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Posts Tagged ‘Dieter Seifert’


Seit zwei Jahrzehnten pflegen nun schon das Gymnasium Fridericianum und das Lyzeum der Schule Nr. 17 ihren Austausch, immer alternierend, einmal reist die Erlanger Gruppe nach Wladimir, dann wieder kommt der Gegenbesuch nach Erlangen. In diesem Jahr gibt das Fridericianum die Gastgeberrolle – in bewährter Besetzung mit Christiane Krautwurst und Dieter Seifert.

Schülergruppe mit Oberbürgermeister, Florian Janik

Am Samstag erst kam die fast zwanzigköpfige Gruppe an und gestern schon empfing Oberbürgermeister Florian Janik die jungen Gäste zusammen mit ihren gleichaltrigen Gastgebern. In den nächsten Tagen machen sich die Jugendlichen nun an das gemeinsame Programm: Unterricht, Projektarbeit, Ausflüge und natürlich viel Familienleben.

Das Orgateam: Dieter Seifert, Anna Repina, Christiane Krautwurst und Olga Gurowa

Viel soll heute noch nicht vorweggenommen werden, denn am Ende des Aufenthalts steht als „Hausaufgabe“ auch ein Bericht an, der dann hoffentlich bald hier im Blog zu lesen sein wird. Der gestrige Auftakt im Rathaus ist jedenfalls schon einmal gelungen.

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Vom 30. September bis 7. Oktober setzte das Fridericianum seinen Austausch mit der Schule Nr. 17 in Wladimir fort. Hier nun der Bericht zu den jüngsten Begegnungen:

Die Anfänge unseres Schüleraustausches reichen über zehn Jahre zurück, und ich selbst war im Herbst das sechste Mal mit einer  Gruppe von 18 Jungen und Mädchen aus den 9. bis 11. Klassen für eine Woche in Wladimir. Diesmal wieder mit Dieter Seifert, einem Kollegen aus der Fachschaft Geschichte und Sozialkunde; für ihn war es die dritte Wladimir-Reise. Manches, aus der Erinnerung gekramt, hat sich in diesen Jahren glücklicherweise sehr positiv verändert, und dann erlebten wir andrerseits dieses Jahr auch manches, was uns doch mindestens ein fragendes Stirnrunzeln abnötigt.

Exkursion nach Moskau

Manche, für westeuropäische Gewohnheiten herausragende, wundersame Erlebnisse aus der Vergangenheit springen im Rückblick auf. 2008 wollte uns eine sehr sorgfältige Beamtin am Flughafen Domodjedowo bei der Kontrolle nicht mehr ausreisen lassen, weil ich als Lehrerin mit minderjährigen Kindern ohne Eltern unterwegs sei und auch deren ausdrückliche Erlaubnis – für jedes Kind authentifiziert – nicht vorzeigen konnte. Ich weiß bis heute nicht, was genau der uns damals begleitende russisch-stämmige Kollege der Dame am Schalter gesagt oder versprochen hat. Die auf der Mädchentoilette aus Versehen, beim „Halt mal schnell, nachher nehme ich deinen…“, vertauschten Pässe, es war wohl 2006, haben die Grenzer damals wiederum nicht bemerkt.

Oder dieses Jahr in Frankfurt: Unmittelbar nach dem Verlassen des Flugzeugs aus Moskau, geradewegs aus der Fluggastbrücke kommend, hielten uns zwei „bis an die Zähne“ bewaffnete deutsche Polizisten auf, weil sie 18 unbegleitete Jugendliche bei der – legalen/illegalen ? – Einreise vermuteten. Mein Kollege war, um das Tempo der Gruppe anzutreiben, etwa zehn Meter vorausgegangen, und ich hielt mich am Ende der Gruppe. Aber wenige erklärende Worte – „Schüleraustausch: Ich bin die begleitende Lehrerin, wir müssen den Flieger nach Nürnberg erwischen!“ – stimmten die deutschen Kontrolleure unerwartet schnell milde, und sie winkten uns mit einem aufmunternden „Guten Weiterflug“ durch.

Neu in Wladimir seit diesem Jahr ist aber eine Kontrolle, bei der bei jeder Bus-Exkursion ein Passagiersitzplan auszufüllen ist, bei Fernreisen nach Moskau sogar mit Ausweisnummer; ohne startet der Busfahrer nicht. Dies gilt nicht für Fahrten im Stadtverkehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wohl aber für die halbstündige Stadtrundfahrt mit dem Touristenbus durch Wladimir. Alles zur Sicherheit der Kinder, sagte man uns, aber die wahren Gründe haben sich uns nicht recht erschlossen. Die russischen Kolleginnen füllten Listen über Listen, in Kyrillisch und Deutsch, aus, und wir unterstützen sie nach Kräften, wobei wir über „Sicherheit für die Kinder“  nachdachten, während auf der gleichen Reise der Busfahrer mit dem Handy jonglierte oder auf der Strecke hin und wieder eine dritte Fahrspur für sich zum Überholen mit Hupe eröffnete. Ein Beispiel dafür, wie die Formen der russischen Bürokratie offenbar noch detailreicher und aufwendiger geworden sind. Wir deutsche Lehrer fragten uns leise, ob die Verantwortlichen vor Ort ein klares Bild davon haben, wie man diese Verantwortung auch wirklich wahrnehmen kann oder sollte. Unterstützt diese neue Maßnahme unsere russischen Kolleginnen in ihrer Verantwortung, oder schafft sie (unsinnige?) Mehrbelastung im ohnehin schon vergleichsweise komplizierten Schul- und Lebensalltag? Wer profitiert davon, wenn man weiß, wer wann und in welchem Bus auf welchem Sitz nach Moskau gefahren ist oder eine Stadtrundfahrt in Wladimir gemacht hat?

Ja, die  Stadt Wladimir wurde in den letzten zehn Jahren heller und bunter. Und wie die nächtliche Beleuchtung zumindest entlang den Hauptstraßen Gehwege wirklich erhellt, ist schon ein doppelter Mehrwert, zumal die Bürgersteige fast von Schlaglöchern und dadurch auch von Pfützen frei sind. Die ersten großen Schaufenster in den Hausfassaden hatte man vor zehn Jahren lieber nicht beim Flanieren betrachten sollen, denn der nächste Stolperstein, eine aufstehende Gehwegplatte, eine knöcheltiefe Pfütze warteten zur Überraschung überall beim nächsten Schritt auf einen. Das ist heute anders. Auch die Straßenpflasterstelle oberhalb des Erlangen-Hauses auf dem Weg zur Innenstadt war dieses Jahr endlich fertig. Vor zwei Jahren war die Gehwegpflasterung, über die ganze Woche nicht abgewarnt, mit einem Steinhaufen mitten auf dem Weg über mehrere Quadratmeter offen geblieben und von zwei Seiten her bis auf vielleicht zwei Meter Abstand fertiggestellt. Das Gehsteigniveau hatte allerdings einen Versatz von mindestens 20 cm Höhenunterschied. Pfützen gibt es immer noch auf den Straßen, und wenn das Herbstschmuddelwetter hereinbricht, spritzen die Autos im Vorbeifahren meterweit auf den Gehweg. Aber vom herbstlichen Wind ausgekühlt, findet man leicht auf Schritt und Tritt nette Lokale und Cafés zum Aufwärmen. Freundlich und offen wird man vielerorts auf Englisch mit „good evening“ begrüßt, gerade wenn man ein mit deutschem Akzent gefärbtes „dobryj wetscher“ probiert.

Die Verständigung über die englischsprachige Menükarte, so haben wir es einige Male erlebt, geht mitunter noch etwas holprig, aber für den Nachhauseweg bekamen wir ein freundliches „Auf Wiedersehen“ in Deutsch mit.

Russisch-deutsche Sportstunde

Ob diese weltoffene Entwicklung aber so weit gehen sollte, im normalen Speiselokal für die Gruppe junger russischer Frauen und Männer Shischa-Pfeifen anzubieten und sie auf Wunsch vom Kellner angezündet zu bekommen? Weiß-blau-rot leuchtende, mit kleinen Lichterketten behängte Bäume säumen Eingangsstraßen nahe der Innenstadt, wenn man abends in die Stadt zurückfährt. Weihnachtlich anmutende Lichtergirlanden auch schon Ende September auf den Hauptstraßen Wladimirs? Was soll man davon halten, fragen mich auch unsere Schüler, wenn wir in Deutschland nach den Lehrplänen vieler Fächer über nachhaltige Ressourcennutzung oder gar Lichtverschmutzung in Großstädten sprechen, wenn Stadtverantwortliche in Deutschland inzwischen neue, sparsame Lichtkonzepte entwerfen oder nachts die Beleuchtung auf das sicherheitsnotwendige Maß herunterschalten?

In Absprache mit den russischen Koordinationskolleginnen wagten wir uns an eine Thematik, die Europa in den letzten Jahren, und wahrscheinlich noch weit in die Zukunft hinein, vor große gesellschaftliche und politische Herausforderungen stellt. Das Projektthema „Migration und Integration“ beschäftigte die Austauschgruppe an vier Arbeitstagen und mündete in eine gemeinsame Präsentation der Ergebnisse.

Gemeinsame Projektarbeit

Zuwanderungsströme aus Ländern der früheren Sowjetunion und die Rücksiedlung ethnischer Russen stellen das Land vor ähnliche Probleme wie die Europäische Union in Zeiten der Flüchtlings- und Asylbewerberströme. Auch wenn offene Fragen zu einer menschenwürdigen Integrationspolitik nur oberflächlich angesprochen oder teils gar ausgeklammert wurden, machte die diesjährige Projektarbeit sehr niederschwellig doch eine Problematik deutlich, die nicht nur Europa betrifft, sondern global erscheint und möglicherweise auch nur in diesen Zusammenhängen gelöst werden kann.

Durch die  Besuche der letzten Jahre entstand inzwischen gegenüber den russischen Kolleginnen zunehmend Vertrautheit, die auch offenere Fragen ermöglicht, obwohl man in Gesprächen, natürlich auch vom Thema abhängig, immer noch einer sehr zurückhaltend kritischen und wenig persönlich differenzierenden Haltung begegnet.

Die Schüler des Gymnasiums Fridericianum, die bis zur Mittelstufe doch schon einigermaßen eingeübt sind, kritisch abwägend zu fragen und Antworten in Relationen zu sehen, entwickelten langsam ein Gespür dafür, wie in anderen politischen Systemen, etwa der Russische Föderation, auch andere Kontrollmechanismen aus der Vergangenheit bis heute wirken und Meinungen, Wahrnehmung und Beurteilung von Aussagen beeinflussen.

Gemeinsame Projektarbeit

So nehmen russische Lehrkräfte und Schüler das in Deutschland übliche  Handyverbot im Unterricht als unerlaubte Einschränkung individueller Freiheit wahr, während die deutschen Gäste über den in allen Varianten geduldeten Gebrauch von Handys und Tabletts im russischen Unterricht sich nur wundern.

Eine Woche intensiven Zusammenlebens eröffnete den 18 Schülerinnen und Schülern vor allem in den Familien, in denen sie aufgenommen wurden, einen authentischen Eindruck vom russischen Alltag. Aus pädagogischer Sicht ist das ein Blickwinkel, der für die heranwachsende Generation globale Handlungskompetenz stärkt, wie es kein theoretisches Schulbuch leisten kann. So danken wir der Stadt Erlangen und dem Bayerischen Jugendring für die Förderung, die solche Unternehmungen aus Mitteln der Städtepartnerschaft und aus Mitteln des Kinder- und Jugendprogramms der bayerischen Staatregierung großzügig unterstützen.

Deutsch-russischer Abschied

Der nächste Besuch ist schon geplant: Willkommen, Schülerinnen und Schüler aus Wladimir, im Oktober 2018 am Gymnasium Fridericianum!

Christiane Krautwurst (OStrin i.BV)

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Zusammengenommen fast vierzig Schüler waren dieser Tage aus Wladimir in Erlangen zu Gast. Auch für eine aus Tradition offene Stadt durchaus ein organisatorischer Belastungstest, der nur dank den großartigen Familien zu bestehen war, die den vielen jungen Besuchern aus der Partnerstadt Türen und Herzen weit öffneten. Nur möglich aber auch mit der Hilfe von Gästen, die sich nicht nur an Land und Leuten sowie Sprache interessiert zeigten, sondern sich überdies als ausgesprochen pflegeleicht erwiesen. Kurzum – nur gemeinsam konnte dieses Werk der Begegnung gelingen.

Olga Mironosizkaja und Ludmila Mironowa

Olga Mironosizkaja und Ludmila Mironowa

Besonders aber ist der Austausch den Lehrerinnen aus Wladimir zu danken, denen man zu Lebzeiten schon ein Denkmal setzen könnte für ihre charmante Courage, junge Botschafter der Verständigung auszubilden und auf ihrer Reise zu begleiten – mit all der Verantwortung, die das in Zeiten mit sich bringt, wo das Stellwerk der Politik zwischen Ost und West die Hebel in immer rascherer Taktfolge von Kooperation und Kommunikation auf Konfrontation und Konflikt umlegt.

Ludmila Mironowa

Ludmila Mironowa

Desto erstaunlicher zu erleben, wie unverkrampft und offen die Kinder und Jugendlichen mit ihren Altersgenossen und Gastgebern umgehen, wie groß das gegenseitige Interesse ist. Durch alle drei Gruppen hindurch, die einander in Erlangen übrigens kaum begegneten, sondern ihr jeweils eigenes Programm hatten, abgesehen vom gemeinsamen Empfang für die Austauschschüler vom Fridericianum und aus der Schule Nr. 17 zusammen mit den dreizehn Deutschkurs-Teilnehmern von Ludmila Mironowa.

Dieter Seifert und Gerhard Mehring mit ihren Wladimirer Kolleginnen

Dieter Seifert und Gerhard Nöhring mit ihren Wladimirer Kolleginnen, Alina Sorokina und Olga Gurowa

Unverkrampft und offen geht es denn auch am Fridericianum zu, wo man den Austausch mit Wladimir seit 1999 pflegt und sich die Übergabe des Stabs der Partnerschaft auch in der Leitung – von Gerhard Hammer auf seinen Nachfolger, Gerhard Nöhring – so harmonisch vollzog. Man spürte diesen Geist der gegenseitigen Wertschätzung gestern beim Abschiedstreffen, wo die Schüler aus beiden Städten im Ländervergleich zu den Themen Wirtschaft und Tourismus in kleinen Arbeitsgruppen referierten und damit zeigten, was den Austausch prägt: möglichst viel gemeinsam unternehmen, vor allem auch an Aufgaben und Projekten orientiert. Das schweißt zusammen und hält für länger – mindestens bis zum nächsten Termin im Herbst nächsten Jahres, wenn das Fridericianum wieder eine Gruppe nach Wladimir entsendet.

Der Austausch am Fridericianum

Der Austausch am Fridericianum

Abschied nehmen hieß es gestern auch für die neunköpfige Schülergruppe unter Leitung von Marina Trubizyna, Abschied vor allem von den Gastgebern, die in den wenigen Tagen für die jungen Besucher zu Eltern und Großeltern geworden sind. Alle waren sie zum ersten Mal in Erlangen, und alle – so der Tenor in der Schlußrunde – zeigten sich begeistert vom Programm, besonders aber von den Menschen. Hier so willkommen zu sein, so gastfreundlich aufgenommen zu werden, das hätten sie nicht erwartet. Allerdings zollte den Gästen auch Ute Schirmer, gemeinsam mit Gerhard Kreitz und Franz Stuhlmüller für die Unterbringung sowie die Ausflüge nach Bamberg, Nürnberg, Coburg oder Rothenburg verantwortlich, höchstes Lob: stets aufmerksam und interessiert, ausdauernd bei den Exkursionen zu Fuß, höflich und zuvorkommend. Und auf eine Frage einer Schülerin, wodurch sich denn junge Russen von ihren deutschen Altersgenossen unterscheiden, meinte Renate Aigner, hiesige Schüler würden kaum dieses Maß an Disziplin etwa bei Museumsbesuchen aufbringen, würden sich viel eher ablenken (lassen). Die pensionierte Lehrerin und ehemalige Stadträtin wird wissen, wovon sie spricht.

Marina Trubizyna mit ihrer Schülergruppe und einigen Gastgebern

Marina Trubizyna (in der Mitte sitzend) mit ihrer Schülergruppe und einigen Gastgebern

Zu den guten Erfahrungen des Austausches gehört: Wer einmal als junger Mensch hier oder dort zu Gast war, kommt früher oder später wieder oder taucht, älter geworden, in der einen oder anderen Rolle bei der Partnerschaftsarbeit auf. Viel Grund zur Vorfreude bei so vielen Besuchern dieser Tage!

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Oberbürgermeister Florian Janik zeigte sich nicht nur beeindruckt von der schieren Menge deutscher und russischer Schülern, die er gestern am späteren Nachmittag im Rathaus empfing, sondern freute sich vor allem über eins: Während in der großen Politik zwischen West und Ost immer mehr an den Kalten Krieg erinnere, gehe man in der Partnerschaft mit Wladimir unverdrossen weiter auf dem Weg der Verständigung. Lob an die Schüler und Lehrer, die das alles möglich machen, vor allem aber auch an die Gastgeber, ohne die solche Austauschmaßnahmen gar nicht denkbar wären.

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Dieter Seifert, Florian Janik und Christiana Krautwurst (stehend) mit Alina Sorokina, Olga Gurowa, Olga Mironosizkaja, Ludmila Mironowa und Dieter Argast (sitzend) mit Schülern aus Erlangen und Wladimir

Tatsächlich kann man den Eindruck gewinnen, das gegenseitige Interesse sei gerade auch vor der schwierigen weltpolitischen Lage weiter gewachsen. Eine der Schülerinnen, die am Austausch mit dem Fridericianum teilnimmt, meinte denn auch, die größte Motivation für sie, nach Erlangen zu kommen, sei, die Menschen kennenzulernen und ihr Deutsch zu verbessern. Mit anderen Worten – Verständigung. „Miteinander sprechen, aufeinander zugehen, unbekümmert Kontakt suchen“, lautete denn auch der persönliche Rat des Erlanger Stadtoberhaupts an die Gäste.

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Dieter Argast, Ludmila Mironowa, Florian Janik und Olga Mironosizkaja mit Schülern aus Wladimir

Und dann gab es da auch noch eine kleine Premiere: Erstmals gartulierte ein Erlanger Oberbürgermeister zum russischen „Tag des Lehrers“. Eine schöne Gelegenheit und Geste an jene, die all die Organisationsmühen und die Verantwortung auf sich nehmen – für jetzt drei Schülergruppen gleichzeitig aus Wladimir: Von der Schule Nr. 17, die den Austausch mit dem Fridericianum seit 1999 pflegt über die Schule Nr. 23, die eine Gruppe von Deutsch-Schülern entsandt hat…

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Marina Trubizyna und ihre Schüler

… bis zu der Gruppe der Jugendorganisation „Lingua“, die erst gestern nacht am Flughafen Nürnberg eintraf und nun bis zum 15. Oktober ein landeskundliches Programm absolviert. Ein Dreiergipfel der Partnerschaft eben mit Ausblick in die Zukunft.

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Nach einer guten Woche voller Begegnungen, Ausflüge und gemeinsamer Projektarbeit fanden sich gestern ab 12.00 Uhr noch einmal Gäste und Gastgeber im Fridericianum ein, um ihre gemeinsam erstellten Präsentationen zu zeigen und die Ergebnisse der Zusammenarbeit und des Austauschprogramms Revue passieren zu lassen. Ganze zwei Stunden lang, volle Stunden, keine Schulstunden. Ohne Murren und den mehrfach erklingenden Gong überhörend und wohl auch unter Mißachtung von Hunger und Durst. Konzentriert, diszipliniert, ganz bei der Sache und immer mit applausbedachtem Wohlwollen für die gruppenweise vorgestellten Themen.

Dieter Seifert, Waleria Sawizkaja, Jelena Glaskowa, Christiane Krautwurst, Jelena Schtschukina und Gerhard Hammer

Dieter Seifert, Waleria Sawizkaja, Jelena Glaskowa, Christiane Krautwurst, Jelena Schtschukina und Gerhard Hammer

So schön kann eben Schule sein, wenn man die internationalen Kontakte pflegt wie am Fridericianum. Wenn es mit Direktor Gerhard Hammer und dem Lehrerpaar, Christiane Krautwurst und Dieter Seifert, Pädagogen gibt, für die der Schüleraustausch nicht nur Herzenssache ist, sondern die sich auch auf die anspruchsvolle Organisationsarbeit, auf all die Anträge, die Terminabsprachen und die Zusammenstellung des Besuchsprogramms verstehen. Immer in Abstimmung mit dem Team von der Partnerschule in Wladimir, dem Gymnasium Nr. 17, das in der Partnerstadt wegen seiner vielfältigen Auslandskontakte einen guten Ruf genießt.

Christiane Krautwurst

Christiane Krautwurst

Im Jahr 2001 hatte Gerhard Hammer eine Einladung der Schule nach Wladimir angenommen und ließ sich rasch für eine Kontaktaufnahme begeistern, für eine Verbindung, die über die Jahre gehalten hat, obwohl es dort, im Partner-Gymnasium, mittlerweile schon dreimal einen Wechsel in der Leitung gegeben hat. Und nun ist erstmals mit Jelena Glaskowa auch eine neue Deutschlehrerin mitgekommen, die allerdings Erlangen bereits kennt: Als Austauschschülerin am MTG war sie im Jahr 2002 schon einmal hier zu Besuch. Wieder ein für die Partnerschaft so typischer Werdegang – und doch immer wieder so überraschend wie erfreulich. Jedenfalls eine fachlich wie menschlich gute Ergänzung für Christiane Krautwurst, die den Austausch auf Erlanger Seite fast von Beginn an mit humorvoller Strenge mit Dieter Seifert an ihrer Seite zu gestalten weiß.

Projektpärsentation im Fridericianum

Projektpärsentation im Fridericianum

Immer mehr in den Vordergrund des Austausches rückt dabei neben den zwischenmenschlichen Begegnungen die gemeinsame Arbeit an bestimmten Projekten. Ein ganz wichtiges Element, denn so richtig kennenlernen kann man einander erst, wenn man auch miteinander einer Sache auf den Grund gegangen ist. Und so folgte denn gestern immer in gemischten deutsch-russischen Gruppen Thema auf Thema. Meist auf Englisch vorgetragen, manches Mal auch auf Russisch und Englisch, aber immer verständlich und mit einem je eigenen Ansatz.

Projektpräsentation im Fridericianum

Projektpräsentation im Fridericianum

Kulturelle Unterschiede zwischen Deutschen und Russen; die Deutsche Vorstadt von Moskau in der Zeit von Iwan dem Schrecklichen und Peter dem Großen mit ihren Parallelen zur Erlanger Hugenottenstadt; das Wirken von Katharina der Großen, der Deutschen auf dem russischen Zarenthron; die deutsch-russischen Beziehungen am Beispiel des Forstwirts Karl Türmer in der Region Wladimir; deutsch-russische Austauschorganisationen und Wirtschaftskontakte; Kunst und Kultur im Zusammenspiel von Wassilij Kandinskij und Franz Marc in der Gruppe Blauer Reiter.

Gerhard Hammer, Jelena Glaskowa und Jelena Kljutschtaganowa

Gerhard Hammer, Jelena Glaskowa und Jelena Kljutschtaganowa

Immer mit dem Vorzeichen des Verbindenden zwischen den Völkern. Etwas, worauf es Gerhard Hammer, der vielleicht schon im nächsten Jahr selbst einmal wieder nach Wladimir reisen möchte, besonders ankommt: „Ganz gleich, was jetzt in der Ukraine und auf der Krim passiert, wünsche ich mir, daß sich der Austausch zwischen unseren Schulen weiter so gut entwickelt. Wir wollen jedenfalls weiter Freundschaft halten!“

Die deutsch-russische Austauschklasse im Fridericianum

Die deutsch-russische Austauschklasse im Fridericianum

Das wollen unbedingt auch Theresia Eisele und Jelena Kljutschtaganowa, die sich schon im Vorjahr, als die Fridericianum-Gruppe – übrigens auch im Oktober – kennengelernt hatten und seither die Verbindung halten. Jelena hat Theresia sogar schon zwei Ansichtskarten aus Wladimir geschickt. So, wie das vor der Erfindung des Internets noch üblich war, und weil das Jelena so „schön romantisch“ findet. Und überhaupt Erlangen: „Alle sind hier immer so freundlich, grüßen einander!“ Und in Theresias Familie gefällt es ihr besonders: die ausgezeichnete Küche und die guten Gespräche beim Abendessen. Schade findet sie nur, daß bei den Führungen und Präsentationen alles auf Englisch gemacht wird. Dabei findet sie doch: „Deutsch ist die schönste Sprache der Welt.“ Weshalb sie auch nebenher schon ein Jahr die Kurse im Erlangen-Haus besucht hat.

Theresia Eisele, Jelena Kljutschtaganowa und Jelena Glaskowa

Theresia Eisele, Jelena Kljutschtaganowa und Jelena Glaskowa

Ganz wie ihre Lehrerin, Jelena Glaskowa, denkt da die Schülerin, die gern mehr Deutsch-Unterricht gäbe. Aber die meisten wählen eben Englisch als erste Fremdsprache. Und dann entdecken sie später oft, wie schön doch ein Studium gerade in Deutschland wäre. Das jedenfalls kann sich Jelena Kljutschtaganowa gut vorstellen und wird auch dabei auf ihre Erlanger Freundin, Theresia Eisele rechnen dürfen. Denn, um noch einmal Gerhard Hammer zu zitieren: „Wir wollen doch weiter Freundschaft halten!“

Und hier der Link zum Aufenthalt der Erlanger Schüler in Wladimir: http://is.gd/eoHFR3, und wer sich für Karl Türmer interessiert, wird hier fündig: http://is.gd/WJMcII

 

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Die rhetorische Frage wurde schon oft gestellt, hat aber nach wie vor ihre Gültigkeit: „Was wäre die Partnerschaft ohne den Schüleraustausch?“ Nicht viel mehr als ein Koloß auf tönernen Füßen, eine Erfolgsgeschichte ohne Fortsetzung, ein Heute ohne Morgen. Dies weiß man im Rathaus nur zu gut, weshalb es nachgerade zu den guten Sitten gehört, Schülergruppen aus Wladimir zu empfangen. Gestern waren die Mädchen und Jungs von der Wladimirer Schule Nr. 17 an der Reihe, die mit ihren Gastgebern aus dem Fridericianum, angeführt vom Schuldirektor, Gerhard Hammer, von Bürgermeisterin, Birgitt Aßmus, begrüßt wurden. Eine ganze Woche lang, von Samstag bis Samstag, durchlaufen sie ein Programm, wie es – dank dem pädagogischen Betreuungspaar Christiane Krautwurst und Dieter Seifert – ausgefeilter kaum sein könnte: Betriebsbesichtigungen, Spiel und Sport, Projekt- und Gruppenarbeit zum Thema Umwelt, Exkursion ins Biosphärenreservat Rhön, Deutsch für die Gäste und natürlich auch gemeinsamer Unterricht. Liest man das Besuchsprogramm, möchte man fast noch einmal Schüler sein, zumindest für die Zeit eines Austausches.

Schülergruppenbild mit Birgitt Aßmus, rechts im Bild.

Doch gerade diese Zeit vergeht ja besonders schnell. Da trifft es sich gut, wenn es schriftliche Spuren der Begegnungen gibt, wie etwa im Humblatt, der Schülerzeitung des Gymnasiums Fridericianum, wo vor Jahren eine vom Austausch inspirierte Geschichte erschienen ist. Auch wenn die Autorin von damals – leider! – ihren Namen nicht im Blog wiederfinden möchte, hat sie doch eingewilligt, ihre Geschichte von damals mit dem Titel „Kolobok – Die Brotfestung“ neu aufzulegen:

Am ersten Dienstag und Mittwoch im August geschah für Kolobokini etwas Schreckliches: Nach der Schule (sie ist inzwischen schon lange eingeschult und geht in die vierte Klasse mit normalen Kindern) ging sie mit ihrem großen Bruder Koloboki, der in der 7. Klasse war, nach Hause. Das Brot, welches die Schönheit seiner Mutter geerbt hatte, hatte mit einer Freundin ausgemacht, sich zu treffen. Das Mädchen, Adriane, sollte um 15 Uhr kommen. Die beiden wollten im Garten der Großbäckerei ein Baumhaus bauen. Die Kastanie eignete sich bestens dafür. Auch das Holz stellte ihnen die Bäckerei bereit. Koloboki half ihnen. Das Grundlegende hatten die großen Brüder Kolobokinis und deren Freunde schon gebaut.

Kolobok, das rollende Brot, eine russische Märchenfigur.

Die zwei brauchten bloß noch die Wände und das Dach festnageln sowie das Dach mit Dachpappe übeziehen, damit es dicht war. Bei der Tür wollten die Großen wieder helfen. Die Hausaufgaben erledigte Kolobokini schnell, sie lief in den Garten und wartete auf Adriane. Die aber kam und kam nicht. Schließlich fing das Brot alleine an zu arbeiten. Es nagelte schon die zweite Wand fertig, als Adriane schließlich endlich kam und sagte: „Entschuldigung, aber…“ Sie brach in Tränen aus: „Matthias, – er ist wegen der 6 in der Englischschulaufgabe vor Ärger aus seinem Bett gefallen. Jetzt hat er sich den Arm gebrochen. Wir haben ihn alle ins Krankenhaus gebracht, wo sie es festgestellt haben. Jetzt kann er nicht mehr am Musikwettbewerb mit unserer Band teilnehmen!“ „Ach, Adriane, mach dir keine Sorgen. Das heilt doch wieder!“, meinte die Tochter Koloboks. Kolobokini schloss Adriane in ihre Arme, und beide gingen in ihr Zimmer. „Mensch, Adriane, eine Sechs ist doch so schwer zu verkraften! Außerdem, wohin?“

Kolobok auf Wanderschaft

Nach einiger Zeit ging es dem Mädchen wieder einigermaßen gut. Jetzt liefen sie wieder in den Garten und bauten das Baumhaus fertig. Die Matratzen, die sie hinein haben wollten, trug ihnen der Chef der Großbäckerei Ilya in die Hütte. Als dann die Einrichtung fertig war, holten sie Kolobokinis Brüder sowie deren Freunde. Diese hatten die Tür schon fertig und brauchten sie nur noch einbauen. Schließlich konnte man die Hütte einweihen. Die Koloboks beschlossen am nächsten Tag den Bau des Häusles zu feiern. Kolobkini und Adriane wollten gleich die nächste Nacht darin verbringen. Adriane lief deshalb heim und fragte. Als sie wiederkam, meinte sie jauchzend: „Juhu, ich darf! Mama meinte, das wäre eine gute Ablenkung für mich!“ Bei der Einweihungsfeier ging es lustig zu. Sie tauften ihr Baumhaus mit einer Flasche Kolobokchampagner, die sie auf dem Dach zerschmetterten, auf den Namen „Brotfestung“! Sie feierten noch lange. Adriane und Kolobokini gingen erst spät ins Bett. Die beiden schliefen in ihrer Brotfestung, jeder auf einer Matratze. Sie redeten noch ein wenig, dann schliefen sie erschöpft ein. Plötzlich wachte Adriane wegen eines seltsamen Geräusches auf. Jemand schrie: „Huuh, huuh! Ich bin ein Mörder!“ Adriane zitterte wie Espenlaub. Sie weckte schnell Kolobokini, die auch sofort weiche Knie bekam! Die beiden klammerten sich aneinander und schrien um Hilfe. Die unheimliche Stimme fing wieder an: „Huuuh, huuh! Wir sind Mörder!“ „Die haben doch nicht etwa meinen Bruder umgebracht!!!“, flüsterte Adriane erschrocken und zog sich ihre Decke über den Kopf. „Doch, doch, das haben wir!“, flüsterte es geheimnisvoll. „Wir erobern jetzt die Brotfestung!“ „Nein, nein, nein!!! Das habt nicht“, schrie Adriane. Sie weinte fast. Kolobokini sagte gar nichts, sie war stocksteif vor Schreck! Langsam taute ihr Körper wieder auf: „Wir müssen nachschauen, wer da ist!“ „Nein, nein, ich will nicht wissen, wer meinen Bruder ermordet hat!“, brüllte Adriane. Das Brot schaffte es, langsam aufzustehen. Es schlich zur Tür und forderte seine Freundin auf, ihm zu folgen. „Wir öffnen die Tür bei drei, ok?“ Adriane nickt mit Widerwillen. Kolobkini gibt die Zeichen mit der Hand: 1… 2… 3… Sie rissen die Tür auf.

Wladimirer Brotkombinat mit Kolobok als Symbolfigur

Die Fortsetzung wird für die nächste Humblatt-Ausgabe angekündigt, doch da ist sie aus geheimnisvollen Gründen nie erschienen. Nur der Blog weiß, was die beiden hinter der Tür erwartet, und darf mit Erlaubnis der anonymen Autorin das Ende der Geschichte bald kundtun. Also: Dranbleiben lohnt sich! Und auch nachblättern, wie z. B. unter: http://is.gd/ODdOHw

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