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Posts Tagged ‘Dmitrij Bortnjanskij’


Das war schon eine Leistung gestern vom Kammerchor Wladimir: um ein Uhr in der Nacht Abfahrt mit dem Bus, Ankunft am frühen Morgen in Moskau bei minus 15 Grad und Landung gegen 13 Uhr in Nürnberg, Verteilung auf die Gastfamilien in Erlangen und Umgebung, ein wenig Ruhe – und dann, buchstäblich aus dem Stand, das Auftaktkonzert der Tournee mit vier Konzerten in fünf Tagen. Респект – Respekt, wie man es in solchen Fällen gern auch im Russischen sagt.

Siegfried Brückner

Wenn jemandem besonderer Dank für die Gastspielreise gebührt, dann Siegfried Brückner. Der ehemalige Leiter der Sing- und Musikschule Erlangen und des Chorkreises St. Sebald organisierte nicht nur die private Unterbringung der 25 Gäste, er knüpfte auch all die vielen Fäden zu den Auftrittsorten – gestern zu St. Laurentius in Hetzles, morgen zu St. Bartholomäus in Kirchehrenbach und am Sonntag zu Herz Jesu in Erlangen – und stellte vor allem die Kontakte zu den Ensembles her, mit denen der Kammerchor Wladimir am Wochenende auftreten wird: zum Chorkreis St. Sebald sowie zum Kirchenchor und Kammerorchester von Herz Jesu.

Tatjana Grin

Wie erfolgreich die Netzwerkarbeit des Musikers – selbst Organist und Sänger – wirkt, zeigte sich gestern in der gut gefüllten Kirche von Hetzles, wo sich Tatjana Grin und ihr Chor wahre Beifallsstürme ersangen. Verdient!

Hetzles 13

Mit nur kleinen Verschnaufpausen während der kurzen Orgelimprovisationen führte die Dirigentin mit anmutigem Gestus ihr wohlpräpariertes Ensemble durch die geistlichen Meisterwerke der russischen Musikgeschichte von den Klassikern wie Sergej Rachmaninow oder Dmitrij Bortnjanskij bis zu zeitgenössischen Komponisten wie Jurij Falik oder Georgij Swiridow. Stets ein wenig zurückgenommen, verhalten, ohne die ganze Vokalkraft einzusetzen, um auch im wuchtigsten Forte und dessen Steigerungen im Tutti nicht die filigrane Eleganz der Stimmen in purer Lautstärke zu ersticken.

Kammerchor Wladimir, gesehen von Georg Kaczmarek

„Im Publikum saßen auch einige Sänger“, meinte Siegfried Brückner nach dem Konzert, „und die sind ganz schön neidisch.“ Kein Wunder bei einem Chor mit einem halben Dutzend Solisten, kein Wunder bei einem Ensemble, das so geschlossen auftritt und sich von den Zuhörern nach „Stille Nacht“ als Zugabe noch mit russischen Weihnachtsliedern und einem „Hoch sollt Ihr leben!“ verabschiedet.

Siehe auch hier: https://is.gd/Dlyc6c

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Während der ersten Amtsperiode von Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg studierte er an der Friedrich-Alexander-Universität Geschichte und Germanistik, als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Moskau kennt und schätzt er Erlangen als die Partnerstadt von Wladimir, und gestern abend nun sprach Rüdiger Freiherr von Fritsch auf Einladung der Lions auf einer Gemeinschaftsveranstaltung mit den Rotariern, einen Steinwurf entfernt von seiner Alma Mater, mit der ihn bis heute viel verbindet und deren vielfältige wissenschaftliche Kontakte zu russischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen der Diplomat gleich zu Beginn seiner frei gehaltenen Rede ausdrücklich lobte. Ebenso wie den mittlerweile seit 35 Jahren bestehenden bürgerschaftlichen Austausch zwischen Erlangen und Wladimir, den der Gast „vorbildlich und sinnbildlich“ für die deutsch-russischen Beziehungen nannte und dabei exemplarisch den Jugendaustausch des BDKJ sowie die Solotour von Gertrud Härer auf dem Fahrrad im Sommer vergangenen Jahres hervorhob. Doch diese lokale Volksdiplomatie ist natürlich eingebettet in die lange gemeinsame Geschichte des Zusammenspiels von Berlin und Moskau, symbolisiert etwa in der von Dmitrij Bortnjanskij am Zarenhof komponierten Melodie zum Lied „Ich bete an die Macht der Liebe“, das beim Großen Zapfenstreich erklingt, ebenso wie in den Abgründen des Zweiten Weltkriegs.

Erik von Fritsch, Rüdiger von Fritsch und Dietmar Hahlweg

Wenn man Rüdiger Freiherr von Fritsch zuhört, weiß man die deutsch-russischen Beziehungen in kundigen Händen und versteht, warum Deutschland auch in den schwierigen Zeiten seit der Krim-Annexion und den elftausend Kriegstoten in der Ostukraine auf allen Ebenen – fast möchte man sagen: jetzt erst recht – die Gespräche auf allen Ebenen weiterzuführen bestrebt ist. Jenseits aller zwischenstaatlicher Konflikte vor dem Hintergrund der „Erfolgsgeschichte“ der EU und NATO mit ihren neuen, einst zum Machtbereich Moskaus zählenden Mitgliedern einerseits und dem Empfinden einer „Rückabwicklung“ des Russischen Reichs und der Interessenssphäre der Sowjetunion während der letzten drei Jahrzehnte andererseits nämlich, jenseits all dieser Probleme, die der Chef des mehr als dreihundertköpfigen Teams in der deutschen Auslandsvertretung klar beim Namen nennt, könne nur ein „parallel zu führender Dauerdialog“ Vertrauen zurückgewinnen, für das auch das „große Mosaik der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir“ stehe.

Rüdiger Freiherr von Fritsch

So wichtig aber die zivilgesellschaftliche Basis, so unverzichtbar der Überbau einer zwischenstaatlichen Politik des Ausgleichs und der Definierung gemeinsamer Interessen in einer globalisierten Welt mit neuen Gewichtungen, wo selbst Staaten wie die Bundesrepublik oder die Russische Föderation nicht mehr ohne engen Verbund bestehen können. Denn, so die Botschaft des Diplomaten: „Es darf nicht das Recht des Stärkeren gelten, sondern wir brauchen eine Stärkung des Rechts.“ Auf dieser Grundlage Moskau neue Angebote zur Integration zu machen, ist der Weg, den Rüdiger Freiherr von Fritsch der deutschen Politik zu gehen anrät. Man tut gut daran, ihm zuzuhören und ihm darin zu folgen.

P.S.: Die Gelegenheit sollte nicht ungenutzt bleiben, um der Deutschen Botschaft in Moskau für die vielfache Unterstützung und Anerkennung der Städtepartnerschaft ebenso zu danken wie den beiden gestern gastgebenden Serviceklubs, die eine Vielzahl von Projekten im Austausch zwischen Erlangen und Wladimir unterstützen.

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Ural Kosaken: Plakat

Sie haben für Silvester noch nichts vor? Sie wollen es zum Jahresausklang nicht beim Böllern und Klingen der Sektgläser belassen? Sie haben ein Faible für in Jahrzehnten gereifte Gesangskultur aus Rußland? Dann sollten Sie unbedingt morgen um 19.30 Uhr in die Hugenottenkirche zu Erlangen, wo der Ural Kosaken Chor auftritt. In seiner feierlichen Nüchternheit der ideale Ort, um die strenge Harmonik des zwölfköpfigen Ensembles konzentriert genießen zu können. Und ein Genuß ist es in der Tat, diesen Chor zu erleben, der, gegründet von Serge Jaroff und Andrej Scholuch, auf eine 80jährige Tradition zurückblicken kann, die bis heute sorgfältig gepflegt wird. Die Formation unter der Leitung von Alexander Skovitan bewahrt dabei ein eher kammermusikalisches Programm, das nicht die Klischees von kasatschoktanzenden und kalinkaklatschenden Kosaken bedient, dafür aber auf höchstem Niveau die vielgestaltige Polyphonie der russischen Vokalmusik für Männerchöre zu Gehör bringt.

Der Abend bietet zwei Teile: Auf die Zarenhymne, die gern zur Einstimmung gesungen wird, folgen Werke aus der russisch-orthodoxen Kirchenmusik, komponiert von Meistern wie Peter Tschaikowsky oder Dmitrij Bortnjanskij, bevor dann nach der Pause weltliche Lieder aus der versunkenen Welt der Kosaken erklingen. „Ein Märchen aus Melancholie“ titelte 2001 eine Zeitung aus Norddeutschland nach einem Konzert, das mit einem nicht enden wollenden Beifall schloß. Anderswo heißt es „Ural Kosaken mit stehenden Ovationen gefeiert“ oder „Kosaken reizten die Melodik“ voll aus. Alles nachzulesen auf der Homepage www.ural-kosaken-chor.com.

In Erlangen kennt man das Ensemble seit langem. Auch Wladimirer Künstler sind schon mit dem Chor aufgetreten, und zeitweise wurden die Kosaken von Dorothee Lotsch begleitet, jener Sängerin, die Mitte des Monats erstmals auch in der russischen Partnerstadt aufgetreten ist. Und dann gibt es noch eine besondere Verbindung zu Erlangen: Die Ural Kosaken singen nicht nur für das Publikum, sie stellen ihre Kunst auch in den Dienst des Projekts Lichtblick, aus dem der Blaue Himmel entwachsen ist, zur Verfügung, helfen also damit den Kindern aus der Wladimirer Psychiatrie, ihren Weg in ein selbstbestimmtes Leben zurückzufinden. Dafür ist es am Ende des Jahres Zeit, dem Ensemble und dem Publikum im Namen der Kinder einen herzlichen Dank zu sagen.

Hinweis: Karten gibt es noch an der Abendkasse.

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