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Posts Tagged ‘deutsch-russischer Ärzteaustausch’


Es gibt ungezählte Menschen in Wladimir, bei denen man sich nicht zu Gast, sondern zu Hause fühlt. Aber ein Besuch bei Guram Tschjotschjew trägt doch eine besondere Note. So oft man auch schon der Einladung des Orthopäden gefolgt sein mag, dieser Hohepriester der kaukasischen Gastfreundschaft hält immer wieder eine Überraschung parat, dieser Großmeister der Tischreden sprengt das eine um das andere Mal jede Vorstellung.

Peter Steger und Guram Tschjotschjew

So auch gestern abend, als er die Mappe der Stadt Erlangen mit dem Arbeitsprogramm für die erste große Ärztedelegation im April 1991 präsentiert. Der heutige 58jährige Professor von Weltruf war damals der jüngste in der Gruppe, aber wohl auch der lernbegierigste, der seine Deutsch-Lektionen bis heute beherrscht. Neben all dem Fachlichen – er bezeichnet sich als Vertreter der „deutschen Schule“ – lernte der Nordossete vor allem eines: die ethische Verantwortung gegenüber dem Patienten. Sein Lehrmeister damals am Waldkrankenhaus – Dietrich Hohmann, der, bereits 62 Jahre alt, eine junge Frau, die sich vor einen Zug geworfen und dabei alles gebrochen hatte, was sich nur brechen läßt, 26 Stunden lang operierte und rettete. „Nur um auszutreten oder eine Tasse Kaffee zu trinken verließ der Professor den OP“, erinnert sich der Gastgeber mit Bewunderung. „Und wie oft legen heute Ärzte schon nach zwei oder drei Stunden das Besteck beiseite und behaupten, es sei nichts mehr zu machen…“

Arbeitsprogramm für Ärztedelegation April 1991

 

Guram Tschjotschjew im Freundeskreis

Damals, in Erlangen, lernte der Hobby-Diätologe auch den Wert des Geldes schätzen. 120 DM erhielten die via Moskau und Prag per Bahn angereisten Gäste zur Begrüßung in einem Umschlag. Damals, vor fast drei Jahrzehnten, als es in Wladimir sogar Zündhölzer nur gegen Bezugsscheine gab, eine „phantastische Summe, für die alle anderen in der Gruppe kräftig einkauften.“ Guram Tschjotschjew hingegen, der sich sogar noch an die Stückelung des Betrags erinnert, schickte je einen Zehn-Mark-Schein an zwei Freunde, die bis heute die Banknoten als Talisman in ihrem Portemonnaie mit sich tragen. Und den Rest? Den steckte er in den Bau seines Hauses, in dem er heute all die Gäste aus Erlangen empfängt. Welch eine Investition in die Partnerschaft, in die Freundschaft!

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Von allen Medizinkontakten zwischen Erlangen und Wladimir erweisen sich die Verbindungen der Pädiatrie als die beständigsten. Seit 1990 im Kinderkrankenhaus die ersten Hilfskonvois eintrafen, besteht auch der ärztliche Austausch zwischen den Partnerstädten, und seit 1999 spendet auf Initiative von Christine Delfs, Lehrerin an der Heinrich-Kirchner-Schule, alle Jahre wieder in der Adventszeit ihr Taschengeld bzw. verkauft Leckereien in der Pause zu Gunsten der kranken Kinder in Wladimir. 300 Euro sind dieses Mal zusammengekommen, eine Rekordsumme, die vor allem auf der Krebsstation Freude machen soll, wie Swetlana Makarowa, ärztliche Direktorin des Krankenhauses, bei der Übergabe versichert.

Peter Steger und Swetlana Makarowa

Gebastelte, gezeichnete und gemalte kleine Kunstwerke gehen im Gegenzug als Dankeschön nach Erlangen. Aber auch schon als Grundstock für eine Ausstellung, die 2019 zum zwanzigjährigen Jubiläum der Aktion an der Heinrich-Kirchner-Schule zu sehen sein wird. Wie eng die kreative Bewältigung der Krankheit hier Erlangen und Wladimir verbindet, zeigen die vielen Bilder in den Korridoren, die 2008 im Rahmen des Projekts „Heimat“ entstanden, wo, unterstützt von Soroptimist International, Kinder Einblicke in ihre Vorstellung von Heimat gaben.

Weltkarte der Kinder mit Swetlana Makarowa und Peter Steger

Eine Freude für alles Sinne ist es mittlerweile, die Klinik zu besuchen: hell und farbenfroh die Gestaltung und patientenorientiert die Verwaltung. Vorbei die Zeiten der Warteschlangen. Bei der Anmeldung bekommt man zentral alle notwendige Auskunft bis hin zur Terminvergabe.

Anmeldung

Und die Ausstattung? Auch die mittlerweile auf modernstem Niveau. Dabei war man ohnehin immer vorne mit dabei. Etwa als – ebenfalls im Rahmen einer Aktion von Soroptimist International – 2001 hier ein gynäkologisches Behandlungszimmer für Mädchen eingerichtet wurde. Das erste seiner Art in der ganzen Region. Erst in jüngster Zeit gibt es diese Angebote auch andernorts, die Politik hat am Beispiel von Wladimir landesweit die Notwendigkeit solcher Beratungs- und Therapiemöglichkeiten für junge Frauen verstanden und handelt nun.

Gynäkologisches Behandlungszimmer für Mädchen

Nur ein großer Wunsch ist noch nicht erfüllt: das Perinatalzentrum für Wladimir. Zwar, so Swetlana Makarowa, sei man stolz, mittlerweile sogar Frühgeburten mit einem Gewicht von 450 Gramm gesund groß zu bekommen, aber es bleibe noch einiges in der Neonatologie zu tun. Möglichst gemeinsam mit den Kollegen aus Erlangen, von denen man schon so vieles gelernt und übernommen habe.

Heimat

Für diese Erfolge steht eine kontinuierlich sinkende Kindersterblichkeit. Auf 1.000 Geburten kommen statistisch nur noch fünfeinhalb Todesfälle. Schon ganz nah an den Daten für Deutschland, die bei etwa dreieinhalb Toten liegen – und weit entfernt von den fast zweistelligen Zahlen aus den 90er Jahren. Schön, wenn die Partnerschaft dazu – etwa mit den ersten Inkubatoren oder einem Rettungswagen – etwas hat beitragen können.

Heimat

Als Pjotr Dik im August 2002 in Worpswede während eines Studienaufenthalts unerwartet mit gerade einmal 63 Jahren verstarb, hinterließ der deutsch-russische Künstler seiner Witwe, neben all seinen Graphiken und Gemälden auch das gemeinsam erbaute Haus in Susdal. Von hier aus organisiert Kira Limonowa bis heute Ausstellungen ihres Mannes im ganzen Land.

Das Haus von Peter Dik

Aber hier, bei der Architektin des Erlangen-Hauses, gehen auch nach wie vor Musiker, Maler und Meister des Wortes ein und aus – wie die Lyrikerin Jekaterina Zwetkowa, die auch als Filmemacherin tätig ist und der italienisch-spanischstämmige Nicolas Celoro, in Paris geboren, und derzeit als Pianist auf russischen Bühnen zu erleben. Der kosmopolitsche Komponist arbeitet derzeit an einem Werk über Susdal. Bis zum dreißigjährigen Jubiläum der Partnerschaft mit Rothenburg im Sommer dürfte der Maestro die Arbeit zwar kaum abschließen, aber vielleicht ist sie ja später einmal in Erlangen zu hören. Bis dahin begnügen wir uns mit einem Epigramm von Jekaterina Zwetkowa:

Nicolas Celoro, Kira Limonowa, Jekaterina Zwetkowa und Peter Steger

Ich fand im Schreibtischfach auf einem Fetzen Papier die Notiz: Ich lebe, wenn ich Gedichte schreibe, einfach einer Eingebung folgend, schlicht in die Welt hineinhörend… Mehr noch liebe ich es, zu schweigen und in der Stille zu verharren. Und wenn man einen andern schätzt und mag, ist man mit ihm schweigend viel glücklicher, weil die Worte… Sie sind zu einer gewaltigen zerstörerischen Kraft geworden.

Blickfang in Susdal an der Kamenka

So soll denn auch dieser Bericht mit einem stillen Blick auf Susdal glücklich enden.

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Wer den Austausch zwischen Erlangen und Wladimir verfolgt, weiß, welche herausragende Rolle der Medizinaustausch spielt. Da nimmt es denn auch nicht wunder, wenn man beim Besuch des Regionalkrankenhauses, am Stadtrand jenseits der Kljasma gelegen, auf viele bekannte Gesichter trifft.

Iwan Seliwjorstow, Ljubow Bykowa, Majra Bulanowa und Peter Steger

Ljubow Bykowa, seit gut zwei Jahren ärztliche Direktorin des 800-Betten-Komplexes, kennt Erlangen von einem Besuch in ihrer damaligen Funktion als stellvertretende Leiterin des regionalen Gesundheitsamtes und berichtet gern von den vielen organisatorischen Veränderungen, die sie dank dem Austausch einführen konnte, während  Iwan Seliwjorstow, Radiologe und Koordinator des Rotary-Austausch-Programms vor allem das konkrete Fachwissen betont, das bei den Hospitationen in Franken auf den neuesten Stand gebracht wird. Etwas, das auch Majra Bulanowa, stellvertretende Leiterin des Krankenhauses, verstärkt fördern will.

Alexej Junjew

Erfreulich zu sehen, wie sich innen wie außen alles zum Besseren, um nicht zu sagen zum Besten, verändert hat. Etwa eine halbe Milliarde Rubel flossen in den letzten Jahren in bauliche Maßnahmen und die technische Ausstattung. Kein Vergleich mehr mit dem, was sich hier noch vor zehn oder gar zwanzig Jahren dem traurigen Blick des Gastes bot. So ist nun ein Austausch möglich, der wegkommt vom ursprünglich humanitären Ansatz, der sich ganz den Inhalten und der Fortbildung widmen kann.

OP der Neurochirurgie

Bei der Ausstattung findet man auf Schritt und Tritt Firmenlogos aus Deutschland, sogar der OP-Tisch, über den sich der Neurochirurg Nikolaj Nikitin besonders freut, ist made in Germany. Freilich hätte man gern noch mehr von deutschen Herstellern gekauft, wenn da nicht die hohen Preise wären, derentwegen ein weltweit agierender Elektrokonzern aus Erlangen unlängst bei einer Ausschreibung außen vor blieb.

Deutsches Gerät im Einsatz

Auch Andrej Mnjow, Oberarzt der Neurologie und kundiger Führer durch sein Reich, kennt Erlangen aus eigener Anschauung. Und so entstehen bald Ideen für neue Austauschprojekte, denn das Krankenhaus will sich neu organisieren und erweitern. Der Masterplan des Universitätsklinikums in der Partnerstadt könnte da für Wladimir eine gute Blaupause abgeben.

Andrej Mnjow, Peter Steger, Anna Judina und Nikolaj Nikitin

Und – auch der Austausch im Bereich der Pflegekräfte soll vorankommen, ein besonderes Anliegen von Oberschwester Anna Judina.

Zentrum für Surdologie und Mikrochirugie des Ohrs sowie Kind-Interhören

Wer also in der Region Wladimir, immerhin so groß wie ganz Franken und die halbe Oberpfalz zusammen, vor Ort in den Kreiskrankenhäusern nicht ausreichend versorgt werden kann oder keinen Platz mehr findet, ist hier gut aufgehoben. Die Sterblichkeit liegt unter dem landesweiten Schnitt, die Zimmer und Behandlungsräume zeigen sich licht und freundlich, und das Personal erweist sich als motiviert. Schließlich freut man sich auch schon auf den nächsten Fachbesuch aus Erlangen: Jürgen Binder und ein Medizinstudent der FAU haben ihr Kommen für Anfang Juni angekündigt.

Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale im Abendlicht

Aber auch die Politik weiß die Bedeutung des Medizinaustausches zu schätzen. Nicht von ungefähr ist deshalb Jewgenij Jaskin, ärztlicher Direktor des Unfallkrankenhauses „Rotes Kreuz“, zum gestrigen Abendessen mit Oberbürgermeisterin Olga Dejewa geladen. Seine Klinik unterhält bereits seit Ende der 80er Jahre Kontakte zur Chirurgie in Erlangen, und die will man weiter ausbauen, gerade auch – siehe oben – im Bereich der Pflegekräfte, deren Bedeutung für die Therapie zunehmend in den Fokus gerät.

Marina und Jewgenij Jaskin, Wjatscheslaw und Olga Dejew, Peter Steger

Schließlich wird sogar noch diskutiert, ob man nicht auch ein Schmerz-Zentrum einrichten sollte, nachdem es doch nach Erlanger Vorbild bereits gelungen ist, Palliativstationen zu eröffnen. In der Sache wird man also bald schon Fachbesuch aus Wladimir erwarten dürfen. Willkommen!

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Auch nach dem erst vor einem Jahr vollzogenen Wechsel des Betreibers – von den Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen an die Malteser – bleibt das Waldkrankenhaus in Erlangen auf seinem internationalen Kurs und weiter offen für den Austausch mit Wladimir. Sogar mehr denn je.

Roman Lorz und Guram Tschjotschjew

Guram Tschjotschjew kam als junger Orthopäde mit der ersten Medizinerdelegation aus der Partnerstadt erstmals 1991 hierher und fand so Anschluß an Forschung und Lehre im Westen. Vor allem aber fand er Freunde und Kollegen, die ihn förderten und ihn auf den Wegen in die weltweit agierenden Gremien und Verbände begleiteten. Der Nordossete, in den 80er Jahren aus dem Kaukasus nach Wladimir gekommen, hatte sich in der neuen Heimat schon einen Namen bei der Behandlung von kleinwüchsigen Kindern gemacht. Nun fand er aber auch in Erlangen Anerkennung und rasch Aufnahme in den Deutschen und Amerikanischen Orthopädenverband, hielt weltweit Vorträge zu seinem Fachgebiet, habilitierte sich und gilt heute als Koryphäe nicht nur in seinem Land.

Raimund Forst und Guram Tschjotschjew, die beiden Professoren der Orthopädie

Bestimmt sieben bis acht Hospitationen folgten am Waldkrankenhaus, doch der letzte Besuch liegt nun doch schon zwölf Jahre zurück. Zeit, die Fäden wieder aufzunehmen. Und in Raimund Forst, Direktor des Universitätsklinikums im Waldkrankenhaus, findet der Gast denn am Freitag auch das Gegenüber, auf das er gehofft hatte. Schon nach wenigen Minuten ist man sich einig, der Austausch soll fortgesetzt werden, und es gibt auch gleich ein Thema, das den Gast brennend interessiert und wo der deutsche Kollege Pionierarbeit leistet: Duchenne, eine seltene, tödlich für die Kinder verlaufende Muskeldystrophie. Dank der Therapie von Raimund Forst werden nicht nur die Beschwerden gelindert, sondern auch die Lebenserwartung steigt signifikant an. Bisher kann man den Kindern in Rußland nicht helfen; das könnte sich jetzt bald ändern.

Chefarzt Horst Beyer und Guram Tschjotschjew

Und dann ein Rückblick auf die Geschichte des Waldkrankenhauses mit dem Chefarzt der Medizinischen Klinik I, Horst Beyer, der auch seinerseits Bereitschaft zeigt, den Austausch mit Wladimir fortzusetzen. Beste Voraussetzungen also für ein ganz neues Projekt, das Ingrid Dresel-Fischer, Leiterin der Berufsfachschule für Krankenpflege, und Roman Lorz, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung am Waldkrankenhaus, vorschlagen: einen Austausch im Bereich der Pflegekräfte. Guram Tschjotschjew, hocherfreut über das Angebot, will sich in Wladimir umgehend in der Sache kundig machen und schlägt seinerseits vor, das Projekt mit älteren und erfahreneren Schwestern zu beginnen, um dann zu sehen, wie sich die Sache entwickelt. Eines ist klar: Da wächst schon bald ein neues Pflänzchen im fruchtbaren Garten der Partnerschaft.

Roman Lorz, Ingrid Dresel-Fischer und Guram Tschjotschjew

Den viertägigen Arbeitsbesuch beendete die fünfköpfige Delegation von Oberbürgermeisterin Olga Dejewa im Kreis von alten Freunden. Vor genau 20 Jahren war Jürgen Ganzmann, damals Leiter der Werkstatt bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf, heute Geschäftsführer der WAB Kosbach, zum ersten Mal in Wladimir und kam mit der Idee zurück, im Bereich der Psychiatrie das Projekt „Lichtblick“ zu gründen, das in einen breiten Austausch mit ungezählten Praktika mündete und schließlich sogar den „Blauen Himmel“ mit seinem erlebnispädagogischem Ansatz hervorbrachte. In das Netzwerk mit Wladimir sind nun auch Städte wie Pskow, Nischnij Nowgorod und Irkutsk eingebunden, wobei Wladimir natürlich auch in Zukunft den Schwerpunkt bilden soll. Immer dem Motto entsprechend: Nicht alles bei uns ist gut, und nicht alles bei euch ist schlecht. Also im Geist des gegenseitigen Lernens.

Nadja Steger, Guram Tschjotschjew, Irina Tartakowskaja, Alina Kartuchina, Melitta Schön, Hans Ziegler, Olga Dejewa, Wladimir Rybkin, Jürgen Üblacker, Arina Alstrud, Jürgen Ganzmann und Alexander Krutow

„So oft ich jetzt schon in Erlangen war und Gäste aus der Partnerstadt in Wladimir empfangen konnte“, meinte am späten Freitagnachmittag kurz vor der Heimreise Olga Dejewa, „einen derart intensiven Einblick in die Dinge, einen derart innigen Kontakt zu den Menschen habe ich bisher noch nie erlebt. Wir gehören wirklich zusammen und können nichts Besseres tun, als noch viel öfter zusammenzukommen.“ Aber auch in Erlangen darf man ein erfreuliches Fazit ziehen. Das Konzept von „Prisma“ bewährt sich und verspricht für die Zukunft noch viele solcher Begegnungen, die zusammenbringen, was zusammenwill.

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Gute Voraussetzungen für eine engere Zusammenarbeit im Pflegebereich im Partnerschaftsdreieck Erlangen-Jena-Wladimir. Beim dritten interregionalen Wettbewerb „Mein künftiger Beruf – Krankenschwester“ in Brjansk wurde nämlich, wie Gubernia 33 berichtet, Tatjana Mussatowa – im vierten und vorletzten Ausbildungsjahr – aus Wladimir im Dezember 2017 als beste Pflegekraft ausgezeichnet. Damit steht die Schwesternschülerin in einer erfreulichen Tradition, denn Wladimir belegte bereits 2015 den dritten und 2016 den ersten Platz bei diesen Pflegemeisterschaften.

Tatjana Mussatowa

Der Wettbewerb umfaßt alle Bereiche der Medizin und besteht aus drei theoretischen und drei praktischen Prüfungen. Grundlagen in der lateinischen Sprache gehören ebenso dazu wie Pharmakologie, Chirurgie, Pädiatrie oder Pflegepraxis. Vorbereitet fühlte sich die Schülerin gut, aber „schwierig war es, die Aufregung unter Kontrolle zu halten“ räumt sie ein. Dabei ist Tatjana Mussatowa nicht die einzige Preisträgerin der Wladimirer Fachschule für Pflegeberufe: Der Pharmaziebereich hatte 2017 bei einem internationalen Fernwettbewerb ebenfalls schon die Konkurrenz hinter sich gelassen.

Inna Morosowa, Leiterin der Fachschule, Susanne Lender-Cassens, Jelena Owtschinnikowa, Tatjana Sajtschikowa und Olga Antropowa, beide stellv. Leiterinnen der Fachschule, September 2017

Dazu passend kam kurz vor dem Jahreswechsel die Meldung, in Wladimir habe nun die erste Sitzung der Fakultät für Medizin als Filiale der Moskauer Pirogow-Universität stattgefunden. Der neue Lehrstuhl besteht zunächst aus einem zehnköpfigen Team, das vor Ort in fünf Richtungen, darunter auch Palliativmedizin, bis zu 400 Studenten ausbilden soll. Inneres, Kardiologie, Pädiatrie, Ultraschalldiagnostik, Chirurgie und jede Art von Weiterbildung im Präsenz- wie im Fernstudium gehören zum Studienangebot. Losgehen wird es schon im März mit 20 Ärzten im Bereich Ultraschalldiagnostik. Damit eröffnen sich in Medizin wie Pflege ganz neue Perspektiven für die ohnehin schon intensive Zusammenarbeit der Partnerstädte. Gut so!

 

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Schon im ersten Semester der Humanmedizin die Möglichkeit zu bekommen, Ärzten über die Schulter zu schauen und dabei richtig etwas zu lernen? Ja, das klingt nicht nur unwahrscheinlich, das ist es eigentlich auch. Als mir Dominik Steger, ein Kommilitone aus einem höheren Semester, davon erzählte, er werde diesen Sommer für seine Famulatur wieder nach Wladimir gehen, war ich ganz begeistert und wollte ihn am liebsten begleiten. Durch die freundliche Organisation seines Vaters, Peter Steger, wurde aus der Idee Realität, und so fand ich mich Anfang September im Regionalkrankenhaus Wladimirs wieder.

Panoramablick vom Patriarchengarten auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Schon vor Beginn meines Humanmedizinstudiums an der Berliner Charité interessierte ich mich für die Radiologie. So kam es, daß ich bei Iwan Seliwjorstow, dem Leiter der Diagnostischen Abteilung des Regionalkrankenhauses Wladimir, eine Hospitation machen durfte. Er hatte seinerseits aufgrund der Städtepartnerschaft schon im Erlanger Uniklinikum hospitiert, wobei ihm sein fließendes Deutsch behilflich war. Gleich nach der Begrüßung und einem kurzen Gespräch über den Ablauf meines Aufenthalts, stellte Iwan mich der ärztlichen Direktorin des Regionalkrankenhauses vor. In dem Gespräch wurde klar, welcher Wert auf den internationalen Dialog gesetzt wird, und ich war ganz begeistert, daß sie sich für mich die Zeit nahm.

Robin Bockelmann und Iwan Seliwjorstow

Iwan startete unmittelbar danach eine kleine, persönliche Führung durch die Räumlichkeiten der Radiologischen Abteilung, welche auf mehrere Gebäude des großen Krankenhauskomplexes verteilt liegen. Beeindruckend war die personelle und technische Ausstattung, die einem deutschen Krankenhaus der gleichen Größe in nichts nachsteht. Neben einigen CTs, Röntgen- und mehreren Ultraschall-Geräten bietet auch der Magnetresonanztomograph eine modern eingerichtete Diagnostik-Abteilung. Ein bemerkenswerter Unterschied zur deutschen Facharzt-Weiterbildung: Im russischen System gibt es neben dem klassischen Radiologen auch den Facharzt für Ultraschall-Untersuchungen. Inwiefern diese Teilung eine Zukunft hat, ist noch ungewiß. Sie bildet aber eine interessante Lösung für die stetig wachsenden Anforderungen an den medizinischen Nachwuchs auch anderer Fachdisziplinen, neuen Technologien und dem enormen Wissenszuwachs gerecht zu werden.

Robin Bockelmann mit Alexej und Nikita

Nach dem Rundgang übergab mich Iwan in die Obhut zweier junger Ärzte, die das CT betreuten. Während die technische Assistentin die Patienten hinein- und herausbegleitete und ihnen Anweisungen für den bevorstehenden Scan vermittelte, saßen die Radiologen hinter einem dicken Glasfenster vor großen Bildschirmen und schauten sich in Echtzeit die Ergebnisse an. Schon nach wenigen Sekunden deuteten die beiden fast 30jährigen auf winzige Strukturen in verschiedenen Schichten und Gewichtungen und formulierten die jeweilige Diagnose. Selbst für die Augen eines interessierten Medizinstudenten, erscheinen die Bilder wie ein gut sortierter Haufen schwarzer und weißer Pixel mit einigen Graustufen. Man merkt sofort, welch ein Erfahrungsschatz hier gefordert und benötigt wird. Innerhalb weniger Minuten wird die Diagnose unterschrieben und gestempelt, während der nächste Patient schon in der Röhre des CT-Gerätes liegt. Alexej war einer der beiden jungen Ärzte, die versuchten, mir die Bilder mit den jeweiligen Abnormitäten zu erklären. Er lud mich und Dominik Steger später in eine Bar und dann zu sich nach Hause ein, wodurch ich Wladimir auf eine ganz andere Art und Weise kennenlernte – ebenso den Wodka mit eingelegten Gurken. An dieser Stelle sei betont: Die russische Gastfreundschaft ist kein Gerücht, was ich während meines Aufenthaltes immer wieder feststellen durfte.

Um die MRT-Diagnostik kümmerte sich Iwan höchstpersönlich. Er erklärte mir die Funktionsweise des Gerätes und Vielfältigkeit der Bilder durch eine große Auswahl an Equipment. Während auch hier die Patienten von den technischen Assistenten hinein- und herausbegleitet wurden, zeigte mir mein Mentor die Einzelheiten, worauf er achtete und wie er sich systematisch der Diagnose näherte. So gab er mir die Möglichkeit, bei dem einen oder anderen Bild bereits Abweichungen selbständig erkennen zu können. Ein Fortschritt, der mir viel bedeutet.

Bevor sich die Hospitation dem Ende neigte, durfte ich noch eine kurze Zeit in der Röntgen-Abteilung verbringen. Auch hier arbeitet ein sehr gut eingespieltes Team, welches, einem Fließband gleich, allerdings mitnichten von minderer Qualität, den Patienten nicht lang auf sein Bild samt Diagnose warten ließ. Auch wenn sprachliche Barrieren es leider oftmals nicht ermöglichten, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, stellte mir Iwan jede Ärztin und jeden Arzt, einige Krankenschwestern und technische Assistenten vor und sorgte so für ein sehr offenes und freundliches Arbeitsklima. Ein Klima, in dem ich mich wohlfühlte und gern wieder arbeiten wollen würde, sobald ich mehr Erfahrungen, Wissen und Sprachkenntnisse mitbringe.

Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Meine Zeit in Wladimir erhielt allerdings auch eine besondere Note, durch die Menschen die ich hier kennenlernte. Ludmila, eine liebe Freundin Dominiks und Deutschlehrerin an einem Gymnasium, zeigte uns die Innenstadt der gut tausend Jahre alten Stadt. Von der Mariä-Entschlafens-Kathedrale mit ihrer kunsthistorischen Bedeutung durch ihre Fresken Andrej Rubljows bis hin zum Goldenen Tor in dessen Inneren die Mongolische Invasion ausdrucksvoll und detailreich veranschaulicht wird.

Das oppulente Frühstück im Erlangen-Haus

Im Erlangen-Haus fand ich immer einen freundlichen und hilfsbereiten Ansprechpartner (für jeden Touristen zu empfehlen, der keinerlei Russisch-Kenntnisse aufweist!). Ohne Dominiks Bekanntschaften und exzellente Sprachkenntnisse wäre mein Besuch um einiges farbloser geworden, und ich hätte neben Wladimir auch Susdal und Moskau nur oberflächlich kennengelernt. An dieser Stelle auch ein großer Dank an Witalij Gurinowitsch und Sergej Siwajew!

Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Für all diese Erlebnisse möchte ich mich insbesondere bei den beiden Stegers bedanken. Es sind Freundschaften und Kontakte entstanden, die über meinen Aufenthalt hinaus bestehen bleiben, und ich würde mich freuen, wenn dieser Besuch in Wladimir nicht der letzte gewesen ist.

Robin Bockelmann

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Wenn heute abend Julia Gerassimowa und Andrej Artamonow die Heimreise antreten, tun sie das mit einem „ganzen Schatz an Erfahrungen und Einblicken“, wie die Neurologin und der Chirurg unisono versichern. Doch viel mehr als Worte sagen ihre Taten: Beim Treffen mit den Rotariern verabschieden sich die beiden Mediziner aus Wladimir gleich nach ihrer kurzen Dankesrede an die Mitglieder des Serviceklubs, der die zweiwöchige Hospitation am Klinikum ermöglichte, schlagen sogar die Einladung zum Mittagessen aus, nur um rasch zurück auf ihre Stationen zu eilen. Und Andrej Artamonow verspätet sich beim gestrigen Abendessen gar um mehr als drei Stunden, weil ihn einfach die Operation an der Seite von Professor Robert Grützmann und das anschließende Fachgespräch nicht losließen. Aber so soll es ja auch sein.

Professor Werner Hohenberger, Sergej Artamonow, Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, Julia Gerassimowa und Stadtrat Jürgen Zeus

So unterschiedlich ihre Fachgebiete, so einig sind sich die Gäste im Urteil über das Niveau der Medizin an der hiesigen Universität: Spitzenklasse vom Qualitätsmanagement bis zur technischen Ausstattung, ärztlichen Kunst sowie Pflege und Nachsorge, aber auch bei einem Personalschlüssel, von dem die beiden zu Hause nicht einmal zu träumen wagen. Es genüge der Hinweis auf die von Julia Gerassimowa geleitete Schlaganfallstation mit 50 Betten, betreut von einem zwölfköpfigen Team, während die zwölf Patienten in der Erlanger Stroke Unit von etwa 60 Fachkräften betreut werden. Besonders begeistert zeigen sich die Wladimirer aber von Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, die nach dem Urteil von Julia Gerassimowa alles hat, was eine Krankenschwester auszeichnet: „Überblick, praktisches Geschick und ein umgängliches Wesen. Eigenschaften“, wie die Ärztin hinzufügt, „die sicher gerade in einer Medizinstadt nur von Vorteil sein können, wenn man Politik macht. Auch in dieser Hinsicht ist Erlangen beneidenswert.“ Das darf nun einfach so stehenbleiben.

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