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Posts Tagged ‘deutsch-russischer Rockbandaustausch’


Beginnen wir beim Ende – oder besser kurz vor dem Ende – des langen gestrigen Abends im E-Werk, als das Publikum zum donnernden Ausklang des vierzigsten Newcomer Festivals die Band „Metamorphis“ aus Wladimir einfach nicht von der Club-Bühne lassen wollte. „One more song! One more song!“ skandierte der tobend volle Saal.

Metamorphis on stage

Aber auch ein Konzert cum tempore hat einmal ein Ende, zumal dann, wenn noch ein wichtiger Programmpunkt ansteht, die Verleihung der Auszeichnungen und vor allem des Publikumspreises durch Oberbürgermeister Florian Janik.

Metamorphis: Schamil Chabibullin, Ilja Jerochow, Alexej Romanow und Alexander Wojnilowitsch

Die Kulturförderung im Amt für Soziokultur der Stadt Erlangen vergibt nämlich seit 2003 den „Publikumsförderpreis“ im Bereich Rockmusik im Rahmen des Erlanger Newcomer Festivals, das jährlich im November im Kulturzentrum E-Werk stattfindet.

Alexander Wojnilowitsch

Der Publikumsförderpreis der Stadt Erlangen soll…

  • eine junge Nachwuchsband in ihrer Entwicklung fördern,
  • signalisieren, daß die Stadt Erlangen die Leistungen von im Bereich Rockmusik engagierten jungen Menschen anerkennt,
  • durch die Entscheidung des Publikums über die Preisvergabe, den Anreiz erhöhen, das Newcomer Festival zu besuchen und damit die Veranstaltung aufwerten.

Ilja Jerochow

Das Publikum entscheidet über den Gewinner. Dadurch nimmt der Preis eine Sonderstellung ein gegenüber den durch eine Jury vergebenen Auszeichnungen, die über Sponsoren finanziert werden. Der Publikumsförderpreis wird nicht in Form von Bargeld ausgezahlt, sondern trägt dem Förderaspekt Rechnung.

Zwischen 2004 und 2008 bestand der Preis aus einer mehrtägigen Reise in die schwedische Partnerstadt Eskilstuna; seit 2009 geht die Reise nach Wladimir. Die Tour ist immer mit Konzertauftritten in der Partnerstadt verbunden. Die bisherigen Gewinner des Publikumsförderpreises:

Schamil Chabibullin und Tom Weinhold von „Meloco“

„Mobile Funk Navigators“ (2004) – „Mister Squirrel and the crunchy nuts“ (2005) – „Pilot Mash“ (2006) – „Booze Bombers“ (2007) – „Notorious Beat Plank“ (2008) – „Fact & Fiction“ (2009) – „Whispering Eyez“ (2010) – „First Second“ (2011) – „Wasted” (2012) – „Meloco” (2013) – „Actin Myosin” (2014) – „The Variety Show” (2015) – “#zweiraumsilke” (2016).

Im Gegenzug kamen seit 2005 Bands aus Eskilstuna bzw. seit 2008 aus Wladimir zum Newcomer Festival nach Erlangen.

Seit Mittwoch nun sind die vier Musiker von “Metamorphis” aus Wladimir zu Gast in Erlangen und gaben  zwei Konzerte im Kulturzentrum E-Werk: am Donnerstag bei “Umsonst und Drinnen” auf der kleinen Kellerbühne und – außerhalb des Wettbewerbs – vor der Preisverleihung im Rahmen des Newcomer Festivals gestern auf der Club-Bühne mit großem Saal.

Ilja Jerochin

“Metamorphis” war bereits 2014 im Rahmen des Bandaustausches in Erlangen und arbeitet gerade an einem neuen Album, aus dem nun viel zu hören war. Einer der Musiker, der Rhythmus-Gitarrist Schamil Chabibullin, ist übrigens Mitglied des Stadtrats in Wladimir.

Ilja Jerochin und Schamil Chabibullin

Seit 2015 wird das Newcomer Festival mit neuem Konzept durchgeführt: Die Einführung von Vorentscheiden, die Einbindung von Jugendklubs (Dezibel, Scheune und New Force) und die Konzentration der Bands, die sich bei den Vorentscheiden qualifiziert haben, auf einen Abend beim Finale im E-Werk hat sich bewährt. Die Veranstaltung lockt zahlreiche Musikinteressierte in die verschiedenen Veranstaltungsorte.

Aus den vielen Bewerbungen hat die Jury die interessantesten Bands für die Vorentscheide ausgewählt. Wie in den Vorjahren ist wieder ein gelungener Mix aus ganz unterschiedlichen Musikstilen zusammengekommen. Bei den Vorentscheiden zählen sowohl die Stimmen der Jury als auch die des Publikums. Je zwei Bands aus den Vorentscheiden traten nun gestern beim großen Finale im E-Werk ab 19.30 Uhr auf.

So sehen Sieger aus: „Repellent“

„Repellent“ erspielte sich dabei den Sieg, sogar einen doppelten: Sowohl das Publikum als auch die Jury kürten das Quintett zur besten Band des 40. Newcomer Festivals. Da kann man nur gratulieren, vor allem natürlich zur Reise nach Wladimir 2018, im 35. Jahr der Städtepartnerschaft.

Ilja Jerochin, Susanne Lender-Cassens, Karin Lippert, Sergej Potapow, Schamil Chabibullin, Alexej Romanow, Pawel Porizkij und Alexander Wojnilowitsch

Auch wenn die Band, dieses Mal begleitet von Sergej Potapow und Alexej Romanow, zuständig für Technik und Management, Erlangen bereits kennt, gibt es doch wieder viel zu entdecken, vor allem natürlich im E-Werk, dessen Bedeutung für das Kulturleben Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens beim Empfang im Rathaus gern erläutert, zum Staunen der Gäste, die nur bedauern können, in Wladimir im Schatten von Klassik- und Folklore-Ensembles zu stehen, während Erlangen Rock und Pop nach Kräften fördert, um, wie Karin Lippert, die Kuratorin des Bandaustausches, erläutert, auch diesem Bereich der Jugendkultur zu seinem Recht zu verhelfen.

Gruppenbild mit Dame: „Metamorphis“ und Astghik Mantashyan am Hugenottenbrunnen gegen Ende der Stadtführung

Da ist es nur umso erstaunlicher, wie vielfältig sich die Szene in Wladimir allgemein darstellt, wie stilsicher und professionell dann eine Band wie „Metamorphis“ ihre überzeugende Interpretation von Post-Grunge auf die Bühne bringt, wie rasch das Quartett das gemeinhin doch eher verhaltene Erlanger Publikum zu fesseln versteht… One more song!

Club-Bühne im E-Werk: „One more song, Metamorphis!“

Abseits der Bühne freuten sich die Vier besonders, die Freunde von „Meloco“ wiederzusehen, die in Nürnberg ein Interview bei Radio Z / AFK-Max organisierten, die Gäste ins Lochgefängnis entführten und sie mit Glühwein bewirteten. Eben ganz so, wie es in der Partnerschaft sein soll – und wie es nun bald „Repellent“ erleben wird und dann eine neue Formation aus Wladimir und dann wieder die Siegerband des 41. Newcomer Festivals. Ad infinitum. Denn, wie schon Neil Young wußte: „Rock and Roll will never die!“

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Seit 40 Jahren gibt es nun schon das Newcomer Festival im E-Werk. Eine beispiellose Erfolgsgeschichte kommunaler Förderung von Nachwuchsbands über alle Stilrichtungen der Rockmusik hinweg.

Metamorphis 2014 im E-Werk

Um diese Traditionsveranstaltung beneidet denn auch die Rockszene in Wladimir die Erlanger seit 2009 zum ersten Mal eine Band aus der russischen Partnerstadt am Newcomer Festival teilnahm und den Austausch aufnahm.

Metamorphis mit Schamil Chabibullin

Nun kommt zum Jubiläum das Quartett „Metamorphis“ bereits zum zweiten Mal nach Erlangen und erfüllt sich – und wohl auch vielen im Publikum – damit einen Traum, denn schon 2014 genoß das Ensemble die Auftritte im E-Werk.

Metamorphis

„Metamorphis“ spielt seit 2010 zusammen und pflegt in Wladimir den Post-Grunge-Stil. Von Beginn an fand die Gruppe ihr Publikum und nahm bereits 2011 ihr erstes Album unter dem Titel „With you“ auf, das allerdings erst 2013 erschien.

Metamorphis mit Alexander Wojnilowitsch

Ende April 2017 stellte die Band eine Single vor, die in kürzester Zeit im Internet 70.000 Klicks verzeichnete. Derzeit arbeitet Metamorphis an einem weiteren Album, das Anfang 2018 erscheinen soll. In Erlangen spielen die vier Wladimirer denn auch am Donnerstag, den 23. November auf der Kellerbühne im Rahmen von „Umsonst und Drinnen“ und am Samstag, den 25. November zum Abschluß des Newcomer Festivals – jeweils ab 22.30 Uhr – hauptsächliche Stücke aus ihrem neuen Repertoire, in das man hier schon einmal reinhören kann: https://is.gd/mgNK7m

 

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Es ist nun auch schon wieder eine Woche her, seit Zweiraumsilke, die Siegerband beim letztjährigen Newcomer Festival aus Wladimir zurück ist. Inzwischen war die Gruppe auch schon wieder auf Tour, dieses Mal in der Lausitz. Bis also der Reisebericht des Ensembles in der Redaktion des Blogs eintrifft, hier schon einmal die Reportage des Online-Portals „Pro Wladimir“:

Zweiraumsilke in Wladimir

Am 5. November kam es in Wladimir zu einer ungewöhnlichen Abendveranstaltung. Im „Max-Bräu“ betraten nicht nur die Wladimirer „Metamorphis“ und „Record Orchestra“, sondern auch die deutsche Gruppe „Zweiraumsilke“ aus der Partnerstadt Erlangen die Bühne. Grunge, Rock und kaukasisch-balkanische Klänge mischten sich mit Rap und Hip-Hop. Der ungewohnte Sound der Gäste kam bestens an, und das Publikum des internationalen Abends tanzten voll ab.

Zweiraumsilke in Wladimir

Die Bretter, auf denen im Restaurant häufig Konzerte gegeben werden, erhöhte man ein wenig, so daß es die Musiker zum ersten Mal mit so etwas wie einer richtigen Bühne zu tun hatten, wenn auch mit einer kleinen. Die deutsche Band mit dem für gewöhnliche Russen schwer auszusprechenden Namen fand als zwölfköpfige Formation kaum Platz im Quadrat.

Zweiraumsilke in Wladimir

Vor dem Konzert hatten wir in der Redaktion von „Pro Wladimir“ uns Aufnahmen von „Zweiraumsilke“ angehört. Der erste Eindruck war nicht so prickelnd, und wir konnten das Ensemble auch gar nicht richtig in der Musikwelt einordnen.

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Zweiraumsilke in Wladimir

Doch die Band aus Erlangen, die sogar ein Album bei „Apple Music“ veröffentlicht hat, schaffte mit ihrer Bläserphalanx eine Überraschung und heizte dem Saal so richtig ein. Live klangen sie um einiges besser als auf Konserve. Ein charismatischer Frontmann, eine unverwechselbare und sogar für Leute attraktive Musik, die mit Rap nichts am Hut haben. Und dann noch das Outfit der Gruppe: Sportjacken von Adidas, einfache T-Shirts und kosmisch angehauchte Hosen…

Zweiraumsilke in Wladimir

Und die Band selbst? Die schreibt auf Facebook:

An dieser Stelle nochmal ein riesiges Dankeschön an Stanislaw von der Stadt Wladimir für die interessanten Stadttouren, Schamil und Ilja von „Metamorphis“ für die Konzertorganisation und die Jamsession, Karin Lippert und Peter Steger von der Stadt Erlangen für die Vorbereitung der ganzen Reise, dem Newcomer Festival für diese Gelegenheit und all die wundervollen Menschen, die wir in unserer Zeit in Wladimir kennenlernen durften. Danke von Herzen, Wladimir, Ihr Verrückten!

P.S.: Wie es im Konzert abging, kann man in diesem Konzertmitschnitt sehen und hören: https://is.gd/yFtrr4, und die Band selbst hat in Susdal einen Clip gedreht, der hier zu finden ist: https://is.gd/ltJ4aq

 

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Während seit Montag das Jens-Magdeburg-Trio in Wladimir seine Jazz-Konzerte gibt, heute im Blog ein musikalischer Rückblick auf das Newcomer Festival des vergangenen Jahres, bei dem Sachar Usenko, unterstützt von Dmitrij Wladimirow, seine internationale Feuertaufe auf der Bühne erlebte.

Sachar Usenko mit Dmitrij Wladimirow an der Gitarre

Aufgenommen hat den umjubelten Auftritt Alexander Usenko, der Vater des jungen Rocksängers, sehen und hören kann man das musikalische Gewitter hier: https://is.gd/q5X4LV

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Grollende Gitarrengewitter entluden sich gestern beim 39. Newcomer Festival im E-Werk, von düster-dräuendem Donner bis zu blitzenden Blackouts oder strahlendem Sternenfunk und schmetterndem Trompetenschall war da alles zu hören, was den Rockhimmel über Erlangen so alles bevölkert. Man kann dem Team um Lorena Seipp nur zu dem neuen Konzept gratulieren.

Sachar Usenko und Dmitrij Wladimirow

Sachar Usenko und Dmitrij Wladimirow

Selten war mehr Publikum da, selten gab es bessere musikalische Qualität aller Stilrichtungen und Cross-Over-Spielarten auf die Ohren. Das Konzept hatte sich bewährt, die Vorentscheidungen auf verschiedene Jugendklubs zu verteilen und dann zum eigentlichen Wettbewerb gestern abend nur noch die sechs besten Bands antreten zu lassen.

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Als Special Guest dann vor der Preisverleihung Free Fire aus Wladimir, die sicher ungewöhnlichste Formation des Festivals und eine echte Newcomer-Formation, die da vor großem Publikum ihre Feuertaufe bestand.

Dmitrij Wladimirow

Dmitrij Wladimirow

Gut, Dmitrij Wladimirow spielt und singt seit 15 Jahren, weiß, wie der Hase auf der Bühne läuft, aber seine Entdeckung, Sachar Usenko, gerade erst elf Jahre geworden, kann seit der Gründung von Free Fire im März erst auf eine Handvoll Auftritte in Wladimir zurückblicken. Und doch zeigt er bei dem halbstündigen Höllenritt durch die Rock-Klassik und eigene Kompositionen seines musikalischen Ziehvaters schon ein Maß an stimmlicher, mimischer und gestischer Präsenz, vor allem freilich einen lausbübischen Spielwitz, als gehörte er einfach auf die Bühne, als wäre sie schon ganz seine Welt.

Free Fire in concert

Free Fire in concert

Man darf also gespannt sein, was aus dem rockenden Steppke wird, vor allem dann, wenn es nach Dmitrij Wladimirows Plänen geht, und eine richtige Band für Sachar Usenko zusammenzustellen.

Dmitrij Wladimirow, Florian Janik und Sachar Usenko

Dmitrij Wladimirow, Florian Janik und Sachar Usenko

Und dann auch noch ein Lob aus dem Mund von Florian Janik, einem echten deutschen Oberbürgermeister. „Das hat mich dann umgehauen“, meinte der eben noch so wild über die Bühne stürmende Sänger.

Siegerband Zweiraumsilke

Siegerband Zweiraumsilke

Schier umgehauen hat es dann aber auf der Bühne auch die erst vor einem Jahr gegründeten Zweiraumsilke, ein zwölfköpfiges Ensemble, das ebenso unbekümmert wie gekonnt vereint, was zusammengehören kann, wenn man es denn kann: Hip-Hop, lateinamerikanische Klänge, Brass, Funk und Pop mit einer hinreißenden Show, wo es auch schon einmal zu einem öffentlich ausgetragenen musikalischen Geschlechterkampf – um nicht Ehestreit zu sagen – kommt. Sehens- und hörenswert – und von Publikum wie Jury mit der höchsten Punktzahl bewertet und damit die Band, die im nächsten Jahr nach Wladimir reisen darf. „Wir freuen uns auf die Truppe, die haben es verdient, und wir werden sie auch bei uns feiern“, zeigte sich Dmitrij Wladimirow wenig überrascht von dem Votum. „Die kriegen auch unser Publikum!“ Einen Vorgeschmack gibt es unter: https://is.gd/mvOtNP

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Frei nach Bob Dylan zeigt sich der Rockband-Austausch mit Wladimir gerade heuer, in seinem siebten Jahr, „forever young“, und die Formation aus der Partnerstadt, die heute abend ab 22.25 Uhr auf der Club Bühne steht, entspricht nachgerade idealtypisch den Anforderungen des Newcomer Festivals. Das Duo Free Fire gibt es nämlich erst seit März, und der Sänger, Sachar Usenko, ist just bei seiner Ankunft in Erlangen am Mittwoch ganze elf Jahre alt geworden.

Stephan Beck, Karin Lippert, Susanne Lender-Cassens, Sachar Usenko, Dmitrij Wladimirow und Alexander Usenko

Stephan Beck, Karin Lippert, Susanne Lender-Cassens, Sachar Usenko, Dmitrij Wladimirow und Alexander Usenko

Entdeckt hat die junge Stimme mit dem Gitarristen und Sänger Dmitrij Wladimirow jemand, der bereits vor zehn Jahren die erste eigene Band gründete und seit seinen drei Besuchen in Erlangen in wechselnder Besetzung von Stephan Beck, Leiter des Amts für Stadtteilkultur und Kulturförderung als Verbindungsmann in Sachen Rockmusik gehandelt wird. Damals freilich, vor einem knappen Jahr, sang sein musikalischer Ziehsohn noch eher lyrische Lieder und Werke der leichten Muse.

Susanne Lender-Cassens, Sachar Usenko und Dmitrij Wladimirow

Susanne Lender-Cassens, Sachar Usenko und Dmitrij Wladimirow

Dabei brannte der Schüler doch schon lange für Rockmusik, wie Dmitrij Wladimirow – ihm waren Stimme und Stimmung des Nachwuchsinterpreten bei einer Veranstaltung aufgefallen – zu seiner eigenen Freude gleich beim ersten Gespräch mit Sachar Usenko entdeckte. Von dieser ersten Begegnung war es dann nicht mehr weit bis zur Gründung von Free Fire im März diesen Jahres. Und nun schon das Gastspiel in Erlangen mit einem ersten Auftritt am Donnerstag im E-Werk bei „Umsonst und Drinnen“, eine gelungene Generalprobe für die beiden – und besonders natürlich für Sachar Usenko, der Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens beim Empfang mit seinem verschmitzten Lächeln erzählt, er singe zwar jetzt zum ersten Mal im Ausland, aber er habe auch schon an dem Wettbewerb „Offiziersbrücke“ auf einer Fähre in der Ostsee teilgenommen – und, wie er dann mit witzblitzendem Augenaufschlag nachreicht, den ersten Platz gewonnen.

Stephan Beck und Sachar Usenko

Stephan Beck und Sachar Usenko

Mag der Junge auch ein Naturtalent sein, ohne Förderung in der Familie ist derlei kaum denkbar. Alexander Usenko, der seinen Sohn begleitet, erzählt denn auch gern davon, wie er in seiner Jugend den Rock entdeckte, ebenso wie seine Frau eine musikalische Ausbildung machte und im Freundeskreis gern Jazz singt. Da verwundert es nicht weiter, wenn der Sängerknabe auch Klavier spielt und eine Musikschule besucht, wo es gilt, auch Stücke von Ludwig van Beethoven zu spielen, der freilich spätestens seit Chuck Berrys „Roll over Beethoven“ auch vom Rock vereinnahmt ist.

Alexander und Sachar Usenko mit Dmitrij Wladimirow

Alexander und Sachar Usenko mit Dmitrij Wladimirow

Bleibt noch hinzuzufügen: Das Repertoire von Free Fire setzt sich aus gecoverten Rock-Classics, aber auch eigenen Stücken zusammen, und es gibt bereits Pläne, eine richtige Band um das Duo herum aufzubauen. Man traut es den beiden zu, und wenn Sachar weiter so fleißig Deutsch lernt wie in den ersten drei Monaten am Gymnasium, sieht man ihn sicher nicht nur bald auf der Bühne wieder, sondern auch beim Schüleraustausch. Der Junge hat jedenfalls noch viel vor und noch viel mehr vor sich.

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Hier nun der dritte und leider letzte Teil des Tourtagebuchs der Band The Variety Show:

Sonntag, der 18.09.2016
Am letzten Tag unseres Aufenthalts wurden wir von Stanislaw und Igor bereits um 9.15 Uhr im Hotel abgeholt, um ins ca. zwei Autostunden entfernte Murom zufahren. Dort sollten The Variety Show am Abend mit sechs lokalen Bands aus Wladimir und Murom  eine Clubshow spielen. Auf der relativ langen Anreise bekamen wir einen umfangreichen Eindruck vom ländlichen russischen Baustil. Die Häuser entlang der Straße sind meist aus Holz gebaut und mit schönen Verzierungen im Bereich der Fenster ausgestattet. Igor lenkte uns mal wieder still und schweigend über die holprigen Straßen.

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Unser Fahrer Igor.

Kurz nachdem wir die Stadtgrenze von Murom passiert hatten, hielten wir am Straßenrand an, um unseren heutigen Gastgeber, Maxim Jegorkin, kennenzulernen. Er und sein Begleiter wollten unseren Aufenthalt in Murom komplett dokumentieren und hielten uns deshalb sofort ihre GoPro-Kameras vor die Gesichter. Als besonderes Special hatte sich ein Mitglied des lokalen Motorradklubs angeboten, einen von uns bei einer Fahrt durch Murom auf seinem Motorrad mitzunehmen. Stanislaw war dann der Meinung, Milan eigne sich als Frontmann am besten für diesen Job. Also stieg er hinter den Biker, und die beiden sausten durch die kalte Luft davon. Unser Busfahrer Igor hängte sich dran,  und ich fühlte mich, als hätten wir ihm die filmreife Anweisung „Los, folgen sie dem Motorrad!“ gegeben.

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Milan Lukaschek und der Biker vom Motorradclub Murom.

Wir trafen Milan und den Biker sowie unsere Gastgeber dann wieder beim ersten Sightseeing-Ziel, dem Dreifaltigkeitskloster. Wir wurden von einer russisch sprechenden Reiseführerin über das Gelände geführt, deren Schilderungen Stanislaw für uns übersetzte. Unsere beiden Begleiter liefen begeistert mit ihren Kameras um uns herum, um jedes Detail unseres Aufenthalts für die Ewigkeit festzuhalten. Den Höhepunkt zum Ende unserer Führung über das Areal des Klosters bildete die Besichtigung eines Glockenturms, in dem die Jungs die Möglichkeit hatten, ein wenig auf den altmodischen Glockenspielen, die sich in dem kleinen Raum befanden, zu trommeln. „Egal wie schlechtgelaunt man in dieses Zimmer reingeht, am Ende kommt man mit einem Lächeln wieder heraus!“, meinte unsere Führerin dazu. Recht hatte sie.

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Milan Lukaschek und Paul Schütz nach unserem Besuch im Glockenturm.

Nach der Besichtigung beschlossen wir, einen kleinen Spaziergang entlang der Oka zu machen. Wir unterhielten uns angeregt mit Maxim und seinem Kollegen, die sich als Veranstalter des Konzertes entpuppten und uns erzählten, sie würden abends auch selbst mit ihren Bands spielen. Maxim war 2012 bereits mit seiner Band Heavy Loss im Rahmen unseres deutsch-russischen Bandaustauschs zu Gast beim Newcomer Festival im E-Werk. Wir unterhielten uns viel über Musik, unsere musikalischen Einflüsse und die unterschiedliche Wahrnehmung von Konzerten in unseren Ländern. Maxim hatte damals scheinbar einige amüsante Erfahrungen mit den fränkischen Fans gemacht…

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Gastgeber Maxim Jegorkin und The Variety Show an der Oka.

Nach unserem Spaziergang und einem leckeren Abendessen (Kartoffeleintopf) machten wir noch Halt in einem kleinen Musikgeschäft. Dort wurden Milan, Paul und Chris zu einer kleinen Jamsession gebeten. Nachdem sich Chris und Milan für ein Instrument entschieden hatten, setzte sich Paul hinter das E-Drumset. Sobald alle Instrumente gestimmt waren und das E-Schlagzeug über die Boxen tönte, begann die Jamsession, welche unsere beiden Gastgeber begeistert filmten. Anschließend begaben wir uns in den Club Soloto, in dem das Konzert stattfinden sollte. Der Saal befindet sich in einem riesigen, sehr edel gestalteten Gebäude. Als wir den Komplex betraten, konnten wir unseren Augen kaum glauben: Wir wurden von einem gigantischen Banner mit der Aufschrift „Willkommen beim Oktoberfest“ begrüßt. Gekonnt ignorierten wir das Banner und begaben uns in den dritten Stock des Gebäudes, in dem sich der Konzertraum befand. Dort verschlug es mir erstmal den Atem. Die Musiker, styletechnisch alle härteren Genres zuzuordnen, wirkten irgendwie deplaziert zwischen den schicken Ledersofas und Mamorpfeilern unter der verschnörkelten Steindecke.

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Milan Lukaschek beim Gitarrestimmen im Musikgeschäft.

Wir wurden von einer der lokalen Bands schüchtern begrüßt und trafen auch Andrej, den Techniker vom Vortag, wieder. Es wurde fleißig aufgebaut, während man uns in unseren luxuriös eingerichteten Backstageraum führte. Von nun an beschäftigten wir uns mit der Tourkrankheit schlechthin: Warten. Warten bis TVS mit ihrem Soundcheck dran sind, warten bis zur Einlaßzeit, warten bis der Auftritt beginnt, warten, warten, warten. Wir nutzten die Zeit, um noch ein paar Getränke zu kaufen, zu schlafen, Stopmotionfilme zu drehen und ein paar Bandbilder zu machen. Da Heavy-Loss-Sänger Maxim vor kurzem Geburtstag hatte, tranken wir mit ihm wieder ein klein wenig von seinem russischen Lieblingsgetränk.

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The Variety Show im Backstage: Paul Schütz, Milan Lukaschek und Christian Sachs

Als Milan und ich uns in die Chill-Out-Area vor dem Konzertsaal begaben, lernten wir einige russische Konzertbesucher kennen, die weder Englisch noch Deutsch sprachen. Mit Händen und Füßen sowie dem lieben Google-Übersetzer führten wir im Endeffekt eine sehr lustige Konversation. Stets „lost in translation“. Weniger „lost“ wirkte Maxim mit seiner Band Heavy Loss etwas später auf der Bühne. Der Sänger entpuppte sich als sehr energetischer Frontmann, das Publikum war gut gelaunt und moshte fleißig drauf los.

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Maxim Jegorkin mit seiner Band Heavy Loss.

Als fünfter Act des Abends spielte Wladimir-Techniker Andrej mit seiner Band Abandoned Land. Ihr Sänger positionierte sich vor der Bühne und headbangte das dreißigminütige Set über mit den Fans um die Wette. Bald darauf übernahmen The Variety Show die erwartungsvolle Meute. Die Fans klebten an der Bühne, anders als hierzulande schienen die russischen Fans das Phänomen „Angstkreis“ nicht zu kennen.

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Die erste Reihe beim Set von The Variety Show.

Die drei Musiker ließen sich von der Euphorie sichtlich anstecken und spielten das wildeste Set, das ich je von ihnen gesehen habe. Denn genau das wollten die Fans auch! Auf mehrfache Nachfrage von Sänger und Gitarrist Milan gaben sie der Band zu verstehen: Hier ist kein Platz für leise Töne, und die Jungs sollen gefälligst ihre lauten und wilden Songs abliefern. Die Leute waren gekommen, um zu moshen, nicht um einfühlsam-melancholischen Tönen zu lauschen. Trotz teils technischer Probleme und gefühlten 50 Grad im Club, gab die Band alles, um der kleinen Menge zu gefallen.

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The Variety Show live in Murom. Bandkommunikation on stage.

Die russischen Fans quittierten ihre Begeisterung am Auftritt anschließend, indem sie sich auf die Band stürzten und um Autogramme, Bilder und sogar Drumsticks bettelten. Nachdem alle neugewonnenen Fans mit CDs, T-Shirts, Autogrammen und Bildmaterial versorgt waren, wir den Backstage aufgeräumt und uns von den anderen Bands verabschiedet hatten, begaben wir uns in unseren Bus und traten die zweistündige Fahrt nach Wladimir an. Das Ende unseres Wladimir-Abenteuers war nah.

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Paul, Chris, Milan, Stanislaw mit zwei russischen Fanboys.

Montag, der 19.09.2016
Der Montag stand ganz im Zeichen unserer Heimreise. Nach einer viel zu kurzen Nacht holte uns Igor am nächsten Morgen um 9.00 Uhr ein letztes Mal am Hotel ab, um uns an den Flughafen nach Moskau zu bringen. Vor Ort erfuhren wir dann, unser Flug sei gecancelt, weshalb wir insgesamt sechs Stunden zu warten hatten, bevor der nächste Flieger uns um 18.00 Uhr nach Frankfurt und anschließend nach Nürnberg bringen sollte. Wir schlugen die Zeit mit Rauchen, Lesen, dem vorhandenen WLAN und mit Spaziergängen durch den Flughafen tot, um uns am Ende der Wartezeit seelenruhig zum Gate unseres Flugzeugs zu begeben. Müde und sichtlich K.O. endete unsere gemeinsame Zeit vorerst gegen 23.00 Uhr in der U2 Richtung Heimat.

Text & Bilder: Lorena Seipp

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