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Posts Tagged ‘Dietmar Hahlweg’


Am vergangenen Freitag verabschiedete sich Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg von seinem Freund aus Wladimir, Jurij Fjodorow, bei einem Ausflug in die Fränkische Schweiz und stellte dem Gast die Frage, wie es denn aktuell um den Umweltschutz in seinem Land bestellt sei. „Ein ganz wichtiges Thema für Politik und Bürgerschaft“, gab der Abgeordnete des Wladimirer Regionalparlaments zurück, „das auch ganz oben im Kreml angekommen ist.“ Und in der Tat hat sich da in der öffentlichen Wahrnehmung viel getan, denn die Auswirkungen der ökologischen Sünden werden immer spürbarer, etwa auch daran, daß in der Partnerstadt jetzt, wo eigentlich die strengsten Fröste herrschen sollten, Tauwetter angesagt ist.

Jurij Fjodorow und Dietmar Hahlweg vor dem Kunreuther Schloß

Nach Angabe von Wissenschaftlern der Abteilung für dynamische Meteorologie und Klimaforschung am Geophysischen Observatorium in Sankt Petersburg https://is.gd/jk0PpP erwärmt sich das Klima in Rußland zweieinhalb Mal rascher als im Durchschnitt auf der Welt. Zusammenhängen soll das mit der enormen Landmasse des größten Flächenstaats der Erde gegenüber einer verhältnismäßig kleinen Wasserfläche. Denn es seien gerade die Ozeane, die Wärme viel besser speichern als das Land. Und so tauen die Permafrostböden wohl noch schneller auf, es entweicht noch mehr Methan, und der Kippunkt rückt näher, an dem die Eigendynamik der Erderwärmung stärker wird als noch die entschiedenste und radikalste Politik der Einsparung von Treibhausgasen. Die Szenarien von versinkenden sibirischen Städten sind bekannt und brauchen hier nicht weiter ausgebreitet zu werden.

Nächste Baustelle: Wladimir wird den Müll nicht los. Zum einen karrt die Metropole Moskau und ihr Umland weiter ihren Dreck auf eigentlich längst zu schließende Deponien in der Region Wladimir, zum andern führt die seit dem Jahreswechsel in Kraft gesetzte Abfallreform zu teils chaotischen Verhältnissen. So verschwanden unter der Regie des neuen Entsorgers die Container für Trennung und Recycling aus der Partnerstadt, die Abfuhr kommt ins Stocken, und aufgebrachte Unbekannte luden aus Protest ihren Müll sogar schon vor dem Weißen Haus, dem Sitz von Regierung und Parlament des Gouvernements, ab. Kein Tag, an dem nicht neue Berichte in den Medien zu dem Thema erscheinen, für das noch immer nach einer Lösung gesucht wird und vor dem offenbar mittlerweile sogar schon Fachleute kapitulieren.

Sergej Fokin, Jäger und Chefredakteur eines Fachmagazins

Und dann sind da noch die Pläne für die Mautautobahn Moskau – Kasan, die nach bisherigen Projektierung ein wichtiges Biotop bei Petuschki, im Westen der Region Wladimir, durchschneiden soll und damit, wie es Sergej Fokin, Autor eines Artikels, ausdrückt, ein „ökologisches Verbrechen“ darstellt. In der Tat liest sich die Liste der hier, in den Auen der Kljasma – noch – heimischen Vögel wie ein Who is Who der Roten Liste: Knäck-, Löffel-, Reiher-, Schell- und Krickente, Birk- und Rebhuhn, Wachtelkönig, Tüpfelsumpfhuhn, Teichralle, Doppelschnepfe und Bekassine. Auf dem Durchzug legen hier – noch – einen Zwischenhalt ein: Zwergschnepfe, Pfeif-, Tafel- und Spießente, Haubentaucher, Bläß- und Saatgans. Darüber hinaus kann man hier den Kranich, die Schnatterente, den Gänsesäger und Teichwasserläufer, den Kampfläufer und Großen Brachvogel, die Uferschnepfe, das Kleine Sumpfhuhn, die Wasserralle und die Weißflügelseeschwalbe, den Turmfalken oder die Turteltaube beobachten.

Balz der Doppelschnepfe

Man kann den Umweltschützern in der Region nur mehr Kraft und Gelingen wünschen als ihren Leidensgenossen in Bayern, wo ja auch entgegen allen Protesten gnadenlos die Isentalautobahn in die einst so idyllische und ökologisch wertvolle Landschaft gepflastert wurde. Am Ende kommt die Umwelt immer unter die Räder. So wird es wohl leider auch in der Region Wladimir kommen. Und ob es die seltenen Vögel dann hier und überhaupt noch gibt, wird ohnehin kaum jemanden kümmern. Die meisten von uns haben ja noch nicht einmal ihren Namen gehört. Und so könnte das Verzeichnis auch ein Nekrolog der verstummten Vögel werden.

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Beim gestrigen Empfang zum 85. Geburtstag von Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg im Redoutensaal sprachen für die Partnerstädte Jena und Wladimir Altoberbürgermeister Peter Röhlinger und Jurij Fjodorow, Abgeordneter des Regionalparlaments und „Vater“ der Partnerschaft auf russischer Seite. Die Rede des vormaligen stellvertretenden Bürgermeisters und Staatssekretärs liegt der politischen Redaktion des Blogs vor und möge hier als Zeugnis einer besonderen Freundschaft verstanden werden.

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Dr. Dietmar Hahlweg,

heute haben sich in diesem Saal Ihre Freunde, Genossen und Kollegen versammelt. Sehen Sie sich nur einmal um, wie viele Menschen zusammengekommen sind, um Ihnen zu Ihrem Jubiläum zu gratulieren. Das zeugt davon, was Sie uns allen bedeuten. Für Ihre Landsleute wurden Sie zu einer Legende von Mensch, zu einem Oberbürgermeister, der Erlangen zu einer „Radfahrerstadt“, zu einer Hauptstadt des Umweltschutzes oder ganz einfach zu einer der saubersten, gepflegtesten und lebenswertesten Städte Deutschlands machte. Für uns aus Wladimir sind Sie der Diplomat, der den Grundstein für eine lange und feste Partnerschaft zwischen unseren Städten legte. Und für mich sind Sie ein enger und teurer Freund.

Jurij Fjodorow und Peter Steger

Diese Freundschaft währt nun schon viele-viele Jahre. Im Deutschen gibt es den Begriff einer „Freundschaft fürs Leben“. 37 Jahre ist es her, doch ich erinnere mich noch genau daran, wie wir uns kennenlernten, ich habe keine der Begegnungen vergessen, die später folgten, ich habe alles vor Augen, als wäre es gestern geschehen. Ich weiß noch, wie Anfang der 80er Jahre Dr. Klaus Wrobel, der damalige Direktor der VHS, eine Bürgergruppe in die Sowjetunion begleitete und dabei einen Abstecher nach Wladimir machte. Er war begeistert von unserer altehrwürdigen Stadt und berichtete auch Ihnen von seinen Eindrücken, während die Reiseteilnehmer ihre Erlebnisse natürlich auch weitererzählten. Schon damals pflanzten wir den Setzling der Liebe zu Wladimir. Oder, prosaischer, das Interesse an Wladimir war in jedem Fall geweckt.

Norbert Meyer-Venus und Thomas Fink

1983 empfingen wir die erste offizielle Delegation. Die Namen der Mitreisenden erinnere ich bis heute: Mit Ihnen zusammen kamen Heide Mattischeck, Claus Uhl und Peter Millian. Und dann folgte auch schon unsere Photoausstellung in Erlangen. Wir bereiteten uns sorgfältig darauf vor, schließlich wollten wir all das Beste zeigen, was wir hatten, und die Erlanger zumindest auf diesem Umweg mit den Menschen aus Wladimir bekanntmachen. Ich kam ganz allein mit dieser Ausstellung hierher. Ein damals durchaus unüblicher Vorgang. Ich gebe zu, aufgeregt gewesen zu sein. Wie wird man die Ausstellung aufnehmen, wird man sie verstehen, wird man sehen, was wir ausdrücken wollten? Doch die Ausstellung kam an, sie wurde gut besucht. Ich erinnere mich an einen witzigen Fall: Vor einem der Bilder versammelten sich besonders viele Leute. Ich fragte mich, was es wohl sei, das die Menschen so fesselte. Es stellte sich heraus, es war ein Photo unseres Heiz- und Stromkraftwerks, das damals noch mit Kohle befeuert wurde. Klar, es qualmte aus allen Rohren. Und das in einer Zeit, wo man sich hier in Erlangen bereits ernsthaft mit den ökologischen Problemen beschäftigte und sich um Luftreinhaltung sorgte. Während bei uns der Schornstein rauchte. Da fühlte ich mich doch ein wenig unwohl. Wozu das verbergen!

Henning Zimmermann, Fridays for Future

Ich weiß noch sehr gut, wie herzlich man mich aufnahm, wie Sie selbst mich überall herumführten, mir alles zeigten, alles erklärten. Damals begriff ich, es mit einem richtigen Stadtvater zu tun zu haben, mit jemandem, der seine Stadt aufrichtig liebt. Ich gebe zu, beeindruckt gewesen zu sein.

Die offizielle Vereinbarung über die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Wladimir und Erlangen unterzeichneten wir viel später, erst 1987. Aber mir scheint, alles hatte sich bereits damals entschieden. Wir sprachen viel miteinander, diskutierten die Perspektiven unserer Partnerschaft.

Tatjana Fjodorowa, Jurij Fjodorow, Florian Janik, Ursula Rechtenbacher und Dietmar Hahlweg

Ich kam mit dieser Idee nach Hause, erzählte der Leitung der Stadt davon. Der damalige Vorsitzende des Exekutivkomitees – heute würden wir Oberbürgermeister sagen –, Michail Swonarjow, hörte mir aufmerksam zu und interessierte sich für die Idee, er entbrannte sogar regelrecht dafür. Und so wurde beschlossen, eine offizielle Delegation nach Erlangen zu entsenden.

Wie es dann weiterging? – Der Austausch von Schülern, Studenten, gemeinsame Konzerte und Ausstellungen, Familienbegegnungen… Es setzte eine regelrechte „Volksdiplomatie“ ein, die „Bürgerpartnerschaft“, von der Sie immer sprachen, war geboren. Ich bin sicher, auch Sie erinnern sich noch an das großartige „Fränkische Fest“ zum zehnjährigen Jubiläum unserer Partnerschaft im Jahr 1993. 30.000 Wladimirer nahmen daran teil.

Tatjana Fjodorowa, Jurij Fjodorow, Herbert Lerche und Ursula Rechtenbacher

1995 schließlich eröffneten wir das Erlangen-Haus. Tausende Menschen aus unserer Stadt lernten und lernen dort Deutsch in Kursen, die dank der Zusammenarbeit mit der VHS Erlangen und dem Goethe-Institut in Moskau angeboten werden. Hunderte von unterschiedlichen Projekten und Austauschprogrammen in Wirtschaft, Kultur und Soziales könnte ich aufzählen. Das Wichtigste aber – die vielen deutschen und russischen Familien, die alle dank Ihnen und der Partnerschaft zueinander fanden. Hier gebührt aber auch Deinen Nachfolgern alle Ehre: Dr. Siegfried Balleis und Dr. Florian Janik. Beide ließen und lassen nicht nach in ihrem Bestreben, die Partnerschaft unserer Städte auf diesem hohen Niveau zu halten und weiterzuentwickeln – so wie das in der Nachfolge von Michail Swonarjow auch Wladimir Kusin, Igor Schamow, Alexander Rybakow, Sergej Sacharow und Olga Dejewa taten und weiter tun, immer unterstützt von den Stadträten und ihrem Team in der Verwaltung.

Stefan Barth und Jurij Fjodorow

Unsere Partnerschaft gilt als beispielhaft für andere. Ich bin stolz, zu den ersten Schwalben dieser russisch-deutschen Freundschaft zu gehören. Ich freue mich auch darüber, wie es uns gelungen ist, Rothenburg o.d.T. und Susdal zusammenzubringen. Und ich möchte fast glauben, unsere Volksdiplomatie könnte auch die deutsche Einheit befördert haben, zumal in unsere Zusammenarbeit zu meiner großen Freude Jena erfolgreich eingebunden ist.

Peter Röhlinger

Heute, zu Ihrem Jubiläum, kommt mir natürlich viel in den Sinn. Aus irgendeinem Grund vor allem Sachen zum Lachen. Da war doch zum Beispiel dieser spaßige Kasus, als wir mit Ihrer Delegation spät abends von einem Ausflug zurückkehrten und unterwegs im Wald einen Halt einlegten, um auf dem Kühler im Scheinwerferlicht des Autos ein Picknick zu veranstalten. Für uns die normalste Sache der Welt, während die Gäste, wie wir begriffen, sich einigermaßen unbehaglich fühlten. Später lachten wir alle darüber.

Aber jetzt erlaube mir, mich an Dich als Freund zu wenden:

Lieber Dietmar!

Ich sehe mir immer wieder die Photos jener Jahre an, erinnere mich und danke dem Schicksal dafür, das mir vor 37 Jahren einen so weisen und verlässlichen Freund geschenkt hat.

Ich gratuliere Dir von ganzem Herzen zu Deinem Wiegenfest! Ich wünsche Dir noch ein langes Leben, gesund, munter und glücklich. In Wladimir kennt man Dich, erinnert man sich an Dich, liebt man Dich, freut man sich zu jeder Zeit auf Deinen nächsten Besuch!

Tatjana Fjodorowa und Heidi Hahlweg mit dem Jubilar, Dietmar Hahlweg

Zu diesem Festtag beglückwünsche ich aber auch Deine bezaubernde Frau, die Dich Dein ganzes Leben lang begleitet, Dir bei all Deinen Aufgaben Hilfe leistet und Dich bis heute in allem unterstützt, die Dir, wie man bei uns sagt, den Rücken freihält. Immer wenn meine Frau Tatjana und ich Erlangen besuchten, waren wir bei Heidi und Dir eingeladen. Und jedes Mal führten wir wunderschöne und herzliche Gespräche. Glaube mir, ich weiß diese Begegnungen zu schätzen und die Erinnerung daran zu bewahren.

Liebe Heidi, als Zeichen meiner Anerkennung bitte ich Dich, diese Blumen anzunehmen.

Familie Hahlweg

Und jetzt, lieber Dietmar, gestatte mir bitte, einen wichtigen Auftrag zu erfüllen und Dir zu Deinem 85. Geburtstag die Ehrenurkunde des Regionalparlaments Wladimir zu überreichen für Deinen „großen Beitrag zur Begründung der Partnerschaftsbeziehungen zwischen Erlangen und Wladimir sowie zur Entwicklung der Volksdiplomatie“.

Lieber Dietmar, darüber hinaus überreiche ich Dir eine Grußbotschaft des Vorsitzenden unseres Regionalparlaments, Wladimir Kisseljow. Wir baten unsere berühmten Künstler aus Mstjora darum, diese Ehrenbezeigung zu gestalten. Du kennst das natürlich, aber für alle Anwesenden erkläre ich: Mstjora liegt in der Region Wladimir und gilt als das Zentrum der russischen Lackminiaturmalerei, die Weltruhm genießen.

Jurij Fjodorow und Dietmar Hahlweg

Und schließlich ganz persönlich von meiner Familie diese Ikone der Wladimirer Gottesmutter, ebenfalls aus einer Werkstatt der Meister von Mstjora.

Sehr geehrte Damen und Herren, lassen Sie uns Dr. Dietmar Hahlweg Beifall spenden!

Silvia Klein, Sabine Lotter und Altdekan Josef Dobeneck, zurecht hochzufrieden mit dem Ablauf des Abends

P.S.: Jurij Fjodorow richtete sich aber nicht nur an seinen Freund. Abweichend vom Manuskript wünschte er mit ergreifenden Worten allen Gästen des Abends ein gesundes und friedliches Neues Jahr, wo sich auch noch die innigsten und geheimsten Wünsche erfüllen sollten. Wie das gehen könnte? Indem wir einander öfter umarmen, füreinander da sind, unseren Angehörigen und Freunden unsere Zuneigung zeigen… Wenn das mehr Leute täten, dann könnte es auch auf der Welt insgesamt menschlicher zugehen. Eine Botschaft, für die der Redner mit viel Applaus und Sympathie bedacht wurde.

Bleibt nur noch, Nadja Steger für die Bilder des Abends zu danken, der mit dem Lied der Franken ausklang.

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Heute feiert Dietmar Hahlweg seinen 85. Geburtstag. Zu den großen und bleibenden Erfolgen des Altoberbürgermeisters und Ehrenbürgers der Stadt Erlangen gehören über die kommunalpolitischen Leistungen hinaus die Begründung der Städtepartnerschaften mit Wladimir, Jena, Stoke-on-Trent und San Carlos. Dabei war dem gebürtigen Schlesier die Aussöhnung mit der UdSSR und Polen sowie die Verständigung mit der DDR im Geist der Ostpolitik während seiner segensreichen Amtszeit von 1972 bis 1996 das wohl wichtigste Anliegen.

Nikolaj Schtschelkonogow und Dietmar Hahlweg, 9. Mai 2010, Wladimir

Die Tiefenschärfe dieses Bildes mit dem heute 94jährigen Kriegsveteranen in Wladimir erschließt sich erst nach der Lektüre des folgenden Berichts, den Dietmar Hahlweg dieser Tage im Rahmen des deutsch-russischen Projekts „Kriegskinder“ (siehe auch die Erinnerungen von Ute Schirmer: https://is.gd/OpWO3J) zu Papier brachte, vorab exklusiv im Blog veröffentlicht.

Flucht der Familie Hahlweg vom 20.1. bis 10.9.1945 aus Jagdschütz, Schlesien, bis nach Lorenzreuth bei Marktredwitz in Bayern

Zum Jahreswechsel 1944/1945 lebte meine Mutter, Elisabeth Hahlweg (34), mit ihren vier Kindern, Bärbel (12), Dietmar (10), Harald (8) und Hubertus (6), im Gutshaus in Jagdschütz, Kreis Trebnitz, ca. 30 km nördlich von Breslau. Mein Vater war seit 1939 ununterbrochen im Krieg; seither führte meine Mutter den 334 ha großen Gutsbetrieb mit etwa 40 Beschäftigten alleine.

Meine Mutter ahnte, Deutschland werde den Krieg verlieren, und begann heimlich (offen durfte darüber nicht gesprochen werden, das wäre Wehrkraftzersetzung gewesen) Kisten und Koffer vorzubereiten. Wir Kinder ahnten davon nichts.

Dann kam, vermutlich von der Nationalsozialistischen Kreisleitung, am 20. Januar 1945 der sogenannte „Treck-Befehl“. Innerhalb von 24 Stunden mußte der Gutsbereich geräumt werden. Treckleiterin war meine Mutter.

24 Stunden später zog der Treck, meine Mutter mit ihren vier Kindern und allen auf dem Gut beschäftigten Familien (darunter 25 Kinder und viele ältere Menschen), auf zwei Traktoren mit Anhängern und zehn Pferdegespannen bei 20 Grad minus Richtung Westen.

In den folgenden drei  Wochen waren die Ziele 1. Etappe Penzig bei Görlitz (ca. 200 km), 2. Etappe Görlitz – Dresden  (ca. 100 km) und die 3. Etappe Dresden – Richtung Leipzig mit dem Gut Zöschau bei Oschatz (ca. 70 km), das wir am 15. Februar 1945 erreichten. Wir bewältigten also mit dem Treck in 26 Tagen insgesamt ca. 370 km.

Obwohl das im Treckbefehl vom 20. Januar 1945 angegeben Treckziel Bayreuth in Bayern lautete und meine Mutter auch von sich aus mit dem Treck ohne Unterbrechung direkt nach Bayern weiterziehen wollte, beugte sie sich höchst widerwillig dem Willen meines Vaters, der zu dieser Zeit verwundet in einem Lazarett  in der Nähe von Breslau lag und mit dem sie telefonieren konnte. Auf sein Anraten hin blieb sie mit dem Treck auf Gut Zöschau. Mein Vater hatte auf diesem Gut sein Praktikum als angehender Landwirt abgeleistet, wußte, die Gutsfamilie von Oppel werde uns gut aufnehmen und meinte zudem, von dort sei die Rückkehr nach Schlesien leichter möglich.

Mein Vater meinte es gut, aber sein dringender Rat, zunächst in Zöschau zu bleiben, sollte sich als sehr falsch erweisen.

Die US-Armee, die bei Kriegsende am 8. Mai 1945 auch Thüringen und Sachsen und damit auch Zöschau befreit hatte, zog sich wenig später im Ausgleich für einen US-Sektor in dem von der sowjetischen Armee eroberten Berlin aus Thüringen und Sachsen wieder zurück. Einheiten der Roten Armee kamen deshalb auch nach Zöschau, requirierten Traktoren und Pferde. Wir mußten aus unserer Bleibe im Gutshaus auf den Scheunenboden umziehen.

Für meine Mutter war klar: Sie wollte so schnell wie möglich mit ihren Kindern und ihrer inzwischen zu uns gestoßenen Schwägerin nach Westen, gen Bayern. Sie organisierte im Tausch gegen eine goldene Uhr drei Handwagen, und am 20. Juni 1945 brachen wir mit dem Nötigsten Richtung Grimma (40 km) auf, wo zu dieser Zeit an der Mulde die Grenze zwischen Amerikanern und Sowjets verlief. An der Mulde verbrachten wir fast zwei Wochen im Freien, weil die Amerikaner nur so viele Flüchtlinge aus dem Osten aufnahmen, wie andererseits Menschen von Westen nach Osten wechseln wollten. Schließlich gelang das Übersetzen mit einem Kahn. Von Grimma ging es dann weiter nach Hof in Bayern (ca. 180 km) und von dort Richtung Bayreuth. In Gefrees, wo wir im bergigen Gelände baten, uns beim Hinaufschieben der Handwagen zu helfen, bot uns jemand zwei Ponys an, und meine Mutter kaufte diese spontan. Jetzt zogen die beiden Ponys unsere drei Wagen, und ich war von heute auf morgen stolzer Kutscher.

Unser Fluchtweg führte uns zunächst Richtung Nürnberg – manchmal am Tag nur acht km, dann einmal sogar 38 km –, dann aber bogen wir nach 50 km in Richtung Bamberg ab, weil es dort ein milderes Klima und eine günstigere Versorgung geben sollte. Inzwischen war es August / September geworden, und wir konnten gegen Kost und Übernachtung in der Scheune beim Ernten helfen. Mein Onkel Fredi, der jüngste der drei Brüder meiner Mutter, war nach seiner frühen Entlassung aus amerikanischer Gefangenschaft schon im Juli zu uns gestoßen, begleitete uns sporadisch, schwärmte aber immer wieder aus, um nach seiner Frau, dem Treck seiner Eltern, nach unserem Vater und seinen Brüdern zu suchen. Anfang September 1945 kam Onkel Fredi freudestrahlend mit einem Brief der Eltern meiner Mutter zurück, den diese an Bekannte aus Breslau geschrieben hatten, die inzwischen in Mindelheim im Allgäu gelandet waren.

Demnach waren meine Großeltern, Pächter des Gutes Großpeterwitz, ca. 15 km westlich von Jagdschütz gelegen, mit ihrem Treck auf einer Südroute durch das Sudetenland im Juni 1945 in Lorenzreuth bei Marktredwitz gelandet und hatten dort eine kleine Hofstelle pachten können. Wir waren auf unserem Weg im Juli Richtung Bayreuth nur weniger als 50 km von Lorenzreuth entfernt und zogen nun die ca. 150 km dorthin zurück und waren glücklich, dort am 10. September 1945  die Großeltern wiederzusehen und, obwohl äußerst beengt, dort auch unterzukommen und etwas zum Essen zu haben. Dies nach fast drei Monaten auf der Landstraße, ohne ein festes Dach über dem Kopf.

Die realistische Einschätzung meiner Mutter bewahrheitete sich: Ein Zurück nach Schlesien auf unseren Gutshof gab es nicht. Mit dem Potsdamer Abkommen der Siegermächte vom August 1945 fiel Schlesien an Polen. Meine Familie gehörte zu den Deutschen, die nicht nur den Krieg, sondern auch ihre Heimat verloren hatten, im Fall meiner Eltern mit dem Gutshof auch ihre ganze Existenz. Trotzdem gab es in meiner Familie nie Kritik an Polen oder der Sowjetunion.

Es war, wie wir sahen, Hitler-Deutschland gewesen, das diesen furchtbaren Zweiten Weltkrieg „vom Zaun gebrochen“, das heißt mutwillig begonnen hatte. Und man erfuhr mehr und mehr, wie gerade die beiden Länder, Polen und die Sowjetunion, es waren, die in besonders unvorstellbarem Ausmaß unter diesem Krieg gelitten hatten. Aus diesem Wissen und der bleibenden Scham darüber war es mir in meinem Amt als Oberbürgermeister, aber auch als Mitmensch, stets ein Anliegen, bei der Aussöhnung und dem Aufbau einer guten Nachbarschaft mit Polen und Russen mitzuhelfen. Es bleibt mein sehnlichster Wunsch, daß dies dauerhaft gelinge.

Dietmar Hahlweg

P.S.: Mit den besten Wünschen für den Jubilar hier noch der Hinweis auf seine Würdigung zum 80. Geburtstag, zu finden hier im Blog unter: https://is.gd/YegSNn

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1991 empfing Nikolaj Schtschelkonogow die erste Delegation von Wehrmachtsveteranen aus Erlangen in Wladimir, und bereits ein Jahr später besuchte der heute 94jährige Rotarmist die deutsche Partnerstadt. Unzählige Begegnungen folgten, die den Teilnehmer an der Befreiung Berlins vom Nationalsozialismus zum Botschafter der Aussöhnung und Verständigung zwischen den einstigen Feinden machten.

Nikolaj Schtschelkongow und Dietmar Hahlweg, 9. Mai 2015

Begleitet von einem Drehteam, das seine Reise dokumentiert, erfüllt sich Nikolaj Schtschelkonogow nun den Traum, noch einmal nach Erlangen zu kommen, um Abschied von seinen mittlerweile verstorbenen deutschen Kameraden zu nehmen, die noch lebenden Freunde noch einmal zu sehen und Stationen seines Soldatenlebens ein wohl letztes Mal zu besuchen. Gelegenheit zu einem Treffen mit dem außergewöhnlichen Zeitzeugen besteht auf Einladung des Freundeskreises Wladimir am Donnerstag, den 28. November, ab 19.00 Uhr, im Club International der Volkshochschule, Friedrichstraße 17.

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Heute gibt es drei Geburtstage zu feiern: den elften des Blogs, den 79. von Heinrich Niemann, Ehrenprofessor der Staatlichen Universität Wladimir, und den 80. von Wolf Peter Schnetz, der sich 1981 zusammen mit Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg, wie er selbst einmal sagte, in der Verständigung und Aussöhnung mit der Sowjetunion und Rußland „auf dem richtigen Weg“ sah. Als wie richtig sich dieser Weg der Annäherung und des Austausches erweisen sollten, konnten sich damals nicht einmal diese beiden großen Visionäre des deutsch-russischen Dialogs vorstellen. Aber sie machten sich auf diesen Weg, unbeirrt und zielstrebig, ungeachtet aller Hindernisse, nachlesbar hier im Archiv des Blogs: https://is.gd/EPfXgC

Wolf Peter Schnetz

In einem Gespräch mit dem Granden der Städtepartnerschaft, Wiktor Malygin, Germanistikprofessor, Vorsitzender des Freundeskreises Wladimirer Schauspielhaus und Vorstandsmitglied des Erlangen-Hauses, um nur einige Funktionen zu nennen, meinte Wolf Peter Schnetz: „Am Ende blieben vielleicht ein paar Gedichte.“ Auch wenn er durchaus nicht nur nebenher poetisch verdichtete Prosa schreibt, war und bleibt die Lyrik wesentliche Ausdrucksform des promovierten Germanisten aus Regensburg, der im Ruhestand in seine Heimat zurückkehrte und in seiner Zeit als Referent von 1973 bis 2000 das Kulturleben Erlangens prägte wie niemand sonst – mit den internationalen Schriftstellertreffen, dem Poetenfest, dem Comic Salon, dem Figurentheaterfestival…

Manche Menschen schlägt man mit ihren eigenen Worten, einen Lyriker ehrt man am besten mit seinen eigenen Versen, mit Gedichten wie diesem, übertragen von seiner bereits verstorbenen Kollegin aus Wladimir, Julia Alexandrowa:

September

An solchen Tagen saß ich oft / in alten Gärten. Ein leichter Wind. / Septemberlicht. Den Schatten sah ich wandern / unter Apfelbäumen…

В такие дни сидел я часто / в садах старинных. Лёгкий ветер / и свет сентябрский. Я движение теней / под яблонями видел…

Manchmal ein Brief

Manchmal ein Brief. / Federleicht / im sandweißen Umschlag, / leichter / als der luftigste Vogel, / wenige Gramm.

Aufgewogen / gegen / die Schwere der Welt, / ein freundlicher Gruß / aus der Ferne.

Ein Brief / kann Berge versetzen.

Иногда письмо

Иногда письмо. / Лёгкое, как пёрышко, / в белом, как песок конверте, / легче птицы в воздухе, / несколько граммов.

Защита от всех / тягот мира, / дружеский привет / издалека.

Письмо / может сдвигать горы.

Wiktor Malygin und Wolf Peter Schnetz, August 2018

So einen Brief schickte nun auch Wiktor Malygin an die Redaktion des Blogs:
Mein langjähriger, echter Freund, Wolf Peter Schnetz, begeht heute seinen 80. Geburtstag. Wir kennen uns seit längerer Zeit. In meinem Gedächtnis bleibt er auf immer als ein kluger, eleganter Mann, der nicht nur schön schreiben, sondern auch  ausdrucksvoll und überzeugend reden kann. Seine originellen und poetisch reichen Gedichte zitierte ich mehrmals für meine Studenten, und sie haben immer großen Anklang gefunden.
Lieber Freund! Bleib gesund und munter auf viele Jahre!

Dietmar Hahlweg und Wolf Peter Schnetz, 1981 in Moskau

Wer mehr über diesen vorausblickenden Wegbereiter der Partnerschaft und sein fortlebendes Werk der Volksdiplomatie erfahren möchte, gebe in der Suchfunktion des Blogs das Stichwort „Wolf Peter Schnetz“ ein, wer seine lyrische Welt entdecken möchte, greife am besten zur Anthologie „Täglich ein Wunder. Gedichte aus 40 Jahren.“
P.S.: Heute feiert noch jemand Geburtstag, eine Mitarbeiterin der Volkshochschule, die eher im Hintergrund der Partnerschaft mit Wladimir Gestalt gibt: Edith Kaluza, deren Portrait demnächst in Ihrem Blog folgt.

 

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Der Erfolg hat viele Väter. Die Mütter werden gern vergessen. Die Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir ist – das bestätigte eben erst wieder der Regionalbeauftragte der Deutschen Botschaft in Moskau, Sebastian Reichle – so ein Erfolg mit vielen Vätern – zuvorderst Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg, Klaus Wrobel, Claus Uhl oder Wolf Peter Schnetz und Eike Haenel, um nur die Gründerväter zu nennen. Und es gibt eine Mutter dieses Erfolgs, Heide Mattischeck, die heute ihren 80. Geburtstag feiert, zu dem der Blog ihr mit den besten Wünschen dieses Bild aus Bogoljubowo vor den Toren der Partnerstadt widmen will.

Bogoljubowo

Morgenstimmung in Bogoljubowo

Die aus Berlin stammende Wahlfränkin stand 1983 an der Seite von Dietmar Hahlweg bei der ersten Delegation aus Erlangen in Wladimir und stellte bei einer Zigarette im Zwiegespräch mit Michail Swonarjow, dem damaligen Stadtoberhaupt, eine Gemeinsamkeit fest, die sie mit dem Gastgeber zutiefst verband: Beide hatten den Vater im Krieg verloren, beide wollten vor allem eines, nie wieder Krieg zwischen Deutschen und Russen – und überhaupt nirgendwo. Dieser aus dem eigenen Erleben herrührende Friedenswille ist es denn auch, der die einstige Stadträtin und Bundestagsabgeordnete bis heute Freundschaft mit Wladimir halten läßt.

Dietmar Hahlweg, Heide Mattischeck und Ursula Rechtenbacher, 2009

Doch lesen Sie hier https://is.gd/TYWueA, was sie selbst über ihre Verbindung zu Wladimir schreibt. Ein zeitlos gültiges Zeugnis der großen alten Damen der Partnerschaft, ungeachtet einiger heute so nicht mehr gültigen aktueller Bezüge.

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Gestern nahm die Region Wladimir Abschied von ihrem ersten Gouverneur, verstorben am 9. Januar. Jurij Wlassow, am 22. Juni 1961 in der Nähe von Stawropol geboren, hatte 1983 in Moskau das Studium der Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen und war, promoviert, zwei Jahre später, in die Partnerstadt gezogen, wo er zunächst an zwei Instituten arbeitete und begann, sich politisch zu betätigten. 1990 errang der Reformer bei den ersten demokratischen Wahlen einen Sitz im Stadtrat von Wladimir und wechselte ein Jahr darauf als Wirtschaftsreferent in das Kabinett von Oberbürgermeister Igor Schamow, bevor ihn kurz darauf, am 25. September 1991 Staatspräsident Boris Jelzin zum landesweit jüngsten Gouverneur ernannte. Der Aufstieg des vielversprechenden Nachwuchspolitikers war damit aber noch nicht zu Ende: 1993 wurde Jurij Wlassow in den Föderationsrat gewählt und dort kraft seines Amtes als Gouverneur im Januar 1996 bestätigt. Dann jedoch, im Dezember des gleichen Jahres, das jähe Aus, als bei den Wahlen sein kommunistischer Herausforderer, Nikolaj Winogradow, siegte, dem Jurij Wlassow auch vier Jahre später noch einmal unterlag.

Dietmar Hahlweg, Jurij Wlassow und Wladimir Panow, Mai 1995. Photo: Kurt Fuchs

Von Beginn seiner kommunalpolitischen Karriere an arbeitete Jurij Wlassow eng mit Erlangen zusammen, nahm 1991 am Verwaltungsseminar teil und holte sich manch wertvollen Rat von seinem fränkischen Kollegen, Siegfried Balleis, damals noch als Referent für Wirtschaft und Liegenschaften tätig. Auch als Gouverneur förderte der Marktwirtschaftler die Projekte der Städtepartnerschaft, insbesondere das Erlangen-Haus und den Medizineraustausch. In seine Amtszeit fällt auch die Rückgabe der Rosenkranzkirche an die wiedererstandene katholische Gemeinde.

Nicht von ungefähr fand denn auch die Aussegnung in der Darstellung-des-Herrn-Kirche statt, wo sich noch bis Anfang der 90er Jahre eine Tischlerei befunden hatte und die unter Jurij Wlassow als erstes von mehr als einhundert Gotteshäusern und 17 Klöstern wieder zur Nutzung an die Erzdiözese zurückging. Es waren Politiker wie Jurij Wlassow, die nach dem Kollaps der UdSSR und der sowjetischen Ökonomie nach ideologischen Vorgaben das Land vor dem Zusammenbruch bewahrten. Eine gar nicht zu überschätzende Leistung angesichts der damals herrschenden Not und der Notwendigkeit, innert kürzester Zeit alles komplett umzustellen. Da war es wichtig, Partner wie Erlangen an seiner Seite zu wissen, aber auch jemanden wie Wolfgang Kartte, dem es damals gelang, das Interesse der deutschen Politik und Wirtschaft für die Region Wladimir zu gewinnen, und der in seinem 1995 erschienenen Buch „Aufbruch zum Markt“ im Kapitel „Wladimir: die Probe aufs Exempel“ Jurij Wlassow mit den Worten zitiert:

Wir wollen die soziale Marktwirtschaft, und wir wollen zusammen mit Ihnen einen neuen Anfang machen.

Witwe Swetlana Wlassowa und Gouverneur Wladimir Sipjagin am offenen Sarg von Jurij Wlassow

Und sein Nachfolger im Amt, Wladimir Sipjagin, würdigte den Verstorbenen:

Den Anfang machen zu müssen, ist immer schwer, erst recht als erster Gouverneur nach den schweren Zeiten der Perestroika, als alles kaputt war und unsere Region darniederlag – ich komme ja von hier, lebte damals hier, sah alles mit eigenen Augen, verstehe, wie schwer er es hatte, diese Region aus den Ruinen zu herauszuholen und jeden Tag mit neuen Problemen konfrontiert zu werden, die er als Gouverneur zu lösen hatte. Dafür gebühren ihm Ruhm und Ehre.

Schwer hatte es Jurij Wlassow auch nach seiner Amtszeit, als ihm 1998 vorgeworfen wurde, er habe Mittel aus der Staatskasse in großem Umfang unterschlagen, unter anderem um damit eine Zahnarztrechnung zu bezahlen. Handschellen, Untersuchungshaft, Einzelzelle – und dann die Entscheidung des Gerichts, das die Anklage in allen Punkten zurückwies. Dennoch ein harter Schlag, der wohl die Rückkehr in die Politik für immer unmöglich machte.

Andrej Schochin, Oberstadtdirektor, beim Abschied von Jurij Wlassow

Die letzten zwei Jahrzehnte arbeitete Jurij Wlassow, der eine Frau und eine Tochter hinterläßt, in verschiedenen staatlichen Einrichtungen, trat aber öffentlich nicht mehr in Erscheinung, weshalb auch seine Krebserkrankung nur im Familien- und Freundeskreis bekannt war. Der Tod des Demokraten der ersten Stunde ist nun auch trauriger Anlaß, Dank zu sagen für jene wichtigen Grundlagen, geschaffen von Jurij Wlassow, auf denen die Partnerschaft sich bis heute weiterentwickelt.

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