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Posts Tagged ‘Daniel Gossel’


Es gehört zu den schönen Gepflogenheiten von Lehranstalten, Jahresberichte herauszugeben. So ist soeben die Chronik 2016/2017 des Instituts für Fremdsprachen und Auslandskunde erschienen, das zusammen mit der Volkshochschule zu den Erlanger Bildungseinrichtungen mit der längsten und intensivsten Wladimir-Austauschpraxis gehört. Folgerichtig findet sich in der achtundachtzigseitigen Publikation auch nachstehender Bericht der vier Studentinnen, die im März für drei Wochen Erlangen erlebten:

Wir haben auf diese Reise ungeduldig gewartet, weil es für drei von uns vier die erste Bekanntschaft mit Deutschland war. Als wir zum Bordfenster hinaus auf die bayerischen Landschaften schauten, verliebten wir uns in die Natur Deutschlands. In Erlangen fuhren wir zuerst zum Institut, wo wir Heinz Römermann kennenlernten und von ihm einen Stundenplan bekamen (und sogar gleich die erste Hausaufgabe). Danach wurden wir von unseren Gastfamilien abgeholt. Das erste, was uns auffiel, war die Gastfreundlichkeit nicht nur unserer Gastfamilien, sondern auch die aller Menschen in Deutschland. Am nächsten Tag begann für uns der Schulalltag. Nach dem Unterricht hatten wir die Möglichkeit, durch die schöne und gemütliche Stadt Erlangen zu bummeln. Am Mittwoch wurden wir ins Rathaus eingeladen, wo man uns damit beehrte, die Bürgermeisterin kennenzulernen, welche uns freundlich empfing. Es war der 8. März, also der Weltfrauentag, und jede von uns bekam eine Blume, was wir nicht erwartet hatten, aber als sehr nett und aufmerksam empfanden.

Daniel Gossel, Alexandra Klemeschowa, Darja Lukjanowa, Marina Aljokina, Jelena Jewdokimowa, Tatjana Maier, Elisabeth Preuß und Heinz Römermann

In den nächsten drei Wochen besuchten wir viele fränkische Städte wie Bamberg, Rothenburg, Nürnberg und Forchheim. Am besten gefielen uns Bamberg und Rothenburg, weil wir uns in das Mittelalter versetzen konnten: keine Fabriken, keine mehrstöckigen Gebäude, nur Kirchen, Türme und natürlich das wunderschöne Panorama der Städte.

Wir hatten Glück, zwei Tage in der Hauptstadt zu verbringen. Trotz des Regenwetters konnten wir unseren Traum verwirklichen, Bilder vor dem Reichstag und dem Brandenburger Tor zu machen. Wir waren auch von der deutschen Küche begeistert. Sowohl in den Gastfamilien als auch in den Restaurants probierten wir verschiedene deutsche Spezialitäten aus wie z.B. Weißwürste mit Brezel, Schupfnudeln, Bratwürste mit Kartoffelsalat, Jägerschnitzel, Knödel und viele andere gute Speisen.

Abgesehen von den Ausflügen lernten wir natürlich auch. Unsere Bekanntschaft mit Erlangen begann ja mit dem Besuch des Instituts, wo wir die meiste Zeit verbrachten. Als wir unseren Stundenplan bekamen, verstanden wir, wie viel anspruchsvolle Arbeit auf uns wartete. Wir hatten jeden Tag Unterricht, und jede Stunde, die uns angeboten wurde, war sehr interessant. An unserem ersten Unterrichtstag lernten wir gleich einige Lehrer und Studenten kennen. Die erste Stunde war Landeskunde BRD bei Michael Süß. In diesen Stunden erfuhren wir einiges über das politische System der BRD und ihr Wahlsystem. Natürlich war uns vieles schon bekannt, aber trotzdem war alles sehr lehrreich. Die erste Stunde kam uns sehr kurz vor, weil wir in Wladimir nicht eine Stunde (45 Min.) haben, sondern immer Doppelstunden. Es war so ungewohnt, wenn jede Stunde so schnell zu Ende ging und wir uns zur nächsten Stunde zu beeilen hatten, damit wir nicht zu spät sind, denn es waren nur fünf Minuten Pause dazwischen! Bei uns sind immer 20 Minuten Pause dazwischen.

Birgit Tordinava, Oxana Löscher, Roland Kleiber, Heinz Römermann (stehend), Swetlana Steinbusch und Oxana Kirej (sitzend)

Besonders gut gefiel uns die Methodik des Übersetzens, weil wir an unserer Universität kein solches Lehrfach haben. Oxana Kirej zeigte uns die falschen Freunde des Übersetzens und wie man diese richtig übersetzt. Mit Swetlana Steinbusch übten wir, verschiedene Texte aus dem Deutschen ins Russische korrekt zu übersetzen und mit Heinz Römermann aus dem Russischen ins Deutsche. In der Methodik des Übersetzens von Birgit Tordinava lernten wir verschiedene Möglichkeiten, wie man richtig aus dem Russischen ins Deutsche (z.B. lange Genitivketten oder die Mengenangaben) übersetzen sollte.

Wir wunderten uns nicht nur über die große Auswahl an verschiedenen Übersetzungsthemen, sondern auch über die Außen- und Innenansicht der Institutsgebäude. Als wir diese zum ersten Mal sahen, hätten wir nicht gedacht, es handele sich hier um ein Institut, weil diese Gebäude den anderen bewohnten Häusern in der Umgebung sehr ähnlich sind. Die meisten Universitätsgebäude bei uns sind mehrstöckige Bauten, die sehr offiziell aussehen.

Es war für uns eine unvergeßliche Reise nach Deutschland, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Und natürlich hoffen wir, irgendwann wieder nach Erlangen zu kommen.

Marina Alekina, Jelena Jewdokimowa, Alexandra Klemeschowa und Daria Lukianowa

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Der Austausch mit Wladimir nimmt erst allmählich und etwas ruckelnd Fahrt auf. Während es im Vorjahr etwa einhundert Begegnungen zwischen den Partnerstädten gab, kamen heuer bisher fast mehr Absagen als Treffen zustande. So wurde etwa der Besuch des Wladimirer Mädchenchors am Christian-Ernst-Gymnasium wegen eines Wechsels in der Leitung auf November verschoben; eine Domra-Virtuosin, für den März angekündigt, sucht nach einem neuen Termin, weil ihre Begleitung erkrankt ist; für eine Hallenfußballmannschaft passen die angebotenen Tage nicht. Auch beim gestrigen Empfang – nicht von ungefähr am Internationalen Frauentag – für die Studentinnengruppe mit Bürgermeisterin Elisabeth Preuß fehlte eine Teilnehmerin am Austausch mit dem Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde – aus familiären Gründen, wie dessen Leiter, Professor Daniel Gossel, und Heinz Römermann, zuständig für den Fachbereich Russisch, erklärten. Aber immerhin sind nun vier angehende Germanistinnen mit – wie gewohnt im nun schon drei Jahrzehnte währenden Austausch mit der Universität Wladimir – ausgezeichneten Sprachkenntnissen für drei Wochen in Erlangen, um nach Stundenplan ein umfangreiches Lernpensum – mit Hausaufgaben! – abzuarbeiten: von der Stehgreifübersetzung über die Landeskunde, Schreib- und Sprechfertigkeit bis zur Idiomatik und Handelskorrespondenz. Zeit für Ausflüge in die nähere oder weitere Umgebung bleibt da fast nur am Wochenende.

Daniel Gossel, Alexandra Klemeschowa, Darja Lukjanowa, Marina Aljokina, Jelena Jewdokimowa, Tatjana Maier, Elisabeth Preuß und Heinz Römermann

Auch wenn alle vier ihr Studium noch in diesem oder im nächsten Jahr abschließen, wissen sie noch nicht so recht, wie ihre berufliche Perspektive aussehen könnte. Nur eines ist klar: Sie wollen etwas mit Deutsch machen, mit der Sprache, die sie alle verbindet, die ihnen am besten gefällt. Dabei haben sie ganz unterschiedliche Voraussetzungen. Für Marina Aljokina aus Susdal ist es schon die fünfte Reise nach Deutschland, das sie – einschließlich Erlangen – auf dem „Umweg“ über die Partnerstadt Rothenburg für sich entdeckt hat, während Alexandra Klemeschowa zum ersten Mal hier zu Gast ist. Beim Empfang auch dabei Tatjana Maier als eine der Gastgeberinnen, selbst Studierende am Institut, die dort ihre „vergessene Muttersprache“ – mit fünf Jahren kam sie als Spätaussiedlerin aus Kasachstan – systematisch erlernen will und, laut Heinz Römermann, für den Wladimir-Austausch „regelrecht prädestiniert“ erscheint. Um auch außerhalb des Unterrichts das Sprechen zu üben, gibt es übrigens im Club International der Volkshochschule, Friedrichstraße 17, schon am 14. März ab 19.45 Uhr mit dem Russisch-Deutschen Treffen die nächste Gelegenheit. Bestimmt eine Möglichkeit, auch die vier Besucherinnen aus Wladimir näher kennenzulernen.

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Da muß man schon lange suchen in der großen, weiten Welt der Erlanger Städtepartnerschaften – und das auch noch ohne rechte Aussicht auf Erfolg -, wenn man ein Austauschprogramm finden will, das, wie die Kooperation zwischen dem Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde (IFA) mit der Staatlichen Wladimirer Universität, auf eine 28jährige Tradition zurückblicken kann. Seit 1988 kommen Jahr für Jahr zwischen drei und fünf Lehramtskandidaten für Deutsch und eine weitere Fremdsprache aus der Partnerstadt, zumeist im dritten Studienjahr, immer vor Ostern für drei Wochen nach Erlangen, um hier den Unterricht zu besuchen (mit Prüfung und Zertifikat am Ende des Aufenthalts) sowie dank Familienunterbringung Land und Leute kennenzulernen. Im Herbst dann der Gegenbesuch aus Erlangen. Klingt so einfach, bedarf aber für Programm und Unterbringung eines Organisators wie Heinz Römermann, Fachbereichsleiter für Russisch, und eines Mentors wie Daniel Gossel, Direktor des IFA, auch wenn beide gegenüber Bürgermeisterin Elisabeth Preuß beim gestrigen Empfang im Rathaus betonen, die jungen Leute seien selbst schon zum treibenden Moment des Austausches geworden.

Alexandra Malyschewa, Stanislawa Winnikowa, Iwan Lawrentjew, Heinz Römermann, Daniel Gossel und Elisabeth Preuß

Alexandra Malyschewa, Stanislawa Winnikowa, Iwan Lawrentjew, Heinz Römermann, Daniel Gossel und Elisabeth Preuß

Es nutzt sich auch durch stete Wiederholung nicht ab: Gerade dieses Programm ist, um einen Begriff aus der Wirtschaftswelt zu verwenden, systemrelevant für die Städtepartnerschaft. Nach ihren Begegnungen hier und dort tauchen nämlich so gut wie alle jungen Leute in der einen oder anderen Rolle im Wechselspiel des Austausches wieder auf, bereichern als sprachliche Brückenbauer die Volksdiplomatie, entwickeln eigene, oft auch wirtschaftliche Initiativen. Nur ganz selten allerdings in dem Bereich, für den sie eigentlich ausgebildet werden, denn der Lehrberuf ist für die allermeisten Absolventen russischer Universitäten nicht attraktiv genug. Man fühlt sich beim Zuhören an die „Lehrer-Komödie“ von Christian Morgenstern erinnert, wo es heißt: „Die Armut der Lehrer, während die Staaten Unsummen für die Wehrmacht hinauswerfen. Da sie nur Lehrer für 600 Mark sich leisten können, bleiben die Völker so dumm, daß sie sich Kriege für 60 Milliarden Mark leisten müssen.“ Aber gleich wie und wo – Stanislawa Winnikowa, Alexandra Malyschewa und Iwan Lawrentjew, die Ende nächster Woche wieder die Heimreise antreten, werden, auch wenn sie nicht die Schullaufbahn wählen sollten, dabei helfen, die Verständigung zwischen Deutschen und Russen zu vertiefen. Und das ist fürwahr viel wert in diesen Zeiten.

P.S.: Iwan Lawrentjew hat dank dem Euroklub Wladimir bereits Erfahrung im Austausch mit Jena gesammelt. Davon demnächst mehr in Ihrem Blog.

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Zu den Pflichtaufgaben der Austauschgäste des Instituts für Fremdsprachen und Auslandskunde (IFA) gehört es, am Ende ihres Studienaufenthaltes einen Bericht über ihre Erfahrungen zusammenzustellen. Die fünfköpfige Gruppe Lehramtskandidatinnen von der Universität Wladimir, die am Sonntag die Heimreise antrat, hinterließ nun ihre Zusammenfassung der Erlebnisse, die zu lesen die reinste Kür darstellt:

Wir sind sehr froh, am Austauschprogramm der IFA teilzunehmen. Also, vom 23. Februar bis 15. März waren wir in Deutschland, haben viel Neues und Interessantes erlebt, sind sehr viel gereist, und so sind wir damit sehr zufrieden. Jeder Tag war einfach wunderschön, weil wir täglich eine gute Möglichkeit hatten, Deutsch zu sprechen, nicht nur im Alltagsleben, sondern auch während der Stunden.

Unser Leben in Erlangen war sehr interessant und inhaltsreich dank unseren Gastfamilien. Wir freuen uns darüber, dass wir diese drei Wochen mit solch angenehmen Menschen verbracht haben. Sie erzählten uns viel Interessantes über die Kultur und Geschichte Deutschlands, machten uns mit deutschen Bräuchen bekannt. In unseren Gastfamilien probierten wir nationale deutsche Gerichte, es schmeckte sehr gut. Außerdem unternahmen wir viel zusamnen, z.B. Kino- und Theaterbesuche, die Fahrt nach München. Wir sprachen viel Deutsch, was eine große Rolle in der Erweiterung unserer Sprachkenntnisse gespielt hat. Wir sind sehr dankbar dafür.

Xenia Semerikowa, Olga Karawajewa, Angelika Sergejewa, Xenia Dubowa, Kristina Kapsjonkowa, Daniel Gossel, Elisabeth Preuß und Heinz Römermann

Xenia Semerikowa, Olga Karawajewa, Angelika Sergejewa, Xenia Dubowa, Kristina Kapsjonkowa, Daniel Gossel, Elisabeth Preuß und Heinz Römermann beim Empfang im Rathaus

Zuerst möchten wir über unseren Unterricht erzählen. Wir hatten einige Stunden pro Tag, darunter waren solche Fächer wie Deutsch, Verhandlungsdolmetschen, Methodik des Übersetzens, Stegreifübersetzen, Idiomatik/Wortschatz. Die Lehrer waren sehr nett, hilfsbereit, kreativ, wir haben uns miteinander sehr gut verstanden. Während dieser Zeit haben wir viel Neues erfahren, z.B., wie man schwierige wirtschaftliche und politische Begriffe vom Russischen ins Deutsche richtig wiedergeben oder mit welchen Mitteln man verschiedene Texte  für den Leser verständlicher übersetzen kann. Besonders gut hat uns das Dolmetschen gefallen, weil wir in Wladimir keinen solchen Unterricht haben. Die Kenntnisse, die wir dank dieser Sprachkurse bekommen haben, sind für uns sehr wertvoll, und werden wohl nützlich für unsere Zukunft sein.

In Erlangen haben wir eine Menge interessanter Dingen erlebt. Wir haben verschiedene Sehenswürdigkeiten besichtigt und viele Veranstaltungen besucht. Natürlich war unsere Reise nicht nur auf Erlangen begrenzt. Es ist uns während dieser drei Wochen gelungen, auch andere Städte in Bayern zu erkunden. Wir waren in der atemberaubenden Stadt München. Dort besuchten wir den Olympiapark, die BMW-Welt, den Marienplatz. Wir haben auch einen Teil der Residenz angeschaut. Das war unvergesslich. Bei einem Besuch in Bamberg haben wir einen Rundgang durch den Dom untergenommen. Außerdem besuchten wir Rothenburg, Würzburg, Herzogenaurach (Adidas und Puma). Die Architektur, Parks, Plätze, Kirchen in diesen Städten haben einen großen Eindruck auf uns gemacht. Unsere Wochenende haben wir nicht nur in Erlangen, sondern auch in Nürnberg und sogar in Dresden und Salzburg verbracht.

Also, das war eine beeindruckende Reise, die uns Spaß und Glück gebracht hatte. Wir sind sehr dankbar für diese Möglichkeit, in Deutschland zu reisen und die Kultur dieses Landes kennenzulernen. Vielen Dank!

Siehe auch: http://is.gd/wWkg9r

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Bürgermeisterin Elisabeth Preuß hält Wort. Nach ihrer Wladimir-Reise  im Dezember hatte sie versichert, wegen der politischen Krise Gäste aus der Partnerstadt nun erst recht herzlich aufzunehmen, ihnen noch mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, und sie freut sich zu hören, daß sie sich auch in ihren Gastfamilien, am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde oder auf ihren Reisen überall willkommen fühlen. Apropos Reisen, Professor Daniel Gössel, Leiter des IFA, das seit 1988 alljährlich eine Studentengruppe aus Wladimir empfängt und eigene Studierende an die dortige Universität entsendet, ist schon etwas erstaunt über die Vielzahl der Ausflüge: Bamberg, Würzburg, München, Nürnberg, Dresden – und am Samstag gar noch Hohenschwangau, bevor es am Sonntag nach drei Wochen wieder nach Hause geht. Hätte er die Gäste nicht auch schon an seinem Institut empfangen, er würde gar nicht glauben, daß die Lehramtskandidatinnen überhaupt noch Zeit haben, am Unterricht teilzunehmen. Doch Heinz Römermann ist voll des Lobes. „Sie sind alle fleißig dabei und sollen am Ende ja auch eine Prüfung ablegen, wofür es ein Testat gibt.“ Der Fächer sind dabei gar nicht so wenige: Übersetzung Russisch-Deutsch und Deutsch-Russisch, Wortschatz und Idiomatik, Methodik des Übersetzens, Stehgreifübersetzung in beiden Sprachen. Und dann sei da ja noch, so der Leiter des Fachbereichs Russisch, der Bericht über ihren Aufenthalt, den die Besucherinnen zu schreiben haben.

Xenia Semerikowa, Olga Karawajewa, Angelika Sergejewa, Xenia Dubowa, Kristina Kapsjonkowa, Daniel Gossel, Elisabeth Preuß und Heinz Römermann

Xenia Semerikowa, Olga Karawajewa, Angelika Sergejewa, Xenia Dubowa, Kristina Kapsjonkowa, Daniel Gossel, Elisabeth Preuß und Heinz Römermann

Begeistert sind sie ausnahmslos, besonders von ihren Gastfamilien, denen ein großer Dank gilt. Begeistert aber auch vom Unterricht – und überhaupt. Nur die Begeisterung für den Beruf, für den sie vorbereitet werden, hält sich in Grenzen. Nur eine aus der Gruppe erwägt ernsthaft, Fremdsprachenlehrerin zu werden. Alle übrigen wollen sich anderweitig orientieren. Eine Tendenz, die schon seit Jahren zu beobachten ist und sicher nicht nur mit den ausgesprochen bescheidenen Verdienstmöglichkeiten zu tun hat. Das ganze Umfeld für den Lehrerberuf ist in Rußland alles andere als attraktiv, besonders für solche, die auch noch Fremdsprachen unterrichten. Da steht nämlich die Forderung des Kulturministers, Wladimir Medinskij, im Raum, man solle die Zahl der Unterrichtsstunden für Englisch, Deutsch & Co. zu Gunsten von Russisch zurückfahren. Mehr noch: Irina Jarowaja von der Kreml-Partei Einiges Rußland weiß viele Kohorten hinter sich, wenn sie Fremdsprachen für unpatriotisch hält und aus dem Abitur herausnehmen will. Andernfalls könnte man ja denken, „man erziehe Weltbürger“. Besonders gegen eine zweite Fremdsprache zieht sie zu Felde, denn: „Wie sollen wir da unsere Traditionen bewahren?“ Den Vogel schießt freilich Nikolaj Kossarjew, Rektor der Ural-Universität, ab, der unlängst bei einem Treffen mit Pädagogen sagte: „Ich sehe, heute haben sich im Saal vor allem Frauen eingefunden. Ich gebe Ihnen den Rat, sich mehr auf ihre persönlichen Dinge zu orientieren und einen vermögenden Mann zu finden. In Rußland gibt es viele gute Kerle, Bergleute…“ Um nur auch ja richtig verstanden zu werden, fügte das Mitglied im Sachverständigenrat für Hochschulbildung der Staatsduma auch noch an: „Ich glaube, jede Frau findet ihr Glück in der Familie. Arbeiten sollte sie nicht des Geldes wegen, sondern, wie man so sagt, als Kür. Damit sie gar nicht an diese Kopeken denken braucht. Unterstützen müssen sie die Männer mit dem richtigen Einkommen. Andernfalls verwandelt sich bei uns die Frau in ein Pferd, das 40 Stunden ackert und dann auch noch lieben, erziehen und den Haushalt führen soll. Ich meine das ganz aufrichtig und weiß, was ich sage.“ Wer wollte es da Lehramtskandidatinnen noch verübeln, wenn sie ihrerseits „njet“ sagen!

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An ihrem Besprechungstisch nehmen immer wieder Besucher aus Wladimir Platz. Besonders freut sich Elisabeth Preuß natürlich über Gäste, mit denen sie sich auf Deutsch unterhalten kann. ohne die Vermittlung durch einen Dolmetscher. Da verwundert es nicht, wenn sich die Bürgermeisterin gestern deutlich mehr Zeit als üblich für den Empfang der vier Pädagogikstudentinnen von der Staatlichen Universität Wladimir nahm, die derzeit für drei Wochen am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde hospitieren und lebhaft von ihren vielen schönen Eindrücken der ersten Tage in ihren Gastfamilien berichteten: von Ausflügen nach Bamberg und Coburg oder Nürnberg, vom interessanten Lehrprogramm, aber auch von den anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Fränkischen, auf das sie im Studium nicht vorbereitet wurden. Tatjana Chwalowa formulierte das so: Schon am ersten Tag, sei ihr Mund „kaputt“ gewesen vor lauter Staunen, Nachfragen, Lachen und Erzählen.

Tatjana Chwalowa, Leiter, Elisabeth Preuß, Heinz Römermann, Xenia Saweljewa, Maria Bojarschinowa und Olesja Godunko

Tatjana Chwalowa, Prof. Daniel Gossel, Elisabeth Preuß, Heinz Römermann, Xenia Saweljewa, Maria Bojarschinowa und Olesja Godunko

Die Lehramtskandidatinnen, begleitet vom Institutsdirektor, Prof. Daniel Gossel, und Heinz Römermann, Bereichsleiter für Russisch, setzen mit ihrem Aufenthalt eine in der Städtepartnerschaft einzigartige Tradition fort, die ununterbrochen bis ins ferne Jahr 1988 zurückreicht, in eine Zeit lange vor ihrer aller Geburt, einen Austausch, der steht und fällt mit der Gastfreundschaft von Erlanger Familien. Eine von ihnen ist nun verwaist. Erika Bosanyi, am 16. März 89jährig verstorben, wird heute zu Grabe getragen.

Erika Bosanyi mit Irina Makarowa und deren Sohn Grigorij

Erika Bosanyi mit Irina Makarowa und deren Sohn Grigorij 2012

Im Hause der Verstorbenen am Burgberg gingen Gäste aus Wladimir gern ein und aus, hier gab es stets einen reich gedeckten „Russentisch“, hier fand sich auch immer wieder ein Bett für Besucher, hier schlug ein großes Herz für die Partnerschaft. Erika Bosanyi brauchte man nie lange zu bitten, wenn Hilfe für die Partnerstadt notwendig war. Ohne viel Aufhebens zu machen, übernahm sie meist sogar selbst die Initiative, bot ihre Unterstützung bei der Unterbringung von Gästen aus der Partnerstadt an, organisierte eigene Hilfsaktionen und Sammlungen für Wladimir. Mit ihr verliert die deutsch-russische Freundschaft ein stilles Lächeln, eine leuchtende Seele, einen offenen Geist.

Erika Bosanyi 1

Erika Bosanyi würde es weit von sich weisen, dennoch soll es gesagt sein: Sie, die Krieg und Vertreibung am eigenen Leib hat erleben müssen, hinterläßt in ihrem so freundlichen Wirken ein Vermächtnis, das uns Hinterbliebene gerade in diesen Tagen, wo West und Ost so unvermittelt wieder in Gedanken, Worten und Taten gegeneinander aufrüsten und zu Felde ziehen, dazu verpflichtet, den Frieden untereinander zu wahren, unsere Völker zusammenzubringen und im kleinen das große Versöhnungswerk zu leisten. Sie hat es vorgemacht, und wir sind es ihr schuldig, darin nicht nachzulassen. Gerade jetzt nicht, wo es wieder einmal darauf ankommt. Desto mehr fehlt sie uns allen, hier in Erlangen wie in Wladimir.

Mehr zu Erika Bosanyi unter: http://is.gd/QHK1yb

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Daniel Gossel, habilitierter Leiter des Instituts für Fremdsprachen und Auslandskunde, staunte gestern nicht schlecht, als er am Nachmittag zusammen mit Heinz Römermann, Fachbereichsleiter Russisch, die fünf Studentinnen aus Wladimir zum Abschluß ihres dreiwöchigen Aufenthalts zusammen mit einigen der Gastgeber empfing, um die Zertifikate zu überreichen. Da waren einerseits die erfreulich guten Zensuren, andererseits kam aber auch die Frage auf, wann die Besucherinnen denn angesichts des Ausflugsprogramms mit all den vielen Stationen zwischen Prag und Paris auch noch Zeit für den Unterricht gefunden haben. Und ob da überhaupt noch Zeit für Erlangen blieb? Wie auch immer: Es ist ihnen mit Hilfe ihrer Gastfamilien gelungen, das Angenehme nützlich zu machen und zu erfahren, wie angenehm das Nützliche am Institut ist. Eine gute Mischung, die offenbar Lust und Appetit auf eine Fortsetzung des Austausches macht. Hier wie dort. Ganz im Sinne der Partnerschaft.   

Heute geht es wieder nach Wladimir zurück. Zurück bleiben gute Erinnerungen, wichtige Erfahrungen – und der kollektiv von Rusanna Selimjan, Natalia Talatina, Anastasia Jermakowa, Elina Dworowa und Jekaterina Fedina zusammengestellte Bericht über den Aufenthalt in Erlangen und anderswo. Voilà!

In diesem Jahr haben wir eine gute Möglichkeit bekommen, nach Deutschland zu fahren, weil Erlangen und Wladimir seit langem Partnerstädte sind. Wir waren sehr froh darauf, weil unsere Reise nicht nur Bekanntschaft mit dem studentischen Leben, sondern auch mit dem Land als Ziel hatte. Und einige von uns waren hier zum ersten Mal.

Vor der Reise setzt man sich noch einmal. Stehend ein Gastgeber-Trio, Daniel Gossel und Heinz Römermann.

Vor der Reise setzt man sich noch einmal. Stehend ein Gastgeber-Trio, Daniel Gossel und Heinz Römermann.

Unter den Glückspilzen, die an dem studentischen Austausch teilgenommen hatten, waren Natascha, Rusanna, Elina, Anastasia und Katarina.

Rusanna hat bei der Familie Fischer im Haus gewohnt, das nicht weit vom Institut liegt. „Ich freue mich sehr, dass ich in diesem schönen Teil der Stadt gewohnt habe. Meine Gastfamilie war sehr lieb und nett. Jedes Wochenende unternahmen wir verschiedene Reisen mit dem Auto. Wir besuchten viele schöne Orte und Städte, wie zum Beispiel Bamberg, Würzburg, München, Prag. Außerdem gingen wir auch einzukaufen, und zwar in Herzogenaurach, Arkaden und so weiter. Im Bamberger Dom wunderte ich mich sehr, wie viel Neues und Interessantes meine Gastfamilie Natascha und mir erzählt hatte. Familie Fischer schlugen uns selbst vor, was zu besuchen. Eines der interessantesten Erlebnisse für mich war auch die Möglichkeit, ein Orgelkonzert zu besuchen. In München sahen wir Olympisches Stadion, BMW-Welt und besuchten Marienplatz, Frauenkirche, Hofbräuhaus, Englischer Park. Jeden Abend freute ich mich über ein richtiges deutsches Abendessen und genoss frische Brötchen, Orangentee und viele fränkische Spezialitäten. Bei der Familie Fischer fühlte ich mich wie zu Hause.“

Natascha schreibt: „Ich habe in der Familie von Mirena Atanasova gewohnt. Wir haben sehr viel Zeit miteinander verbracht: sind ins Kino, Cafés, Restaurants gegangen, haben Eishockey und Fußball auf dem Stadion gesehen und Mirenas Geburtstag gefeiert. Ich habe Mirenas Familie kennengelernt, und alle Familienmitglieder sind nett und freundlich zu mir gewesen. Ich bin Mirena sehr dankbar dafür, dass ich so viel Neues und Interessantes über Deutschland, Deutsche, Bayern und Franken erfahren habe. Ich habe sogar typisches Essen probiert, zum Beispiel Spanferkel mit Kloß und Sauerkraut, Käsespätzle, Weißwurst mit Brezel, Currywurst, Obazda, Rulade, Pfefferkarpfen, Apfelstrudel und anderes. Manche Freunde und Bekannte von Mirena haben fränkisch gesprochen, und es ist interessant gewesen, mich mit ihnen zu unterhalten. Ich habe sogar auch einige neue Wörter gelernt. Ich habe auch viel gereist, ich bin in Nürnberg, Bamberg, Würzburg, München und in Frankfurt gewesen. Alle Städte sind wunderschön, aber Erlangen und Tennenlohe, wo ich gewohnt habe, liegen mir besonders am Herzen. Ich bin hier wie zu Hause. Also ich bin mit meiner Reise sehr zufrieden und will unbedingt irgendwann zurückkommen.“

Elina, Anastasia und Katarina wohnten in Nürnberg bei Anna und Angelina, die im September nach Wladimir gekommen waren. So waren wir schon in Kontakt und freuten uns auf Treffen mit unseren Freunden. Man empfang uns ganz warm, und wir fühlten uns wie zu Hause. Während dieser drei Wochen unternahmen wir viel Interessantes. Wir besuchten verschiedene Städte in Deutschland, und zwar München, Würzburg, Bamberg. Wir bewunderten diese Städte, ihre Architektur, Fachwerkhäuser, alte Burgen und unzählige Sehenswürdigkeiten, die aus den alten Zeiten stammen. Außerdem bemerkten wir, dass die Deutschen sehr hilfsbereit und gastfreundlich waren. Wir genossen auch das studentische Leben an der Universität. Unsere Kommilitonen waren offenherzig und gutmütig. Etwas schien uns ein bisschen komisch, z. B. dass die Studenten während des Unterrichts essen und trinken dürfen oder dass sie beim Eintritt des Lehrers nicht aufstanden. Aber im Großen und Ganzen fiel uns die Demokratie des Unterrichts, Meinungsfreiheit und warme Verhältnisse zwischen den Lehrern und Studenten auf. Die Lehrkraft war nicht nur hochqualifiziert, sondern auch immer bereit, allen zu helfen. Sie wollte immer sicher sein, dass alle mitkommen und den Lehrstoff verstehen. Wir als zukünftige Lehrer könnten uns an ihnen ein Beispiel nehmen. Das Studium selbst war sehr interessant. Wir wurden in vielen neuen Fächern unterrichtet. Zum Beispiel hatten wir Verhandlungsdolmetschen. Einerseits war das ziemlich schwer für uns, andererseits konnten wir dadurch unsere Sprachkenntnisse prüfen.

Da wir in Nürnberg wohnten, besuchten wir dort verschiedene Museen. Mit Frau Kirey gingen wir ins Museum der Nürnberger Prozesse. Das Memorium wurde im Jahr 2010 eröffnet, aber es ist schon sehr bekannt, die Exposition ist modern und erzählt ausführlich über den Gang der Nürnberger Prozesse. Wir waren auch im Albrecht-Dürer-Haus, wo wir über das Leben und Schaffen eines der größten deutschen Künstler erfahren hatten, und im Spielzeugmuseum.

Es war uns auch gelungen, Paris in Frankreich und Prag in der Tschechischen Republik zu besichtigen. Diese Reisen waren für uns auch lehrreich und unvergesslich, da wir eine bessere Vorstellung über das Leben in europäischen Ländern bekommen hatten.

Wir bekamen unschätzbare Erfahrung, schöne Erlebnisse und es war eine gute Sprachpraxis. Wir sind den Organisatoren des studentischen Austausches und auch unseren Gastfamilien sehr dankbar, dass wir so eine Möglichkeit bekommen haben.“

Mehr zum Aufenthalt der Studentinnen unter: http://is.gd/4BUv85

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