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Posts Tagged ‘deutsch-russischer Kunstaustausch’


Gestern feierte der Chefredakteur des Blogs Geburtstag. Wie es die Fügungen des Lebens so wollen, holte Irina Chasowa just am 5. April das von Jelena Jermakowa im Jahr 2015 gezeichnete Portrait des Partnerschaftsbeauftragten aus der Galerie ab, wo es im Rahmen einer Ausstellung einen Monat lang bis zum vergangenen Sonntag gehangen hatte. Nun, so der Beschluß der Direktorin des Erlangen-Hauses und ihres Teams, soll das Kunstwerk in der Schaltzentrale der Städtepartnerschaft hängen, bis der Kollege und Freund endlich wiederkommt, der aus den bekannten Gründen seit September 2019 (!) nicht mehr in Wladimir gesehen ward.

Irina Chasowa, Tatjana Kirssanowa, Natalia Korssakowa und Swetlana Schelesowa

Die Arbeit von Jelena Jermakowa weckte natürlich sofort die Erinnerung an ein weiteres Portrait, gezeichnet im Jahr 2003 von Michail Belan. Und nun der wagemutige Blick in die Zukunft. Es laufen bereits die Vorbereitungen auf den Russisch-Deutschen Wochen im Januar 2022. Bis dahin sollte die Pandemie von all den Impfstoffen dahingerafft sein. Eingeladen jedenfalls ist schon einmal der Künstler aus Wladimir, um einen Zeichenkurs zu geben und das eine oder andere Bildnis anzufertigen. Und schon im Mai ist eine Arbeit des Karikaturisten im Rahmen einer Ausstellung der katholischen Hilfswerks Renovabis in Herz Jesu zu sehen. Näheres dazu etwas später.

Aber nicht nur zum Geburtstag gibt es einen Nachtrag: Gestern traf in der Redaktion auch noch dieser Ostergruß von Wladimir Fedin ein. Ein schönes Bild kommt ja nie zu spät – und außerdem steht ja am 2. Mai das orthodoxe Osterfest an. Dann freilich sollte rund um Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl auch der letzte Schnee weggetaut sein.

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Am 3. März bereits verstarb, wenige Wochen vor seinem 94. Geburtstag, Johann Adam Stupp, Ehrenvorsitzender des Erlanger Kunstvereins, dem die Städtepartnerschaft, angeregt vom Journalisten Axel Mölkner, die erste Gemeinschaftsausstellung von vier Wladimirer Künstlern verdankt. Im Vorwort des Katalogs zur Ausstellung im November 1992 schreibt er selbst:

Freundschaftliche Beziehungen zu den bildenden Künstlern unserer russischen Partnerstadt Wladimir bestehen nun schon seit einer Reihe von Jahren. Wir erinnern uns dankbar an die Ausstellung von Malerei, Graphik und Plastik aus Erlangen in Wladimir 1986. Im darauffolgenden Jahr konnten wir einen Maler aus Wladimir – es war Kim Britow – im Rahmen der Wladimirer Kultur- und Sporttage als Gast bei uns begrüßen. Wir hoffen zuversichtlich, daß diese Begegnungen in beiden Partnerstädten fortgeführt werden können.

Johann Adam Stupp

Und Andrej Filinow, heute Direktor des Staatlichen Wladimirer Lokalsenders, der damals die Gruppe als Journalist begleitete, erinnert sich:

Erlanger Nachrichten, 24./25. Oktober 1992

Vor fast dreißig Jahren… Damals taten Wladimir und Erlangen, wenn ich es richtig sehe, mit dem Austausch von Kulturschätzen einen der ersten und ausgesprochen erfolgreichen Schritte in der Volksdiplomatie aufeinander zu. Ich meine jene Ausstellung mit Arbeiten von Wladimirer Graphikern in Erlangen, organisiert unter Mitwirkung des Kunstvereins und persönlich von Johann Adam Stupp, die zu einer ausgezeichneten Visitenkarte unserer altrussischen Stadt zu einer Zeit wurde, als sich die partnerschaftlichen Beziehungen, angetrieben von dem glänzenden Russisten und großartigen Organisator, Peter Steger, erst so richtig zu entfalten begannen. Mit glühendem Enthusiasmus halfen ihm und den Künstlern die jungen Journalisten, Axel Mölkner von den „Erlanger Nachrichten“ und der Autor dieser Zeilen, Andrej Filionow, damals Mitarbeiter der Lokalzeitung „Mestnoje Wremja“ („Ortszeit“). Die Zusammensetzung der Ausstellungsteilnehmer erwies sich als einzigartig. Vorneweg mit den Arbeiten von zwei bereits damals anerkannten Meistern, Pjotr Dik und Boris Franzusow. Letzterer konnte nicht mit nach Deutschland kommen, weil er bereits todkrank war, aber seine Arbeiten, die zu den allerbesten Beispielen der russischen Graphik gehören, fanden viel Raum in der Ausstellung. Aus seinem Schaffen in der Technik der klassischen Radierung bildete sich eine eigene Schule heraus. Aber auch die damals noch jungen und später mit dem Titel „verdiente Künstler Rußlands“ ausgezeichneten Anatolij Denissow und Jurij Tkatschow erhielten die Möglichkeit, ihr reiches Können zu zeigen. Diese klassische Tradition umschatteten großartig die tiefgründigen, emotionalen und philosophisch aufgeladenen Pastelle von Pjor Dik. Der Umstand, daß er ethnischer Deutscher war, brachte eine besondere Note in die Betrachtung seiner Arbeiten und zeugte von der schon seit langer Zeit wirkenden gegenseitigen Durchdringung der russischen und deutschen Kultur, zweier großer europäischer Völker. Aber diesem Austausch wohnte noch eine weitere interessante Synergie inne: Die Arbeiten der Künstler wurden im Katalog von Gedichten des Autors dieser Zeilen in der Übersetzung von Peter Steger kommentiert. Ein weiterer Beweis dafür, wie eng Kunst und Literatur unsere Völker verbinden. Dieses Ereignis hinterließ jedenfalls in den Herzen der Teilnehmer (leider weilen Pjotr Dik und Boris Franzusow bereits nicht mehr unter uns, und nun ist dieser Tage auch Johann Adam Stupp von uns gegangen) die farbenfrohesten Erinnerungen und wurde auf viele Jahrzehnte zum Unterpfand der guten Beziehungen zwischen den Partnerstädten.

Johann Adam Stupps Hoffnung sollte sich erfüllen: Es folgten ungezählte weitere Ausstellungen in Zusammenarbeit der Kunstvereine Erlangen und Wladimir, auch längere Aufenthalte hier wie dort, um vor Ort an Kulturprojekten mitzuarbeiten. Den bisherigen Höhepunkt erlebte die Partnerschaft in dieser Hinsicht vor einem Jahr, als sich die beiden Verbände darauf vorbereiteten, zum 75. Jahrestag des Kriegsendes eine gemeinsame Ausstellung in Wladimir zu zeigen, die dann freilich wegen Corona nur virtuell gezeigt werden konnte.

Eine besonders enge und freundschaftliche Verbindung entstand zwischen Pjotr Dik und dem Erlanger Kunstfreund. Auf Initiative von Johann Adam Stupp verlieh im Jahr 2000 dem Wladimirer Graphiker denn auch den Hauptpreis des Rußlanddeutschen Kulturpreises in der Kategorie Kunst. Zweifellos ein Höhepunkt auch für die Partnerschaft insgesamt. Auch mit Percy Gurwitz verband den Verstorbenen viel, denn seine Frau stammte, ebenso wie der Wladimirer Gelehrte, aus Riga.

Der Dichter

Er sieht so manches lang voraus,
sobald es ihn zu sprechen drängt.
Kaum macht man sich etwas daraus,
man ihn am liebsten gleich erhängt.
Andrej Filionow

Im gemeinsamen Vorwort zum Ausstellungskatalog schreiben Axel Mölkner und Andrej Filinow ein Wort des Dankes, das heute noch Gültigkeit besitzt und deshalb abschließend hier zitiert werden soll:

Vielen in Erlangen gebührt für ihre Unterstützung Dank. Die Ausstellung ermöglicht hat der Kunstverein und sein Vorsitzender, Adam Stupp. Bei der Stadt Erlangen haben sich der Partnerschaftsbeauftragte, Peter Steger, der die Gedichte mit viel Liebe übersetzte, und Kulturreferent Wolf-Peter Schnetz für die Ausstellung eingesetzt. Für die finanzielle Unterstützung durch die Siemens AG haben sich Rita Werneyer und Jörg Hahn stark gemacht; beim OBI Baumarkt Franken sorgte dafür Hermann Gumbmann.

Ausstellungseröffnung im Palais Stutterheim: Johann Adam Stupp, Jelena Prokofjewa, Andrej Filinow und, fast verdeckt, Jurij Tkatschow. Im Hintergrund: Hermann Gumbmann, Axel Mölkner, Natalia Oserowa und Anatolij Denissow

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Am 4. März öffnete in Wladimir eine Ausstellung mit Jelena Jermakowa und Anna Titowa aus der Kreisstadt Alexandrow, 125 km nordwestlich der Partnerstadt gelegen.

Partnerschaftsbeauftragter, Peter Steger, vor dem Erlanger Rathaus

Gestern nun schickte Jelena Jermakowa den bebilderten Veranstaltungshinweis mit Wiedererkennungseffekt.

Anna Titowa und Jelena Jermakowa

Die Künstlerin, die erst 2014, nach dem Tod ihres ersten Mannes, zum Bleistift griff und sich später auch der Skulptur zuwandte, zeigt nämlich in der Schau auch Arbeiten, die im Sommer 2015 entstanden, als sie zusammen mit Jurij Iwatko nach Erlangen, genauer gesagt in den Ortsteil Tennenlohe, kam, wo der Bildhauer sein „Letztes Opfer“ schuf, während sie unablässig Ansichten und Gesichter zeichnete.

Jelena Jermakowa und eine Ansicht vom Skulpturenpark Tennenlohe

Verkäuflich sind Jelena Jermakowas Werke übrigens nicht. Die Unternehmensgründerin führt ihre eigene Werbeagentur und betreibt die Kunst für Herz und Seele. Zum Weltfrauentag wünscht sie sich denn auch die Vereinbarung von Brotberuf, Familie und Kreativität. Wie schön das gelingen kann, ist hier zu sehen.

Skulptur „Ultraviolett“, 2018, Bronze und Ton

Weitere Portraits der russischen Künstlerin sind hier zu finden: https://is.gd/XS6qMs

Und die Glückwünsche zum Weltfrauentag? Die sind nicht vergessen und finden Ausdruck in diesem Bild, gesehen vom Chefredakteur des Blogs, der sich dilettierend immer wieder in der Lichtbildnerei versucht.

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Diese knapp 30 Seiten umfassende Kladde des Erlanger Künstlers Oskar Stanik dürfte der älteste Kulturschatz sein, der Erlangen mit Wladimir vereint. Der Graphiker nahm nämlich 1980… Aber hören wir lieber, was Klaus Wrobel – damals hatte er noch zwanzig Jahre als Direktor der Volkshochschule und Begründer des „Arbeitskreises Wladimir“ vor sich – im Vorwort zu sagen hat:

Mit Stift und Zeichenblock hat Oskar Johannes Stanik Stationen und Episoden aus Rußland und Karelien festgehalten. die Zeichnungen entstanden im Spätsommer 1980 während einer Studienreise der Volkshochschule Erlangen, die zunächst nach Leningrad sowie ins karelische Petrosawodsk am Onegasee und dann zu den historisch bedeutsamen altrussischen Städten Nowgorod, Kalinin (Twer), Susdal, Wladimir und letztlich Moskau, der alten und neuen Metropole, führte. Dem Maler und Zeichner ist es dabei vorzüglich gelungen, Landschaft und Architektur nicht nur in ihren typischen Erscheinungsformen darzustellen, sondern zugleich Unwesentliches zu eliminieren, um dadurch das Wesentliche umso deutlicher vortreten zu lassen.

Die in dem vorliegenden Band enthaltene Auswahl von Zeichnungen gibt deshalb mehr vom Charakter des bereisten Landes wieder, als es bloße Photographie vermag. Mögen diese Bilder deshalb nicht nur Zeugnisse einer interessanten Reise sein, sondern auch zur Beschäftigung mit diesem schönen und traditionsreichen Land anregen.

Weder Oskar Stanik noch Klaus Wrobel konnten damals ahnen, wie sehr sich Erlangen später noch mit diesem „schönen und traditionsreichen Land“ und insbesondere mit Wladimir beschäftigen würde; die Partnerschaft lag damals noch in dreijähriger Ferne und hatte sich seinerzeit durch nichts angedeutet. Während Klaus Wrobels gewaltiger Beitrag zur Städtepartnerschaft u.a. hier im Blog vielfach dokumentiert ist, gibt es leider keine Angaben darüber, ob der 1921 in Ostpreußen geborene und 1989 in Erlangen verstorbene Oskar Stanik nach dieser Reise noch Kontakte zu Wladimir unterhielt. Wohl eher nicht, denn die ersten Austauschbegegnungen im Bereich Kunst begannen erst ein Jahr nach seinem Tod. Aber vita brevis et ars longa, und die übrigen drei Wladimir und Susdal gewidmeten Graphiken werden sicher noch hier im Blog erscheinen.

Wegen dieses etwa fünf Meter hohen Mosaiks ist des Künstlers Name derzeit allerdings in Erlangen wieder in aller Munde. Stadtheimatpfleger Konrad Rottmann hatte um den Jahreswechsel Alarm geschlagen, weil die Arbeit Oskar Staniks aus dem Jahr 1961 am Wohnhaus neben der Sparkasse in der Schallershofer Straße im Zuge eines Abrisses und Neubaus verlorenzugehen droht.

Die Causa erinnert an einen hier im Blog bereits https://is.gd/WNZpQJ im Herbst vergangenen Jahres wiedergegebenen Konflikt um den Erhalt von Kunst am Bau in Wladimir, wo Mosaike an Häuserfronten durch Wärmedämmung verschandelt wurden.

Möge es hier wie dort weise Entscheidungen geben, damit die Kunst auch wirklich länger lebe als wir sterblichen Menschen und unsere vergänglichen Streitereien.

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Gestern abend wurde in der protestantischen Annenkirche zu Sankt Petersburg mit einem außergewöhnlichen Konzert die Ausstellung „Schöpfung“ des Wladimirer Künstlers, Kirill Wedernikow, eröffnet und per youtube im Netz übertragen. Trotz einiger technischer Mängel war auch am Bildschirm die magische Atmosphäre dieses Ortes und natürlich des auch in Erlangen bekannten Meisters zu spüren. Hier nun eine kleine Einführung mit dem Versprechen des Blog-Kulturredakteurs, Pablo Kandis-Malinskij, weitere Artikel zu liefern, immer im zeitlichen Spannungsfeld zwischen vita brevis und ars longa.

Der Mensch und die Welt. Der Mensch in der Welt. Die Welt im Menschen. Die Welt des Menschen. Der Weltmensch… Welch eine Vielfalt von Variationen der Verbindung dieser Wörter. Sie alle beschäftigen die Menschheit seit Jahrhunderten. Die Geheimnisse der Schöpfung zu erraten, ist uns nicht gegeben, aber wir werden immer danach streben, sie zu verstehen.

Als Künstler wählt man seinen Weg, das Streben nach der Wahrheit erfolgt in vielfacher Hinsicht intuitiv, ohne Logik. Aber die im Bewußtsein entstehenden und auf die Leinwand übertragenen Bilder erklären die Welt nicht weniger tiefgründig als die Theorien der Wissenschaften.

Ein Bild… Mit seiner Hilfe kann man ABbilden ebenso wie HERAUSbilden. Wenn man als Künstler die Welt nur abbildet, bleibt man nur Spiegel, ein unbeteiligter Betrachter. In dem Fall steht man so wenig mit der Welt in Verbindung wie der Atheist aus dem bekannten Gedicht von Josef Brodskij, der die Welt Gottes, „im Dorf lebt nicht in den Ecken“ nur in Augenschein nimmt.

Wenn man freilich als Künstler nur herausbildet, darstellt, gebiert er das Bild von innen heraus. Dies ist das Alter ego des Autors. Doch es fehlt ihm dann immer noch die Verbindung zur Welt, sein Werk erschließt sich nur ihm selbst.

Abbildung und Darstellung müssen ineinander aufgehen, erst so spricht der Künstler über das Bild mit der Welt, mit uns, und wir kommunizieren mit ihm. Zustande kommt das, wenn im Künstler die Reflexion erwacht. Nicht jene, von der heute so oft unsere Psychologen sprechen, sondern die, welche die Helden Shakespeares und Dostojewskijs in sich trugen, also die Reflexion, über die A. L. Toom schrieb: „Ein zur selbständigen Reflexion befähigter Mensch kann sich geistig aus der Umwelt befreien“. Die im Bewußtsein widergespiegelte äußere Welt treibt die Arbeit der inneren Welt an. Widerspiegelung und Darstellung interagieren, Makrokosmos und Mikrokosmos verbinden sich, Mensch und Welt werden eins. So entstehen dann geniale Werke, die uns als Entdeckung erschüttern.

Es scheint, wenn es schon die Gemälde von El Greco und Leonardo gibt, gebe es auch bereits Antworten auf die ewigen vermaledeiten Lebensfragen. Ja und nein. Die Großen zeigten uns bereits durch ihre bloße Existenz, daß der Weg zur Wahrheit möglich sei. Zugleich begreifen wir, daß ihn jeder ganz für sich zu gehen hat, da er nur zu einem Drittel durch die Abbildung erleuchtet ist, aber zu zwei Dritteln der Darstellung gewidmet ist.

Warum beginne ich mit diesen seltsamen Überlegungen mein Gespräch über das Werk des Künstlers Kirill Wedernikow? Wahrscheinlich weil ihn selbst ebendiese Fragen beschäftigen. Der Weg eines Künstlers gleicht einer Spirale, die sich nach oben dreht, vielleicht aber auch nach unten, denn wer weiß schon, wo sich in der Endlosigkeit oben und unten befinden. Doch diese Spirale strebt einem Punkt zu. Ob der etwas abschließt, oder ob da eine neue Spirale beginnt, bleibt offen. Eines nur kann man sicher festhalten: Der Weg entlang der Spirale führt nicht nur nach vorne, sondern er dreht sich auch im Kreis, will sagen, kehrt um, vom Sein zum Schaffen und vom Schaffen zum Sein.

Jetzt fügen sich 14 Bilder zu einem durch und durch logischen System, auch wenn sie zu unterschiedlichen Zeiten in verschiedenen Malweisen entstanden. Der Künstler betastete sein Thema, ließ von ihm ab, kehrte nach einer bestimmten Zeit zu ihm zurück.

Und wir kehren – versprochen! – schon bald zu diesem so außergewöhnlichen Künstler zurück, den wir im Mai – so die Hoffnung gegen alle Corona-Szenarien – wieder in Erlangen begrüßen können.

Bilder: Dmitrij Smirnow

P.S.: Zur Erinnerung: Hier hatte alles zwischen Kirill Wedernikow und Erlangen begonnen: https://is.gd/WOpuWi

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Einen Tag vor seinem 72. Geburtstag verstarb gestern Wladimir Rusin in einer Moskauer Privatklinik, wo er wegen seiner Infizierung mit COVID-19 behandelt wurde. Der Maler und Graphiker, geboren am 17. Juli 1948 auf der Krim prägte als vielfach ausgezeichneter Künstler das Kulturleben seiner Wahlheimat Wladimir, wo er nach Abschluß seines Kunststudiums in Leningrad seit 1975 lebte.

Wladimir Rusin

Begonnen hatte er seine Karriere mit Schwarz-Weiß-Drucken, bis er auch den farblichen Dreiklang Blau-Gelb-Rot verwandte, wobei er feinste Nuancen zu entwickeln verstand. Zeit seines Lebens arbeitete Wladimir Rusin mit dem Bleistift und schuf – auch in Öl – vor allem Stadtansichten. Daneben war er seit 1978 als Kunstdozent tätig, der ab 2002 auch eine Professur an der Kunstabteilung der Universität Wladimir innehatte.

Schon 1985 wurde der Verstorbene in den Kunstverband der UdSSR aufgenommen. Unter all seinen Auszeichnungen ist die wohl wichtigste der Titel „Volkskünstler der Russischen Föderation“, verliehen im vergangenen Jahr.

Schon früh nahm Wladimir Rusin auch am Kunstaustausch mit Erlangen teil und stellte selbst bei uns aus. Überdies setzte er sich vehement gegen den Bau der Maut-Autobahn von Moskau nach Kasan ein: https://is.gd/ew6JX2

Wladimir Rusin hinterläßt in Erlangen Freunde und Sammler seiner Werke, in denen er nun fortlebt. Die Partnerschaft schuldet ihm großen Dank.

Der Vollständigkeit halber sei nachgetragen, daß gestern in der Region Wladimir der hundertste Corona-Todesfall bei nun schon über 5.000 Ansteckungen gemeldet wurde. 736 Personen gelten noch als aktiv krank.

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Wie schnell es manchmal gehen kann: Anfang Juli hatte das Ehepaar Heinz und Elvira Gerhäuser eine Einladung der Staatlichen Universität zur Teilnahme an einer wissenschaftlichen Tagung angenommen https://is.gd/u8FvX6 und dabei neben dem Bildhauer Igor Tschernoglasow vor allem Jewgenia Kulikowa kennengelernt. Bei diesem Treffen der fränkischen Künstlerin und der russischen Dozentin für Keramik, Design und Architektur muß es zu einer kreativen Initialzündung gekommen sein, denn nach einem intensiven Austausch von Informationen und Vorstellungen per Internet folgte Jewgenia Kulikowa dem Ruf nach Waischenfeld, um ihre Gastgeberin zwei Wochen lang darin zu unterweisen, wie man am besten Tonformen vorbereitet, die ihrer Glaskunst später Form und Gestalt verleihen sollen. Ein Meisterinnenkurs eben.

Jewgenia Kulikowa, Heinz und Elvira Gerhäuser, Igor und Sergej Tschernoglasow

Und dann kommt gestern auch noch der Großmeister der Wladimirer Kunstszene mit seinem Sohn für einige anregende Stunden hinzu. Beide hängen noch einige Tage an das Symposium im Skulpturenpark von Tennenlohe dran, um Museen und Kirchen zu besichtigen und neue Inspirationen zu sammeln. Igor Tschernoglasow examinierte einst die damalige Studentin Jewgenia Kulikowa, dann verloren sich die beiden aus den Augen; erst die Städtepartnerschaft brachte sie nun wieder zusammen.

Elvira Gerhäuser und Jewgenia Kulikowa

Wo aber zwei oder drei sich im Namen der Kunst versammeln, da ist die Inspiration mitten unter ihnen. Und so nimmt es denn auch nicht wunder, wenn schon nach kurzer Zeit nicht nur über all die Feinheiten und Nuancen der verschiedenen Techniken, sondern auch über Möglichkeiten gesprochen wird, wie man in Zukunft mehr gemeinsam machen könnte. Gern auch unter Einbeziehung der Naturwissenschaften, die, wie der ganzheitlich denkende, ehemalige Direktor des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen und Mitentwickler des MP3-Systems, meint, von diesem Dialog mit der Kunst viel lernen können.

Wie das gehen könnte macht seine Frau, die selbst Kinder in Kunst unterrichtet, bereits vor: die Grenzen der Materialien überschreiten, Fusionen herstellen, Mischformen gestalten.

Man darf gespannt sein auf die Ergebnisse dieser neuen Zusammenarbeit – und erst recht auf die Früchte der Ideen, die da gestern in der ruhenden Mitte der Fränkischen Schweiz zu keimen begannen. Es wird vielleicht länger dauern als die wenigen Wochen Vorbereitung auf den Meisterinnenkurs, aber die Geduld wird sicher belohnt.

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Vom 3. bis 5. Juli veranstaltete die Staatliche Universität Wladimir eine Internationale Konferenz zu Fragen der Zukunftstechnologien beim Informationstransfer. Mit dabei Heinz Gerhäuser, Direktor a.D. des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen und der emeritierte langjährige Leiter des Lehrstuhls für Mustererkennung an der FAU. Beiden Wissenschaftlern hatte die Hochschule der Partnerstadt im Jahr 2005 die Ehrenprofessorenwürde für ihr herausragendes Wirken im Rahmen des Forschungsaustausches zwischen Erlangen und Wladimir verliehen. Nun folgten beide, begleitet von Elvira Gerhäuser, der Einladung zur Teilnahme an dem Kongreß, ausgesprochen von Ludmila Suschkowa, Kuratorin der naturwissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Erlangen und Leiterin des Lehrstuhls für biomedizinische und elektronische Mittel und Technologie.

Heinrich Niemann, Elvira Gerhäuser, Ludmila Suschkowa, Igor Tschernoglasow und Heinz Gerhäuser im Erlangen-Haus

Die fränkische Troika war bereits am 1. Juli angereist, um sich auf die Konferenz vorzubereiten; nun bleiben noch einige Tage, um sich der Kultur zu widmen. Das gilt besonders für Elvira Gerhäuser http://www.eghs.de, die im Jahr 2005 bereits einmal ihre Arbeiten in Wladimir zeigte. Nun führt sie ihr Kollege, Igor Tschernoglasow, der im August übrigens selbst wieder nach Erlangen kommt, noch ein wenig durch die Kunstszene der Partnerstadt. Was sich aus diesem neuen Amalgam aus Wissenschaft und Kunst ergibt, werden wir sicher bald in konkreten Projekten erleben können.

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Die Ausstellung mit Arbeiten der Gruppe Andersartig und des Wladimirer Künstlers Kirill Wedernikow ist noch bis zum 12. April in den Räumen der Volkshochschule, Friedrichstraße 19, zu sehen. Wer schon bei der Vernissage zugegen war, erlebte eine beeindruckende animierte Schau vom Schaffen des russischen Gastes. Dieses Video ist nun auch im Internet – und natürlich in Ihrem Blog unter https://is.gd/VPWVsI zu sehen.

Irene Hetzler, Florian Janik, Kirill Wedernikow, Carolin Gugel und Hans-Peter Singer am 24.02.2019 bei der Vernissage vor Arbeiten des Wladimirer Künstlers

Bei aller Meisterschaft dieses Films mit dem Titel „Der Sand der Zeit“ ersetzt der Klick auf den Link natürlich nicht den (wiederholten) Besuch der Ausstellung – bei freiem Eintritt und zu den üblichen Geschäftszeiten. Hereinspaziert!

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Es sei nicht die Aufgabe der Kunst, die Natur zu kopieren, sondern sie auszudrücken, formulierte einmal Honoré de Balzac ein Bonmot, das wie auf das Schaffen von Georgij Parfjonow gezielt scheint. Der russisch-orthodoxe Priester versteht es nämlich meisterhaft, was er sieht formvollendet zu gestalten und eine Stimmung zu schaffen, die er seinen Sujets – man weiß nicht recht – einhaucht oder abschaut.

Georgij Parfjonow

Künstlerisch zu Hause ist der Geistliche aus Wladimir in der Pastellmalerei, die in der Partnerstadt ein wenig im Schatten des Öls und der Graphik steht. Wie feingliedrig und ansprechend seine Arbeiten sind, braucht angesichts der wenigen Beispiele aus einer Herbstserie nicht weiter betont werden.

Geprüft werden soll nun, ob nicht im nächsten Jahr eine Ausstellung des Mitglieds des Künstlerverbands von Rußland in Erlangen möglich wäre. Vielleicht sogar mit einer von Georgij Parfjonow geleiteten Meisterklasse. Denkbar erscheint da viel.

Doch vorerst genüge hier die Betrachtung und der Hinweis auf eines der schönsten Gedichte von Alexander Puschkin, in dem er den Herbst als trostlos-trübsinnige Zeit beschreibt, um ihn im gleichen Atemzug für seine „Bezauberung der Augen“ zu preisen.

Wer mehr von den Arbeiten des malenden Priesters sehen möchte, klicke hier: http://www.facebook.com/ierejgeorgij.parfenov

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