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Posts Tagged ‘Demographie Rußland’


30 Jahre ist es jetzt her, seit in der UdSSR zum letzten Mal eine Volkszählung durchgeführt wurde. In dieser Zeit verlor das Gouvernement Wladimir 288.000 Einwohner, wobei der Rückgang recht gleichmäßig vonstattenging. Einzig im Jahr 2010 war ein leichter Anstieg zu verzeichnen, ausgerechnet als der bisher letzte Zensus in der postsowjetischen Region Wladimir und landesweit durchgeführt wurde. Trotz anhaltender Landflucht verloren die Städte mehr Menschen als die Dörfer – im Verhältnis von 251.000 gegenüber 37.000.


Blickt man freilich weiter zurück, ins Jahr 1926, zeigt sich, wie sich insgesamt die Demographie umgekehrt hat. Gegenwärtig leben 296.000 Wladimirer auf dem Land und 1.006.000 in Städten. Anno 1926 stellte sich die Relation genau andersherum dar: 1.057.000 vs. 264.000.

Bei so viel Zahlen sei dem Auge ein wenig Ruhe gegönnt mit diesen Februarbildern des Wladimirer Malers Georgij Parfjonow.

 

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Man wird sie wohl nicht repräsentativ nennen können, die Umfrage, die der Fernsehsender Zebra eine Woche lang unter seinen Zuschauern gemacht hat, aber das Bild, das sie präsentiert könnte eine für Wladimir demographisch unerfreuliche Tendenz anzeigen. Auf die Frage nämlich, ob man auswandern wolle, antworteten von den 219 Personen, die sich beteiligten, 34% mit ja, während nur 32% angaben, sie seien soweit mit allem zufrieden und würden bleiben. Weitere 16% aber kennen wiederum jemanden unter den eigenen Bekannten und Verwandten, der schon emigriert ist oder das zu tun vorhat. Und dann sind da noch die 18%, die ihre Zukunft wenn schon nicht im Ausland, dann doch in einer anderen Stadt oder Region ihrer Heimat sehen und dabei wohl zumeist an Moskau denken.

Emigration

Unerfreulich, aber ins Gesamtbild passend, denn tatsächlich verlassen Jahr für Jahr mehr als 100.000 Russen ihr Land, und fast 60% der gut ausgebildeten Fachkräfte unter 30 Jahren wollen im Ausland arbeiten. Die Verantwortlichen in Wladimir sollten deshalb die Umfrage des TV-Senders nicht leichtfertig abtun, sondern nach den Gründen fragen und Abhilfe schaffen.

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Wenig erfreuliche Zahlen gibt das Amt für Statistik der Region Wladimir bekannt. Die Bevölkerung schrumpft nämlich schier unaufhaltsam weiter, besonders im arbeitsfähigen Alter. Dafür nimmt die Gruppe der Rentner beständig zu, wobei schon ab dem Alter von 35 Jahren der Frauenanteil wächst und wächst.

Demographie 1

Konkret sieht das so aus: Anfang des Jahres 2013 lebten 1.421.700 Menschen im Gouvernement Wladimir, das eine Fläche einnimmt, so groß wie ganz Franken und die halbe Oberpfalz zusammengenommen. Damit hat die Region gegenüber dem Vorjahr 10.000 Einwohner verloren, eine Tendenz, die seit 1990 etwa in dem Rahmen beobachtet wird. Der Minusrekord wurde 2002 mit einem Rückgang um 19.000 Menschen verzeichnet. Das Zahlenverhältnis von Frauen zu Männern könnte zur baldigen Ausrufung des Matriarchats führen: 55% zu 45%. Auf 1.000 Männer kommen 1.217 Frauen. Der Knabenvorschuß, den die Natur mit 51,3% auch im Gouvernement Wladimir gewährt, ist bereits im Alter von 34 Jahren aufgebraucht. Arbeits- und Verkehrsunfälle, Alkohol, Drogen, Armee, Selbstmorde und vieles andere, was ein Männerleben gefährlich macht, sorgen für eine ebenso frühe wie harte „Auslese“. In der Altersgruppe bis 35 Jahren haben die Frauen bereits ein Mehr an einem halben Prozent, bis 55 Jahren ist daraus bereits ein Drittel geworden. Ab dann wird es dramatisch. Ein richtiger Riß geht durch die Geschlechter. Von 60 bis 64 Jahren stehen mehr als 60% Frauen knappen 40% Männern gegenüber, und ab einem Alter von 70 Jahren kommt es fast zu einer Zweidrittel-Gesellschaft mit einem Frauenanteil von 73,7%.

Arithmetik des Lebens: Wir müssen mehr werden

Arithmetik des Lebens: Wir müssen mehr werden!

Auch wenn ein kleines Plus bei der Geburtenrate zu vermelden ist und es jetzt im Vergleich zum Vorjahr um 1,7% mehr Kinder im Alter bis zu 15 Jahren gibt, ist der Anteil von Heranwachsenden an der Gesamtbevölkerung mit gerade einmal 15% freilich viel zu gering. Zumal es immer weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter gibt. Ihre Zahl ging im Zeitraum 2009 bis 2012 um 62.000 Frauen und Männer, von 888.000 auf 826.000, zurück, was gerade einmal 58% der Gesamtbevölkerung ausmacht. Dabei nahmen die Rentner im gleichen Zeitraum in absoluten Zahlen um 17.000 zu.

Demographie 3

Dieser Tendenz zur Selbstauslöschung etwas entgegenzusetzen, wird die Hauptaufgabe von Swetlana Orlowa sein, die heute als erste Frau ins Amt des Gouverneurs der Region Wladimir eingeführt wird. Ihr ist dabei in den nächsten fünf Jahren eine glückliche Hand zu wünschen.

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„Nach Angaben des Staatlichen Amtes für Statistik sterben die Russen vor allem daran, daß sie in Rußland leben.“ So lautet ein bitter-schwarzer Witz, der leider sehr nahe an der Wirklichkeit ist. Und der bei uns noch immer so gern gehörte Udo Jürgens würde mit seinem Altershit vor russischem Publikum schlichtweg als Zyniker gelten.
 

Engel Anton: "In meiner Kindheit hatten mich alle lieb, malten Bilder von mir..."

 
Aus den nun für 2011 veröffentlichten Zahlen für die Region Wladimir kann man bei der Demographie immerhin einen Trend zum Besseren ablesen: Die Sterblichkeit fiel von 18,7 im Jahr 2007 auf 17,1 je 1.000 Einwohner. Demgegenüber stieg die Geburtenrate im gleichen Zeitraum leicht von 10,1 auf 10,9 je 1.000 Einwohner. Besonders erfreulich der Rückgang der Kindersterblichkeit, die gegenwärtig bei 6,1 auf 1.000 Geburten liegt. Die Lebenserwartung hingegen beträgt gerade einmal gute 66 Jahre. Dabei ist zu bedenken, daß die Männer oft kaum die 60 erleben, während Frauen mit ihren immerhin 75 Jahren und ihrer Mehrheit den Schnitt nach hoben heben.

Nichts kommt unerwarteter als das Alter.

 
Experten sind sich einig: Die demographische Entwicklung läßt sich nur zum Besseren wenden, wenn das Gesundheitssystem effektiver wird und gleichzeitig vor allem die Männer mehr Fürsorge in eigener Sache betreiben und nicht länger nach dem Motto leben „live fast and die young“.
 

Humor kann sogar das Alter verschönern.

 
Vor allem aber – und den Zusammenhang kennt man ja auch in Deutschland – müssen sich die sozialen Verhältnisse ändern. 70% der Russen sehen sich trotz wachsendem Mittelstand noch immer in Armut oder zumindest von selbiger bedroht. Keine Umstände also, in denen man gern in Ruhe alt wird und wo mit 66 Jahren das Leben erst so richtig anfängt.

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Photo: P. Innokentij

Das Sterben der russischen Dörfer ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Auch nicht in der Region Wladimir. Das jedenfalls legen die Ergebnisse der jüngsten Volkszählung nahe. Es gibt immer mehr Orte, die zwar ihren Platz auf der Landkarte haben, im richtigen Leben aber längst ausgestorben sind, oft nicht einmal mehr intakte Häuser aufweisen. Noch mehr Dörfer gibt es, wo weniger als zehn Menschen übrig sind. Allein im Landkreis Jurjew-Polskij gibt es mehr als einhundert davon. Nehmen wir Choroschowka, 50 km von Jurjew-Polskij entfernt, wo nur noch Oma Lida lebt, die sich spaßeshalber die Bürgermeisterin nennt und doch traurig ist, daß die vierzig anderen Häuser des Dorfes mittlerweile alle leerstehen. Der nächste Ort zum Einkaufen ist fünf Kilometer entfernt. Noch kann sie mit dem Rad hinfahren – im Sommer. Im Winter schnallt sie sich die Skier unter.

 

Photo: P. Innokentij

Seit 2002 hat sich laut Statistik die Zahl der nicht mehr ständig bewohnten Orte um 66 erhöht, und 65 mehr Dörfer als 2002 gibt es heute, wo weniger als zehn Einwohner leben. Viel Arbeit noch für das Internetprojekt www.dead-cities.ru. Was das Sterben der Dörfer für die russische Kultur und das nationale Selbstbild bedeuten, wird die Zukunft zeigen. Eines ist klar: Viele dieser Ort werden nur durch den Zuzug von wohlhabenden Moskauern überleben, die sich hier ihre Datschen einrichten und das Land aufkaufen. Bleibt nur zu hoffen, daß die mehr mit sich und dem Landleben anfangen können als die Sommergäste im gleichnamigen Stück von Maxim Gorkij aus dem Jahr 1905. Die nämlich verlassen am Ende allesamt wieder die Datscha und kehren nach Moskau in ihr sinnentleertes Leben zurück.

 

 

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Statistiker bescheinigen den Erlangern, länger zu leben als alle anderen Einwohner Bayerns. Die hohe Ärztedichte, die vielen Kliniken, das Gesundheitsbewußtsein, die vielen Angebote einer Stadtverwaltung, die den gesamten Medizinbereich schon vor Jahren erfolgreich als strategisches Ziel ausgegeben hat, ausgewogene Ernährung… Der Faktoren mag es viele geben, die dazu führen, daß Frauen in Erlangen durchschnittlich 78 und Männer fast 76 Jahre alt werden.

Davon ist man in Wladimir leider noch weit entfernt, wenngleich sich eine erfreuliche Tendenz abzeichnet. Gegenüber der Volkszählung von 2002 hat der Zensus vom letzten Jahr nämlich bestätigt, daß die Lebenserwartung langsam, aber stetig steigt: Frauen erreichen nun im Schnitt 78, 5 und Männer 59,5 Jahre, fast zwei Jahre mehr als im Vergleichszeitraum. Doch die Freude wird getrübt, wenn man weiß, daß allein im Vorjahr von den mehr als 13.000 verstorbenen Männern in der Region Wladimir, fast die Hälfte noch nicht die Pensionsgrenze von 60 Jahren erreicht hat. Es herrscht also nach wie vor Damenwahl in Rußland – die Ergebnisse aus Wladimir sind mehr oder weniger landesweit übertragbar -, wo es allein in der Region Wladimir einen Frauenüberhang von 140.000 gibt. Ein demographisches Problem, das zu lösen in den nächsten Jahren für Rußland überlebenswichtig wird.

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