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Posts Tagged ‘deutsch-russischer Kunstaustausch’


Im September vergangenen Jahres schuf er bei dem Skulpturensymposium in Erlanger Stadtteil Büchenbach die Holzfigur „Widerstand“, nun plant Jurij Iwatko für heuer seine Teilnahme am Tennenloher Kunstfest im August. Begleitet von seiner Frau, Jelena Jermakowa.

Jurij Iwatko und Jelena Jermakowa

Das Künstlerehepaar aus Alexandrow, fast zwei Autostunden nordwestlich von Wladimir gelegen, teilt bei allen Unterschieden – sie arbeitet viel im Bereich Enkaustik, er kann auf ein großes Œuvre auf dem Gebiet der Bildhauerei verweisen – die Meisterschaft in der Graphik und Lyrik. Nun würden die beiden Mitglieder des Wladimirer Kunstvereins gern beide ihr Können in Erlangen zeigen, sie bei einer Werkstattveranstaltung die Enkaustik, er bei der öffentlichen Gestaltung seiner neuen Skulptur „Sisyphos“.

Sisyphos-Entwürfe von Jurij Iwatko

Die mythologische Figur, verdammt dazu, den Fels, der immer wieder hinabrollt, fortwährend nach oben zu tragen, versteht Jurij Iwatko universell als Symbol für den Kampf gegen die Gravitation und hat dafür bereits eine Reihe von Entwürfen vorbereitet. Für welchen er sich dann aber vor Ort entscheidet, steht noch nicht fest. Das wird auch vom Material abhängen, das die Veranstalter vom Kunstkreis Tennenlohe bereitstellen.

Jurij Iwatkos Lieblingsmotiv im Kreml von Alexandrow

Aus Erlangen kommen nur wenige Besucher nach Alexandrow. Schade eigentlich, denn die Kreisstadt im Gouvernement war von 1564 bis 1581 Residenz von Iwan dem Schrecklichen, Sitz der staatlichen Druckerei, der Ort, wo der Zar die Gesandtschaften aus aller Welt empfing, von wo aus er den Feldzug gegen Nowgorod in Gang setzte – und wo er im Jähzorn seinen Sohn Iwan erschlug. Von dieser Bluttat erschüttert, kehrte der Selbstgekrönte zurück in den Kreml von Moskau, wo er schon drei Jahre darauf starb und ein folgenschweres Machtvakuum hinterließ, das ein Jahrhundert später Peter der Große zu füllen wußte, nachdem er sich auf den „Deutschen Bergen“, ganz in der Nähe von Alexandrow, in der Kriegskunst geübt hatte.

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„Ich hätte nie gedacht, in nur fünf Tagen eine solche Skulptur zuwege bringen zu können“, schüttelte heute morgen noch kurz vor dem Abflug Jurij Iwatko staunend den Kopf. „Aber die Umstände und die Deutschen ließen mir keine Wahl…“ In der Tat war der Zeitrahmen für das Bildhauersymposium auf dem Rudeltplatz zum Thema „Tier – Liebe / Tierliebe“ vom Förderverein „Kunstzeit“ recht eng gezogen, um das so anspruchsvolle Material Holz zu bearbeiten. Doch der Künstler aus Alexandrow in der Region Wladimir wußte sich zu helfen und traf die richtige Wahl unter seinen fünf Entwürfen, die er von zu Hause mitgebracht hatte.

Widerstand, Skulptur von Jurij Iwatko, gesehen von Dominik Steger

Entschieden hat sich das Mitglied des Wladimirer Kunstvereins schließlich für den Fisch aus Holz, dem er den Namen „Widerstand“ gab, ohne zu wissen, wie sehr das zu den Stadtwerken passen würden, die seinen Aufenthalt finanzierten und für das hervorragende Erlanger Trinkwasser ebenso wie für die Fischtreppe an der Wöhrmühle zuständig sind.

Widerstand, Rückseite der Skulptur von Jurij Iwatko, gesehen von Dominik Steger

Laut Vereinbarung des Veranstalters mit den Teilnehmern am Symposium gehen die Arbeiten in den Besitz der Mäzene über. Die Erlanger Stadtwerke zeigten sich gestern glücklich über die gelungene Skulptur, die im neu einzurichtenden Ausbildungszentrum ihren Platz finden soll. Und der Künstler selbst: „Das war eine richtige Hamburger Rechnung, wie man auf Russisch sagt. Es ging alles fair und nach den Regel zu, und ich bin den Gastgebern dankbar für diese Erfahrung. Hauptsache, die Arbeit ist gelungen und der Künstler selbst ist auch zufrieden.“ Was will man mehr!

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„Eine derart leidenschaftliche Rede von einem Politiker für Friede und Verständigung hätte ich nicht erwartet. Ich bin zutiefst von seiner Emotionalität beeindruckt und freue mich über sein Bekenntnis zur Partnerschaft“, bekannte Jurij Iwatko nach dem Grußwort von Florian Janik, der gestern abend die Eröffnung der Ausstellung „Pulverfässer 1914 / 2014“ zum Anlaß nahm, auf zwei ganz aktuelle Bezüge zum Motto der Veranstaltung hinzuweisen: Auf die bereits heute im Eilverfahren notwendige Aufnahme von etwa 300 Flüchtlingen aus der unzumutbar überfüllten zentralen Einrichtung in Zirndorf, die man zunächst notdürftig in Zelten unterbringen müsse. Aber auch auf den unerklärten und unerklärlichen Krieg im Osten der Ukraine.

Jurij Iwatko, Florian Janik und Jelena Jermakowa

Jurij Iwatko, Florian Janik und Jelena Jermakowa

Desto wichtiger die Teilnahme von Wladimirer Künstlern an der Ausstellung, desto wichtiger die gegenseitige Einladung zum Austausch und Dialog. Desto herzlicher auch der Beifall für Jurij Iwatko und seine Frau Jelena Jermakowa, also Florian Janik die russischen Freunde dem vielköpfigen Publikum vorstellte. Denn zumindest in den Räumen des Kunstvereins Erlangen will niemand Krieg. Auch und gerade nicht Jurij Iwatko, der im Gespräch mit Erlangens Oberbürgermeister seine zwei Verwandten, die im Zweiten Weltkrieg verwundet wurden, und die Freunde, die traumatisiert aus dem Afghanistan-Krieg zurückkehrten. Deshalb auch sein Bekenntnis: „Das letzte, was ich will, ist Krieg. Krieg ist eine tragische Sackgasse. Friede der einzige Weg.“ Und zur aktuellen Situation in der Ukraine: „Jetzt ist es an der Zeit, nicht danach zu fragen, wer die Schuld an der Entwicklung trägt, sondern wie man die Gewalt aufhalten kann!“

Reiner Schulz und Jurij Iwatko mit der Skulptur "Requiem" von Igor Tschernoglasow

Reiner Schulz und Jurij Iwatko vor der Skulptur „Requiem“ von Igor Tschernoglasow aus Wladimir

In der von Reiner Schulz initiierten Ausschreibung zum Projekt wird George F. Kennan mit seinem berühmten Ausspruch zitiert: „Die politische und militärische Lage in Europa glich 1914 einem Pulverfaß, und es brauchte nur einen vergleichsweise kleinen Anlaß, um die europäische Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts auszulösen.“ Was dann im Text folgt, widerlegt jeder Schuß im Osten der Ukraine auf dramatische Weise: „Heute ist die Feindschaft zwischen den Völkern in Europa überwunden, und Freundschaft ist gelebte Normalität. Kriege im damaligen Sinne sind unvorstellbar geworden. Aber auch heutzutage sind wieder Pulverfässer vorhanden, z.B. in der Wirtschaft und in der Finanzwelt.“ Wenn das nur so wahr geblieben wäre!

Karin Lippert und Michael Jordan

Karin Lippert vom Kulturprojektbüro und Zeichner Michael Jordan

Reiner Schulz macht denn auch in seiner Rede keinen Hehl daraus, kalt erwischt worden zu sein von der Entwicklung zwischen Rußland und der Ukraine, zwischen Ost und West. Aber auch enttäuscht worden zu sein, daß es nicht gelungen ist, Künstler aus Rennes zur Teilnahme an der Ausstellung zu gewinnen. Eigentlich nämlich war die Schau als eine künstlerische Trikolore gedacht; nun ist halt eben ein deutsch-russisches Projekt daraus geworden.

Katalog zur Ausstellung "Pulverfässer 1914 - 2014"

Katalog zur Ausstellung „Pulverfässer 1914 – 2014“

Und eines, das zu sehen lohnt! 53 Künstler, davon sechs aus Wladimir, haben mehr als einhundert Arbeiten aller denkbaren Techniken und Stilrichtungen eingereicht, 20 davon wurden von der Jury für die Ausstellung ausgewählt, aber sie alle sind in dem ansprechend gestalteten zweisprachigen (Dank und Lob an Anna Makarowa und Nadja Steger für die Übersetzungen!) Katalog enthalten, der für 10 Euro zu erwerben ist.

Stadträtin Ursula Lanig im Gespräch mit Jurij Iwatko und Jelena Jermakowa

Stadträtin Ursula Lanig im Gespräch mit Jurij Iwatko und Jelena Jermakowa

Jurij Iwatko ist zwar stolz, erstmals an einer Ausstellung in Europa teilnehmen zu können, aber gleich so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, entspricht dann doch nicht ganz seinem Naturell. Was er mit seiner Kunst ausdrücken will, das erklärt er freilich gern im persönlichen Gespräch anhand seines Triptychons „Schematische Anatomie der Aggression“. Teil 1, die „willkürliche Form“, zeigt ein Stück Leinwand, in Zinn gegossen, wo noch alle Formen unberührt, zu allem bereit wirken. Teil 2, „Eindringen“ oder „Invasion“, kündet mit dem gewaltsamen Vormarsch von Waffen gegen die Sphäre der Leinwand von der bevorstehenden Zerstörung, und Teil 3, „Spuren der Gewalt“, stellt den Betrachter vor das Chaos, wo die ursprüngliche Ordnung ebenso verloren scheint wie die Waffen zerbrochen sind: „Es kann keine Sieger geben“, so das Fazit des Künstlers. „Im Krieg verlieren alle!“

Beryll Höfling, Geschäftsführerin der Kulturstiftung, die das Projekt unterstützt hat, und Hannelore Heil-Vestner, ehemalige Vorsitzende des Kunstvereins Erlangen

Beryl Höfling, Geschäftsführerin der Kulturstiftung, die das Projekt unterstützt hat, und Hannelore Heil-Vestner, ehemalige Vorsitzende des Kunstvereins Erlangen

Nicht ungenannt sollen auch die Künstler aus Wladimir bleiben, deren Beiträge zum Projekt nicht (noch bis zum 27. September) in der Ausstellung  zu sehen, aber im Katalog zu entdecken sind: Jelena Sacharowa-Starowerowa mit dem Triptychon aus Emaille auf Holz „Frieden in Rothenburg“, „Frieden in Wladimir“, „Frieden für alle“; Anatolij Demjanow mit dem Diptychon „Der Kampf“ und „Die Konfrontation“ in Sepia auf Papier; Ludmila Chosjaschewa mit den beiden Papierarbeiten in Mischtechnik „Laßt ihn leben…“ und „Traum“ sowie Dmitrij Cholin mit den beiden Werken in Holz, Glas und Öl „Die Bezwingung“ und „Das Geheimnis“.

Hier der Video, den das Ehepaar aus Wladimir zur Eröffnung der Ausstellung gedreht hat: https://yadi.sk/i/35_P4Mk3bYD6i

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1987 kam zum ersten und einzigen Mal der mittlerweile verstorbene Gründer der Wladimirer Malschule, Kim Britow, nach Erlangen, 1991 organisierte der Journalist Axel Mölkner mit Unterstützung von Adam Stupp, dem heutigen Ehrenvorsitzenden des Erlanger Kunstvereins, die erste Ausstellung von Graphikern aus der Partnerstadt. Es folgte eine Vielzahl von Gegenbesuchen. Erinnert sei nur an den Stahlbildhauer Johannes Koch, dessen Skulpturen zusammen mit einer Steinarbeit von Stefan Schnetz im Garten des Erlangen-Hauses vor dem Hintergrund der gemeinsam von Erlanger und Wladimir Künstlern gestalteten Mauer zu sehen sind, oder an die Figuren von Igor Tschernoglasow, die auf Anregung von Dieter Erhard im Erlanger Ortsteil Tennenlohe stehen. Ab 2001 dann ein regelmäßiger Austausch zwischen den Kunstvereinen der Partnerstädte, vielgestaltig-kreativ und bunt, wie es eben so zugeht zwischen Erlangen und Wladimir. Da ist es nur folgerichtig, wenn auch zum dreißigjährigen Jubiläum der Partnerschaft die Kunst ihren Platz mit einer eigenen Ausstellung hat.

Henrike Franz, Gugel, Uwe Schein

Ingrid Riedl, Henrike Franz, Carolin Gugel, Uwe Schein

Bildende Kunst funktioniert auch ohne Worte! Diese Auffassung wurde bei unserer Ausstellung der Gruppe plus des Kunstvereins Erlangen im Folkloremuseum in Wladimir bestätigt. Durch die wunderbare Hilfe der Wladimirer Künstlerkollegen war es gelungen, eine Ausstellung mit 38 Werken von 18 Künstlern aus Erlangen in unserer Partnerstadt zeigen zu können. Sehr hilfreich war dabei die kompetente Übersetzungsarbeit unserer Dolmetscherin Natalia Talatina. Eine erste Hürde war es jedoch, die Kunstwerke nach Wladimir zu transportieren. Doch dabei konnten wir auf Peter Steger vom Städtepartnerschaftsbüro zählen, der selbst buchstäblich die Werke in die Hand nahm und durch den Zoll brachte.

Gruppenbild der Erlanger und Wladimirer Künstler mit Kultur-Bürgermeisterin Jelena Owtschinnikowa in ihrer Mitte

Gruppenbild der Erlanger und Wladimirer Künstler mit Kultur-Bürgermeisterin Jelena Owtschinnikowa in ihrer Mitte

Der herzliche und offene Kontakt mit unseren russischen Kollegen hat uns immer wieder beeindruckt. Wir erhielten Einblick in ihre Bild- und Arbeitswelt, indem Sie uns ihre Ateliers zeigten. Dies wird sicherlich unserer Auseinandersetzung mit der Kunst beeinflussen. Eine baldige Gegeneinladung mit gemeinsamem Arbeiten und auch mit einer gemeinsamen Ausstellung liegt uns sehr am Herzen.

Henrike Franz

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Diese Partnerschaft hält immer wieder neue Überraschungen und Entdeckungen bereit. So lebt in Erlangen ein russischer Künstler – fast unerkannt – und arbeitet im Brotberuf als IT-Ingenieur bei einem Consulting-Unternehmen.

Faberden: Gartenfee in Wladimir.

Im Urlaub zieht es ihn oft in die alte Heimat zurück. Wladimir und Sudal kennt er von vielen Besuchen. Die Arbeiten, die dabei entstehen – und etwas mehr zum Schaffen des Künstlers mit dem Pseudonym Iwan Faberden -, findet man virtuell unter www.faberden.com.

Faberden: Streß in Wladimir.

Bei so viel Bezug zur Partnerstadt drängt sich der Gedanke förmlich auf, auch einmal eine Ausstellung mit Werken von Iwan Faberden hier wie dort zu machen. Vielleicht sogar schon im Jubiläumsjahr 2013. In jedem Fall wird bald mehr von ihm zu sehen und zu lesen sein, zumindest hier im Blog.

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