Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘deutsch-russische Bürgerpartnerschaften’


Gestern ging die Nachricht vom Tod Gudrun Lemsers aus Ebersdorf bei Coburg ein, für die, verstorben bereits am 9. Februar, die Hinterbliebenen heute die Trauerfeier ausrichten. Was der Tod der Oberfränkin mit Wladimir zu tun habe, werden Sie fragen. Vielleicht erinnern Sie sich ja an die Berichte ihres bereits am 9. Mai 2014 entschlafenen Mannes, Karl Lemser, dessen Erinnerungen sich in dem Sammelband „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ finden, und an die Reportage „Reise unter dem Sowjetstern“ im Coburger Tageblatt aus dem Jahr 1977, als das Ehepaar für sich Wladimir entdeckte, Wladimir und Menschen, mit denen die beiden für den langen und glücklichen Rest ihres Lebens Freundschaft hielten.

Gudrun und Karl Lemser

Als dann die Städtepartnerschaft ihre ersten erfolgreichen Anläufe machte, gratulierte Karl Lemser brieflich zu dem Werk der Völkerverständigung und stellte seine Frau und sich als bereits eng mit Wladimir verbunden vor. Wozu das am Ende führte? Mittlerweile ist die Tochter einer befreundeten Wladimirer Familie in Franken verheiratet. Bürgerpartnerschaft eben, wie sie leibt und lebt. Auf Anregung der Angehörigen, die selbst einmal auf den Spuren des Ehepaars nach Wladimir reisen wollen, wird heute bei der Trauerfeier für das Kinderkrankenhaus in der Partnerstadt gesammelt. Sicher ganz im Geist dieser beiden Stifter von Freundschaft und Verständigung, die ebenso still und bescheiden wie unbeirrt und beharrlich das lebten, was sie – über den Tod hinaus – für selbstverständlich hielten: das friedvolle Miteinander von Deutschen und Russen. Danke dafür und ein bleibendes Gedenken!

Was die beiden antrieb, kann hier – mit nachdrücklicher Empfehlung! – nachgelesen werden: https://is.gd/XStxLj, https://is.gd/psoeyY und https://is.gd/XwbxHk

Read Full Post »


Unsere Reise begann Ende Oktober vergangenen Jahres. Unsere Eltern beschlossen, mit uns nach Deutschland zu fahren. Das Wetter war damals nicht besonders. Von oben rieselte Schneeregen. Das versprach alles einen nahen und kalten russischen Winter. Als wir Wladimir verließen, herrschte dunkle Nacht, und wir wollten nichts mehr als schlafen. In Moskau flogen wir im Morgengrauen ab. Nach einigen Stunden des Flugs fanden wir uns in Deutschland wieder, wo uns großartige Menschen gastfreundlich in Empfang nahmen und uns ein richtig goldener Herbst freundlich zunickte. Vom Flughafen brachte man uns nach Erlangen. Diese Stadt verzauberte uns mit ihren sauberen Ecken, den gepflegten Häusern, den gemütlichen Restaurants und Bäckereien. Wir atmeten saubere Luft. Vom ersten Moment an spürten wir Gastfreundschaft und eine behagliche Atmosphäre.

Während unseres kurzen Besuchs in Erlangen reisten wir auch viel in Bayern herum. Zu erzählen, wo wir überall waren, würde viel Zeit erfordern. Wichtiger ist wohl, das Schlüsselwort zu all diesen Orten zu erwähnen: „erstmals“. Wir waren ja überall zum ersten Mal. Wir erzählen deshalb lieber nur von einigen besonderen Eindrücken, wie vom Besuch der Höhlen in der Fränkischen Schweiz, die wir mit Lampen betraten, um uns die Stalaktiten und Stalagmiten anzusehen. Zum ersten Mal konnten wir deren Wachsen so genau beobachten und uns den Unterschied zwischen ihnen einprägen. Unglaublich, daß so ein Regentropfen sich seit einer Million Jahren an der Decke einer Höhle halten kann. Nach der Verdampfung des Wassers kristallisierte ein winziger Kalkring an der Decke. Dann kam der zweite Tropfen, der dritte, vierte und fünfte, und alle hinterließen sie Kalk an jener Stelle. Und wir können jetzt diese ungewöhnlichen Formationen sehen, die aus einer unendlichen Zahl von Tropfen im Lauf von vielen Jahren geschaffen wurden. Ein Wunder!

Plötzlich blieben wir stehen… In einer Deckenspalte entdeckten wir eine Fledermaus! Zum ersten Mal sahen wir dieses Tierchen so aus der Nähe. Wir hätten es sogar berühren können, wollten aber den Schlaf der nächtlichen Schönheit nicht stören.

Und dann noch zum Schwimmbad in Staffelstein. Behablich ist es da im Becken mit dem warmen Salzwasser. Eine ruhige und heilsame Atmosphäre. Sprudel, Unterwassermassage, Sauna mit Aromen. Besonders gefallen hat uns die Möglichkeit, nach draußen zu schwimmen. Und alles so sauber und ruhig. Auch das erlebten wir zum ersten Mal!

Unsere Reise nach Deutschland fiel in unsere Ferien. Klar, wer will schon in den Ferien zur Schule gehen? Aber wir brachten das fertig und besuchten die Waldorfschule. Wir begegneten da unseren Freunden wieder, Leonie, Elena und René, die im Sommer ein Praktikum in Wladimir gemacht hatten. Sie fanden Zeit, uns Nürnberg zu zeigen. Natürlich hinderte uns die Sprachbarriere daran, uns in allem ganz auszutauschen, wir verstanden nicht immer, was man uns erzählte, wir konnten nicht immer richtig antworten und den Dialog aufrecht erhalten. Aber spornt uns auch an, jetzt mehr in der Fremdsprache zu sprechen – und sei es auch nur untereinander.

Doch wir haben ja Freunde in Erlangen! Wir sind den Familien Binder und Gruß dankbar für die Organisation der Reise, für ihre Hilfe und Fürsorge. Persönlich danken wir Heidi und Jürgen Binder für die Gastfreundschaft und die angenehmen Gespräche sowie für das außergewöhnliche Frühstück an jedem Morgen und das immer so leckere Abendessen! Unser Dank gilt auch dem Ehepaar Brigit und Hans Gruß für die Aufmerksamkeit, die interessanten Begegnungen und die Unterstützung bei verschiedenen Ausflügen und Konzerten. Und schließlich herzlichen Dank an unsere Fremdenführerin und Ideengeberin für alle möglichen Reisen, die energiegeladene und – wir scheuen uns nicht, das zu sagen – junggebliebene Ute Schirmer

Hoch sollen sie leben, unsere Freunde!

Warwara und Wassilissa Fjodorow, unterstützt von ihren Eltern und Tatjana Parilowa

Siehe auch: https://is.gd/iiv2o1 und https://is.gd/U6YymD

Read Full Post »


In einem Brief an die Redaktion des Blogs schreibt Sigrid Köhn, seit vielen Jahren Gastgeberin, wann immer Gruppen aus Wladimir unterzubringen und zu betreuen sind:

Herbert und Ute Schirmer, Marina Trubizyna sowie Sigrid und Johannes Köhn, Mai 2011

Hiermit sende ich Ihnen Eindrücke meiner Reise nach Wladimir (6. – 13. Oktober). Dies war jetzt mein dritter Besuch in Wladimir, nachdem ich meine Freundin und ihre Familie beim Fränkischen Fest 1993 in der Partnerstadt kennengelernt hatte. Sie sprach mich damals an und war dann auch dreimal in Erlangen. Als Deutschlehrerin (seit zehn Jahren im Ruhestand) ist sie immer noch an der deutschen Sprache interessiert, die sie mit ihrem Enkel früh geübt hat. Nun unterstützt sie ihn auch im Deutschstudium und hilft Schülern beim Erlernen der Sprache. Sie beklagt allerdings die „neuen“ Unterrichtsmethoden und den Umstand, auch als ehemalige Lehrerin in der Gesellschaft nicht die rechte Anerkennung zu erfahren. So habe sie zum Beispiel am Tag des Lehrers nur von einer einzigen ehemaligen Schülerin eine Grußkarte bekommen. Doch sie kennt ihren Wert und tritt im Alltag selbstbewußt und resolut auf und läßt, wenn nötig, ihre Beziehungen zu ehemaligen Schülern spielen. Auf diese Weise hatte ich auch die Möglichkeit, mit ihr zwei Tage in Moskau zu verbringen.

Wladimir

Mariä-Entschlafens-Kathedrale, gesehen von Wladimir Putschkow

Die überwältigende Gastfreundschaft kann man nur bewundern. Dabei hat meine Freundin nur eine Drei-Zimmer-Eigentumswohnung, in der sie vor meinem Besuch auch eine Erlanger Studentin beherbergt hatte (Bericht folgt, Anm. d. Red.), und besitzt einen Schrebergarten, in dem wir zusammen gearbeitet haben. In den vier Tagen Wladimir waren wir im Puppenmuseum, in Klöstern und Kirchen in der Stadt, in der Kirche an der Nerl und in verschieden Markthallen und Geschäften mit reichem Angebot, besonders im Globus, in dem mich das Fischangebot beeindruckte. Meine Freundin beklagt zwar die hohen Preise, achtet aber sehr auf Qualität und „gönnt“ sich auch etwas. Dabei wollte sie auf keine Weise, daß ich bezahle. Freilich hinterließ ich dann meinen Anteil als „Abschiedsgeschenk“ bei der Tochterfamilie und ihrem Enkel.

Wladimir Fedins Blick auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale

So schwierig die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse von uns aus erscheinen, trifft man in Wladimir überall höfliche und freundliche Menschen, und es ist es deshalb wert, die Kontakte zu pflegen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung bei der Vorbereitung der Reise.

Sigrid Köhn

Read Full Post »


Die Geschichte, die heute erzählt werden will, beginnt Anfang der 90er Jahre, als sich in Nördlingen, angeregt von den Aktionen Rothenburgs in Susdal, eine Initiative mit dem Ziel gründete, in Jurjew-Polskij, etwa 70 km nordwestlich von Wladimir gelegen, humanitäre Hilfe zu leisten, ganz konkret, von Mensch zu Mensch, von Familie zu Familie. Von den Behörden ließ man sich eine Liste bedürftiger Personen geben und immer im Januar besuchte dann über Jahre hinweg eine Bürgergruppe aus dem schwäbischen Bayern die 1152 von Jurij Dolgorukij, dem Gründer von Moskau, erbaute einstige Fürstenresidenz und verteilte Pakete mit vor Ort gekauften Hilfsgütern, die einen Gruß des Absenders enthielten, um der Sache die Anonymität zu nehmen. Diese Art der Hilfe, die auch in den umliegenden Dörfern geleistet und später ganz auf Geldspenden umgestellt wurde, kam gut an, und die vielen nach Nördlingen geschickten Dankesbriefe schufen ein immer engeres Netz von Freundschaften. Im Gefolge der humanitären Aktionen, unterstützt auch von der Erfahrung Erlangens, entstanden auch Verbindungen zum Roten Kreuz, zu Altenheimen und Krankenhäusern, und sogar ein Schüleraustausch kam in Gang. 1993 kam die erste Gruppe aus Jurjew-Polskij nach Nördlingen; auf Einladung von Thomas und Rosi Held auch dabei die damals fünfzehnjährige Jelena Losinskaja. Sie hatte für ihren Großvater – unter Stalin repressiert und später rehabilitiert stand er auf der Bedürftigenliste – den Dankesbrief geschrieben, und die Empfänger luden sie nun spontan ein. Die Schülerin begann, Deutsch zu lernen – übrigens auch im Erlangen-Haus -, kam wieder, die deutschen Gastgeber erwiderten die Besuche, kehrten noch mindestens sieben Mal, sogar mit den eigenen Söhnen, zurück in die Stadt am Kleinen Goldenen Ring mit 17.000 Einwohnern. Eine Freundschaft war geboren, die von Jahr zu Jahr enger wurde: Längst betrachten die Helds Jelena Losinskaja, mittlerweile selbst Mutter eines Sohnes und seit zehn Jahren in Wladimir wohnhaft, wo sie für die Moskauer Schokoladenfabrik „Krasnyj Oktjabr“ die Geldbewegungen überwacht, als ihr drittes Kind.

Thomas und Rosi Held mit Jelena Losinskaja

In den letzten Jahren reist das Ehepaar nicht mehr so viel, aber die „Adoptivtochter“ besucht die beiden ja regelmäßig. Der Austausch zwischen Nördlingen und Jurijew-Polskij hingegen ist mittlerweile zum Erliegen gekommen. Dabei sah es so vielversprechend aus: Sogar Nikolaj Winogradow, damals Gouverneur der Region Wladimir, besuchte mit einer offiziellen Delegation und Peter Steger, Erlangens Partnerschaftsbeauftragter, die ehemalige Reichsstadt, um für eine offizielle Partnerschaft zu werben, aber auf beiden Seiten wagten die Rathäuser den Sprung nicht. Ohne kommunale Strukturen und Unterstützung fehlte es auf Dauer der losen Bürgerinitiative an Kraft, viele der Aktiven wurden alt und krank, verstarben. Heute sind nur noch wenige private Freundschaften am Leben, darunter die nun schon „deutsch-russische Familie“ Held-Losinskaja, die bis heute Freud und Leid miteinander teilt und nun ein Wiedersehen in Wladimir plant. Thomas Held, der aus der humanitären Hilfe für sich den Schluß zieht, es sei schwerer zu nehmen als zu geben, meint dazu: „Nach so vielen Jahren würde es mich schon reizen, einmal wieder hinzufahren und mir Zeit zu nehmen.“ Zeit, um zu sehen, was aus den Menschen in Jurjew-Polskij geworden ist, die aus Nördlingen so viel Hilfe erfahren haben, Zeit aber auch, um zu erleben, was Jelena Losinskaja aus ihrem Leben und der schwäbischen Unterstützung gemacht hat, Zeit, um zurückzublicken auf ein gelungenes gutes Werk.

Read Full Post »


Bernd Gronau drückt mit wenigen Worten aus, was man wie das Drehbuch der Bürgerpartnerschaft lesen könnte: „Damals kamen unsere Väter nicht bis Moskau. Wenn wir heute in Wladimir sind, bedeutet das: Mit Freundschaft kommt man weiter als mit Gewehren.“ Dietlinde, seine Frau, erzählt von ihrem Vater, der aus der russischen Gefangenschaft ohne Verbitterung, sondern mit viel Sympathie für Land und Leute zurückkehrte. Offenbar wurde da schon etwas grundgelegt, das bis heute nachwirkt. Vor 28 Jahren nämlich meldete sich das Erlanger Ehepaar nach einem Aufruf in der Zeitung und bot zwei Gästen aus Wladimir Quartier. Die beiden, Wera und Wjatscheslaw Koslow tanzten damals beim Folklore-Ensemble „Rus“ und fühlten sich im Hause Gronau sofort heimisch, zumal zeitgleich auch noch eine ältere Dame aus Dresden zu Besuch war, die mit ihren Russischkenntnissen die Verständigung erleichterte. Ein Jahr später kam dann die Sängerin Galina Saïkina hinzu, die damals Mitglied des Akademischen Chors „Elegie“ war, heute in einem Kirchen-Quintett aktiv ist und via Erlangen mit dem Ehepaar Koslow Freundschaft schloß.

Galina Saïkina, Michael Gronau, Christine Jeppich, Wera Koslowa, Sascha Gronau, Dietlinde und Bernd Gronau sowie Wjatscheslaw Koslow

Seither geht es fast im Jahresrhythmus hin und her. „Wir sind schon längst nicht mehr nur Freunde, wir sind eine Familie“, bekräftigt Wera Koslowa, die sich um den tänzerischen Nachwuchs bei „Rus“ kümmert und mittlerweile recht passabel Deutsch spricht, im Notfall aber auch gern die Kommunikation per Internet mit der Gronau-Tochter in den USA nutzt, weil „Dietlinde nicht ständig online ist“. Ohnehin schätzt die große Freundschaftsfamilie mehr den unmittelbaren Kontakt – generationenübergreifend: Sohn Michael war vor sieben Jahren schon einmal in Wladimir und reist nun mit Enkel Sascha im Juli erneut in die Partnerstadt, während Dietlinde und Bernd Gronau auch schon einmal der Tochter ihrer russischen Freunde zur Hochzeit, zu der sie selbstverständlich geladen waren, eine Reise nach Erlangen mit Abstecher nach Paris schenkten. Wie gesagt: Mit Freundschaft kommt man weiter.

Read Full Post »


Gestern abend erreichte die Blog-Redaktion ein Bericht in deutscher Sprache über den zweiwöchigen Erlangen-Aufenthalt von Kristina Kapsjonkowa, die am 6. Januar nach Wladimir zurückreiste, bestimmt aber bald schon wieder nach Franken kommen wird. Das zumindest legt die Lektüre nahe.

Dies war bereits meine vierte Reise nach Deutschland – nie hatte ich jedoch bisher die Gelegenheit, hier die Weihnachtsfeiertage und das Neujahrsfest zu verbringen. Dieser Traum ging diesmal in Erfüllung!

Den Heiligen Abend habe ich mit meinem Wahlopa, Manfred Kirscher, in dessen Familie sehr stimmungsvoll erlebt. Der Ablauf war mir neu und hat mich sehr beeindruckt.

Kristina Kapsjonkowa und Manfred Kirscher

Kristina Kapsjonkowa und Manfred Kirscher

Nach dem gemeinsamen Singen mehrerer typischer Weihnachtslieder – unter anderen auch „Stille Nacht, Heilige Nacht“ – wünschten wir uns alle „Frohe Weihnachten“. Danach wurden die Geschenke verteilt, und anschließend hat uns die Hausherrin zu Tisch gebeten, wo es leckere, typisch fränkische Gerichte gab, die mir sehr geschmeckt haben.

Die Atmosphäre war während des ganzen Abends sehr fröhlich und mir gegenüber äußerst freundschaftlich. Ich werde diesen Abend nicht vergessen!

Da das Wetter bis zu Neujahr nahezu frühlingshaft war, konnte ich sehr schöne Radtouren durch die reizvolle Umgebung Erlangens machen – besonders die Weiherkette nahe Dechsendorf hat mir gut gefallen.

Kristina Kapsjonkowa im Familienfeierkreis

Kristina Kapsjonkowa im Familienfeierkreis

Am Neujahrsabend habe ich mein erstes großes klassisches Konzert erlebt und war sehr beeindruckt! Beethovens Neunte mit den Bamberger Symphonikern war ein einmaliges Ereignis und für mich der feierliche Abschluß eines guten Jahres.

Die Silvesternacht habe ich dann mit Manfred in Nürnberg verbracht, wo die ganze Altstadt feierlich geschmückt war und eine sehr gute Stimmung herrschte. Auf zahllosen Bühnen konnten wir ein abwechslungsreiches Programm erleben. Von mitreißender Rockmusik über feinen Jazz und kleine Theateraufführungen hatten wir sogar Gelegenheit, ausgelassen zu tanzen. Das Spektakel um Mitternacht war vor der Kulisse der Burg grandios. So viele Böller und Raketen, Geklatsche und Gelächter habe ich noch nicht erlebt.

Kristina Kapsjonkowa allein in Erlangen

Kristina Kapsjonkowa allein in Erlangen

Die nächsten Tage habe ich liebe alte Bekannte besucht, das Wiedersehen mit Doris Hinderer und Peter Steger, denen ich viel zu verdanken habe, hat mich sehr gefreut.

In diesen Tagen habe ich außer der fränkischen Küche auch einige Wörter des hiesigen Dialektes gelernt! Ausdrücke wie „allmächt“, „a weng“ oder „oofanga“ gehen mir mittlerweile leicht von der Zunge – sehr zum Spaß meiner Freunde.

Diese zwei Wochen waren für mich ungeheuer spannend, unterhaltsam und auch lehrreich. Ich habe eine unglaubliche Gastfreundschaft erfahren, bin überall sehr freundlich empfangen worden und habe durch meinen Gastgeber einiges über das kulturelle Leben unserer quirligen Partnerstadt erfahren. Die Aktivitäten der Erlanger Friedensbewegung haben mich auch sehr beeindruckt. Meine Deutschkenntnisse haben sich in diesen zwei Wochen deutlich verbessert.

Kristina Kapsjonokowa und Manfred Kirscher

Kristina Kapsjonokowa und Manfred Kirscher

Die Zeit meines Aufenthaltes in Erlangen ist viel zu schnell vergangen, ich freue mich jedoch schon jetzt über die geplante Reise einer Erlanger Delegation im Juni nach Wladimir und dem damit verbundenen Wiedersehen mit liebgewordenen Freunden.

Kristina Kapsjonkowa

Read Full Post »


Treue Leser dieses Blogs wissen: In der Städtepartnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir wird so manches relativiert. Ganz entsprechend Albert Einstein gehören Raum und Zeit dazu. Man denke nur an die 2.500 km Landweg zwischen unseren Städten oder drei Stunden im Flieger ab München nach Moskau und von dort mit dem Zug oder auf dem Asphalt weiter. In jedem Fall wartet in Wladimir ein Zuhause im Эрлангенский дом, dem Erlangen-Haus, oder bei Freunden. Beim Willkommen schmelzen die Kilometer wie Eis in der Sonne. Zudem können übrigens die 40 km vom Atatürk-Flughafen in Istanbul bis zum Hotel in unserer Partnerstadt Beşiktaş auch schon mal knapp drei Stunden dauern…

Neben der Relativierung der Entfernung wird der Raum auch in Beziehung gesetzt, indem man, sollten Zeit oder Mittel fehlen, Wladimir einfach zu sich in die eigenen vier Wände holt. Immer wieder nämlich suchen Gäste von dort in Erlangen ein Zuhause auf Zeit, sei es für ein paar Tage, Wochen oder Monate. Austauschschüler, Praktikanten, Besucher der Sommerkurse an der VHS, gelegentlich auch Angehörige von Patienten an unseren Kliniken. Sie alle sind dankbar für ein Bett mit Frühstück in freundlicher Atmosphäre oder die Möglichkeit, sich selber zu versorgen und gelegentlich ein Pläuschchen bei einer Tasse Tee zu halten.

Elisabeth Preuß und Anastasia Sacharowa

Die Tür ist immer offen: Elisabeth Preuß und Anastasia Sacharowa

Für den Gastgeber eröffnet sich ein ganzes Panoptikum an Gegengaben: nicht nur das Verwöhnen der Geschmacksknospen mit neuen Erfahrungen wie Iwan-Tee (Weidenröschen) oder Zephir (himmlische Schaumküsse, oft zitronig), gemeinsames Kochen am Wochenende oder das Austauschen von (Lebens-) Erfahrungen sind nur die Spitze des Eisberges der Möglichkeiten. Mit ein wenig Zeit geht es noch viel tiefer: In Gesprächen kann man erfahren, wie unterschiedlich zeitgeschichtliche Themen in den jeweiligen Medien wiedergegeben werden, was man in hier und dort aus Zeitung oder Fernsehen liest und sieht, wie manche Wladimirer fürchten, in Zeiten der Sanktionen in Erlangen nicht mehr willkommen zu sein, und vieles mehr. Man hört von Ägypten und der Türkei als den – nun schon ehemals – beliebtesten Urlaubsländern oder wird gefragt, warum die Toten in Paris die Massen auf die Straßen bringen, die mehr als 200 Toten Russen im Sinai aber nicht.

Kurzum: Man wird, wenn man offen ist, in die Zeitgeschichte hineinkatapultiert. Womit wir beim Relativieren der Zeit wären: Nach kurzer Zeit wird der Gast zum Freund, zur Freundin. Kommt man abends heim, und der Gast ist unterwegs, fehlt etwas, und dann… beginnt die Zeit zu fliegen. Kommt schließlich der Tag des Abschieds heran, steht der Gastgeber da, fragt ungläubig: „Können denn die Wochen so schnell vergehen?“ Mein Fazit: immer her mit den Gästen!

Elisabeth Preuß, Bürgermeisterin

Mehr zu lesen von der Gastkommentatorin gibt es aktuell zu ihren Eindrücken von Nischnij Nowgorod. Gönnen Sie sich den Klick! http://is.gd/cgdPzQ

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: