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Posts Tagged ‘Dorian Keilhack’


Wer aus welchen Gründen auch immer das Konzert der Camerata Franconia unter Leitung von Dorian Keilhack am 18. März zum 35jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft versäumte oder sich aus verständlichen Gründen noch einmal in diesen musikalischen Festakt zurückversetzen möchte, erhält nun die Möglichkeit, die Aufzeichnung der Veranstaltung im Redoutensaal im Internet nachzuerleben. In voller Länge, einschließlich des Grußwortes von Oberbürgermeister Florian Janik, der es in nur knapp acht Minuten schaffte, ein leidenschaftliches Plädoyer für die deutsch-russische Freundschaft in diesen zunehmend schweren Zeiten zu halten.

Andrej Schewljakow, Igor Starowerow, Eva Bindere, Dorian Keilhack und Alexander Tichonow

Hörenswert, dieses politische Zeugnis des guten Willens als Vorrede auf den musikalischen Höhepunkt des Jubiläumsjahrs unter Mitwirkung der beiden Solisten aus Wladimir, Andrej Schewljakow und Alexander Tichonow, der eine am Klavier und an der Geige mit zwei eigenen Kompositionen und einem Jazz-Arrangement als Zugabe, der andere meisterhaft und umjubelt am Cello im C-Dur-Konzert von Joseph Haydn, und des Kapellmeisters des Universitätsorchesters, Igor Starowerow, verstärkt durch die Violonistin Lydia Wunderlich von der Jenaer Philharmonie. Aber hören und sehen Sie die Aufführung – auch der sechs Chansons von Eberhard Klemmstein – selbst. Nehmen Sie sich die Stunde und vierzig Minuten: https://is.gd/oJFPPI

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Fast ein Jahr ist es her, seit sich Andrej Schewljakow und Dorian Keilhack am Abend des 8. Mai trafen, auf Anhieb eine musikalische Freundschaft eingingen und begeistert die Anregung aufnahmen, zum 35. Jubiläum der Städtepartnerschaft gemeinsam ein Festkonzert zu geben. Auch auf den Termin hatten sich der Multiinstrumentalist aus Wladimir und der Leiter der Camerata Franconia rasch geeinigt, freilich ohne Abstimmung mit der Kanzlei des Kreml, wie Oberbürgermeister Florian Janik bei der Eröffnung des Jubiläumsabends gestern anmerkte, die im Dezember just für den 18. März die Präsidentschaftswahlen ansetzte.

Andrej Schewlajkow, Igor Starowerow, Lydia Wunderlich, Dorian Keilhack und Alexander Tichonow

Der protokollarische Teil der Veranstaltung nahm denn auch nur wenige Minuten in Anspruch, denn aus gegebenen Gründen konnte keine offizielle Delegation aus der Partnerstadt anreisen. Desto hochrangiger dafür das künstlerische Aufgebot mit dem Musiker und Komponisten, Andrej Schewljakow, mit dem Konzertmeister des Wladimirer Universitätsorchesters, Igor Starowerow, und dem Cellisten, Alexander Tichonow, verstärkt von Lydia Wunderlich, Mitglied der Jenaer Philharmonie in den 2. Violinen, denn es gab ja noch ein zweites Jubiläum zu feiern: zehn Jahre Partnerschaftsdreieck Erlangen-Jena-Wladimir.

Dorian Keilhack, Christian Hilz, Tilmann Stiehler und Eberhard Klemmstein

Vor dem Feiern aber standen – nach Wochen und Monaten des Austausches von Noten und Audiofiles – die Proben, von Donnerstagabend mit den ersten Einstudierungen im Christian-Ernst-Gymnasium über die offenen Proben am Freitag im Wohnstift Rathsberg und das Hauptkonzert dort am Samstagabend bis zur Generalprobe am gestrigen Vormittag im Redoutensaal. Konzentriert und diszipliniert, vor allem aber bestens aufeinander abgestimmt, obwohl doch die häufig noch ganz jungen Mitwirkenden aus einem Dutzend verschiedener Länder kommen, von Venezuela bis Österreich, von Serbien bis Israel. Vielleicht auch deshalb das einhellige Urteil der russischen Gastmusiker: „Es ist als hätten wir schon immer mit diesem Ensemble gespielt. Dieses Orchester besitzt große Klasse, und es ist uns Freude wie Ehre, hier mitzuspielen.“

Alexander Tichonow und Gerhard Rudert

Gerhard Rudert, Kontrabaßist aus Möhrendorf, der mit Alexander Tichonow bereits in den 90er Jahren gemeinsame Konzerte gab und Alben dieser deutsch-russischen Verbindung veröffentlichte, dazu in seiner fränkisch-lapidaren Ausdrucksweise: „Die Camerata ist halt ein Profi-Orchester, und das spürt und hört man.“

Camerata Franconia

In der Tat darf Erlangen stolz sein auf diese musikalische Visitenkarte, die nicht nur höchsten künstlerischen Ansprüchen genügt, sondern auch eindrucksvoll den internationalen Flair der Stadt verkörpert. Und nun auch noch die Verbindung zu Wladimir, wo Dorian Keilhack bereits vor mehr als einem Vierteljahrhundert als Pianist aufgetreten war, ganz in der Tradition seiner Eltern, Dirk und Vivien, die schon 1986 an den Erlanger Kultur- und Sporttagen in der Partnerstadt teilgenommen hatten.

Florian Janik

Oberbürgermeister Florian Janik beschwor denn auch in seiner Ansprache diesen Geist der Verständigung, der sich – unter Anspielung auf die sich weiter zuspitzende politische Gemengelage – nicht nach dem richte, was da gerade in London, Moskau oder Berlin übereinander gesagt werde – und erinnerte an die schweren Zeiten der Anfänge in Zeiten des Kalten Krieges, von denen die Begründer der Städtepartnerschaft, besonders Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg und Altbürgermeisterin Ursula Rechtenbacher, passend zum musikalischen Abend „ein Lied singen können“.

Redoutensaal

Im Saal war dann übrigens doch mehr Wladimir vertreten, als man meinen möchte: die Athleten, die am Winterwaldlauf teilgenommen hatten, der Photograph Wladimir Fedin, eine Gruppe Austauschstudenten, private Gäste… Vor allem aber natürlich war die Bühne frei für Wladimir, dem der Auftakt des Abends vorbehalten blieb.

Andrej Schewljakow

Andrej Schewljakow hatte zwei Eigenkompositionen mitgebracht, die gestern ihre deutsche Erstaufführung erlebten: „Die Mühle“, ein pointillistisches Werk mit jazzig perlenden Läufen am Flügel, bevor der von Alexander Skrjabin inspirierte Leiter einer eigenen Cross-Over-Combo zur Violine wechselte und seine „Serenade“ vorstellte, eine beschwingt virtuose Hommage an Joseph Haydn, an die das Konzert für Violoncello und Orchester C-Dur des großen Meisters der Wiener Klassik nahtlos anschließen konnte.

Alexander Tichonow

Wer sein Können am Cello zeigen will, spielt dieses Stück. Entweder man scheitert daran grandios, oder man spielt sich in die Herzen des Publikums. Alexander Tichonow ergriff den Saal von den ersten wuchtigen Takten seines Solos an und riß die Zuhörer mit auf seinem halsbrecherischer Wettlauf über alle Stege hinweg, in einem faszinierenden Wechselspiel mit dem Orchester, wobei man nie so recht hätte zu sagen wissen, wer da wen mehr antreibt, der Solist das Ensemble oder dieses den Cellisten. Wenn aber beide immer wieder am Ende jeden Satzes glücklich-gleichzeitig im harmonisch sich auflösenden Schlußakkord ankommen, ist das besonders dem wachsamen Blickkontakt zwischen Konzertmeisterin Eva Bindere aus Riga und dem zupackenden Tempomacher Tilmann Stiehler, dem Leiter des Erlanger Musikinstituts, zu verdanken.

Andrej Schewljakow, Igor Starowerow, Eva Bindere, Dorian Keilhack und Alexander Tichonow

Ein strahlender Auftritt unter dem so unangestrengt lächelnden Dirigat von Dorian Keilhack, der keiner großen Gesten und herrischer Einsätze bedarf, um sein Ensemble zu leuchtender Spielkraft zu führen. Auch im zweiten Teil des Konzerts mit der Uraufführung der sechs Chansons von Eberhard Klemmstein mit dem Erlanger Bariton Christian Hilz, die ein nicht minder konzentriertes Musizieren verlangt.

Dmitrij Tichonow, Eberhard Klemmstein, Werner Heider, Dietmar Hahlweg und Alexander Tichonow

Klar deshalb auch das Urteil von Dmitrij Tichonow, der den Bruder begleitete und ebenfalls bereits in den 90er Jahren in Erlangen auftrat. „Ein ganz außerordentlicher Dirigent, den wir unbedingt auch einmal nach Wladimir einladen müssen. Ein wirklich großer seines Fachs!“ Nun wünscht sich der Pianist zunächst aber Noten von Werner Heider, um sie zu Hause einzustudieren und vielleicht auch einmal selbst wieder in Erlangen zu musizieren .

Udo und Asja Neumann mit Alexander Tichonow

Wer weiß aber heute schon zu sagen, was da alles gestern in Gang kam, welche künstlerische Energie der Abend freisetzte. In jedem Fall war das Festkonzert ein Höhepunkt nicht nur des Jubeljahres, sondern wird weit darüber hinaus seine Wirkung entfalten.

Alexander Tichonow und Bürgermeisterin Elisabeth Preuß

Übrigens: Auch Eberhard Klemmstein ist Wladimir bereits seit langem verbunden. Bereits 1991 trat er mit seinem Marteau-Ensemble in Wladimir auf und kooperierte mit Eduard Markin und dessen Kammerchor bei Festival des Hörens in Erlangen ein Jahr zuvor. Aber noch ist das Konzert ja nicht am Ende. Man merkt es Dorian Keilhack an, wie sehr er mit der russischen Musik verbunden ist, wenn er auswendig die „Sinfonie classique“ von Sergej Prokofjew dirigiert und durch diese verzauberte Notenwelt gleitet, als wäre es ein Bild von Marc Chagall oder eine Ode an die Freude, wo er weilt, jener sanfte Flügel der Kunst. Und dann als Zugabe eine hauchzarte Ahnung von „Summertime“, ein feinst gewobenes Arrangement von Andrej Schewljakow nach Motiven von George Gershwin, hingebungsvoll interpretiert von Christian Hilz. Beifall, Beifall und nochmals Beifall.

Eberhard Klemmstein, Christian Hilz, Dorian Keilhack und Tilmann Stiehler

Am Ende eines solchen Abends ist der Sparkasse Erlangen ebenso zu danken wie der Bürgerstiftung Erlangen für ihre Unterstützung. Dank all den Gastgebern, die für diese ereignisreichen Tage den Gästen aus aller Welt ihre Türen öffneten, und ein Vergelt’s Gott an Geigenbaumeister Günter H. Lobe auf dessen wundervollen Instrumenten die Musiker aus Wladimir ihr Können zeigen durften.

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Die Musiker sind angereist, die Plakate hängen, heute beginnen die Proben, und am Sonntag um 19.00 Uhr dann der Höhepunkt der Feiern zum fünfunddreißigjährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir: das Konzert der Camerata Franconia unter Leitung von Dorian Keilhack mit der Uraufführung von sechs Chansons des Erlanger Komponisten Eberhard Klemmstein.

Das mit jungen Profimusikern aus aller Welt besetzte Orchester eröffnet den Abend aber mit der deutschen Erstaufführung von zwei Werken des Wladimirer Multiinstrumentalisten, Andrej Schewljakow, der „Mühle“ und einer „Serenade“, beide nach Einschätzung von Dorian Keilhack mit viel „Spielwitz, durchaus klanglich und mit einem Hauch Jazz“ ausgestattet und vom Komponisten selbst am Flügel vorgestellt. Kein Wunder, denn der Dozent an der Universität Wladimir leitet dort auch ein Crossover-Ensemble, das übrigens bereits mit viel Erfolg im Rahmen der Schloßgartenkonzerte zu erleben war.

Andrej Schewljakow, Igor Starowerow und Alexander Tichonow

Der zweite Solist des Abends ist Alexander Tichonow am Cello,  ausgebildet an seinem Instrument in Nischnij Nowgorod und Tiflis, der mit einer Interpretation des Konzertes in C-Dur von Joseph Haydn seine Meisterschaft zeigt, bevor der Abend mit der großartigen Sinfonie classique von Sergej Prokofjew ausklingt, mit Andrej Schewljakow und Igor Starowerow als Streicher im Orchester, beide übrigens Schüler von Alexander Tichonow. Man darf sich also freuen auf den musikalischen Gruß dieses Trios aus Wladimir. In dieser Konstellation nur zu hören dank der Städtepartnerschaft. Karten gibt es übrigens noch an der Abendkasse.

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Wäre der gestrige Vortrag zur russischen Musik unter dem Motto „gestern und heute“ ein Konzert gewesen, hätte das begeisterte Publikum im vollbesetzten Historischen Saal der Volkshochschule den Referenten Dorian Keilhack nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen lassen. Freilich war das ja auch gestern abend mehr als nur ein Vortrag, der sich so einfach anhand einiger Notizen nacherzählen ließe.

Reinhard Beer

Bei der Vorbereitung zur Vorstellung des Gastes ist denn auch Reinhard Beer, stellvertretender Leiter der Volkshochschule und Mentor der „Russisch-Deutschen Wochen“, wohl erst so richtig bewußt geworden, welch eine Kapazität er da mit dem Professor für Dirigieren am Landeskonservatorium Innsbruck und Leiter der dortigen Opernschule und des Orchesters eingeladen hatte, der zu der Veranstaltung eigens aus Tirol in seine Heimatstadt angereist kam und als musikalische Verstärkung auch noch seine Frau Beate und die Tochter Alma-Vivien mitbrachte.

Dorian und Alma-Vivien Keilhack

 

Fast zwei Stunden dauerte die Führung durch die russische Musikgeschichte, ohne jede Spur von Ermüdung bei Publikum oder Referent, der sein Handwerk u.a. bei dem sowjetischen Musikpädagogen Witalij Margulis erlernte, der dem Schüler einmal sagte, die russische Musik sei eigentlich deutsche Musik. Etwas zugespitzt, aber mit einem wahren Kern, denn seit der Christianisierung der Kiewer Rus im Jahre 998 kannte man im Russischen Reich nur die Melodien von Spielleuten oder die Kirchenlieder in der Überlieferung von Byzanz, tradiert in der Neumenschrift, die erst mit dem Barock vom heutigen Notensystem abgelöst wurde. Die Deutsche auf dem Zarenthron, Katharina II, selbst aufgeklärt und den Künsten zugetan, holte mit ihrem berühmten Manifest von 1763 – nach dem Tod seiner Eltern, Vivien und Dirk, hatte Dorian Keilhack im Keller einen Druck des Erlasses gefunden, aus dem er wichtige Passagen zitierte – gezielt Ausländer ins noch weithin unerschlossene Land, die ihre eigene Lebensart mitbrachten.

Manifest von Katharina II

Doch es sollte noch einmal einhundert Jahre dauern, bis von den deutschen Einwanderern, Nikolaj und Anton Rubinstein, die Konservatorien in Sankt Petersburg und Moskau gegründet wurden, die heute noch weltweit mit den Ton angeben. In diesem Umfeld erst konnte Michail Glinka, geschult an Johann Nepomuk Hummel, zu der Größe heranwachsen, die ihn mit „Ein Leben für den Zaren“ die russische Nationaloper schaffen ließ. Jetzt erst entfaltete auch Alexander Dargomyschskij, ebenfalls Schüler von Hummel, sein Talent, und die Möglichkeiten für das „Mächtige Häuflein“ um Mili Balakirew, dem auch Modest Mussorgskij angehörte, eine Gruppe von Laien und Autodidakten, die zurück zur Volksmusik wollte und im erklärten Widerspruch zu Peter Tschajkowskij stand.

Historischer Saal

Spätestens hier kam die Zeit, an diesem Abend den Maestro auch als Pianisten zu erleben, ebenso leidenschaftlich wie vergeistigt hingegeben vor allem an die „Promenaden“ und das „Schloß“ aus den „Bildern einer Ausstellung“ des früh verstorbenen Komponisten der Oper „Boris Godunow“. Von einer „naiven Schroffheit“, einer „Archaik und Wehmut“ spricht der Künstler da nach dem Zwischenspiel, bevor er übergeht zu Nikolaj Rimskij-Korsakow, der auf hoher See komponierte, was Dorian Keilhack zu einem seiner vielen so sympatischen Ausflüge in die eigene Biographie verleitete. „Als Kind wollte ich immer Kapitän oder Dirigent werden. Als Kapitän stellte ich mir vor, dann auf dem Schiff und an den Stränden Klavier zu spielen…“

Dorian Keilhack

Die musikalische Reise machte weiter Station natürlich bei dem Verbindungsglied zwischen West und Ost, Peter Tschajkowskij, dessen Violinkonzert D-Dur den Wiener Kritiker Eduard Hanslik „auf die schauerliche Idee“ brachte, „ob es nicht auch Musikstücke geben könnte, die man stinken hört.“ Legte einen Halt bei Sergej Rachmaninow ein, übrigens einem Schüler des Wladimirer Komponisten Sergej Tanejew, der erst in der Emigration zu Ansehen und Wohlstand gelangte.

Alma-Vivien Keilhack

Spätestens hier kommt mit dem Entstehen der Sowjetunion auch die Politik ins Spiel – mit Sergej Prokofjew, der zunächst auswanderte, dann aber zurückkehrte und just am gleichen Tag, dem 5. März 1953, verstarb wie Josef Stalin, der dem Komponisten von „Peter und der Wolf“ so zugesetzt hatte. Mit Igor Strawinskij, der mit seinem französischen Paß in den USA lebte, dort viel Geld verdiente und von Dorian Keilhack wegen seiner mit Geschäftstüchtigkeit gepaarten Schaffenskraft Pablo Picasso zur Seite gestellt wird. Oder Dmitrij Schostakowitsch, der dem Referenten „immer mehr ans Herz wächst“ mit seiner feinen Ironie und seinem Selbstbehauptungswillen gegenüber dem Diktator, der in der Prawda von „Chaos statt Musik“ schreiben und den Komponisten zum Volksfeind erklären läßt, bis der sich mit seiner „Leningrader Symphonie“ wieder ein wenig Luft zum Atmen verschafft.

Beate, Alma-Vivien und Dorian Keilhack

Der musikalische Höhepunkt des Abends dann auch das Keilhack-Trio mit Hörproben von Dmitrij Schostakowitsch, innig und stimmig, auch ohne vorherige Probe. Und nicht zu vergessen das „Violinkonzert zur Förderung der sowjetischen Jugend“ von Dmitrij Kabalewskij einem Meister des Sozialistischen Realismus, der mit dem Stück ein Werk schrieb, das höchste Anforderungen bei der Interpretation stellt und auf höchste Weihen vorbereitet, für die sich Alma-Vivien Keilhack – das erkennen auch Laienohren – als bestens präpariert erweist. Seinen Studenten gibt ihr Vater immer mit auf den Weg: „Spielt die russische Musik so, als gäbe es keine Taktstriche.“ Diese fließende Weite ergriff gestern auch das Publikum des Musikers, der bereits 1990 in Wladimir aufgetreten war, nachdem seine Eltern, Vivien und Dirk, dort schon 1986 konzertiert hatten.

Und diese Woge trägt weiter bis zum 18. März, wenn Dorian Keilhack seine 2012 gegründete „Camerata Franconia“ im Redoutensaal zum 35jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft dirigiert. Mit dabei der Komponist und Arrangeur, Andrej Schewljakow, und der Cellist, Alexander Tichonow, beide aus Wladimir. Und zum Ausklang dann Sergej Prokofjew, von dem gestern abend absichtlich nichts zu hören war. Denn wer denn hören will, der komme zum Konzert!

Natalia Grebnev und John Stackmann

Wie schon am Abend zuvor auch gestern ein ausgebuchter Sprachkurs – Russisch für die Reise – unter Leitung von Natalia Grebnev. Die in Wladimir zur Deutschlehrerin ausgebildete Dozentin kam als Natalia Chrulnowa im Rahmen des Studentenaustausches in den 90er Jahren nach Erlangen, machte hier später ein Zusatzstudium, heiratete einen Ukrainer und blieb der Hugenottenstadt und der Städtepartnerschaft erhalten. Sie nahm es mit Verständnis, als einige Teilnehmer ihres Kurses vor Unterrichtsende das Klassenzimmer verließen, um den Vortrag von Dorian Keilhack nicht zu versäumen. Musik allein ist eben, wie Berthold Auerbach meinte, die Weltsprache „und braucht nicht übersetzt zu werden.“

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Morgen gehen die „Russisch-Deutschen Wochen“ an der Volkshochschule in die zweite Runde, und heute in vier Wochen setzt das Konzert der „Camerata Franconia“ den Schlußakkord des fünfunddreißigjährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft. Das erst 2014 von Dorian Keilhack gegründete Ensemble mit internationaler Besetzung bietet nun auch Wladimir eine Bühne.

Das Konzert zum Partnerschaftsjubiläum

Schon seit fast einem Jahr laufen die Vorbereitungen, um das Repertoire für Sonntag, den 18. März, ab 19.00 Uhr im Redoutensaal vorzubereiten. Neben der Uraufführung von sechs Chansons des Erlanger Komponisten Eberhard Klemmstein sind gleich zum Auftakt zwei Stücke von Andrej Schewljakow aus der Partnerstadt zu hören, der den Klavierpart auch selbst spielt. Ein weiterer Gastmusiker aus Wladimir, Alexander Tichonow, tritt als Solist am Cello im C-Dur-Konzert von Joseph Haydn auf. Besonders erfreulich: Im Orchester sitzen auch zwei Musikerinnen aus Jenaer Philharmonie, denn es gibt ja auch das zehnjährige Jubiläum des Partnerschaftsdreiecks Erlangen-Jena-Wladimir zu feiern. Feiern Sie mit! Karten sind im Vorverkauf bereits zu haben.

Mehr zum Ensemble unter: http://www.camerata-franconia.de

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Die närrischen Tage eilen ihren tollen Höhepunkten entgegen, und bald schon sind die Faschingsferien der Volkshochschule wieder zu Ende. Zeit also, nochmals an die zweite Runde der „Russisch-Deutschen Wochen“ zu erinnern.

Keine zehn Jahre nach der Oktoberrevolution schrieb Michail Bulgakow seine bißige Satire von einem Hund, der sich dank chirurgischer Kunst zu einem Menschen entwickelt, ein hybrides Geschöpf, das nicht unbedingt die besten Seiten beider Wesen kultiviert. Erst 2013 erschien auf Deutsch von Alexander Nitzberg unter dem Titel „Das hündische Herz“ eine angemessene Übersetzung des Werks der sowjetischen Klassik. Die Russistin Swetlana Steinbusch, Dozentin am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde, zeigt an dem Abend den 1976 entstandenen Film „Hundeherz“ und stellt am Montag, den 19. Februar, um 19.30 Uhr im Club International all die vielen Verbindungen zwischen Literatur und Kino, zwischen Imagination und Realität – damals und heute – her.

Swetlana Steinbusch, sitzend links, im Kollegenkreis des Instituts für Fremdsprachen und Auslandskunde

Moritz Florin, promovierter Historiker und seit 2015 Akademischer Rat am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der Universität Erlangen-Nürnberg, arbeitet wissenschaftlich am Thema der Entstehung des Terrorismus und ist dabei auf den Spuren der russischen Anarchisten und Revolutionäre. Der Vortrag am Dienstag, den 20. Februar, um 19.30 Uhr in der Aula der Volkshochschule, Friedrichstraße 17, schlägt dann auch den Bogen von den ersten Anschlägen auf den Zaren im 19. Jahrhundert bis hin zu den Wirren der Oktoberrevolution und den von Terror geprägten Jahren des Bürgerkriegs und der Entstehung der Sowjetunion.

Moritz Florin inmitten seiner Studentengruppe

Wer klassische Musik in Erlangen schätzt, kennt Dorian Keilhack. Der Pianist und Dirigent seinerseits kennt wie kaum ein anderer die russische Klassik, zumal er selbst in deren Geist seine musikalische Ausbildung genoß. Am Mittwoch, den 21. Februar, um 19.00 Uhr, führt im Historischen Saal  führt der Leiter der Camerata Franconia am Flügel anhand von ausgewählten Beispielen in Wort und Klang durch die faszinierende Welt der großen russischen Namen – von Michail Glinka bis zu Dimitrij Schostakowitsch – und stellt die Bezüge zur westeuropäischen Klassik her. Hinweis: Am Sonntag, den 18. März, dirigiert Dorian Keilhack im Redoutensaal sein Orchester mit Gastmusikern aus Wladimir zum 35jährigen Jubiläum der Partnerschaft.

Dorian Keilhack (rechts im Bild) mit Gästen aus Wladimir

Alleine mit dem Fahrrad von Erlangen bis Wladimir? In nur fünf Wochen? Als Frau? Ohne Sprachkenntnisse? Alles Fragen, auf die Gertrud Härer mit einem klaren Ja antworten kann. Den ganzen August 2017 saß sie fest im Sattel, radelte über Polen und das Baltikum bis kurz vor Moskau, von wo aus sie dann mit Jonas Eberlein, ebenfalls aus Erlangen, bis in die Partnerstadt weiterfuhr, um dort auch noch am Halbmarathon teilzunehmen und als zweite ihrer Altersgruppe ins Ziel zu kommen. Etwas, das nur Gertrud Härer schafft, die an diesem Abend – mit Bildern von Othmar Wiesenegger – am Donnerstag, den 22. Februar, um 19.00 Uhr im Großen Saal (nicht im Club International, wie ursprünglich angekündigt!) von ihrem russischem Abenteuer auf Rädern viel erzählen kann.

Doris Härer mit Jonas Eberlein in Wladimir auf dem Tandem

Das Verstehen der gesprochenen Sprache bereitet oft Schwierigkeiten. Anhand ausgewählter Themen und Hörtexte sowie Originalaufnahmen aus dem Fernsehen  werden hier das Hörverstehen und die mündliche Ausdrucksfähigkeit geübt. Darüber hinaus wiederholt und erweitert man durch verschiedene Übungen die grammatischen Strukturen und den Wortschatz. Dieses Seminar (Kursnummer 17W634068) am Freitag, den 23. Februar, richtet sich von 16.00 Uhr bis 19.00 Uhr, im Raum 20 der Volkshochschule, Friedrichstraße 17, an Teilnehmer mit Vorkenntnissen. Im Unterschied zu dem Kurs „Kyrillisch schreiben… ist gar nicht so schwer“ am Dienstag, dem am Dienstag und Donnerstag stattfindet, gibt es für das Seminar noch wenige freie Plätze. Noch!

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Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern die Sparkasse Erlangen verteilt auch aus ihren Jahresüberschüssen Geldspenden an gemeinnützige Organisationen, Vereine und Initiativen. „Anders als bei Geschäftsbanken“, so Aufsichtsratsvorsitzener, Oberbürgermeister Florian Janik, „fließen die Gewinne zurück, kommen der Allgemeinheit zugute, denn die Sparkasse ist Ihrer aller Geldhaus und gehört den Kommunen – und damit den Bürgerinnen und Bürgern.“ Gestern dann gegenüber den 164 Empfängern von insgesamt eineinhalb Millionen Euro – von Pfadfindern über das Tierheim, Sport- und Karnevalsvereine bis zu medizinischen Einrichtungen, insgesamt 111 Organisationen – erstmals eine besondere adventliche Geste: der Premierenauftritt des Höchstadter Christkinds Anja in Erlangen – auch als Sympathiesymbol der heuer erfolgreich vollzogenen Fusion der Sparkassen im Umland mit der Stadtsparkasse Erlangen.

Vorweihnachtliche Bescherung: Peter Steger und das Christkind Anja Stowasser

Die Spende, die der Partnerschaftsbeauftragte entgegennahm, darf man als Vorschuß auf das fünfunddreißigjährige Jubiläum der Städtepartnerschaft verstehen. Sie ist nämlich für das Festkonzert der „Camerata Franconia“ am Sonntag den 18. März um 19.00 Uhr im Redoutensaal zu verwenden, zu dem Mitwirkende aus Wladimir erwartet werden. Vorbereitend zu diesem Auftritt bittet Dorian Keilhack, Leiter des Ensembles, schon am Mittwoch, den 21. Februar, im Rahmen der „Russisch-deutschen Wochen“ an der Volkshochschule um 19.00 Uhr im Historischen Saal einen „Musikalischen Spaziergang durch die russische Klassik“. Dazu später mehr hier im Blog, aber jetzt schon mit der Bitte um Vormerkung dieser beiden Termine für alle, die sich begeistern für die „Stenographie des Glücks“, wie Lew Tolstoj die Musik einmal nannte. Der Sparkasse schließlich ein großes Dankeschön für die Möglichkeit, wieder ein wenig mehr Glück und Musik in das Leben bringen zu können! Denn, so Friedrich Nietzsche, ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.

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