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Posts Tagged ‘deutsch-russischer Ärzteaustausch’


Schon im ersten Semester der Humanmedizin die Möglichkeit zu bekommen, Ärzten über die Schulter zu schauen und dabei richtig etwas zu lernen? Ja, das klingt nicht nur unwahrscheinlich, das ist es eigentlich auch. Als mir Dominik Steger, ein Kommilitone aus einem höheren Semester, davon erzählte, er werde diesen Sommer für seine Famulatur wieder nach Wladimir gehen, war ich ganz begeistert und wollte ihn am liebsten begleiten. Durch die freundliche Organisation seines Vaters, Peter Steger, wurde aus der Idee Realität, und so fand ich mich Anfang September im Regionalkrankenhaus Wladimirs wieder.

Panoramablick vom Patriarchengarten auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Schon vor Beginn meines Humanmedizinstudiums an der Berliner Charité interessierte ich mich für die Radiologie. So kam es, daß ich bei Iwan Seliwjorstow, dem Leiter der Diagnostischen Abteilung des Regionalkrankenhauses Wladimir, eine Hospitation machen durfte. Er hatte seinerseits aufgrund der Städtepartnerschaft schon im Erlanger Uniklinikum hospitiert, wobei ihm sein fließendes Deutsch behilflich war. Gleich nach der Begrüßung und einem kurzen Gespräch über den Ablauf meines Aufenthalts, stellte Iwan mich der ärztlichen Direktorin des Regionalkrankenhauses vor. In dem Gespräch wurde klar, welcher Wert auf den internationalen Dialog gesetzt wird, und ich war ganz begeistert, daß sie sich für mich die Zeit nahm.

Robin Bockelmann und Iwan Seliwjorstow

Iwan startete unmittelbar danach eine kleine, persönliche Führung durch die Räumlichkeiten der Radiologischen Abteilung, welche auf mehrere Gebäude des großen Krankenhauskomplexes verteilt liegen. Beeindruckend war die personelle und technische Ausstattung, die einem deutschen Krankenhaus der gleichen Größe in nichts nachsteht. Neben einigen CTs, Röntgen- und mehreren Ultraschall-Geräten bietet auch der Magnetresonanztomograph eine modern eingerichtete Diagnostik-Abteilung. Ein bemerkenswerter Unterschied zur deutschen Facharzt-Weiterbildung: Im russischen System gibt es neben dem klassischen Radiologen auch den Facharzt für Ultraschall-Untersuchungen. Inwiefern diese Teilung eine Zukunft hat, ist noch ungewiß. Sie bildet aber eine interessante Lösung für die stetig wachsenden Anforderungen an den medizinischen Nachwuchs auch anderer Fachdisziplinen, neuen Technologien und dem enormen Wissenszuwachs gerecht zu werden.

Robin Bockelmann mit Alexej und Nikita

Nach dem Rundgang übergab mich Iwan in die Obhut zweier junger Ärzte, die das CT betreuten. Während die technische Assistentin die Patienten hinein- und herausbegleitete und ihnen Anweisungen für den bevorstehenden Scan vermittelte, saßen die Radiologen hinter einem dicken Glasfenster vor großen Bildschirmen und schauten sich in Echtzeit die Ergebnisse an. Schon nach wenigen Sekunden deuteten die beiden fast 30jährigen auf winzige Strukturen in verschiedenen Schichten und Gewichtungen und formulierten die jeweilige Diagnose. Selbst für die Augen eines interessierten Medizinstudenten, erscheinen die Bilder wie ein gut sortierter Haufen schwarzer und weißer Pixel mit einigen Graustufen. Man merkt sofort, welch ein Erfahrungsschatz hier gefordert und benötigt wird. Innerhalb weniger Minuten wird die Diagnose unterschrieben und gestempelt, während der nächste Patient schon in der Röhre des CT-Gerätes liegt. Alexej war einer der beiden jungen Ärzte, die versuchten, mir die Bilder mit den jeweiligen Abnormitäten zu erklären. Er lud mich und Dominik Steger später in eine Bar und dann zu sich nach Hause ein, wodurch ich Wladimir auf eine ganz andere Art und Weise kennenlernte – ebenso den Wodka mit eingelegten Gurken. An dieser Stelle sei betont: Die russische Gastfreundschaft ist kein Gerücht, was ich während meines Aufenthaltes immer wieder feststellen durfte.

Um die MRT-Diagnostik kümmerte sich Iwan höchstpersönlich. Er erklärte mir die Funktionsweise des Gerätes und Vielfältigkeit der Bilder durch eine große Auswahl an Equipment. Während auch hier die Patienten von den technischen Assistenten hinein- und herausbegleitet wurden, zeigte mir mein Mentor die Einzelheiten, worauf er achtete und wie er sich systematisch der Diagnose näherte. So gab er mir die Möglichkeit, bei dem einen oder anderen Bild bereits Abweichungen selbständig erkennen zu können. Ein Fortschritt, der mir viel bedeutet.

Bevor sich die Hospitation dem Ende neigte, durfte ich noch eine kurze Zeit in der Röntgen-Abteilung verbringen. Auch hier arbeitet ein sehr gut eingespieltes Team, welches, einem Fließband gleich, allerdings mitnichten von minderer Qualität, den Patienten nicht lang auf sein Bild samt Diagnose warten ließ. Auch wenn sprachliche Barrieren es leider oftmals nicht ermöglichten, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, stellte mir Iwan jede Ärztin und jeden Arzt, einige Krankenschwestern und technische Assistenten vor und sorgte so für ein sehr offenes und freundliches Arbeitsklima. Ein Klima, in dem ich mich wohlfühlte und gern wieder arbeiten wollen würde, sobald ich mehr Erfahrungen, Wissen und Sprachkenntnisse mitbringe.

Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Meine Zeit in Wladimir erhielt allerdings auch eine besondere Note, durch die Menschen die ich hier kennenlernte. Ludmila, eine liebe Freundin Dominiks und Deutschlehrerin an einem Gymnasium, zeigte uns die Innenstadt der gut tausend Jahre alten Stadt. Von der Mariä-Entschlafens-Kathedrale mit ihrer kunsthistorischen Bedeutung durch ihre Fresken Andrej Rubljows bis hin zum Goldenen Tor in dessen Inneren die Mongolische Invasion ausdrucksvoll und detailreich veranschaulicht wird.

Das oppulente Frühstück im Erlangen-Haus

Im Erlangen-Haus fand ich immer einen freundlichen und hilfsbereiten Ansprechpartner (für jeden Touristen zu empfehlen, der keinerlei Russisch-Kenntnisse aufweist!). Ohne Dominiks Bekanntschaften und exzellente Sprachkenntnisse wäre mein Besuch um einiges farbloser geworden, und ich hätte neben Wladimir auch Susdal und Moskau nur oberflächlich kennengelernt. An dieser Stelle auch ein großer Dank an Witalij Gurinowitsch und Sergej Siwajew!

Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Für all diese Erlebnisse möchte ich mich insbesondere bei den beiden Stegers bedanken. Es sind Freundschaften und Kontakte entstanden, die über meinen Aufenthalt hinaus bestehen bleiben, und ich würde mich freuen, wenn dieser Besuch in Wladimir nicht der letzte gewesen ist.

Robin Bockelmann

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Wenn heute abend Julia Gerassimowa und Andrej Artamonow die Heimreise antreten, tun sie das mit einem „ganzen Schatz an Erfahrungen und Einblicken“, wie die Neurologin und der Chirurg unisono versichern. Doch viel mehr als Worte sagen ihre Taten: Beim Treffen mit den Rotariern verabschieden sich die beiden Mediziner aus Wladimir gleich nach ihrer kurzen Dankesrede an die Mitglieder des Serviceklubs, der die zweiwöchige Hospitation am Klinikum ermöglichte, schlagen sogar die Einladung zum Mittagessen aus, nur um rasch zurück auf ihre Stationen zu eilen. Und Andrej Artamonow verspätet sich beim gestrigen Abendessen gar um mehr als drei Stunden, weil ihn einfach die Operation an der Seite von Professor Robert Grützmann und das anschließende Fachgespräch nicht losließen. Aber so soll es ja auch sein.

Professor Werner Hohenberger, Sergej Artamonow, Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, Julia Gerassimowa und Stadtrat Jürgen Zeus

So unterschiedlich ihre Fachgebiete, so einig sind sich die Gäste im Urteil über das Niveau der Medizin an der hiesigen Universität: Spitzenklasse vom Qualitätsmanagement bis zur technischen Ausstattung, ärztlichen Kunst sowie Pflege und Nachsorge, aber auch bei einem Personalschlüssel, von dem die beiden zu Hause nicht einmal zu träumen wagen. Es genüge der Hinweis auf die von Julia Gerassimowa geleitete Schlaganfallstation mit 50 Betten, betreut von einem zwölfköpfigen Team, während die zwölf Patienten in der Erlanger Stroke Unit von etwa 60 Fachkräften betreut werden. Besonders begeistert zeigen sich die Wladimirer aber von Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, die nach dem Urteil von Julia Gerassimowa alles hat, was eine Krankenschwester auszeichnet: „Überblick, praktisches Geschick und ein umgängliches Wesen. Eigenschaften“, wie die Ärztin hinzufügt, „die sicher gerade in einer Medizinstadt nur von Vorteil sein können, wenn man Politik macht. Auch in dieser Hinsicht ist Erlangen beneidenswert.“ Das darf nun einfach so stehenbleiben.

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Gleich nach der Ankunft zeigte gestern nachmittag Stadtrat Jürgen Zeus den Gästen aus Wladimir, Julia Gerassimowa und Sergej Artamonow, Erlangens Krankenhausviertel, wo die beiden Mediziner noch bis Ende des Monats in den Fachbereichen Neurologie und Abdominalchirurgie hospitieren.

Sergej Artamonow, Julia Gerassimowa und Jürgen Zeus

Damit setzen die Rotarier in Erlangen ihre Unterstützung des Ärzteaustausches mit der Partnerstadt fort, der bis ins Jahr 1989 zurückreicht und seit 2014 auch von dem Serviceklub gefördert wird. Ein Beitrag, der weit über das medizinisch gebotene „primum non nocere“ hinausgeht und allen Dank verdient.

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Ich hatte bei der Wahl der Praxis für meine Pflichtfamulatur in der Allgemeinmedizin großes Glück, da ich hierbei Jürgen Binder kennenlernen konnte, einen promovierten Arzt, der sich schon seit langem für den medizinischen Austausch im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir mit Herz und Seele engagiert.

Der Mediziner bot mir die unglaubliche Gelegenheit, ihn und eine Delegation von Ärzten aus Erlangen Mitte Juni in die russische Partnerstadt zu begleiten. Das Land faszinierte mich sowieso seit jeher, und nun hatte ich die Möglichkeit, sowohl die medizinische Versorgung vor Ort, als auch Land und Leute kennenzulernen. Wie könnte man da ablehnen?!

Wladimir bei Nacht

Die Anreise war sogleich unser erstes Abenteuer. Nachdem schon alle Passagiere an Bord gegangen waren, wurde ein technischer Defekt festgestellt (quasi in letzter Sekunde), woraufhin wir das Flugzeug wieder zu räumen hatten. Es folgten nervenzehrende Verhandlungen mit der Fluggesellschaft über das weitere Vorgehen, doch glücklicherweise konnten wir, zwar mit erheblicher Verspätung, unsere Fahrt dennoch am selben Tag antreten.

Bei unserer Ankunft wurden wir im Erlangen Haus trotz der frühen Zeit (4.30 Uhr) herzlich aufgenommen und konnten uns von den Strapazen der Anreise für einige Stunden erholen. Nach einem ausgiebigen Frühstück, zeitlich wohl eher Brunch, starteten wir gestärkt und gespannt  in unser Programm für den ersten Tag:  die Besichtigung der Palliativabteilung sowie der Dialyseabteilung im Krankenhaus Nr. 6 und ein Treffen mit Alexander Kirjuchin, dem Leiter des Gesundheitsministeriums der Region Wladimir, am Nachmittag.

Prof. Christoph Ostgathe und seine Wladimirer Palliativkolleginen

Das Team der Palliativabteilung begrüßte uns mit Kaffee und Tee, sowie kleinen Häppchen. Anschließend wurden wir durch die Station geführt und konnten einen Eindruck von der palliativen Versorgung in diesem Krankenhaus gewinnen; durch Gespräche mit Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und auch Patienten lernten wir die Organisation  und die Herangehensweise dieser Fachdisziplin etwas näher kennen.

Flur der Palliativstation

Gerade für mich war es sehr spannend, da ich aus Studium und Praxis am Universitätsklinikum Erlangen eine hochmoderne High-Tech-Medizin gewohnt bin. Zu sehen, wie man auch mit einfachsten Mitteln den Bedürfnissen schwerkranker Patienten gerecht werden kann, weckte vor allem Demut für die Arbeit der Ärzte und Pflegekräfte dieser Abteilung.

Am Nachmittag waren wir dann im Gesundheitsministerium der Region bei Alexander Kirjuchin zu Gast. Hierbei wurden vor allem Brücken geschlagen, um den weiteren fachlichen und personellen Austausch im Bereich der Palliativmedizin zu festigen.

Empfang bei Alexander Kirjuchin

Abends lernte ich endlich meine Gastfamilie kennen, bei der ich die restlichen Tage wohnte. Dies war für mich in dieser Zeit eine besonders wichtige Erfahrung, da ich mich dort nicht nur fachlich austauschen konnte (beides Mediziner), aber auch den Alltag und das Miteinander einer russischen Familie erleben durfte. Die Gastfreundschaft, die mir in dieser Familie widerfuhr, kann man nicht beschreiben.

Felix Wackerbauer und seine Gastfamilie Seliwjorstow

Am darauffolgenden Tag besichtigten wir das Notfallkrankenhaus gemeinsam mit dessen ärztlichem Direktor, Jewgenij Jaskin. Wir wurden auch hier wieder herzlich (und kulinarisch) empfangen, bevor wir durch die Stationen geführt wurden.

Unsere Gruppe mit Jewgenij Jaskin und Irina Chasowa, unserer unermüdlichen Betreuerin und kompetenten Dolmetscherin

Die „Rot-Kreuz-Krankenhaus“ genannte Klinik dient vor allem der Notfallversorgung der Region und beherbergt insbesondere chirurgische Fachdisziplinen. Wie schon am Tag zuvor, konnte ich einen direkten Vergleich zu unseren modernen Kliniken ziehen und war wieder einmal erstaunt darüber, wie dort Medizin auf hohem Niveau betrieben wird – trotz der (in unseren Augen) einfachen, dort vorherrschenden Verhältnisse.

Ansicht des Rot-Kreuz-Krankenhauses unmittelbar nach der Fertigstellung vor gut einhundert Jahren

Hier begegneten uns auch die Krankenbetten wieder, die vor einiger Zeit, vom Uniklinikum Erlangen ausgemustert, an das Notfallkrankenhaus in Wladimir gespendet wurden.

Krankenbett aus Erlangen

Nach einem gemeinsamen Mittagessen verabschiedeten wir uns dann vom Gastgeber und starteten anschließend in den Kulturteil unserer Reise.

Jewgenij Jaskin und Felix Wackerbauer

Hier möchte ich mich nun etwas kürzer fassen, da über Wladimir und Susdal in diesem Blog bereits mehrfach ausführlich berichtet wurde. Beide Städte liegen am sogenannten „Goldenen Ring“, nordöstlich von Moskau, mit seinen altrussischen Städten eines der bekanntesten Reiseziele im Land, das Einblick gibt in die Geschichte der Entstehung des Russischen Reiches. Hier lagen insbesondere die religiösen und wirtschaftlichen Zentren der mittelalterlichen Rus.

Ich hatte ehrlicherweise nach kurzer Zeit schon einen kleinen „Kirchenkoller“, will jedoch zugeben, die Kirchen, Kathedralen und Klöster, die wir besichtigten, wunderschön und wirklich beeindruckend gefunden zu haben. Insbesondere die Freskenmalereien im Inneren luden zum Staunen ein.

Am Tag unserer Abreise hatten wir noch die Gelegenheit, einige Stunden in der Hauptstadt zu verweilen. In der kurzen Zeit, die uns blieb, besichtigten wir den Kreml und den Roten Platz und fuhren selbstverständlich auch mit der Metro. Wir hatten auch zum ersten Mal schönes Wetter! Es war warm und die beiden Orte quollen vor Touristen schon beinahe über, dennoch war es toll, bei unserer Abreise noch „ein wenig Moskau“ mitnehmen zu können.

Felix Wackerbauer vor der Basilius-Kathedrale

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bei Jürgen Binder und Peter Steger bedanken, die mir diese großartige Erfahrung ermöglichten. Weiterhin möchte ich mich auch bei der Reisegruppe für die schöne Zeit und die angenehmen Gespräche bedanken, die ich mit allen führen konnte. Und zu guter Letzt möchte ich mich bei Iwan und seiner Familie bedanken, die mich für die Zeit des Aufenthalts bei sich zu Hause aufnahmen und mir die russische Lebensart ein wenig näher brachten. Ich habe hier einen sehr guten Freund gefunden!

Christoph Ostgathe, Thomas Schöllhammer, Stephan Horn, Christiane Schöllhammer, Anette Christian, Felix Wackerbauer und Jürgen Binder

„Wladimir wird mich wiedersehen“, verspricht Felix Wackerbauer

Siehe auch: https://is.gd/lzz0yh

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Dieser Tage hatte die Medizin-Delegation in Wladimir noch auf ein gnädiges Ende des schwer erkrankten Kollegen und großen Freundes des deutsch-russischen Austausches angestoßen, und nun teilte Jürgen Binder gestern mit, Walter Otto sei bereits am Dienstag verstorben.

Walter Otto, zweiter von links in der ersten Reihe, inmitten von Freunden: dem Ehepaar Heidi und Jürgen Binder, den Wladimirer Ärzten, Magir Katschabajow und Jewgenij Jaskin, sowie Helmut Schmitt, Altbürgermeister Gerd Lohwasser (beide im Vorjahr verstorben), Rita Stolz und Peter Steger

Ein großer Verlust für alle, die den lebensfrohen Allgemeinarzt kannten, ein schmerzlicher Verlust auch für die Städtepartnerschaft insgesamt, der sich das langjährige Vorstandsmitglied im Ärztlichen Bezirksverband Mittelfranken fachlich wie menschlich eng verbunden fühlte.

Jürgen Binder, Melanie Huml und Walter Otto

Welch herausragende Persönlichkeit Walter Otto war, belegt auch die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande – zusammen mit Jürgen Binder – im Oktober vergangenen Jahres bei einem Festakt in Bayreuth durch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml.

Walter Otto

Die Auszeichnung, die dem Mediziner aber sicher am wichtigsten war, bestand in der Freundschaft mit seinen russischen Kollegen und Freunden.

Mit Walter Otto ist jemand für immer gegangen, der sich stets der Verantwortung der Deutschen gegenüber den Russen bewußt war, besonders erlebbar heute, wo man von Maikop bis Murmansk den Tag der Erinnerung und der Trauer begeht, den Tag des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion mit all dem unsäglichen Schmerz und Leid – am 22. Juni 1941. Nun tragen wir das Gedächtnis an den stets um Versöhnung werbenden Verstorbenen und die ungezählten Opfer der unbarmherzigen Kriegslogik weiter in eine Zeit, wo Menschen wie Walter Otto besonders fehlen.

 

 

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Als Heidi Binder mit einer kleinen Schüler- und Lehrergruppe der Waldorfschule im April 2014 nach Wladimir reiste, wohnte sie in der Familie von Jelena Below. Die beiden blieben seither in Kontakt, und als nun die Gastgeberin von damals mit ihrem Sohn Daniil Berlin besuchten, lag gestern ein Abstecher nach Erlangen nahe, wenn auch nur für einen Tag. Bald schon gibt es dann ein Wiedersehen, denn der dem Austausch eng verbundene Allgemeinarzt, Jürgen Binder, Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und Ehrenmitglied des Bayerischen Hausärzteverbandes, hat wieder einmal eine Medizinerdelegation zusammengestellt, die Wladimir im Juni einen Fachbesuch abstattet. Mit dabei natürlich auch seine Frau, wieder in Sachen Waldorfpädagogik.

Heidi Binder, Daniil Below, Jelena Belowa und Jürgen Binder

Jelena Belowa ihrerseits unterrichtet zu Hause Englisch am Amerikanischen Haus und nimmt selbst – man hört es: ausgesprochen erfolgreich – Deutschunterricht bei Marina Gajlit, ehemals Dozentin am Erlangen-Haus und jetzt an der Universität Wladimir tätig, während Daniil Deutsch an der Schule lernt. So kommt man sich näher, so versteht man sich in der Bürgerpartnerschaft – abseits der offiziellen Agenda des Austausches. Gut so!

Leseempfehlung: https://is.gd/HqEFKu

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Eigentlich hat in der Russischen Föderation seit einigen Jahren jedermann das Recht auf palliative Versorgung. Aber so wie es da auch in ländlichen Gegenden der Bundesrepublik mancherorts noch Mängel gibt, fehlt es in der Region Wladimir noch an der ambulanten Palliativversorgung und einem Hospiz.

Margarita Makarowa, Marina Krylowa und Anette Christian

Nachdem Marina Krylowa, die ärztliche Direktorin, und Oberschwester, Margarita Makarowa, vom einzigen Wladimirer Krankenhaus mit einer fünfzehn Betten zählenden Palliativstation drei intensive Tage lang bei ihren Erlanger Kollegen am Universitätsklinikum hospitiert hatten, blieb noch Zeit, mit Stadträtin Anette Christian über die spezialisierte ambulante Palliativversorgung für Stadt und Landkreis zu sprechen. Etwas in der Art könnte man auch bald schon in Wladimir aufbauen, so Marina Krylowa, denn – nicht anders als hierzulande – die Pflege findet größtenteils zu Hause statt, wo es an fachkundiger Unterstützung fehlt.

Marina Krylowa, Susanne Lender-Cassens und Margarita Makarowa

Schwieriger werde es dann schon, wie die Besucherinnen bei einem Treffen mit Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens einräumen, mit dem Aufbau eines ehrenamtlichen Dienstes. Dafür seien die gesellschaftlichen Voraussetzungen noch nicht geschaffen. In diese Bresche springt ja das Wladimirer Rote Kreuz dank der Unterstützung des Erlanger Fördervereins mit seinem Programm „Häusliche Pflege“.

Ute Schirmer, Kristina Kapsjonkowa, Marina Krylowa und Margarita Makarowa

Tief beeindruckt waren die Gäste schließlich vom Besuch der Diakonie am Ohmplatz mit ihrem Hospiz. Begleitet von Ute Schirmer, dem Hospizverein von Beginn an eng verbunden, und Kristina Kapsjonkowa aus Wladimir, die derzeit eine Ausbildung am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde macht, konnten die beiden nicht nur die Einrichtung besichtigen, sondern auch viel über Struktur und Organisation erfahren. Genug jedenfalls, um sich sicher zu sein: „Wir brauchen auch in Wladimir ein Hospiz!“ Bis dahin wird es noch ein weiter Weg sein, aber schon im Juni will zu den Themen „Palliativmedizin und Hospiz“ eine Erlanger Delegation in die Partnerstadt reisen und die russischen Fachleute kollegial bei den nächsten Schritten begleiten. Übrigens unterstützt auch aus Jena, wo Marina Krylowa und Margarita Makarowa gestern die Palliativstation des Universitätsklinikums besuchten, bevor sie heute wieder den Heimweg antreten.

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