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Posts Tagged ‘Doris Hinderer’


Gestern abend erreichte die Blog-Redaktion ein Bericht in deutscher Sprache über den zweiwöchigen Erlangen-Aufenthalt von Kristina Kapsjonkowa, die am 6. Januar nach Wladimir zurückreiste, bestimmt aber bald schon wieder nach Franken kommen wird. Das zumindest legt die Lektüre nahe.

Dies war bereits meine vierte Reise nach Deutschland – nie hatte ich jedoch bisher die Gelegenheit, hier die Weihnachtsfeiertage und das Neujahrsfest zu verbringen. Dieser Traum ging diesmal in Erfüllung!

Den Heiligen Abend habe ich mit meinem Wahlopa, Manfred Kirscher, in dessen Familie sehr stimmungsvoll erlebt. Der Ablauf war mir neu und hat mich sehr beeindruckt.

Kristina Kapsjonkowa und Manfred Kirscher

Kristina Kapsjonkowa und Manfred Kirscher

Nach dem gemeinsamen Singen mehrerer typischer Weihnachtslieder – unter anderen auch „Stille Nacht, Heilige Nacht“ – wünschten wir uns alle „Frohe Weihnachten“. Danach wurden die Geschenke verteilt, und anschließend hat uns die Hausherrin zu Tisch gebeten, wo es leckere, typisch fränkische Gerichte gab, die mir sehr geschmeckt haben.

Die Atmosphäre war während des ganzen Abends sehr fröhlich und mir gegenüber äußerst freundschaftlich. Ich werde diesen Abend nicht vergessen!

Da das Wetter bis zu Neujahr nahezu frühlingshaft war, konnte ich sehr schöne Radtouren durch die reizvolle Umgebung Erlangens machen – besonders die Weiherkette nahe Dechsendorf hat mir gut gefallen.

Kristina Kapsjonkowa im Familienfeierkreis

Kristina Kapsjonkowa im Familienfeierkreis

Am Neujahrsabend habe ich mein erstes großes klassisches Konzert erlebt und war sehr beeindruckt! Beethovens Neunte mit den Bamberger Symphonikern war ein einmaliges Ereignis und für mich der feierliche Abschluß eines guten Jahres.

Die Silvesternacht habe ich dann mit Manfred in Nürnberg verbracht, wo die ganze Altstadt feierlich geschmückt war und eine sehr gute Stimmung herrschte. Auf zahllosen Bühnen konnten wir ein abwechslungsreiches Programm erleben. Von mitreißender Rockmusik über feinen Jazz und kleine Theateraufführungen hatten wir sogar Gelegenheit, ausgelassen zu tanzen. Das Spektakel um Mitternacht war vor der Kulisse der Burg grandios. So viele Böller und Raketen, Geklatsche und Gelächter habe ich noch nicht erlebt.

Kristina Kapsjonkowa allein in Erlangen

Kristina Kapsjonkowa allein in Erlangen

Die nächsten Tage habe ich liebe alte Bekannte besucht, das Wiedersehen mit Doris Hinderer und Peter Steger, denen ich viel zu verdanken habe, hat mich sehr gefreut.

In diesen Tagen habe ich außer der fränkischen Küche auch einige Wörter des hiesigen Dialektes gelernt! Ausdrücke wie „allmächt“, „a weng“ oder „oofanga“ gehen mir mittlerweile leicht von der Zunge – sehr zum Spaß meiner Freunde.

Diese zwei Wochen waren für mich ungeheuer spannend, unterhaltsam und auch lehrreich. Ich habe eine unglaubliche Gastfreundschaft erfahren, bin überall sehr freundlich empfangen worden und habe durch meinen Gastgeber einiges über das kulturelle Leben unserer quirligen Partnerstadt erfahren. Die Aktivitäten der Erlanger Friedensbewegung haben mich auch sehr beeindruckt. Meine Deutschkenntnisse haben sich in diesen zwei Wochen deutlich verbessert.

Kristina Kapsjonokowa und Manfred Kirscher

Kristina Kapsjonokowa und Manfred Kirscher

Die Zeit meines Aufenthaltes in Erlangen ist viel zu schnell vergangen, ich freue mich jedoch schon jetzt über die geplante Reise einer Erlanger Delegation im Juni nach Wladimir und dem damit verbundenen Wiedersehen mit liebgewordenen Freunden.

Kristina Kapsjonkowa

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Kristina Kapsjonkowa, Studentin an der Universität Wladimir und angehende Deutsch-Lehrerin, hat dieser Tage ihre Erinnerungen an den Besuch in Erlangen im Vorjahr geschickt und für den Blog freigegeben. Auch wenn das alles schon einige Monate zurückliegt, sind es so schöne Eindrücke doch wert, für später bewahrt zu werden.

Kristina Kapsjonkowa vor dem Schönen Brunnen in Nürnberg

Kristina Kapsjonkowa vor dem Schönen Brunnen in Nürnberg

Ich habe  Doris Hinderer im Mai 2013 in Wladimir während des dreißigjährigen Partnerschaftsjubiläums kennengelernt. Ich war als dolmetschende Begleiterin von Gästen aus Erlangen eingeteilt. Ich habe mich mit Doris sofort sehr gut verstanden, und nach einer Weile hat Doris mich nach Erlangen eingeladen!

Kristina Kapsjonkowa auf der Altenburg, hoch über Bamberg

Kristina Kapsjonkowa auf der Altenburg, hoch über Bamberg

Ich war doch nie im Ausland! Ich habe immer davon geträumt, einmal Deutschland zu besuchen, und im August ist mein Traum in Erfüllung gegangen! Die Zeit, die ich in Deutschland verbrachte, verging wie im Fluge!

Kristina Kapsjonkowa und Doris Hinderer auf dem Dach des Erlanger Rathauses

Kristina Kapsjonkowa und Doris Hinderer auf dem Dach des Erlanger Rathauses

Ich habe viele interessante Menschen, Kultur und Traditionen von Deutschland kennengelernt! Ich habe zum erstenmal deutsche Spezialitäten gekostet und meine kulinarische Liebe zum bayerischen Kloß, Radler und zur Bratwurst entdeckt. Schöne Sehenswürdigkeiten, malerische Landschaften, freundschaftliche Atmosphäre – Erlangen machte auf mich einen großen Eindruck! Ich bin Doris, ihrer Familie und ihren Freunden für die Gastfreundschaft und die spannenden Fahrradausflüge sehr dankbar! Ich hoffe, dass ich einmal wieder die Möglichkeit haben werde, Deutschland zu besuchen! Erlangen gewann mein  Herz  – für immer!

Kristina Kapsjonkowa im Rosengarten über den Dächern von Bamberg

Kristina Kapsjonkowa im Rosengarten über den Dächern von Nürnberg

Anmerkung: Bei aller Bedeutung der Fachkontakte und Aktionen wie der aktuelle Bettentransport sind es doch gerade diese zwischenmenschlichen Begegnungen, die just am Vorabend des 70. Jahrestags des Durchbruchs der Blockade von Leningrad den tiefen inneren Wert der Bürger-Städtepartnerschaft, dieser Volksdiplomatie, ausmachen. Schön für und in sich, noch schöner, wenn andere daran teilhaben dürfen! Mehr zu den beiden Freundinnen unter:http://is.gd/0fZbQT

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Selbst für die nun weiß Gott nicht ereignisarme Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir ist es ungewöhnlich, in so kurzer Abfolge zwei Großveranstaltungen zu haben.

Impressionen aus Wladimir im Großen Saal der VHS

Impressionen aus Wladimir im Großen Saal der VHS

Erst am Mittwoch wurde Ute Schirmer für ihre gut zwanzigjährige sozial-kulturelle Arbeit mit dem Ehrenbrief für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Städtepartnerschaften ausgezeichnet, und nun die Ausstellung von Karin Günther, der Vorsitzenden der Erlanger Fotoamateure.

Karin Günther

Karin Günther

Was wie Zufall aussehen mag, hat seine innere Logik. Ute Schirmer ist durch Karin Günther 1990 zu Wladimir gekommen, und die beiden teilen sich bis heute Freunde in der Partnerstadt. Und dann ist da ja noch das ausklingende dreißigjährige Partnerschaftsjubiläum.

Jutta Brandis und Karin Günther

Jutta Brandis und Karin Günther

Jutta Brandis, bei der Volkshochschule Erlangen zuständig für Kreatives, ist ebenfalls seit 1990 bei der Sache und hat schon 1989 die Ausstellung von Guram Tuguschi aus Moskau betreut, mit der eine ganze Serie von Präsentationen russischer Künstler begann, die nun mit Fotoimpressionen aus Wladimir einen neuen Höhepunkt erreicht.

Stadl Harmonists

Stadl Harmonists

Für einen musikalischen Höhepunkt sorgte bei der gestrigen Vernissage der Überraschungsauftritt der Stadl Harmonists unter Leitung von Knut-Wulf Gradert. Wer hätte auch besser ein Ständchen geben können, als just das Ensemble, das sich schon bei den Jubiläumsfeierlichkeiten in Wladimir so viele Freunde ersungen hatte!

Fotoimpressionen aus Wladimir

Fotoimpressionen aus Wladimir

Den ca. 70 Bildern von Karin Günther standen mindestens ebensoviele Betrachter bei der Eröffnung gegenüber. Alles Bilder von den Jubiläumsfeierlichkeiten, die ja so vielfältig waren, wie die Partnerschaft bunt ist. Wie gut, da buchstäblich eine Übersicht mit Einblicken in all die Veranstaltungen zu haben, die oft parallel stattfanden und so nie von allen gleichzeitig besucht werden konnten.

Siegfried Balleis, Karin Günther und Maria Filimonowa

Siegfried Balleis, Karin Günther und Maria Filimonowa

Da durfte auch Oberbürgermeister Siegfried Balleis nicht fehlen, um Karin Günther für ihre gelungene Arbeit zu danken und sich selbst noch einmal an die Begegnungen Ende Mai / Anfang Juni in Wladimir zu erinnern.

Karin Günther und Gugel

Karin Günther und Carolin Gugel, Erlanger Kunstverein

Etwa an die Ausstellung des Erlanger Kunstvereins, der nun auch schon seit über 20 Jahren mit Wladimir Austausch pflegt. Etwa an die Auftritte der Sing- und Musikschule oder des Mädchenchors vom Christian-Ernst-Gymnasium oder…

Doris Hinderer, Karin Günther und Amil Scharifow

Doris Hinderer, Karin Günther und Amil Scharifow

Mit von der Partie wieder Doris Hinderer, die wohl alle Mitreisenden als Betreuerin der Bürgergruppe in bester Erinnerung haben. Auch in den unübersichtlichsten Situationen immer mit der notwendigen Ration Ruhe ausgestattet und gestern begleitet von Amil Scharifow, einem russischsprachigen Praktikanten im Partnerschaftsbüro.

Sergej Sacharow sitzt im Regen

Wladimirs Oberbürgermeister, Sergej Sacharow, sitzt im Regen

Die Ausstellung, angereichert durch Arbeiten von drei Wladimirer Photographen, hat es verdient, gesehen zu werden – noch bis zum 14. Februar 2014 in den Räumen der VHS in der Friedrichstraße 19. Bleibt noch Dank zu sagen an Nadja Steger für die Bilder von der Ausstellung!

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Kennengelernt haben sich die beiden, Doris Hinderer vom Bürgermeister- und Presseamt und die Studentin Kristina Kapsjonkowa, in Wladimir während des dreißigjährigen Partnerschaftsjubiläums. Die eine als Leiterin der Bürgergruppe bei ihrer fordernden Premiere in der Partnerstadt, die andere bei ihrem Ersteinsatz als dolmetschende Begleiterin von Gästen aus Erlangen. Als Doris Hinderer in dem täglichen Miteinander – und bisweilen auch terminlichen Durcheinander – von Kristina Kapsjonkowa erfuhr, daß sie noch nie im Ausland war, geschweige denn im Land, dessen Sprache sie studiert, beschloß die Rathausmitarbeiterin kurzerhand, die Russin an ihrer Seite nach Erlangen einzuladen. Gesagt – getan.

Doris Hinderer und Kristina Kapsjonkowa

Doris Hinderer und Kristina Kapsjonkowa

Knappe zwei Wochen galt nun der Rollentausch – freilich in entspannterer Atmosphäre – mit lauter Premieren für die Besucherin: der erste Flug, die erste Auslandsreise, die erste fränkische Kirchweih, die erste deutsche Geburtstagsfeier, die erste Bekanntschaft mit Radler und Bratwurst, die erste kulinarische Liebe zum bayerischen Kloß… Fragt man nach den schönsten Eindrücken, tut sich die aus Gus-Chrustalnyj stammende Germanistin bei aller sprachlichen Gewandtheit schwer, sich festzulegen und stellt die Gegenfrage, welcher Bereich gemeint sei – Essen und Trinken, Kultur, Sehenswürdigkeiten… Zu viel auf einmal eben. Zu viele Premieren. Nur eines ist klar: Den größten Eindruck hinterläßt die Gastfreundschaft ihrer Erlanger Freundin und deren Familie, wo es heute Abschied nehmen heißt. Immerhin Abschied vielleicht nicht für lange, denn schon im Frühjahr 2014 könnte Kristina Kapsjonkowa, die schon an der Schule Deutsch gelernt hat, dann im vierten und vorletzten Studienjahr, im Rahmen des Studentenaustausches an das Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde kommen. Mit all den daraus entstehenden Möglichkeiten für eine weitere Mitwirkung in der Städtepartnerschaft. Und Doris Hinderer? Sie wird wohl auch eines Tages die Gegeneinladung annehmen und dann in aller Ruhe Wladimir erkunden und bestimmt – als Premiere – einen längeren Ausflug nach Gus-Chrustalnyj unternehmen.

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Heide Mattischek, langjähriges Mitglied des Erlanger Stadtrates und Bundestagsabgeordnete, gehört zum innersten Kreis derer, die vor 30 Jahren die Städtepartnerschaft mit Wladimir begründet haben und begleitet bis heute wohlwollend kritisch den Austausch. Ihre Teilnahme an der Bürgerreise zum dreißigjährigen Jubiläum Ende Mai / Anfang Juni schlug denn auch eine Brücke zwischen Damals und Heute. Von besonderem Wert deshalb ihre Einschätzung der Partnerschaft und ihr Ausblick auf die Zukunft.

Heide Mattischeck

Heide Mattischeck und Siegfried Balleis in Wladimir 2013

30 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir – das ist eine Erfolgsgeschichte. Als 1981 der damalige Oberbürgermeister, Dr. Dietmar Hahlweg, bei einem Autorentreffen in Moskau seine Idee von einer Partnerschaft Erlangens mit einer sowjetischen Stadt äußerte, hat sich niemand auch nur ansatzweise vorstellen können, was aus dieser damals mutigen Initiative einmal werden würde. Zu dieser Zeit gab es lediglich zwei Städte in der Bundesrepublik, die Kontakte zu Städten in der Sowjetunion geknüpft hatten. Das waren Hamburg und Saarbrücken – erstere zu Leningrad (heute wieder St. Petersburg), letztere zu Tbilisi in der damaligen Sowjetrepublik Georgien.

Dietmar Hahlwegs Motivation war geprägt von der Ostpolitik Willy Brandts „Wandel durch Annäherung“. Diese Annäherung hatte sich seit dem sogenannten „Nato-Doppelbeschluß“ im Jahre 1979 wieder verschlechtert. Von daher war die Bemühung um eine Städtepartnerschaft mit einer sowjetischen Stadt der Versuch, durch „Volksdiplomatie“ zwischen Kommunen und ihren Bürgerinnen und Bürgern Kontakte zu knüpfen.

Igor Iwanow, Vorsitzender des Stadtrates Wladimir, und Heide Mattischeck, 1983

Igor Iwanow, Vorsitzender des Stadtrates Wladimir, und Heide Mattischeck, 1983

Die Initiative der Stadtspitze Erlangens – auch über die deutsche Botschaft in Moskau – hatte Erfolg. Es war natürlich keine Rede davon, Erlangen in der UdSSR eine Stadt aussuchen zu lassen. Die Wahl der Verantwortlichen in Moskau fiel – aus welchen Gründen auch immer – auf Wladimir. Diese Stadt am „Goldenen Ring“ war damals nur wenigen, an russischer Geschichte und Kultur Interessierten ein Begriff. So hatte 1981 eine VHS-Reisegruppe unter der Leitung von Klaus Wrobel auf einer Rundreise auch Wladimir besucht und konnte viel Positives berichten.

Nicht nur die Mitglieder der ersten offiziellen Delegation (Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg, Stadtrat Claus Uhl, FDP, Stadträtin Heide Mattischeck, SPD, und Peter Millian von den Erlanger Nachrichten), die sich im Sommer 1983 auf den Weg nach Osten machten, waren gespannt, wie man sie in Wladimir empfangen werde. Auch für die Offiziellen dort war dieser Besuch aus der Bundesrepublik durchaus „unbekanntes Gelände“.

Heide Mattischeck mit Wera Sorina, Michail Swonarjow, Claus Uhl, Mira Woronitschewa, Dietmar Hahlweg, Jurij Fjodorow

Heide Mattischeck mit Wera Sorina, Michail Swonarjow, Claus Uhl, Mira Woronitschewa, Dietmar Hahlweg (stehend), Jurij Fjodorow und Igor Iwanow (in der Hocke) 1983

Umso größer war unsere Erleichterung über den herzlichen Empfang schon in Moskau. Die zweite Bürgermeisterin, Wera Sorina, begrüßte uns gleich nach der Landung noch im Flugzeug. Da der Autoverkehr in jener Zeit mit dem heutigen nicht vergleichbar war, erreichten die Erlanger die künftige Partnerstadt in wesentlich kürzerer Zeit. als das heute möglich ist.

Dort wurden wir von Oberbürgermeister Michail Swonarjow und zahlreichen Vertretern der Stadt und der Partei, der KPdSU, im Rathaus empfangen. Nach alter russischer Sitte überreichte man uns Brot und Salz. Natürlich waren beide Seiten etwas befangen, – aber wir hatten dennoch den Eindruck, willkommen zu sein.

Auch wenn es „nur“ um erste Kontakte zwischen zwei Städten ging, hatte dieser Besuch aus Erlangen in einer Stadt in der Sowjetunion wohl auch Bedeutung darüber hinaus. Und so hatten denn auch die Gastgeber in Wladimir alles getan, um den Besuch aus der BRD zu einem Erfolg zu machen. Man zeigte uns voller Stolz alle Sehenswürdigkeiten der Stadt, die wunderschönen Kathedralen, das Traktorenwerk, die Nachbarstadt Susdal mit ihren vielen Klöstern, Erholungseinrichtungen im Umland und vieles andere mehr. Und man verwöhnte uns nicht nur kulinarisch, sondern auch mit kulturellen Highlights wie Musik- und Tanzveranstaltungen.

Picknick

Picknick mit Michail Swonarjow, Wera Sorina, Mira Woronitschewa, Heide Mattischeck, Dietmar Hahlweg, Jurij Fjodorow und Claus Uhl, Wladimir 1983

Schon nach kurzer Zeit entstand trotz sprachlicher Probleme, die zu überwinden uns die Übersetzerin Mira Woronitschewa hervorragend geholfen hat, auch eine durchaus persönliche Sympathie. Es blieb nicht aus, auch Gespräche über den schrecklichen 2. Weltkrieg zu führen. Dem Überfall Nazi-Deutschlands auf die UdSSR im Jahr 1941 sind mehr als 20 Millionen Menschen in der Sowjetunion – Soldaten und Zivilisten – zum Opfer gefallen. Es stellte sich heraus, nicht nur die Familie von Bürgermeister Swonarjow war unmittelbar davon betroffen, sondern auch auf Seiten der Delegation war der Verlust von Angehörigen zu beklagen. Diese gemeinsame Erfahrung verband uns – ohne Schuldzuweisung.

Und so ist es für mich ein gutes Gefühl, noch heute mit Menschen, die ich damals kennengelernt habe, bis heute einen guten und treuen Kontakt zu haben: Zu Jurij Fjodorow, der damals die „rechte Hand“ von Bürgermeister Michail Swonarjow war, und zu Mira, unserer kompetenten und aufmerksamen Dolmetscherin unter nicht einfachen Bedingungen. Was 1983 nicht vorstellbar war, nämlich private Einladungen in die Familien, ist heute ein wesentlicher Bestandteil der Beziehungen zwischen unseren beiden Städten.

Peter Steger hat in einer kleinen Broschüre zum dreißigjährigen Jubiläum aufgelistet, wie sich die Partnerschaftsbeziehung zwischen Wladimir und Erlangen entwickelt hat. Entsprechend dem „Fünfjahresplan“ für Kultur-, Sport- und Jugendaustausch, der 1983 unterzeichnet worden war, lag der Schwerpunkt der Aktivitäten in den ersten Jahren in diesem Bereich. Kulturelle und sportliche Höhepunkte, die uns Wladimirer Gruppen nach Erlangen brachten, machten viele Bürgerinnen und Bürger in Erlangen neugierig auf die neue Partnerstadt. In den darauf folgenden Jahren des gewaltigen politischen Umbruchs in der Sowjetunion gab es in Erlangen eine große Welle der Hilfsbereitschaft, nicht nur von Seiten der Stadt, auch von Firmen und Organisationen und vor allem private Initiativen. Wir wären jedoch gut beraten, wenn wir mit dem Verweis darauf zurückhaltend umgehen würden.

Die Auflistung aller Aktivitäten von so unterschiedlichen Akteuren wie dem Fraunhofer Institut und der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf, dem Kreisverband Erlangen-Höchstadt des BRK und der Veteranen ist ein beredter Beweis für die Lebendigkeit dieser Partnerschaftsbeziehung. Wenn 200 Bürgerinnen und Bürger zum Jubiläumsfest nach Wladimir anreisen, spricht das für das weiterhin große Interesse an der Beziehung zu Wladimir. Auch wenn das Programm in Wladimir vorbereitet wurde, so war es doch für Peter Steger sowie für Doris Hinderer und Silvia Klein, die ihn tatkräftig unterstützt haben, ein Kraftakt, die Erlanger Gruppe zu betreuen. Immer waren es die drei, die angesprochen wurden, wenn Hilfe gefragt war. Die sprichwörtliche russische Gastfreundschaft war in unserem Hotel leider nur eingeschränkt zu spüren.

Mir ist erneut deutlich geworden, wie wichtig es ist, für solche Großveranstaltungen mit der Unterstützung der vielen Vereine, Organisationen und Initiativen rechnen zu können. Dieses zivilgesellschaftliche Engagement ist in der Russischen Föderation (noch) nicht sehr stark ausgeprägt. Wie notwendig die Unterstützung von derartigen Initiativen ist, wird am Beispiel des Roten Kreuzes in Wladimir deutlich. Eine lebendige Demokratie braucht Parteien und Gewerkschaften, aber auch Bürgerinnen und Bürger, die sich darüber hinaus für das Gemeinwohl engagieren, sich für soziale Einrichtungen, für die Umwelt und für Menschenrechte einsetzen.

Es wäre schön gewesen, wenn wir während des Partnerschaftsjubiläums mit dem Oberbürgermeister und gewählten Stadtvertretern  darüber hätten sprechen können. Dazu gab es leider keine Gelegenheit. Wohl gab es Treffen der beiden Oberbürgermeister, aber ein Gespräch der offiziellen Delegation aus Erlangen mit verantwortlichen Stadtvertretern war nicht vorgesehen. Gegenstand des Gesprächs hätten die positive Bilanz der 30 Jahre sein können, aber auch die Schwerpunkte der Zusammenarbeit in den kommenden 10 Jahren.

Auch  im Rahmen einer Städtepartnerschaft sollte ein Austausch von unterschiedlichen politischen Meinungen möglich sein. Das im vergangenen Jahr in Moskau beschlossene sogenannte „Agentengesetz“, mit dem die Unterstützung kritischer Initiativen aus dem Ausland verboten wurde, hat doch wohl auch in Wladimir Konsequenzen. Mich hätte die Meinung der Wladimirer dazu interessiert  – und ob das Gesetz dort direkte Auswirkungen hat. Unter Freunden sollte man auch kontroverse Sachverhalte besprechen können. Wenn zum Beispiel ein Mitglied von Amnesty International Erlangen kein Einreisevisum mehr bekommt. Ganz sicher keine Entscheidung, die in Wladimir gefällt wurde.

Ich habe keine Sorge: Die Partnerschaft wird weiter blühen und gedeihen und, wo möglich und nötig, noch vertieft werden. Dazu beitragen kann meines Erachtens ein verstärkter Schüleraustausch, so schwierig das auch immer sein mag.

Silvia Klein und Doris Hinderer in Wladimir

Silvia Klein und Doris Hinderer in Wladimir

Ich will an dieser Stelle noch einmal Peter Steger danken, der zusammen mit Doris Hinderer und Silvia Klein bei der Vorbereitung und der Durchführung dieses Großereignisses wieder alles gegeben hat.

Heide Mattischeck

Zwei Anmerkungen seien gestattet: Die Diskussion mit Stadträten wird baldmöglichst nachgeholt. Wladimirs Oberbürgermeister Sergej Sacharow hat bereits angekündigt, eine kleine Delegation der gewählten Volksvertreter nach Erlangen zu entsenden. Der Fall der Einreiseverweigerung, tatsächlich nicht von Wladimir zu verantworten, ist nach wie vor Gegenstand diplomatischer Verhandlungen auf Ebene der deutschen Botschaft in Moskau.

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Im September 1993 gestaltete der Kosbacher Stadlchor musikalisch das Fränkische Fest in Wladimir, ein unvergessener Höhepunkt der Städtepartnerschaft. Nun, 20 Jahre später, reiste Knut-Wulf Gradert erneut in die Partnerstadt, dieses Mal mit seinem Männer-Ensemble Stadl Harmonists. Bei dem Erfolg, den seine Sänger hatten, bleibt zu hoffen, es möge nicht wieder ganze zwei Jahrzehnte dauern bis zur nächsten Tournee zu den russischen Freunden! Und damit die Reise auch nicht vergessen werde, hier der Bericht von Chorleiter Knut-Wulf Gradert. 

Seit 30 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir! So haben sich in den Pfingstferien 200 Erlanger auf den Weg in die Partnerstadt gemacht, um zusammen mit Freunden zu feiern. Mit dabei waren wir, das Gesangsensemble Stadl Harmonists. Bei Regen und Kälte stiegen wir am Mittwoch, den 29. Mai, in München ins Flugzeug. In Moskau begrüßte uns sommerliches Wetter. Mit Bussen setzten wir unsere Reise nach Wladimir fort und erreichten unser Hotel „Goldener Ring“ gegen 22 Uhr.

Am nächsten Tag besuchten wir Bogoljubowo, ein Frauenkloster mit einer wunderschönen Kirche. Dort sangen wir die erste Strophe eines Marienliedes – es klang genial! Als wir zur 2. Strophe ansetzten, verwehrte uns eine energische Nonne das Weitersingen: Wir seien katholisch, doch dies sei eine orthodoxe Kirche, und das katholische Kreuzzeichen gehe so und das orthodoxe so…. Ich versuchte eine Vermittlung über das Argument, wir seien doch alle Christen, doch vergebens. Ich entschuldigte mich und sie akzeptierte das Gesangsverbot. Anschließend fuhren wir zurück in die Stadt, und man zeigte uns Wladimir mit dem Goldenen Tor, den Kirchen und Klöstern mit den wunderschönen Malereien  gezeigt.

Kosbach trifft auf Wladimir

Kosbach trifft auf Wladimir

Um 18 Uhr trafen wir uns alle im Kulturpalast zum Festakt. Beide Oberbürgermeister, Siegfried Balleis und Sergej Sacharow, sowie Frank Schenker, Bürgermeister aus Jena, würdigten die dreißigjährige Partnerschaft und Freundschaft. Dann begann ein fulminantes Programm unserer Gastgeber, gespickt mit Beiträgen aus der russischen Folklore und Klassik, die aber auch die moderne Kultur aufblitzen ließen. Mitten rein platziert, traten auch wir mit einer Hommage an die erste Liebe vor 30 Jahren auf: Lydia Gradert kam als Putzfrau auf die Bühne und verrichtete unbeeindruckt von unserem Liebesgesang ihren Dienst, bis sie plötzlich bemerke: Der Gesang warb ja um sie! Flugs flog der Besen ins Eck, die Schürze folgte ihm nach, ein Blick in den Handspiegel, und schon war sie die Angebetete und dann von Blumen in den russischen Nationalfarben umkränzt. Danach ging gleich das Programm weiter. Der Abend zeigte uns, wie professionell unsere Gastgeber agierten: wunderschöne Kostüme, ein Farbenrausch, Kinder, die herrlich Ballett tanzten, ein sechsjähriger Junge, der auf dem Saxophon ganz cool „C´est si bon“ spielte u.s.w. Ein herrlicher Abend!

Die Harmonists aus Kosbach auf Freiersfüßen

Die Harmonists aus Kosbach auf Freiersfüßen

Der Freitag war vorgesehen für Susdal. Wir sahen Kirchen mit bedeutenden Malereien, Joachim Adamczewski konnte mit seinem CEG-Mädchenchor in einer Kirche mit einer idealen Akustik singen und verzauberte uns alle. Wir sangen den 150. Psalm. Nachdem wir noch ein Frauenkloster besichtigen durften, wurden wir nach Wladimir zurückgebracht.

Die Stadl Harmonists in Susdal

Die Stadl Harmonists in Susdal

Um 17 Uhr gaben wir ein Konzert in der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche – jetzt Glasmuseum. Eine fantastische Akustik! Das Haus war voll besetzt, das Publikum warmherzig und spendete herzlichen Beifall. Jekaterina, unsere Dolmetscherin, übersetzte meine Ausführungen zu den jeweiligen Songs. Unser Konzert dauerte 70 Minuten, und als wir am Ende noch das russische Lied: „Oj, moros“ anstimmten, sangen alle begeistert mit! Ein schöner Erfolg für uns!

Plakat Wladimir für Stadl Harmonists

Plakat Wladimir für Stadl Harmonists

Danach eilten wir zum Konzert des Kammerchors Raspew unter der Leitung von Natalia Kolesnikowa. Der Auftritt übertraf unsere kühnsten Vorstellungen und Erwartungen. Der Chor sang russische Lieder in den ausgefeiltesten Versionen. Es war ein Hochgenuß, dem Ensemble zuzuhören. Nach Standing Ovations gab Raspew noch zwei Encores, wonach die Chorleiterin sehr warmherzig über die guten Beziehungen nach Erlangen sprach und dabei auch uns Stadl Harmonists lobte und ihre Freude darüber zum Ausdruck brachte, wie wir uns alle über die internationale Sprache der Musik verständigen können. Von unserem eigenen Konzert noch so hochgestimmt, gaben wir am Abend im Hotel vor unseren eigenen Leuten noch Kostproben aus unserem Repertoire.

Der Samstag – ein weiterer herrlicher Tag mit Temperaturen zwischen 30 und 32 Grad – war im ganzen Land dem Internationalen Kindertag gewidmet. In der Stadt war viel los, überall waren Eltern mit Kindern unterwegs, dort war eine Bühne zu sehen mit Aufführung, hier standen Kinder Schlange für eine Aktion…. Wir bereiteten uns unterdessen auf den Auftritt für die Messe in der katholischen Rosenkranzgemeinde gleich in der Nähe des Goldenen Tors vor. Daß wir auch geistliche Stücke „draufhaben“, erstaunte doch manche von unseren deutschen Besuchern. Oberbürgermeister Siegfried Balleis mit Gattin und fast die ganze offizielle Delegation besuchte mit vielen anderen die Messe. Ich spielte die Orgel, und wir sangen von der Empore zum Auszug ein wunderschönes „Sancta Maria“.

Gegen 14 Uhr wurden wir in einen äußeren Bezirk der Stadt gebracht und hatten dort in einem Kino einen kurzen Auftritt: Dafür wurde eine Mikroanlage aufgebaut. Meine Frau spielte für die Kinder extra ausgiebig die Putzfrau. Nach drei Songs war das Gastspiel aber schon wieder vorbei. Die Zuschauer winkten uns freudig zu und setzten dann aber ihre 3D-Brillen auf, um…

Die Bühne in Wladimir gehört den Stadl Harmonists

Die Bühne in Wladimir gehört den Stadl Harmonists

Gegen 18 Uhr machten wir uns alle auf den Weg vor die Stadt zu einem Park, der winters wie sommers gern genutzt wird: Im Winter zum Skifahren, im Sommer zum Picknick, für Ballspiele aller Art… In dem dortigen Restaurant war reichlich aufgetischt, und an Bier fehlte es auch nicht. Die beiden Oberbürgermeister zogen Resümee und tauschten Geschenke aus. Schließlich kam von Moskau noch unser Innenminister Joachim Herrmann zu uns und hielt eine wohltuend kurze Rede. Die Offiziellen verließen uns schon bald wieder wegen eines dringenden Termins in Wladimir. Für uns hingegen spielte die Instrumentalgruppe des Ensembles Rus unter Leitung von Nikolaj Litwinow auf. In einer Pause stellten wir uns dann vorne auf. – Die Leute kamen von außen erwartungsvoll zurück in den Saal. Wir sangen „Wochenend und Sonnenschein“ – Beifall. Dann bekam unser Andrew das Mikro, und wir widmeten den Welthit „My Way“ den beiden Altoberbürgermeistern Igor Schamow und Alexander Rybakow. – Großer Beifall! – Und dann ein weiteres Glanzstück: Ich hatte mir vorab von Nikolaj ein russisches Lied 50 x kopieren lassen  Die Musiker griffen zu ihren Instrumenten, die weltschöne Swetlana Sawina vom Ensemble Rus trat mit vor ans Mikro, und so sangen wir alle zusammen das russische Lied: „Oj moros, moros, nje moros menja“: Oh Frost, Frost, laß mich nicht erfrieren!“ Und das bei hochsommerlichen Temperaturen und vielen Schnakenstichen! Die Stimmung war auf dem Höhepunkt. Es gab noch Wodka und natürlich auch Bier.

Swetlana Sawina 2010 in Erlangen

Swetlana Sawina 2010 in Erlangen

Dann ging es ab in den Bus: Dort sangen wir noch alle möglichen deutschen Lieder, und unter den Russen war ein fantastischer Bassist aus einem Kammerchor, der uns mit seinen russischen Liedern beeindruckte. Im Hotel wurde gepackt, denn anderntags, am 2. Juni, ging es zurück nach Moskau. Dort warteten wir im Flugzeug eine Weile ein Unwetter ab, bis wir losfliegen konnten. Gegen 18 Uhr sind wir dann in München bei 8 Grad gelandet, und bei Regen trafen wie um 21 Uhr in Erlangen ein.

Eine wunderschöne Tour in unsere Partnerstadt, sehr schöne drei Tage dort: Es ist ein Gewinn, eine Stadt im Sonnenschein zu erleben! Wir haben dort viel Schönes erlebt, haben auch viel Schönes von uns gegeben, haben sicherlich die Verbindungen beiderseitig gefestigt und das Freundschaftsband enger geschnallt.

Die Stadl Harmonists bedanken sich bei der Stadt Erlangen, bei Silvia Klein, Doris Hinderer und Peter Steger.

Wir haben unser Bestes gegeben und konnten Erlangen würdig vertreten.

                                                 Knut-Wulf Gradert

P.S.: Ein besonderes СПАСИБО geht an Alexander Nikolskij, der die Auftritte seiner Kosbacher allesamt organisiert hat. Ehrenamtlich!

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Damit die Partnerschaft auch in Zukunft etwas zu feiern habe, braucht es immer wieder neue Projekte und Impulse. Gerade auch im Bereich der Wirtschaft. Da liegt es nahe, wenn Siegfried Balleis, der bereits 1989 zum ersten Mal in die Partnerstadt gekommen war, damals noch als Wirtschaftsreferent, auch der IHK der Region Wladimir einen Besuch abstattet. Deren Präsident, Jewgenij Limonow, und Erlangens Oberbürgermeister kennen und schätzen sich schon lange und wissen, welches bisher noch weitgehend ungenutzte Potential im wirtschaftlichen Austausch steckt. Vor allem, wenn man über die Grenzen Erlangens hinausgeht und die ganze Mentropolregion Nürnberg einbezieht, deren Ratsvorsitz Siegfried Balleis innehat, und wenn es gelingen sollte, die beiden Industrie- und Handelskammern zusammenzubringen. Die Region Wladimir – so groß wie ganz Franken und die halbe Oberpfalz, aber nur mit eineinhalb Millionen Einwohnern, bietet mit ihrer durch den Sapsan, den russischen Siemens-ICE, eine optimale Verkehrsanbindung an die beiden Kapitalen, Moskau und Nischnij Nowgorod, kann auf die erfolgreiche Ansiedlung von Globus, Nestlé, Ferrero, Lauscha Fiber, Stollwerk oder auch Wienerberger und die türkischen Konzerne Vestel und Beko verweisen – und bietet Investoren aus dem Ausland verlockende Anreize. Nun will man erst einmal mit einem intensiven Informationsaustausch beginnen, mehr von einander wissen und dann möglichst bald die Wirtschaftskraft der Region Wladimir in Franken vorstellen.

Siegfried Balleis, Jewgenij Limonow und Jelena Potapowa, zuständig für die Internationalen Kontakte der IHK Wladimir.

Siegfried Balleis, Jewgenij Limonow und Jelena Potapowa, zuständig für die Internationalen Kontakte der IHK Wladimir.

Szenenwechsel: Von der Selbsthilfeorganisation Swet (Licht) wurde hier schon des öfteren berichtet, doch nie zuvor war eine so große Delegation aus Erlangen und Jena zugegen, wenn diese „russische Lebenshilfe“ ein neues Projekt vorstellte und für die Zusammenarbeit mit den deutschen Partnern dankte: angefangen bei den ersten Hörgeräten, von der Siemens Audiologie vor fünfzehn Jahren gespendet, die erstmals integrativen Unterricht für Kinder möglich machten, bis hin zu der Einrichtung eines eigenen Zentrums und nun zur Einweihung einer Wohnung, in der bis zu fünf junge Behinderte selbständig leben lernen sollen. Etwas, das es bisher nirgendwo in ganz Rußland gebe, wie Ljubow Katz betont, die zusammen mit ihrem Mann Jurij schon seit zwei Jahrzehnten erfolgreich für die Rechte von behinderten Menschen streitet.

Siegfried Balleis, Christine Hubrach, Peter Steger, Ljubow Katz

Siegfried Balleis, Christine Hubrach, Peter Steger, Ljubow Katz

50.000 Euro hat Renovabis, das Hilfswerk der katholischen Kirche, auf Vermittlung der Stadt Erlangen für die Wladimirer Selbsthilfegruppe im Rahmen der diesjährigen Aktion zu Gunsten von „Menschen mit Behinderungen in Osteuropa“ bereitgestellt, eine Unterstützung, für die man in Wladimir tiefe Dankbarkeit empfindet und die bestens angelegt ist, wenn man weiß, wie transparent und effektiv Swet mit Spenden umgeht.

Heide Mattischeck und Siegfried Balleis bei Swet

Heide Mattischeck und Siegfried Balleis bei Swet

Ein richtiges Fest feiert man aus Anlaß des Partnerschaftsjubiläums und setzt dabei die ganze Vielfalt der Arbeitsbereiche dieser verdienstvollen Organisation in Szene, die es sogar durchgesetzt hat – wieder so eine Pioniertat in Rußland -, Pflegschaften für behinderte Kinder gesetzlich anerkennen zu lassen und für Pflegeeltern eine Aufwandsentschädigung zu erwirken. Der richtige Augenblick auch für Christine Hubrach, die Bühne zu betreten und ihre bei der Erlanger Sternennacht und dank ihrer Aktion mit Konfirmanden in Tennenlohe und Heroldsberg gesammelten Spenden in Höhe von gut 1.000 Euro zu übergeben – mit einem ganzen Sternenhimmel voller Namen, die alle ihr Scherflein beigetragen haben zu Gunsten von Waisen in Wladimir.

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Tatjana Kowalkowa, Siegfried Balleis, Sergej Sacharow, Maria Faßbinder, Torsten Hilscher.

Im Rathaus geht es dann um eine Stärkung der deutschen Sprache an Wladimirer Schulen. Maria Faßbinder, Koordinatorin für das Auslandsschulwesen, ist eigens aus Moskau gekommen, um zusammen mit Torsten Hilscher, Bevollmächtigter der Deutschen Botschaft für die Region Wladimir, zu sehen, ob hier eine Einbindung in das Deutsche Sprachdiplom http://is.gd/v202uF möglich wäre. Mit einem erfreulichen Ergebnis. Zumindest eines der drei Gymnasien, das übrigens – wie auch anders! – einen intensiven Schüleraustausch mit Erlangen pflegt, kann man sich eine Zusammenarbeit gut vorstellen und glaubt, bereits in zwei bis drei Jahren die erste Stufe der Prüfungen dort anbieten zu können. Hilfreich wäre es da, wenn Erlangen schon im Herbst für einige Wochen eine ehrenamtliche Lehrkraft nach Wladimir entsenden könnte, um durch muttersprachlichen Unterricht die russischen Kollegen vor Ort zu unterstützen. Da tun sich ganz neue Türen auf.

Stanislaw Katkow und Ute Schirmer

Stanislaw Katkow und Ute Schirmer

Weit tut sich auch die Tür des Alten- und Pflegeheims auf, wenn Gäste aus Erlangen kommen, wie gestern Ute Schirmer, die den jüngsten Gedichtband von Stansilaw Katkow – auch er kein Unbekannter im Blog! – ins Deutsche übersetzt hat und im Rahmen einer kleinen Lesung an den schwerbehinderten Lyriker übergibt.

Angelika Balleis, Siegfried Balleis, Sergej Sacharow.

Angelika Balleis, Siegfried Balleis, Sergej Sacharow.

Das Erlangen-Haus öffnet seine einladenden Tore für eine Sitzung des Vorstands, wo die beiden Stadtoberhäupter zufrieden feststellen können, wie kontinuierlich positiv sich die Vermietungen der Gästezimmer und die Teilnehmerzahlen der Deutsch-Kurse entwickeln, wie hoch die Anerkennung dieses Sprachlernzentrums durch das Goethe-Institut in Moskau ist, wo sich beide darüber freuen dürfen, daß dieses Gemeinschaftswerk ausgezeichnet wurde als das beste Klein-Hotel in Wladimir. Und vieles vieles mehr!

Tatjana Kowalkowa, Siegfried Balleis, Sergej Sacharow, Maria Faßbinder, Torsten Hilscher.

Silvia Klein und Doris Hinderer, Bürgermeister und Presseamt Erlangen, erwartungsfroh vor dem Konzert.

Weit steht die Tür schließlich zum Konzertsaal von Eduard Markin offen, der für die Gäste aus Erlangen seine Knaben und den Kammerchor auftreten läßt. In alter Meisterschaft und doch mit ganz neuen Künstlern, einem frischen Repertoire – und doch auch immer mit jener engen Verbundenheit mit Erlangen, war es doch just dieser Maestro, der 1985 als erster Kulturbotschafter mit seinem Ensemble in die deutsche Partnerstadt gekommen war und dort wahre Triumphe feiern konnte. Eine Tradition, an die nun wieder angeknüpft werden soll. Man muß ja nicht alles immer wieder neu erfinden.

Eduard Markin und sein Knabenchor

Eduard Markin und sein Knabenchor

All die vielen anderen Ereignisse des Tages festzuhalten, wäre nur durch Omnipräsenz möglich. Aber immerhin die eine oder andere Szene wird sicher noch nachgereicht. Demnächst eben – in Ihrem Blog.

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