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Posts Tagged ‘Dmitrij Grischin’


Während Gertrud Härer den Meilenfresser angeworfen hat und heute nachmittag in Wolokolamsk, gute 100 km vor Moskau, auf ihrer Solo-Radtour nach Wladimir endlich auf den Erlanger Mitarbeiter des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, Jonas Eberlein, trifft, mit dem zusammen sie am 7. September in der Partnerstadt einrollen möchte, um dann drei Tage später den Halbmarathon mitzulaufen, kruschtelte John Stackmann, der Chef de Mission des fränkischen Teams, mit Blick auf den Wettkampf am 10. September in seiner Photokiste und förderte beeindruckende Zeugnisse aus der Frühzeit des Sportaustausches zutage. Im Rückblick auf seine ersten Begegnungen mit den russischen Freunden erinnert sich der Ausnahmeathlet und Ausrichter des Winterwaldlaufs, an dem regelmäßig Gäste aus Wladimir teilnehmen:

John Stackmann in Wladimir mit der Startnummer 49

1991 war ich (nur) Zuschauer beim Sportfest mit Athleten aus Wladimir und Erlangen auf dem Uni-Sportplatz an der Gebbertstraße. Ich bestaunte den überlegenen Dmitrij Grischin beim Doppelsieg über 800 m und 5.000 m und unterhielt mich gut mit ihm bei der anschließenden Grillfeier. So richtig hatte die russisch-deutsche Sportfreundschaft für mich dann aber mit dem “Golden-Ring-of-Russia“-Marathon 1992 in Wladimir angefangen.

Das Läuferfeld in Wladimir

In meinem 15. Marathonjahr kam die Anfrage des Sportamts durch Ernst Bayerlein, ob wir mit einigen Athleten am Marathon in Wladimir teilnehmen könnten, mitten im heißen russischen Sommer des Jahres 1992. Pia Fischer, Herbert Fröhlich, Rudi Kunstmann und ich nahmen diese Gelegenheit wahr. In Wladimir war ich bei Jurij Kissiljows Familie untergebracht. Jurij hatte seinerzeit über 1.500 m mit 3:35 min eine international hervorragende Zeit stehen. Aber dem auf die Funktionstüchtigkeit seiner Beine angewiesenen Laufprofi spielte das Schicksal einen schweren Streich. Er hatte sich damals eine Entzündung der Achillesferse zugezogen, die er später nicht mehr in den Griff bekam. Die wichtige Einnahmequelle aus seinen internationalen Starts im Ausland war entfallen! Jurij und seine Familie ließen es sich trotzdem nicht nehmen, mir damals den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. So fuhr er fast den gesamten Marathon im Auto in meiner Nähe, fotografierte, filmte und versorgte mich auch mit meinem Spezialgetränk.

Zeitungsbericht der EN Marathon in Wladimir

Die mit dem Marathon gestarteten 10 km hatte übrigens Jurij Michajlow gewonnen, der kurz nach dem Start schon direkt hinter der Spitze lief (im Bild des alten Zeitungsausschnitts hinter der rechten Schulter des Läufers mit Startnummer 165). Denkwürdig und gut in Erinnerung sind mir auch noch die häufigen Zusammenkünfte bzw. Tischrunden der Sportler und Funktionäre damals mit Speis und Trank. Einer hatte nämlich immer ein Aktenköfferchen dabei, das mit etlichen Flaschen Wodka gut gefüllt war. Die „sollten“ dann innerhalb der zwei Stunden alle geleert werden. Nur ich tanzte aus der Reihe, da ich schon immer keinen Alkohol trinke. Schnell hatten sich unsere Gastgeber auch auf meine vegetarische Ernährung eingestellt. Bei den Nachfragen habe ich Dmitrijs damalige Freundin und jetzige Frau Anastasia kennengelernt, die schon damals sehr am Austausch interessiert war.

Herbert Fröhlich, Rudi Kunstmann und John Stackmann nach dem Lauf im Stadion Wladimir

Herbert, der damals noch seine Fröhlich-Brauerei in Dormitz betrieb, hatte bei den Wodka-Runden eine relativ geringe Hemmschwelle. Das merkte man ihm dann nach zwei Tagen auch deutlich an. Rudi hatte sich damals in Wladimir gesundheitlich nicht so wohl gefühlt und deshalb kurzfristig auf die Teilnahme am Marathon verzichtet. Aber für mich hatte der Aufenthalt ein trauriges Nachspiel: Ich hatte mir einen Virus eingefangen (wahrscheinlich weil öfters Strom und Wasser abgestellt worden waren) und konnte dann zu Hause für ein halbes Jahr eine Lungenentzündung auskurieren.

John Stackmann mit Team und Freunden nach dem Wettkampf

Jetzt, zum ersten Halbmarathon in Wladimirs Sportgeschichte, werden mindestens 300 Teilnehmer erwartet, hoffentlich alle gesund – davor und danach. Die Sportredaktion des Blogs jedenfalls wünscht schon heute einen fairen Wettbewerb und viel Erfolg – getreu dem Motto: Keine Gnade für die Wade! – und freut sich mit John Stackmann darauf, wenn sich für ihn nach 25 Jahren ein leichtathletischer Kreis im Lebenslauf schließt.

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Der Sport hätte beim dreißigjährigen Jubiläum – es liegt nun schon wieder eine Woche zurück! – durchaus stärker vertreten sein können. Wenn er unter seinen Möglichkeiten geblieben ist, gibt es dafür einige Gründe, auf die hier heute aber nicht weiter eingegangen werden soll. Freuen wir uns lieber über das, was wieder möglich wurde, erzählt es doch davon, wie auch über Jahre schlummernde Verbindungen plötzlich wieder quicklebendig und ausgeschlafen ein neues Leben beginnen. Bestes Beispiel dafür ist John Stackmann, der schon in den frühen 90er Jahren in Wladimir den Marathon „Goldener Ring“ gelaufen ist. Als diese Veranstaltung mangels Sponsoren wenig später eingestellt wurde, kamen zwar noch Athleten aus Wladimir nach Erlangen, doch der sportliche Kontakt verlor an Fahrt. Bis vor zwei Jahren zum ersten Mal – und heuer wieder – eine Gruppe von Langstrecklern aus der Partnerstadt zum Winterwaldlauf in die Brucker Lache kam. Als es dann hieß, während der Feierlichkeiten zum dreißigsten Geburtstag werde es auch einen Jubiläumslauf geben, rekrutierte John Stackmann mit Helmut Müller und Michael Krug zwei Mitglieder seiner Laufgemeinschaft Erlangen und berichtet heute von seinen Begegnungen mit dem munteren Völkchen vom Wladimirer Verein Bodrost und den alten Sportsfreunden. 

In Wladimir haben wir Läufer (oft) unser eigenes Programm gemacht und dann nicht am offiziellen Programm teilgenommen. So habe ich an allen drei Tagen mit den alten und neuen Sportfreunden trainiert. Ich wurde bestens integriert, besonders in Dmitrij Grischins Familie, wo ich wie vor 20 Jahren wohnte.

John Stackmann, 4. v.l., und seine Wladimirer Freunde

John Stackmann, 4. v.l., und seine Wladimirer Freunde

Schon der Donnerstag hatte es in sich: Morgens Ausflug nach Bogoljubowo mit der Bürgergruppe, danach ab 14 Uhr – noch vor dem Partnerschaftslauf, den ich fast volle Kanne gerannt bin, da ich etwas später startete und die Spitze noch erreichen wollte – schon 9 km Crosslauf mit Dmitrij Grischin, Michael Krug und Helmut Müller. Abends dann die offizielle Eröffnung der Jubiläumsfeierlichkeiten.

Am Freitag nahm ich an dem Ausflug nach Susdal teil und erlebte da einen unerwarteten Ohrenschmaus: Der Auftritt eines gregorianischen Vier-Männer-Chors und die hervorragende Akustik inspirierten unsere zwei Chöre, die Stad’l Harmonists und den Mädchenchor vom Christian-Ernst-Gymnasium, dazu, nacheinander ihr Können zu zeigen. Wieder in Wladimir zurück, durfte ich ab 16 Uhr das gemeinsame Training im Torpedo-Stadion mit den Senioren des Laufklubs Bodrost, Helmut Müller und Michael Krug gestalten: 13 km mit 3 bis 6 x 400 m Tempo (danach eiskalte Duschen, brrr!), obwohl die Beine von gestern etwas müde waren.

Quartett in Susdal

Quartett in Susdal

Direkt danach hatten die Freunde uns dort zu einem kleinen Empfang mit Essen eingeladen, bei dem ich die 30 eigens angefertigten T-Shirts übergab – mit einem speziellen Aufdruck.

Ab dem späten Nachmittag bis spät nachts durfte ich bei der furiosen Feier des runden Geburtstags von Dmitrijs Grischins Schwester Irina und deren Ehemann Slawa dabei sein. Mit viel Tanz, russischem Humor und ansteckender Vitalität bei Spielen und Sketchen. Dmitrij stellte mich vor, und ich gratulierte später mit einem kleinen deutschen Gedicht, das ich ins Englische übersetzte, aus dem es dann Dmitrij ins Russische übertrug.

Am Samstag stand ab 10.30 Uhr Training in einem kleinen Kiefernwald in einem vor der Stadt gelegenen Park auf dem Programm. 11 km mit leichten Steigerungen. Später schaute ich dem Radrennen zu und wurde dann Zeuge der Staffelübergabe bei der olympischen Universiade. Später Einkauf mit Dmitrijs Familie im Spar-Markt für die abendliche Grillfeier, dann Alexej Wolgin und seine Frau abgeholt zum Höhepunkt am Abend: Grillfeier bei Dmitrij mit Helmut, Michael und den alten Freunden (seit 1991!) und Profiläufern Dmitrij Grischin, Alexej Wolgin, Alexej Kruglow, Jurij Kissiljow (bei dem ich schon 1992 gewohnt hatte) – siehe Bild Wladimir 107 (von Michael) – , deren Ehefrauen, Trainer Alexander Sakow und der jungen Bergläuferin, Olga Gorbunowa.

Joachim Adamczewski und sein Mädchenchor vom Christian-Ernst-Gymnasium

Joachim Adamczewski und sein Mädchenchor vom Christian-Ernst-Gymnasium

Es war für uns alle wunderschön, uns nach dieser langen Zeit (1991 bis 1995, s. meine kleine Chronik unten) wiederzusehen, zum Teil sehr verändert, bei intensiven Gesprächen, vielen Trinksprüchen und leckerem Essen in einer sportlich lockeren Atmosphäre. Nur Juri Michajlow hat noch zu unserem Glück gefehlt (wie auch Rudi Kunstmann und meine Frau, nach denen oft gefragt wurde).

Eine gelebte Langstrecken-Freundschaft unter Laufsportlern und deren Familien!

Zur Chronik der Läuferpartnerschaft:

1991 Bei der Partnerschaftswoche nahmen am 30. Mai auch Leichtathleten aus Wladimir beim 800- und 5.000 Meter-Lauf teil (Uni-Stadion, Sandplatz). Es gewann jeweils Dmitrij Grischin, ein Profi-Läufer von Spartak Wladimir.

1992 Eine Läuferin, Pia Fischer, in der Gesamtwertung 17. Frau in einer Zeit von 3 Stunden und 45 Minuten, und zwei Läufer der Laufgemeinschaft Erlangen, John Stackmann, 40. Mann in einer Zeit von 2 Stunden und 46 Minuten, sowie Herbert Fröhlich gingen am 13. Juni beim 5. Internationalen Golden-Ring-of-Russia-Marathon in Wladimir an den Start, bei dem Dmitrij Grischin in 2 Stunden und 18 Minuten Zweiter wurde. Die Erlanger Nachrichten berichteten darüber am 30.6.1992.

1993 Beim Erlanger Frühjahrskriterium (Halbmarathon) am 28. März siegte mit Jurij Michajlow aus Wladimir der russische 20-Kilometer-Meister von 1991 mit neuer Streckenrekordzeit von 1:08:08 h.

1994 Das Erlanger Frühjahrskriterium (Halbmarathon) gewann am 10. April erneut Jurij Michajlow, mit einem verbessertem Streckenrekord von 1:07:39 h. Alexej Kruglow, sein Vereinskollege von Spartak Wladimir, wurde in 1:09:37 h Dritter vor dem späteren mehrfachen deutschen Seniorenmeister der LG Erlangen, Thomas Drechsler. Beide Profi-Läufer aus Wladimir nahmen am Folgewochenende am Jubiläumslauf in Bayreuth teil, bei dem sie sowohl die Zehn-Kilometer-Strecke (Michajlow) als auch den Marathon und die Kombinationswertung beider Läufe (jeweils Kruglow) gewinnen sollten.

1995 Beim Erlanger Frühjahrskriterium (Halbmarathon) am 2. April lief Dmitrij Grischin trotz Sturz nach einem Kilometer als Zweiter zeitgleich (1:07:10 h) mit dem Sieger Sági aus Ungarn ins Ziel. Im international stark besetzten Feld kamen seine Vereinskollegen Alexej Kruglow auf Platz fünf und Alexej Wolgin (100-Kilometer-Weltcup-Sieger) auf Platz acht. Erfolgstrainer Alexander Sakow hatte seine drei Schützlinge, die die Mannschaftswertung gewannen, nach Erlangen begleitet. Die Ergebnislisten dieses Frühjahrskriteriums sind nachzulesen unter: www.fruehjahrskriterium.de/ergtab.htm

John Stackmann, 1. v.l., und Michael Krug, 4. v.l., mit ihren Wladimirer Freunden

John Stackmann, 1. v.l., und Michael Krug, 4. v.l., mit ihren Wladimirer Freunden

1997 Im Juli besuchte Dmitrij Grischin zwischen seinen Wettkämpfen in Europa mit seiner Frau John Stackmann.

2012 Ein neunköpfiges Team des Laufklubs Bodrost Wladimir nimmt sehr erfolgreich an den Seniorenwertungen des Erlanger Winterwaldlaufs vom 24. März teil. Nach zusätzlichem Training feiert man bei John Stackmann.

2013 Aus neun werden schon dreizehn (verstärkt um zwei Nordic Walker) vom Laufklub Bodrost und der Sportschule Nr. 4 beim Winterwaldlauf am 23. März – und wieder sehr erfolgreich, wie hier im Blog und in der Ergebnisliste nachzulesen: www.winterwaldlauf.de/ergebnisse/archivwwl.htm Und dann zum Jubiläum das Wiedersehen in Wladimir.

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