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Posts Tagged ‘Cornelia Bartlau’


2003 startete Cornelia Bartlau, damals noch Streetworkerin in Jena, das Programm Mix-Tour gemeinsam mit dem Euro-Klub in Wladimir. Mit großem Erfolg, denn die Jugendbegegnungen finden seither Jahr für Jahr statt, und seit dem 14. April gastiert auch wieder ein Gruppe aus Jena in der russischen Partnerstadt.
Sogar ein TV-Sender berichtete bereits über das zwölftägige Treffen, zu dessen Programm auch der Besuch von Schulen und sozialen Einrichtungen gehört. Klar, die Jugendlichen aus Jena sind begeistert, wollen auch etwas über ihre Stadt und deren sieben Wunder erzählen, besonders aber erfreut das Interesse der Gastgeber an den Besuchern.
Eine Schülerin spricht aus, was alle denken: „Es begeistert mich, die Gelegenheit zu haben, mit Menschen verschiedener Nationalitäten Austausch zu haben und dabei etwas über sich selbst und die anderen zu erfahren. Ich lerne schon sieben Jahre Deutsch, habe gewissen Kenntnisse und hoffe, es wird alles klappen, wenn mir die Lehrerin hilft.
17 Gäste, 17 Erlebnisse und Erfahrungen – zu multiplizieren mit dem Faktor x, der für Begegnungen steht. Da wird es bald wieder viel zu berichten geben. Anna Kulakowa – sie begleitet die Gruppe aus Jena – jedenfalls hat versprochen, noch einen Bericht für den Blog zu liefern. Ein wenig Geduld noch, um mehr vom achten Wunder der Zusammenarbeit zwischen Jena und Wladimir zu erfahren.

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Heuer feiert der Euroklub Wladimir sein zwanzigjähriges Bestehen. Da liegt es nahe, alle Veranstaltungen diesem Jubiläum zu widmen. Und so begann denn das Jahr auch gleich mit einem „Weihnachtszauber“, den der Euroklub zusammen mit dem Haus des Friedens auf einer Reise durch Polen, Deutschland und Frankreich aufführte – mit einem Abstecher nach Jena an Dreikönig, zum orthodoxen Weihnachtsfest.

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Jelena Guskowa und Swetlana Grigorjewa auf der Gedenkstätte Treptow in Berlin                    

In Berlin besuchte die Gruppe das Museum Karlshorst und machte natürlich auch eine Stadtrundfahrt zum Thema der zwei deutschen Staaten und ihrer Beziehung zu Rußland im Geist der Zusammenarbeit und Freundschaft. In Jena dann kam es – nicht zum ersten Mal – zu einem Treffen mit Jugendlichen und Freiwilligen aus unterschiedlichen Ländern. Die russischen Gäste zeigten, wie man Spielsachen bemalt, sangen Lieder, aßen und feierten bis in die Nacht hinein zusammen. „Eine gelungene Begegnung“, meint denn auch Jelena Guskowa, die Leiterin der Euroklubs, zumal die Führungen und Ausflüge von Gästen aus Wladimir übernommen wurden, die derzeit in Jena ehrenamtlich tätig sind.

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Iwan Nisowzew, Jelena Guskowa und Nikolaj Tschebanow

Es ist in Jena vor allem die Eurowerkstatt, die diesen Kontakt hält und ausbaut und für die derzeit gleich vier Namen stehen: Iwan Nisowzew, Anja Kulakowa, AKristina Samijewa, Uljana Tschkalowa und Jakow Blochin. Auf deutscher Seite vor allen anderen zu nennen: Cornelia Bartlau, die den Jugendaustausch mit Wladimir schon lange vor der offiziellen Begründung des Partnerschaftsdreiecks Erlangen – Jena – Wladimir im Herbst 2008 ins Werk gesetzt hatte. Im März schon ist die nächste Reise der Euroklubs nach Jena geplant – dann hoffentlich auch mit einem Zwischenhalt in Erlangen.

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Selten wurde ein Titel für eine Veranstaltung so treffend gewählt wie gestern für die „Buchpräsentation und Bürgerbegegnung“ in den Rosensälen der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Jetzt, im Nachhinein, könnte man allenfalls noch anfügen: „Festliches Arbeitstreffen des Partnerschaftsdreicks Erlangen – Jena – Wladimir“.

Ludmila Gorbatowa und Cornelia Bartlau

Anna Kulakowa und Cornelia Bartlau

Cornelia Bartlau, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Jena und seit vielen Jahren geschickte Moderatorin vor allem des Jugendaustausches mit Wladimir, eröffnete in Vertretung des erkranken Oberbürgermeisters, Albrecht Schröter, den Reigen der Auftritte, gewidmet der Vorstellung des Sammelbandes „Komm wieder, aber ohne Waffen!“, erschienen im Dezember vergangenen Jahres.

Peter Steger und Peter Röhlinger

Peter Steger und Peter Röhlinger

Gekommen war aber auch Peter Röhlinger, der in seiner Zeit als Oberbürgermeister von Jena mit dem ersten Verwaltungsseminar für Fachleute aus Wladimir bereits 1992 den Grundstein für die heute so lebendigen Beziehungen im Zusammenwirken mit Erlangen gelegt hatte. Im Mai 2015 war er zum bisher letzten Mal in Wladimir und frischt seither sein Russisch an der Volkshochschule auf, das er hofft, bald auch wieder in der alten Hauptstadt der Rus praktizieren zu können.

Tanzensemble des Euroklubs

Tanzensemble des Euroklubs

Das Kulturprogramm, zusammengestellt unter der Regie von Iwan Nisowzew, Mitglied der Deutsch-Russischen Arbeitsgruppe in Jena, überraschte durch die Vielfalt aus Tanz, Musik und Gesang, dargeboten von der Tanzgruppe des Euroklubs Wladimir sowie dem Russischen Chor Diamant Jena.

Peter Steger, Günter Kuhne und Ludmila Tatarnikowa

Peter Steger, Günter Kuhne und Ludmila Tatarnikowa

Ehrengast der Veranstaltung war freilich Ludmila Tatarnikowa vom Russischen Generalkonsulat in Leipzig, wo man die Verbindung Jena – Wladimir mit viel Wohlwollen begleitet. Gerade diese Zeichen der Versöhnung – wie der Veteranenband – seien in Zeiten der politischen Spannungen, wie die Diplomatin meinte, von gar nicht zu überschätzender Bedeutung für das deutsch-russische Verhältnis.

Peter Steger

Peter Steger

Die Idee, den Autor des Buches nach Jena einzuladen, hatte Iwan Nisowzew, der im Dezember zur Präsentation nach Erlangen gekommen war. Und es gelang ihm, für sein Vorhaben eine beeindruckende Riege von Unterstützern zusammenzustellen: das Institut für Auslandsgermanistik der FSU Jena, die Eurowerkstatt Jena, den Verein Lesezeichen, die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, das Russische Internationale Jugendzentrum, die ÜAG Jena, die Stiftung West-Östliche Begegnungen und natürlich die Stadt Jena. Gratulation!

Russischer Chor Diamant

Russischer Chor Diamant

Die Begegnung erlebte freilich ihren Höhepunkt mit der Stehgreifrede von Günter Kuhne aus Gera, dem es packend gelang, die Zeitspanne zwischen seiner Einberufung als 17jähriger zur Wehrmacht bis zu seiner Entlassung aus der Gefangenschaft mit 24 Jahren zu beschreiben. Natürlich nachzulesen auch in dem Band, aber blaß in den Farben angesichts seiner lebendigen Schilderung.

Günter Kuhne

Günter Kuhne

Und – in der Publikation nicht enthalten: Günter Kuhne zeigte ein Bild von sich, das im Gefangenenlager Wladimir von ihm gemacht wurde, wie von allen seinen Kameraden. Ordentlich gekleidet war der heute 90jährige, nicht unterernährt, denn: „Alles in allem ging es uns nicht schlechter als der Zivilbevölkerung.“

Iwan Nisowzew

Iwan Nisowzew

Im Publikum eine Gruppe des Euroklubs Wladimir unter Leitung von Jelena Guskowa, jener Organisation, die Jugendlichen in der Partnerstadt die weite Welt näherbringt und regelmäßig Reisen in die Partnerstädte und weit darüber hinaus anbietet. Dieses Mal geht es via Jena über Brüssel bis nach Paris, und einen alten Freund aus Erlangen trifft die Besucherin dann auch noch. Wie das eben die wohlmeinende Regie der Partnerschaft manchmal so einrichtet.

Dieter Argast und Jelena Guskowa

Dieter Argast und Jelena Guskowa

Tief beeindruckt zeigen sich die Jugendlichen von dieser ersten Begegnung mit einem deutschen Kriegsveteranen. Viel zum Nachdenken gibt das, wenn man auch die bisher unbekannte andere Seite des Krieges kennenlernt.

Die Jugendgruppe des Euroklubs

Die Jugendgruppe des Euroklubs Wladimir

Wir wissen nun nicht, wie die Gäste aus Wladimir diese Erfahrungen verarbeiten, aber für Frieder Abendroth vom Christlichen Gymnasium Jena ist das Ziel klar: Bis zum Herbst muß er seinen Teil einer Seminararbeit fertighaben, an der noch zwei weitere Klassenkameraden mitarbeiten. Um den Part von Städtepartnerschaften im großen Konzert der Politik geht es, und der 17jährige untersucht dazu das Dreieck Erlangen – Jena – Wladimir, während die beiden anderen sich um Jenas Verbindung zu Aubervilliers in Frankreich und San Marcos in Nikaragua kümmern.

Frieder Abendroth

Frieder Abendroth

Mehr braucht dazu heute nicht verraten zu werden, denn zumindest auszugsweise wird die Gemeinschaftsarbeit sicher in einigen Monaten hier im Blog zu lesen sein. Viel Erfolg schon jetzt – und nochmals Dank an die großartigen Gastgeber in Jena.

 

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In ihrem kurzen Vorwort zu dem Bildband „Zehn Mal Mixtour“ wundern sich die beiden Initiatoren des Projekts, Cornelia Bartlau und Thomas Grund alias Kaktus, selbst über den Erfolg. Mehr als 300 Jugendliche aus Jena und Wladimir hat das Programm zusammengeführt, von dem es heißt:

Die Begegnungen lebten von dem gegenseitigen Interesse der Jugendlichen, von ihrer Offenheit und Toleranz. Jede Reise war ein Abenteuer, schon vom ersten Vorbereitungstreffen, der Visabeschaffung bis zur Heimreise. Die Teilnehmer und auch zahlreichen Betreuer aus beiden Städten haben Erfahrungen gesammelt und Freunde gewonnen, die sie nicht mehr missen möchten.

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Entstanden ist das Austauschprogramm, wie Cornelia Bartlau im Gespräch mit der Thüringischen Landeszeitung erklärt, „als Frucht der Städtepartnerschaft Jenas mit Erlangen“. Finanzielle Hilfe, so die Koordinatorin, die heute hauptberuflich als Gleichstellungsbeauftragte in der Jenaer Stadtverwaltung arbeitet, über mehrere Stiftungen und den Ortschaftsrat von Jena-Nord erhalten.

Mixtour 2

Besonders gelungen an der Publikation ist die Auswahl von Eindrücken, die Jugendliche bei dem Austausch gewonnen haben. So schreibt zum Beispiel M. W. aus Jena abschließend:

Alles in allem ist das Leben in einer Gastfamilie ideal, um das wirkliche russische Leben kennenzulernen und nicht nur einfacher Tourist zu sein. Ich kann das nur jedem anderen Jugendlichen empfehlen.

Oder Marina Chorkowa aus Wladimir meint:

Dieser Jugendaustausch war für mich am besten. Obwohl wir andere Sprachen sprechen, fühlten wir keine Grenzen. Wir haben uns sehr angefreundet und wurden eine große Familie.

Mixtour 3

Das Erfolgsrezept der deutsch-russischen Begegnungen liegt möglicherweise in den wechselnden Schwerpunkten mit immer neuen Themen. Mal sind es die Spuren von Deutschen in Wladimir, mal ist es ein Kunstprojekt, die Sozialarbeit oder die Umwelt, jedenfalls immer ein Thema an dem die Jugendlichen gemeinsam arbeiten, wobei die deutschen Pädagogen auch Unterschiede erkennen und benennen:

Methodisch im Vordergrund stand für uns als Organisatoren und Betreuer die eigenständige Herangehensweise an die Aufgaben durch die Jugendlichen. Seitens der russischen Organisatoren wurde dies nicht immer gewährleistet, da sie die Jugendlichen nicht loslassen, sie also ständig begleiten und ihnen in touristischer Tradition Vorträge über Sehenswürdigkeiten oder Schauplätze der Geschichte bieten. Das Gefühl, etwas selbst entdeckt zu haben, gibt es dabei nicht.

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Aber, wie ein russisches Sprichwort sagt: „Der eine hat den Dill, der andere die Gurken.“ Erst die unterschiedlichen Zutaten ergeben den Geschmack der Freundschaft und Partnerschaft, lassen die Mixtour gelingen. Hoffentlich auch für die Zukunft besonders dieses Projekts angesichts der russischen Krise, die natürlich besonders junge Menschen treffen wird, die noch kein eigenes Geld verdienen.

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Über den Austausch mit Jena hat die TV-Station der Universität Wladimir übrigens eine Reportage gedreht, die von Minute 11 bis 15.30 unter http://is.gd/sYDJuL zu sehen ist.

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Ende Oktober war wieder eine Jugendgruppe aus Wladimir in Jena, wieder bei der im Austausch so rührigen Überbetrieblichen Ausbildungsgesellschaft und wieder betreut von Iwan Nisowzew und Anna Kulakowa, die auch den Bericht für den Blog geschickt hat, einen Rückblick, der zeigt, in welch guter Tradition der Jugendaustausch sich im Partnerschaftsdreieck Wladimir – Erlangen – Jena gestaltet.

Drei ereignisreiche Tage verbrachte eine Delegation aus Wladimir in der Saalestadt Jena. Eine insgesamt 45-köpfige Gruppe aus Schülern, Studenten und Lehrern besuchte die historische Lichtstadt. Nach einem schönen Kurzbesuch in Dresden waren die russischen Gäste am 27. Oktober in das Jugendzentrum „Treffpunkt“ in Jena eingeladen. Auf ein leckeres Abendessen folgte der deutsch-russische Rundtisch. Nadine Marika Schwinkowski, Absolventin der Überbetrieblichen Ausbildungsgesellschaft in Jena, zeigte eine zweisprachige Präsentation über den Jugendaustausch im Juli 2013 und berichtete über ihre durchweg positiven Eindrücke von der Reise nach Wladimir. Es war sehr angenehm, schöne Worte über meine Heimatstadt von unseren deutschen Freunden zu hören! Danach sprach Georg Schneider, der Vertreter des Erlanger Jugendparlaments, über Aktivitäten im Zuge des Austausches, und die drei Mitglieder des Jenaer Jugendparlaments, Florian Dossin, Philipp Oberthür und Ole Breither , berichteten über ihre gemeinnützigen Tätigkeiten.

Gruppenbild mit Anna Kulakowa in der Hocke

Gruppenbild mit Anna Kulakowa in der Hocke

Mit diesen Gästen besprachen die russischen Jugendlichen zukünftige Projekte, die junge Leute aus Wladimir, Erlangen und Jena gemeinsam verwirklichen könnten. Beide Seiten diskutierten hitzig. Deshalb waren die Ideen so unterschiedlich und kreativ. Es gab Vorschläge, ein Blumenbeet der Freundschaft in Wladimir zu pflanzen, eine Straße mit farbigen Handabdrücken in Jena zu verzieren oder ein „Wladimir-Haus“ in Jena / Erlangen als Zentrum der russischen Sprache und Kultur zu gründen. Die Hauptaufgabe war erfüllt: Brücken zueinander wurden geschlagen.

Georg Schneider und Anna Kulakowa

Georg Schneider und Anna Kulakowa

Am 28. Oktober führte Iwan Nisowzew, Student der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die russischen Gäste durch die Stadt und zeigte ihnen die Sehenswürdigkeiten. Am Vormittag fand ein Workshop „Musik verbindet“ im Café Wagner statt. Dieser wurde von den zwei musikalisch begabten jungen Männern, Markus Messerschmidt und Johannes Sturm, Absolventen der Staatlichen Berufsbildenden Schule für Gesundheit und Soziales, extra für die Delegation aus Wladimir durchgeführt. Beide hatten schon am Austausch im Juli 2013 teilgenommen.

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Ole Breither, Florian Dossin und Philipp Oberthür vom Jenaer Jugendparlament bei ihrer Präsentation

Am Abend reisten die Gäste aus Wladimir dann weiter nach Italien.

Ohne Fleiß kein Preis, auch nicht in der deutsch-russischen Küche: Anna Kulakowa

Ohne Fleiß kein Preis, auch nicht in der deutsch-russischen Küche:  Nadine Marika Schwinkowski und Anna Kulakowa

Dank sagen wir den Organisatorinnen dieses Programms, der Leiterin des Euroclubs in Wladimir, Jelena Guskowa, und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Jena, Cornelia Bartlau, dank deren Hilfe diese Reise verwirklicht werden konnte. Herzlichen Dank auch den Jugendlichen Markus Messerschmidt, Johannes Sturm, Nadine M. Schwinkowski, Anastasiya Aveiro und den Jugendparlamentariern für ihre Hilfe und die Beiträge im Programm.

Anna Kulakowa

Und weil sie so schön waren, hier noch einmal die Links zu den beiden Reiseberichten von Georg Schneider http://is.gd/L7w5Za und Anna Kulakowa http://is.gd/z7SVNg.

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Während die Hauptgruppe aus Erlangen vom 29. Mai bis 2. Juni zum dreißigjährigen Partnerschaftsjubiläum reiste, war ein gutes Dutzend Gäste schon einige Tage vorher nach Wladimir gekommen. Darunter auch Dieter Argast, dessen Bericht heute den Blog schmückt:

Zum fünften Mal besuchte ich vom 20. Mai bis 2. Juni zum dreißigjährigen Jubiläum unsere Partnerstadt Wladimir. Diese Zeit verbrachte ich – zusammen mit Ute Szczepaniak aus Nürnberg – bei meinem langjährigen Freund Gennadij Stachurlow und mit Nadja Oblowazkaja. Gennadij, den ich seit 1996 kenne, hatte in den 90er Jahren den grünen Kreisverband in Wladimir gegründet und war dort bis zu dessen Auflösung – mangels Interesse und wegen politischer Erfolglosigkeit – aktiv. Danach gründete er den „ökologischen Fahrradklub Weles“, in dem er bis heute Rad-, Wander- und Kanutouren für Erwachsene und Jugendliche anbietet, also im weitesten Sinne auch ökologische Bildungsarbeit betreibt, denn das Fahrrad gilt hier immer noch als Fahrzeug für Leute, die sich kein Auto leisten können. Für dieses Engagement wurde er auch schon von der Grünen Liste finanziell unterstützt. Die Augenärztin Nadja, die gut Deutsch spricht, setzt sich in Wladimir für die Erhaltung von Bäumen ein, die in der Stadt sehr schnell gefällt werden können, wenn sie jemandem im Weg stehen, unabhängig davon, ob sie krank sind oder nicht. Beide waren mehrfach zu Informationsbesuchen in Erlangen.

Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz in Moskau

Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz in Moskau

In Moskau angekommen, hatten wir bis zur Weiterreise mit dem Zug nach Wladimir einige Stunden Zeit, um uns die Innenstadt mit dem Roten Platz und dem Kreml, die Basilius-Kathedrale, das Lenin-Mausoleum und den Erlösertorturm anzusehen.

Fürst-Wladimir-Denkmal und Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Wladimir

Fürst-Wladimir-Denkmal und Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Wladimir

Gleich am zweiten Tag in Wladimir wurde ich gebeten, an der Universität auf einer Konferenz zum Thema „Museen und Tourismus“ vor Studierenden einen Vortrag halten. Dabei sollte ich mit Hilfe einer Deutschlehrerin einen Vortrag über meine Reiseerfahrungen und meine persönliche Einschätzung der neueren Entwicklung im Land sowie der Städtepartnerschaft halten. Nach mehreren bierernsten Vorträgen russischer Dozenten ohne studentische Reaktion gelang es mir, das Auditorium sogar mehrfach zum Lachen und Nachfragen zu bringen.

Kirchenensemble in Murom

Kirchenensemble in Murom

Mit Nadja und Gennadij unternahmen wir in den nächsten Tagen eine mehrtägige Tour, zuerst nach Murom, wo wir einige russisch-orthodoxe Kirchen besichtigten, und anschließend, bis zur Abfahrt des Zuges nach Kasan um ein Uhr nachts, von einer Kollegin Nadjas in deren Wohnung verköstigt wurden.

Zentrale Moschee in Kasan

Zentrale Moschee in Kasan

Von der russischen „Tataren- und Muslim-Hauptstadt“ Kasan, wo die Kasanka in die Wolga mündet und ein wunderschön gelegener Kreml mit seinen Verteidigungs- und Verwaltungsbauten aus der islamischen Epoche der Goldenen Horde des Khanats von Kasan die Stadt überragt, waren wir alle begeistert: ein Zeugnis der jahrhundertealten gemeinsamen Geschichte von Mongolen und Russen.

Kasan - Kreml und Moschee

Kasan – Kreml und Moschee

Im Kreml befinden sich u.a. drei Gotteshäuser nebeneinander, die Moschee, eine russisch-orthodoxe und eine katholische Kirche, ein Beweis für das friedliche Zusammenleben dreier Religionen. Unterwegs kamen wir zufällig mit zwei Tataren ins Gespräch: Im Kunstmuseum des Kreml mit dem wissenschaftlichen Leiter, der sehr gut Deutsch sprach und uns gar nicht mehr weggehen lassen wollte, von der DDR schwärmte und von seiner neuen „Liebe“, der Türkei, weswegen er jetzt auch Türkisch lernt. In der Stadt, auf der Suche nach einem tatarischen Restaurant mit einem tatarischen Arabistik-Studenten, der ein typisches Lokal empfahl und uns anschließend dort aufsuchte, um uns in einem langen Vortrag von den Vorzügen des Islam, der Wahrheit und Weisheit Allahs überzeugen wollte. Zu seinem Leidwesen vergebens…

Blick auf die Wolga in Nischnij Nowgorod

Blick auf die Wolga in Nischnij Nowgorod

Äußerst interessant war auch der Besuch des Tatarischen Museums, in der die Geschichte der Region Tatarstan und des Tatarischen Volkes von der Frühzeit bis heute gezeigt wird. Nach einer weiteren Nacht im Zug bestaunten wir Nischnij Nowgorod, das frühere Gorkij, von einem Ausflugsboot am Zusammenstrom von Wolga und Oka aus. Vom hochgelegenen Kreml hat man einen wunderbaren Überblick über den breiten Strom.

Nischnij Nowgorod an der Wolga

Nischnij Nowgorod an der Wolga

Zurück in Wladimir, verbrachten wir die folgenden Tage in der Stadt und der Umgebung, unternahmen eine Radtour durch die Partnerstadt und trafen auf Gennadijs Datscha seine Freunde und die Gruppe wieder, die im vergangenen Jahr mit Station in Buckenhof durch Bayern, Tschechien und Österreich radelte. S. http://is.gd/14INHm Eingeladen waren wir auch bei einer Kollegin Gennadijs in einem nahegelegenen Dorf, wo noch alte Ziehbrunnen in Gebrauch sind. Eine weitere Einladung zum gemeinsamen Abendessen erhielten wir von Sonja, einer Freundin von Cornelia Bartlau aus Jena, die sich seit vielen Jahren für den Jugendaustausch zwischen Jena und Wladimir einsetzt.

Blick in den Ziehbrunnen im Dorf: Ute und Gennadij

Blick in den Ziehbrunnen im Dorf: Ute und Gennadij

Dort trafen wir uns auch mit Teilnehmern der Jenaer Delegation. Auf fast allen Unternehmungen wurden wir von Gennadij, seiner Frau Walentina und/oder von Nadja begleitet. In der Stadt erkundeten wir auch die riesigen Obst- und Gemüsemärkte, die Märkte für Bekleidung und Haushaltswaren unter freiem Himmel, in großen Hallen oder in kleinen Kiosken, den klassischen Formen des Einzelhandels. Inzwischen gibt es aber auch Supermärkte, die sich in ihrer Größe und ihrem Warenangebot kaum von unseren unterscheiden, – auch nicht bezüglich der Preise!

Freunde kochen Fischsuppe auf der Datscha

Freunde kochen Fischsuppe auf der Datscha

Verpflichtend sind wie immer auch die Sehenswürdigkeiten der Stadt, die Altstadt, das Goldene Tor, die Demetrius-Kathedrale, die Mariä-Entschlafens-Kathedrale sowie das nahegelegene Kloster Bogoljubowo und die kleine Kirche an der Nerl. Zwei Besuche im historischen Susdal mit seinen zahlreichen Kirchen und Klöstern rundeten das touristische Besichtigungsprogramm ab.

Immer wieder verzaubernd schön: Mariä-Schutz-Kirche an der Nerl

Immer wieder verzaubernd schön: Mariä-Schutz-Kirche an der Nerl

Selbstverständlich nahmen wir auch teil am Programm und den Feierlichkeiten zum dreißigjährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir, z.B. an der Baumpflanzaktion, am Radrennen, dem Eröffnungsabend mit Aufführungen und Konzert, dem Abschiedsabend…

Am Start: Klaus und Doris Höhle, Gennadij Stachurlow, Dieter Argast, Ute Szczepaniak

Am Start: Klaus und Doris Höhle, Gennadij Stachurlow, Dieter Argast, Ute Szczepaniak

Bei einer dieser Veranstaltungen sprach ich auch kurz mit dem neuen Leiter des Umweltamtes, Sergej Suchoparow, und erinnerte ihn an die Einladung der Stadt Erlangen, initiiert im vergangenen Jahr von der Grünen Liste, mit Fachleuten zu einem Informationsbesuch zu kommen. Er zeigte sich aber wenig interessiert und offensichtlich peinlich berührt von dieser Erinnerung.

Druschba! Auf die Freundschaft! Gennadij Stachurlow und Dieter Argast

Druschba! Auf die Freundschaft! Gennadij Stachurlow und Dieter Argast

Bei Gennadij und seiner Frau Walentina waren wir nicht nur gut untergebracht, sondern wurden auch kulinarisch verwöhnt bei Frühstück und Abendessen mit Lebensmitteln: meist aus dem eigenen Datscha-Garten, immer frisch und echt ökologisch! Täglich gab es Kascha, Piroggen mit verschiedenen Kraut-, Fleisch- oder Quarkfüllungen, Salate, Kartoffeln in allen Variationen, selbstgebackenen Kuchen, Süßigkeiten, schwarzen Tee und Wasser aus einer Quelle im Wald – aber keinen Wodka!

Zu Gast im Fahrradklub Weles

Zu Gast im Fahrradklub Weles

Seit meinem ersten Besuch 1995 in Wladimir hat sich vieles positiv verändert: Man kann problemlos mit der Bahn reisen, weil zumindest in Moskau elektronische Anzeigetafel von Verbindungen und Abfahrtszeiten auch in Englisch zu sehen sind, weil die meisten Autos an Zebrastreifen anhalten (noch vor zwei Jahren wäre man glatt überfahren worden), weil sich das Warenangebot vergrößert hat, zumindest für diejenigen, die es sich leisten können, weil gebrauchte Erlanger Busse immer noch das öffentliche Verkehrssystem prägen und vieles andere mehr. Nur die alte (post-)kommunistische Muffigkeit der Menschen im Dienstleistungsbereich ist immer noch zu beobachten. Der politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel geht offensichtlich schneller vonstatten, als Veränderungen bei zwischenmenschlichem Verhalten und Mentalität. Das dauert vermutlich Jahrzehnte und Generationen.

Renate Aigner, Ute Szczepaniak,

Renate Aigner, Gennadij Stachurlow, Dieter Argast, Ute Szczepaniak, Nadja Oblowazkaja, Peter Leiberich beim Abschiedsabend

Trotzdem – Land und Leute sowie Wladimir sind immer wieder eine Reise wert, nicht nur für wenige Tage und nicht nur zu offiziellen Anlässen.

Dieter Argast

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Und leider auch Zeit zum Abschiednehmen von Iwan Nisowzew, der zwar noch in Jena bleibt, dessen Bericht aber mit dem heutigen dritten Teil endet. Es bleibt die Hoffnung auf eine Fortsetzung, möglichst nicht allzu spät. Nochmals zur Erinnerung: Hier geht es zu Teil 1 und Teil 2 der Lebensschilderungen eines Freiwilligen aus Wladimir in Jena http://is.gd/cEYujD.

Am meisten freilich begeisterte mich das Freiwilligenseminar in Weimar, in der Europäischen Jugendbegegnungsstätte. Da kamen die zwanzig besten jungen Freiwilligen aus ganz Europa und den Nachbarländern zusammen. Nie zuvor hatte ich eine solche Menge derart interessanter und so unterschiedlicher Leute an einem Ort unter solchen Umständen getroffen. Nie zuvor hatte ich so viel in so kurzer Zeit in einer kleinen, aber internationalen Gruppe von Menschen erlebt, und dergleichen werde ich wohl auch nie mehr mitmachen können: Spiele zum Kennenlernen und Kommunizieren, improvisiertes Theater, Diskussion schwierigster politischer Fragen, ein Augenzeugenbericht über die schreckliche Lage in Palästina, ein Besuch von Buchenwald, Frisbee-Spielen auf dem Rasen im historischen Zentrum von Weimar, der Geburtstag von Magda aus Polen, das russische Lied von Krokodil Gena auf Deutsch „Wenn die Fußgänger flitzen / tapsend über die Pfützen“ am nächtlichen Lagerfeuer, Diskotheken mit Tanz zu Musik aus aller Herren Länder, der Mischmasch aller europäischen Sprachen tagtäglich, das dauernde Übersetzen ins Deutsche, Englische, Französische, Spanische, Ungarische, Russische…

Iwan Nisowzew inmitten einer russischen Besuchergruppe.

Iwan Nisowzew inmitten einer russischen Besuchergruppe.

Ich werde diese Momente und diese Menschen, mit denen ich zusammenlebte, nie vergessen. Diese gerade einmal zehn Tage haben viele von uns unwahrscheinlich zusammengeschweißt. Wir treffen uns immer noch. Viele sind in Berlin wohnen geblieben, andere sind wieder zurückgekehrt, überallhin in Europa. Und ihre Türen stehen mir immer offen! Man wird mich immer wie den eigenen Bruder aufnehmen und ein Plätzchen zum Übernachten finden. Offene Türen, Wärme und Behaglichkeit überall und für alle, zumindest in Europa. Gegenseitiges Verstehen und Freundschaft, Offenheit und Hilfsbereitschaft. Dafür lohnt es zu leben, darauf lohnt es, seine Kräfte und Zeit zu verwenden. Zeit, um Brücken zu bauen und Türen zu öffnen. Und war das nicht auch das ureigene Ziel dieses ganzen Freiwilligenprogramms? Ein besonderes Dankeschön an die Europäische Jugendbegegnungsstätte in Weimar für die Küche bei diesem Seminar! Derart viele Käsesorten habe ich noch nie zuvor zum Frühstück angeboten bekommen.

Iwan Nisowzew: Geburtstagsgruß für Galina Nikolajewna am Paradies-Bahnhof Jena.

Iwan Nisowzew: Geburtstagsgruß für Galina Nikolajewna am Paradies-Bahnhof Jena.

Ein ganzes Jahr verging so. Noch nie zuvor hatte ich so hautnah wie im Verlauf dieses Jahres verspürt, wie groß und zugleich klein und zerbrechlich unsere Welt doch ist. In diesem Jahr habe ich viel begriffen, ich habe eine Menge Sachen erlebt, war an sehr interessanten Orten und in den unterschiedlichsten Situationen zugegen.

Iwan Nisowzew: Wer sein Fahrrad liebt...

Iwan Nisowzew: Wer sein Fahrrad liebt…

Ich bin all denen dankbar, die in dieser ganzen Zeit an meiner Seite standen. Ich bin Cornelia Bartlau und Heide Bäß für ihre Organisationsarbeit in der Eurowerkstatt Jena e.V. dankbar. Danke an Euch für die Unterstützung in schweren Momenten, die es natürlich auch gab. Dank an das Team vom Jugendzentrum Eastside für die herzliche Atmosphäre, in der ich dieses Jahr verbrachte, und dafür, daß sie mich in ihre Familie aufgenommen haben. Danke, André, Katharina, Isa, Anina und Liebi! Danke für die Erfahrung und für Eure Ratschläge. Dank an alle ehrenamtlichen Mitarbeiter im Eastside: Felix, Fritzi, Annika, Mirri, Claudia, Dascha, Flo und Luisa, Sandra und die anderen. Mein Gruß geht an alle Praktikanten, mit denen ich die Zeit verbrachte, besonders an Albert, der mir in der Anfangszeit half, mich einzuleben, und der später selbst als Freiwilliger nach Rumänien ging.

Sergej Sacharow, Oberbürgermeister von Wladimir, bei seinem Besuch im Juni 2012 in Jena mit Iwan Nisowzew.

Sergej Sacharow, Oberbürgermeister von Wladimir, bei seinem Besuch im Juni 2012 in Jena mit Iwan Nisowzew.

Und natürlich wünsche ich Kateryna Erfolg, einer Freiwilligen aus Kiew, die nach mir, im Jahr 2012, zur Arbeit ins Eastside gekommen war, und mit der ich mich bei der gemeinsamen Projektarbeit angefreundet habe. Natürlich wünschen wir alle Anna Kulakowa, der nächsten Freiwilligen aus Wladimir, die im September 2013 die Arbeit aufnehmen will, gutes Gelingen bei der Antragsstellung. Dank an alle Freiwilligen, mit denen ich wie in einer Familie zusammenlebte. Natürlich werde ich Euch alle noch besuchen, dort in Barcelona oder in Nitra, in der Slowakei. Und natürlich werden wir uns eines Tages auch alle in Jena wiedersehen!

Iwan Nisowzew mit Jugendgruppe.

Iwan Nisowzew mit Jugendgruppe.

Nochmals aber Dank an Cornelia Bartlau für ihre 22 Jahre internationaler Jugendarbeit. Danke, Kaktus, für das Mixtour-Programm. Danke, Jelena Kurizina, Leiterin des Regionalen Jugendverbandes Wladimirer Euroklub, für das Knüpfen der Partnerschaftskontakte. Dank an Peter Steger für das Partnerschaftsdreieck Wladimir – Erlangen – Jena. Dank an Janine Tavangarian und Anna Makarowa für ihre Hilfsbereitschaft ungeachtet all der vielen Arbeit, die sie auch so schon haben.

Iwan Nisowzew kurz vor dem Absprung.

Iwan Nisowzew kurz vor dem Absprung.

Ohne all diese Menschen und Organisationen, ohne deren Mühewaltung, ohne deren partnerschaftliche und oft einfach auch nur freundschaftliche Beziehung untereinander hätte ich all das nie und nimmer erleben können.

Iwan Nisowzew: Die Welt ist so groß!

Iwan Nisowzew: Die Welt ist so groß!

Ich denke, die Erinnerungen an diese herrliche Zeit und die Dankbarkeit gegenüber all diesen Menschen könnten ein ganzes Buch füllen. Dabei war es nur ein einziges Jahr, ein Europäisches Freiwilligenjahr. Dieses Buch könnte übrigens eine Fortsetzung haben. Schließlich bin ich ja noch immer hier in Deutschland. Ich habe alle meine Unterlagen zusammengetragen und mich an der Universität immatrikuliert. Aber das ist dann schon wieder eine andere Geschichte, eine nicht weniger interessante, aber eben eine ganz andere. „Na, was soll denn daran besonders sein“, mag da jemand fragen, „einfach in Deutschland zu leben und in irgendeinem Jugendzentrum arbeiten? Hm?“ – Aber ja, ich habe doch noch nicht einmal erzählt, wo ich überhaupt arbeitete, was ich genau tat. Davon erzähle ich dann eben beim nächsten Mal.

Iwan Nisowzew (aus dem Russischen von Peter Steger)

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