Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Dmitrij Wjasmikin’


Das Schicksal von Torpedo Wladimir schien noch vor einer Woche besiegelt. Doch kaum sind die Grabgesänge verklungen, schon ist von Wiederauferstehung die Rede. Kein geringerer als Sergej Sacharow, Oberbürgermeister der Partnerstadt, will dem Verein neues Leben einhauchen. Einem Profiklub, finanziert vom Gouvernement, mit städtischen Mitteln unter die Arme zu greifen, das untersagte ihm das Gesetz. Doch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln einem Amateurverein zu helfen, das ist auch einer russischen Kommune erlaubt. Erlangen freilich erlebt kommt in dem Bereich ja auch an seine Grenzen, wenn es um den SV Bruck geht. Aber bleiben wir in Wladimir. Dort sollen, geht es nach Sergej Sacharow, die Schlachtgesänge der Fans schon in den nächsten Tagen wieder erklingen. Da die vom Gouvernement in Aussicht gestellten zwei Millionen Rubel nicht einmal ausreichen, um als Profiklub in der 3. Liga zu spielen,  will das Stadtoberhaupt zusätzlich vier bis sieben Millionen Rubel aus Haushaltsmitteln bereitstellen. Damit sollte zu schaffen sein, was er als Hauptziel ausgibt: „Die Mannschaft muß in der Amateurliga so gut spielen, daß sie einen Aufstiegsplatz erreicht und in die 2. Liga zurückkehren kann, um der Stadt den Profifußball mit seinen Traditionen zurückzugeben.“

Torpedos letztes und bestes Aufgebot: Dmitrij Wjasmikin im schwarz-weißen Trikot.

Erste Gespräche mit der Vereinsleitung, die übrigens nach der Pleite den Rücktritt angeboten hatte, und den beiden Trainern sollen erfolgversprechend verlaufen sein. Die Stadionleitung zeige sich ebenfalls kooperationsbereit, und so kann am 22. Juli das erste Spiel mit neuen Status auf heimischem Feld gegen Spartak Kostroma angepfiffen werden. Mit auf dem Rasen einer, der es sich selbst und allen noch einmal beweisen will: Dmitrij Wjasmikin, der mittlerweile vierzigjährige Stürmer im Stand der Legende, will die Trainerbank verlassen und wieder den Ball treten. Wenn er das ebenso erfolgreich tut wie im Oktober 2011 beim Freundschaftsspiel gegen den SV Tennenlohe, als die Wladimirer Altherrenmannschaft mit 1:4 gewann, muß man sich nicht sorgen um den Verein. Jedoch: Am spielerischen Können hat es noch nie gemangelt. Es ist allerdings nur schwer vorstellbar, woher die notwendigen 150 Mio. Rubel kommen sollen, die notwendig wären, wenn der Aufstieg in die 1. Liga erneut gelänge. Zumal ja dann wiederum – selbst wenn das Geld dafür sich fände – der Stadtverwaltung qua Gesetz versagt bliebe, dem Klub finanziell beizuspringen. Kein Ausblick, der das Herz höher schlagen ließe. Deshalb an dieser Stelle lieber der Rückblick auf das Spiel in Tennenlohe unter: http://is.gd/CTms3z

Read Full Post »


Die schönste Nebensache der Welt ist in Wladimir – wie überall auf der Welt – der Sport und in der Partnerstadt besonders der Fußball, zumal Torpedo Wladimir den Aufstieg in die erste Liga geschafft hat. Es könnte alles so schön sein, wenn sich nicht auch hier die Politik einmischte. Oder hat sogar der Kapitän der Mannschaft selbst die Politik ins Spiel gebracht?

Dmitrij Wjasmikin

Wir wissen es nicht, wie wir so vieles nicht wissen, was so alles im Drehbuch der Regisseure des Wahlkampfes steht. Fakt ist jedenfalls, daß Dmitrij Wjasmikin seinen Vertrag nicht verlängert bekommen hat. Er meint, der Grund dafür sei in seinen politischen Ambitionen zu suchen, kandidiert er doch auf der Liste der Partei Einiges Rußland für den Stadtrat. Ohne Parteimitglied zu sein, womit er sich übrigens in prominenter Gesellschaft befindet: Wladimir Putin wurde seinerzeit Vorsitzender von Einiges Rußland – noch ohne ein Parteibuch. Aus Sicht des wohl populärsten Kickers von Torpedo steckt hinter der Ranküne die Verwaltung des letzten Kommunisten auf dem Posten eines Gouverneurs. Nikolaj Winogradows Sportminister, Leonid Borissenko, weist dies entschieden zurück. Der Vertrag sei vielmehr deshalb nicht zustande gekommen, weil der 39jährige Stürmer zu hohe finanzielle Forderungen stelle. Und überhaupt gebe es einen Passus in allen Verträgen, wonach Spieler von Torpedo sich politische Abstinenz auferlegen. Andererseits verstehe er den Sportler, der wohl via Politik eine Art Lebensvorsorge treffen wolle.

Wir erinnern uns, daß es schon einmal einen versuchten Ausflug in die Politik gegeben hat: Trainer Jewgenij Durnjew wollte für die Kommunisten in den Wahlkampf ziehen, zog dann aber – angeblich auf Druck von Mitgliedern einer anderen großen Partei – seine Kandidatur zurück. Wie gesagt, wir wissen nur, daß der Ball rund ist und am 4. April Torpedo zum ersten Mal als Erstligist auf dem Rasen steht – mit oder ohne Dmitrij Wjasmikin. Mehr noch, dann wissen wir auch, ob Politik und Sport nicht doch zusammengehen und wofür der Fußballer besser geschaffen ist, für die politische Arena oder das Stadion.

Read Full Post »


Die heiße Phase des Wahlkampfs hat in Wladimir begonnen. Die Parteien stellen ihre Kandidaten vor und lassen sie ihre Trümpfe auspacken. Betrachten wir heute einmal die beiden großen Widersacher, Einiges Rußland und die Kommunisten, die wohl beide am 13. März das Gros der Stimmen unter sich aufteilen werden.

Andrej Sirotkin

Die Kremlpartei macht dabei eine Punktlandung, überraschend wie der Absprung von Fallschirmjägern hinter der Front. Zu bekämpfen hat sich Einiges Rußland vor allem vorgenommen die Korruption bei den kommunalen Eigenbetrieben und deren privaten Ausgründungen, wo man eine nimmersatte Krake am Werk sieht. Ins Feld ziehen soll der bisher in der politischen Arena noch weitgehend unbekannte Andrej Sirotkin, der die Troika der Spitzenkandidaten unerschrocken anführt. Nicht verwunderlich, wenn man weiß, daß der Oberst und Chef einer paramilitärischen Spezialeinheit Träger von zwei Tapferkeitsmedaillen ist. An seiner Seite Jelena Owtschinnikowa, ärztliche Leiterin von gleich zwei Krankenhäusern, und Sergej Sacharow, Geschäftsmann und Abgeordneter der Regionalduma, von dem treue Blog-Leser bereits einiges wissen. Wer von den dreien, die übrigens alle aus Wladimir stammen, nach den Wahlen welchen Posten im Rathaus bekleidet, soll erst nach dem Votum der Bürger festgelegt werden, in jedem Fall aber wird nichts ohne dieses Trio gehen: ein beherzter Ober als Haudegen im Kampf gegen Bestechlichkeit und Vetternwirtschaft, eine rührige Medizinerin als Herzdame und soziales Gewissen sowie ein weltoffener Geschäftsmann und gewiefter Politprofi als Bube, der noch zum Aß werden könnte.

Jelena Owtschinnikowa

Auffällig, wie klar sich Einiges Rußland von eigenen Mitgliedern abgrenzt, die aus dem Umfeld der städtischen Eigenbetriebe als Einzelkandidaten auftreten, weil sie von der Partei nicht aufgestellt wurden. Offen wird gemutmaßt, diesen Personen gehe es mehr darum, im Stadtrat eine gewisse Immunität zu genießen als sich um das Wohl Wladimirs zu kümmern. Das Prinzip Berlusconi soll sich aber nicht durchsetzen. Dies zu verhindern, hat man Andrej Sirotkin angeworben. Aber nur eines ist und bleibt sicher: Der bisherige Oberbürgermeister, Alexander Rybakow,wird nach seiner zweiten Amtszeit wechseln, möglicherweise auf einen der freiwerdenden Sitze in der Regionalduma.

Artjom Markin

Bei den Kommunisten hingegen war ein Holpern und Stolpern zu beobachten. Eben noch hatten sie stolz Jewgenij Durnjew, Trainer von Torpedo Wladimir, als aufgehenden Stern am roten Himmel präsentiert, da ist sein Licht auch schon wieder verloschen. Der populäre Sportler, der dem Dreigestirn der Kommunisten prächtigen Glanz verliehen hätte, hat seine Kandidatur zurückgezogen, auf Druck von oben, wie Alexander Sinjagin, 1. Sekretär des Regionalverbands der Kommunisten, meint: „Jewgenij Durnjew kam zu mir, entschuldigte sich und sagte, er wolle ein ehrlicher Mensch bleiben, könne aber in der Situation und in seiner Position nicht zu seinem Wort stehen, um Schaden von seiner Mannschaft abzuwenden.“ Dazu muß man wissen, daß der Kapitän von Torpedo, Dmitrij Wjasmikin, im anderen politischen Lager an prominenter Stelle steht… Aber das kann die kampferprobten Genossen nicht erschüttern. Als Nachrücker präsentieren sie nichts anderes als eine kleine Sensation: Artjom Markin. Dem Direktor des Wladimirer Zentrums für Chormusik und Chefdirigenten des Symphonieorchesters sagte man bisher – wenn überhaupt bei ihm von Politik die Rede sein konnte – ein gewisse Nähe zu Einiges Rußland nach. Und nun diese Volte! Gewiß nicht die letzte. Das Rennen ist eröffnet.

Mehr zu Sergej Sacharow unter: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2010/12/16/volkspartei-einiges-rusland

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: