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Posts Tagged ‘deutsch-russischer Künstleraustausch’


Wäre nicht die Corona-Pandemie, hielte sich derzeit Oberbürgermeister Florian Janik an der Spitze einer fünfzehnköpfigen Delegation in Wladimir auf und spräche heute auf dem Platz des Sieges. Nun, da alles anders gekommen ist, legte das Stadtoberhaupt gestern, zum 75. Jahrestag des Kriegsendes, an den sogenannten Russengräbern auf dem Zentralfriedhof einen Kranz nieder und wandte sich mit folgenden Worten an die Partnerstadt:

Peter Steger und Florian Janik (gesehen von Othmar Wiesenegger)

Liebe Freundinnen und Freunde in Wladimir,

vor fünf Jahren durfte ich auf dem Platz des Sieges zu Ihnen sprechen. Heute, am 75. Jahrestag des Kriegsendes, wende ich mich aus Erlangen an Sie alle. Auch wenn die Corona-Krise uns gegenwärtig trennt, eint uns doch in dieser Zeit die gemeinsame dankbare Erinnerung an den Sieg über den Nationalsozialismus.

Dieser Kampf gegen eine menschenverachtende Ideologie forderte besonders aufseiten der Sowjetunion einen unermesslichen Blutzoll. Kein anderes Land hatte unter dem Vernichtungsfeldzug der Wehrmacht mehr zu leiden als die UdSSR, kein Staat trug mehr zur totalen Niederlage des Deutschen Reiches bei. Und ungeachtet der schrecklichen Kriegsfolgen leistet auch niemand einen größeren Beitrag als die Russische Föderation zur friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands vor 30 Jahren.

Ich betrachte es deshalb als ein Wunder der Geschichte, wie wir diese Bürgerpartnerschaft pflegen dürfen, die bereits 1983, noch zu Zeiten des Kalten Krieges, von weisen Menschen hier wie dort begründet wurde. Ich bin darum dankbar für die zum Frieden und zur Verständigung ausgestreckte Hand, die wir gern ergreifen. Und ich freue mich, hoffentlich schon bald wieder in Ihre wunderschöne Stadt kommen zu können.

Ich lege heute diesen Kranz an den Gräbern nieder, wo die sterblichen Überreste von 271 russischen Soldaten ruhen, die in der Folge des 1. Weltkriegs in Erlangen verstarben. Ich tue dies in ehrender Erinnerung an die vielen Kriegsveteranen aus Wladimir, die bereits an dieser Gedenkstätte standen.

Ihnen allen, die den Krieg besiegt und den Frieden geschaffen haben, gilt nicht nur heute meine besondere Verehrung. Ihnen möchte ich an diesem Tag mit dieser Geste danke sagen für die Befreiung vom Nationalsozialismus und danke für 75 Jahre Frieden zwischen unseren Völkern. Unsere Verpflichtung ist es nun, diesen Frieden zu bewahren.

Ich gratuliere Ihnen zum Tag des Sieges und wünsche Ihnen ein schönes Fest des Friedens und des Guten.

Florian Janik (gesehen von Othmar Wiesenegger)

 

Дорогие друзья во Владимире!

Пять лет назад мне выпала честь выступить с речью на Площади Победы во Владимире. Сегодня, 75 лет после окончания Второй мировой войны, я обращаюсь к Вам всем из Эрлангена. И, несмотря на то, что сейчас нас разъединяет коронавирус, нас объединяет огромная благодарость за Победу над фашизмом.

Эта борьба против идиологии, направленной на уничтожении всего человеческого, потребовала особенно со стороны Советского Союза неизмеримых потерь. Ниодна другая страна не пострадала от уничтожающего всё на своём пути плана Барбаросса больше, чем Советский Союз, ниодно государство не внесло такого вклада в уничтожение Третьего Рейха как СССР. И, несмотря на ужасные последствия войны, ниодна другая нация не внесла такой вклад в мирное Объединение Германии 30 лет назад как Россия.

Для меня стало чудом истории то, что сегодня мы можем поддерживать побратимство между нашими гражданами. Это – партнёрство, которое началось в 1983 году, ещё во времена Холодной войны, это – связи, которые были заложены мудрыми людьми здесь и там. Поэтому я так благодарен за этот мир, за это взаимопонимание между нами, за эту протянутую руку дружбы, которую мы приняли с такой радостью. И я надеюсь, что уже очень скоро снова смогу приехать в Ваш прекрасный город.

Сегодня я возлагаю венок на могилы 271 русского военнопленного, умершего в Эрлангене во время и после Первой мировой войной. Я делаю это в память о многочисленных ветеранах из Владимира, которые столько раз стояли здесь, вспоминая своих боевых товарищей. Вам всем, победившим войну и сохранившим мир, моё искреннее уважение и почтение. Этим жестом я благодарю Вас за освобождение мира от фашизма и говорю спасибо за 75 лет мира между нашими народами. Наша обязанность сегодня – сохранить его.

С Днём Победы! С праздником мира и добра!

Doch damit nicht genug. Die Partnerschaft kann COVID-19 zwar am unmittelbaren Austausch hindern, hat aber nicht das Zeug, alle Verbindungen abbrechen zu lassen, wie folgendes Projekt beweist:

Gestern hätte in Wladimir nämlich auch eine Ausstellung der Kunstvereine beider Partnerstädte mit dem Titel „Sieg über den Krieg – Erinnerungen“ eröffnet werden sollen. Nun ist sie hier wie dort und überall auf der Welt im Internet zu sehen, und Nils Naarmann stellt das Projekt im Video kurz vor:

Zu sehen ist die Ausstellung hier auf der Homepage des Kunstvereins Erlangen https://is.gd/K6cVm6 sowie des Künstlerverbands Wladimir https://izo33.ru – noch das ganze Jahr und rund um die Uhr. Eine ausführlichere Besprechung des Projekts folgt noch.

Sieg über den Krieg 1

Amil Scharifow und Nils Naarmann

Aber kein Fest ohne Lieder. Deshalb zu guter Letzt für heute noch ein Ständchen im Sitzen mit dem Weltkriegsveteranen Wolfgang Morell, der mit seiner musikalischen Einlage seine Kameraden in Wladimir grüßt.

Und noch eine Zugabe: Wolfgang Morells Freund, Nikolaj Schtschelkonogow, erwidert den musikalischen Gruß und berichtet – freilich auf Russisch – von seinen Begegnungen in Deutschland. Besser kann deutsch-russische Verständigung wohl kaum gelingen… Mit einem Klick hier https://is.gd/bVLgUH sind Sie dort in Wladimir.

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Künstler verfügen über ein besonderes Gespür, über einen eigenen Sinn, Stimmungen zu erfassen, die uns alle bewegen. Als hätte Kirill Wedernikow gespürt, was auf uns alle zukommt, schuf er in den letzten Tagen und Wochen zwei Arbeiten, die der Wladimirer gestern virtuell nach Erlangen mit den Worten schickte:

Ich schreibe Ihnen in weltschweren Zeiten, wo ein Virus durch die Länder tobt und unsere ganze Hoffnung einzig auf der Kunst ruht!

Diese unversell-orthodoxe Pietà könnte man sich ebenso im Bamberger Dom wie an den Mauern einer modernen Kirche vorstellen.

Oder dieser Ritter würde doch in die Dürerstadt passen. Von dem fränkischen Renaissancemaler ließ sich Kirill Wedernikow übrigens bei seinen beiden Besuchen in Erlangen 2019 besonders inspirieren. Nicht von ungefähr könnte er sich auch den Titel „Melancholie“ für diese Arbeit vorstellen. Inspiriert jedenfalls wurde sie von einer Besichtigung der Lorenzkirche in Nürnberg. Der Geist des Austausches lebt weiter – auch in Zeiten des Besuchsverbots und der Ausgangssperre.

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Seit gut zwei Jahren geht wladimirpeter mit Facebook fremd, wo auf https://is.gd/Dlyc6c ein kleiner Artikel über Kirill Wedernikow erschien, dessen von der Volkshochschule angekaufte Arbeit einen Handzettel zur Werbung für die Veranstaltungsreihe „Studium generale“ ziert. Nun veröffentlichte der Wladimirer Künstler eine Stellungnahme hierzu, die es verdient, hier in Übersetzung wiedergegeben zu werden:

Kirill Wedernikow reagierte spontan auf diese Publikation mit den Worten: „Das ist SEHR wichtig für mich!“

Vor ungefähr einem Jahr fand in Erlangen (Deutschland) die Eröffnung der Ausstellung (R)Evolution in der Volkshochschule statt. Bevor ich die Einladung zur Teilnahme erhielt, hatte ich durchaus seltsame Mißgeschicke wegzustecken. Das eine ums andere Mal verweigerte man mir die Möglichkeit, Monumentalarbeiten in meiner Heimat, der Region Wladimir, zu verwirklichen. Mal ging es ums Geld, mal kam Druck durch kritische Worte, wonach ich alles andere als ein Künstler sei. Und das, obwohl es damals schon Straßenkunst von mir in Petersburg, Nischnij Nowgorod oder Astrachan gab. Alles Situationen, die ganz gewöhnlich sind für die Kunstwelt! Doch damals nahm ich mir mein Mißlingen sehr zu Herzen.

Und da kam die Ausstellung (R)Evolution! Es drängt mich gleich, einige Worte zu Erlangen zu sagen, wo das alles geschah. Ungeachtet dessen, daß sie eher klein ist, überwältigt Wladimirs Partnerstadt mit ihrer Zahl an wissenschaftlichen Forschungsinstituten und Hochschulen. Natürlich war denn auch das entsprechende Publikum anwesend. Ohne auf Einzelheiten der Ausstellung selbst und der teilnehmenden Menschen einzugehen, kann ich mit Überzeugung sagen: Alles fand auf höchstem Niveau statt! Einfach und lakonisch gesagt! Neben allem anderen gab es einen Runden Tisch, an dem ich mit Kulturschaffenden über die Kunst und über Rußland sprach. Gar nicht so wenige meiner Arbeiten blieben dort, in Deutschland. All das ist zweifellos sehr wichtig für mich. Aber noch wichtiger und wohl die Hauptsache ist jener Impuls der deutschen Kultur und Philosophie, den ich erhielt. Etwas, das ich jetzt in meinem Werk verarbeite. Im Raum irgendwo zwischen Industrieschloten und verfallenen gotischen Gotteshäusern…

Kirill Wedernikow: Ohne Titel, 2019/20

Und dann verweist der Künstler auf den Artikel „der Kollegen“: https://is.gd/BC2Z9s, wobei er auch diesen Eintrag im Blog hätte erwähnen können: https://is.gd/oj42Mw

Kirill Wedernikow: Festmahl der Könige, 2019

Anlaß genug, neben der Gruppe Andersartig und dem Kunstverein Tennenlohe in Zusammenarbeit mit Dieter Erhard wieder einmal besonders der Volkshochschule, namentlich Jutta Brandis, für den unschätzbaren Beitrag zur Städtepartnerschaft und insbesondere für die künstlerische Entwicklung von Kirill Wedernikow zu danken.

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Wie schnell es manchmal gehen kann: Anfang Juli hatte das Ehepaar Heinz und Elvira Gerhäuser eine Einladung der Staatlichen Universität zur Teilnahme an einer wissenschaftlichen Tagung angenommen https://is.gd/u8FvX6 und dabei neben dem Bildhauer Igor Tschernoglasow vor allem Jewgenia Kulikowa kennengelernt. Bei diesem Treffen der fränkischen Künstlerin und der russischen Dozentin für Keramik, Design und Architektur muß es zu einer kreativen Initialzündung gekommen sein, denn nach einem intensiven Austausch von Informationen und Vorstellungen per Internet folgte Jewgenia Kulikowa dem Ruf nach Waischenfeld, um ihre Gastgeberin zwei Wochen lang darin zu unterweisen, wie man am besten Tonformen vorbereitet, die ihrer Glaskunst später Form und Gestalt verleihen sollen. Ein Meisterinnenkurs eben.

Jewgenia Kulikowa, Heinz und Elvira Gerhäuser, Igor und Sergej Tschernoglasow

Und dann kommt gestern auch noch der Großmeister der Wladimirer Kunstszene mit seinem Sohn für einige anregende Stunden hinzu. Beide hängen noch einige Tage an das Symposium im Skulpturenpark von Tennenlohe dran, um Museen und Kirchen zu besichtigen und neue Inspirationen zu sammeln. Igor Tschernoglasow examinierte einst die damalige Studentin Jewgenia Kulikowa, dann verloren sich die beiden aus den Augen; erst die Städtepartnerschaft brachte sie nun wieder zusammen.

Elvira Gerhäuser und Jewgenia Kulikowa

Wo aber zwei oder drei sich im Namen der Kunst versammeln, da ist die Inspiration mitten unter ihnen. Und so nimmt es denn auch nicht wunder, wenn schon nach kurzer Zeit nicht nur über all die Feinheiten und Nuancen der verschiedenen Techniken, sondern auch über Möglichkeiten gesprochen wird, wie man in Zukunft mehr gemeinsam machen könnte. Gern auch unter Einbeziehung der Naturwissenschaften, die, wie der ganzheitlich denkende, ehemalige Direktor des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen und Mitentwickler des MP3-Systems, meint, von diesem Dialog mit der Kunst viel lernen können.

Wie das gehen könnte macht seine Frau, die selbst Kinder in Kunst unterrichtet, bereits vor: die Grenzen der Materialien überschreiten, Fusionen herstellen, Mischformen gestalten.

Man darf gespannt sein auf die Ergebnisse dieser neuen Zusammenarbeit – und erst recht auf die Früchte der Ideen, die da gestern in der ruhenden Mitte der Fränkischen Schweiz zu keimen begannen. Es wird vielleicht länger dauern als die wenigen Wochen Vorbereitung auf den Meisterinnenkurs, aber die Geduld wird sicher belohnt.

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Vom 3. bis 5. Juli veranstaltete die Staatliche Universität Wladimir eine Internationale Konferenz zu Fragen der Zukunftstechnologien beim Informationstransfer. Mit dabei Heinz Gerhäuser, Direktor a.D. des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen und der emeritierte langjährige Leiter des Lehrstuhls für Mustererkennung an der FAU. Beiden Wissenschaftlern hatte die Hochschule der Partnerstadt im Jahr 2005 die Ehrenprofessorenwürde für ihr herausragendes Wirken im Rahmen des Forschungsaustausches zwischen Erlangen und Wladimir verliehen. Nun folgten beide, begleitet von Elvira Gerhäuser, der Einladung zur Teilnahme an dem Kongreß, ausgesprochen von Ludmila Suschkowa, Kuratorin der naturwissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Erlangen und Leiterin des Lehrstuhls für biomedizinische und elektronische Mittel und Technologie.

Heinrich Niemann, Elvira Gerhäuser, Ludmila Suschkowa, Igor Tschernoglasow und Heinz Gerhäuser im Erlangen-Haus

Die fränkische Troika war bereits am 1. Juli angereist, um sich auf die Konferenz vorzubereiten; nun bleiben noch einige Tage, um sich der Kultur zu widmen. Das gilt besonders für Elvira Gerhäuser http://www.eghs.de, die im Jahr 2005 bereits einmal ihre Arbeiten in Wladimir zeigte. Nun führt sie ihr Kollege, Igor Tschernoglasow, der im August übrigens selbst wieder nach Erlangen kommt, noch ein wenig durch die Kunstszene der Partnerstadt. Was sich aus diesem neuen Amalgam aus Wissenschaft und Kunst ergibt, werden wir sicher bald in konkreten Projekten erleben können.

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Kaum sind die Arbeiten von Kirill Wedernikow in der Volkshochschule Erlangen abgehängt, da schließt sich ein neues internationales Projekt an diese erste Ausstellung im Ausland des Wladimirer Künstlers an. Nicht verwunderlich für all jene, die sein Werk kennen.

Derzeit arbeitet Kirill Wedernikow an dem Projekt „35×35“, und demnächst zeigt das Copelouzos Family Art Museum in Athen seine jüngsten Werke, darunter ein Minotaurus. Es ist sogar geplant, ein Buch mit Arbeiten des Künstlers herauszugeben. Da kommt Vorfreude auf!

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Er ließ es sich nicht anmerken, aber ein wenig nervös war Kirill Wedernikow gestern schon, so kurz vor der Ausstellungseröffnung in der Volkshochschule mit Oberbürgermeister Florian Janik und all den vielen Gästen aus Politik, Verwaltung und vor allem natürlich Kunst und Kultur. Doch schon im Gespräch mit Erlangens Stadtoberhaupt löste sich die Spannung und wich der Freude darüber, mit welcher wißbegierigen Offenheit man seinen Arbeiten begegnete.

Irene Hetzler, Florian Janik, Kirill Wedernikow, Carolin Gugel und Hans-Peter Singer

Der Künstler hätte es freilich auch schon vorher wissen können. Denn von Beginn an hatte er – „trotz meiner geringen Englischkenntnisse“ – mit der Gruppe Andersartig eine gemeinsame Sprache gefunden, hatte die Verständigung über die Kunst, diese universelle Form des menschlichen Ausdrucks, bestens funktioniert. Und es war manchmal beim Aufbau, als hätten die Bilder ihren Platz an den Wänden und in den Räumen selbst gefunden.

Jutta Brandis

Glücklich und zufrieden jedenfalls waren nicht nur die Künstler, sondern vor allem Jutta Brandis, die mit „(R)Evolution“ nach dreißig Jahren des Wirkens an der Volkshochschule hiermit ihre vorletzte Ausstellung kuratierte, darunter viele mit Gästen aus Wladimir. Doch keine hatte sie nach eigenen Worten bisher so mit Freude über das Gelingen erfüllt wie diese, die nun noch bis zum 12. April in den Räumen der Volkshochschule, Friedrichstraße 19, zu sehen sind.

Peter Steger, Kirill Wedernikow, Hans-Peter Singer, Jutta Brandis, Carolin Gugel, Irene Hetzler, Michael Ort und Eva Herrmann

Zeit genug also, sich selbst noch einen Eindruck zu verschaffen von diesem deutsch-russischen Projekt einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, die Florian Janik in seinem Grußwort als wichtiges Element der Verständigung in Zeiten politischer Konflikte lobte, die aber auch zeigt, wie gut Künstler verschiedener Länder konzeptionell zusammenfinden können. Denn, so Kirill Wedernikow: „Sie entsteht zwar in Raum und Zeit, ist aber nicht an diese Dimensionen gebunden, wirkt darüber hinaus.“ Worte, die so auch gelten könnten für das eigens zu dieser Ausstellung komponierte „Concertino für Vibraphon und Klavier“, uraufgeführt von Michael Ort und Eva Herrmann.

Anke Steinert-Neuwirth, Peter Steger, Kirill Wedernikow, Hans-Peter Singer, Carolin Gugel und Irene Hetzler

Ein großer Teil der Bühne – und auch der Ausstellungsfläche – gehörte gestern dem Gastkünstler, der Gelegenheit erhielt, anhand eines Videos mit beeindruckend animierten Arbeiten aus seiner jüngsten Schaffensperiode und einer Präsentation seinen Werdegang darzustellen. Erstmals im Ausland und erstmals in dieser Ausführlichkeit, denn in der Heimat können sich nicht alle an seiner Ästhetik etwas abgewinnen.

Karin Günther und Peter Millian

Sie hat ja auch tatsächlich etwas Düsteres, und vor allem in seinem Zyklus der Lost Places und Industriebrachen sehe man wenig Optimismus und Aufbruch, wie Peter Millian von den Erlanger Nachrichten bemerkte. „Richtig“, bestätigte der 27jährige Künstler aus Wjasniki, hundert Kilometer östlich von Wladimir gelegen, „aber aus diesem Schatten bin ich herausgetreten, diese Periode liegt hinter mir.“

Zwar, so der Künstler, ziehe ihn noch immer diese Landschaft des Verfalls mit ihren groben Formen und den unendlichen Räumen des Vergehens magisch an, weil es da so viel Gestaltungsmöglichkeit gebe, aber nach seinen Anfängen im Bereich des Graffiti und der Straßenkunst und all den Lehrjahren durch die Kunsthochschule in Susdal sowie die Aufenthalte in Sankt Petersburg und Moskau wende er sich nun stärker philosophischen, theologischen und mythologischen Themen zu.

Kirill Wedernikow im Gespräch

Man hört es aus seinen Worten heraus, man merkt es seinen Bildern an: Hier wird man Zeuge eines künstlerischen Reifeprozesses, der auf dem Weg zu echter Meisterschaft ist, im Ausdruck wie im Handwerk. Passend zum evolutionären Titel der Ausstellung mit dem R in Klammern.

So richtig zur Geltung kommt das im Musikzimmer, wo die Keramiken von Carolin Gugel und die Arbeiten von Kirill Wedernikow einander nicht nur ergänzen, sondern in ihrer Wirkung verstärken, formal wie inhaltlich. Aber davon sollte man sich selbst überzeugen. Zeit ist ja noch genug.

Und nehmen Sie sich auch ein paar Minuten für die Mappen, wo sich neben Angaben zu den Persönlichkeiten auch die Preise für die Arbeiten finden. Es bietet sich die exklusive Gelegenheit, eine Wedernikow-Sammlung, die erste in Deutschland und außerhalb seiner russischen Heimat, aufzubauen.

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