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Posts Tagged ‘deutsch-russische Städtepartnerschaften’


So wie auch der schönste Abend einmal zu Ende geht, schließt selbst der längste Fortsetzungsbericht mit dem letzten Punkt. Und im Fall des Russischen Abends mit einem großen Dankeschön an die vier ehrenamtlichen Köchinnen, die für die russischen Teil des Büfetts sorgten, während das gastronomische Team vom Club International unter Leitung von Bernd Uebel den fränkischen Part und die Getränke beisteuerte.

Natalia Kaiser, Nadja Steger und Jelena Schaab

Alle Getränke? Nein: Wie schon bei den letzten Russisch-Deutschen Wochen spendete Köstlich & Co. in der Friedrichstraße 18, von seinen Delikatessen aus aller Welt die richtige Teemischung für den Abend.

Gabriele Steinbach, Inh. von Köstlich & Co.

Geschmeckt hat es offensichtlich allen, jedenfalls blieb so gut wie nichts übrig, alles wurde brav aufgegessen. Kein Wunder aber auch nach dem gut eineinhalbstündigen Programm mit Reden und Präsentationen. Da war leibliche Stärkung angesagt.

Russischer Abend 46

Jekaterina Korschofski und Natalia Kaiser mit Othmar Wiesenegger als „Kiebitz“

Auch für Jekaterina Korschofski, die nicht nur beim Verpflegungsteam aktiv war, sondern auch am Dienstag, den 11. Februar, und am Donnerstag, den 13. Februar, im Rahmen der Russisch-Deutschen Wochen beweist: „Kyrillisch schreiben… ist gar nicht so schwierig“. Ob das so stimmt? Kalligraphisch ist es auf jeden Fall.

Essen hin, Trinken her, aber nie ohne den Bildungsauftrag der Volkshochschule! Viele grübelten auch noch bei Tisch, wie hier Hans Gruß, über den Quizfragen.

Unterdessen konnte sich das Orga-Team schon einmal erleichtert freuen: gut 130 Gäste beim Russischen Abend, um die 600 Teilnehmer an den bisherigen Veranstaltungen der Russisch-Deutschen Wochen. Eine Statistik, hinter der mehr als Zahlen stehen, sondern vor allem die ungezählten Ehrenamtlichen, die ihre je eigenen Verbindungen zu Wladimir pflegen, ihre je ganz besonderen Projekte entwickeln und einfach Freundschaft halten. Sie alle sind das Salz der Partnerschaft, um es biblisch auszudrücken.

Tatjana Kirssanowa, Natalia Korssakowa, Elisabeth Hein, Nadja Steger, Reinhard Beer und Peter Steger

Da ist Fredi Schmidt, Fahrer des Erlanger Oberbürgermeisters, der sich schon auf seinen nächsten Laufwettkampf in Wladimir freut.

Russischer Abend 32

Nadja Steger, Fredi und Martina Schmidt

Da ist Tom Weinhold, Frontmann der Band Meloco, der zusammen mit Marcel Desch und Christian Marsch von Impvlse so begeistert von dem nun schon zehn Jahre währenden Austausch von Rockgruppen mit Wladimir berichten kann, der im Herbst schon – dann freilich mit anderen Ensembles – fortgesetzt wird.

Tom Weinhold

Da ist John Stackmann, der hofft, nach einem Jahr Pause zum zwanzigjährigen Jubiläum seines Winterwaldlaufs in der Brucker Lache wieder Athleten aus Wladimir am Start begrüßen zu können.

Michael Cassens, Susanne Lender-Cassens und John Stackmann

Da ist der Weltkriegsveteran, Wolfgang Morell, der ungeachtet seiner 96 Jahre noch kaum eine Veranstaltung der Russisch-Deutschen Wochen ausließ und voll des Lobes für das Orga-Team ist.

Russischer Abend 35

Wolfgang Morell

Da sind Helene Decker vom Jugendamt und Haram Dar vom Jugendparlament, die Ende des Monats nach Wladimir reisen, um dort ein ganz neues Austauschprojekt zu starten, von dem sicher hier im Blog bald zu lesen sein wird.

Helene Decker und Haram Dar

Da sind Johannes Tuczek und Jürgen Schwandner vom Städtischen Bauamt, die in der Planungsphase für das Erlangen-Haus die architektonischen Grundlagen schufen und im Mai zu dessen fünfundzwanzigjährigen Jubiläum in die Partnerstadt fahren.

Michael Cassens, Johannes Tuczek und Jürgen Schwandner

Da sind Rolf Wurzschmitt und Abram Dyck, die mit dem „Kesselhaus Erlangen“ und den gebrauchten VAG-Bussen Anfang der 90er Jahre maßgeblich halfen, die Infrastruktur Wladimirs zu stabilisieren und auch bei der Sanierung des Erlangen-Hauses eine hilfreiche Hand anlegten, während Stadtrat und Internist i.R., Jürgen Zeus, bis heute den von Rotary Erlangen finanzierten Medizinaustausch koordiniert.

Rolf Wurzschmitt, Peter Steger, Abram Dyck und Jürgen Zeus

Da ist das Ehepaar Eva und Gerhard Hammer, das im Vorjahr Wladimir besuchte, wo auf Initiative des damaligen Direktors, Gerhard Hammer und mit Unterstützung der seinerzeitigen Partnerschaftsbeauftragten, Nadja Jewrassowa, das Gymnasium Fridericianum seit zwanzig Jahren (!) seine russische Partnerschule hat.

Gerhard und Eva Hammer

Eine Galerie, die sich noch lange fortsetzen ließe, die aber – eingedenk der Einleitung – nun zu einem Ende kommen soll. Aber nicht ohne ein Bild vom Glückspilz des Abends, der die Reise nach Wladimir (und zurück, wie Reinhard Beer verschmitzt anmerkte) gewann. Sehr zur Mitfreude des ganzen Saals.

Sieghard Hellmann, festgehalten von Othmar Wiesenegger

Eine Fortsetzung der Berichterstattung über den Russischen Abend am 31. Januar gibt es jetzt nicht mehr. Aber zum einen werden ja die Russisch-Deutschen Wochen am kommenden Samstag um 15.00 Uhr im Club International der Volkshochschule unter dem Motto „Russischer Humor“ fortgesetzt, und zum andern gibt es schon die ersten Ideen für die nächste russisch-deutsche Biennale Anfang 2022. Es gilt eben auch hierfür der Sepp-Herberger-Spruch in Abwandlung: Nach dem Russischen Abend ist vor dem Russischen Abend!

Finis cum grano salis , Ende auf Anfang gesetzt, конец – молодец!

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Wir bleiben weiter beim Russischen Abend vom Freitag vergangener Woche, dem Höhepunkt, wenngleich noch lange nicht Abschluß, der Russisch-Deutschen Wochen an der Volkshochschule. Um im Bild der vorangegangenen Berichte zu bleiben: Wenn Bürgermeisterin Elisabeth Preuß der Veranstaltung den wohltemperierten Ton vorgab, dann stammt der ad lib. wiederholte Refrain des Treffens von Konsul Andrej Matwijenko, wie bereits vor zwei Jahren eigens aus München angereist: Wir wollen Freunde sein!

„Ihre Freundschaft mit Wladimir, Ihre Partnerschaft mit Wladimir kann gar nicht überschätzt werden“, rief er ins gut 130 Köpfe zählende Publikum und nahm den Ball auf, den Elisabeth Preuß ihm mit ihrem Wunschtraum zugespielt hatte, es möge doch bald – zumindest für den Austausch der deutsch-russischen Partnerstädte – der visafreie Verkehr eingeführt werden. Das, so der Diplomat, sei gar nicht so unvorstellbar, denn den elektronischen Sichtvermerk, zu beantragen via Internet, gebe es ja bereits für Sankt Petersburg und Kaliningrad. „Und vielleicht wird das auch einmal für Wladimir möglich…“

Andrej Matwijenko, gesehen von Othmar Wiesenegger

Und, wie um den 1. Konsul zu bestätigen, schrieb gestern Reiner F. Schulz, ein Erlanger Künstler mit enger Verbindung zu Wladimir, per Facebook aus dem Venedig des Nordens:

Wunderbare Repin-Ausstellung zum 175. Geburtstag – unglaublich, so viele wunderbare Porträts. Malewitsch und Freunde sind auch immer wieder genial. Für St. Petersburg gibt es jetzt vereinfachte e-Visa, kostet nichts, kurzfristig zu bekommen, im Internet…

 

Reiner F. Schulz

Tatsächlich gilt diese Regelung – wie schon länger auch für Kaliningrad – seit dem Sommer vergangenen Jahres mit einer Aufenthaltsdauer von bis zu acht Tagen in Stadt und Region. Näheres unter: https://is.gd/xlZxXc – Aber auch die Europäische Union führte Erleichterungen für die Visa-Erteilung ein, die seit gestern Gültigkeit haben und einzusehen sind unter: https://is.gd/dYOoQR

Andrej Matwijenko, Oxana Löscher und Daniel Gossel

Bis dieser Wunschtraum auch für den Austausch mit Erlangen  Wirklichkeit wird mag noch einige Zeit verstreichen. Doch die will das Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde (IFA), seit mehr als 30 Jahren eine tragende Säule der Städtepartnerschaft, nutzen, um sich neben den bisherigen je dreiwöchigen Studienaufenthalten des Dolmetscher- und Übersetzernachwuchses an zwischenstaatlichen Programmen für Praktika und Hospitationen zu beteiligen. Viel Stoff für Gespräche mit Oxana Löscher, der Leiterin der Russischen Abteilung, und Daniel Gossel, Direktor des IFA und Professor am Lehrstuhl für Auslandwissenschaften der FAU.

Nadja Steger und Andrej Matwijenko

Die Gespräche zwischen Erlangen und dem Russischen Generalkonsulat in München, davon darf man ausgehen, werden fortgesetzt, auch wenn eines Tages tatsächlich die Visaschranken zwischen unseren Ländern fallen sollten. Denn, um auf den Refrain des Abends zurückzukommen: „Wir Russen wollen mit euch Deutschen Freunde sein.“ Dafür wird die Partnerschaft auch weiterhin ihren Teil beitragen. Und der sollte, das zeigte der Russische Abend, nicht unterschätzt werden.

Fortsetzung folgt

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Irgendwann bei 130 hatte Reinhard Beer, stellvertretender Leiter der Volkshochschule gestern beim Russischen Abend im Großen Saal zu zählen aufgehört, und als das Superhirn der Russisch-Deutschen Wochen dann mit einem c.t. gegen 19.15 Uhr die Veranstaltung eröffnete, war ihm die Erleichterung anzumerken, daß alle zumindest einen Notsitz gefunden hatten. Wie nun aber dieses Treffen mit seinem umfangreichen Festprogramm und dem Schwerpunkt „25 Jahre Erlangen-Haus“ hier im Blog unterbringen? Die Redaktionsleitung entschied sich dazu – hoffentlich im Sinne der Leserschaft – die Berichterstattung als Fortsetzungsgeschichte zu gestalten und mit der Eröffnungsrede von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß zu beginnen, die den wohltemperierten Ton des Abends, die freundschaftlich gestimmte Atmosphäre der Zusammenkunft vorgab:

Bernadette Rosenkranz und ihr Flöten-Quartett der Sing- und Musikschule

Geht Ihnen auch das Herz auf, wenn Sie an Wladimir denken? Sind 2.379 km weit? In Zeiten des Eisernen Vorhangs war die Strecke zwischen Erlangen und Wladimir nahezu unüberwindbar, heute reisen wir zu Hunderten zu unseren Freunden in Wladimir oder Erlangen, manche – ganz nach Erlanger Art – mit dem Rad, wie etwa Peter Smolka.

Peter Smolka

Eines stimmt damals wie heute: Wer sich traut, in die Welt der Freundschaft mit Wladimir einzutreten, dem wird eine Wundertüte unerwarteter und berührender Erlebnisse zuteil:

Manchmal hängt tatsächlich der Himmel voller Geigen, wenn Musiker aus Erlangen und Wladimir zusammen auftreten; daß viele Köche nicht den Brei verderben, merkt man bei den Festen, und daß wir nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen, erfährt man, wenn man das Fortkommen jener begleitet, die zum ersten Mal als Schüler und dann immer wieder in die Partnerstadt reisen.

Konsul Andrej Matwijenko schneidet zusammen mit den Bürgermeisterinnen Susanne Lender-Cassens und Elisabeth Preuß die Geburtstagstorte an

Jeder Staat, und sei er noch so mächtig, besteht letztlich aus den Menschen, die in den Städten und Dörfern das Gemeinwesen bilden und leben. Auch wenn staatstragende Entscheidungen in nationalen Parlamenten getroffen werden und die Staatsführungen mal durch rauhe, mal durch glatte See segeln, immer sind es auch die Menschen, junge oder alte, die die Zeitläufte eines jeden Landes mit Geschichten und mit Geschichte füllen.

Städtepartnerschaften haben nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, Menschen aus unterschiedlichen Ländern zueinander zu führen, und zwar unabhängig davon, ob es in der großen Politik stürmt oder die Sonne scheint. Ich kann dies selbstbewußt sagen, denn beide Außenminister, Heiko Maas und Sergej Lawrow, haben mehrfach betont, stabile Städtepartnerschaften seien immer wichtig, in politisch bewegter See aber noch wichtiger. Das Wort „Volksdiplomatie“ drückt das wunderbar aus, und die Ergebnisse dieser „Diplomatie der Abertausenden“ kann sich sehen lassen.

Erlangen und Wladimir, das heißt Heizkessel montieren, Busse überführen, Menschenwürde leben im Roten Kreuz, und: gemeinsam feiern und lachen.

Erlangen und Wladimir, das heißt aber auch, zu akzeptieren, daß es – welch Wunder – woanders anders ist, daß hier Selbstverständliches drüben ganz anders verstanden werden kann. Erlangen und Wladimir, das heißt, zu leben, was wir im Stadtmotto führen, nämlich offen zu sein für das andere in der Partnerstadt.

Erlangen und Wladimir, das heißt also eine echte Bürgerpartnerschaft zu leben, die von Begegnungen in den Botschaften, von Jubiläen über Bürgerreisen, von Schulaustausch, beruflichen Kooperationen, kulturellen Begegnungen bis zu privaten Kontakten alles lebt. Engmaschig, fachkundig, weltoffen, vertrauensvoll, zuverlässig und freundschaftlich sind Adjektive, die unsere über 30jährige Geschichte beschreiben.

Es gibt aber – zum Schluß – zwei Herzensangelegenheiten, Alleinstellungsmerkmale, die ich mit Überzeugung als geschichtsträchtig bezeichnen möchte.

Die Hüter der Geburtstagstorte, Reinhard Beer und Peter Steger

Das ist zum einen das Erlangen-Haus, dessen Jubiläum wir dieses Jahr feiern. Dieses einladende, freundliche und gemütliche Haus zeigt, wie unsere beiden Länder am gleichen Ort auf Augenhöhe und Hand in Hand bestehen können: Für Wladimirer wie für Erlanger ist das Erlangen-Haus Heimat im besten, weil zusammenführenden Sinn dieses Wortes.

Es gibt in unserer Städtepartnerschaft noch ein zweites, das uns tief im Herzen berührt (manchmal zu Tränen) und das mit Fug und Recht als Kompendium des Friedens bezeichnet werden kann und muß: Ich spreche von dem Werk „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ und der damit einhergehenden Erinnerungs- und Friedensarbeit mit russischen wie deutschen Veteranen.

Komm wieder

Denn dies muß in unseren Gedanken, Worten und Taten immer ganz oben stehen: Nie wieder darf von deutschem Boden Diskriminierung, Rassenwahn, Krieg und Völkermord ausgehen.

Bis zum heutigen Tag ergreife ich die ausgestreckten russischen Hände mit Dankbarkeit und fühle mich als Bürgermeisterin, aber vor allem als Deutsche, der Friedensarbeit verpflichtet. Mы будем всегда работать для мира у дружбы. Es bleibt dabei: Erlangen und Wladimir werden immer für den Frieden und die Freundschaft arbeiten.

Fortsetzung folgt

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Gestern veröffentlichte die Internetplattform provladimir.ru einen Artikel über die internationalen Beziehungen Wladimirs:

Bekanntlich hat Wladimir Partnerstädte. Dabei fallen einem am ehesten das deutsche Erlangen und das tschechische Ustí an der Elbe ein. Tatsächlich aber haben wir an die 30 solcher Kontakte. Wir sind befreundet mit Chinesen, Franzosen, Amerikanern, Finnen, Polen, Bulgaren, Weißrussen… Wenn man wieder einmal von der Unterzeichnung einer weiteren Vereinbarung oder über den Besuch einer ausländischen Delegation liest, kommt einem manchmal die Frage in den Sinn, was das den Wladimirern bringen soll. Wir wollen einmal versuchen, diese Frage zu klären.

Anna Kulikowa, die Autorin des Artikels, der hier in voller Länge einzusehen ist https://is.gd/tvMP2m, gab dem Partnerschaftsbeauftragten, Peter Steger, die Gelegenheit, einige Fragen zur Qualität und Quantität des Austausches mit Erlangen zu beantworten, das „sein eigenes Haus in Wladimir hat“ und weitere neun Partnerschaften sowie drei Freundschaften pflegt. Kenner der Materie dürfte das Ergebnis nicht überraschen. Für beide Städte sind die deutsch-russischen Kontakte mit etwa einhundert Begegnungen pro Jahr die intensivsten, wenn man den Sonderfall Jena einmal beiseite läßt.

Gruppe des Erlangen-Hauses in Bamberg, Juli 2019

Wie wechselhaft die Beziehungen sein können, zeigt die vierzigjährige Verbindung zu Aussig, nach dem in Wladimir eine Straße benannt ist, während das Hotel Vladimir in Ustí heute als Comfort Hotel firmiert. In den 90er Jahren kam der einst florierende Austausch völlig zum Erliegen, erst in jüngster Zeit reisen Delegationen wieder hin und her. Und dann sind da die jüngsten Partnerschaften zum usbekischen Buchara (2017) und bulgarischen Karlovo (2018), die erst noch beweisen müssen, was in ihnen steckt. Das Paar Erlangen-Wladimir braucht sich und anderen nichts mehr beweisen, aber weder hier noch dort wird man wohl darin nachlassen, die Zusammenarbeit immer weiter zu vertiefen und zu erweitern. Vor allem dank der Volksdiplomatie, von der hier im Blog so viel zu berichten ist.

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Das Städtepaar Wladimir-Erlangen tauscht intensiv aus: Gesang, Tanz, Sport, Sprache, Gelehrsamkeit, Kenntnisse, Erfahrungen und vieles mehr. Dazu gehören natürlich auch die Menschen, die mit all diesen Errungenschaften Handel und Wandel treiben und die Städtefreundschaft mit Leben füllen. Beide Städte verfügen über eine vielfältige Hotellandschaft, die selbstredend Teil des Austausches ist. Die Krönung aber ist und bleibt es, wenn man die Partnerschaft nicht via Hotel sondern untergebracht in einer Familie kennenlernt. Da lernt man Familienleben, Familientradition, Tagesablauf, fränkische oder die der jeweiligen Herkunft der Gastgeber entspringende Gerichte und Bräuche kennen. Man hört wirklich mal längere Zeit kein Deutsch oder Russisch und kann sich nur mit den vorher gelernten Wörtern ausdrücken.

Wenn man zum Beispiel erlebt, wie die Babuschka aus der Zwei-Zimmer-Plattenbauwohnung zu einer Bekannten zieht, damit der Gast aus Erlangen eine eigene Ecke hat; wie die Mutter schon morgens in der Küche steht und Sirniki (Quarkplätzchen) oder Blintschiki (Pfannkuchen) bäckt; wie keine Stunde zu spät und kein Weg zu weit ist, um den Gast zu holen oder und zu bringen… Dann spürt man Gastfreundschaft und Willkommen von Herzen.

Begrüßung der Gäste aus dem Erlangen-Haus am Flughafen Nürnberg. Photo Georg Kaczmarek

Umgekehrt öffnet sich für die Gäste aus Wladimir in Erlangen eine neue Welt, unabhängig, ob die Gastgeber in der Innenstadt, in Bruck oder in Frauenaurach wohnen. Sie lernen nicht nur die Familien kennen, sondern vielfach auch die Freunde der Familien, und die kommen, wie das in Erlangen üblich ist, aus aller Herren Länder.

Nicht nur den Gästen, auch den Gastgebern eröffnet sich durch die Besucher aus Wladimir eine neue Welt, ungezählt sind die langjährigen Freundschaften, die aus solchem Geben und Nehmen hervorgegangen sind. Wie bei uns auch, gibt es unter den russischen Gästen solche, die sich sofort als Teil der Gastfamilie sehen und sich nahtlos in Badezimmerfolge, Platz am Tisch und die Übernahme kleiner Hilfeleistungen im Haushalt einfügen, die – im Idealfall – aufs Fahrrad steigen und schon am zweiten Tag eine Begleitung zum Treffpunkt freundlich ablehnen. Andere bleiben schüchtern im Zimmer, bis sie zum Essen geholt werden, sprechen nur wenig, antworten am liebsten nur mit „ja“ und „nein“ und tauen erst nach einigen Tagen auf. Eines aber eint alle: Am letzten Tag, z.B. beim Abschiedsfest in der VHS, liegen sich alle in den Armen, und ein baldiges Wiederkommen bzw. ein baldiger Gegenbesuch werden (manchmal leichtfertig, denn Visa sind immer noch ein leidiges Problem) versprochen.

Gast und Gastgeberin: Jekaterina Ussojewa und Elisabeth Preuß

Die Moral von der Geschichte: Außer einem freundlichen Willkommen, einem einladenden Bett und einer Dusche mit Frühstück gibt es keine Bedingungen an die Gastgeber. Ich dachte immer, mein zeitraubender Beruf, mein früher Arbeitsbeginn und die späten Abende würden mich für diese Rolle ausschließen. Heute weiß ich, wie völlig falsch ich damit lag, und ich genieße nun mehrmals im Jahr den Besuch freundlicher Russinnen, viele von ihnen darf ich nun Freundinnen nennen. Logistische Probleme, z.B. Fahrten in die Umgebung, können immer von anderen Gastgebern mit übernommen werden. Limitierender Faktor für den Austausch sind nicht Sitzplätze in Autos, sondern Betten bei Familien in und um Erlangen.

Mit diesen wenigen Sätzen möchte ich daher alle ermutigen, die schon einmal darüber nachgedacht haben, ob sie denn nicht für ein paar Tage Gäste aufnehmen könnten. Tun Sie es, Sie werden es nicht nur nicht bereuen, sondern stets mit Freude im Herzen an die Tage mit den neuen Freundinnen und Freunden aus Wladimir zurückdenken.

Elisabeth Preuß, Bürgermeisterin der Stadt Erlangen

P.S.: Wer sich angesprochen fühlt, melde sich bitte beim ehrenamtlichen „Quartiermacher der Partnerschaft“ unter gerhard@kreitz.de

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Immer einmal wieder war die Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung, doch mit der Studie von Bianca Creutz aus dem Jahr 2018 gibt es erstmals auch eine Masterarbeit, die einen Vergleich zwischen fünf deutsch-russischen Paaren wagt und dabei fragt, wie sich die zwischenstaatlichen Krisen der drei vergangenen Dekaden auf die kommunalen Beziehungen auswirkten. Wie nicht anders zu erwarten: ganz unterschiedlich, gleich ob August-Putsch, Tschetschenien- und Georgien-Kriege, Kosovo, LGBT oder der Streit um die Krim und Ost-Ukraine. Je lebendiger die Kontakte, so das Fazit, desto mehr gehen die Partnerstädte auf verschiedenen Ebenen auf die Krisen ein, thematisieren sie, suchen nach Foren der Verständigung, wie etwa Erlangen und Wladimir mit der Gesprächsplattform „Prisma“, auch wenn sie, die Krisen, gar nicht auf lokaler Ebene zu lösen sind.

Gerhard Kreitz und Bianca Creutz

Klar strukturiert und übersichtlich – zur Begriffsklärung der „Städtediplomatie“ sogar in Form eines Werkstattgesprächs – stellte die auf Einladung des Freundeskreises Wladimir eigens aus Berlin angereiste Sozialwissenschaftlerin am Freitagabend im Club International der Volkshochschule ihre Thesen vor und regte damit auch eine lebhafte Diskussion mit dem deutsch-russischen Publikum über Möglichkeiten und Grenzen der Volksdiplomatie an.     Bemerkenswert dabei eine Stimme aus der Gruppe des Erlangen-Hauses, die darauf verwies, man sei doch ohne derartige Begegnungen im Rahmen von Städtepartnerschaften zu 99% auf die Medien angewiesen. Dank dieser Verbindung aber können man Deutschland hautnah aus eigenem Erleben kennenlernen. Und Deutschlehrerin Jekaterina Ussojewa ergänzte: „Die anderen russischen Sprachlernzentren beneiden uns um unsere engen Kontakte zu Erlangen. Für uns ist diese Partnerschaft ein Geschenk.“ Sicher ein gegenseitiges. Und: Die Wissenschaft hat festgestellt, wie Partnerschaft in Krisen hält.

Nachzulesen gibt es die Masterarbeit von Bianca Creutz hier: https://is.gd/DI7bBY

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Städtediplomatie – zur Rolle von Städtepartnerschaften in Zeiten zwischenstaatlicher Krisen am Beispiel deutsch-russischer Beziehungen

Städtepartnerschaften sind ein wichtiger Bestandteil der deutsch-russischen Beziehungen. Auch wenn Außenpolitik im Kompetenzbereich von Staaten liegt, gibt es dennoch Situationen, in denen sich Städte zu außenpolitischen Themen positionieren. Im Vortrag geht es darum, die deutsch-russischen Beziehungen seit Beginn der 90er Jahre zu reflektieren und zu diskutieren, wie sich Kommunen in Zeiten zwischenstaatlicher Krisen verhalten. Der Vortrag bezieht sich auf Forschungen im Rahmen einer Masterarbeit zu deutsch-russischen Städtepartnerschaften, darunter auch die Beziehungen zwischen Erlangen und Wladimir.

Bianca Creutz

Bianca Creutz M.A. hält ihren Vortrag am Freitag, den 26. Juli, um 19.00 Uhr im Club International der Volkshochschule, Friedrichstraße 17. Die Sozialwissenschaftlerin mit Fokus auf Urbanisierung und Osteuropa studierte in Münster, Leipzig und Sankt Petersburg Sozialwissenschaften, European Studies und Internationale Beziehungen. Nach dem Masterstudium arbeitete sie in Moskau im Urban Consulting bei Strelka KB und ist aktuell bei TOPOTEK 1 Landschaft und Architektur in Berlin als Business Development Managerin tätig. Bianca Creutz engagiert sich für internationale Zusammenarbeit mit Ländern des östlichen Europas.

Siehe auch: https://is.gd/DI7bBY

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