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Posts Tagged ‘deutsch-russischer Rockbandaustausch’


Während seit Montag das Jens-Magdeburg-Trio in Wladimir seine Jazz-Konzerte gibt, heute im Blog ein musikalischer Rückblick auf das Newcomer Festival des vergangenen Jahres, bei dem Sachar Usenko, unterstützt von Dmitrij Wladimirow, seine internationale Feuertaufe auf der Bühne erlebte.

Sachar Usenko mit Dmitrij Wladimirow an der Gitarre

Aufgenommen hat den umjubelten Auftritt Alexander Usenko, der Vater des jungen Rocksängers, sehen und hören kann man das musikalische Gewitter hier: https://is.gd/q5X4LV

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Grollende Gitarrengewitter entluden sich gestern beim 39. Newcomer Festival im E-Werk, von düster-dräuendem Donner bis zu blitzenden Blackouts oder strahlendem Sternenfunk und schmetterndem Trompetenschall war da alles zu hören, was den Rockhimmel über Erlangen so alles bevölkert. Man kann dem Team um Lorena Seipp nur zu dem neuen Konzept gratulieren.

Sachar Usenko und Dmitrij Wladimirow

Sachar Usenko und Dmitrij Wladimirow

Selten war mehr Publikum da, selten gab es bessere musikalische Qualität aller Stilrichtungen und Cross-Over-Spielarten auf die Ohren. Das Konzept hatte sich bewährt, die Vorentscheidungen auf verschiedene Jugendklubs zu verteilen und dann zum eigentlichen Wettbewerb gestern abend nur noch die sechs besten Bands antreten zu lassen.

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Als Special Guest dann vor der Preisverleihung Free Fire aus Wladimir, die sicher ungewöhnlichste Formation des Festivals und eine echte Newcomer-Formation, die da vor großem Publikum ihre Feuertaufe bestand.

Dmitrij Wladimirow

Dmitrij Wladimirow

Gut, Dmitrij Wladimirow spielt und singt seit 15 Jahren, weiß, wie der Hase auf der Bühne läuft, aber seine Entdeckung, Sachar Usenko, gerade erst elf Jahre geworden, kann seit der Gründung von Free Fire im März erst auf eine Handvoll Auftritte in Wladimir zurückblicken. Und doch zeigt er bei dem halbstündigen Höllenritt durch die Rock-Klassik und eigene Kompositionen seines musikalischen Ziehvaters schon ein Maß an stimmlicher, mimischer und gestischer Präsenz, vor allem freilich einen lausbübischen Spielwitz, als gehörte er einfach auf die Bühne, als wäre sie schon ganz seine Welt.

Free Fire in concert

Free Fire in concert

Man darf also gespannt sein, was aus dem rockenden Steppke wird, vor allem dann, wenn es nach Dmitrij Wladimirows Plänen geht, und eine richtige Band für Sachar Usenko zusammenzustellen.

Dmitrij Wladimirow, Florian Janik und Sachar Usenko

Dmitrij Wladimirow, Florian Janik und Sachar Usenko

Und dann auch noch ein Lob aus dem Mund von Florian Janik, einem echten deutschen Oberbürgermeister. „Das hat mich dann umgehauen“, meinte der eben noch so wild über die Bühne stürmende Sänger.

Siegerband Zweiraumsilke

Siegerband Zweiraumsilke

Schier umgehauen hat es dann aber auf der Bühne auch die erst vor einem Jahr gegründeten Zweiraumsilke, ein zwölfköpfiges Ensemble, das ebenso unbekümmert wie gekonnt vereint, was zusammengehören kann, wenn man es denn kann: Hip-Hop, lateinamerikanische Klänge, Brass, Funk und Pop mit einer hinreißenden Show, wo es auch schon einmal zu einem öffentlich ausgetragenen musikalischen Geschlechterkampf – um nicht Ehestreit zu sagen – kommt. Sehens- und hörenswert – und von Publikum wie Jury mit der höchsten Punktzahl bewertet und damit die Band, die im nächsten Jahr nach Wladimir reisen darf. „Wir freuen uns auf die Truppe, die haben es verdient, und wir werden sie auch bei uns feiern“, zeigte sich Dmitrij Wladimirow wenig überrascht von dem Votum. „Die kriegen auch unser Publikum!“ Einen Vorgeschmack gibt es unter: https://is.gd/mvOtNP

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Frei nach Bob Dylan zeigt sich der Rockband-Austausch mit Wladimir gerade heuer, in seinem siebten Jahr, „forever young“, und die Formation aus der Partnerstadt, die heute abend ab 22.25 Uhr auf der Club Bühne steht, entspricht nachgerade idealtypisch den Anforderungen des Newcomer Festivals. Das Duo Free Fire gibt es nämlich erst seit März, und der Sänger, Sachar Usenko, ist just bei seiner Ankunft in Erlangen am Mittwoch ganze elf Jahre alt geworden.

Stephan Beck, Karin Lippert, Susanne Lender-Cassens, Sachar Usenko, Dmitrij Wladimirow und Alexander Usenko

Stephan Beck, Karin Lippert, Susanne Lender-Cassens, Sachar Usenko, Dmitrij Wladimirow und Alexander Usenko

Entdeckt hat die junge Stimme mit dem Gitarristen und Sänger Dmitrij Wladimirow jemand, der bereits vor zehn Jahren die erste eigene Band gründete und seit seinen drei Besuchen in Erlangen in wechselnder Besetzung von Stephan Beck, Leiter des Amts für Stadtteilkultur und Kulturförderung als Verbindungsmann in Sachen Rockmusik gehandelt wird. Damals freilich, vor einem knappen Jahr, sang sein musikalischer Ziehsohn noch eher lyrische Lieder und Werke der leichten Muse.

Susanne Lender-Cassens, Sachar Usenko und Dmitrij Wladimirow

Susanne Lender-Cassens, Sachar Usenko und Dmitrij Wladimirow

Dabei brannte der Schüler doch schon lange für Rockmusik, wie Dmitrij Wladimirow – ihm waren Stimme und Stimmung des Nachwuchsinterpreten bei einer Veranstaltung aufgefallen – zu seiner eigenen Freude gleich beim ersten Gespräch mit Sachar Usenko entdeckte. Von dieser ersten Begegnung war es dann nicht mehr weit bis zur Gründung von Free Fire im März diesen Jahres. Und nun schon das Gastspiel in Erlangen mit einem ersten Auftritt am Donnerstag im E-Werk bei „Umsonst und Drinnen“, eine gelungene Generalprobe für die beiden – und besonders natürlich für Sachar Usenko, der Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens beim Empfang mit seinem verschmitzten Lächeln erzählt, er singe zwar jetzt zum ersten Mal im Ausland, aber er habe auch schon an dem Wettbewerb „Offiziersbrücke“ auf einer Fähre in der Ostsee teilgenommen – und, wie er dann mit witzblitzendem Augenaufschlag nachreicht, den ersten Platz gewonnen.

Stephan Beck und Sachar Usenko

Stephan Beck und Sachar Usenko

Mag der Junge auch ein Naturtalent sein, ohne Förderung in der Familie ist derlei kaum denkbar. Alexander Usenko, der seinen Sohn begleitet, erzählt denn auch gern davon, wie er in seiner Jugend den Rock entdeckte, ebenso wie seine Frau eine musikalische Ausbildung machte und im Freundeskreis gern Jazz singt. Da verwundert es nicht weiter, wenn der Sängerknabe auch Klavier spielt und eine Musikschule besucht, wo es gilt, auch Stücke von Ludwig van Beethoven zu spielen, der freilich spätestens seit Chuck Berrys „Roll over Beethoven“ auch vom Rock vereinnahmt ist.

Alexander und Sachar Usenko mit Dmitrij Wladimirow

Alexander und Sachar Usenko mit Dmitrij Wladimirow

Bleibt noch hinzuzufügen: Das Repertoire von Free Fire setzt sich aus gecoverten Rock-Classics, aber auch eigenen Stücken zusammen, und es gibt bereits Pläne, eine richtige Band um das Duo herum aufzubauen. Man traut es den beiden zu, und wenn Sachar weiter so fleißig Deutsch lernt wie in den ersten drei Monaten am Gymnasium, sieht man ihn sicher nicht nur bald auf der Bühne wieder, sondern auch beim Schüleraustausch. Der Junge hat jedenfalls noch viel vor und noch viel mehr vor sich.

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Hier nun der dritte und leider letzte Teil des Tourtagebuchs der Band The Variety Show:

Sonntag, der 18.09.2016
Am letzten Tag unseres Aufenthalts wurden wir von Stanislaw und Igor bereits um 9.15 Uhr im Hotel abgeholt, um ins ca. zwei Autostunden entfernte Murom zufahren. Dort sollten The Variety Show am Abend mit sechs lokalen Bands aus Wladimir und Murom  eine Clubshow spielen. Auf der relativ langen Anreise bekamen wir einen umfangreichen Eindruck vom ländlichen russischen Baustil. Die Häuser entlang der Straße sind meist aus Holz gebaut und mit schönen Verzierungen im Bereich der Fenster ausgestattet. Igor lenkte uns mal wieder still und schweigend über die holprigen Straßen.

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Unser Fahrer Igor.

Kurz nachdem wir die Stadtgrenze von Murom passiert hatten, hielten wir am Straßenrand an, um unseren heutigen Gastgeber, Maxim Jegorkin, kennenzulernen. Er und sein Begleiter wollten unseren Aufenthalt in Murom komplett dokumentieren und hielten uns deshalb sofort ihre GoPro-Kameras vor die Gesichter. Als besonderes Special hatte sich ein Mitglied des lokalen Motorradklubs angeboten, einen von uns bei einer Fahrt durch Murom auf seinem Motorrad mitzunehmen. Stanislaw war dann der Meinung, Milan eigne sich als Frontmann am besten für diesen Job. Also stieg er hinter den Biker, und die beiden sausten durch die kalte Luft davon. Unser Busfahrer Igor hängte sich dran,  und ich fühlte mich, als hätten wir ihm die filmreife Anweisung „Los, folgen sie dem Motorrad!“ gegeben.

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Milan Lukaschek und der Biker vom Motorradclub Murom.

Wir trafen Milan und den Biker sowie unsere Gastgeber dann wieder beim ersten Sightseeing-Ziel, dem Dreifaltigkeitskloster. Wir wurden von einer russisch sprechenden Reiseführerin über das Gelände geführt, deren Schilderungen Stanislaw für uns übersetzte. Unsere beiden Begleiter liefen begeistert mit ihren Kameras um uns herum, um jedes Detail unseres Aufenthalts für die Ewigkeit festzuhalten. Den Höhepunkt zum Ende unserer Führung über das Areal des Klosters bildete die Besichtigung eines Glockenturms, in dem die Jungs die Möglichkeit hatten, ein wenig auf den altmodischen Glockenspielen, die sich in dem kleinen Raum befanden, zu trommeln. „Egal wie schlechtgelaunt man in dieses Zimmer reingeht, am Ende kommt man mit einem Lächeln wieder heraus!“, meinte unsere Führerin dazu. Recht hatte sie.

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Milan Lukaschek und Paul Schütz nach unserem Besuch im Glockenturm.

Nach der Besichtigung beschlossen wir, einen kleinen Spaziergang entlang der Oka zu machen. Wir unterhielten uns angeregt mit Maxim und seinem Kollegen, die sich als Veranstalter des Konzertes entpuppten und uns erzählten, sie würden abends auch selbst mit ihren Bands spielen. Maxim war 2012 bereits mit seiner Band Heavy Loss im Rahmen unseres deutsch-russischen Bandaustauschs zu Gast beim Newcomer Festival im E-Werk. Wir unterhielten uns viel über Musik, unsere musikalischen Einflüsse und die unterschiedliche Wahrnehmung von Konzerten in unseren Ländern. Maxim hatte damals scheinbar einige amüsante Erfahrungen mit den fränkischen Fans gemacht…

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Gastgeber Maxim Jegorkin und The Variety Show an der Oka.

Nach unserem Spaziergang und einem leckeren Abendessen (Kartoffeleintopf) machten wir noch Halt in einem kleinen Musikgeschäft. Dort wurden Milan, Paul und Chris zu einer kleinen Jamsession gebeten. Nachdem sich Chris und Milan für ein Instrument entschieden hatten, setzte sich Paul hinter das E-Drumset. Sobald alle Instrumente gestimmt waren und das E-Schlagzeug über die Boxen tönte, begann die Jamsession, welche unsere beiden Gastgeber begeistert filmten. Anschließend begaben wir uns in den Club Soloto, in dem das Konzert stattfinden sollte. Der Saal befindet sich in einem riesigen, sehr edel gestalteten Gebäude. Als wir den Komplex betraten, konnten wir unseren Augen kaum glauben: Wir wurden von einem gigantischen Banner mit der Aufschrift „Willkommen beim Oktoberfest“ begrüßt. Gekonnt ignorierten wir das Banner und begaben uns in den dritten Stock des Gebäudes, in dem sich der Konzertraum befand. Dort verschlug es mir erstmal den Atem. Die Musiker, styletechnisch alle härteren Genres zuzuordnen, wirkten irgendwie deplaziert zwischen den schicken Ledersofas und Mamorpfeilern unter der verschnörkelten Steindecke.

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Milan Lukaschek beim Gitarrestimmen im Musikgeschäft.

Wir wurden von einer der lokalen Bands schüchtern begrüßt und trafen auch Andrej, den Techniker vom Vortag, wieder. Es wurde fleißig aufgebaut, während man uns in unseren luxuriös eingerichteten Backstageraum führte. Von nun an beschäftigten wir uns mit der Tourkrankheit schlechthin: Warten. Warten bis TVS mit ihrem Soundcheck dran sind, warten bis zur Einlaßzeit, warten bis der Auftritt beginnt, warten, warten, warten. Wir nutzten die Zeit, um noch ein paar Getränke zu kaufen, zu schlafen, Stopmotionfilme zu drehen und ein paar Bandbilder zu machen. Da Heavy-Loss-Sänger Maxim vor kurzem Geburtstag hatte, tranken wir mit ihm wieder ein klein wenig von seinem russischen Lieblingsgetränk.

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The Variety Show im Backstage: Paul Schütz, Milan Lukaschek und Christian Sachs

Als Milan und ich uns in die Chill-Out-Area vor dem Konzertsaal begaben, lernten wir einige russische Konzertbesucher kennen, die weder Englisch noch Deutsch sprachen. Mit Händen und Füßen sowie dem lieben Google-Übersetzer führten wir im Endeffekt eine sehr lustige Konversation. Stets „lost in translation“. Weniger „lost“ wirkte Maxim mit seiner Band Heavy Loss etwas später auf der Bühne. Der Sänger entpuppte sich als sehr energetischer Frontmann, das Publikum war gut gelaunt und moshte fleißig drauf los.

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Maxim Jegorkin mit seiner Band Heavy Loss.

Als fünfter Act des Abends spielte Wladimir-Techniker Andrej mit seiner Band Abandoned Land. Ihr Sänger positionierte sich vor der Bühne und headbangte das dreißigminütige Set über mit den Fans um die Wette. Bald darauf übernahmen The Variety Show die erwartungsvolle Meute. Die Fans klebten an der Bühne, anders als hierzulande schienen die russischen Fans das Phänomen „Angstkreis“ nicht zu kennen.

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Die erste Reihe beim Set von The Variety Show.

Die drei Musiker ließen sich von der Euphorie sichtlich anstecken und spielten das wildeste Set, das ich je von ihnen gesehen habe. Denn genau das wollten die Fans auch! Auf mehrfache Nachfrage von Sänger und Gitarrist Milan gaben sie der Band zu verstehen: Hier ist kein Platz für leise Töne, und die Jungs sollen gefälligst ihre lauten und wilden Songs abliefern. Die Leute waren gekommen, um zu moshen, nicht um einfühlsam-melancholischen Tönen zu lauschen. Trotz teils technischer Probleme und gefühlten 50 Grad im Club, gab die Band alles, um der kleinen Menge zu gefallen.

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The Variety Show live in Murom. Bandkommunikation on stage.

Die russischen Fans quittierten ihre Begeisterung am Auftritt anschließend, indem sie sich auf die Band stürzten und um Autogramme, Bilder und sogar Drumsticks bettelten. Nachdem alle neugewonnenen Fans mit CDs, T-Shirts, Autogrammen und Bildmaterial versorgt waren, wir den Backstage aufgeräumt und uns von den anderen Bands verabschiedet hatten, begaben wir uns in unseren Bus und traten die zweistündige Fahrt nach Wladimir an. Das Ende unseres Wladimir-Abenteuers war nah.

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Paul, Chris, Milan, Stanislaw mit zwei russischen Fanboys.

Montag, der 19.09.2016
Der Montag stand ganz im Zeichen unserer Heimreise. Nach einer viel zu kurzen Nacht holte uns Igor am nächsten Morgen um 9.00 Uhr ein letztes Mal am Hotel ab, um uns an den Flughafen nach Moskau zu bringen. Vor Ort erfuhren wir dann, unser Flug sei gecancelt, weshalb wir insgesamt sechs Stunden zu warten hatten, bevor der nächste Flieger uns um 18.00 Uhr nach Frankfurt und anschließend nach Nürnberg bringen sollte. Wir schlugen die Zeit mit Rauchen, Lesen, dem vorhandenen WLAN und mit Spaziergängen durch den Flughafen tot, um uns am Ende der Wartezeit seelenruhig zum Gate unseres Flugzeugs zu begeben. Müde und sichtlich K.O. endete unsere gemeinsame Zeit vorerst gegen 23.00 Uhr in der U2 Richtung Heimat.

Text & Bilder: Lorena Seipp

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Im zweiten Teil des Wladimir-Tourtagebuchs – Teil 1 ist hier zu finden:  https://is.gd/17otEM – mischen wir uns unter das Publikum des Stadtfestes in Wladimir, erleben euphorische russische Fans und beenden den ereignisreichen Tag auf sehr unterhaltsame Weise.

Samstag, 17.09.2016
Die Stadt Wladimir zelebriert einmal im Jahr ein großes Stadtfest. An diesem Tag gibt es vielen Bühnen allerlei musikalische und tänzerische Darbietungen. Außerdem sind zu diesem Anlaß in der ganzen Stadt diverse Attraktionen und Stände aufgebaut, und die Menschen strömen in Scharen durch die Straßen. Das Stadtfest ist vergleichbar mit dem Bardentreffen in Nürnberg und – wie auch dort schon im August – sollten The Variety Show auf der Bühne der lokalen Bands spielen.

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The Variety Show auf dem Weg zur Demetriuskathedrale

Wir verließen das Hotel zusammen mit Stanislaw gegen 11.30 Uhr, und natürlich waren wir nach dem gestrigen Abend allesamt topfit und gespannt auf unsere Tour durch die Stadt und den anstehenden Auftritt. Zuerst liefen wir zur Hauptbühne, auf der russische Trachtentänze aufgeführt wurden. Es waren viele Kamerateams unterwegs und dokumentierten das Event. Stanislaw führte uns dann zur nahegelegenen Christi-Geburts-Kirche. Ein wirklich imposantes kirchliches Bauwerk auf einem Hügel. Hinter dem Gebäude gibt es eine Plattform, von der aus man einen beeindruckenden Ausblick auf die Landschaft hat.

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The Variety Show mit Blick auf die Weiten vor Wladimir

Nachdem wir noch einige Stunden durch die überaus sauberen Straßen Wladimirs gelaufen waren, fanden wir uns wieder im Hotel ein, um zu Mittag zu essen und die Gitarren abzuholen. The Variety Show sollten am frühen Abend an der Georgijstraße spielen. Die Location entpuppte sich, als wir dort gegen 15.00 Uhr ankamen, als Aussichtsplattform mit einer ebenerdigen Bühne, über der ein Mastertent aufgebaut war. Auf dem Plateau lernten wir dann Stanislaws Freund Konstantin kennen, der ziemlich gut Deutsch spricht, da er schon viele Reisen durch Deutschland unternommen hat. Wenn man ihm so zuhörte, schien er ein ziemlich großer Fan des fränkischen Bieres zu sein. Nach einer kurzen Unterhaltung wandten wir unsere Aufmerksamkeit wieder dem anstehenden Konzert zu. Verstärker und ein Drumset waren bereits aufgebaut, allerdings war ein richtiger Soundcheck vorerst nicht möglich, da weder Snare noch Becken vorhanden waren und Schlagzeuger Paul die Info hatte, er brauche kein eigenes Equipment mitnehmen. Tontechniker Andrej kümmerte sich netterweise um uns und orderte schnell Becken und Snare von einer der anderen Bands. Bis die Backline komplett war, nutzten wir die Zeit und die angenehmen Temperaturen, um ein wenig im Backstage zu chillen.

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The Variety Show vor dem Auftritt in Wladimir

Das benötigte Equipment wurde, während die zweite Band des Tages bereits spielte, vom Drummer von Free Fire gebracht, der Band des zwölfjährigen Sascha Usenko, der im November im E-Werk Erlangen spielen wird. Paul schraubte dann die Qualität der aktuell spielenden Band namens  ПопКорн (deutsch: Popcorn) hoch, als er seine Becken im Hintergrund montierte. Gegen 17.00 Uhr spielte Free Fire. Vor der Bühne fanden sich in dem ungefähr 120 Personen umfassenden Publikum schätzungsweise 20 Photographen ein, um den jüngsten Rockstar Wladimirs abzulichten. An der E-Gitarre begleitet wurde der Sascha von Dimitrij Wladimirow von der Band O.N.E., die vor einigen Jahren bereits zu Gast beim Newcomer Festival im Erlanger E-Werk war. Im November kommen Free Fire dann (wieder) nach Erlangen um am 24.11. beim Umsonst und Drinnen Club und am 26.11.2016 beim Newcomer Festival Finale zu spielen.

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Sascha Usenko

Nachdem Free Fire ihr Set beim Stadtfest beendet und wir uns beim Teetrinken in einem schönen Café aufgewärmt hatten, war es für The Variety Show an der Zeit, das Bühnenzelt zu entern und mit ihrer Musik der Kälte zu trotzen. In der malerischen Kulisse des Plateaus hatte sich eine kleine Traube Menschen eingefunden um der einzigen deutschen Band des Tages zu lauschen. Nachdem ich die drei fränkischen Musiker bereits bei ihren Albumaufnahmen im Red Audio Studio besucht hatte, bekam ich nun zum ersten Mal die Chance die neuen Songs live zu hören. Sowohl überaus exzessiv, als auch ruhig und melancholisch zelebrierte das Trio ein sehr gutes Konzert. Auch wenn die kleine PA dabei eindeutig an ihre Grenzen kam.

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Milan Lukaschek in concert

Die Zuschauer quittierten den gelungenen Auftritt, indem sie alle CDs der Band schnellstmöglich an sich rissen. Im Anschluß an ihr Set gaben die Jungs noch einige Autogramme und ließen sich mit den Fans ablichten. Beim Abbauen erfuhren wir dann von Techniker Andrej, er werde am kommenden Tag mit seiner Band als Support für The Variety Show in Murom spielen.

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Paul Schütz beim Signieren

Wir verabschiedeten uns herzlich und begaben uns gemeinsam mit Stanislaw auf den kurzen Weg in Richtung unseres Hotels. Ziemlich geschafft nach diesem langen, kalten Tag beschlossen wir dann nach einem kurzen Nickerchen, wieder zur Hauptbühne des Stadtfests zu gehen, um uns gegen 22.00 Uhr den Headliner des Festivals anzuschauen. Da die Flyer natürlich auf Russisch waren, konnten wir nicht wissen, was uns dort erwarten würde.

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Die Groupies von Wladimir

Die Musikerin, die in Begleitung einer Backingband auftrat, coverte bekannte Pop- und Rocksongs. Die Bühnenshow war soweit nett anzusehen, doch bald beschlossen wir, uns einen Weg durch die Konzertmenge zu bahnen und unsere durchgefrorenen Körper in eine Bar zu schwingen. Bei unserem Lauf durch das Publikum bemerkten wir, daß niemand in der Gegenwart der zahlreichen Polizisten Alkohol trank. Stanislaw hatte uns bereits am Vortag erklärt, es sei hier im Land verboten, in der Öffentlichkeit Alkohol zu konsumieren. Dies galt offensichtlich auch während des Stadtfestes. Als wir endlich eine Bar gefunden hatten, ließen wir uns müde in die bequemen Sitzgelegenheiten sinken. Die Auswahl an 40 internationalen Biersorten in Kombination mit Thors Trinkspiel und dem zuvorkommenden Barkeeper sorgte für einen heiteren Ausklang dieses eindrucksvollen Tages. Mit Vorfreude auf den am kommenden Tag anstehenden Gig in Murom begaben wir uns irgendwann in unsere Hotelbetten.

Text & Bilder: Lorena Seipp

Als Dreingabe noch der Link zum Blog von Jochen Preuß und seinem Bericht vom Moskauer Stadtfest, wo es auf den Straßen und Plätzen auch ausgelassen-nüchtern zuging: https://is.gd/8GbAPm

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„Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, beruflich einmal in die Russische Föderation zu reisen?“ Antwort: „1 zu 2.294“.

Das Schicksal und die Kulturförderung der Stadt Erlangen haben der geringen Wahrscheinlichkeit glücklicherweise getrotzt und mir die Möglichkeit gegeben, mit der Forchheimer Band The Variety Show ins 2.294 km entfernte russische Wladimir zu touren.

Der Grundstein für diese Reise wurde im Sound Of My City Gründungsort, dem E-Werk gelegt. Dort setzten sich The Variety Show beim Finale des letztjährigen Newcomer Festivals, welches ich seit 2014 mitorganisiere, gegen 15 andere Bands als Publikums- und Jurylieblinge durch. Als Publikumsvotingpreis können wir, dank der Kulturförderung, jedes Jahr eine Band in Erlangens Partnerstadt schicken. Somit reisten Milan, Paul, Chris und ich vom 15.09. – 19.09.2016 nach Wladimir.

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Milan Lukaschek, Christian Sachs, Paul Schütz und Lorena Seipp in Susdal


Donnerstag, 15.09.2016
Um 5.20 Uhr begann die Reise in der U2 Richtung Wladimir mit Koffern, Gitarren und Kameras bewaffnet. Unser Flugzeug hob um 8.20 Uhr in Nürnberg ab und entließ uns gegen 17.00 Uhr ins kalte und regnerische Moskau. Dort lernten wir unverzüglich unseren Guide und Dolmetscher Stanislaw vom Amt für ausländische Beziehungen der Stadt Wladimir kennen. Stanislaw hat einige Jahre in Amerika gelebt und spricht dementsprechend relativ fließend Englisch. Unser Busfahrer Igor dagegen lenkte uns aufgrund der Sprachbarriere schweigend über die holprigen Straßen, während wir uns mit Stanislaw über Autos, Musik und allerlei andere Dinge unterhielten. Wir stolperten nach einer langen Anreise um ca 1.00 Uhr in unser zentral gelegenes Hotel namens Orion, vereinbarten noch eine Startzeit für den kommenden Tag und ließen uns erschöpft in die Betten unserer überaus schönen Zimmer fallen.

Freitag, 16.09.2016
Stanislaw holte uns um 11.30 Uhr in der Hotellobby ab. Der heutige Tag sollte uns in die ungefähr 30 Autominuten entfernte Stadt Susdal führen. Dort fand an diesem Wochenende das Mjodawucha-Fest statt. Mjodawucha ist ein honighaltiges Getränk, welches wir im Verlauf des Tages ausreichend genießen durften. Wir machten einen entspannten Spaziergang durch die Stadt, bewunderten die russische Architektur, und Christian und ich wechselten uns beim Photographieren ab.

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Stanislaw, Paul, Milan und Lorena beim Spaziergang durch Susdal

Zum krönenden Ende unseres Aufenthalts in Susdal stiegen wir an Bord eines Wassertaxis auf der Kamenka. Außer uns waren keine weiteren Passagiere auf dem Floß, somit konnten wir die Fahrt in Ruhe genießen. Die Kunst des gemeinsamen stillen Genießens habe ich durch unsere kleine Reisegruppe zu schätzen gelernt. Die drei Musiker und ich waren uns scheinbar einig,  man sollte gewisse Dinge ohne Worte auf sich wirken lassen. So auch die für uns fremde Umgebung in die wir in angenehm schweigsamer Runde eintauchten.

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Fahrt auf der Kamenka in Susdal

Beim vielen Warten und Busfahren redeten wir  meist über die neugewonnenen Eindrücke und unterhielten uns oft über die Balance zwischen der zunehmenden Bürokratie im Musikgeschäft und der Freiheit des Musizierens. Für mich als Konzertveranstalterin war dieser intensive Blick hinter die Kulissen einer jungen, aufstrebenden Band sehr wertvoll. Durch die umfangreiche Dokumentation der Reise (600 Bilder, hell yeah!) sammelte ich außerdem nach und nach mehr Erfahrung im Bereich der Photographie.

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Christian Sachs und Paul Schütz

Als wir am Freitagabend wieder in Wladimir ankamen, ließ ich die Kameras allerdings im Hotel zurück. Gegen Ende des zweiten Tages fanden wir uns nämlich in einem überaus angenehmen Etablissement ein, um mit den Einheimischen eine ausgiebige Verköstigung des russischen Nationalgetränks zu zelebrieren. Die unendliche Gastfreundschaft der Kellnerinnen und Barbesucher war überwältigend. Wir wurden von allen Seiten umsorgt, lernten eine Menge netter Leute kennen und schafften es Dank Übersetzer-App und wildem Gestikulieren, auch mit Menschen zu kommunizieren, die weder Deutsch noch Englisch sprachen. Ваше здоровье!

Lorena Seipp

Fortsetzung folgt – und mehr zu dem gelungenen Internetprojekt von Lorena Seipp unter: https://is.gd/DThRNh

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Das Wetter meinte es gestern nicht gut mit den Akteuren und Besuchern des Stadtfestes in Wladimir. Man kann es dem Kommentar von Lorena Seipp entnehmen, Begleiterin der Band The Variety Show auf der Tour in die Partnerstadt, – das Bonus-Programm zum Preis von Jury und Publikum beim letztjährigen Newcomer-Festival im E-Werk: „Das russische Publikum hat Kälte und Regen getrotzt.“

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Milan Lukaschek an der Gitarre und Schlagzeuger Paul Schütz beim Gig in Wladimir

Mehr ist leider noch nicht bekannt von den Auftritten des Trios, das auch heute noch in Murom das Publikum rocken will, bevor es morgen schon wieder zurück nach Erlangen geht und wir dann hoffentlich mehr erfahren über die Stimmung während der deutsch-russischen Rockbegegnungen der dritten Art.

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Paul Schütz, Milan Lukaschek, Christian Sachs und Lorena Seipp in Susdal

Derweil geht es heute nicht nur in Wladimir, sondern landesweit um die Stimmen der Wähler. Die Staatsduma setzt sich neu zusammen, und dazu gibt es dann sicher schon morgen mehr zu berichten.

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