Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘deutsch-russischer Studentenaustausch’


Es soll ja in Erlangen noch immer den einen oder anderen geben, der noch nie in Rothenburg war. All denen haben die unternehmungslustigen Studentinnen aus Wladimir, Polina Foliforowa und Jekaterina Ragusina, etwas voraus. Sie setzen sich – mir nichts, dir nichts – am letzten Wochenende in die vielen leeren Züge und genossen einen Tag im fränkischen Susdal – ohne das sonst dort übliche Geschiebe und Gedränge von Touristenmassen.

Polina Foliforowa und Jekaterina Ragusina

Und, jetzt kommt’s, die beiden drehten ihr mittlerweile zweites Video für TV Мы – frisch, fröhlich und erstmals mit deutschen Untertiteln. Also anklicken und ab nach Rothenburg. Gute Reise!

Read Full Post »


Ja, wer hätte das gedacht! Trotz Pandemie und Reisewarnungen, trotz Rückholaktionen und Quarantänebestimmungen sind zwei Studentinnen aus Wladimir seit Anfang März in Erlangen und bleiben noch bis Ende des Semesters, also bis Anfang August. Sie vermissen natürlich den üblichen Lehrbetrieb, den ungezwungenen Umgang mit Kommilitonen aus aller Welt, doch andererseits erleben sie nun dank dem Programm „Erasmus +“ die Partnerstadt auf eine ganz außergewöhnliche und sicher einmalige Art und Weise.

Jekaterina Ragusina und Polina Foliforowa

So jung die beiden angehenden Germanistinnen sind – 22 Jahre -, so viel an Erfahrung bringen sie schon mit: Teilnahme am Projekt Mix-Tour in Jena oder an den Deutsch-Russischen Jugendforen in Hamburg und München sowie ehrenamtliche Mitarbeit im Euro-Klub Wladimir. Nun suchen die Gäste auch in Erlangen einen Praktikumsplatz, der es ihnen ermöglicht, mehr Einblick in Arbeit und Leben der Menschen in Erlangen zu erhalten.

Amil Scharifow, Polina Foriforowa und Jekaterina Ragusina

Da bietet sich schon einmal an, nicht nur TV Мы ein erstes Interview zu geben, sondern selbst zu Handy und Notizblock zu greifen und kleine Reportagen für die Daheimgebliebenen zu drehen. Wie sich das anläßt, ist hier im Gespräch auf der Parkbank in Erlangen

und da auf der Reise nach Regensburg zu sehen:

Read Full Post »


Man sieht es den fünf Lehramtsstudentinnen von der Staatlichen Universität Wladimir fast schon an, auch wenn sie sich den Schock nicht anmerken lassen wollen. Am Dienstag in Erlangen voll Vorfreude auf drei Wochen am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde eingetroffen, in gastfreundlichen Familien untergebracht, gerade erst in den verschiedenen Klassen, Kursen und Fächern mit den deutschen Gleichaltrigen warmgeworden – und dann die Nachricht gleich vor dem Unterrichtsbeginn und noch vor der großen Pressekonferenz in München zum Thema „Corona-Virus und seine Folgen“: Ab Montag bleiben alle Bildungseinrichtungen geschlossen, das öffentliche Leben wird so weit wie möglich heruntergefahren.

Dozentin Swetlana Steinbusch und ihre Wladimirer Studentinnen

Es dauerte dann doch einige Stunden, bis sich die Gäste vom Schreck erholt und eine Entscheidung getroffen hatten. Zunächst freuten sich einige noch auf die bevorstehende Möglichkeit, die viele freie Zeit auf eigene Faust zu nutzen, andere wollten sofort die Rückreise antreten. Schließlich setzte sich am Freitagabend die Vernunft durch: Umbuchen und heute den vorerst letzten Flug der Aeroflot von München nach Moskau nehmen, denn ab morgen heben die Maschinen nur noch in Berlin mit Richtung russische Hauptstadt ab. In Wladimir erwartet die Gruppe – nach Fiebermessen am Flughafen – dann eine zweiwöchige Quarantäne. Mit ihnen reist unsere Hoffnung, die Zahl der positiv auf den neuartigen Corona-Virus getesteten Infizierten – derzeit landesweit 59 – möge mit den Heimkehrerinnen nicht weiter steigen und Wladimir bleibe weiter verschont von der Pandemie. Und dann – sie sind ja noch jung – kann der Besuch in Erlangen sicher eines Tages in voller Länge nachgeholt werden. Gute Reise und gesund bleiben!

Read Full Post »


Seit dem Herbst hat das für die Städtepartnerschaften und Internationalen Beziehungen zuständige Team Verstärkung aus Wladimir. Mehr noch: Die junge Frau verlängert ihren zunächst auf ein Semester begrenzten Aufenthalt bis zum kommenden Sommer. Doch lesen Sie selbst:

Ich heiße Polina Timofejewa und studiere im achten Semester an der Staatlichen Universität Wladimir. Dank meinen Studienerfolgen in diesem Jahr erhielt ich die einmalige Chance, eine Praktikum im Bürgermeister- und Presseamt, Büro für Chancengleichheit und Vielfalt, zu absolvieren.

Polina Timofejewa

Kurz zur Vorgeschichte: Seit meiner Kindheit mag ich Fremdsprachen. Ich besuchte ein neusprachliches Gymnasium, ging ans Amerikanische Haus in Wladimir… Nach der Schule entschied ich mich dafür, weiter Sprachen an der Universität zu studieren und meine Zukunft an sie zu knüpfen. Obwohl ich in der Schule Französisch hatte, wählte ich bei meiner Immatrikulation Deutsch als erste Fremdsprache. Ich hatte meine Gründe dafür und brauchte meine Entscheidung noch kein einziges Mal zu bedauern.

Ich könnte nicht sagen, das Studium einer neuen Sprache habe mir große Schwierigkeiten bereitet. Dazu trugen sehr meine Englischkenntnisse und wahrscheinlich die unglaublich sensiblen und erfahrenen Dozenten bei, die uns Tag für Tag motivierten und uns eine feste sprachliche Grundlage beibrachten.

Allerdings hätte ich mir bei der Wahl von Deutsch als mein Hauptfach nicht vorstellen können, einige Jahre später in einem Rathaus in Deutschland zu sitzen und einen Artikel über meine Erfahrung zu schreiben. Solche Möglichkeiten bieten sich nicht jedem, und ich bin unendlich glücklich und meinen Dozenten und Peter Steger dankbar für diese Gelegenheit.

Eine meiner Aufgaben ist es hier, im Büro für Chancengleichheit und Vielfalt, die Zusammenarbeit der Partnerstädte Erlangen und Wladimir zu unterstützen. Während meines Praktikums konnte ich bereits an einigen Veranstaltungen teilnehmen und beispielsweise helfen, den Empfang für einen Kriegsveteranen oder die Auftritte einer Rockband aus Wladimir zu begleiten.

Außerdem beteilige ich mich an der Herausgabe eines Buches mit Erinnerungen von „Kriegskindern“. Ich übersetze die erlebten Geschichten von Menschen, die am eigenen Leib all die Beschwernisse des Krieges durchmachten. Ich hoffe, damit meinen noch so kleinen Beitrag zum globalen Problem, der Schaffung des Friedens auf der ganzen Welt, leisten zu können.

Mein Praktikum im Erlanger Rathaus absolviere ich neben meinem Studium an der Friedrich-Alexander Universität, das sicher auch zu den Hauptzielen meines Aufenthaltes hier gehört. Das Studium in Deutschland unterscheidet sich etwas von dem an russischen Universitäten. Hier ist mehr Selbständigkeit und Aufmerksamkeit gegenüber den Details gefordert.

Die Erfahrungen, die ich hier sammle, können in ihrem Wert gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ich lerne jede Menge Leute kennen, angefangen bei Studenten aus den unterschiedlichsten Ländern bis zum Oberbürgermeister von Erlangen. Außerdem konnte ich meine Kenntnisse im Deutschen und Englischen verbessern, verschiedene Städte und Länder bereisen, neue Freunde finden, viel Neues über die deutsche Kultur erfahren, Bratwurst und Sauerkraut probieren, das Oktoberfest besuchen, wo mich faszinierte, wie die Deutschen in Tracht auf den Tischen tanzen. Ich trank Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt und erhielt vom Nikolaus ein Geschenk, das er mir in die Stiefel steckte…

Abschließend möchte ich betonen, wie sehr ich mich über die positiven Gefühle und die Erfahrungen freue. Und ich kann die neuen Eindrücke dieses wunderbaren Programms gar nicht erwarten!

Polina Timofejewa

Read Full Post »


Nach dem Frühjahrsbesuch einer Gruppe der Staatlichen Wladimirer Universität am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde, setzte nun ein Trio aus Erlangen den Austausch im Herbst fort. Heute dazu der Bericht. Übrigens laufen bereits die Planungen für die Begegnungen im Frühjahr 2020.

Am 10. September dieses Jahres ging es los. Für mich war es bereits die zweite Reise nach Wladimir, für meine beiden Kommilitonen die erste.

Das Trio vom IFA in Moskau

Wir kamen überpünktlich am Münchner Flughafen an und landeten um etwa 18 Uhr Ortszeit in Moskau Domodjedowo. Wir wurden von drei Studentinnen der Staatlichen Universität Wladimir empfangen und machten uns gemeinsam auf den Weg nach Wladimir. Ohne Stau ist das eine Strecke von ungefähr drei Stunden, wir brauchten gut fünf und kamen um Mitternacht herum in unseren Gastfamilien an.

Am nächsten Tag lernten wir die Pädagogische Fakultät und unsere Dozentin für die kommenden drei Wochen kennen. Die Studentinnen unserer Gastfamilien sind, im Gegensatz zu uns, an der Universität für das Lehramt eingeschrieben. Unser Schnittpunkt ist ihr Deutschunterricht, weswegen sie im Frühjahr 2020 zu uns an das Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde kommen. Nach dem kurzen Kennenlernen folgte eine Stadtführung mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Allen voran das Goldene Tor (das eigentlich weiß ist) und die Mariä-Entschlafens-Kathedrale, eine sehr schöne, strahlend weiße Kirche mit goldenen Kuppeln, umgeben von einem kleinen Park und Blumenbeeten. Direkt bei der Kathedrale befindet sich auch eine der bekanntesten Aussichtsplattformen, von der aus man einen wunderbaren Blick auf das Umland und die Kljasma hat.

Abendstimmung in Wladimir

Wir hatten täglich drei Stunden Sprachunterricht bei einer extra für uns abgestellten Dozentin, die kaum Deutsch sprach. Wir einigten uns gleich am ersten Tag darauf, den Fokus auf das Sprechen zu legen, weshalb wir viele Gespräche führten. Außerdem zeigte die Dozentin uns einen amerikanischen Russischlehrfilm, in dem ein Alien nach Sankt Petersburg geschickt wurde, um dort warme Kleidung und Schnaps gegen die auf seinem Heimatplaneten hereinbrechende Eiszeit zu kaufen. Wir konnten aus dem Sprachunterricht viele neue Wörter und Redewendungen mitnehmen.

In unserer ersten Woche besuchten wir eine Vorführung internationaler Tänze, die sehr farbenprächtig gestaltet war. Ansonsten nutzten wir die unterrichtsfreie Zeit, um durch die Stadt zu spazieren, Straßenhunde zu streicheln (wir haben uns danach die Hände gewaschen) und vor allem, um uns mit den Studentinnen und unseren Gastfamilien besser bekannt zu machen.

Ich für meinen Teil kann sagen, großes Glück mit meiner Gastfamilie zu haben, die mich sehr herzlich aufnahm. „Meine“ Studentin lebt mit ihren Eltern, ihrem kleinen Bruder und einer Katze in Laufnähe zur Universität. An dieser Stelle möchte ich ganz kurz das unglaublich leckere Essen erwähnen, das meine Gastmutter zubereitete.

Russische Küche in Wladimir

In der darauffolgenden Woche wurde es bereits deutlich kühler; während zu Hause in Deutschland noch kuschelige 20 Grad herrschten, waren es bei uns gut zehn weniger. Wir besuchten das Frauenkloster im nahen Bogoljubowo. Der Innenraum der dortigen Kirche ist sehr schön und mit reichlich Gold verziert.

Zwei Tage später fuhren wir gemeinsam mit ein paar Studenten und einer Dozentin nach Susdal. Susdal gehört ebenso wir Wladimir zum sogenannten Goldenen Ring, einer beliebtesten Touristenroute durch einige der ältesten Städte des Landes; Moskau gehört auch dazu. Miteinander verbunden bilden diese Städte auf der Karte mehr oder weniger einen Kreis, daher der Name. In Susdal besichtigten wir ein Männerkloster, kletterten auf den höchsten Kirchturm und besuchten das sehr zu empfehlende Freilandmuseum, in dem Bauernhäuser und auch ein paar Stabkirchen aus verschiedenen Jahrhunderten aufgebaut sind.

Theaterkarten zum Stück „Die Nacht vor Weihnachten“ von Nikolaj Gogol

Die Zeit verging wirklich wie im Flug. Unsere letzte Woche in Wladimir begann mit einem abendlichen Theaterbesuch. Es war ein Puppentheater und wahrscheinlich eher für Kinder gedacht, doch die Schauspieler machten einen tollen Job, und das Stück war sehr liebevoll inszeniert. In dieser Woche durften wir auch einmal am Deutschunterricht an der Fakultät teilnehmen. Die Interaktion mit den russischen Studentinnen im tatsächlichen Unterricht war für uns sehr interessant und hat uns große Freude bereitet. Unserer Ansicht nach profitieren beide Seiten sehr von gemeinsamen Stunden.

Moskauer Nächte sind hell

Gegen Ende unseres Aufenthalts fuhren wir nach Moskau – eine unglaublich riesige Stadt. Wir kamen vormittags an und fuhren im Verlauf des Tages kreuz und quer durch die Stadt. Obligatorisch waren natürlich der Rote Platz und das GUM, danach spazierten wir durch die Nikolskaja-Straße direkt am Roten Platz.

Blick auf den Zentralen Park Wladimir

Nach einer kurzen Kaffeepause fuhren wir mit der Metro zum sehr weitläufigen Ausstellungsgelände WDNCh. Dort befinden sich unter anderem verschiedene Ausstellungspavillons, ein Erinnerungsmuseum an Kosmonauten und ein großer „Brunnen der Völkerfreundschaft“ mit goldenen Frauenstatuen, die jede ein Mitgliedsland der ehemaligen Sowjetunion repräsentiert. Ein beliebtes Motiv auf diesem Ausstellungsgelände ist дедушка (Opa) Lenin.

Abends folgte noch eine Stadtrundfahrt durch das nächtliche Moskau. Wir waren zwar unglaublich erschöpft, aber gelohnt hat es sich dennoch. Wir sahen den beleuchteten Kreml, besuchten verschiedene Wirkungsstätten bekannter Wissenschaftler vergangener Jahrhunderte, das Geschäftszentrum Moscow City, fuhren am Fußballstadion Luschniki vorbei und waren zu guter Letzt wieder am Roten Platz, der nachts wirklich angenehm leer ist. Alles in allem reichen aber eineinhalb Tage natürlich kaum für eine Metropole wie Moskau, es gibt noch eine ganze Menge dort zu entdecken und zu besuchen.

So endeten unsere drei Wochen in Wladimir, und wir flogen zurück nach Deutschland. Wenn man etwas länger im Ausland verbracht hat, braucht man danach wieder einige Tage, um wirklich wieder zu Hause anzukommen. Wir haben sehr viel erlebt und gesehen und konnten die Kultur und die Lebensweise des Gastlandes ein wenig kennenlernen.

IFA

Das Erlanger Trio mit mit dem Wladimirer Quartett

Abschließend möchten wir betonen, wie bereichernd so eine Städtepartnerschaft sein kann. Es ist unglaublich toll, diesen Austausch machen zu dürfen, und wir können jedem Zweifler nur dazu raten, es uns gleichzutun.

Loreena Götz

Read Full Post »


Am 26. September stand der Europäische Tag der Sprachen im Kalender, den der Euroklub Wladimir zu einer Konferenz mit Schülern und Studenten nutzte. Mit dabei auch Gäste aus Schweden, vor allem aber auch aus Jena, virtuell zugeschaltet. Da ging es dann mit den Freiwilligen zu wie im Turm zu Babylon, denn die Eurowerkstatt an der Saale bevölkern derzeit Jugendliche aus Spanien, Italien, Bulgarien, Frankreich und der Türkei sowie, selbstredend, aus Wladimir.

Alle Teilnehmer hatten die Möglichkeit, ihre Fremdsprachenkenntnisse zu erproben. Und es gelang! Es wurde auch Deutsch gesprochen, insbesondere wie zu unserer Online-Konferenz auch Austauschstudenten aus Erlangen kamen, die gerade ihren dreiwöchigen Austausch an der Universität beendeten. Im Ergebnis kamen wir alle zu dem Schluß, wir sollten den Dialog fortsetzen, um gemeinsam neue Projekte umzusetzen. Und natürlich interessierten sich alle für die Kultur und Tradition der altehrwürdigen Stadt Wladimir, die auch die zugeschalteten Jugendlichen einmal besuchen wollten. Wir bleiben im Dialog!

Obengenannte Austauschstudenten sind inzwischen wieder zu Hause und setzen ihre Ausbildung am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde fort, wenn sie nicht gerade fleißig an ihrem Bericht für den Blog schreiben. Unterdessen kamen aber zum Tag der Einheit auch wieder Wladimirer Freiwillige nach Erlangen. Eine schon langjährige, gute Tradition, zumal die Einheit Deutschlands ohne das fördernde Mitwirken der UdSSR nicht denkbar wäre. Man stelle sich – horribile dictu – nur einmal vor, was geschehen wäre, wenn die SED von der KPdSU grünes Licht für ihre Pläne zur Niederschlagung der Friedlichen Revolution erhalten hätte.

Iwan Nisowzew, Jewgenij Sacharjewitsch, Xenia Muchajewa, Elisabeth Preuß und Matthias Bettenhäuser

So wäre dann auch nie jenes Video vom WladJenaTeam entstanden, das Sie hier sehen können: https://is.gd/YmEqx6.

Erster Schnee in Wladimir, Taufe-des-Herrn-Kapelle

Und als Dreingabe noch eine Impression aus Wladimir, wo gestern der erste Schnee fiel.

Read Full Post »


Auch der mittlerweile zwölfte zweiwöchige Deutschkurs an der Volkshochschule in Folge ging gestern für die Gäste aus dem Erlangen-Haus mit einem von der Wladimirer Gruppe gestalteten Abschiedsabend zu Ende. Ein wenig vorgezogen, denn nach Hause brechen die 16 zumeist jungen Besucher ja erst am Montag wieder auf. Aber heute heißt es zum letzten Mal die Schulbank im Club International drücken und das eigens zusammengestellte Lehrprogramm abzuschließen, bevor das Wochenende noch Ausflüge nach Bayreuth und in die Fränkische Schweiz bringt, zusammen mit dem Freundeskreis Wladimir, der sich von Besuch zu Besuch mit seinen Angeboten immer weiter steigert.

Iwan Schtscherbakow

Die Gäste wissen das zu schätzen und sind denn auch voll des Lobes für die Volkshochschule und Reinhard Beer, den „Vater dieser Sommerkurse“, den Freundeskreis Wladimir und natürlich besonders für die Familien, bei denen man sich „wie die eigenen Kinder fühlen“ durfte, wie es die mitgereiste Deutschlehrerin aus dem Erlangen-Haus, Jekaterina Ussojewa, so anrührend ausdrückt. Und so durften sich gestern abend, dem bisher heißesten Tag in der Wettergeschichte Erlangens, die Gastgeber entspannt zurücklehnen und genießen, was ihnen die russische Dankbarkeit zu bieten hatte. Iwan Schtscherbakow – Sie erinnern sich, der Feuermann? – brachte sogar einen in der Küche von Heidi und Jürgen Binder selbstgebackenen Apfelkuchen mit, der sinnbildlich für die liebevolle Phantasie steht, mit der die Gäste zu Werke gingen.

Wie sehr die Kommunalpolitik in Erlangen diese Bürgerpartnerschaft schätzt, erlebte die Gruppe dann aber auch, als Bürgermeisterin Elisabeth Preuß die Pause der Stadtratssitzung nutzte, um allen ihre Anerkennung auszusprechen und auf die unverzichtbare Bedeutung der Volksdiplomatie hinzuweisen. Dabei gehört die Politikerin selbst zum engen Kreis dieser Verständigung über die Grenzen hinweg, denn immer wieder nimmt sie selbst Besucher aus Wladimir bei sich auf. So auch dieses Mal in Person von Jekaterina Ussojewa.

Elisabeth Preuß vor dem Auditorium im Club International

Seit Juni vergangenen Jahres gehört die Germanistin, die in Sankt Petersburg studierte und dann in ihre Heimatstadt zurückkehrte, zum sechsköpfigen Dozententeam am Sprachlernzentrum des Goethe-Instituts in Wladimir. Zum ersten Mal ist sie nun – nach zwei vorgelagerten Besuchen in Berlin – in Erlangen und leitete nicht nur die Gruppe souverän, sondern führte auch ebenso selbstischer wie sympathisch durch das deutsch-russische Unterhaltungsprogramm des Abends.

Jekaterina Ussojewa und Elisabeth Preuß

Auch Igor Rjaschtschenko kennt Deutschland von früheren Besuchen und kam nun zum ersten Mal in die Partnerstadt, wo Matthias Utzschneider ihm Kost und Logis mit nicht ausgeschlossener späterer Freundschaft bietet. Der Sänger seinerseits kennt Wladimir vom vorjährigen Auftritt seines Chores „Vocanta“ und will der nicht mitgereisten Frau des Gastes helfen, vielleicht einmal mit ihrem Puppentheater nach Erlangen zu kommen. Wenn man so hineinhört in die Gespräche, ist ohnehin immer wieder zu vernehmen, wie da auch ganz neue Verbindungen entstehen, die in der Zukunft die Städtepartnerschaft auf ihre Weise prägen dürften. Denn, das sei nie vergessen: Wer an diesen Sommerkursen – gleich auf welcher Seite – teilnimmt und mitwirkt, spielt stets auch eine Rolle im deutsch-russischen Miteinander und der Gestaltung von Beziehungen zwischen unseren Städten und Ländern.

Igor Rjaschtschenko und Matthias Utzschneider

Zum Kanon des Unterrichtsprogramms gehört von Beginn an die Stadt-Rallye, bei der die Kursteilnehmer in zumeist dreiköpfigen Teams ausschwärmen, um im „gemischten Doppel“ im Praxistest Erlangen zu erkunden und – dieses Mal – 18 Fragen zu beantworten, von denen die nach der täglich über die Städtepartnerschaft berichtenden Internetquelle noch die einfachste war. Die Siegertroika schaffte dabei etwas, das es so bisher nicht gegeben hatte: Das Trio machte keinen einzigen Fehler und holte alle 18 Punkte. Dazu war übrigens auch folgendes Rätsel zu lösen: „Es hat zwei Flügel und kann doch nicht fliegen. Es hat einen Rücken und kann doch nicht liegen. Es trägt eine Brille und kann doch nicht sehen. Es hat ein Bein und kann doch nicht stehen. Zwar kann es laufen, aber nicht gehen.“ Hätten Sie es gewußt? Kleine Denkhilfe für Literaturfreunde: Es handelt sich um ein Organ, dem Nikolaj eine seiner klassischen Grotesken widmete.

Artjom Isjumow, Jekaterina Tatarnikowa, Nadeschda Stachowskaja und Reinhard Beer bei der Verleihung des 1. Preises

Lew Kopelew, der Weltkriegsveteran, Autor und große Friedensstifter zwischen Russen und Deutschen, meinte einmal, ein guter Wille könne vieles leisten, auch den bösen Gewalten widerstehen und sie sogar bewältigen. Diesen guten Willen zeigten am gestrigen Abend alle. Möge er nicht der letzte seiner Art gewesen sein!

Erlangen-Haus 12

Siehe auch: https://is.gd/2sAgrM und https://is.gd/9VBTuU

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: