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Posts Tagged ‘deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen’


Gestern nahmen in Weiden Familie, Angehörige und Freunde Abschied von Otmar Krafft, dem Fuhrmann der Partnerschaft. Der 1934 geborene Diplom-Ingenieur hatte von seinem 1978 in Tennenlohe gegründeten Unternehmenssitz aus zehn Jahre lang, von 1989 bis 1999, das erste Gemeinschaftsunternehmen mit Wladimir, eine Spedition, betrieben und gehörte damit zu den Pionieren der städtepartnerschaftlichen Wirtschaftskontakte, die leider auch im Falle von Otmar Krafft auf jenem „steinigen Feld“, um einen Ausdruck von Altoberbürgermeister Siegfried Balleis zu verwenden, auf das häufig nur Mühe und Arbeit zu verwenden war, ohne viel Ertrag einzufahren. So trennte sich denn auch der Oberpfälzer von dem Joint-Venture und verkaufte es an Swetlana Schelesowa, die seit 1995 die Geschäfte vor Ort aus dem Erlangen-Haus heraus geleitet hatte. Mehr zu dieser Unternehmensgeschichte hier: https://is.gd/Z6U6qG

Otmar Krafft im Gespräch mit Oberbürgermeister Sergej Sacharow, seinem seinerzeitigen Geschäftspartner, Wjatscheslaw Morosow, und seiner Vertrauten, Swetlana Schelesowa, im Mai 2015 in Wladimir

Doch geblieben ist Otmar Krafft die Freundschaft mit den Russen. Niemand wird zählen können, wie viele Male er, allein am Steuer seines Mercedes oder eines Lkw, die 2.500 km lange Strecke zwischen Erlangen und Wladimir zurücklegte, nicht nur der Geschäfte wegen, sondern mit dem Ziel, seine Russen wiederzusehen. Denn er hätte mit dem Marchese in dem Roman „Verdi“ von Franz Werfel ausrufen können: „Die Russen! Ich kenne sie. Sie sind ein liebenswürdiges Volk.“ Dabei beließ es der Unternehmer nicht bei Gefühlen. Otmar Krafft, stets präzise und zuverlässig von seiner Tochter Ellen Procher bei der ungemein komplexen Bürokratie unterstützt, half bei all den notwendigen Transporten während der Bauphase des Erlangen-Hauses und ließ auf seine Sattelschlepper so manche Palette an humanitärer Hilfe für die Partnerstadt zuladen, auch wenn das zusätzliche Probleme beim Zoll verursachte. „Das kriegen wir schon hin“, lautete in solchen Fällen seine zupackende Devise. Seneca sagte einmal: „Nichts erfreut die Seele so wie eine treue und liebevolle Freundschaft.“ Wenn das stimmt, gilt auch: „Nichts schmerzt die Seele so wie der Verlust eines treuen und liebevollen Freundes“. Otmar Krafft war für viele Menschen in Wladimir, Erlangen und natürlich in seiner Heimatstadt Weiden ein solcher Freund.

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„Wenn möglich, komme ich jedes Jahr einmal nach Erlangen – und das immer sehr gern“, sagt Andrej Wenkow, der nach fast zwei Wochen am Samstag wieder nach Wladimir fährt. Sein Gastgeber ist Oleg Tschuchlow, der ebenfalls aus der Partnerstadt kommt, aber schon seit zwei Jahrzehnten in Franken lebt und immer wieder Besucher aus Wladimir betreut.

Oleg Tschuchlow und Andrej Wenkow

„Dieses Mal war es ein Freundschaftsbesuch, natürlich auch der Bergkirchweih wegen“, meint der Fuhrunternehmer, „aber das nächste Mal will ich versuchen, hier auch Geschäftspartner zu finden.“ Das könnte übrigens schon im Dezember sein. Dann werden wir ja sehen.

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Den großen Zuschlag erhielt die Region Wladimir im Jahr 2015 zwar nicht, als es darum ging, ein Mercedes-Werk zu bauen. Daimler entschied sich schließlich doch für das Gouvernement Moskau, wo jetzt etwa 1.000 Arbeitsplätze entstehen und ab 2019 Modelle der E-Klasse sowie Pkws der Kategorie GLC, GLE und GLS für den russischen Markt gebaut werden sollen. Aber ganz leer geht Wladimir doch nicht aus, denn die Schwaben bestellen in der Kreisstadt Koltschugino 152 km Kabel der besonderen Art, die allen Anforderungen des Brandschutzes entsprechen, sprich auch bei Feuer den Betrieb noch mindestens drei Stunden aufrechterhalten und keine für Mensch und Technik gefährlichen Stoffe freisetzen dürfen. Vielleicht hätte man auch für den Flughafen Berlin in der Region Wladimir die Kabel bestellen sollen… Die Stuttgarter jedenfalls liegen im Zeitplan.

Große Pläne für Daimler im Moskauer Umland mit dem deutschen Botschafter, Rüdiger Freiherr von Fritsch, 2. v.l.

Zügig voran geht es auch bei den russisch-tschechischen Wirtschaftsbeziehungen. Die Wladimirer IHK besuchte im Vorjahr mit einer Delegation die Maschinenbaumesse in Brünn, dieser Tage waren die Tschechen zu Gast in Wladimir. Und siehe da: Man setzt eine Arbeitsgruppe ein, die Möglichkeiten für eine engere ökonomische Zusammenarbeit prüfen soll. Aber auch so schon ist der Warenaustausch um sage und schreibe 60% innerhalb eines Jahres gestiegen.

Russisch-tschechisches Forum in Wladimir

Vielleicht ja auch ein Modell für die Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland und insbesondere Bayern. Immerhin besuchte ja eine Delegation des zuständigen Ministeriums – in Zusammenarbeit mit der IHK Nürnberg – im November die Region Wladimir (der Blog berichtete). Man wird sehen, welche Bilanz die Statistiker da in einem halben Jahr ziehen.

 

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Bei all dem, was Tatjana Terentjewa, Leiterin des Wirtschaftsamtes der Stadt Wladimir, und Konrad Beugel einander gestern vormittag zu erzählen hatten, hätten die Gäste es beinahe nicht mehr zum Mittagszug nach Moskau geschafft. Nach all den Treffen und Präsentationen auf der ökonomischen „Makroebene“ gab es nun aber auch wirklich mehr als genug Themen aus dem Bereich der kommunalen Zuständigkeit für die Wirtschaftsförderung zu besprechen. Und siehe da, bei allen strukturellen Unterschieden zwischen den Partnerstädten – in Wladimir dominieren die lebensmittelverarbeitende Industrie, etwa mit einer Molkerei von „Danone“ oder der Großbäckerei, sowie die Chemie gibt es durchaus gemeinsame Sorgen und Nöte, zum Beispiel den Mangel an Gewerbeflächen und den Widerstand der Anwohner gegen die Ansiedlung eines Bitumenwerks oder einer Müllsortieranlage, vergleichbar mit dem Erlanger Volksentscheid gegen die Ausweisung eines Industrieparks entlang der Autobahn im Süden der Stadt.

Konrad Beugel, Tatjana Terentjewa und Peter Steger

Auch das Problem mit den Aus- und Einpendlern kennt man in Wladimir – und die Ansiedlung von Betrieben im Umland, wo dann auch die Einkommenssteuer bleibt. Genug Gemeinsamkeiten, doch zu wenig Zeit, um alles im Detail zu besprechen, weshalb denn auch Konrad Beugel seiner Kollegin vorschlägt, ein Seminar in Erlangen zu veranstalten, wo man gemeinsam nach Lösungen suchen könnte. Jetzt braucht es nur noch einen Termin…

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Beginnen wir bei den Unterschieden: Das Jugendparlament der Region Wladimir, dessen Mitglieder zwischen 16 und 30 Jahre alt sind, gibt es seit 2005, das Pendant in Erlangen blickt bereits auf 15 Jahre Erfahrung zurück. In der russischen Partnerstadt bewirbt man sich mit einer Empfehlung seitens einer Partei, Schule, Universität, Organisation oder Firma bei der Duma, der gesetzgebenden Versammlung des Gouvernements, und dem Nachweis, selbst eine Gesetzesinitiative auf den Weg bringen zu können.  In der Hugenottenstadt bewirbt man sich – ob Schüler oder schon in der Ausbildung im Alter von 12 bis 17 Jahren – selbst und wird, wenn alles gut geht, wie im Fall von Axel Just, für zwei Jahre gewählt, die gleiche Amtsperiode wie in Wladimir. Doch da gibt es – wieder anders als in Erlangen – keinen Haushalt für die Nachwuchspolitiker, sie müssen die notwendigen Mittel selbst einwerben, sei es über Sponsoren oder Ausschreibungen. Und damit machen die jungen Russen dann hauptsächlich Projektarbeit, für die ihre jeweiligen Ausschüsse verantwortlich zeichnen: von Kultur über Sport bis zu Wirtschaft oder Medien. Ausgesprochen ausdifferenziert und ausdrücklich professionell der Ansatz, was sicher auch mit dem Alter zu tun hat.

Axel Just und die Gruppe des Regionalen Jugendparlaments

Dennoch: Das Gemeinsame bei dem Treffen im Erlangen-Haus ist natürlich stärker als alle Unterschiede. Hier wie dort will die Jugend politische Prozesse verstehen, begleiten und gestalten, vor allem aber will man sich näher kennenlernen, und am Ende der Begegnung steht deshalb der Beginn einer neuen partnerschaftlichen Verbindung mit gegenseitigen Einladungen. Ein gelungener Einstand!

Axel Just beim Netzwerken

Während dann Axel Just zu seinem nächsten Treffen mit der katholischen Jugend aufbricht, kommt am späteren Nachmittag mit dem Zug aus Nischnij Nowgorod eine dreißigköpfige bayerische Wirtschaftsdelegation an, der auch Konrad Beugel, berufsmäßiger Stadtrat für Wirtschaft und Finanzen, angehört.

Konrad Beugel, Roman Matwejew und Olga Dejewa

Seit 17 Jahren im Amt – man glaubt es kaum – besucht Erlangens Kämmerer nun erstmals Wladimir. Doch die Gastgeber vermitteln ihm das Gefühl, schon immer dazugehört zu haben, und so besteht er denn auch bravourös die Feuertaufe mit einer Tischrede, gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Olga Dejewa beim abendlichen Empfang an die Geschäftsleute aus ganz Bayern gerichtet. Ein gelungener Einstand, der zuversichtlich macht für die heute und morgen bevorstehenden Gespräche und Besichtigungen.

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Erstaunt reibt man sich die Augen und fragt: „Ist das nicht … auf dem Bild?“ Er ist es tatsächlich, Andreas Galster. Nur wie kommt der 1. Bürgermeister von Erlangens Nachbarstadt Baiersdorf auf die Internetausgaben der Wladimirer Medien? Dafür gibt es einen guten Grund, wie etwa beim Staatlichen Lokalsender nachzulesen:

Andreas Galster (links) und Swetlana Orlowa (Mitte)

Bei der soeben zu Ende gegangenen 33. Sitzung des Rates der Gemeinden und Regionen Europas in Straßburg kam es zu einem Treffen der russischen und deutschen Delegationen, an der auch Swetlana Orlowa, Gouverneurin der Region Wladimir, teilnahm, in Personalunion Leiterin der nationalen Delegation der Russischen Föderation und Stellvertreterin des ständigen Vertreters der Russischen Föderation beim Europarat, Wjatscheslaw Jegorow. Ihr deutsches Pendant, Bernd Vöhringer, Oberbürgermeister von Sindelfingen, leitete die Delegation der Bundesrepublik, der auch Andreas Galster angehörte. Wie berichtet wird traf man sich in der russischen Vertretung beim Europarat, nachdem die deutsche Seite bereits am Rande der vorhergehenden Sitzung zum partnerschaftlichen Dialog in die eigenen Räume eingeladen hatte. Der Austausch geht also in die zweite Runde, findet seine Fortsetzung. Bernd Vöhringer wird hierzu zitiert:

Wir haben ein gemeinsames Ziel vor Augen, gehen Fragen der lokalen Agenda an, und dabei spielt der Kongreß des Europarats eine sehr große Rolle. Wir sind froh darüber, daß unsere Delegationen eine Freundschaft pflegen. Wir haben eine große gemeinsame Geschichte und weitreichende Verbindungen, die es gilt, weiter auszubauen und zu festigen. Auf dem Forum der Sitzung haben wir heute die Möglichkeit zum Gespräch und zur Diskussion, wobei wir unsere freundschaftlichen Beziehungen aufrechterhalten.

Swetlana Orlowa erwiderte ganz im Geist der Zusammenarbeit und betonte, wie wichtig die Beziehungen gerade zu Deutschland, dem zweitgrößten Handels- und Wirtschaftspartner der Russischen Föderation, seien, bevor sie konkret auf ihr Gouvernement zu sprechen kam:

Die Region Wladimir ist ein gutes Beispiel dafür. Wir erweitern planmäßig die wirtschaftliche Zusammenarbeit von Unternehmen mit deutschen Partnern. Auf dem Gebiet der Region gibt es mehr als 30 Organisationen mit einer Beteiligung von Investoren aus Deutschland, von denen viele auch soziale Aspekte berücksichtigen, etwa Bautex, eine Firma, die ein Programm der dualen Ausbildung umsetzt.

Anzumerken ist noch eine positive Entwicklung des Außenhandels, dessen Umsatz zwischen der Region Wladimir und Deutschland in den ersten acht Monaten des Jahres im Vergleich zu 2016 um 21,2% stieg und einem Wert von etwa 130 Mio. Euro darstellt. Der Export legte dabei um fast 13% zu, der Import um gut 22%.

Gut, wenn das die russisch-deutsche Freundschaft in Straßburg stärkt. Wer die europäische Geschichte und die historische Rolle Deutschlands auch nur ansatzweise kennt, kann sich nur freuen über derlei Begegnungen der Verständigung von Deutschen und Russen auf französischem Boden. Und mit Andreas Galster – das darf man sagen – saß auch die Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir mit am Tisch im Elsaß, denn Baiersdorf nimmt in diesem deutsch-russischen Zusammenspiel gerade auch dank seinem Bürgermeister einen wichtigen Platz ein.

Siehe auch: https://is.gd/c8HTAa

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Derart konsequent ging noch kaum ein Unternehmen aus Wladimir beim Aufbau seiner Geschäftsbeziehungen mit deutschen und anderen westeuropäischen Partnern zu Werke wie die GmbH Olimpokno. Erst knapp einen Monat ist es her, seit der Fensterproduzent aus der Partnerstadt bei der Fachmesse „Frontale“ in Nürnberg und in Erlangen Gespräche mit Händlern führte, und dieser Tage ging bereits die erste Probelieferung in Deutschlands Südwesten.

Tatjana Baschlykowa und Hatto Brenner

Tatjana Baschlykowa und Hatto Brenner

Und nun vorgestern das Treffen der kaufmännischen Direktorin des Betriebs, Tatjana Baschlykowa, mit dem Erlanger Unternehmensberater, Hatto Brenner, der nicht nur über Wladimir-Expertise verfügt, sondern auch als Trainer und Buchautor unter Beweis stellt, wie gut er die Chancen und Risiken der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen aus Sicht des Mittelstands kennt. Der hiesige Markt, so der Fachmann, sei voller Mitbewerber aus Deutschland, vor allem aber auch Polen, doch die Fenster aus der Partnerstadt könnten durchaus ihre Nische finden: „Beste Qualität dank deutscher Maschinen und – dank niedriger Fertigungskosten – ein Preis, der um 20% bis 30% unter dem der Konkurenz liegt, Transport und Zoll eingerechnet.“ Das sollte noch mehr Händler und Baufirmen überzeugen, so die Managerin aus Wladimir, die nun mit dem Erlanger Partner zügig und zuversichtlich ein Konzept erarbeiten will, um deutschen Großkunden mögliche Vorbehalte zu nehmen und davon zu überzeugen: Wertarbeit kommt aus Wladimir.

Siehe auch: http://is.gd/tmuKo5

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