zu bieten hat. Ich bin aber dennoch sehr glücklich mit meinem Standort hier, da ich auf keinen Fall nach Sergijew-Possad wollte.“
  • Frederick: „Die Erlanger Partnerstädte haben mich schon immer interessiert, und daher wollte ich auf jeden Fall in eine. Nachdem sich die Kommunikation mit den anderen Städten aber als sehr zäh herausgestellt hatte, wurde es dann Wladimir. Ich war aber 2015 schon einmal hier und kannte deswegen grob, was mich erwartet. Der Vorvorgänger meiner Stelle hat mir von der Arbeit ausführlich berichtet, und es klang eigentlich ganz interessant. Außerdem ist es hier einmal etwas komplett anderes, als das, was ich sonst so gewohnt bin. Und das „Erasmus-Plus-Programm“ bietet eine interessante Chance, auch für einen kürzeren Zeitraum, also nicht gleich ein ganzes Jahr, Freiwilligenarbeit im Ausland zu leisten.“
  • Mathilda: „Ich habe mich über die Eurowerkstatt Jena auf mehrere Städte in Europa beworben. Bei einem Seminar des „European Volunteer Service“ habe ich dann von der Möglichkeit gehört, in der Jenaer Partnerstadt Wladimir einen Freiwilligendienst zu machen, woraufhin ich mich hier beworben habe. Ich hatte zwar auch noch eine Zusage für eine französische Kleinstadt erhalten, entschied mich aber letztendlich für Wladimir entschieden, weil mich das einfach mehr interessierte.“

Redaktion: Wie sieht Euer Alltag konkret aus?

  • Mathilda: „Mein Tag beginnt am Morgen mit dem Russischunterricht in der Universität, das dauert meistens vier Stunden. Danach fahre ich mit dem Bus zum Euroklub wo ich meine Deutschunterrichtsstunden oder verschiedene Präsentationen vorbereite. Auch Veranstaltungen für die Gesamtschule oder natürlich auch für den Euroklub plane ich von dort aus. Am Abend fahre ich zurück ins Studentenwohnheim, wo ich manchmal noch den Russischunterricht nachbereite.“
  • Lara: „Der Tag beginnt für mich meist mit Sport im Fitness-Center. Ich muss nämlich erst mittags im Erlangen-Haus erscheinen, da der Deutschunterricht da am frühen Nachmittag beginnt. Dort starten wir dann mir einem kurzen Briefing, bei dem wir die anstehenden Unterrichtsstunden zeitlich ein- und auf unser Team aufteilen. Anschließend assistiere ich beim Unterricht oder realisiere eigene Projekte wie z.B. einen Filmabend oder auch das Plätzchenbacken vor Weihnachten. Hin und wieder gebe ich auch Einzelunterrichtsstunden. Nach dem Feierabend um 21.00 Uhr fahre ich entweder heim oder gehe noch kurz einkaufen.“
  • Frederick: „Nach dem Frühstück gehe ich zur Universität, wo ich entweder zuerst meine eigene Russischunterrichtsstunde habe oder eine Themenpräsentation/Konversationsstunde in der deutschen Sprache anbiete. Nach diesen beiden Terminen spreche ich mich meistens noch mit Oxana, einer Dozentin an der Uni, ab, welche Veranstaltungen in den nächsten Tagen anstehen und wie diese ablaufen sollen. Danach fahre ich auch öfters in das Büro des Euroklub, wo häufig noch weitere Arbeiten auf mich warten.“

Redaktion: Und womit verbringt Ihr Eure Freizeit hier in Wladimir?

  • Mathilda: „Ich treffe mich häufig mit Freunden aus dem Wohnheim auf einen Tee, oder wir unternehmen etwas wie zum Beispiel Eislaufen, einen Museumsbesuch oder ähnliches. Ich war auch schon mehrmals in Moskau, Nischnij Nowgorod und einmal in Samara.“
  • Lara: „Wie schon gesagt, ist mir Sport sehr wichtig. Im Fitness-Center habe ich auch Freunde gefunden, mit denen ich inzwischen vieles unternehme. Wir gehen zum Beispiel öfters ins Kino. Ich fahre auch gerne in andere Städte.“
  • Frederick: „Ich schließe mich den beiden an. Andere Städte anschauen, finde ich klasse, am Wochenende war ich zum Beispiel mit einem befreundeten Studenten in Sankt Petersburg! Nach der Arbeit gehe ich meist noch laufen. Außerdem fahre ich auch ich hin und wieder am Abend in die Stadt auf ein oder zwei Bier.“

Redaktion: Worauf hattet Ihr nach Eurer Ankunft zu verzichten?

  • *Alle Drei*: „Trinkbares Wasser aus der Leitung!“
  • Mathilda: „Das Leben im Wohnheim ist manchmal gewöhnungsbedürftig, besonders die Hygienestandards, aber das liegt vielleicht auch an Studentenwohnheimen generell. Anfangs fand ich auch das Einkaufen schwierig, weil ich die Produktbeschreibungen nicht lesen konnte.“
  • Lara (lacht): „Klopapier darf hier nicht im WC heruntergespült werden, sondern es gehört in den Mülleimer!“
  • Frederick: „Die Registrierungen vor Ort nerven mich. Das stört bei spontanen Fahrten einfach! Am meisten vermisse ich aber das Fahrrad als Fortbewegungsmittel, wie ich es aus Erlangen gewohnt bin. Diese ewige Busfahrerei hier ist schrecklich und macht mich unflexibel.“
  • Mathilda: „Ach ja, und die Einrichtung meines Internetvertrags per Kabel ließ sich nur sehr schwer bewerkstelligen… Ich rannte von einem Universitätsgebäude ins nächste und wurde immer aufs Neue weitergereicht. Diese Bürokratie erschwert viele Angelegenheiten, die sich eigentlich ganz einfach lösen ließen.“

Redaktion: Was war die unangenehmste Erfahrung während Eures Aufenthaltes?

  • Mathilda: „Ich habe mich einmal in Nischnij Nowgorod verlaufen und konnte noch zu wenig Russisch, um mich mit den Einheimischen zu verständigen. Ich wollte zudem noch dringend zum Bahnhof, denn die Zeit war knapp. Das war schlimm. Ich saß in tausend falschen Bussen, fragte mich ewig durch, und bat schließlich einen Bekannten per Handy, einer anderen Buspassagierin mein Problem auf Russisch zu erläutern. Diese half mir dann zum Glück weiter, und ich habe den Zug letztendlich doch noch erwischt.“
  • Frederick: „Diese eine Erfahrung gibt es bei mir jetzt nicht direkt. Aber generell stört es mich, mit den meisten Menschen hier nicht kommunizieren zu können. Wann immer ich von Passanten angesprochen werde, kann ich ihnen immer nur schulterzuckend mitteilen, sie kaum zu verstehen. Richtig unangenehm wird es jedoch erst dann, wenn anschließend völlig unbeeindruckt weitergeredet wird, ohne ein Ende in Sicht. Bei den Sicherheitsbeamten an öffentlichen Gebäuden ist das häufig so.“

Redaktion: Wladimir oder Melbourne nach dem Abi?

  • Frederick: „Auf jeden Fall Wladimir! Nach Australien komme ich bestimmt im Laufe meines Lebens einmal, bei der Russischen Föderation bin ich mir da nicht so sicher. Das ist jetzt nicht unbedingt das Land, wo ich auch als Tourist hinfahren würde. Und, wie schon gesagt, es ist einfach mal etwas anderes als der ganze Standardkram.“
  • Mathilda: „Wladimir! Ganz einfach: Weil ich über dieses Land viel weniger Wissen hatte, als über Australien. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, hier ehemalige Klassenkameraden zu treffen viel geringer.“ (lacht)
  • Lara: „Erstens habe ich ein paar Ansprüche, und zweitens: Was will ich in Australien? Ein paar Känguruhs streicheln und am Strand rumhängen? Nein – Australien ist mir zu Mainstream! Meine Mutter hat mich ja eigentlich auf die Idee gebracht, nach hierher zu fahren. Diese Idee hat mich dann aber endlich auch überzeugt. So bin ich jetzt das erste Mal alleine im Land und kann auch noch meine Sprachkenntnisse anwenden und erweitern.“

Redaktion: Gibt es eigentlich Probleme bei der täglichen Arbeit?

  • Mathilda: „Am Anfang auf jeden Fall die Sprache. Daraus resultierten dann Probleme beim Verständnis von Zwischenmenschlichem… Auch die ungewohnten Arbeitsweisen waren anfangs sehr schwierig für mich und sind es zum Teil immer noch. An der Uni herrschen beispielweise andere Umgangsformen zwischen den Dozenten und Studenten, als ich das von Deutschland gewohnt bin.“
  • Frederick: „Ja, da hat Mathilda schon recht. Die Arbeit läuft einfach ganz anders. Viel unstrukturierter. Es stört mich auch, meine Aufträge immer nur sehr grob bis gar nicht terminiert zu bekommen. Die Sprachbarriere macht sich gar nicht so sehr bemerkbar, eher sind es kulturelle Differenzen, die dann auch die Arbeit beeinträchtigen.“
  • Lara: „In den ersten Wochen meines Aufenthaltes hatte ich oft das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, beziehungsweise überflüssig zu sein. Mittlerweile ist das aber nicht mehr so. Vielleicht liegt es an dem Umstand, die erste Freiwillige im Erlangen-Haus zu sein.“

Redaktion: Könnt Ihr Euch mit Euren jetzigen Erfahrungen vorstellen, im Rahmen eines Studiums ein Auslandssemester in Wladimir zu machen?

  • Mathilda: „Nicht in Wladimir, aber an einer anderen russischen Hochschule. Die Uni in Wladimir kenne ich ja jetzt schon sehr gut, da will ich dann schon noch eine andere Stadt sehen.“
  • Lara: „Ich weiß es noch nicht, aber generell ablehnen tue ich es auch nicht.“
  • Frederick: „Nein. Wie Mathilda kenne ich die Uni jetzt sehr gut, und wenn ich noch mal längere Zeit ins Ausland gehen sollte, dann auf jeden Fall in ein anderes Land. Aber vielleicht ändere ich meine Meinung ja noch einmal.“

Redaktion: Vielen Dank für eure Unterstützung! (alle lachen)

Frederick Marthol

Weiterführende Informationen zu einem Aufenthalt in Wladimir:

Auslandssemester an der Vladimir State University: www.vlsu.ru und https://is.gd/Jz1nB5

Bewerbung beim Sprachenzentrum des Goethe-Instituts in Wladimir, dem Erlangen-Haus: https://www.kulturweit.de  und http://erlangen.ru

Bewerbung beim Euroklub (+ Partnerorganisation): https://is.gd/w7OaB0 und https://is.gd/UkCmby

Sendeorganisation www.eurowerkstatt-jena.de

Read Full Post »


Um die 30 Millionen sollen es in Deutschland sein, die sich ehrenamtlich in Kultur, Sport, Medizin oder im sozialen Bereich, für die Jugend oder Alten, für die Umwelt oder in der Politik betätigen, von der Feuerwehr oder Bergwacht gar nicht erst zu reden. Auch und gerade die Städtepartnerschaften könnten ohne den unentgeltlichen Einsatz und die Phantasie von Ehrenamtlichen nicht das leisten, wofür wir sie so schätzen. Staat und Gesellschaft wissen, was sie an diesen Menschen haben, ohne die vieles gar nicht mehr funktionieren würde, weshalb es für sie auch Ehrungen auf allen Ebenen gibt, vom Verein bis zu staatlichen Institutionen: Erlangen etwa verleiht einen eigens geschaffenen Ehrenbrief für besondere Verdienste im Bereich der Städtepartnerschaften.

Jahr des Freiwilligen (Ehrenamtlichen) 2018

Am 5. Dezember vergangenen Jahres hat sich nun auch kraft eines Erlasses von Präsident Wladimir Putin die Russische Föderation dem Internationalen Tag des Ehrenamtes angeschlossen und 2018 gleich zum „Jahr des Freiwilligen“ ausgerufen, das auch gesetzlich diese gesellschaftlich so wichtige Arbeit unterstützen soll. Richtig sei dies, meint der Wladimirer Politologe, Roman Jewstifejew, in einem Interview, das er noch vor dem Jahreswechsel dem Regionalsender Gubernia 33 gab, und fährt fort:

Initiative von unten ist notwendig, sie bedarf unbedingt der Unterstützung. Aber tun sollte man das in kontrollierten Formen. Deshalb nimmt sich der Sache auch eine staatliche Struktur an. Der Staat hat für sich diese Möglichkeit in der Form des Ehrenamts entdeckt, wobei es hauptsächlich um junge Leute geht, die sich leichter überzeugen und manchmal sogar zwingen lassen, etwas Nützliches zu tun. Es handelt sich also um eine jener Formen, die für den Staat verständlicher und ungefährlicher als andere sind. Würden wir politische Bewegungen fördern, wäre das gefährlich. Es gilt also, Bewegungen zu unterstützen, die sich für die soziale Entwicklung als nützlich erweisen.

Noch ist das Ehrenamt – auch in Wladimir – selbst in der Entwicklung, noch herrscht die allgemeine Auffassung vor, der Staat trage für alle Bereiche der Gesellschaft die alleinige Verantwortung und Zuständigkeit, noch sieht man die Menschen fast nur zum behördlich angeordneten „Subbotnik“ im öffentlichen „Volontariat“, aber Selbsthilfeorganisationen wie „Swet“, die sich um Familien mit schwerbehinderten Kindern kümmert, sprechen für einen Aufbruch in der russischen Bürgerschaft. Hemmend wirkt leider noch der geringe Anteil von Rentnern, denn die müssen sich in der Regel etwas zu ihrem Ruhegeld hinzuverdienen, haben zumeist nicht die Mittel und Möglichkeiten wie ihre Altersgenossen in Deutschland. Aber immerhin kann nun diese „Initiative von unten“ mit dem Segen von oben bei der Gestaltung des Gemeinwesens aktiv mitwirken. Man wird sehen, wie sich dadurch Staat und Gesellschaft verändern und verbessern.

Read Full Post »


Immer im Herbst veranstalten Stadt und Verbände die Wladimirer Woche des Guten. Heuer beteiligte sich daran auch die Blindenbücherei mit einer Werkstatt, wo ehrenamtliche Kräfte lernen konnten, wie man Bücher für sehbehinderte Kinder macht, wie ein Märchen – zum Beispiel der Däumling – ertastbar wird: indem nämlich alle Illustrationen räumlich, also zum Leben erweckt werden und ein Relief erhalten.

Die Welt der Bücher können sich blinde Kinder –  einmal abgesehen vom Gehör – nur über den Tastsinn erobern, und je früher sie beginnen, diese Technik zu erlernen und zu vervollkommnen, desto rascher entwickelt sich auch ihre Motorik als Weg in die weite Welt der Literatur. Etwa 4.500 Kinder in der Region Wladimir sind sehbehindert; für sie  gibt es in den Bibliotheken vor Ort jeweils eigene Fachabteilungen, wo auch die Möglichkeit der Fernleihe per Post besteht. Doch erst seit 2011 gibt es die Bücherei in Wladimir, wo neben dem Text in Brailleschrift auch die Bilder ertastbar werden, eine freiwillige Aufgabe, an der sich freilich vor allem Menschen aus Sozialberufen versuchen. Aber immerhin wächst so langsam und stetig der Bestand an von Hand gemachten Büchern, und wenn man Cicero zustimmt, der meint, einem Haus eine Bibliothek hinzuzufügen, bedeute, ihm eine Seele zu geben, dann leisten die Mitwirkenden an dem Projekt wirklich etwas Gutes für die Herzensbildung der blinden Kinder. Weit über den Ablauf einer Woche hinaus.

Read Full Post »


Viel Zeit ließ sich die fünfköpfige Gruppe nach ihrer Ankunft in Nürnberg nicht. Kaum aus dem Flugzeug gestiegen und in der Jugendherberge einquartiert, ging es schon zum ersten Termin. Oder soll man besser Einsatz sagen? Denn fast so schnell vollzog sich alles, um nach dem Nachtflug noch am Vormittag die Feuerwehrwache zu besuchen, deren Leiter, Friedhelm Weidinger, die jungen Freunde aus Wladimir schon erwartete.

Alewtina Klimowa, Amil Scharifow, Friedhelm Weidinger, Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Sergej Konstantinow, Swetlana Sokolowa

Alewtina Klimowa, Amil Scharifow, Friedhelm Weidinger, Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Sergej Konstantinow, Swetlana Sokolowa

Bis zum Wochenende wird es in Begleitung von Amil Scharifow als Betreuer und Dolmetscher noch eine ganze Reihe solcher Einsätze geben: beim Bayerischen Roten Kreuz, bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, beim Technischen Hilfswerk – neben Treffen mit Jugendorganisationen, einem Empfang bei Bürgermeisterin Birgitt Aßmus und so manchem mehr. Denn viel lernen wollen die Gäste, vor allem im Bereich Katastrophenschutz und Rettungswesen und wie man dafür junge Ehrenamtliche gewinnt.

Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Swetlana Sokolowa, Alewtina Klimowa, Sergej Konstantinow

Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Swetlana Sokolowa, Alewtina Klimowa, Sergej Konstantinow

Sie alle nämlich arbeiten in dem Bereich und wollen noch mehr Gleichaltrige für den Freiwilligendienst gewinnen. Gennadij Brajt ist der einzige, der Erlangen schon von einem früheren Besuch kennt und deshalb auch als Primus inter pares auftritt, vor allem natürlich gegenüber seinem Schichtleiter, Sergej Konstantinow, mit dem zusammen er eines der fünf Dreierteams beim Wladimirer Katastrophenschutz bildet, die rund um die Uhr für Rettungseinsätze bereitstehen. Vorbereitet wird man für diese anspruchsvolle Arbeit in der Partnerstadt von der Organisation Retter, der Alewtina Klimowa nach sechsjähriger Zugehörigkeit und vor allem nach dem überraschenden Tod von Pjotr Ponassenko seit kurzem vorsteht. Vor der Aufgabe ist ihr noch ein wenig bange, aber sie will das Angebot sogar noch ausweiten auf Bergrettung, aber auch Freizeitgestaltung und Selbsterfahrung, um den Verein noch attraktiver für Jugendliche zu machen. Und dann sind da noch Jekaterina Medwedjewa, Schwesternschülerin im dritten Ausbildungsjahr, die ehrenamtlich beim Wladimirer Roten Kreuz beim Projekt „Licht des Guten“ hilft und schwerkranke Patienten pflegt, sowie die Studentin Swetlana Sokolowa, die „Politikerin“ in der Runde, Als stellvertretende Vorsitzende der Wladimirer Jungen Garde, der Nachwuchsorganisation der Partei Einiges Rußland, kümmert sie sich um das ehrenamtliche Engagement von Jugendlichen in allen denkbaren Bereichen – von der Ökologie über Bildung bis hin zum Sozialen. Damit sind wir auch wieder bei dem, was die Gruppe insgesamt verbindet. Sie alle wollen in der Partnerstadt Leben retten und Menschen helfen. Und das, so haben sie für sich entschieden, kann man am besten in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz. Doch davon hier in Ihrem Blog bald mehr. Jetzt lassen wir das Quintett erst einmal hier in Erlangen seine Erfahrungen sammeln.

Zum Vermächtnis von Pjotr Ponassenko geht es hier: http://is.gd/wUuViQ

Read Full Post »


Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es. Dies gilt überall. Auch in Wladimir, wo das Jugendamt nun schon zum siebten Mal in Folge ein „Festival der guten Taten“ veranstaltet hat. Mehr als tausend junge Menschen beteiligten sich ehrenamtlich an Aktionen zur Verschönerung der Stadt, halfen in Waisenhäusern oder Altersheimen, gaben Konzerte oder Nachhilfe. 15.000 Stunden des freiwilligen Einsatzes zählten die Veranstalter, 23 Projekte erhielten Zuschüsse.

Das Glück der Familie liegt in deinen Händen!

Mit der Frühjahrsaktion ist die Sache aber nicht zu Ende. Vielmehr hat das Jugendamt nun eine Art Tauschbörse eingerichtet. Wer Hilfe braucht oder anbietet, kann sich an einen „Stab der guten Taten“ wenden. Das ganze Jahr über, damit der Stab weiter von Hand zu Hand gehe – mit Hilfe der öffentlichen Hand!

Read Full Post »


Unter diesem poetisch anmutenden Titel berichtete gestern der Staatliche Lokalsender in der Partnerstadt über ein Projekt, das ohne den langen Atem des Fördervereines für das Rote Kreuz in Wladimir so nicht denkbar ist und doch zurückgeht auf eine vor Ort entstandene Initiative und Idee. Genug der Vorrede, hören wir in den Bericht hinein:

In Wladimir ist heute ein sehr wichtiges Wohltätigkeitsprojekt unter der Ägide des Russischen Roten Kreuzes an den Start gegangen. Bis zum Dezember werden Freiwillige alleinstehenden alten Menschen helfen, vorrangig Kriegsveteranen und Invaliden. Im Alltag, aber nicht nur da.

Licht des Guten

Walentina Alexandrowna leidet an Bluthochdruck. Sie kann nur noch schwer gehen. Dabei versorgt sie auch noch ihren kranken Mann, Walerij Wassiljewitsch, der sich gerade allmählich von einem Schlaganfall erholt. Erst vor kurzem ist er wieder auf die Beine gekommen. Für den Rest der Arbeit fehlen der Hausfrau die Kräfte. Sozialarbeiter kommen überhaupt nicht zu den alten Leuten, deshalb sind die Freiwilligen hochwillkommen. Einmal die Woche werden die Mädchen jetzt beim Putzen und Wäschewaschen helfen, geben, wenn nötig, eine Spritze oder messen den Blutdruck. Die Wladimirer Berufsfachschule für Medizin hat sich als erste auf den Hilferuf des Roten Kreuzes gemeldet.

Russisches Rotes Kreuz

Jelisaweta Dragunkowa, Freiwillige: „Wir haben kürzlich ein Arbeitspraktikum in der Poliklinik Nr. 4 absolviert. Ich war auf der Intensivstation eingesetzt. Und vor dem Hintergrund dessen, was ich da gesehen habe, wie Menschen leiden, sterben und es schwer haben, ging es mir zunächst gar nicht gut, aber dann habe ich mir vorgestellt, was wäre, wenn meine Oma hier läge oder mein Opa. Da habe ich alles andere sofort ausgeblendet und zu helfen begonnen.“

„Licht des Guten“ nennt sich dieses Projekt des Russischen Roten Kreuzes. Es zielt vor allem darauf ab, hilfsbedürftigen Menschen eine zusätzliche Unterstützung zu geben, hauptsächlich alten Menschen, in erster Linie Kriegsveteranen. Sozialarbeiter gibt es einfach nicht genug für alle. Es ist bekannt, daß jeder von ihnen zwischen fünf und sechs Personen zu betreuen hat. Die freiwilligen Studenten können nun entweder im Paar mit einem Erwachsenen arbeiten oder allein für sich. In jedem Fall hoffen sie, drei Dutzend alleinstehenden alten Menschen helfen zu können.

Olga Dejewa

Olga Dejewa, Vorsitzendes des Ortsverbands Wladimir des Russischen Roten Kreuzes: „Die Jugend hilft gerne, hilft von Herzen. Das ist wahrscheinlich besonders wertvoll, wo es doch ansonsten eher schwierig ist, junge Menschen zu solchen Aktionen zu bewegen.“

Stimmt schon. Bisher sind es nicht viele, doch die Reihen der Freiwilligen sollen sich mit der Zeit füllen. Die Initiatoren des Projekts hoffen, nicht weniger als 60 Ehrenamtliche für diese Sache zu gewinnen.

Walentina Krassowa, Invalidin: „Das ist mir natürlich alles peinlich, liebe Mädels, peinlich… Aber was soll ich machen? Das Leben läßt mir keine andere Wahl… Herzlichen Dank für eure Hilfe!“

Dem ist nur noch der Dank an die Mitglieder des Fördervereins hinzuzufügen, deren Geduld nun belohnt wird. Umsomehr als das Rote Kreuz Wladimir die Aktion bisher aus eigener Kraft bewerkstelligt. Da packt man gerne mit an, wenn nötig!

Die Reportage ist zu finden unter: http://www.vladtv.ru/#/society/27146. Mehr zu dem Thema im Blog unter: http://is.gd/Pxkukd

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: