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Posts Tagged ‘deutsch-russischer Kulturaustausch’


Das Kammerensemble der Philharmonie Wladimir tourt wieder durch Bayern. Ein letztes Mal, wie Igor Besotosnyj, Dozent für Balalaika und Leiter des Quartetts, bestätigt, der vor 30 Jahren seinen musikalischen Einstand in Erlangen bei der Woche der Russischen Küche gab. Ob es wirklich bei der Entscheidung bleibt, ist abzuwarten. Für den Rückzug aufs partnerschaftliche Altenteil ist der Saitenvirtuose ja noch viel zu jung. Aber die lange Anreise im eigenen Tourbus und vor allem der Termindruck zu Hause setzen Fakten. So ist auf dieser Abschiedstournee – bei freiem Eintritt – das letzte Konzert am Dienstag, den 10. Dezember, um 19.30 Uhr in St. Sebald, Egerlandstraße 22, angesetzt, doch schon am Donnerstagabend wartet eine Verpflichtung auf einer Bühne in Moskau. Dazwischen liegen 2.500 Straßenkilometer, abwechselnd am Steuer mit Alexander Schaposchnikow. Eigentlich ja unzumutbar ohne ein ungehöriges Maß an Selbstausbeutung.

George Mills, Swetlana und Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow

Dennoch: Wer will im Austausch zwischen Erlangen und Wladimir schon vom letzten Mal sprechen!? Bestimmt gibt es noch Anlässe und Gelegenheiten für ein Wiederhören, ob hier oder dort. Nur eben in dieser Form wohl eher nicht mehr. Und das ist wirklich schade, wenn man die Gruppe gestern wieder, gebucht von Ernst Stäblein, auf der Waldweihnacht hören konnte – oder noch eindrucksvoller sogar, auf Initiative des Seniorenbeirats, beim Wohltätigkeitsauftritt im Hospiz am Ohmplatz.

Swetlana Besotosnaja

Noch am Samstag gibt es zu einem Abendkonzert ins Klinikum Starnberg, heute sind die vier ab 19.00 Uhr in der m&i-Fachklinik in Herzogenaurach zu erleben, morgen musizieren sie in Bad Heilbrunn, und dann, wie gesagt, am Dienstag gibt es schließlich das Abschiedskonzert um 19.30 in St. Sebald.

Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow

Im Programm wieder – und doch stets neu – klassische Stücke von Mozart bis Vivaldi, interpretiert auf den russischen Volksmusikinstrumenten Balalajka, Domra und Bajan, begleitet von der Violine. Und dann ist da wieder der Deutsch-Amerikaner, George Mills, der mit seinem gepflegten Väterchen-Frost-Rauschebart und vor allem seiner Sprachkompetenz auch als Russe durchginge und für die einfühlsamen Vokaleinlagen steht.

Olga Besotosnaja, Elisabeth Preuß, George Mills, Ernst Stäblein, Swetlana Besotosnaja, Alexander Schaposchnikow und Igor Besotosnyj

Im begeisterten Publikum gestern stand denn auch Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, die versprach, trotz anderer Terminverpflichtung, auch noch zum Konzert nach St. Sebald zu kommen, um sich von dem Quartett zu verabschieden.

Natalia Nikolajewa und Lisa Puyplat

Und noch jemand stand in den Reihen vor der Bühne auf der Waldweihnacht. Ein Pärchen, von dem noch zu erzählen sein wird: Natalia Nikolajewa aus Gus-Chrustalnyj in der Region Wladimir, die schon als Schülerin im Erlangen-Haus Deutsch lernte, dann mit ihren Eltern die Sommerkurse an der Volkshochschule besuchte und nun schon erfolgreich das Physikum des Medizinstudiums in München hinter sich gebracht hat, von Erlangen aus stets von Lisa Pyplat fürsorglich begleitet. Aber, wie gesagt, das ist dann schon wieder eine ganz andere Geschichte.

 

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Über zwei Monate ist es her, seit ich mich Anfang September mit meinem 15jährigen Sohn Paul und dessen Schulfreund Noah auf den Weg nach Wladimir machte. Die Stadt war mir schon lange vertraut, auch wenn ich sie bislang noch nie besucht hatte. Ab dem Zeitpunkt, von dem an mein Vater, Fritz Wittmann, sich, aus einem persönlichen Anliegen heraus, für die deutsch-russische Friedens- und Versöhnungsarbeit zu engagieren begann, Russisch lernte und Russen in unser Haus einlud, war Wladimir und waren vor allem die Menschen aus Wladimir ein fester Bestandteil in unserem Leben. Auch im Zimmer des Pflegeheims in Baiersdorf, in dem mein Vater die letzten Jahre seines Lebens wohnte, fanden sich Erinnerungsstücke, die von den Reisen und Begegnungen mit den Freunden in Wladimir erzählten. Im frühen Herbst 2018 äußerte mein Sohn Paul seinem Opa gegenüber den Wunsch, nach Wladimir zu reisen. Mein hochbetagter Vater freute sich darüber sehr! Wenige Wochen danach starb er. Die Idee der Reise nach Wladimir jedoch verlor ihre Energie nicht! Im Gegenteil! Als Peter Steger von unseren Plänen erfuhr, war er sofort bereit, uns bei unseren Reiseplänen zu unterstützen. Sehr spannend waren die Reaktionen von manchen Freunden und Bekannten auf unser Ansinnen. Große Augen, Erstaunen, Bedenken und die Frage, was wir denn in Rußland wollten. Und ob wir dahin müßten. Das sei doch gefährlich usw. Zum Teil von ziemlich jungen Menschen, die locker mal um den halben Erdball reisen, um unbekannte Länder zu bereisen. Es ist schon erstaunlich!

Eva-Maria Helbig, Johanna Sander und Tatjana Grin, Dezember 2018 in Kirchehrenbach

Bei Konzerten zu Beginn der Adventszeit 2018 in Kirchehrenbach und Erlangen durfte ich mit dem bezaubernden Kammerchor Wladimir und Erlanger Sängern und Musikern gemeinsam das Te Deum von Antoine Charpentier als Solistin aufführen. Die Profis aus Rußland sangen sich damals mit ihrem wunderschön ausgewogenen und weichen Chorklang zwei Wochen nach dem Tod meines Vaters in mein Herz. Ich freute mich deshalb riesig, als im Frühsommer die Anfrage aus Wladimir bei mir einging, ob ich bei einem Konzert des Chores in Erlangens Partnerstadt mitwirken und die Altsolopartie bei der Uraufführung eines Requiems für Chor, zwei Frauenstimmen, zwei Klaviere und Schlagzeug aus der Feder des jungen Komponisten, Artjom Semjonow, übernehmen wolle. Die Noten kamen per Mail, und so machte ich mich ans Studieren.

Mein Sohn Paul und ich begannen, mit der Hilfe von Peter Steger die Fahrt zu planen. Paul wünschte sich seinen Freund Noah als Reisegefährten. Noahs Eltern waren von der Idee begeistert. Das Beantragen der Visa war für uns eine unbekannte Sache. Aber mit Hilfe des unschlagbaren Leitfadens der Stadt Erlangen, schafften wir es. Hans Gruß , in Sachen Wladimir ein erfahrener Hase, versorgte uns mit einem Stadtplan, machte Kontakte und gab uns wertwolle Tips.

Tatjana Grin, Johanna Sander, Paul und Noah

Am 2. September hob unser Flugzeug in München mit dem Ziel Moskau ab. Im Gepäck hatten wir einige Geschenke, die Noten für das Requiem und jede Menge Neugier. Außerdem hatte ein uns bis zu diesem Zeitpunkt nahezu unbekanntes Netzwerk für uns einen tollen Reiseplan ausgeklügelt. Wirklich unglaublich!

Am Flughafen in Moskau holte uns Eduard Batalow, ein Mitglied des Chores, mit dem Auto ab. Ab diesem Zeitpunkt waren wir drei in ein Dauererlebnis von Gastfreundschaft und Herzlichkeit eingehüllt, wie wir das noch nie zuvor erlebt hatten. Eduard brachte uns mit Engelsgeduld durch die Rushhour Moskaus und über die dicht befahrenen Straßen in einer zweieinhalbstündigen Fahrt nach Wladimir. Schon dabei strömten viele Eindrücke auf uns ein.

Kaum waren wir im Erlangen-Haus in Wladimir angekommen, meldete sich Tatjana Parilowa, eine Freundin meiner Eltern, bei uns. Keine 30 Minuten später stand sie vor der Tür und holte uns mit Katja, einer russischen Lehrerin, zum gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant ab. Dort trafen wir zwei russische Jugendliche, mit denen mein Sohn und sein Freund Noah über ihre Englischkenntnisse sehr unkompliziert in Kontakt kamen. Von da an waren die Jungs wunderbar in das russische Jugendleben integriert. Die beiden besuchten eine russische Schule, verbrachten ihre Nachmittage mit den neuen Bekanntschaften in der Stadt, lernten die Lebenswelt ihre Altersgenossen kennen. Die beiden ließen sich die Stadt zeigen und erkundeten mit ihren neuen Freunden das schöne Susdal mit seinen vielen Kirchen.

Tatjana Parilowa als Reiseführerin

Für mich begannen am nächsten Tag nach dem wunderbaren russischen Frühstück die Proben für das Konzert am Freitag, den 6. September, mit dem Kammerchor Wladimir. Es ist ja schon an sich etwas sehr Besonderes, bei einer Uraufführung mitwirken zu dürfen. Und das dann noch in Rußland und obendrein mit solchen Musikern! Die Probenarbeit unter der Leitung der mitreißenden, temperamentvollen und sensiblen Tatjana Grin gestaltete sich sehr intensiv und fruchtbar. Der Chor war schon sehr sehr gut vorbereitet und nahm mich mit großer Offenheit und Wertschätzung auf. Dmitrij Fjodorow, ein versierter und einfühlsamer Pianist, spielte den Klavierpart des Werkes und begleitete die Proben. Er fand auch noch Zeit, mit mir geduldig an meinem Solopart zu arbeiten. Noten zu Hause zu studieren und Musik im Zusammenklang zu proben, sind einfach sehr verschiedene Dinge! Wenn ich einmal Pause hatte, weil das Ensemble an einem anderen Werk des Konzertprogrammes probte, wurde ich von einzelnen Chormitgliedern mit großer Herzenswärme umsorgt. Sie kümmerten sich um mein leibliches und seelisches Wohl und führten mich an ihre Lieblingsplätze in Wladimir.

Das Programm, das uns während unserer Reise geboten wurde, war ganz zauberhaft zusammengestellt. Wir besuchten Kirchen und Klöster, erfuhren bei einer ausführlichen Stadtführung etwas über die Geschichte Wladimirs. Paul und Noah wurden von russischen Schülern und zwei Lehrerinnen betreut und besuchten Susdal. Stets war irgend jemand zu finden, der uns mit dem Auto zu unseren Abstechern chauffierte. Die Mutter der Dirigentin, Tatjana Grin, lud uns an einem Mittag zu sich nach Hause ein. Der Tisch bog sich. Wir konnten nur einen Bruchteil der Speisen essen, die uns da kredenzt wurden. Die ganze Familie begrüßte uns, und obwohl wir kein Wort Russisch sprechen, hatte ich nie das Gefühl, unverstanden zu sein. Wir wurden sofort mit in ihr Leben hineingenommen.
Roman, Zahnarzt in Wladimir und ein Freund von Tatjana Parilowa, war unser Gastgeber in der Banja, einer Art Dampfsauna, auf der ehemaligen Datscha seiner Mutter. Nadja und Sergej, die beiden Banjameister, ebenfalls Freunde von Roman, behandelten uns einzeln in dem heimeligen Dampfbad mit warmen und kalten Güssen, wuschen unsere Haut mit Zweigen und Büscheln, ließen uns danach auf einer Schwebeliege zu den Klängen ihrer weichen, wohltönenden Stimmen ruhen. Zwischen und nach den Behandlungen in der Banja gab es Köstlichkeiten aus dem Garten, vom Grill und wärmenden Tee. Für mich war dieser Nachmittag wie eine Reise zu mir selbst. Immer wieder waren wir von Gastfreundschaft überwältigt und berührt.

Dmitrij Fjodorow, Tatjana Grin, Johanna Sander, Tamara Mironowa und Eduard Batalow

Als Sängerin wurde mir eine in Deutschland für Künstler ungewohnte Aufmerksam zuteil. So bat man mich, für die Homepage des Chores in einem kleinen Video über meine Erlebnisse und Eindrücke in Wladimir, über die Musik von Artjom Semjonow und die Probenarbeit zu berichten.

Der Tag des Konzertes kam. Auf dem Programm standen neben dem Requiem noch andere Werke, die alle zum ersten Mal zu hören waren. Unter anderem auch ein Stück aus der Feder des Pianisten des Abends, Dmitrij Fjodorow, für Chor und zwei Klaviere. Kurz vor der Veranstaltung, mit der die Saison 2019/2020 des Kammerchors Wladimir im Saal des Zentrums für klassische Musik mit seiner erstaunlichen Akustik eröffnet wurde, gab ich noch ein Interview für einen lokalen TV-Sender, das einen Beitrag über das Konzert brachte.

Johanna Sander mit Nikolaj Schtschelkonogow und ihrem Sohn Paul

Peter Steger war aus Deutschland angereist und übernahm freundlicherweise das Dolmetschen. Er stellte mir Menschen vor, die meinen Vater gekannt und ihn sehr geschätzt hatten. So durfte ich Nikolaj Schtschelkonogow, einen der ältesten russischen Freunde meines Vaters, als Zuhörer begrüßen. Er hatte ein Album mit vielen Bildern ihrer gemeinsamen Erlebnisse mitgebracht, das er wie einen Schatz bei sich trug. Ihn während des Konzertes neben meinem Sohn sitzen zu sehen, hat mich tief berührt. Für mich schloß sich damit ein Kreis. Ich weiß, daß mein Vater sich unglaublich gefreut hätte, dies mitzuerleben.

Tatjana Prokuschkina und Johanna Sander

Gemeinsam mit dem Chor, den Musikern und vor allem meiner Soprankollegin, Tatjana Prokuschkina, auftreten zu dürfen, war eine große Ehre für mich! Über den Applaus nach dem Konzert, die vielen Blumen und die liebevollen Geschenke habe ich mich sehr gefreut!

In einem russischen Restaurant ließen wir den Konzertabend gemeinsam mit den Chormitgliedern, ihrer so engagierten Dirigentin, Tatjana Grin, und dem bewundernswerten Pianisten, Dmitrij Fjodorow, ausklingen. Zum Abschied stimmten alle in lupenreinem Deutsch den Satz „Tanzen und Springen“ von Hans Leo Hassler an. Mit einem russischen Lied konnte ich leider nicht antworten! Ich glaube, das muß ich ändern!

Der Abschied am Tag nach dem Konzert fiel uns gar nicht leicht: von den Menschen nicht und auch nicht vom Erlangen-Haus! Paul, Noah und ich haben uns dort sehr gut aufgehoben gefühlt. Bereits das liebevoll zubereitete Frühstück am Beginn eines jeden Tages war ein Grund, mit guter Laune in den Tag zu starten.

Abschied von Wladimir

Weil die Straßen in Wladimir am Morgen unserer Abreise wegen eines Halbmarathons gesperrt waren, liefen wir, begleitet von Tatjana Parilowa und Katja, zu Fuß vom Erlangen-Haus mit unseren Koffern zum nahen Bahnhof. Dort erwarteten uns Tatjana Grin und eine Schülerin, die Paul und Noah mit betreut hatte. Alle standen am Bahnsteig und winkten uns, als sich unser Zug Richtung Moskau in Bewegung setze.

Dort erwartete uns schon Wera, eine junge Frau, die uns vor vielen Jahren in Baiersdorf besucht hatte. Heute lebt sie in Moskau und arbeitet dort als Rechtsanwältin. Wir durften mit ihr einen kleinen Eindruck von dieser unglaublichen Stadt gewinnen. Sie begleitete uns auch zum Zug, der uns zwei Tage später zum Flughafen brachte. Mit vielen Geschenken und noch mehr Eindrücken im Gepäck, kehrten Paul, Noah und ich nach einer unglaublich dichten und erlebnisreichen Woche nach Hause zurück. Es ist für uns nicht vorstellbar, daß dies unser einziger Besuch in Wladimir gewesen sein wird!

Johanna Sander

Hier geht es zum TV-Bericht über den gemeinsamen Auftritt: https://youtu.be/UCONHbJ_w6w und zur Videobotschaft von Johanna Sander: https://is.gd/OR8rMm sowie zum Konzertbericht im Blog: https://is.gd/zFHYbY

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Maxim Jegorkin, Frontmann der Metal-Band Ragged Jeans aus Murom, freut sich, ein kleines im großen Jubiläum feiern zu können: Seit fünf Jahren kommen die Newcomer-Bands aus Erlangen nicht nur nach Wladimir, sondern auch in seine Stadt an der Oka, und heuer bezog man sogar noch Kowrow ein. Damit das auch über das zehnte Jahr des Austausches so bleibe, habe man eine Rockmusikinitiative des Gouvernements Wladimir gegründet, die für Vorbereitung und Durchführung der Tourneen der Erlanger Gruppen verantwortlich zeichnet, sich um Sponsoren kümmert und natürlich für die gute Laune.

Susanne Lender-Cassens und Veronika Schöls (ganz rechts im Bild) mit der Band Ragged Jeans und dem dreiköpfigen Begleitteam

In Erlangen hingegen, so Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, verstehen Politik und Verwaltung diese kulturellen Begegnungen der Jugendkultur als ihren Auftrag, dem man gerne nachkomme. Es handele sich dabei um nichts geringeres als Freiheit der Kunst, die man gar nicht unbedingt unterdrücken oder zensieren müsse, wenn sie denn unerwünscht wäre; es genüge ja einfach, keine Zuschüsse zu gewähren.

Davon ist man gottlob weit entfernt. Nach dem seinerzeit noch experimentellen Beginn vor zehn Jahren gehört heute dieses Projekt zu den bewährten Institutionen der Städtepartnerschaft, und das Amt für Soziokultur, beim Empfang am Freitag durch die Programmverantwortliche, Veronika Schöls, vertreten, wird diesen Austausch weiter fördern – organisatorisch wie finanziell. Gut so! Wie gut, das sollte der gestrige Abend wieder einmal überzeugend zeigen.

Maxim Jegorkin

Metal, Indie, Rock, Punk, Hip Hop, Pop, Electro, Folk. Tanzen, headbangen, moshen, pogen, andächtig lauschen, mitsingen. Beim Newcomer-Festival ist alles möglich.

Publikum und Ragged Jeans

So die Einladung ins E-Werk zum gestrigen langen Abend der Musik, an dessen Ende, gegen 23.20 Uhr Florian Janik das Publikum in der Club-Bühne nach dem gefeierten Auftritt von Ragged Jeans, als die Stimmen für den Publikumspreis ausgezählt waren und er bereits die Urkunde in Händen hielt.

Florian Janik

Kaum ein Arm blieb da unten, und so hielt der Oberbürgermeister denn auch die sechs im Wettbewerb angetretenen Bands nicht mehr lange hin und verkündete, wer die Reise im Herbst nächsten Jahres antreten darf: Circvit. Und wer deren Auftritt erlebte, hatte keinen Zweifel am Sieg. Dennoch waren Freude und Überraschung riesengroß. Gratulation!

Ragged Jeans und die Siegerband Circvit mit Philipp und Stephan Beck in der Mitte stehend

Und dann die eigentliche Überraschung: In der Erlanger Metal-Band ist für den ebenso filigranen wie treibenden Leadgitarrenpart Philipp Beck zuständig, wodurch sich – nomen est omen – mit Circvit ein Kreis schließt, denn des Musikers Vater ist Stephan Beck, Leiter des Amtes für Soziokultur, der vor zehn Jahren den Mut bewies, nachdem die schwedische Partnerstadt Eskilstuna von der Fahne gegangen war, den Rockbandaustausch mit Wladimir zu versuchen. Wenn das nicht eine verdiente Gratifikation für beide ist!

Philipp Beck erspielt sich gerade Wladimir

So spielt das Schicksal im Rockband-Austausch mit Wladimir, belohnt den beharrlichen Einsatz, sorgt für Familienglück und dafür, daß die Partnerschaft weiter rockt und rollt.

 

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Eine Einladung anläßlich des 50. Todesjahres der beliebten deutschen Chansonsängerin Alexandra („Zigeunerjunge“, „Sehnsucht – Das Lied der Taiga“) aus der Deutschen Botschaft in Moskau war im Frühjahr 2019 eine willkommene Gelegenheit für meine insgesamt vierte Reise nach Rußland. Dem vorausgegangen war meine langjährige Bekanntschaft zu dem Botschaftsmitarbeiter und begnadeten Jazz-Gitarristen, Jean-Pierre Froehly, seines Zeichens genau wie ich ein Fan der Chansons von Alexandra. Gemeinsam verabredeten wir uns für ein spannendes „Experimentalkonzert“ an der Deutschen Schule in Moskau: „Alexandra – Portrait einer Sängerin – Ein musikalischer Gedenkabend zum 50. Todesjahr“.

Unsere russisch-deutsche Combo bestand aus den Instrumenten Gitarre, Piano, Kontrabaß, Querflöte, Bajan, Balalaika und Dombra – dazu die Stimmen von Jean-Pierre und mir. Ein Schulprojekt sorgte für einen bestens organisierten Konzertabend. Die überwiegend deutschen Botschaftsmitarbeiter wurden bei Häppchen und Getränken in der fürstlich hergerichteten Aula zunächst mit Videos der Sängerin unterhalten.

Jean-Pierre Froehly und Dorothee Lotsch

Nach der Begrüßung durch den Schulleiter und einführende Worte zum Anlaß und Verlauf des weiteren Abends begann ein fulminantes Konzert mit Geschichten aus Alexandras Leben und ihren beliebtesten musikalischen Klassikern. Mal jazzig, mal in typisch russischem Gewand oder auch spontan komplett gemischt – und immer mit Stimmen aus dem Publikum, das die Lieder von Alexandra erfreulich gut kannte. So verschmolzen beliebte russische Volkslieder wie die „Moskauer Nächte“ und die „Schwarzen Augen“ ebenso wie „Mein Freund der Baum“ zu einem denkwürdigen „Highlight“, eben einer ganz besonderen, einzigartigen Nacht in Moskau.

Als besondere Überraschung hatte ich dem Publikum Grußworte von Alexandras Familie, ihrem Entdecker, Fred Weyrich, und ihres Komponisten, Hans Blum, in Deutschland vorab eingeholt und dem Ideengeber Jean-Pierre final signierte Schallplatten und Plakate von Alexandras Weggefährten überreicht.

Lotsch Jean-Pierre

Jean-Pierre Froehly und Dorothee Lotsch

In tiefer Dankbarkeit möchte ich an dieser Stelle erwähnen, daß ein solches Konzert ohne die großartige menschliche und musikalische Flexibilität meiner Freunde aus dem Kammerensemble der Philharmonie Wladimir – Olga Besotosnaja, Igor Besotosnij und Alexander Schaposchnikow – nicht möglich gewesen wäre.

Sergej Nefjodow, Dorothee Lotsch und Igor Besotosnyj

Mit spielerischer Leichtigkeit veredelten sie spontan die ihnen unbekannten Stücke von Alexandra im Konzert, wie sie andererseits in perfekter Manier „unsere“ gemeinsamen Stücke – im Rahmen der Recherche zu diesem Artikel kam ich auf über 70 gemeinsame Konzerte mit Igor Besotosnij – präsentierten. Und wenn wir mal nicht gemeinsam musizierten, dann prägte das musikalische „Damals“ und „Heute“ die viel zu knapp bemessene Zeit.

Lotsch Sacharow

Dmitrij Sacharow und Dorothee Lotsch

In Wladimir traf ich meinen – noch aus den gemeinsamen Zeiten im Ural Kosaken Chor – guten Freund und großartigen Komponisten Dmitrij Sacharow wieder. Er ließ mich teilhaben an seinen neuesten musikalischen Werken und weihte mich in seine frisch zubereiteten kulinarischen Köstlichkeiten der russischen Küche ein.

Lotsch Sakwuschkin

Wladimir Sachwuschkin und Dorothee Lotsch

Ein fröhliches „Hallo“ folgte in den Räumen der Philharmonie, wo ich einem weiteren Ex-Mitglied meines Ural Kosaken Chors und heutigem Hauptakteur des Ensembles Rus, Wladimir Sawuschkin einen Kurzbesuch abstattete. Ebenfalls nicht fehlen durfte ein „hochprozentiges“ Wiedersehensfest mit dem „kleinen“ Sergej, seines Zeichens bester Freund der Familie Besotosnij und Lieferant einer zentralen Requisite für das Konzert in Moskau, einer „Schwarzen Balalaika“.

Pjotr Dranga

Eine weitere Überraschung hielt Igor Bezotosnij bereit, als er mich zum Konzert des russischen Sängers und Bajanspielers, Pjoter Dranga, in die Philharmonie Wladimir einlud. Der Künstler bot in der ausverkauften Konzerthalle eine heißblütige Mischung aus Klassik und Pop.


Zu guter Letzt hatte ich dank Swetlana Besotosnaja sogar die Möglichkeit, bei Studioaufnahmen ihres Streicher-Quartetts in einem der größten Tonstudios in Moskau dabei zu sein. Staunend fand ich mich zwischen riesigen Mischpulten und diversen Instrumenten wieder. Und ebenso bewunderte ich das disziplinierte Feilen aller Beteiligten am perfekten Klang jeder einzelnen Note.

Swetlana Besotosnaja, 3. v.l.

Und ehe ich mich versah, verklang auch wieder das schöne Lied der „Moskauer bzw. Wladimirer Tage und Nächte“… Und schon sehr bald, ab dem 05.12.2019, werden die Lieder – dieses Mal jedoch nach zehn Jahren mit mir und nach 30 Jahren seit dem ersten Auftritt in Erlangen als „Abschiedstournee“ – in Erlangen, Herzogenaurach, Bad Heilbrunn, Penzberg und Starnberg erklingen. Wir freuen uns auf Ihr Kommen! Bis bald!

Dorothee Lotsch

Lotsch Tonstudio

Swetlana Besotosnaja und Dorothee Lotsch

Die Musikredaktion des Blogs liefert die Daten der Tournee demnächst nach.

 

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Mittwoch, 21. August: Eintauchen in Murom – Wasserspiele in Wladimir

Die Fahrt nach Murom dauerte ca. zwei Stunden. Dort wurden wir vom russischen Sagenheld Ilja Muromez begrüßt, der sich bewundernswerterweise in seiner Ritterrüstung – trotz ca. 30 Grad – vielfach ablichten ließ.

Sergej Skuratow und Sergej Jermolin mit Ilja Muromez

Bei der Besichtigung des Klosters in Murom, konnte ich buchstäblich in die Materie eintauchen – im Kloster, 3x tief in eiskaltes Wasser. Das Bekreuzigen (so der Plan) habe ich zu Gunsten des Luftholens (Realität) weggelassen (das wird einem sicher verziehen!).

Das war sehr erfrischend.

Abends fuhr ich mit einer Mitreisenden in die Innenstadt von Wladimir, wo wir sehr viel Zeit bei den Wasserspielen verbrachten, die ab 20 Uhr mit Musik aus unterschiedlichsten Sparten unterlegt sind. Vom Kinderlied, über Pop/Rock, Klassik – in verschiedenste Sprachen. Das ist mal ein niedrigschwelliges Kulturangebot! Dank warmem Wetter hatten obendrein Kinder und Jugendliche (auch ein paar Erwachsene) ihre Freude am und im Wasser – am Versuch, nicht naß zu werden oder eben am Risiko.

Jurorinnen

Donnerstag, 22. August: Eröffnung der internationalen Ausstellung „Wo beginnt die Heimat“, Besuch des Museums im Goldenen Tor, Besuch des Erlangen-Hauses, Abschlußabend

Eine spannende Ausstellung – tolle Arbeiten! Ich sah sie ja nicht das erste Mal, sondern schon bei der Jury-Sitzung, aber das erste Mal so toll präsentiert. Während der Ausstellung erfuhr ich, daß ich in zwei Minuten eine kurze Ansprache halten sollte. Hierzu ein mir wirklich wichtiger Grundgedanke zum Thema „Heimat“ kurz skizziert:

Heimat ist dort, wo man Wurzeln findet, und es sollte gleichzeitig ein Platz sein, an dem einem Flügel wachsen können. Kunst ist eine Sprache. Kunst ist international und läßt uns Flügel wachsen, läßt uns fliegen und läßt uns liebevoll einen Blick über den Tellerrand werfen auf die Heimat aller Menschen: die ERDE.

Später erhielt ich von einer Mit-Jurorin einen bemalten Lebkuchen in Form unseres Planeten geschenkt – das hat mich sehr berührt.

Es folgten der Besuch im Museum Goldenes Tor. Erschreckend, daß sich die Menschen hier vor langer Zeit, im Kampf um ein Stück „Heimat“, die Köpfe eingeschlagen haben. Dann noch die Bilder von russischen Soldaten im 2. Weltkrieg – alles sehr bewegend.

Auf meinen Wunsch konnte ich noch eine Jugendkunstschule in Wladimir besuchen und das Erlangen-Haus. So viele Eindrücke!!! Ein Bummel durch Wladimir beendete den angefüllten Nachmittag.

Am Abend gab es die große Abschlußveranstaltung mit der Übergabe von Diplomen, und Pokalen, einer Bühnenshow vom Feinsten, alles wieder hochprofessionell. Daß Arbeiten von Kindern und Jugendlichen in einer derartigen Weise hochgeschätzt und gewürdigt werden, ist für mich als Leiterin einer Jugendkunstschule aus Deutschland tatsächlich äußerst bemerkenswert (und neu).

Gekrönt wurde der Tag mit einem wunderbaren Empfang für die Delegationsleitungen. Jeder konnte nochmal Geschenke und abschließende Worte an die Organisationsleitung überbringen, dann haben wir gefeiert, sehr lecker gegessen, uns ausgetauscht.

Als mir eine Delegationsleiterin aus der Ukraine ein Geschenk übergab, dachte ich nur noch: „Weltfrieden“. Vielleicht können solche Veranstaltungen tatsächlich einen großen Beitrag leisten.

Freitag, 23. August:

Abfahrt nach Moskau – Heimflug

Die sehr viel schnellere Heimreise führte mich mit der Bahn nach Moskau. Hier stieß ich kurz wieder auf Sprachbarrieren, fand aber dann doch die richtige Metro, die mich zum Flughafen bringen sollte. Dort hatte ich noch einen sehr, sehr langen Aufenthalt…

Annette Rollenmiller

Und hier geht es zu einer Bilderschau der Veranstaltung: https://is.gd/h3fFSV

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Nur im weitesten Winkel der Wahrnehmung hatte ich Wladimir als unsere Partnerstadt registriert – bis die Anfrage von Peter Steger mich neugierig machte und Wladimir das erste Mal in meinen Fokus rückte. Der sehr kurzfristige Versuch, für das Pleinair im August noch Jugendliche „aufzutreiben“, scheiterte – was im Nachhinein betrachtet gut war. Aber dazu später.

Sehr gerne nahm ich die Herausforderung an – trotzdem alleine zu reisen, dieses „Jugendkunst-Spektakel“ mitzuerleben und zu checken, ob und wie es Ansatzpunkte für die Jugendkunstschule Erlangen geben könnte.

Einschub:

Da 2019 das Jahr der russischen Kontakte sein sollte, wurde parallel die Anfrage einer russischen Jugendkunstschule über die Kulturidee an mich herangetragen, im Rahmen der Langen Nacht, bei der die JuKS im Kinderprogramm aktiv ist, unseren Raum für eine Ausstellung im Nachtprogramm zur Verfügung zu stellen.

Annette Rollenmiller 11

Kurz vor der Reise nach Wladimir, stellte sich heraus, daß es in der Zeitplanung der Dienstreise ein kleines Zeitfenster (Freitagnachmittag, am Anreisetag) gab, das ich sogleich nutzte, um diese Jugendkunstschule in der „Nähe“ (zweistündige Fahrt) von Moskau zu besuchen.

Freitag: Anreise – Moskau – Besuch Jugendkunstschule „Obraz“ – Roter Platz

Abgeholt am Flughafen von der Leiterin der Jugendkunstschule, begrüßt von Mitarbeiterinnen der Einrichtung, dem Bürgermeister und Bergen von leckeren „Butterbroten“ (in Rußland sind das ziemlich üppige Sandwiches).

Mangels Sprachkenntnisse lief die Kommunikation über Singen, Tanzen und Lachen – schön, wie schnell man mit „politischen Entscheidungsträgern“ Kontakte knüpfen kann, wenn die Sprache fehlt. Das machte im positiven Sinn wirklich „sprachlos“.

Trotzdem: Schon bei der ersten Begegnung eine Punktlandung –  …auf russisch – ganz viel Herz, Freude, Vertrautheit!

Als ob dieser russische „Teil“ mir irgendwie schon immer gefehlt hatte, spürte ich eine wahnsinnig tiefe, kulturell-menschliche Verbindung. Ich freue mich schon sehr, diese Ausstellung in den Räumen der JuKS am 19. Oktober 2019 zeigen zu können und natürlich auf ein Wiedersehen mit dem russischen Team!

Nach dem Besuch der Jugendkunstschule wurde ich von der Leiterin der Jugendkunstschule und einer Teilnehmerin mit Englischkenntnissen nach Moskau zurückbegleitet und konnte dort noch den Roten Platz besichtigen. Meine Begleiterinnen lotsten mich dankenswerterweise durch das etwas verwirrende Metro-Netz.  Ein langer Tag – ereignisreich. Moskau wirkte auf mich offen – ganz Weltstadt. Im Hinterkopf natürlich die Schlagzeilen über Demonstrationen u.a.  Ich fühlte mich wohl, (obwohl oder weil) alles präsent war: die Geschichte des Kriegs, die Flamme für die Gefallenen. Und doch… dominierte bei meinem ersten Eindruck: die Gegenwart, die Menschen! Die Lebendigkeit. Meine Erste Reise nach Rußland!

Annette Rollenmiller und der Maler Sergej Jermolin

Samstag, 17. August:  Fahrt nach Wladimir – Jury-Sitzung – Eröffnungsabend

Am Samstag ging es dann zum eigentlichen Ziel der Reise: nach Wladimir.

8 Uhr Abfahrt am Hotel „Kosmos“, das ich mir praktischerweise für die Übernachtung ausgesucht hatte. Fast fünf Stunden benötigten wir für die Fahrt mit dem Auto (die Rückfahrt mit dem Zug war mit zwei Stunden deutlich schneller). Grund, das schon von mir am Vortag festgestellte Phänomen: „Russian Rush Hour“, das scheinbar nicht an bestimmte Uhrzeiten gebunden ist.

Ich lernte meine beiden supernetten Ansprechpartnerinnen kennen: Anna (meine Übersetzerin) und Jelena (verantwortlich für die Organisation des Pleinairs u.v.m.).

Es gab ein Ankommen im strömenden Regen, der noch bis zum Abend andauern sollte und das Überqueren so mancher Straße (gerade auch bei der Abendveranstaltung) zu einem echten Abenteuer machte. Auch der Gedanke an „Pleinair“ ab Sonntag  – mit den vielen Teilnehmern im öffentlichen Raum – machte so ein bißchen nachdenklich und suchte nach Plan B.

Bereits am Samstagnachmittag wurde ich offiziell in die Jury-Sitzung mit eingebunden. Ich lernte die sehr netten weiteren Mitglieder der Jury und ein sehr straffes Programm intensiver Jury-Arbeit kennen.

Länderkarte der Teilnehmer am 18. Internationalen Peinair junger Künstler in der Region Wladimir-Susdal

Am Samstag dann die Eröffnungsveranstaltung: mit Bühnenshow und Moderatoren, die hochprofessionell fast den Eindruck einer Fernsehsendung vermittelten. Sehr beeindruckend war vor allem, daß Delegationen aus der ganzen Welt angereist waren. Hut ab!

Sonntag: 18. August: Jury Sitzung – Meisterklassen

Am Sonntag nach einem üppigen Frühstück (ich staunte nicht schlecht darüber, was alles am Buffet zu finden war!) wurde die Jury Sitzung fortgesetzt – echt harte Arbeit. Sitzung? Eigentlich saßen wir auch nie!

Mitveranstalterin Aida Dynnikowa, N.N. und Annette Rollenmiller

Das Thema des Wettbewerbs: „Wo beginnt die Heimat?“ wurde im Vorfeld von Hunderten von Teilnehmern bearbeitet und zugesandt. Ergebnis waren Tausende (?) von Arbeiten, die gesichtet und sortiert wurden. Es gab eine mehrstufige Auswahl. Den inhaltlichen Diskussionen konnte ich leider nicht folgen, lernte aber die Worte für „gut“ und für „schlecht“, wobei „schlecht“ immer noch sehr, sehr gut war! Es fanden sich supergute Arbeiten darunter, die ich da zu Gesicht bekam. Ich war sehr beeindruckt von der Qualität.

Übrigens: Das Wetter klarte rechtzeitig zum Start der Außeneinsätze auf. Es wurde trocken und steigerte sich bis zur Abreise letztlich noch zu einem richtig heißen Sommerwetter.

Nach einem Besuch in der Kathedrale in Wladimir (sehr, sehr beeindruckend!!) wurde das Theaterstück „Kathedrale“ besucht. Es waren wunderbare visuelle Eindrücke und eine sehr professionelle Darbietung eines regionalen Puppentheaters.

Abends starteten die Meisterklassen mit Bildnis eines Freundes und des Baums des Lebens. Ich nahm als Zaungast teil und staunte über die enorme Energie der teilnehmenden Jugendlichen, die ja bereits tagsüber schon fleißig in der Stadt gemalt hatten.

Montag, 19. August: Susdal – viele Kirchen – viele Äpfel

Am Montag starteten wir mit dem Bus nach Susdal und waren alle beeindruckt von Kreml und Kathedrale, vor allem von deren großer Anzahl. Unser Standort – auch für den Blitz-Mal-Wettbewerb – war schließlich das „Erlöser-Euthymius-Koster“, das ich mit einer Mitreisenden ausführlich besichtigen konnte. Das Apfelfest, das innerhalb der Klostermauern stattfand, war ein großes Kulturereignis mit Verkaufsständen, natürlich Äpfeln in jeder erdenklichen Form, selbstverständlich einer Apfelkönigin und einer Bühnenshow.

Singende Mönche und andere gute Interpreten sorgten für einen ausgesprochen unterhaltsamen und inspirierenden Nachmittag. Die Teilnehmer des Pleinair-Festivals hatten sich überall auf dem Gelände verstreut und versuchten, die Stimmung und das Ambiente in ihren Bildern einzufangen.

Die „Blitz-Jury“ fand dementsprechend auch im Mauerwerk des Klosters statt.

Weiter ging es zum Pleinair nach Bogoljubowo – stichpunktartig: eine historische Wiese, ein Kloster, wunderschöne Eindrücke auf einem Pfad über die Wiese auf die Kirche zuzulaufen, Abendhimmel – alle verteilten sich im Gelände, zeichneten, malten – traumhaft!

Abends: wieder Meisterklassen im Hotel. Dieses Mal habe ich die Angebote in einem anderen Hotel besucht und mir einen Workshop mit einer besonderen Drucktechnik angesehen.

Dienstag, 20. August: Fahrt nach Gorochowez – Blitzwettbewerb

Eine längere Fahrt dieses Mal – 155 km – nach Gorochowez. Hier wurden wir mit einer folkloristischen Darbietung empfangen. Aber nur ganz kurz – dann tanzten wir alle selbst. Verschiedene Tanzspiele auf der Wiese, die immer schneller wurden, heizten uns bei sommerlichen Temperaturen ganz schön ein. Viel Lachen, viel Spaß!

Danach erneut ein, dieses Mal etwas längerer Blitzwettbewerb. Ich staunte schon wieder: soviel Energie! Obwohl es sehr heiß war, schwärmten die Teilnehmer aus den Bussen aus, suchten sich einen Platz zum Malen. In einer kleinen Gruppe (von fünf Personen) besichtigten wir die Stadt und besuchten ab und zu die malenden Teilnehmer an den verrücktesten Orten. Unglaublich mit welcher Geschwindigkeit hier beeindruckende Bilder entstanden.

Hier warf ich – wie meine vier Begleiterinnen – ein Geldstück in die Kljasma, ganz entgegen meinem Umweltbewußtsein, als Zeichen, daß ich wiederkomme.

Dann wieder – Jury – Preisverleihung. Soweit ich das richtig erinnere, sprachen der Bürgermeister und andere Redner. Auch ich sollte unvermittelt ein paar Worte sagen. Improvisation ist alles! – Und eine gute Übersetzerin!

Fortsetzung folgt.

Annette Rollenmiller

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„Erst einmal werde ich spielen und dir später dann erklären, was es ist.“ So lautet ein berühmtes Zitat von Miles Davis. Nach diesem Motto begann vor zehn Jahren ein Austausch, von dem zunächst niemand erklären konnte, was – und ob überhaupt etwas! – daraus werden sollte. Im November 2009 donnerte mit No Trouble erstmals eine Rockband aus Wladimir beim Newcomer-Festival über die Clubbühne des E-Werks und legte damit den Grundstein für Projekt, das den Grammy der Städtepartnerschaft verdient hätte. „With a little help“ des Amtes für Soziokultur reist seit einer Dekade jene Gruppe, die beim Newcomer-Festival den Publikumspreis gewinnt, in die russische Partnerstadt, und von dort kommt im Gegenzug ein Ensemble, um das E-Werk zu rocken. Dieser Tage nun brechen gleich zwei Bands gen Osten auf: Meloco aus Wiederholungstäter, denen es schon 2014 in Wladimir so gut gefallen hatte, daß sie auf eigene Kosten nochmals dort auftreten wollten, und Impvlse, die Publikumslieblinge vom Vorjahr. Bemerkenswert: Auf der russischen Seite hat sich eine ganz eigene Rockinitiative gebildet, die sich um die Organisation und Finanzierung der Konzerte ihrer Erlanger Gäste kümmert. Mit welchem Aufwand und Drive zeigen allein schon die Plakate – und der Umstand, daß erstmals drei Auftritte in drei Städten der Region Wladimir stattfinden. Bisher waren das immer nur maximal zwei Gigs.
Den Auftakt macht das Konzert am 11. Oktober in der Wladimirer Mischanikolajew-Bar Drugoj unter der Überschrift „Partnerschaftsparty“, wobei das russische „Pobratim“ gewählt wird, ein Begriff, der noch aus der Sowjetzeit stammt und „verbrüdert“ bedeutet, weil die Stadt im Russischen weiblichen Geschlechts ist. Es handelt sich also um eine Verschwisterungsparty, zu der die Altersgruppe 16 plus „im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen den Schwesterstädten Wladimir und Erlangen“ bei freiem Eintritt um 21.00 Uhr eingeladen ist.
Weiter geht es am 12. Oktober um 17.00 Uhr zum Eintrittspreis von 300 Rubeln ins Freizeitzentrum Imperia beim „Rockfest“ in Murom, auf dem weitere Bands der Region Wladimir auftreten, darunter Ragged Jeans, die im November nach Erlangen kommen.
Und am 13. Oktober zieht die Karawane weiter nach Kowrow, um dort – wieder gemeinsam mit Lokalmatadoren – gegen 17.00 Uhr den „Rock-Herbst“ auszurufen.
Wie groß die Vorfreude in Erlangen schon ist, zeigt die russische Flagge von Impvlse, gehißt auf der Facebook-Seite der Band. Viel Erfolg bei der Jubiläumstour! So darf auch der Rock in die Jahre kommen, zumal ja nach wie vor gilt: Forever young!

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