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Posts Tagged ‘deutsch-russischer Journalistenaustausch’


Manchen mag es schon aufgefallen sein, dennoch hier der Hinweis. Seit einigen Tagen bietet der Blog einen neuen Service, zu finden ganz oben in der Leiste neben Startseite, About und Datenschutz. In unregelmäßiger Reihenfolge sollen hier Quellen der Wladimirer Medien erscheinen, aus denen die Redaktion schöpft. Alle in russischer Sprache, aber in Zeiten durchaus brauchbarer maschineller Übersetzungen doch mittlerweile für alle erschließbar.

Julia Kusnezowa

Versuchen Sie es: Den Anfang machen die umfangreichen Berichte der beiden Journalistinnen, Julia Kusnezowa und Karina Romanowa, die das in Erlangen gesammelte Material zu Fragen der Müllbehandlung und des Umgangs mit Haustieren, aber auch die Begegnungen mit ihren deutschen Kollegen, erstaunlich detailliert dem Wladimirer Publikum vorstellen. – Und jetzt auch Ihnen.

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Wer bisher die Berichte im Blog über den Besuch der beiden Journalistinnen, Karina Romanowa und Julia Kusnezowa, begleitet vom Leiter der Akademie für Wirtschaft und Verwaltung, Wjatscheslaw Kartuchin, verfolgte, könnte meinen, den Gästen ginge es vorrangig um den Austausch mit ihren hiesigen Kollegen von Presse, Rundfunk und Fernsehen. In der Tat stand dieses Ziel auch im Vordergrund, als vor einigen Wochen die Planung begann. Doch dann kam aus Wladimir der Wunsch, doch auch das Thema Müll mit all seinen Facetten ins Arbeitsprogramm zu nehmen. Man wolle erfahren, wie man mit diesem Problem in Erlangen umgehe, da man selbst mit der Abfallflut, die mittlerweile auch aus der Region Moskau hereinschwappe, nicht mehr zurandekomme und nach Auswegen aus der Krise suche.

Karina Romanowa, Julia Kusnezowa, Susanne Lender-Cassens, Wjatscheslaw Kartuchin und Peter Schmidt

„Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“, sagt sich natürlich leichter, als es sich umsetzen läßt. Aber einen Anfang macht man damit immerhin, über den sich Umweltbürgermeisterin Susanne Lender-Cassens bei der Begrüßung des Trios am Montagmorgen natürlich freut. Angesichts der Dringlichkeit der Problematik in der Region Wladimir wird man sich freilich nicht wie in Deutschland weitere vierzig Jahre Anlaufzeit leisten können, die, auf vier Tage aufgeteilt, den Gästen in einem Schnellkurs vorgestellt werden: von den Müllhalden der 70er Jahre bis hin zur Wertstofftrennung, Kompostierung und Verbrennung nach aktuellem Standard.

Wertstoffhof Erlangen

Und so durchlaufen die Besucher denn auch nicht nur in der Theorie, sondern vor allem auch in der Praxis mit Peter Schmidt, zuständig für die Abfallberatung im Umweltamt, die Etappen der Trennung des Mülls in wiederverwertbare Fraktionen – bis hin zu den Resten, die nur noch verbrannt werden können.

Thomas Scharold, Gabriele Totzauer, Julia Kusnezowa, Karina Romanowa und Wjatscheslaw Kartuchin

Gabriele Totzauer, Leiterin der Abfallwirtschaft, zeigt die von ihr über vier Jahrzehnte aufgebaute Kompostieranlage und erklärt, wie man mit diesen Verfahren allein schon das Volumen des Hausmülls um ein Drittel reduzieren und mit Erlanger Kompost sogar Geld verdienen kann.

Julia Kusnezowa, Regina Meinardus und Karina Romanowa

Dazu gehört natürlich auch die Umweltbildung, die Zusammenarbeit mit Schulen und Ausbildungsstätten, wo Regina Meinardus Vorträge hält und in die komplexe Materie einführt.

Lena Jakob und Karina Romanowa

Dazu gehören auch Menschen wie Lena Jakob, die nicht nur beruflich für Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften tätig sind, sondern auch privat ihren Beitrag leisten wollen, etwa durch Plastikfasten, den so weit als möglich gehenden Verzicht auf all die überflüssige Verpackung und die Vermeidung von Produkten, die Mikroplastik enthalten, das bisher von keiner Kläranlage der Welt aus dem Wasser gefiltert wird, aber auch in den Boden gelangt – mit noch ungeahnten Folgen für das gesamte Ökosystem.

Karina Romanowa und Julia Kusnezowa mit den Kids for Future

Und – ganz aktuell – eine Begegnung mit jungen Leuten, die nicht mehr warten wollen, bis die Politik in Sachen Klima und Umweltschutz in die Gänge kommt. Die Kids for Future – wenn auch von manchen angefeindet oder verspottet – schafften es ja, heute vor einer Woche rund um den Globus so viele Menschen auf die Straßen zu bringen, daß weder Gesellschaft noch Politik länger weitermachen können wie bisher. Wenn es für uns Erwachsene schon fünf vor zwölf sei, was wird dann die Uhr zeigen, wenn die jungen Leute einmal Eltern werden wollen?

Karina Romanowa, Arnd Externbrink und Julia Kusnezowa

Arnd Externbrink, technischer Betriebsleiter des Müllheizkraftwerks Bamberg, geht die Dinge mit seinem trockenen Humor nüchterner an. Zur Begrüßung sagt er gleich: „Euer Müll aus Erlangen wird gerade verfeuert.“ Die Anlage, längst am Limit angelangt, verbrennt allein vom Abfallzweckverband Erlangen-Höchstadt, der je zur Hälfte Bamberg und Coburg als Partner für die thermische Behandlung seines Restmülls beschickt, etwa 20.000 t, was 15% des Gesamtaufkommens entspricht. Gar nicht vorzustellen, wenn es den über vierzig Jahre immer weiter ausgebauten und modernisierten Komplex nicht gäbe. „Der ganze Dreck von Bamberg, Forchheim, Wunsiedel, Erlangen und Höchstadt würde auf der Kippe oder irgendwo in der Landschaft landen“, meint der Gastgeber.

Julia Kusnezowa

„So etwas brauchen wir unbedingt auch“, meinen die Gäste übereinstimmend. „Es ist an der Zeit, so kann es nicht weitergehen.“ Und sie glauben, mit ihren geplanten Sendungen zum Thema die Bevölkerung und Politik dafür gewinnen zu können, wenn sie vermitteln, wie umweltschonend diese Verfahren sind, wie wenig Schadstoffe dabei noch in die Luft gelangen, wie man sogar Geld verdienen kann mit der Gewinnung von Wärme und Strom aus der Verbrennung von Abfällen.

Karina Romanowa, Nicola-Simone Franz-Haas und Julia Kusnezowa

Schließlich treibt die Journalistinnen aber ein weiteres Thema um, das derzeit in Wladimir für heiße Debatten sorgt: die gehäuften Angriffe von Meuten verwilderter Hunde auf Menschen. Ein Phänomen, das Nicola-Simone Franz-Haas, Amtstierärztin in der Abteilung Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung, so aus ihrer Praxis nicht kennt. Aber gerade deshalb ist ein Erfahrungsaustausch auch zu diesem Thema von großer Bedeutung. Soll und darf man die Tiere abschießen? Wenn man sie fängt, wie lange kann man sie im Tierheim halten? Darf man sie – wie bisher in Wladimir praktiziert – nach der Kastration wieder freilassen? Wäre es sinnvoll, alle Hunde registrieren zu lassen und gar eine Steuer einzuführen? Eine erste Antwort gibt die Politik in Wladimir bereits: Abschüsse soll es nicht geben, und für die Unterbringung im Tierheim wird man 250 Mio. Rubel einsetzen.

Karina Romanowa, Wjatscheslaw Kartuchin und Julia Kusnezowa

Wenn die Gäste heute wieder die Heimreise antreten, geht damit zwar ein ungemein intensiver Aufenthalt zu Ende, aber der Abschied verspricht noch viele Begegnungen, noch viel Austausch zu den Themen Journalismus und Umwelt. Ein guter, ein sehr guter Anfang ist gemacht.

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„Hier riecht es nach Zeitung“, rief Ella Rogoschanskaja erfreut, als es in den Keller der Nürnberger Nachrichten ging, wo – ein ingenieurtechnisches Meisterwerk – auf engstem Raum die Druckerei liegt, von wo aus die Postkästen und Kioske der ganzen Region beliefert werden. Die seit Jahren in Nürnberg lebende Journalistin aus Wladimir hatte die Gäste am Vormittag durch ihre neue Heimat geführt und sah nun auch zum ersten Mal das Verlagshaus mit allen Bereichen, von den Redaktionsstuben bis zur Auslieferung der Blätter Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung.

Wjatscheslaw Kartuchin, Karina Romanowa, Julia Kusnezowa, Klaus Schrage und Ella Rogoschanskaja

„Eine derart moderne und große Druckerei, noch dazu unter einem Dach mit der Redaktion, haben wir in Wladimir nicht“, bekennt Wjatscheslaw Kartuchin, Leiter der Akademie für Wirtschaft und Verwaltung, dem Betriebsratsvorsitzenden Klaus Schrage, der sich gestern viel Zeit für die Führung genommen hatte. „Diese Bereiche sind in der Regel getrennt. Dafür haben wir in so gut wie jeder Kreisstadt unserer Region eine eigenständige Lokalzeitung.“ Noch, möchte man hinzufügen, denn auch die russische Medienlandschaft befindet sich im Umbruch, orientiert sich zu Lasten der gedruckten Zeitung immer stärker auf das Internet. Noch aber zeigt sich in der Partnerstadt und im ganzen Gouvernement mit der Größe von ganz Franken und der halben Oberpfalz zusammengenommen ein buntes Bild mit allein in Wladimir vier TV-Stationen, nicht weniger Radiosendern, drei Zeitungen und vielen Internetportalen, unter denen Zebra-TV, immer wieder auch die Referenz für den Blog, herausragt. „Wenn bei uns eine Pressekonferenz angesetzt ist“, beschreibt Julia Kusnezowa vom privaten Fernsehkanal TV6, der zu Ren TV gehört, „dann ist die Hütte voll, während es, wie wir erfahren haben, im Erlanger Rathaus schon einmal vorkommen kann, daß ein Termin platzt, weil kein Journalist kommt. Undenkbar bei uns.“

Julia Kusnezowa und Karina Romanowa

Beide Journalistinnen arbeiten ja beim Fernsehen (s. vorherige Einträge im Blog) und machten ihre ersten Medienerfahrungen mit dem Radio. Beide moderieren, beide haben sich die Liebe zum gesprochenen Wort bewahrt und genießen staunend die technischen Möglichkeiten beim Bayerischen Rundfunk, Studio Franken, kundig-pfundig rundgeführt von Daniel Peter und begrüßt von Thomas Rex, dem Gesicht der allsonntäglichen Frankenschau, der mit seinen drei Reportagen über die Städtepartnerschaft besonders eng mit Wladimir verbunden ist und auch bereits einmal einer russischen Kollegin Gelegenheit zu einem Praktikum gab: https://is.gd/nbCQw3

Thomas Rex, Karina Romanowa, Julia Kusnezowa, Daniel Peter und Wjatscheslaw Kartuchin

„Wenn wir das alles so sehen, würden wir uns auch Rundfunkgebühren wünschen“, meinen die Gäste, „aber das ließe sich gesellschaftspolitisch nicht durchsetzen. Bei allen Vorteilen, die wir hier sehen, etwa die starke Präsenz in den Regionen und die ausgewogene Berichterstattung.“ Vor allem auf letzteres kommt es Julia Kusnezowa und Karina Romanowa an, und so lautet denn auch die Antwort auf eine Frage am Abend im Kollegenkreis, was das schönste Zuschauerlob für sie beide sei: „Die Anerkennung, den Fakten entsprechend und ehrlich berichtet zu haben.“ Dies, Tatsachen und Gewissenhaftigkeit, sei denn auch ihr höchster Anspruch an sich selbst, und: „Die Leute wissen das zu schätzen. Damit und mit Kompetenz verschafft man sich dann auch Ansehen in einem allgemeinen Klima des Mißtrauens gegenüber den Medien.“ Etwas, das die deutschen Kollegen sicher ebenfalls unterschreiben würden.

Ella Schindler, Julia Kusnezowa, Karina Romanowa und Klaus Schrage

Im Unterschied zur Podiumsdiskussion im Erlanger Club International am Montag geriet das gestrige Gespräch in der Nürnberger Nordkurve, gemeinsam unterhaltsam moderiert von der eloquent zweisprachigen Ella Schindler und dem noch besser als sonst schon gestimmten Klaus Schrage eher zu einer kammermusikalischen Veranstaltung mit – freilich zu wenig – Zeit für Zwischentöne, für Fragen nach dem journalistischen Arbeitsalltag in Wladimir, für das kollegiale Kennenlernen – und für noch mehr Lust, einander besser zu verstehen.

Wjatscheslaw Kartuchin, Wolfgang Mayer, Julia Kusnezowa, Karina Romanowa, Ella Schindler und Klaus Schrage

Ein Wort des Dankes fehlt noch. Wolfgang Mayer hatte nach seiner Teilnahme an der Prisma-Reise nach Wladimir im November vergangenen Jahres, die Idee, eine Journalistendelegation aus der Partnerstadt zur Fortsetzung des Dialogs einzuladen. Er hielt sich nun bescheiden im Hintergrund. Aber ohne ihn wären all die Begegnungen nicht zustande gekommen. Wie schade und bedauerlich das wäre, zeigen diese Begegnungstage. Deshalb nochmals danke und спасибо!

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Zum ersten Mal in Deutschland, zum ersten Mal in Erlangen, zum ersten Mal in der Redaktion der Lokalzeitung in der Partnerstadt. Auf diesen Termin hatten sich die Journalistinnen Karina Romanowa und Julia Kusnezowa nach der Podiumsdiskussion am Montagabend besonders gefreut. Weniger die eigene Arbeit erklären, als vielmehr sich mit Kollegen austauschen und erfahren, was eint und was trennt.

Karina Romanowa, Markus Hörath und Julia Kusnezowa

Schnell wird im Gespräch mit Markus Hörath, Redaktionsleiter der Erlanger Nachrichten, klar, da ist mehr was eint als trennt: der Schwund bei der Printausgabe, die zurückgehenden Werbeeinnahmen, der Kostendruck mit Auswirkungen auf die Personaldecke, die Orientierung auf das Internet. Aber auch ein fairer Umgang mit Politikern ohne Schongang, ein Vertrauensbasis mit der Leserschaft, eine emotionale Bindung an Stadt und Region.

Wjatscheslaw Kartuchin, Elisabeth Preuß, Julia Kusnezowa, Karina Romanowa und Amil Scharifow

Und: Man weiß viel zu wenig voneinander, sollte mehr die Möglichkeiten der Partnerschaften nutzen, um sich auch unter Journalisten besser kennenzulernen und vielleicht sogar das eine oder andere Material zwischen den Redaktionen auszutauschen. Denn, auch darin ist man sich einig, die völkerverbindenden Beziehungen zwischen Erlangen und Wladimir will man auch in Zukunft journalistisch begleiten, gerade auch vor dem Hintergrund der schwierigen geopolitischen Lage.

Julia Kusnezowa, Florian Janik, Karina Romanowa und Wjatscheslaw Kartuchin

Ganz im Sinne von Oberbürgermeister Florian Janik, der dritten Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und von Landrat Alexander Tritthart, die alle mit ihren je eigenen Worten den Wert der Kontakte betonen. Ganz nebenbei können die Gäste beim Besuch des Landratsamtes eine Besonderheit feststellen: Nirgendwo sonst in einem bayerischen Landkreis gibt es zwei deutsch-russische Städtepartnerschaften wie hier, das Paar Höchstadt an der Aisch mit Krasnogorsk und eben die Verbindung Erlangen-Wladimir.

Julia Kusnezowa, Alexander Tritthart und Karina Romanowa

Und noch etwas verbindet, von dem Christofer Zwanzig, Pressesprecher der Stadt Erlangen, berichtet. Es werde, so die übereinstimmende Auffassung, hier wie dort, immer schwieriger, komplexe Zusammenhänge und Entscheidungswege – etwa im Fall der Stadt-Umland-Bahn – angemessen zu vermitteln. Durch eine Vermischung von Fakten und Meinungen, besonders in den Sozialen Medien, komme es häufig rasch zu Verdrehungen der Sachverhalte, zu absichtlichen Entstellungen und oft auch zu offener Ablehnung, ohne sich mit dem Wesen der Sache beschäftigt zu haben. Leider wirke dann derlei Meinungsmache oft regelrecht ansteckend und untergrabe das Vertrauen in den Journalismus ebenso wie in Behörden und Institutionen.

Christofer Zwanzig, Julia Kusnezowa und Karina Romanowa

Wichtig ist den beiden aber: „Wir haben uns hier gleich wie zu Hause gefühlt, nicht wie Fremde.“ Und noch etwas freut sie: „In Erlangen scheinen die Politiker für Journalisten so zugänglich und offen zu sein.“ Spürbar schon am freien, unkontrollierten und unangemeldet möglichen Zugang zu Behördengebäuden ohne Wachpersonal. Vielleicht auch daher der Eindruck von Julia Kusnezowa und Karina Romanowa nach gerade einmal drei Tagen in Erlangen: „Es ist, als gingen hier für uns alle Türen von selbst auf.“

 

 

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Vor hundert Jahren beantwortete Oswald Spengler in seinem „Untergang des Abendlandes“, wie beim Diskussionsforum Prisma vorgestern von Roman Jewstifejew zitiert, die Frage nach dem Wesen der Wahrheit so: „Für die Menge das, was man ständig liest und hört… Drei Wochen Pressearbeit, und alle Welt hat die Wahrheit erkannt. Ihre Gründe sind so lange unwiderleglich, als Geld vorhanden ist, um sie ununterbrochen zu wiederholen.“ Heute wissen wir, der Okzident ist zwar durchaus krisenanfällig, beweist aber weiterhin seine Vitalität, und gestern erfuhren die Erlanger Gäste nun auch, wie man als ein von zwei Geschäftsleuten Anfang der 90er Jahre gegründetes und bis heute erfolgreich betriebenes Medienunternehmen in Wladimir – zunächst als Radiosender, dann als TV-Station und nun seit einigen Jahren ausschließlich als regional ausgerichtetes Internetportal – anständig Geld verdienen kann und überlebt, ohne dem Publikum und den Werbekunden ein X für ein U vorzumachen: mit ausgewogener Berichterstattung, immer an Fakten und objektiven Maßstäben ausgerichtet, angesiedelt zwischen den regierungstreuen Staatsmedien und einem fundamentaloppositionellen Journalismus. Derart viel und intensiv an einem späten Vormittag über das Wesen der russischen Medien im Spannungsfeld zwischen Politik und der Freiheit des Wortes, zwischen ökonomischen Zwängen und Berufsethos erfahren zu können, hätte der Journalist Wolfgang Mayer so nicht erwartet, und man darf gespannt sein, wie er über diese Begegnung mit seinem Wladimirer Kollegen, Chefredakteur Sergej Golowinow von Zebra-TV, schreiben wird. Dem soll hier deshalb auch nicht vorgegriffen werden.

Sergej Golowinow, Gerda-Marie Reitzenstein, Julia Obertreis, Wolfgang Niclas, Wolfgang Mayer, Elisabeth Preuß, Jutta Schnabel und Amil Scharifow

Ausgespart bleiben für heute auch viele weitere Stationen des gestrigen Tages, der seinen Höhepunkt in einem Empfang für Bürgermeisterin Elisabeth Preuß bei Gouverneur Wladimir Sipjagin in der Staatskanzlei fand, im sogenannten „Weißen Haus“ der Region Wladimir. Eine Zeitenwende – der Begriff erscheint angemessen – wenn man bedenkt, daß es in den letzten fünf Jahren, in der Regierungszeit der abgewählten Landesmutter, Swetlana Orlowa, auf politischer Ebene keinerlei Zusammenarbeit mit dem Gouvernement gab, ungeachtet all der vielen Vorstöße und Vorschläge aus Erlangen, ungeachtet der guten Tradition des Austausches und der Begegnungen unter ihren Vorgängern, Nikolaj Winogradow und Jurij Wlassow.

Wladimir Sipjagin und Elisabeth Preuß

Wladimir Sipjagin, erst vor einem Monat – übrigens mit dem Versprechen, die Pressefreiheit zu schützen und keine Drangsalierung der Medien zu dulden – in sein Amt eingeführt, erweist sich im Gespräch mit seinem Gast als umfassend informiert über die Partnerschaft und hebt nicht nur die Bedeutung des Erlangen-Hauses hervor, sondern weist auch auf die gelungene Aussöhnung zwischen den Kriegsveteranen aus beiden Städten hin und will ganz offensichtlich diese auf Ebene des Gouvernements unterbrochene Tradition fortsetzen, wobei er sich offen für jede Art der Zusammenarbeit etwa mit der Metropolregion Nürnberg oder der dortigen IHK zeigt, sich aber auch gemeinsame Projekte in den Bereichen Umwelt und Soziales oder Medizin vorstellen kann. „Da ist bei allem, was schon im Austausch zwischen unseren Städten passiert, noch viel Luft nach oben“, freut sich Elisabeth Preuß und überbringt dem Gastgeber die herzliche Einladung von Oberbürgermeister Florian Janik nach Erlangen. „Ich komme gerne“, erwidert der Hausherr, „und wir werden meinen Besuch gut vorbereiten, damit wir dann auch gleich Verträge für eine erweiterte Zusammenarbeit unterzeichnen können.“ Willkommen!

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Das Thema, das sich das Gesprächsforum Prisma bei seinem mittlerweile dritten Zusammentreffen gestern in der Wladimirer Akademie für Verwaltung und Wirtschaft stellte, erschöpfend an einem Nachmittag abhandeln zu können, auch wenn der sich – eine gute Stunde länger als geplant – bis in den frühen Abend hinein erstreckte, hatte wohl niemand in der Runde erwartet. Aber die Gastgeber, Oberbürgermeisterin Olga Dejewa und Akademieleiter Wjatscheslaw Kartuchin als Moderator, unterstützt von Fachleuten aus der Journalistik und der Wissenschaft, hatten das richtige Rezept gefunden, um alle, Deutsche und Russen, zur Frage „Objektivität von Massenmedien bei der Globalisierung“ miteinander in einen fruchtbaren Austausch von Meinungen und Argumenten zu bringen. Nur zwei Impulsreferate seitens Wladimir – von Wjatscheslaw Kartuchin und dem Politologen Roman Jewstifejew als Komoderator – sowie ein Vortrag von Wolfgang Mayer, ehemaliger Wirtschaftsredakteur der Nürnberger Nachrichten und zehn Jahre lang Mitglied des Deutschen Presserates, zu der Situation der Medien in Deutschland und weltweit.

Das Plenum von Prisma

Was Bürgermeisterin Elisabeth Preuß in ihrem Grußwort für die Erlanger Delegation als „kleine Schritte zum großen Ziel Verständigung“ bezeichnete, erwies sich rasch als ein Gang durch offene Türen. Kein noch so kontroverses Thema blieb nämlich ausgespart, von den viel zu schwachen russischen Gewerkschaften, die es nicht schaffen, wie in Deutschland, Tarifverträge für Journalisten zu erstreiten – bis hin zu den gehäuften Morden an Reportern während der letzten 20 Jahre in der Russischen Föderation. Wer bisher glaubte, die russische Medienlandschaft sei weitgehend gleichgeschaltet, sah sich am Konferenztisch einer großen Vielfalt gegenüber, von den Wladimirer Staatssendern bis hin zu den durchaus kritischen Redaktionen von Pro Wladimir und Zebra-TV oder der Position des Bloggers Kirill Nikolenko, der meinte, der Staat versuche viel zu sehr, die Medien und die öffentliche Meinung zu steuern. Demgegenüber vertrat Wjatscheslaw Kartuchin die Auffassung, seine Landsleute vertrauten gerade angesichts der überbordenden und ungefilterten Flut von Nachrichten und Meldungen mehr einer ordnenden Hand der Behörden. Strittig diese Meinung – auch unter den Gastgebern.

Die deutsche Delegation: Wolfgang Niclas, Gerda-Marie Reitzenstein, Jutta Schnabel, Wolfgang Mayer, Elisabeth Preuß, Amil Scharifow und Doris Lang

Einig freilich ist man sich in der Verurteilung von Zensur, die auch das russische Grundgesetz verbietet, oder in der Beobachtung, wie das Internet zunehmend die Meinungsführerschaft übernimmt, altersunabhängig, hier wie dort. Oft zu Lasten der festangestellten Journalisten, deren Zahl aus Kostengründen in den letzten zehn Jahren, wie Wolfgang Mayer ausführte, um ein Drittel abgenommen habe. Häufig auch zu Lasten der Qualität der Berichterstattung, eine Lücke, die zunehmend von Webautoren und Bloggern gefüllt wird. Spätestens hier stellt sich dann die Frage nach der Objektivität, die, wie Richterin i.R., Gerda-Marie Reitzenstein, am Beispiel der Justiz darlegte, ohnehin auch in scheinbar übersichtlichen Sachen wie einem Verkehrsunfall vom jeweiligen Blickwinkel abhänge und schwierig einzuschätzen sei. Wie dann gezielte Falschmeldungen von Übermittlungsfehlern unterscheiden, wie klären, wer etwa richtig liege bei der Wertung dessen, was vor vier Jahren auf der Krim geschah, eine Frage, die der in Erlangen promovierte Historiker, Wolfgang Mayer, so zuspitzte: Annexion oder Beitritt nach einem Referendum?

Roman Jewstifejew, Kirill Nikolenko und Sergej Golowinow

Auf großes Interesse stieß vor diesem Hintergrund bei den Gastgebern die Einführung des Unterrichtsfachs Medienkompetenz an bayerischen Schulen. Denn, wie sich gerade als junger Mensch zurechtfinden in dem übergroßen Angebot an Information, wie Tendenzielles, Unseriöses und gar Hetzerisches von dem unterscheiden, was nicht gleich in jeden Bericht, woran Elisabeth Preuß gelegen ist, die persönliche Meinung des Autors in den Vordergrund stellt, was Fakten und Wahrheit vermittelt. Stoff genug möglicherweise für einen Journalistenaustausch, den zwischen den Partnerstädten aufzunehmen, beide Seiten anregen.

Gerda-Marie Reitzenstein, Jutta Schnabel, Wolfgang Mayer und Elisabeth Preuß

Mehr noch: Roman Jewstifejew, neben seiner Professur an der Akademie auch als Blogger und Publizist ausgesprochen aktiv, macht einen ganz konkreten Vorschlag zum Ende der Veranstaltung: ein Medienprojekt, das die Lebensverhältnisse der Menschen in Erlangen und Wladimir zum Thema hätte, eine Plattform, wo jenseits der politischen Schlagzeilen – denen will der Wissenschaftler damit ein großes Dennoch entgegensetzen – zur Sprache kommt, was die Stadtgesellschaften ausmacht und bewegt. Eine Idee, die noch auszuformulieren wäre, für die Mitstreiter nötig würden, die anzugehen aber jede Mühe lohnen könnte.

Roman Jewstifejew, Gerda-Marie Reitzenstein, Olga Dejewa, Elisabeth Preuß, Wjatscheslaw Kartuchin, Juta Schnabel (1. Reihe), Wladimir Rybkin, Julia Obertreis, Irina Chasowa, Wolfgang Niclas, Wolfgang Mayer, Alexander Illarionow und Doris Lang

Am Ende finden sich auch alle in den Worten von Julia Obertreis, Leiterin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der FAU, wieder, die an allen drei bisherigen Treffen teilnahm: „Dieses Forum ist ein Glücksfall für die Partnerschaft, und wir müssen es unbedingt fortsetzen.“ Wen wundert es da, wenn beim gemeinsamen Abendessen schon nach einem Termin für Prisma IV im Frühjahr in Erlangen gesucht wird.

P.S.: Nachzutragen bleibt noch der Ausspruch des Tages aus dem Mund von Sergej Golowinow, Chefredakteur von Zebra-TV: „Ein guter Journalist ist ein schlechter Journalist.“ Bisher nur einmal in all den Jahren seiner Tätigkeit sei er von allen in einem Bericht dargestellten Seiten gelobt worden. Oder, wie das Franz Josef Strauß einmal formulierte: „Wer everybody’s Darling sein möchte, ist zuletzt everybody’s Depp.“

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Technisch hat natürlich längst auch das TV-Studio des Staatlichen Senders in der russischen Partnerstadt zu den fränkischen Kollegen aufgeschlossen, die Zeiten sind lange her, als stapelweise Cassetten und kleinere Geräte vom BR in Nürnberg nach Wladimir gingen. Aber Unterschiede gibt es immer noch, wie Jekaterina Lugowowa bei ihrem Besuch im Rathaus Siegfried Balleis, dem Erlanger Oberbürgermeister, erzählt. So drehe der Bayerische Rundfunk zuerst die für eine Reportage notwendigen Bilder und betexte die dann nachher. Bei ihnen, so die junge Journalistin, die nach fast zwei Wochen Hospitation heute wieder die Heimreise antritt, schreibe man vorab den Text und bebildere diesen im Nachgang. Auch bei den Themen sieht sie große Unterschiede. Das Frankenstudio lege doch mehr Wert auf die Unterhaltung der Zuschauer, während man in Wladimir notgedrungen viel über Probleme mit der Infrastruktur – seien es geplatzte Rohre oder unbeheizte Wohnungen – zu berichten habe. Auch eine Sendung wie die „Fastnacht in Franken“ gebe es bei ihrem Sender nicht. Und schließlich die Rechtsform. Öffentlich-rechtliches Fernsehen kenne man in Rußland nicht. Ihre Anstalt, die zum Landessender Rossija mit Filialen in allen Regionen gehöre, werde vom Staat finanziert und müsse einen Teil der laufenden Kosten auch über Werbeeinnahmen abdecken. Daneben gebe es noch Privatsender.

Jekaterina Lugowowa und Siegfried Balleis

Jekaterina Lugowowa und Siegfried Balleis

Den Empfang im Rathaus nutzt Jekakterina Lugowowa natürlich auch, um ein kleines Interview mit Siegfried Balleis zu machen, das demnächst in Wladimir zu sehen sein wird. Und dann sicher auch im Blog, weshalb darüber heute nicht weiter berichtet werden soll. Nur so viel: Die Besucherin bedankte sich bei den Gastgebern für all das Gute, das Erlangen für Wladimir getan hat und weiter tut. Und: „Ich bin stolz auf Wladimir und vor allem auf Wladimirs Freunde!“

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