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Posts Tagged ‘deutsch-russischer Psychiateraustausch’


Um das allenthalben unterschätzte Berufsbild der Pflegekräfte in der Medizin aufzuwerten, veranstaltet das Gesundheitswesen der Russischen Föderation landesweit in verschiedenen Kategorien Wettbewerbe für die besten Fachleute, die nur allzu oft unbemerkt im Hintergrund bleiben und den Ärzten die Bühne überlassen. Dabei ist doch deren Arbeit nicht nur näher am Patienten, sondern schafft auch die Voraussetzung für eine gelungene Therapie und Rehabilitation. In der Nomination „Für Berufstreue“ belegte nun Tamara Skworzowa, Oberschwester am Psychiatrischen Krankenhaus Nr. 1 in der Partnerstadt, mit ihrer Arbeit über das Projekt „Lichtblick“ den ersten Platz der Region Wladimir.

Natalia Tarakanowa, Jürgen Ganzmann und Tamara Skworzowa

Die Krankenschwester mit reicher Austauscherfahrung legte ihrer Analyse die Zusammenarbeit mit Erlangen seit dem Jahr 2000 zugrunde und reichte das Papier mittlerweile beim Gesundheitsministerium in Moskau ein. Gut möglich, daß dank Tamara Skworzowa im Herbst, wenn die Jury ihre Entscheidung fällt, das Partnerschaftsprojekt, erdacht und koordiniert von Jürgen Ganzmann, auch die verdiente überregionale Anerkennung genießen darf. Zu gönnen wäre es allen Beteiligten.

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„Jedes kranke Kind und jeder Jugendliche hat das Recht auf Unterricht im Krankenhaus oder zu Hause.“ So lautet der erste Punkt eines Dekalogs, der sich „Charta der Schulrechte des kranken Kindes“ nennt, verabschiedet von der Generalversammlung der Hospital Organization of Pedagogues in Europe, kurz HOPE, vor zwölf Jahren in Barcelona.

Ursula Lanig, Alexander Bersenjew, Markus Elser, Wladimir Besrukow.

In Erlangen ist die Schule für kranke Kinder in der Loschgeschule untergebracht, ideal gelegen direkt gegenüber dem Kinderklinikum und nur gute fünf Minuten zu Fuß entfernt von der Kinderpsychiatrie. Eingeladen hatte Stadträtin Ursula Lanig, die hier Deutsch, Latein und Sozialkunde unterrichtet, die Gäste bereits bei ihrem Besuch in Wladimir im September, um zu zeigen, wie die sieben Lehrkräfte hier und drei weitere vor Ort auf der Station dafür sorgen, daß die Kinder während der Therapie nicht den Anschluß in ihrer Schule verlieren. Rasch kommt das Gespräch früh am Freitagmorgen mit Schulleiter Markus Elser auf die aktuelle Diskussion der Inklusion, also der gemeinsamen Unterrichtung von im weitesten Sinne gesunden und kranken Kindern. Eine gute Sache, meint man einvernehmlich, aber in jedem Fall individuell zu prüfen und nur umsetzbar, wenn die Politik dafür zusätzliche Mittel bereitstellt. Eine schlechte Sache, wenn das hehre Ziel der Teilhabe als Sparprogramm verstanden würde, in dessen Verlauf all die bereits bestehenden sonderpädagogischen Einrichtungen mit der Zeit schließen müßten. Denn einig ist man sich auch darin: Es wird immer Kinder geben, die aus welchen Gründen auch immer in die Regelschule nicht integriert werden können. Doch auch deren Schulrechte müssen gewahrt bleiben.

Irina Tartakowskaja, Christoph Reichert, Wladimir Besrukow, Herta Seekatz, Alexander Bersenjew.

Um die Rechte der Menschen mit psychischen Erkrankungen ging es auch im Anschluß bei den Gesprächen in der gemeinnützigen GmbH WAB (Wohnen, Arbeiten, Befähigen) im Ortsteil Kosbach, dem „Zuhause für psychisch kranke und psychisch behinderte Menschen“. Der Psychiater Alexander Bersenjew kennt die Einrichtung, die seit zwölf Jahren mit der Psychiatrie Wladimir kooperiert und immer wieder Praktikantinnen aufnimmt, von einem früheren Besuch. Aber Christoph Reichert, Leiter der Arbeitstherapie im „Grünen Bereich“ und seine beiden Kolleginnen, Herta Seekatz und Irina Tartakowskaja, überraschen ihn dann doch immer wieder mit Neuerungen, etwa mit dem Hofladen, in dem Bio-Lebensmittel aus eigenem Anbau zu haben sind. Gerade die Landwirtschaft habe sich als Betätigungsfeld für die Menschen in den Wohngruppen bewährt, so die Gastgeber. Nicht nur zur Selbstversorgung und als Nebenerwerb, sondern vor allem als therapeutische Maßnahme mit großem stabilisierenden Effekt auf Menschen, deren Seele aus dem Tritt geraten ist. Vielleicht auch umsetzbar in Wladimir.

Wladimir Besrukow, Brunhild Schneider, Alexander Bersenjew, Holger Schneider, Peter Steger vor dem Bamberger Rathaus.

Das Arbeitsprogramm endet schließlich am Nachittag in Etzelskirchen. Hier, im Alten- und Pflegeheim des BRK Erlangen-Höchstadt, entsteht wieder ein neues Projekt der Zusammenarbeit mit Wladimir. Heimleiter Jürgen Ganzmann und Alexander Bersenjew vereinbaren einen intensiven Austausch im Bereich der Gerontologie. Besonders Fragen der Altersdemenz, hier wie dort von großer Aktualität, wollen sich miteinander diskutieren, Ansätze von Therapie und Betreuung gemeinsam entwickeln und Fachleute austauschen. Denn wer sein Gedächtnis verliert, behält doch alle Rechte des kranken Menschen, die zu wahren, Pflicht der gesunden Menschen ist.

Alexander Bersenjew, Brunhild und Holger Schneider, Nadja Steger und Wladimir Besrukow in der neuen Residenz zu Bamberg.

Vor ihrer Heimreise am gestrigen Sonntag folgten die Besucher aus Wladimir noch einer Einladung von Brunhild und Holger Schneider, die seit zwölf Jahren – sie als Psychologin, er als seinerzeitiger ärztlicher Direktor des Klinikums am Europakanal und psychiatrischer Kollege – fachlich wie menschlich eng verbunden sind mit der Psychiatrie Wladimir. Das Ergebnis der Gespräche und Begegnungen dieser Woche freut Wladimir Besrukow, zuständig für das Gesundheitswesen des Gouvernements Wladimir, besonders: Intensivierung der bestehenden Kontakte zu den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf, zum BRK Erlangen-Höchstadt, zur Georg-Simon-Ohm-Hochschule und zur WAB Kosbach sowie die Aussicht auf eine Vielzahl neuer Verbindungen zur Psychiatrie an der FAU. Und dann will er ja auch möglichst bald wieder nach Erlangen kommen, um die vielen anderen Möglichkeiten im Bereich der Medizin zu erkunden, die Erlangen für die Zusammenarbeit mit Wladimir bietet. Zum Nutzen der Rechte des kranken Menschen.

Mehr zu dem Besuch unter: http://is.gd/l1Y6r8 und http://is.gd/vLEBdc

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